Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 55 (9.7.1935)
- Date
- 1935-07-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653879--27102-2688523- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 55, 9. VII. 1935 Jüdische Rundschau Seite 7 Wie gestalte leb den Schabbat? BRIEFE AN DIE REDAKTION Für Schabbai, 13. Juli Wochenabschnitte: Cttutckat - Balak (IV. B. M. Kap. IQ — 25, 9) I. Der erste Abschnitt der Sidra enthält die Vorschriften über die ״Rote Kuh“. Ein kurzer Hinweis auf die Bedeutung und den Sinn dieser Institution findet sich in Nr. 20 der ״I. R.“ (Jahrg. 1934) (eine Diskussion schließt sich in den Nummern 21 und 23 an). S. R. Hirsch gibt in seinem Konimentar ausführliche Erklärungen, die sich gut verwerten lassen. II. In unserem Wochcnabschnitt stellt das ,,Lied vom Brunnen“ (Kap. 21, V. 17, 18). In Anlehnung an den hebräischen Text hat Bialik ein Brunnenlied gedichtet, das in Palästina viel gesungen wird. In den vom KKL herausgegebenen Liedcr-Postkartcn ist das Lied vertont. Auf dem Oneg Schabbat lernen wir das Lied singen. Der Text lautet: זח ורך,;כיו n*r?לי?אר׳ מקי 5ד־פז י,-עלי ל״1ך נ!ןלי•?ה קמא <י׳ 5?!י 3ן<י•« III. Die Erzählung von Bileam, der auszicht, dem jüdisehen Volk zu fluchen, und sich gezwungen sieht, zu segnen, sollte in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt werden. Der Fluch soll eine zerstörende Wirkung auf das jüdische Volk haben; dazu bedarf er einer Grundlage in der objektuen Situation. Wie nun Bileam ausschaut und prüfen will, da kann er nur segnen. Das Sondersein und -Schicksal des jüdischen Volkes, das er erkennt, erscheint ihm jetzt als Auswirkung seines konsequenten Willens, sich Gott zu erhalten. IV. Wir weisen schon heute auf die am 17. Tatnmus mit dem Fasttag beginnende Trauerzeit hin, die bis zum 9. Aw dauert, lieber die Gründe des Fastens siehe Mischna-Traktat Taanit, Abschnitt IV, Mischna VI. Eine größere Material- Sammlung mit Texten zu diesem Thema und einer Einleitung ist von b. S. Jacobson für die Bundcsieitnng des Zeire Misrachi herausgegeben worden und dort zu beziehen (Anschrift: Hamburg 13, Grindelhof 60). V. Als HaftoTah wird Micha Kap. 5, 6 — f», 8 gelesen, ln ihr wird auf Balak und Bileam Bezug genommen. Der letzte. Vers der Haftarah ist besonders bekannt geworden. E. Psalm 95. Von jüdischen Bräuchen Es wäre durchaus lohnend, einmal im Rahmen des ״Oneg Schabbat" auf die jüdische Wirklichkeit, wie sie uns im Brauchtum, in der Lebendigkeit der religiösen Praxis, im voikstümliehen Leben des Juden usw. entgegentritt, ausführlich ein/ugehen. Wie sieht denn eigentlich unser Judentum in seiner! innersten Bezirken aus, wie wirkt es sich in seinen Sitten und Bräuchen, in seinem Glauben und in seiner Ausübung religiöser Vorschriften, im Alltagsleben im Begehen von Festen und Feiern zu Hause, im Kreise der Familie und der Gemcinde, bei Freuden- und Traueranlässcn aus? Was ist überliaupt Sitte und Brauch und was führt zu deren Erhaltung? Worin kann in unserer heutigen Zeit jüdisches Erleben zum Ausdruck gebracht werden und welcher Rahmen ist uns dazu gegeben? יי In älterer Zeit hat sich der jüdische Mensch, die jüdische Frau und der in der Lehre Unkundige, der populären sogenannten Sitten- oder Minhagim-Biicher bedient. Die alte jüdisch-deutsche (altjiddische) Literatur weist eine Menge derartiger Bücher auf, die ein starkes Einfühlungsvermögen hatten und an Hand erbaulicher und sonstiger Geschichten lind Legenden es ausgezeichnet verstanden, die Sitten und überlieferten Bräuche zu veranschaulichen und zu ihrer Aus- Übung zu erziehen. Diese Bücher haben nicht wenig zur Erhaltung und Verlebendigung jüdischen Brauchtums in Zeiten der Not und der Wanderungen innerhalb von versprengten Volksteilen beigetragen. — Unsere heutige Zeit, die reich au inneren Widersprüche!! und Gegensätzen ist, bedarf um so mehr einer belehrenden und führenden Hand, die sie zur Erfassung jüdischer Wirklichkeit und ungebrochenen Volkstums führt. Wir möchten in diesem Rahmen auf die verdienstvolle Schrift von Leo Hirsch ״Praktische Judentumskunde“ (Vortrupp Verlag, Berlin) verweisen, die ehrlich bemüht ist, trotz manchen Unzulänglichkeit und Einseitigkeit uns diesen Weg zu führen. Ein Wjrt von Shmarya Lev in Berlin, 5. Juli 1935 S<*hr geehrte Redaktion! I-h <u׳b;׳r<■, seir ihrem Kr• ״M'heincn, zu den eifiigMcn und dankbarsten Leserinnen ihrer k׳l>räi>chcn Beilage“. Darum M-i es mir gestaltet, heute auf eine ]dicke in den .omst ihr mich und andere, die .ich gern vor dem Nariwhhigen in! Wür• Um buche drücken, so svertv.jileu Worte! klit nmgen in der Dt /.tun ihulage (vom 2. 7. 35) litrt/u■ w eisen. In dem srhüncii und inocicli*!!enden Fragment au־' d»-r letzten Rede Shmarva I.evins sieben die Worte: ...אם קמים עלינו צוררים נפתח להם את ספר־הבבואה והאגדה וצאמר להם: הכירו־נא למי החותמת ז Dazu sagt der Erklären eigentlich Siegel, gemeint etwa ״Wer Ft der S(h!![)!er dieses Werke״■?“ ihren vollen SIiua aber erhalt die Stelle Ihm Shmarva J.evin erst, wenn man ־-■ - vie da י־ -icherheh viele Jam־!• gleit Ji mir uoeu . in m. inen Worten ein Zitat aus (b-nesis 3!), 25 eikennt. Denn dort ^pridit dient' Worte Taniar, die a1;g1kiag!c Frau, di־׳ zum Tode getührt werden soll; ,,FiknuK• doeli, wem dieser Siegelring gehört!“ ה$ר־£א למי ה ח1ת £ ת.. l'nd gerade dureh dii-ev Wort lieweid sie, daß sie ■ - wie es im nueh-trn \ er.se heißt ••£3’־ rechter ist*‘ als ihr Ankläger. - ־ Wer jemals das Dltick hatte, Shmarya I.cvin reden zu!ihren. der erkennt auch hier .seine Art, das Bibetwar! neu zu erhellen, und nahe an die Gegenwart CDeherslebon (Bode), 30. Ü. 1935 Sehr geeinte Redaktion! In K!g;inzu!)g meiner Mituihing in Nr. 51 d׳ r ,.Jüdi-rhcn Rundo-hau‘1 ma11! ׳ mich Dr. Hain Sachs, Berlin, der bckannte l’a! aden!1/־!׳ןיי־ייי יal i't und!,!opagator einer in der wFomschalt liehen und prakt isclu n Znhnheilkundc neben dein leihliehen auch da-; St!׳!i-ehe In■- rückbeh'igt.nden Betraehfung und Therapie, daran! aufme!k־am. <!at> dir in dem von mir erwähnten Artikel von Di. F. U. Witt herauzu fuhren: die Art des GroOeu Maggid. Bort 11a Badt-Strauß (Zahii.tr/.t liehe Mitteilungen Nr. 19) an erster Siehe besprochene Abteilung der kulturgesehichtliehen Sammlung des Reichs- Verbundes der Zahnärzte DeutschlauiD, (ine ihrer iiitcres'-antesteu und wwjtvolbten, von ihm —־׳ Snelis in 20jahriger mühevoller Sammleriätigkeit. zusanimen gebracht und vor vier Jahren vom R'-it-h-verlund der Zahnar/1»■ I >vut M־hl.1tnU übernommen wurden sei. Hochachtungsvoll Dr. W. Worm Die kiilturgesdiiditlidie Sammlung der Zahnärzte Was wissen wir vom Tag des Juden, von seinen Festen, von seinem Alltag, von seiner Freude und Kummer, von seiner Not und von seiner Hoffnung? Die Gebefe geben hierüber viel und reichen Aufschluß, und man tut gut, sie daraufhin ausfülirlid! zu besprechen. Denn Gebete sind auch ein Widerhall der inneren Not und der Freude, der lebendigen Gegenwart und der vollendeten Menschlichkeit. — Es wird aufschlulireich sein, sieh der Führung Hirschs anzuvertrauen und Gespräche hierüber anzuknüpfen. — Der jüdische Tag hat neben seiner Gebetsordnuiig, neben den Vorschriften lind der Erfüllung von Geboten, neben Mildtätigkeit und sozialen! Zusammenleben auch noch seine Wirklichkeit, seine Tiefe und Höhe, seine Sehnsucht und Hoffnung, sein Leben in der Famiiie und im täglichen Handel und Wandel. Man sollte siel! vielleicht einzelne Typen der jüdischen Wirklichkeit vor Augen führen, die Umgebung des jüdischen Menschen klarmachen und auf gewisse Eigentümlichkeiten hinweisen. Wie beginnt der jüdische Tag? Bevor der Morgen anbricht, gibt cs noch für den Juden mancherlei zu verrichten. Man sollte hier an die inhaltlich schöne wie erhabene Institution mancher Frommen hinweisen, die um Mitternacht aufstehen und in Gebeten und in der Lehre tief versunken den Morgen begrüßen. Fs gibt eine Reihe von herrlichen Mittcrnachtsgebeten, die voller Inbrunst und Wehmut sind und ihren Höhepunkt in der Trauer tun Jerusalem erreichen. Fine feinsinnige Legende weil! (Schabbat 3 a) zu erzählen, daß Gott um die Mitteriiachtsstuiicle seine Stimme erhebt und wie ein in seinem Schmerze sich windender Löwe brüllt. ,,Wehe“, heißt es da klagt Gott — ״dem Vater, der seine Kinder von sich in die Verbannung gejagt hat, und wehe den Kindern, die vom Tische ihres Vaters vertrieben worden sind“. Zusammen mit dem Volke trauert auch die Schechina über die Ohnmacht ihrer Kinder. Die Gebete des Tages wie des Abends sind stimmungsvoll zu erfassen. Neben dem täglichen Schma-Gebet bildet das Achtzohnbittengebet, die sogenannte ״Schmone-Essre“, den Höhepunkt des täglichen Gottesdienstes. Es ließe sich liier an Hand der Bemerkungen von Hirsch in Kürze die geschiehtliehe Entwicklung des Achtzehnbittengebetes und dessen Sinn und Inhalt besprechen. Gute Dienste hierzu dürfte auch Elbogen ״Der jüdische Gottesdienst“, besonders S. 30 ff., leisten. Nicht unbeachtet darf das Kaddisch-üebet, das ebenfalls im Gottesdienst eine wichligc Rolle spielt, gelassen werden. Dieses heute bei Traiieranlassen gesprochene Gebet, bat von Hause aus eine ganz, andere Bestimmung gehabt. Es wurde zumeist als Abschluß nach erbaulichen Vorträgen gesprochen und hat neben der Lobpreisung und Verherrlichung Gottes noch einen messiauischeti Ausblick in die Zukunft Krads. Die Vorstellung, daß das Kaddisch-Gebet zur Erlösung aes Toten dient, ist nachweislich christliches Gut und drang erst i!n l auft■ des Mittelalters ins Judentum ein. — Es ließe sich in diesem Zusammenhang auf diesen ganzen Vorstellmigskrcis beim Judentum hinweisen und auch manche Trauerzeremonicn berühren. Auch über das Feiern von Festen bietet Hirsch reichen Aufschluß. Man sollte aber dabei neben den rein religiösen auch den ethischen und sozialen Gehalt der Feste hervorheben. Dies ließe sich besonders gut an Hand der Schabbatfcicr erörtern, und man konnte den Sinn der absoluten Ruhe, das hohe soziale Ethos in Verbindung mit manchen Gebeten u. ä. heratisarbeiten. J• M• Ein jüdischer General aus China M a t! c 11 e s t c r, 5. Juli. (JTA.) General Mosche C o 11 e!1, ein iri chinesische!! Diensten stehender General, über dessen Figur zahlreiche Geschichten verbreitet sind, ist nach Englarid zuriiekgekehrt, um seine Eltern i!1 Manchester zu besuchen. Der chinesisch-jüdische General stammt aus dem East End von London und begann seine Laufbahn als Gehilfe eines Tuchhändlers. Er trat in chinesische Dienste und war Sun Yat Sens rechte Hand, dessen Leibwache er kommandierte. Während de- Krieges tat er Dienste in den kattadischeu Expeditionsstreit krähen. Juden und Jüdisches im Rundfunk Mittwoch, JO. Juli: l’!,w .170), 15: V, a. KultHMt’in. - - Kaluml- Ung (1261), 15.30: l. ,1. Mt Gtl!. Ut »hu. M ■ >יי/k! >\v;T i. — Bukarv-t (365), 20.45: F. .1. FuMri v!.m Duo.iv M.ilsUf. ־״״■״ lluizeii (302), 21.10: ,.Fob^fs.tlip'‘, Kai!־10 ס v.׳n Muuk-l.i-nhri. Donnerstag, 11. Juli: Riga!515). 10.3u: l:. u. M1׳׳kU D>olm. Kukindburg (1261), 20:' l\ a. Oiknharh. ״ Wien (507), 22.50: SdhiHpUnU'n, u. a. KurngMd. ־-- Frag (470), 21.35: Gu.stav* Mahka-Konzu!!. Freitag, 12. Juli: I.u\eu11>u1'g (1304). 12: V. a. RulänOuiii. — Paris, Kiildiurm (206), 20.30: l . a. MükIuK,oha. ־ - BudupvO (550), 20.30; U. .u..Dui(.11iuUN. — I.uxviiiUug (1304), 21: U.a. Ottenbach. ANTWORTEN DER REDAKTION Mehrere Einsender. Wir haben von dem 50. Geburtstag von Dr. Salli Hirsch nicht aus eigenem Entschluß keine Notiz genommen, sondern auf ausdrücklichen Wunsch des Jubilars. _ Wir bitten, bei allen Anfragen an die Redaktion und bei Einsendung von nicht bestellten Manuskripten Rückporto beizufügen. 1^und) Der i <i oslo ( rhcGungkaufenf hat! Geh*?Ot6s VVens'Mit.'äd * Große liügewiesen Herrlich.׳.■ r Wa'd * Pension ab Frca. 14,— Das ganze Jahr geöffnet Auf 1 ft Ul- ' <Üt:־ V^' ‘6.1 Dingen steht die Welt Erzählung von GERSO N STERN 27. Portletrang Copyright Verlag Erich Reiie, Berlin Die■ Ferien gingen zu Ende. Fehlinger Italic lledda nicht mehr gesprochen. Sie war stets verhindert, wenn er anfragte. Ja, lledda hatte eine zweite Zusammenkunft vermieden. Melters Brief hatte Melters Nöte so sehr!«1 sie licningcdriingt, daß sie Felilingers Ausgeglichenheit nid 11 ertragen konnte. Sie schien zu leicht erworben, zu bequem. HeiJdu wollte Fehlinger nicht selien. Da aber Fehlinger am nächsten Tage zurück fab reu sollte, konnte lledda nicht mehr ausweielien. Hie saß in Frau Felllingers Zimmer,!las noch die Luft der neunziger Jahre 7.11 atmen schien. lledda hatte es abgelelmt, spazieren zu gehen, sie wäre zu ermüdet. Frau Fehlinger war erkältet und hatte »ich zurückgezogen. lledda sagte, sie müßte aufbreehen. Fehlinger bat, sie nur etwas fragen zu dürfen. ״Haben Sie mit mir nicht zusammen sein wollen?“ lledda wurde rot, aber sic antwortete: ,,Ja.“ ״Habe ich Sie verletzt? M as habe ich ihnen getan, Fraulein lledda?“ Es entstand eine Pause. Fehlinger sali lledda, die auf ihre Unterlippe biß, daß man di« w eißen Zähne selien konnte, verwundert an, und nach einer Weile wandte lledda ihr Gesicht Fehlinger zu: ״Ich werde es Ihnen aufrichtig sagen.“ Und lledda sprach ihre Gedanken aus und ihre Nöte, die der Genügsamkeit Felilingers gegen Überstunden. Feldinger war sehr betroffen. ,,Sie haben recht, Fräulein lledda. Ich möchte ebenso offen sprechen. Hie sind in ewiger Flucht. Sie fliehen vor ihren Zweifeln, vor Ihre» Fragen. Sie sind erschreckt und fliehen und werden immer wieder eingeholl von Ihren Bedrängnissen. Sie können nicht entrinnen. Das muß furchtbar «ein. Aber in dem Nkht-e11liliehe11-K.ö1mun ist Ihr Glück aufbewalirl, es tragt sich nur, oh Sie 1*s erreichen, Ih>- vor Sie umsinken. Sie sind ausgezeichnet dureh das Nichtent Hieben-K<>1 men,“ lledda dachte: Fehlinger hat recht, ich kann 1110111 eiltfliehen, und Meller kann nicht ent fliehen. ״Vielleicht kommt der Tag, da Sie es nicht mehr wollen“, lugte Fehlinger hinzu, lledda schaute auf, es war das, was sie gedacht hatte; konnte Fehlinger Gedanken lesen? lledda beobachtete ihn. Er mußte erregt sein, denn er war au ('gestanden und ging mit großen Schritten durch das Zimmer. ..Das sogt nichts von mir, Fräulein lledda. Ich möchte nielit, daß Sie gering von mir denken. Ich schätze Sie zu sehr. M as läßt mich sagen, ich hin glücklich? Es ist die Art meines Erleben“, die erworben ist. ,Man nmß es sich verdienen, dieses Missen von der Verbundenheit mit der Midi, von der l nlösharkeit aus dem Seienden. Die immer Und immer wieder empfundene \ erlumdmlieil macht glücklich, Fräulein lledda, macht lief glücklich. Sie dürfen nicht denken, daß man dergleichen an den St!׳aßenecken auflieben kann. Es ist keine satte Genügsamkeit, das ist gewiß, es ist das Wirkliche, das sieh in uns offenbart, und in unser Eeben tritt. Denn wirklich ist, nur. was auf das Ewige weist.“ lledda fragte sieh, wie soll ich diesen Fehlinger tinlerbringen? Ich kann ihn nicht beiseile schieben. Felilingcr war vor lledda sieben geblieben. Er boug'e sieh etwas zu ihr hinab. ״Ich muß) noch etwas aussprechen, wenn ich alles sagen will. Ich hin ein Eichender.“ Felilingers Erregung war auf lledda üliergegiiiigen. Aber in diesem Augenblick schlug ihr Nerz so gewaltig, daß sie nach »lern Herzen griff und unbewußt aufstöhnte. Fehlinger erschrak. ״Was ist, was ist, Fräulein lledda?“ ״Niehls“, sagte lledda, ״ich habe Kopfschmerzen. Darf ich Sie 11m ein Glas Wasser hillen?“ Fehlinger eilte hinan«, lledda stöhnte nochmals auf. Halle sie nicht an Weiter von Eiehe und Erbarmen geschrieben? Und nun kam Fehlinger. den sie nicht, hatte Wiedersehen wollen, und würde ihr sprechen von allem, was in ihr Unruhe, und Frage war. Fehlinger kam mit dem M’asser, lledda trank perig, Felllinger setzte sich und schwieg. Aber nun plötzlich drängte lledda, er sollte wcitersprechen, sie bäte ihn darum. Felilingcr sprach jetzt leiser, als wollte er lledda schonen, oder es war, daß seine Gedanken kein lautes Sprechen gestatteten, und er sah an lledda vorüber oder, wenn “eine \ ugen sie trafen, dureh -ie hindurch. ...la“, sagte er, ״ich 11111 ein Eichender. Ich liehe das Sein. Es ist die einzige Erscheinung des Endliehen im I neiidliehcn, die uns zugängig El. Es ist heransehend, dies zu wissen, so das Sein zu fassen, es so zu halten. .Mehr als dies, Fräulein lledda, ich liebe den Augenblick. Ich liehe das Sein in .seinen tausend 0 ITeiiharunuen. Man kann mellt gen 11!׳ heben. Fräulein lledtla. Mau darf nielit voll sieh ausgelien. Man muß \<>n dem Sein au-celieii, das ist das Geheimnis,“ lledda. deren M idersläude gegen diese Ferne. seltsam Schweifende und i!1s t neiidliebc Ausgeglichene schon nach seinen ersten Morten erloschen waren, wurde eigenartig gepackt. Es seinen, daß Felilingcr mit liiiieiiigrzoiren würde, nein, dala er sieh hmeinhegälte in ihre M irrni“, daß aber die Vor- Zeichen andere würden und der Ausblick ein anderer. Sin mußte wieder einen Schluck Masse!־ trinken. Es war zuviel, was an sie licrandriingle. ״Ich muß noch eins sagen“, fuhr Fehlinger fori. ״Teil liehedas Judentum. Ich liehe es so. daß ich daran leide. Die, Eiehe kann so groß sein, daß man daran leidet. Es ist, schwer dureh M inie auszudriieken. Ich liebe das Judentum, nicht das heutige, so wie Sie es sehen, ich fühle ein Volk, das Volk der Juden, In mir erwacht ein Almen von lausend vergangenen Jahren, ein Hauch dessen, was die Vorderen trugen. Ich fühle, dieser Hauch kann zum Sturmwind werden. Ja“, sagte Fehlinger, ״Sie und ich sitzen so ruhig hier, und ich spreche so ruhig tliese M'oiie, und hinter diesen Morten steht ein Vulkan, der die Erde erschüttern ließ. Wir stellen in einem neuen Ausbruch dieses Vulkans. Einmal kam es vom Himmel her zu den Herzen der Menschheit. Diesmal wird es aus leidenden Herzen geboren, die rticlit weiterlragcn können. Es ist ein Ausbruch, ein Aufbruch. ein M iejer» erden. Es ist das Miederfinden, weil man nielit iinlergehen kann und will. 1 ud all dies ist Eiehe, Eiche zu Zion. Unsere Mell stellt auf dieser Eiehe, Fräulein lledda.“ ״M'orauf sieht die M eit?“ Heide Mickten auf. im Türrahmen stand Dr. Ornslein. ״Sie müssen entschuldigen“, sagt« er. ״Dreimal habe ich angeklopfl. Da ich jedes M ort, draußen hören konnte, nahm ich an, dal'* ich es ancli drinnen hören dürfte. Ich erfuhr, daß Sie bei mir ■waren, Herr Doktor. Ich wollte Ihnen vor Ihrer Abreise noch die Hand drücket!. Dr«