Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 55 (9.7.1935)
- Date
- 1935-07-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 9. VH 1935 Theater, Literatur, Religion Die Schule umfaßt 600 Kinder. Eine Antwort der Stadt Stellt noch aus. Die Stadtverwaltung■ Tel-Awiw nahm die Demission von Sch o s c 11 a n a h P c r s i t z, die bisher das Erzieh u n g s 11 e p arte 111 e!11 der Stadt geleitet hat, an. Frau Persitz demissionierte, weil die Munizipalität ihr nicht die ihrer Ansicht nach nötigen Mittel für den Ausbau des Schul- Wesens /11r Verfügung stellte. Die Leitung des Lrziehungsdeparftments hat bis zu den Neuwahlen, die im Oktober erwartet werden, Rokach, der stellvertretende Bürgermeister, übernommen. Die landwirtschaftliche Schule von Kadoorie in Tuikerem (für Araber) ist um 300 Dunam Boden vergrößert worden. Die Regierung bereitet die Eröffnung zweier neuer arabischer Schulen, eine für Knaben und eine für Mädchen, in Jaffa vor. Die landwirtschaftliche Schule des P f 1 a n - zer verba 11 des in Pardess Chanah beginnt mit dem Bau der Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Das Internat ist zu Beginn für 23 Insassen berechnet. Die Alliance Lsraelite Universelle bat sich aut Antrag des Waad Lenmi entschlossen, ihre Handwerkerschule in Jerusalem von neuem zu eröffnen. Die Abteilung für soziale Fürsorge beim Waad Leumi eröffnet einen A u s h i I d u n g s k «1 r s u s über soziale Arbeit unter der Leitung von Frau Wronsky. Die N a t i o n a! h i b I i 111 ״ e k bei der Hebräischen Universitiit Jerusalem geht diesen Sommer an eine durchgehende N e u;1 11 f n a 11 m e ihres li ii c 11 e r b e s t a 11 d e s. Die An-tnlt wird zur Durchführung dieser Arbeit während zwei Monaten geschlossen bleiben. lur die Durchführtuig dringender w i.-.-ivii-whaftlicluT Arbeiten stellt die Bibliothek dem Publikum auch 111 dieser Zeit zur Verfügung. l!:e Realschule in Haifa unter der Leitung von Dr. Hiratn bereitet die Uebcrfuhriing ihres Internats in einen neuen Hau auf dem K a r!11 e I vur, wo auch eine Zweigstelle der Schule eröffnet werden soll. Die Schule umfaßt heute77 ־i Kinder. Nach der Bvdim!1nn!g des Appell,flioiisgerichtes, die eine Bestimmung des Bezirksgerichts bestätigte, sind die Schreiber von (Keuchen und Bittschriften, die in den p.11;etiitensiM hen (1 e r i c h t e!1 für das Publikum Schreiberdicri-te boten, nur dann berechtigt, ihr (bewerbe auszuüben, wenn sie von Anwälten airgestcllt sind. Die Regierung veröffentlicht genaue Anordnungen für die bei V a 11 I p e t 1 t 1 o 11 e 11 bei (jericht an/uw endende Prozedur. Die Vertilgung enthalt unter anderem die Vvrpfliclitung, eine bestimmte Summe für fierichtskosten verlier zu!■unterlegen. Die K r a 11 k e 11 k as.se der A r b e i t e r o r g a n i s a - tion umfaßt heute 11 her 45 000 Mitglieder, davon in Tel- Awivv 15 000, (!! Haifa fast 10 000, in Jerusalem '2300. Der Waad I eumi hat eine Mitteilung herausgegeben, in der vor der Gefahr einer T y p 11 u s e p i d e m i e gewarnt wird. Hoher sind Typhusfalle in einigen Ortschaften des Landes aiifgef reten. Besonders heftig waren die Erk ranklingen in Hulda, einer Siedlung in Judäa (siehe unsere .Meldung in der vorletzten Nummer. Red.). Von den 00 Mitgliedern vier dortigen Kwti/ah sind 30 ernstlich erkrankt, 3 Todesfälle sind bereits zu verzeichnen. In Jaffa brach in einer Tischlerei und einer angrenzen• den Autokarosseriefabrik ein Grollfeuer aus, das auch die Nachbarschaft zu gefährden drohte und schließlich durch ־ Polizei und Feuerwehr bekämpft wurde. Die Besitzer der t Betriebe wurden später verhaftet. Bodenerwerb im Belsan-Gebiet Der Keren Kajcmeth hat 25000 Dunam Boden im B c i s a 11 b e / i r k erworben. Fs handelt sich hierbei um I )schiftlikboilen, der vor 13 Jahren an dort wohnende Araber von der Regierung gegen langfristige Abzahlung übergeben worden war. Die Araber haben Parzellen an den Keren Kaje me 1h verkauft, die jedoch verstreut waren, so daß «ine Siedlung nicht in Frage kam. Nunmehr ist durch Tauschtransaktionen 41er Besitz des KKL zusaimnengelegt und Sicdlungsntoglichkeifeii für 400 Familien eröffnet worden. Die Jewish Agencv genehmigte die Ansiedltuig von 160 Familien aus den (iruppen der Allgemein-zionistischen Jugend ״Akibas“, dem Haschonier Ha/air und ans Griechenland. * Entgegen den Nachrichten von Bodenkäufen des Keren Kajcmeth in N ״ r d p a 1;1 s t i n a wird vom Keren Kajemeth initgeteilt, daß tierartige Bodenkäufe nicht vorgenommen worden sind. Ls hat nur ein Bodenlausch mit Arabern in der Nähe von Beth Alfa stattgefunden, um jüdischen Bodenbesitz ,abzurunden. (Wir hatten diese Meldung einem Telegramm de! von der Jewish Agency in Jerusalem herausgegebenen ״Psicor“ entnommen. — Red.) Eine neue Siedlungs-Gruppe. Uns wirtl geschrieben: Am 51. Mai und 1. Juni fand 111 Nabalal unter Anwesenheit von 33 Chawerim die (inimlum;-. Versammlung eines Irgun statt, dessen Mitglieder sich hauptsächlich aus ('lim aus Deutsch- Find zusammensetzeii. Dieser Irgun hat das Ziel der individucllen Ansiedhmg auf kooperativer Basis (Moschaw Owdim). Fs ist das erstemal, daß sieh eine Gruppe von vorwiegend Chaluzim aus Deutschland die Neuschaffung einer Siedlung nach dem Muster von Nalulal zum Ziele gesetzt hat. An der Tagung nahmen Vertreter des Waad Hamoschawim Weirgunim (Dachorganisation der Mosehwe Owdim und Irgunim), des Waad Nalialal und der 1 litachduth Olej Germania teil, die ihre tätige Mithilfe auf allen Gebieten zusagten. Erfreulich war, daß die Tagung in hebräischer Sprache durch geführt werden konnte. F:s wurden Referate gehalten über aktuelle Problem« der Moschawbewegung, über die Grundlage des Moschaw und über die besonderen Aufgaben und Schwierigkeiten dieses neugegründeten Irgun. An unsere Leser In Palästina die unsere Zeitung direkt von uns unter Streifband erhalten und über unpünktliche Zustellung zu klagen haben, richten wir die Bitte, uns zwecks Abstellung dieser Mängel das Original-Streifband mit Vermerk des ge- Italien Eingangsdatums zu Obersenden. VERTRIEBS-ABTEILUNG Der Bodenfonds des Palästina *Aufbaus Keren Kajemeth Lejisrael<Jüd. Nationalfonds e.V.> Berlin W15, Meinekestr. lö, Postscheckkonto: Berlin Nr. 28247 ״Ohel“ spielt Molnars ״Liliom“ Tel Awiw, Ende Juni 1035 Alit dieser Aufführungerspielten sich die Oliel-Lcufe einen großen Erfolg. 111 der Tat bedeutet diese Neueinstudierung mehr als eine nur alltägliche Erweiterung des Repertoires. Fs sieht fast wie ein Bekenntnis aus, ein Bekenntnis zum wirklichen Theaterspiclen, zum sich Ausleben in meisterhaft gebauten Rollen, deren Gesamtheit sei es Zufall oder nicht — ein Werk von wahrem künstlerischem und dichterischem Wert ausmachen. Gewiß, Liliom ist ein soziales Stück, es ruft die Gesellschaft auf, für jene Benachteiligten einzutreten, denen Elternhaus, Erziehung und Schule nicht dazu verhelfen konnten, den Platz im Leben auszufiillen, der einem gesunden, gradlinigen und tatkräftigen Menschen zusteht. Niemals aber wird bei Moinar die soziale Frag« in den Vordergrund gerückt. Sic fügt sich dem Ganzen so selbstverständlich ein wie der Uebergang vom Realen zum Legendarin. Der Hauptanteil am Erfolg ist auf das Konto der hervorragenden Regie von Friedrich Lobe zu setzen. Was in der Danton-Aufführung (unter dem gleichen Regisseur) noch nicht erzielt wurde, wird hier erreicht: die Schauspieler haben wirklieh das Letzte hergegeben. Man muß verstehen, was es bedeutet: Menschen, die, wie die Mitglieder dieses Arbeiter- Theaters, früher an der Maschine standen oder den Boden bearbeiteten, schließen sieb, ohne jemals eine Schauspielschule durchgemacht zu haben, zu einer Gruppe zusammen, versuchen sich jahrelang an einem Stil, der die dick aufgetragene Maske, das expressionistische Bühnenbild, die eckige Bewegung, das bis zuin Kreischen übersteigerte Organ pflegt, also gleichsam seifte Wirkung immer vom Aeußerlichen herholt (wobei zugegebenerweis* auch diese Wirkungen eigenartig und von einer gewissen Stärke sein können) — diese Menschen werden heute tlazu gebracht, auf einer realistischen Bühne mit ungeschminkten Gesichtern im natürlichen Sprachton innerliches seelisches Erleben zu vermitteln, und es gelingt ihnen! Nur selten sah man auf der palästinensischen Bühne von einem Regisseur auch die kleinsten Nebenrollen, die scheinbar unwichtigsten Beigaben der Haupthandlung, die Ucbergänge von einem Bild zum anderen mit so viel Sorgfalt und Geschmack ausgearbeifet, Nur selten erzielte eine Schauspielerin mit so verinnerlichten Mitteln und bei Vermeidung all dessen, was wir ״theatralisch׳‘ nennen, eine so starke Wirkung wie Ghana Sancovskv, die Darstellerin der Julie. Sie erreicht ihren Höhepunkt an der Bahre des Selbstmörders Liliom, wenn sie ihre Rivalin abfertigt und, allein mit den! Toten, rum ersten Male Anklagen gegen ihn ausstößt. Die Marie der Schauspielerin Barkait hätte vielleicht noch um einige Grade gedämpfter sein können. Hier ist ebenso wie bei der Frau Muskat von 1 )ora Kastellianetz die Gefahr noch nicht ganz überwunden, insbesondere stimmlich ein wenig zu übertreiben. Die Chargen sind durchweg hervorragend besetzt. C h a I f i ist ein vorzüglicher Gauner Ficsur, Einstein verhilft der PhotographKT-Szcne, die auch regieinäßig zu den besten des Stückes zählt, zu besonderer Wirkung. Po poch stellt einen sympathischen Beifeld hin mit der Sehnsucht nach Karriere, aber doch mit dem Unterton des Erhabenseins über die lächerlichen Dinge des Alltags. G a b b a i ist als Dr. Reich im Himmel (gleichfalls Selbstmörder und gemeinsam mit Liliom zur Verantwortung gezogen) besser, als in der Rolle des Kassenboten Linzmann. weitere Chargen werden liebevoll betreut von Baraban, Silberg, Arasi, Vofclsohn und den Damen Perlmutter und Schöntal. ie alle haben ebenso großen Anteil am Gesamtgelingen wie die zum Teil auf dein Programm nicht genannten Vertreter ganz kleiner Rollen, zum Beispiel der hervorragende Armenarzt, die Ringkämpfer des Rummelplatzes usw. Liliom ist Cechov a I. Er ist ausgezeichnet, wenn er vor Freude über das Kind, das Julie von ihm trägt, in Begeisterungsschreie ausbricht, wie auch in der Szene am Bahndamm, wenn er an Fiscur bereits das Geld verspielt, das zu rauben sie erst im Begriffe stehen. Körperlich ist er beweglich und vermag wohl laubhaft zu machen, welch guter Kern in Wahrheit in diesem trizzi steckt, der die Dienstmädchen verführt und ihnen ihre Groschen abnimmt, der herumpoltert und schreit, der sein Geld vertrinkt und verspielt. Bei alledem hätte man ihm mehr Charme gewünscht, es fehlt ein wenig das Strahlende, Bezaubernde, das ihm im Nu die Frauenherzen zuführt. Dieses Manko wird vor allein im ersten Bild mit dem berühmten ״Schaukellied“ spürbar, das auch in der hebräischen Ueber- Setzung, die wie die Uebertragung des gesamten Manuskripts von Nathan Alt er mann stammt, nichts an Rhythmus einbüßt. Leider ist dieser theatralische Auftakt, im Vergleich zu dem gesamten Niveau, Cechovals schwächste Szene, jedoch wird er sich in weiteren Wiederholungen gewiß noch einspielen und auch hier zu größerer Wirkung gelangen. Dem Regisseur Lobe war die Bühnenbildnerin Genia B e rg e r eine ausgezeichnete Helferin. Zum ersten Male wird hier eine Drehbühne verwandt, bei der die Szenerie auf einer großen Scheibe aufgebaut ist. (Im ״Jud Süß“ der Habimah waren es mehrere kleine Scheiben, die ins Proszenium gedreht wurden.) Der Ablaut der Szenen funktioniert pausen- und rei- Von der Woche Sir Arthur Wauehope tritt seinen Engl andurlaub am 1. August an und wird Mitte Oktober nach Palästina zurückkehren. Oberrabbiner K u k wurde in ein Sanatorium übergeführt. Es fand ein Aerztekonsilium unter Hinzuziehung von Professor Marcus, Tel-Awiw, statt. Sir Arthur Wauchope fragt täglich nach dem Befinden des Patienten an. Joseph Schapiro. der Leiter der Tel-Awiwer Abteihing des Ruthenberg-Werkes, wurde zum Mitglied der Regierungskomrnission für Handel und Industrie auf Empfehlung der Jewish Agency ernannt. Er tritt an Stelle des Leiters der Handelsabteilung der Jewtsh Agency, Tischli, dessen dreijährige Amtsperiode in der Kommission jetzt abläuft. Die Kommission der Regierung für den Rundfunk besteht aus Abraham Katznelson, einem Araber und drei englischen Beamten. Die Regierung beginnt im Laufe dieses Jahres an der Grenze von Tel-Awiw und Jaffa mit dem Bau eines neuen Gebäudes für die Verwaltung und das Bezirksgericht, das sich bis jetzt in Jaffa befand. Von der Regierung werden gegenwärtig Vorbereitungen für den Aufbau einer zivilen Luftfahrt Palästinas getroffen. Es soll Gelände für einen Flughafen in der Nähe von Lydda erworben werden, auch jüdische Piloten sollen eine Flugausbildimg erhalten. Das Budget der Palästinaregi erring für 1935'36 ist von London aus bestätigt worden. In ihm sind Subventionen für jüdische Institutionen in Höhe von £ 57 550 bungslos. Bilder, wie der Bahndamm und der Himmel, geling«! ganz hervorragend und würden ebenso wie auch Cker Lunapark und die Interieurs den Vergleich mit besten europäischen Theatern aushaltcn. Die Aufführung wird als Ereignis der alästincnsischen Theater-Geschichte nicht vergessen werden önnen. Manfred .Geis Das hebräische Buch in der Diaspora Im ״Haare/.“ veröffentlicht M. Bioscher Ziffern über die Verbreitung des hebräischen Buches außerhalb Palästinas, welche zeigen, wie sehr die hebräische Bücherproduktion sich nach Palästina konzentriert hat, und wie sehr der Druck hebritischer Bücher außerhalb Palästinas zurückgegangen ist. Die Statistik umfaßt die letzten fünf Jahre; in dieser Zeit sind außerhalb Palästinas 1399 rein hebräische Bücher erschienen und 181 Bücher mit gemischtem hebräischem und nichthebräischem Text. Von den 1399 hebräischen Büchern erschieneu 845 in Polen, 276 in Amerika, 75 in Rumänien. In Deutschland erschienen 40 hebräische Bücher. Was die Fächer anlangt, denen die verschiedenen Bücher angehören, so sind 175 Kinderbücher, 41 Bücher der schönen Literatur, 127 wissenschaftliche Bücher, 194 Lehrbücher. Der größte Teil der gedruckten Bücher — 726 — sind religiöser Natur. Diese Bücher sind zum größten Teil von den Verfassern selbst verlegt worden; überhaupt hat der hebräische Buchhandel in der Diaspora sehr primitive• Formen angenommen; die großen hebräischen Verlage, die noch vor wenigen Jahren außerhalb Palästinas bestanden, sind nach Palästina gegangen. Obwohl die religiöse Literatur noch immer in der Diaspora an erster Steile stellt, zeigt eine Statistik, daß im Laufe der letzten Jahre ihre relative Zahl immer mehr zurückgeht. Dagegen nimmt die wissenschaftliche Literatur an Zahl zu. Der Ver• fasser der Statistik glaubt übrigens, daß seine Ziffern keineswegs pessimistisch zu beurteilen sind; die großen Verlage hatten ihre Arbeit außerhalb Palästinas eingestellt, und dadurch einen allgemeinen Niedergang der hebräischen Buch- Produktion herbeigeführt, obwohl keine objektiven Gründe dazu vorhanden seien. Diskussion über das Religlonsgesetz Die Erörterung der Frage der Religion nimmt in der palästinensischen Presse, insbesondere in der Arbeiterzeitung ״Dawar“, ihren Fortgang. Die ״Jüdische Rundschau“ hat kürzlich über einen Artikel referiert, in welchem die F'rage aufgeworfen wurde, wie ein autonomes jüdisches Leben in Palästina möglich sein soll, wenn ehe Versorgung der notvvendigsten Bedürfnisse des Gemeinwesens (Eisenbahn, Telephon, Wasser) am Schabbat religionsgesitzlieii verboten ist und daher von Nichtjuden ausgeübt werden müßte. Der Artikel blieb nicht unerwidert, man verwies auf das Beispiel von Neuseeland, wo am Sonntag aller Verkehr unterbrochen ist. Der Redakteur des ״Haolam“, M. Kl ei 11 mann, veröffentlicht im ״Dawar“ einen ausführlichen Artikel zur Frage. Eine Wiederbelebung des jüdischen Volkes in Palästina ohne Wiederbelebung der Religion sei undenkbar und deswegen sei vom zionistischen Standpunkte die Frage von höchster Aktualität. Der Schlüssel der religiösen Situation liege in der Frage der Reform. Seit mehreren Generationen tobt der Kampf darupi, das religiöse Gesetz den Notwendigkeiten der Zeit anzupassen. Der Ruf nach Reform sei nicht um der Nation willen erfolgt; die Forderung sei in der hebräischen Literatur gerade von denen gestellt worden, welche a«1 der Erhaltung der nationalen Physiognomie des jüdischen Volkes aufs höchste interessiert waren und von innen heraus einen Ausgleich suchten, damit der Jude, der unter den Bedingungen unserer Zeit lebt, sich nicht ständig als Sünder fühlen müsse. Aber die religiösen Führer schenkten der Forderung kein Gehör, weil sie in sich nicht die Autorität fühlten, gesetzliche Bestimmungen auf zuheben. Die Folge war, daß das Volk über die religiösen Bc- Stimmungen zur Tagesordnung überging, nicht mehr um die Erlaubnis der Rabbiner fragte und die Anarchie walten ließ. Diese erstreckt sich bis weit in die religiösen Kreise hinein, die selbst gewisse Bestimmungen (wie das Verbot des Sich- Kämmens am Schabbat) fallen ließen, ohne daß sich die Massen mehr dessen bewußt sind, daß hier die Uebertretung eines ausdrücklichen Verbotes vorliegt. Der Konflikt muß in Palästina gelöst werden; Kleinmann sieht zwei Wege einer möglichen Lösung: Entweder die Rabbiner sind entschlossen, eine große Tat zu tun und diejenigen Gesetzesfcestimmungen zu ändern, welche im Gegensatz zu dem neuen Leben in Palästina stehen (z. ß. das Verbot des Melkens der Kuh am Schabbat). Eine solche große Tat wäre imstande, das Volk für die Beobachtung der aufrechterhaltenen Bestimmungen zurückzugewinnen, wenn aber die Rabbiner nicht den Mut aufbringen, den eine solche Reform von oben erfordert, so bleibt kein anderer Weg als der der Selbsthilfe von unten. Diese freilich müßte, wenn sie religiös wirksam sein soll, aus religiösen Motiven und aus dem Gefühl religiöser Verantwortung heraus erfolgen. inbegriffen (gegen £ 38 950 im Vorjahre). Auf jüdische Er- Ziehungsanstalten entfallen davon £ 36 000 (gegen £ 28 000), auf das Gesundheitswesen und die Sozialversorgung £ 14800 (gegen £ 7500), auf die Versuchsstation der Jewish Agency £ 6500 (gegen £ 5400). Zwei Araber wurden wegen Mordes an dem jüdischen Landwirt Mosche Blonder in Aiuleh zum Tode verurteilt. Der Mord erfolgte im vergangenen Jahre, als die Mörder — zwei Brüder — Getreide stehlen wollten und Blonder im Schlaf etschossen. Das Gericht bestand aus einem englischen und zwei arabischen Richtern. Das von der Jewish Agency gegründete Bialik-Institut kündigt die Aussetzung von acht Preisen im Gesamtwerte von 900 Pfund an, die für hebräische Belletristik, Wissenschaftliehe und Kinderliteratur sowie Uebersctzungen ins Hebräische zur Verteilung gelangen sollen. Die Preisverteiluitg findet am 10. l ebet, dem Geburtstag Biaiiks, statt. Die Tagung des landvvi rt sch ältlichen Rates der Histadruth wurde geschlossen. Es wurde über den Absatz der Gesamtausgabe von C 75 000 fünfprozentigen Aktien der Gesellschaft ״Nir“ berichtet. Die Gesellschaft lieh für Siedlungen im Emek Cliefer und Tel Mond je £ 25 000 und verkaufte an den Keren Hajessod £ 160 000 3,6prozentiger Schuldscheine. Sie wird ihr Kapital durch weitere Aktienausgaben in Höhe von £ 75 000 verdoppeln. Der Bau der größten Textilfabrik im Nahen Orient »n Kfar Atta bei Haifa ist beendet. Mit der Installation der Maschinen wurde bereits begonnen, der Betrieb soll Ende August aufgenotnmen werden. Es werden 150 Arbeiter bei einer Jahresproduktion von £ 150 000 beschäftigt. Der Besitzer ist ein jüdischer Industrieller aus der Tschechoslowakei.