Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 54 (5.7.1935)
- Date
- 1935-07-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit® 2 jüdische Rundschau Nr. 54, 5. VII. 1935 Dr. Chaim Weizmann Listenführer der ״Weltvereiniguncr Allgemeiner Zionisten“ macht, zugleich Erschließung neuen Bodens für die Gesamtheit der Bevölkerung und in diesem Sinne eine Widerlegung des Vorwurfs, daß die Juden den Arabern den Boden wegnehmen. Auf politischem Gebiet drohte unmittelbar nach Antritt der Exekutive die Lage gefährlich zu werden, als die Araber im Oktober 1033 gegen die Verstärkung der jüdischen Einwanderung revoltierten. Die Demonstrationen wurden von den Engländern im Keime erstickt, und der regierende High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, hat es verstanden, eine Beruhigung herbeizufülirert - nicht auf Kosten der Juden, denn die Einwanderung wuchs von Monat zu Monat. Es ist der Jewish Agency gelungen, eine weitere Hinauszögerung des Projektes eines Gesetzgebenden Rates durchzusetzen — die Frage ist freilich gerade jetzt wieder auf die Tages- Ordnung gekommen. Als eine besondere Leistung der Exekutive ist die Eingliederung von über 25 000 Juden aus Deutschland zu bewerten; bekanntlich hat der letzte Kongreß hierfür ein eigenes Dezernat geschaffen, unter der kommissarischen Leitung von l)r. Weizmann, mit Dr. Huppin und Georg Landauer als verantwortlichen Bearbeitern. Die Frage, ob diese Somlerableilurig weiterbestehen bleiben soll oder ob diese Arbeit nunmehr in die sonstige Arbeit der Exekutive eingegliedert werden soll, wird den XiX. Kongreß beschäftigen. Man wird dabei von der Erwägung ausgehen müssen, ob es auch in Zukunft für diesen Zweck gesonderte Gelder geben wird. Die Parfcizeraplitterung Unter anderen Verhältnissen hätte die Arbeit der Exekutive neidlose Anerkennung finden müssen, natürlich gepaart mit sachlicher Kritik, di!• in jeder Arbeit unentbehrlich ist. Infolge der unseligen [> ,1 1 t e i / e 1־ s p I i 11 e r u n g aber war die Exekutive von Anfang an umstritten und im Laufe der zwei Jahre ist die innere Zersetzung immer weiter vorgeschritten. Die Revisionisten, die durch ihre extremisfische Gruppe überaus diskreditiert waren, haben jedem Versuch, sie der Organisation einzuglietlern, Widerstand gcleistet. Denn die Vorbedingung war ihre Unterwerfung unter die zionistische 1 )i-zipliii, insbesondere auf außenpolitischem Gebiet. Diese wurde von ihnen entschieden abgelehnt. Die Revisionisten machten den Versuch, gleichzeitig sowohl in der Organisation zu sein als auch diese von außen und innen zu bekämpfen. Infolgedessen blieben auch die von dein Mitgliecl der Exekutive, Ben Gurion, unternommenen Versuche einer Einigung mit dom Rcvisionistenfuhrer Jabotinsky vergeblich. Die gleichzeitig versuchte Verständigung zwischen Revisionisten und Arbeiterpartei über die Arbeitsverhältnisse in Palästina scheiterte an dem Widerspruch der Mehrheit der Arbeiterorganisation, die in einer Urabstimmung die Vereinbarung ablehnte. 1 )io Verhältnisse spitzten sich immer mehr zu, bis nach den bekannten Ereignissen nach der letzten A. C.-Sitzung die Revisionisten austraten. Der Kongreß steht also vor einer ähnlichen Situation wie der VI. Kongreß nach dem Austritt der Territorialsten. Nur ist diesmal die Lage unvergleichlich g e f ä 11 r 1 i c h e r. Denn die Territorialisten hatten ein anderes Objekt als Palästina, und infolgedessen führte die Spaltung vielleicht zu Meinungskämpfen im jüdischen Lager, nicht aber zu direkten Kollisionen. Diesmal beansprucht auch die abgespaltene Gruppe, die Revisionisten, einen Einfluß in Palästina, und bildet so ein Element der Unruhe, das auch außenpolitisch für die jüdische Sache verderblich sein kann. Angesichts dieser Tatsache wäre es notwendig, c|aß der Kongreß ein Bild der Entschlossenheit und konzentrierten Kraft bietet, so daß fiir die Regierung Palästinas und alle sonstigen Faktoren über allen Zweifel klar wird, daß nur die Jewish Agency den legitimen Willen des jüdischen Volkes in bezug auf Palästina repräsentiert. Es ist heute noch nicht klar zu sehen, ob dieses Ziel auch allen Teilen der zionistischen Welt so klar vorschvvebt, wie man annehmen!1111 Ute. Die Vorgänge in! Lager der ״Allgemeinen Zionisten" sind bisher nicht sehr überzeugend. Keine Majorisierung Um üitMs Ziel zu erreichen, wird man auch von althergebrachten Vorstellungen abge-hen müssen. Man wird verstehen mu'-cn,!!aß nicht das Majoritätsprinzip allein entscheiden kann. Selbst wenn die Arbeiterpartei allein die Mehrheit der Kongrel!-Mandate erobert, ist sie sich sicher darüber im klaren, daß -de davon keinen Gebrauch machen kann. Es geht darum, alle konstruktive» Fak- 1 o r e 11 /ns a in m c 11 / 11 fass e 11, auch wenn sie an Zahl schwach ׳-md, Damm M c- \ erst.uullich,!laß jetzt schon die Ge-piaihc v.! gen der Schaffung einer dauernden grollen Koalition 1111 Ciaiige sind. In der Tat, der das Jüdische National!»׳»» n. präsentierende Zionismus kann in seiner maßgebende״ Instanz auf die Dauer weder auf eine Vertretung des religiösen Judentums, noch der Pflanzer und Industriellen verzichten. Das heißt aber nicht, daß diese Gruppen unsachliche und willkürliche Forderungen stellen dürfen. Die große Koalition ist das Ziel des XIX, Kongresses, aber falls sie nicht Zustandekommen kann, wird auch die bisherige Koalition, die sich in der sachlichen Arbeit so gut bewährt hat, die Sache weiterführen können. Wer das Kongreßgefüge kennt, wird nicht ohne weiteres die Hoffnung aussprechen können, daß es gelingt, die ״Zionistische Staatsnotwemiigkeit“ einer stabilen, alle umfassenden Exekutive zu verwirklichen. Das Ziel müßte sein, einer solchen Exekutive weitgehende Voll m acht c n zu geben, und es sind auch in der Presse bereits Vorschläge aufgetaucht, die Kongreßperiode zu verlängern, so daß nicht alle zwei Jahre, sondern nur alle vier Jahre der Kongreß zusammentritt. Eine solche Maßnahme, die nur mit Zu- Stimmung einer großen Mehrheit Zustandekommen kann, wäre gewiß im Interesse der Sache überaus zu begrüßen. Es wäre dann möglich, die Parteikämpfe auszuscfialien und einen großen V i e r j a h r e s p I a 1! aufzustellen. Der Kongreif würde dadurch beweisen, daß er sich bewußt ist, wie sehr wir über die Anforderungen der Anfangszeit des Zionismus und auch der ersten Nachkriegszeit hinausgewachsen sind. Da■ Hauptproblem Denn das rapide Wachstum des Nationalheims erfordert größte Wachsamkeit. Der jetzige Zustand gibt zu Besorgnissen Anlaß. Man hat viel von der herannahenden ,,Krise“ geredet und wenn jetzt Meldungen cinlaufcn, wonach die Baubewegung in den Städten und Kolonien zwar nicht zurückgeht, aber mit Rücksicht auf die dauernd wachsende Arbeiterzahl Die ״W e 11 ve re f n i g un g Allgemeiner 210nisten“ hat folgendes Manifest erlassen, ln dem gleich- 7,eitig angekündigt wird, daß Dr. Chaim Weizmann Spitzenkandidat ihrer Weltwahlliste ist: ״Der ,Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten‘, die infolge der Weigerung des Krakauer ,Weltverbandes‘, alle Teile des Allgemeinen Zionismus als gleichberechtigte Mitglieder zuzulassen, begründet wurde, haben sich bisher folgende Landesverbände und Gruppen Allgemeiner Zionisten angeschlossen: England, Polen, Deutschland, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Lettland, Frankreich, Schweiz, Griechenland, ierner Gruppen Allgemeiner Zionisten in Oesterreich, Rumänien, Litauen, ferner die vereinigten Progressiven Gruppen in Palästina: Kidtnah, Mitkadmim und Ikkarim Le'umiim, ferner die Organisation der Radikalen Zionisten mit ihren Gruppen in verschiedenen Ländern, der Hanoar Hazioni, der Hechaluz Haklali Zioni. Die Weltvereinigung steht allen Landesverbänden und allen Gruppen Allgemeiner Zionisten offen; sie beansprucht, die wahre Vertreterin der Grundgedanken des Allgemeinen Zionismus zu sein. Die Weltvereinigung erklärt: 1. Die jüdische Volksbewegung beruht auf dem Volks- Charakter und der Geschichte des jüdischen Volkes und auf der Notwendigkeit seines nationalen Wiederaufbaues in Erez Israel. Die Hoffnung aut die Verwirklichung des zionistischen Ideals darf daher niemals von dem ephemeren Triumph allgemeiner Weltbewegungen und Ideen abhängig gemacht werden. Aufgabe des Allgemeinen Zionismus ist es, alle Gruppen und Stände des jüdischen Volkes zur nationalen Disziplin zu führen und die Einheit der Nation wiederherzustellen. Der Allgemeine Zionismus darf daher selbst niemals zum Vertreter besonderer Klassen- oder Gruppeninteressen werden; er muß im Aufbau unseres Nationalen Heimes die Funktion einer konstruktiven und die Gegensätze ausgleichenden Kraft ausüben. 2. Der Aufbau des Nationalen Heimes kann nur system a t i s c h und planmäßig durchgeführt werden. Die Planlosigkeit und der Mangel an Organisation, die heute im wirtschaftlichen und politischen Leben des Nationalheims sich bemerkbar machen, drohen das jüdische Volk in Erez Israel zur Machtlosigkeit zu verurteilen und die üaluth auf Palästina zu übertragen. Die ununterbrochene Fortsetzung einer großen Einwanderung ist nur möglich, wenn die Einwanderer in die Wirtschaft des Landes systematisch eingegliedert werden. 3. Unsere Arbeit in Politik und Wirtschaft ist untrennbar verknüpft mit jüdischer Erziehung und den geistigen und kulturellen Werten im jüdischen Leben. Die erstrebte Renaissance des jüdischen Volkes bedeutet die Schaffung einer neuen Lebenseinheit. Aus zerstreuten Volkssplittern soll ein Volk werden, aus Formlosem und Ungefonntem soll Form und Lebensstil erstehen. Selbstachtung, Ausdatier und Mut des Volkes sind abhängig vor! der Erziehung und der geistigen Schulung unserer Jugend. Hebräisierung und Einführung unserer Jugend in das Kulturleben unseres Volkes müssen in einem einheitlichen Schul werk erfolgen. Das von uns geforderte einheitliche nationale Schulwesen muß den Zentralinstanzen der Nation unterstellt sein. 4. Die jüdische Arbeiterschaft, die'einen integrierenden Bestandteil des einheitlichen Volksorganismus bildet, soll in ci n er eipzigen al.lg entciij en Arbeitcrorganis at 1 o q. zusammengefaßt werden- Diese allgemeine Arbeiter- Organisation sollte alle Gruppen der jüdischav Arbeiterschaft auf der Grundlage voller Gleichberechtigung umfassen. Den einzelnen Teilen, die die Allgemeine Arbeiterorganisation bilden, soll das Recht, sich auf der Grundlage politischer oder religiöser Ueberzeugungen im Rahmen der allgemeinen Organisation als autonome Körperschaften zusammenzuschließen, gewährleistet werden. 5. Das Recht auf jüdische Arbeit bedarf als Ergänzung einer Regelung der Arbeitsbeziehungen. Die Festsetzung der Arbeitsbedingungen soll auf Grund von Koliektivverträgen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erfolgen, in denen obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit vorgesehen ist. Der Abschluß dieser Verträge und ihre praktische Durchnicht mehr alle Bauarbeiter dauernd beschäftigen kann, so ist dies ein Symptom, das nicht unbeachtet bleiben darf. Aber selbst wenn es gar keine wirtschaftlichen Gefahrenquellen gäbe, so ist gerade der Zionistenkongreß verpflichtet, sich darüber Rechenschaft zu geben,!laß das, was in Palästina so überaus schnell entsteht, nicht den zionistischen Idealen entspricht. Der Zionismus ist undenkbar ohne den Gedanken ler Verwurzelung des Volkes mit Grund und Boden. Gegenüber dem rapiden Wachstum der Städte vermehrt sieh aber der landwirtschaftliche Sektor viel zu langsam. Die jiidisehen Dörfer verwandeln sich in kleine Städtchen, die Zahl der Juden, die wirklich den Boden bebauen, wächst zwar stetig, aber nicht in demselben Verhältnis wie die Gesamtzahl der Juden durch die Einwanderung wächst. Im letzten Jahre haben wir die Landflucht des jüdischen Arbeiters zu verzeichnen, der wegen der höheren Löhne zum Baumarkt in die Stadt strebte. Ein Teil der Pflanzer beschäftigt lieber arabische als jüdische Arbeiter. Dieses Problem der ״j ü d i - sehen Arbeit“ ist in den letzten zwei Jahren sehr häufig erörtert worden, aber leider bleibt diese Erörterung in einem unfruchtbaren Streit stecken, in dem jede Seite die andere beschuldigt, an dem Rückgang der jüdischen Arbeit schuld zu sein. Die jüdischen Arbeiter, denen sich die offiziehen Sprecher der zionistischen Instanzen in diesem Punkt anschlicßen, führen eine heftige Kampagne gegen die Pflanzer, die arabische Arbeiter beschäftigen und werfen ihnen nationalen und sozialen Verrat vor. Auf der anderen Seite schieben die Wortführer der Pflanzer die Schuld auf das Versagen des jüdischen Arbeiters. Es wäre unsinnig an zunehmen, daß a u f d i c s e Weise das Problem der Lösung näherkommen kann. Auch weltfremde Be- Schlüsse, wie sie das letzte Actions-Koniitee faßte, ändern an der Lage der Dinge nicht das geringste. Es wäre zu hoffen, daß der Kongreß sich nicht auch durch derartige Don-Quichottericn belastet. Die Frage, die für Palästina eine Schicksalsfrage ist, geht dahin, oh der Kongreß etwas tun kann, um dem Problem wirklich an den Leib zu rücken. Statt des aufgeregten Moralisieren« sollte die aktive Hilfe aller auf diesem Gebiet erfahrenen und wichtigen Faktoren herangezogen werden, also vor allem!ler landwirtschaftlichen Arbeiterschaft und der Pflanzer und Landwirte. führung in Streitfällen soll unter dem Vorsitz des Vertreters einer anerkannten nationalen Körperschaft erfolgen, dem bei Stimmengleichheit Entscheidungsrecht zusteht. Das Ziel ist die Schaffung eines für den ganzen jischuw geltenden Arbeiterechtes. 6. Die Zionistische Organisation ist die einzige Körperschaft, die berechtigt ist, das jüdische Volk in allen mit der Verwirklichung des zionistischen Programms verbundenen Fragen zu vertreten. Die Zionistische Organisation hat das Recht., von allen ihren Mitgliedern die volle Erfüllung ihrer zionistischen Pflichten zu erwarten und von allen zionistischen Gruppen und jedem einzelnen Zionisten absolute D i s z i p 1 i n gegenüber den Beschlüssen des Kongresses und seiner ausführenden Organe zu fordern. Die Forderung nach voller zio nistischcr Pflichterfüllung soll von der vorbehaltlosen Auerkennung geistiger Freiheit innerhalb der Organisation begleitet sein. 7. 111 der Erkenntnis, daß in unserer auf Freiwilligkeit beruhenden Bewegung alle Teile zu verantwortlicher Mitarbeit herangezogen werden müssen, sind wir für die Bildung der Exekutive auf der Grundlage einer breiten Koalition. Unerläßliche Voraussetzung für die Anteilnahme von Parteien und Gruppen an der Bildung der Exekutive ist eine Einigung auf ein klares konstruktives Arbeitsprogramm. Wir sind entschlossen, in einem solchen Programm die Grundsätze, auf denen unsere Weltvereinigung beruht, zur Geltung zu bringen. Wir fordern alle Landesverbände und alle Gruppen Allemeiner Zionisten zur Zusammenarbeit mit uns auf; wir itten sie, für die Wahl von solchen Kongreßmitgliedern einzutreten, die unser Programm unterstützen, und diese De Io gierten zu ermächtigen, an unserer konstituierenden Sitzung in Luzern teilzunehmen. Wir bitten die Landesverbände und die Gruppen Allgemeincr Zionisten, ihre Wahlvorschläge für die Wahlen zuin XIX. Kongreß der Wcltwahlliste der ,Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten‘ (Listenführer Dr. Chaim Weizmann) anzuschließen.“ Amerikanische Zionisten schließen sich den Progressiven an Atlantic City, 2. Juli. (JTA.) Die Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas wurde mit der Wahl der neuen Leitung geschlossen. Zum Präsidenten der Organisation wurde Morris Rothenberg, zum Ehrcnpräsideuten Louis L i p s k y gewählt. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Vorschläge Rothenbergs betreffend eine Reform des organisatorischen Aufbaus der Palästinabewegung in Amerika. Er hatte 11. a. angeregt, für Amerika die durch die Entwicklung überholte Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten in der Palästinabewegung fallen zu lassen und sämtliche Palästinafreunde in einer einheitlichen Organisation zusammenzufassen. Von den Beschlüssen der Konferenz sind insbesondere diejenigen, die sich auf die zionistische Innen- und Außen- Politik beziehen, bemerkenswert. In einer Resolution wird festgestellt, daß die Zionistische Organisation Amerikas sich an die Seite derjenigen Allgemeinen Zionisten stellt, die nach der Krakauer Konferenz, aus dem alten Verband ausgeschieden sind. In einer anderen Resolution wird ge-, fordert, daß der Zionismus sich von den durch die extremen Flügel rechts und links repräsentierten Strömungen frei mache. In Beziehung auf die Palästinapolitik wird schärfste Opposition gegenüber dem Plan der Einsetzung eines Legislative Council in Palästina proklamiert und die Oeffnung der Grenzen Transjordaniens für jüdische Einwanderung gefordert. * Auf Grund der Beschlüsse der Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas werden der amerikanischen Kongreßdelegation als führende Mitglieder Louis L i p s!< y, Morris Rothenberg, Rabbiner Abba Hille! S i I v e r, Rabbinner Dr. Stephen S. W i s e, Ab. G o I d b e r g, Rabbiner Israel Go Id st ein, Maurice Samuel, Morris Margulies und Richter Julian W. Mack angeboren Der Kongreß, der kraft der Autorität des jüdischen Volkes spricht, muß einen Versuch machen, dies« beiden an einen Tisch zu bringen und zu einer geitieinsamen Aktion zu verbinden. Es muß geprüft werden, welche sachlichen Voraus- Setzungen zu erfüllen sind, um den jüdischen Arbeiter auf dem Dorfe zu halten, vor allem also, Hoffnung späterer Ansiedlung, menschenwürdige Behausung und Lebensbedingungen, evtl. Hilfsvvirtschaften. Vielleicht läßt sich ein Projekt eines Arbeitsdienstes mit der Aussicht auf spätere Ansiedlung durchführen. Wenn man bedenkt, welches grolle Ausmaß so ein Projekt haben müßte, wird man verstehen, daß alle Energien der Jewish Agency dazu gehören würden, es durclizufülireri. Die Vorbedingung ist natürlich das Vorhandensein eines Budgets, also größerer nationaler Kapitalien, die nur durch den Keren Hajcssod geliefert werden können. Die ideellen Voraussetzungen sind unseres Erachtens weitgehend gegeben, denn in der heutigen großen Krise begreift die jüdische Jugend die Notwendigkeit der Rückkehr zu Arbeit und Boden. Die Ideale der ersten jiidisehen Arbeiterbewegung, für uns verbunden mit dem Namen von A. D. Gordon, leben wieder auf. Aber durch Kongreßreden, die auf eine demagogische Note gestimmt sind, wird die Lage in Palästina nicht um einen Gran geändert werden. Wir betrachten die ernste Behandlung des Problems der jüdischen Arbeit, das heißt der Vermehrung der jüdischen Landbevölkerung, als das zentrale Problem der Palästinaarbeit und daher des Kongresses. Und als zweites Hauptproblem steht vor uns — noch immer ungelöst — die politische Eingliederung des Jüdischen Nationalheims in die Welt Palästinas und des Orients, also vor allem der Ausgleich mit den Arabern, politisch, wirtschaftlich, psychologisch. lieber den Ernst dieser Fragen haben wir uns Rechenschaft 7x1 geben. Des vielen Redens und Parlamenticrens sind auch wir müde. Nur durch wirkliche Taten kann sich der Kongreß «ine Resonanz im jüdischen Volk schaffen. Hauptscliriftleilen Dr. Robert VV e I t s r h. Berlin-( hnrlouenburg 9. Stellvertreter: Kurt Loewcnstein, Berlin W 15 AnzeigenUiterin and verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Rut Poiener, Berlin W 30. Gültig: Anzeigen-Preisliste 2 vom 1. Januar 1935. Verlag und Anzeigen verwalt urig: lüdisehe Rundschau. Berlin VV IS, Mcinckestr. 10. D.-A. Juni 34 000. - Druck: Siegfried Scliolem, Berlin-Schönebc rg. 1