Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 53 (2.7.1935)
- Date
- 1935-07-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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jüdische Rundschau Berliner Rundschau NR. 53, 2. JULI 1935 ״Wir gehn ans Werk“ Rabbiner Dr. Prinz predigt wieder Lange schon vor Beginn der Andacht sah man am letzten Freitag abend Hunderte von Besuchern in die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße strömen. Obwohl eine drückende Hitze über der Stadt lag, ließen es sich die Berliner uden nicht nehmen, nach dem Unrecht, das Rabbiner Dr. ’rinz widerfahren war, in Massen zu erscheinen, um zugleich durch ihre Anwesenheit zu bekunden, daß sie mit einer Fernhaitung von Dr. Prinz vom Predigeramt nicht einverstanden sind. Schüler, Lehrlinge, Studenten — Arbeitslose, Rentner, Greise — junge Menschen, Menschen aller Stände und Generationen waren gekommen, um hier den Beginn des Schabbat festlich zu begehen. Es war aber keineswegs allein das Solidaritätsgefühl gegenüber den Uebergriffen einer Gemeindebiirokratie, das diese Besucher verband; man fühlte zwar die Spannung, die in den Gesichtern lag, als Dr. Prinz zum erstenmal wieder die Kanzel betrat, um mit einem kurzen Spruch den Schabbat zu begrüßen. — Doch es war gewiß nicht die Haltung einer politischen Kundgebung, die diese Versammlung beseelte: die erwartungsvoll ruhige Freitagabend- Stimmung lag über der Menge. Tausende von Menschen wollten mit diesem Rabbiner den Schabbat beginnen — sonst nichts. Und das ist ja das Faszinierende an Dr. Prinz: daß er imstande ist, über das Medium seiner Persönlichkeit Menschen in die Synagoge zu ziehen, die sonst selten einem Gottesdienst beiwohnen. Dr. Prinz sagte in seiner Predigt, daß nicht nur die Juden der Welt, sondern auch die Juden Deutschlands so viele Sprachen sprechen, daß sie einander nicht verstehen. Die Sprache dieser Predigt verstand jeder. —t. —L Judentaufen in Berlin? In den ״Basler Nachrichten“ vom 26. Juni ist ein Bericht über die Jahresfeier der Missionsgesellschaft ,,Freunde Israels“ veröffentlicht, worin u. a. auch interessante Mitteilungen über die Taufbewegung der Berliner Juden gemacht wurden. Es heißt in dem Bericht: ״Als letzt er Redner gab Pastor Th. Bürgst ahler einen BerirKt hus der eigenen praktischen Aiix'it inmitten unter den Millionen Juden ('!׳? — A. d. ״J. K.“) der Berliner Großstadt. Noch ist diese Allzeit tiii h! eingestellt worden; im Gegenteil! Groß — mehr als zehn mal größer denn früher -- ist die Zahl der in der Judenmi-siim heule Getaullen. Und diese Taitltibcrlritte erfolgen nicht in berechneter Al>-ichl. Linen Vorteil bringen sie den Bewerbern ohnehin nicht; dagegen oplern sie ihren starken moralischen und finanziellen Halt, den ihnen ihre jtidi che Gemeinde vermittelt, zagunsten des kraftvollen Trostes des Evangeliums, das ihnen in dieser leidvoilen Z, it alles bedeutet.“ Wie groß die Zahl der Getauften in absoluten Ziffern ist, wird in dem Bericht nicht gesagt. Abgesehen von dem seltenen Falle eines IJebertritts aus religiöser _Ueber- Zeugung, mag, falls die Mitteilungen zutreffen, auch bei vielen der feige Wunsch mitgespielt haben, einer bedrängten Oemeinscliaft den Rücken zu kehren. Daß die Taufe eine ״Befreiung“ vom Judentum ist, ist bei vielen Juden, die in dem Glauben, das Judentum sei nur eine Religion, aufwuchsen, so sehr eingewurzelt, daß sie auch dann noch diesen Weg gehen, wenn die Umweit ihn bereits verrammelt hat. In der Bezirksgruppe Jannowitzbrücke fand am Donnerstag eine überaus gelungene Veranstaltung statt. Oberkantor Karl N e u m a n n leitete diesen, den jüdischen Festtagen, ihrer Bedeutung und ihren Melodien gewidmeten Abend durch den feierlichen Gesang des ״Birkat kohanim“ in dem Niggun der hohen Feiertage ein. Rabb. cand. Heinz Meyer hielt einen aufschlußreichen Vortrag über die Bedeutung unserer Feste, ihre Entstehung und die Art, wie wir sie in Galuth und in Erez Israel begehen. Den Abschluß des eindrucksvollen Abends bildete der von Oberkantor Ncumann in ganz hervorragender Weise zum Vortrag gebrachte Jahres- Kaddisch, der die prägnantesten Feiertags-Melodien des jüdisehen Jahres in sich vereinte. (A!n Klavier Kapellmeister Schwarz.) Der anhaltende Beifall veranlaßte den Sänger zu einer Zugabe aus den Schabbat-Semirotli. Ein Stack aus der Arbeit des Hechaluz Unter dem Motto: ״Wir gehn ans Werk“ zeigte die Hechaluz-Ortsgruppe Berlin ihren Mitgliedern und Freunden im Brüdervereinshaus einen Ausschnitt aus ihrer Arbeit, wie die kurze Einführung im Programm den Inhalt dieses kleinen Spiels von Frust Raden formuliert. Denn diese Chawerim und Chaweroth sind keine Spielgruppe des Hechaluz, sondern so, wie sie eben von ihrer Hachseharah kommen, spielen sie auch sich seihst. Verschieden ist ihre Herkunft: aus gutem Bürgerhaus die bisher nur im Hinblick auf das Studium erzogenen ״F.va“, ״Chanan“, der ehemalige russische Student, ihr zionistischer Freund, die palästinabegeisterte Kindergärtnerin, die auch in Palästina die Kinder der neuen Gemeinschaft betreuen will, ehemalige Unterwegs auf dem Schiff Foto: So!״״nf.!d Musikschülerinnen und Kunstschüler und viele andere. Von einem solchen Chaluz, J. Erich Bodlaender, stammt das klare, farbenschöne Szenenbild, der Schlußapotheose: am Strand in Palästina — und das mit einfachsten Mitteln sinnfällig gezeigte Schiff ״Tel-Aviv“. Damit ist ein Teil des Inhalts Im Teltelschen Kinder- und Jugendheim in der Schaperstraße fand vor kurzem die trauitioneile Jahresfeier des Heimes statt. Die Feier gestaltete sich diesmal zu einem Bankett zu Ehren des Gründers des Heimes, des bekannten Philanthropen Jacob T eitel. Unter den Gästen befanden sich viele Prominente der russisch-jüdischen Kreise. Frau Dr. Therese Aronson, die seit seiner Gründung im Jahre 1028 Vorsitzende des Heimes ist und viel dazu beigetragen hat, das Hein» auf ein hohes - Niveau zu bringen, richtete eine Ansprache an Staatsrat Teitel und erzählte die Geschichte des Heimes. Die Aufgabe des Heimes ist nach Teitels Idee, die um ihre Existenz ringenden und in schlechten Wohnuiigsverhältnisseri lebenden russisch-jüdischen Kreise von der Aufsicht über ihre Kinder nach Schulschluß zu entlasten. Das Heim besuchen mehr als 50 Kinder (30 im Alter von 4—12, die anderen über 12 Jahre). Sie erhalten hier warmes Essen, die bedürftigeren auch Kleidung. Alle stehen unter ärztlicher Kontrolle und bereiten unter Aufsicht von erfahrenen Pädagogen ihre Schularbeiten vor. Die jüngeren Zöglinge beschäftigen sich mit Handarbeiten, Basteln und verschiedenen Spielen. Sie lernen hier jüdische Lieder und Musik. Die älteren Zöglinge werden zweimal wöchentlich in Hebräisch unterrichtet. Vom Heim aus werden Ausflüge und Wanderungen unternommen. In den Ferien werden die Kinder gruppenweise zur Erholung verschickt. In den ersten Jahren seines Bestehens, als das Heim über mehr Mittel verfügte, gab es dort Schneider- und andere Handwerkerkurse. Manche von den hier ausgebildeten Zogbereits verraten, aber nur ein Teil. Raden hat es sich nicht so^ einfach gemacht. Er beginnt mitten in der Blüte der Assimilation, als es am Familicntisch noch den herühmten Streit der Generationen gab, ״wenn das Wort Jude so nackt hingesprochen wurde“. Ghana 11, der Freund der bereits genannten bürgerlichen Haustochter Eva, die . Führer zur Clialuziutli auch für den Zuschauer. Die zweite Szene macht den großen Sprung in die Gegenwart, den zu großen. Der Emigrantendirektor kann einer Gruppe verzweifelt wartender Arbeitsloser nur Geduld raten, sonst nichts. Der traurige dumpfe Sprechchor.• ״Wir wandern, wir wandern ewig, wo ist das Ziel“ ist leider stellenweise undeutlich durch die gebückte Haltung. Im dritten Bild ist Eva von Ghana!! bei seinem Gruppenabend cingeladen, und es ist interessant, wie der vorher mißmutige, ekstatische Ghettotyp zum einfachen natürlichen frohen Chaluz gewandelt ist. Ein Lied wird übersetzt und hebräisch gesungen und unvermittelt wird diskutiert. Der eine sieht Palästina als Abenteuer, Eva fürchtet Verdummung, ein dritter fürchtet für seine Individualität. Der Gruppenleiter eint sie alle: wenn wir Palästina nicht selbst aufbauen, wenn wir es aufhauen lassen durch Fremde, dann sind wir auch in Palästina im Galuth. Leider benutzt Raden diese Diskus.ir>!1 gleich dazu, die ganze Chaluzideologie auf einmal als Schnellunterricht an die Zuhörer zu verteilen. Ls ist durchaus möglich, B ü h - n e n s p i e 1 und L e 11 r s t ii c k durch. Au ilockerung der Szenen, durch Zeigen im Bild zu vereinen, wie es das nächste Bild schon erfolgreicher tut. Da ist ■die Gruppe auf Hachseharah im Dorf. Man lernt Disziplin, ohne ein Wort im gemeinsamen arbeiten, Haushalten, es-en und erholen. Und als eine — es ist Eva k c i n Zertifikat bekommt, verzichten gleich zwei, um ihr zu helfen, nachdem Eva seihst ebenfalls schnellen Verzicht üben wollte. Ratten hat B ii h n c!1 s p i e I, L e 11 r s t ii c k i ת fi a 11 und Erlebnis der Hachseharah als Rohmaterial benutzt und erstmalig geformt und wir sind ihm dankbar für den Versuch. Gut 'getroffen ist das Gefühl des L.osgelüstscins von allem Bisherigen. Es wurde sehr frisch gespielt, mit Liehe zur Sache und Begabung. Außer der schon genannten F.v,1 besonders nett eine Kleine, die vom Fest der Bäume erzählt. Die begabte Pianistin heißt Rita. Der Chor wurde geleitet von Siegbert Apfelbaum. R. M. lingen haben in Deutschland und im Auslände Stellungen bekommen. Auf die Rede von Frau Dr. Aronson folgten noch andere Ansprachen seitens der Gäste, der Mitarbeiter und der Zöglinge. Von den letzteren hielten einige ihre Reden in Hebräisch. Auch hebräische Gedichte wurden von den älteren Kindern vorgetragen und zwei jüdische Singspiele von den kleineren aufgeführt. F. R. Berichtigung, ln dem Bericht über die neue Ausstellung im Jüdischen Museum in Nr. 52 muß es richtig heißen: Neuerwerbung sind Tuschezeichnungen von Mane Katz, ״Ein litauischer Bocher“ (nicht lithographischer Bocher). Ferner ist der Maler Bato erwähnt (nicht Bäte). Frau Dora Jacob, Wilmersdorf, GünUelstr. 3, begeht am 3. Juli den 70. Geburtstag. Alle Ihre Bücher | von der H| Buchhandlung am Zoo I Fritz Ring I Charlottenburg, Joachimsthaler Strafie 4344־ H Mitglied der jüdischen Gemeinde Hj Telefon Bismarck 6506 Zusendung nach aiien Stadtteilen Hi BERLINER HANDWERK UND EINZELHANDEL Altpapier 111 Herbert Cohn Berlin NW 40, Hetdeatrnßc 20/31 SammeMNr. ("5 Hansa 6216 Asphaltierungen Bald) 1 schoepe,!״!:. Leo Kaplan gegr. 1878 / Br.d.U.O.B.B. }Dach• u. Asphaltarbeiten Bln.-Wilm., Trautonaustr.l 8 H 7,1888 ROBER1 WOIFERS 117 ׳S, Kurfiitstendamm 46149 J 2 Oliva 47SO Pflasterungen Aufzüge ■rnst Fischer. FanrslUhltaPrlK W60, Kulmbacher Str. 6, B 4 Bar. 7851/52, Nachtruf G 3 Lichterl. 775H. 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