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Jüdische Rundschau · 1935-07-02 · Heft 53 (2.7.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 53 (2.7.1935)
Date
1935-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 53 2. VI!. 193 5 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Wie gestalte ich den Schabbat? BRIEFE AN DIE REDAKTION Für Schabbat, 8. Juli Wochenabschnitt ״Korach" (IV. B. M. Kap. 16-19) In der Erzählung vom Aufstande K o r a c 11 s und seiner Anhänger aus dein Stamme Rüben haben wir mit einer geschichtlichen Reminiszenz alter Kämpfe gegen die Führerschaft Moses und die Priesterschaft Aharons zu tun. Es ist eine Auflehnung gegen die Autorität Moses, zugleich aber, so wenigstens faßt es die Bibel auf, wird dadurch die göttliche Sendung Moses und somit sein ganzes Werk in Zweifel gezogen. Das Strafgericht Gottes ist daher unausbleiblich und führt eine klare Entscheidung zugunsten Moses herbei. — Vielleicht liegen dieser Erzählung auch noch Erinnerungen späterer priestcrlichcr Kämpfe zugründe, die besonders unter den sogen, legitimen, eigentlichen Priestern und den Leviten ausgetragen wurden. Letztere wurden in einer späteren Zeit zu niederen Tempeldienstcn, wie z. B. als Torhüter, Musiker und Sänger bestellt. Die Agada bei ihrer feinsinnigen Interpretation der Korach-Geschichtc versucht Koracli zu rechtfertigen, indem sie in den Kämpfen einen sozialen Hintergrund zu sehen glaubt. Es wäre liier die Stelle in Midrasch Tehilim 1, 15, jalkut Schimoni § 16 heranzuziehen, worin es heißt: Moses und Aharon versuchen durch rücksichtsloses Eintreiben der Abgaben und Zehnten eine arme Frau um ihr Letztes zu bringen; Koracli nimmt sich dieses Unrechtes an, will die Untat rächen und geht zur Auflehnung über. Moses, heißt es nach der Agada, wurde von dieser Empörung zutiefst erschüttert, weil Israel bereits zuin vierten Male sich gegen Gott aufgelehnt hatte. ״Es gleiche einem Königssohne, heißt es Ham. Raba $ IS und Jalkut Schimoni ebenda, der sich gegen seinen Vater vergangen hatte, für den sich aber zwei-, dreimal sein Freund verwandte. Als er aber zum vierten Male sich das Vergehen zuschulden kommen ließ, da wurden die Hände des Freundes schlaff.“ Nach der Ueberlicfenmg sollen die Kinder Korachs beim Strafgericht am Lehen geblichen sein (vgl. 4. B. AL 26, 11), weil sic Ruße getan haben. Eine Stelle im Talmud (Sa 1111.110a) weiß von einer Stätte im Erdinnern zu erzählen, an der die Nachkommen Korachs leben sollen. Ein Rauch dringt da aus einer Erdspalte heraus und man vernimmt den Ruf der bußfertigen Sünder: ״Moses und seine Lehre sind Wahrheit, wir aber sind Lügner.“ Weitere Erzählungen zur Korach-Geschichtc waren hei Bin Ciorion, Sagen der Juden IV, 296—306, naehztilesen. Geschichtlich ließe sich noch die Rolle des Koracli- Geschlechtes am Tempel zu Jerusalem erwähnen. Bekanntlieh gehörte es zu den bedeutendsten Leviteii-Geschlechtern und wurde in der späteren Zeit eine Sänger-Gilde (II. B. Chron. 20,9), indem es sich besonders als Ternpelsänger betätigte,!)aber wird diesem Korach-üeschlecht die Autorschaff einzelner Psalmen wie von Ps. 42; 44—19; 84; 85; 87 u. 88 zugeschrieben. — Es ließe sich in diesem Zusammcnliangc einiges über den Tempekiienst der Leviten, über ihre Tätigkeit als Sänger und Musiker sagen. Man könnte auch einzelne altjiidische Musikinstrumente besprechen und auf die Rolle der Musik im Tempel hinweisen. J. M. * Unsere Sidra enthält eine Aufzählung der Steuern, die das jüdische Volk abzugeben hatte, um den Leviten und insbesondere den Priestern ihr Leben zu ermöglichen. Dies war notwendig, da der Stamm Lcvi keinen eigenen f Grundbesitz zugewiesen bekam, um sich ausschließlich dem Tempeldienst in all seinen Verzweigungen widmen zu können. Man arbeite auf diesem Oncg Schabbat das Steuersystem genau heraus und zähle die einzelnen Abgaben auf. (Oie Leviten mußten ihrerseits den Priestern Abgaben entrichten.) Als Hafiera wird Schtmiel I, Kap. II, L! — 12, 22 gelesen. Der Grund ist zu sehen in dem gemeinsamen Grundgedanken der Haftara und der Sidra: Die absolute Integrität der Führer Mosche und Schmuei, die sie nicht vor Verdächtigungen zu schützen vermochte. Lin Vergleich der Persönlichkeiten Mosches und Schmtnüs wäre eine reizvolle Aufgabe. E. Psalm 5. Ludwig Haas Karlsruhe, 26. 6. 35 An die Schriitlcihing der ״Jüdischen RumLchaü“ Uerlin W 15 In Ihrer Nummer 46/17 vom 6. 6. ,wurden von Ihnen zur Illu-uieriing des Auf.-atz.es von l'inu Hertha Badt - Strauß: ,.Franz, Rosenzweigs W e g. Zur Ausgabe seincr Briefe1־ zwei BneMellett veröffentlicht. Die er ■de ist einem Brief entnommen, den Rn-enzweig am 3, 6. 1918 an seine Mutier geriehtet hat. Fr geueht darin dem hek;11;n»en Keieiistag-abgeordneten Fudwig Haas zwar Mir einen Politiker viel Feist und Flirliehkeit zu, spricht ihm aber den Bedlz von Judentum ziemlich ab und bedauert de-hrdb lebhaft, daß er iiir die polnischen Juden hat Schicksal spielen dürfen. Ich halte die^s tTrteil für .sehr ungerecht und zweifle, ob cs Rosenzweig selbst, wenn er iieeh leide, litute mx-h aufreebt hielte und zur Aufnahme in die Sammlung seiner Briefe bcslimmte, obwohl seine Briefe noch mehr unfreundliche Stellen über Fudwig 11,1aenthalten. 1) as Juden! uni hat in seiner C»e>ehichte sein 311 .sehr viele, je״ weih zeit- 11ml o!!beding!e Futwickhmg-st ulen dim ii.-chri! ten, und eine der let/.ien hat Fudw;g II;1averholen. I>ie, welche l'ianz Roscnzweig vertreten hat, war schon wieder eine andere, die ihre VorMufo, aus der er selbst horvo!•gegangen war, nicht mehr gelten ließ. Wir sind aber gar nicht, so reich an Yorkamp* lern, daß wir auf einen nur aus Gene! at ionsgriiiiden verziehten dürften. Haas war vor und nach dem Weltkrieg einer der ganz wenigen Abgeordneten, die sieh noch als sulche zu ihrem Glauben bekannt und im Reichstag und in der «sonstigen Oeffentliohkeit mit persönlicher Hingäbe für das Judentum cingcsetzt haben, Als ihm, dom bewährten und sehr verdienten Frontoffizier, im Spüljahr 1915 von dem General״ gouvernement Warschau das ״jüdLchc Referat“ übertragen vorden war. da hat er dies! ihm bisher fendiegende Arbeit wie ein Soldat übernommen und sieh ihr mit seiner großen Arbeitskraft gewidmet. Nicht. aU westlieber religiös-liberaler Jude ist er an daoe neue Aufgabe herangetreten, sondern er hat sie mit Rtuk'ieht auf die zur Oidmdoxie gehörigen Müsch, unterstützt von orthodoxen Beratern, in der diesen entsprechenden Wege geleitet. Die polnischen Juden haben wahrend des Krieges einen überaus schweren Stand zwischen dem zaristischen Rußland, dem neuemstehcrclen י! 0:11<ן•( hen Staat und der deutschen Bo-aizimgsmacht gehabt. Ihre jiddhuhe Sprache uml ihre wirtschaftliche Tätigkeit rückten sic naher an die Deutschen heran: es mußte die .ständige Sorge des Leiters des ,,jüdischen Referates“ sein, daß >ie sieh dadurch nicht noch neue Feind-chaft. der Polen zuzogen. So mußte das politische Gebiet soweit, als möglich gemieden werden, und man he- M’hriinkle sieh mit Absicht darauf, die Yerhaltni-se der Kubusgemeinden und Schulen zu ordnen, so gut es während ries Krieges möglich war. Durch diese wohlerwogene Zn׳ niekhahung zog sich Ludwig Haas viele Feindschaften zu. besonders von seiten der jüdisehe n N a! i!ח י a! i st en, so w e i t sie nicht durch seine große Güte und tiefe Menschlichkeit und Natürlichkeit im persönlichen. Umgang entwaffnet wurden. Das für Deutschland ungliiek״ liehe Krieg-cndc, der Zusammenbruch der Okkupation Polens, haben auch das Werk von Ludwig Haas gestört. Aber ein Teil seiner fruchtbaren Anregungen blieb doch erhalten, und den [Klinischen Juden wurde durch seine Haltung die Kinordnung in den ncucntstchcnden National- Staat erleichtert. Das ist Beweis genug, daß er nicht nur ein ״prächtigrf Mensch“, sondern auch ein guter Jude gewesen ist. Dr. F. R i e s c T *** Wir bringen diese Zuschrift zum Ahdruch, weil wir durch die Veröffentlichung der hier erwähnten Briefsfelle Franz Boscnzweigs keineswegs die menschlichen Eigenschaften von Ludwig Haas anzweifeln wollten. Franz Bosenzweig seihst hat dies auch nicht getan und sogar ausdrücklich abgelehnt. Der Gegenstand seiner Kritik ist jedoch ein ganz anderer und dies wird auch in der Zuschrift von Dr. Dieser erneut bestätigt. Ludwig }[aas kvar auf Grund seiner Erziehung und Entwicklung als Kind einer anderen Zeit nicht imstande, jüdische In* t Pressen wirklich zu vertreten. Er ist dadurch in Konjliht mit den wirklichen Vertretern des polnischen Judentunis geraten, ״den jüdischen Nationalisten", wie Dr. Rieser hier schreibt, die in den schwierigen Kriegsjahren und in der Zeit der Bildung des polnischen Staates die Juden aus der Kanjlihtszone herausführen wollten, in die sie unbedingt hineingcraten mußten, wenn sie für irgendeine der streitenden Mächte Partei nahmen. Ftosenzweig war entrüstet darüber, daß für ein so wichtiges Amt der Verwaltung jüdischer Interessen ein Jude nicht wegen seiner Vertraut• heit mit dem Judentum, sondern wegen der sozialen Siel״ lang, die er außerhalb der jüdischen Sphäre innehattc, für geeignet erachtet wurde. Seine Kritik ist über den Einzelfall hinaus von Bedeutung, da sie Boscnzweigs Stellung zu den Ansichten einer ganzen Epoche zeigt. *\us diesem Grunde (und nicht um den allseits geschätzten Haas persönlich zu diskreditieren) haben wir seinerzeit die Brief stelle wiedergegeben. (Red.) Die Sdieke!-Aktion Freiburg i. Br., den 23. G. 1935 An die ,,Jüdbchc KniuLulniu“, lk 1 Um ich glaube, daß Kurt O e s t. - re i eis er, de— ■en Briet in Nr 50 abgedruekt war, nicht nur für die Berliner Schekalim-YerkaiiSer go'-ptoulien hat, sondern die Yerhaimbse. im Reich« ähnlich gelagert sind. Zu<׳r>t wölbe ich gar keinen Schckcibloek nehmen. bl! bin erst sei! kurzem Badia«IM ng;!■ :1: ob ich da >•:1!.!;! gr!!ügend B< - scheid u»-iß, um an! j! le Aigumemaiion die!! i1t!?g׳ .An!\\ at geixn zu k 11י i ח י ח f AuW'i.Lhi sind m ii eine kl« ine ' ׳ an a;!e, d in Zioi: 1-1 en ha! ><־n sei!!11 ,11 L einen Sei,׳ kei und di;■ and«•־ ren . . . > .-׳־ Al-o, i« h nahm 11: ah einen Block. i'.s daadie keine \Yn.׳hc und der Block־ war iec!. De: da ine und vielte!Gm,׳. AUm d.':eh ma! htc mir die• ,h,!riT" S; ,iß. Mali komm* dadm<'h in de! ח!.:״- z,en < •nmri1.de iieüim und kann d 1c u alnen K 1 a!'e\ et! n 1 --׳• im ln ut igen Jude!«! um 11« h! ig im. '׳•׳n. Außtudcm :and die 1)1-.■ ku-aa;;en uuhLh zum Teil sehr imeU'csant. ich möchte sogar -sigen, iiir den jungen Ghalu.־? lei!! 1 n ich 111)3־ w!einig zugleich. LiO schien emir,;>L ob Chalu/nidi Inane nicht cr-t mit der 11 arh-eiiurah an längt, so! :dem :-rhoH Ix i die■-:!1 Bc-uchen, wo <׳- gili, di>: Leute Ihr die Sache d!־׳ Zionismus zu ernannen und dm! ( '! :a w e! im in Livz ] -rael dad'ueh d!e u-iuge nm! ,dn-cho Stärk!11 ■g zu v! ׳ -ciia ,um.!.־ in u 1! »י in-o׳mn. als die Di.-,- L! - m.׳ :! Dir ji'deü Lin/elncn uei. M.1 :1!!.־■׳׳!nr sLn W'iam imi d. n Z1׳ u. i ■ m 11 ל i ■ikleu und 1׳ d! 111 I 111 ,en s! me sehu a - ־.! ׳ u o׳e':׳ n. in <!« mm er nicht "1 ׳ a׳a P« ־! ׳. id u ׳ i־d au! z:׳ige 11. 1• h 5';!׳1!! 1. ' ■׳;[ bei I .יה־׳!11'׳ l\ k 1.! me ...,■! ,d... ין und Lh muß Komp. . du Je", ii! Ag.-nev, S< iu! ■m .Vieh Wem * Wadxiibuchen, den 20. 0. 1935 Sehr gm lute Kulak־ ion! Wir hab. n < lie l׳a nihrunj: gemacht, daß d.m j'idi-Ln׳ \ oik mehr < le!11 י je T|l «!eh kommenden K ongi 1 ■׳:> -i! h!. Die zmnist isehen I )c'egie! 1 en au יי Deal - eh-!and nehmen vu 1 lloinung mul Glaulxm deu'nher Juden mit. Wir hoben, daß sie viel dazu h. L 1h II weiden, (bis ZiclficrzL /U 5' ■ ׳ \\ '! k i י hell. Wir gi '!יי n d! 1" 11 ',׳Immg Aus- (hm k, da ß di:׳ Zi. i -1 Lehe A ereinigimg um■ ihre L nt c! s' ut zung g■ nein* und do.־h das Ll geh:!, her S, 1,׳ l,d Ah! i 0 חי י: i •an-, obwohl kein an «ler Zahl, al - einen lh i mg v>>n w a:1!vn Zi.>ni ten an (Sei jiidi-chcti Ztikunh nn-ieht. Simuii S t r a u ß Zionismus in I'rankrcidi Straßburg, den 29. Juni 1935 In 111־ rer Nummer vom Diens* tag. 25. Juni, haben Sie einen Bericht über den /hmi-mus in FnankreLh ve!oM!u:! lieht. der in bezug auf O -! Iran k 1־ e i c h der Lrgätizung bedaif. Ks besteht in O-t frankre!־׳!! seit vielen Jahren ein s. Ih-mndiger zioni-1 i-׳ i:er I;1 ז:!L —-\־c־r! ■a 1 .d mit Sitz, in S! r a l.1 >׳> u 1 g und ( )rt'gnipjn n in Metz, d i!i m\ ille, Idurbarh, Nhu'e'v, ('.ihmm, Mul* hon-e, Be!!n! 1, | )er \ e: ha! .d (;.!. ] alt et ('1111' lege 7:0'! i : -!!׳■’Leukei! aut allen /n>!.! ■! י hen du* 1 י.'iי זgי bi! •ei,: Ar!« i>!'11 lv ■en 1 i .1 |e >d, K< im. imnm!,. 1 i -!.! - M׳hay:it1. A d d 1 d - \:;■ ׳ •־dm n, Rn׳• <1- und Fräuenarht'i!. Der Kei ׳׳!!;!! un -׳■o)d in Ostflau :Lei( h i 111 limtcmlfii jahic VOl. Uidr!5 iL rs. 130 00C'־1 l! 1 auf, Kai 'rn Kn׳ 111 יG 11 D1;;:d. ״tcus Fm . ISOuua 1 )!11,<! 1־«r Y״D u inl ein A n! r111 .׳ LaL« n;mf cinua 1 ). ’ י j:9 ׳t n 7 ח י n n; i (11 ־ - f 1 n Kon- Zu 1 la«-!1'u!1;1r,111-Zw uckuu 'iia 1 v.nn ׳ r' ׳.! ud in dun letzh , /m ׳ i J.1;!n n!und 11 0) 1 0(13 .-״!) in ׳..יי' : m 31׳ den. }׳dir :die u B Zi ־ X■ •-! ׳ni-׳• n, di(' ( )r 1 i'La1!!- ii יי he Arn Uh h ken- ׳ le! /mm .׳ j. * d ׳ \ : 1; 1 ן l־d!1׳. h Auf l i Dingen steht die Welt Erzählung von GERSON S7ERN 25. FarUetiunß Copyri^fit Verlag Erich Rei■•, Berlin An diosem Abend konnlc Bevlbehen iiielil «,iiisclilafcn. Sie hftrln, daß auch Bcssingor sich hin- und herwarf. ״Arnold, :schläfst du nichl?“ ״Sclhslvcrsläiidlich schlafe iili." LS war f merkwürdig und merkwürdig erreg(, was Bessinger erwiderte.; ״Ich meine, ich würde schlafen, »her —“ Wenn Bessinger . mit irgend elwas nicht ferlig wurde, oder üIkt irgend etwas erregt war, so brauchte er eine Ahladeslelle, eine Selmllahladestelle. Er halle nicht Zeit, die Unhill weit abzufahren. hu allgeineiiK‘11 wurile hierzu Berlhrhen verwende(, im Notfall Herr (Jrünllial. Berlliclien war immer zur Stelle, Berlhrhen war geduldig, Berlhrhen nahm es hin, Berlliclien wußte, wie es gemeint war, sie wnßle, daß alles gleich vergessen war. — Bessinger schwieg. Nach einer Pause drehte er sieh Berlhrhen zu. ״Ihr Frauen hängt euch an (lefi'ihle. (1111. Alier ihr bläht |81e auf. Ihr venmslallel sie. Und aus Glück wird IJugliirk."!Das Schlußwort eines jeden Salzes sprang diesmal hei Bessin- *ger im Klang hoch auf. Das war noch nie geschehen. Berlheben fühlje, wie es sie Iraf. Aus (Bück wird Unglück. Die Worte waren nichl schwer zu versieben. Sie wnr«len eine Last, Sie legten sich aufs Herz. Es schlug gewaltig. Es ließ Berlhrhen keinen Schlaf finden. Berlliclien war am nächsten Tag ein wenig lienominen. Sie ging fasl wie in einem Bausch. Sie halle zwei schlaflose Nächte hinler sieh, sie halle in den Ohren die Worle Bessin •rer«. S's kam ins Geschäft. Die Modeschau! Ja. Berlhrhen 11!ute aus ihrem Zustand heraus hemmungslose Ideen. Bessinger schrie: ״Es kostet ein Vermögen.׳‘ Der Manager war entzückt Kostbare Modelle wurden ausgesucht. Bessinger schrie wieder, aber Berthchen fühlte, hier läßt du keinen anderen sprechen, hier ist deine Well. Meine Well? Berthelien erschrak. Du sngsl, deine Well? Berlhrhen ninßle sieh selzeri. Sie halle keine Buhe. Sie lief nach Haus. W as lat sie, was wollle sie dort tun? Sie lief wieder ins Gosrlmfl. Kunden kamen. Sie lächelte, sin wurde ahgelenkl, sie vergaß alles. Doch der Gedanke slaml auf. Sie ging aufs neue nach Haus«•, langsam nach Hause. Lotle kam. Die Klassenarbeit war geschrieben. Die Aufregung war groß. 1,011c besprach alles mit Fräulein Müller. Berthelien sland danelx'ii. Sie verstand nichts vom Partizip und linperfekl. Sie lächelte ein wenig. Keiner sah es. Sie ging wieder ins Gesciiäl‘1. Ein Gefühl von W urzellosigkeil kam über sie. Sie wurile nach Haus gelriehen, zurückgelrieben, sie erledigte hundert Sachen. Sic konnte nichl mehr. Sie flüchtete in einen Winkel und Barg d<־n Kopf in ihren Händen. Bertheheil big wieder schlaflos im Bell. Plötzlich linrlo Bessinger, wie sie still, unaufhörlich vor sieh hin weinte und die leisen Schluchzer in sieh einsrhlucklc. Berlliclien halle sich einen Zipfel «1er Bctldeeke in den Mund gepreßl, aber das MCinen war nicht zil ersticken, Bessinger konnlc es riielil er-!ragen. Daß ein Mensel! weinte, war ihm furchtbar. Und gar Berlhrhen! Bessinger redete auf sie ein. Berthelien war nicht zu beruhigen. Sie stöhnte. ,.Arnold, du hast recht." Hiergegen konnte Bessingor nichts sagen. Er hatte schon recht, er halte immer recht. ״Deine Morte, Arnold, sind so wahr:.., und aus Glück wird Unglück." ״Was heißt meine M'orle?" Bessinger war sehr erstaun!. ״Ich 11al»e nichts gesagt. Ich lialic mir vorgenommen, nichts zu sagen, koin AVort zu sagen. Und ich sage nichts.“ Berthelien erwiderte nicht. Sic fühlte, wie in ihr etwas zusaniinenbrach. Es war ein Traum, ein M'alm gewesen. Es war ein M'alm geworden. ״Zu spät“, sagte Berthelien, ״es ist zu sp.i I". ״Zu spät?" entgegnele Bessinger. ״Niehls ist 7.11 spät. Fahren wir morgen zu llcrrenstein. Er läßt mit sieh reden." Berlhrhen sagte: ..Ich ertrage cs nichl, Arnold, fahren wir." Herrenslein schien keinen guten Tag zu 11al>en. Er halle keine Zell, eine erledigte Angelegenheit zu l>osnrftrhen. Bessinger kam mit sehr vernünftigen, ausgeklügelt vcrniiofligcn Gründen. Aber llcrrenstein halle ebenso vernünftige, aiisgeklügelt vernünftige Gegengründe. Und Herrenstein hatte keine Zeit. Er erhob sich. Da sprach Bcrthchen, Sie ließ nicht Vcrnunft sprechen und nichts Ausgeklügeltes, sie war nur aufrichtig. Hcrrenstein war dieser Art geschäftlicher Erledigung weniger gew acli-eii. Dabei war 1’iTlhi'heii -o gr-rliiekl io ihrer Na! ü 14 irhkei f. data t Irr m!-! 1׳ ׳ n drn nii'Tw nn-1!'׳trn fall mit einiger l3׳1'׳'ude I><• Ba 11 < 13■!t!•. I ml I In■ r<• 11-!<• i 11 ״alt nach. Allerditigs. er halte Zeilw’i'111-I ׳,״!iaht. er halte ::׳•w i—e! )!'-positioneu getroffen - wellig-lenin -11 11׳ Ihm 011-11. 11rr 1 a׳n-lr! 11 nannte es jedoch gelroHi'u -!0־ Malanair i'iiir \ 1!-!and--1 חm!!1׳ «oii füll IzigtaiiM'iiil Mark. ״Ja oder 11׳׳ln,;!her 1 ■!!'_׳ •'h. Da- Mini noch nichl zwei Pro/enl da> Merl!״.. Ich hin n'lir enli'iLrenkoiumend. ' Mit diesem Preizahlte l!1״׳I11:״״ r für Berlhrhen den Zusammenbrueh ihrer 1.1 *I1!- 11 ■״ <! I l'iinn׳״1 .״! ihclien selbst zahlte in anderer .Münze. I nd das war grausamer. 18. KVIMTEH halte sieh Frau l.öwenherg ihrer Freundin enger angeschlossen. Und so sollte es Meilien. Dr. Feldin::er war auch ein wenig «lie Liehe von Frau Lüwenherg gewesen, und als dieser blonde Hüne plötzlich hiiigemähl wurile, hallen beide Frauen getrauert. 1 ml beide* Frauen nnihli’n sii 11 dann um (lie Erziehung Leo Felilimrers. der lieheusw ünlig und folgsam w ar, bis er in die Flegelalua1 kam. Fi all I ,öu enherg warf auf das Kind der Freundin die Mül lei lirhkril ihres eigenen einsamen Herzens, und, es war niehi ander-. Len wurde auch ihr Sohn, wenn er sie auch Tantchen nannte: alier dies war eine äußerliche Angelegenheit. Am zweiten Ferientag kam Leo zum ..Tantchen“. ״Ich möchte lledda Bessinger sprerhrn, aller nichl hei dir. Ich habe furchtbar viel Achtung wir deinen Pen-ion-löehlei11׳. Ich kenne Ih'ddas Eltern, ich kenne ihren Kreis, ich halle viel auszurichten.“ Hedda wurde zu Frau Fc-Iilinger gebeten und war sehr überrascht, Dr. I'elilinger zu treffen: Flau lYIilimier liorrhl» auf. ״Fs ist ein Stück Heiin.il“. erklär!(• liedda. Fine halbe Stunde später gingen Hedda und Fehlingcr durch einen Vorort einem Mahl zu. Sie sel/ten sieh auf eine Bank, die in einem M’iescncinsdniitt am M aldraml stand. Man sah nichts als Wiese, M aid und den liefen blauen Aelher. Man war sc verborgen, so geborgen in dieser Einsamkeit. Weiße M olken

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