Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1935-07-02 · Heft 53 (2.7.1935) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 53 (2.7.1935)
Date
1935-07-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653827-2653877--27066-2688485
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

jüdische Rundschau Palästinensische Umschau NR. 53, 2. JULI 1935 Die Grundsteinlegung zum Haus der ״Habimah“ Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. T e I A w i w, 23. Juni 1935 Am höchsten Punkt des Boulevard Rothschild, der sich, mit guten Häusern besetzt, breit und mit Bäumen bestanden in einem großen Bogen durch die Stadt zieht, ist ein großer freier Platz ausgespart, einer der ganz wenigen Plätze dieser engen Stadt, der seinen Namen wirklich verdient. Er liegt heute noch halb unfertig zwischen den Baumaterialien der umliegenden entstehenden Häuser, mit einem prachtvollen Ausblick in die Plantagen und Siedlungen der Umjsogend. Hier soll neben anderen öffentlichen Gebäuden das /Theater der ,,Hahimah“ entstehen, das erste feste Haus für die junge hebräische dramatische Kunst, die sich müh- Sam aus den Moskauer Anfängen ihren Weg durch die Welt nach Palästina gesucht hat und jetzt nach Jahren schwerer Anstrengungen und dauernder Kämpfe mit dem Bau eines eigenen Hauses im Lande beginnt. Jahre hindurch hat die ״Habimah“ darüber geklagt, daß sie ohne festen Boden unter den Füßen, immer von der Gnade anderer abhängig, gehindert durch eine endlose Kette technischer Schwierig- Reiten um ihre Aufführungen ringen müsse. Jahre hindurch hat sich die hebräische Truppe und der Kreis ihrer Freunde mit dem Projekt des Theaterhaus beschäftigt, jahrelang sind alle Bemühungen an Zahlen und Berechnungen gescheitert. Jetzt endlich hat man sich soweit durchgerungen, daß man zur Grundsteinlegung schreiten konnte. Das Fest wurde jedoch (wie wir bereits berichteten, Red.) zuerst einmal verschoben. Der plötzliche Tod Shmarya Lcvins, eines der ältesten Freunde und stärksten Stützen der Truppe, zwang dazu. Und als sich schließlich auf den Holzgcrüsten des großen Platzes die Truppe und ihre Freunde, der High Commissioner und die Vertreter der natiojialcn Institutionen versammelten, um die Gründnngsurkunde zu unterzeichnen und den ersten Stein zu legen, da mußte Chaualt Rowinah, die Sprecherin des Theaters, die frohe Gelegenheit zuerst einmal mit Worten der Trauer um Bialik• und Shmarya Lcvin ciuleiten, die beide hei dieser Feier nicht mehr anwesend waren. Ein tiefer Schatten über dem frohen Fest. Noch weiß die ״Habiinah“ nicht, wann ihr Haus, das t jetzt gegründet ist, vollendet sein wird. Es wird von dem Ver* ' ständnis und der Opferbereitschaft des hebräischen Publiktims abhängen, wann das Werk vollendet werden kann. Aber es ist für alle, die an der Entwicklung des hebräischen Theaters ein luteres. ג nehmen, schon ein wichtiges Ereignis, daß jetzt der Anfang gemacht ist und die Aussicht besteht, diesen Anfang i!1 absehbarer Zeit zu Ende zu führen. Was der Bau eines Theaters für Tel-Awiw und damit . für das hebräische Palästina bedeutet, braucht nicht vieler | Worte zur Erklärung. Hier wird der Grund gelegt für eine | neue Stätte geistigen Schaffens, die irn engen Zusammenhang il steht mit der Kultur, die das neue Palästina schaffen soll und »j will mit tler um ihre Formen kämpfenden Literatur, mit f! einem großen Sektor des geistigen Lebens überhaupt. Es ist | beruhigend zu denken, daß hier der Versuch gemacht wird, j|neben die sich mehrenden Prachtkinos der Stadt ein Theater j*| zu stellen und der ״Habimah“, einem Lieblingskind des || Publikums, das man verehrt und kritisiert, angegriffen und j!vergöttert hat, eine Stelle zu bereiten, wo sie sich zu Hause i fühlen kann.!Klima, Kleidung, Körperpflege in Palästina Von Dr. Frieda Janowitz Die Acrzte-Gcsellsehaft für Palästina im Rahmen der l BZV. hält in Berlin regelmäßige Kurse über Themen von ןmedizinischem Interesse ab, die insbesondere auch dem Laien \ll inweise gehen sollen. Im Rahmen dieser Kurse wurde der ^Vortrag gehalten, dessen Inhalt wir nachstehend kurz wiedergehen. Tür viele wird er Bekanntes wiederholen, manchen feulingen aber gewiß willkommen sein. (Red.) So wie die Landschaft Palästinas voll größter Mannigfaltigkeit und Gegensätzlichkeit ist, so auch das Klima. An ler Küste herrscht feuchte Wärme, subtropisches Klima, in der Wüste und in einem Teil der Jordanebene begegnen wir tropischen Verhältnissen, im Gebirge trockener Hitze und sehr kalten Nächten. Der Winter ist unangenehm durch den!häutigen Witterungswechsel — man kann in einem Tag alle!Jahreszeiten Europas auf einmal durchleben — und durch die 5 große Feuchtigkeit im Verein mit den scharfen Winden.! Der Winter ist die Domäne der Grippen, Katarrhe, Lungen- 1 Entzündungen und Rheumatismen. Richtige Kleidung ist {daher von größter Wichtigkeit. Sommerhzvv. Friihjahrssachen Jund ein Regenmantel allein genügen keineswegs. Wollene ן Unterwäsche, wollene Strümpfe und ein warmer Wintermantel jfsind unbedingt erforderlich. Gegen den R e g e n soll man nicht Gummi- und Oelzeug itragen, da sie die Verdunstung der Körperfeuchtigkeil verliinidem. Imprägnierte Stoffe, insbesondere Lodenstoffe und Ueber-!schuhe mit hohen Schäften sind empfehlenswert. Im Regen soll man, besonders mit Kindern, nicht stchcnbleiben, sondem in Bewegung und warmzubleiben suchen. — Der Winter *dauert 3.1 Monate (November bis Ende Februar); nach drei Frühlingsmonaten (März, April, Mai), kommt der Sommer. Er dauert von Juni bis nach Sukkoth. Ohne jeden Uebergang ו kann nach dem Winter die größte Hitze cinsetzen, meist sind (die Frühlingsmonate aber sehr schön. Die Temperaturen im Sommer liegen zwischen 20 und [30, ja 35 Cirad. Es ist kaum möglich, sich von hier aus eine Vorstellung von dem palästinensischen Sommer zu machen. Warum? — Es fehlt hier die Intensität der Sonnenstrahlung, idie unerhörte Helligkeit, die über dem ganzen Lande!liegt. Diese Strahlung ist anstrengend für Augen und Nerven. ,Als Schutz ist eine Sonnenbrille erforderlich. Es werden rauchgraue empfohlen, um die Farben der Landschaft nicht zu «!verändern. Die Brille ist auch ein Schutz gegen Staub und?Wind und macht Bindehaut- und Lidrandentzündungen ver-!!neidbar. Ein zweites Erfordernis gegen die Strahlung ist |der Schutz durch die Kopfbedeckung. Diese ist sehr wichtig »zur Vermeidung von Ucbcrreizungcn des Zentralnerven-!Systems. Entweder trägt man einen Tropenhelm oder einen! Hut aus leichtem, porösen Stoff, aus Stroh oder Leinen, von Iweißer oder hellgelber Farbe, weil diese beiden Farben am |meisten Lichtstrahlen reflektieren und sie am wenigsten hin-!durch und an den Körper gelangen lassen. Der Hut soll zum {Schutz für Stirn und Nacken eine sehr breite Krempe haben. 1 Besonders Kleinkinder, die noch keine Brille tragen können, (müssen einen Hut mit sehr breiter Krempe haben. Auch die Araber tragen der Strahlung in ihrer Kleidung Rechnung; sie Das Neueste in Kürze Von unserem palästinensischen gl.-Korrespondenten Wirtschaft Die Reparatur- und Verstärkungsarbeiten bei der Hauptbrücke des J a r m u k (zwischen Zcmach und Naharajim) sind jetzt beendet worden. Sie wurden im Aufträge des Regierimgsdepartcmcnts für öffentliche Arbeiten von der Bauabtcilimg der Arbeiterorganisation durchgeführt. Die Regierung beendet die Vorbereitung für die Schaffung der landwirtschaftlichen Hypothekenbank. Das Kapital soll C 400 000 betragen. In der Presse ist zur Zeit der Posten des Managers mit einem Jahresgehalt von £ 1200 und freier Wohnung ausgeschrieben. Kandidaten müssen englische oder palästinensische Staatsbürger sein und außer englisch auch arabisch und hebräisch beherrschen. 111 einem Prozeß über die lieber gäbe von Böden bei Nahariah (nördlich von Akko) sprach das Gericht den jüdischen Klägern (Soskin, Löwy, Schnur, Pin- 11er) ihre Ansprüche auf das Gelände zu und verurteilte die arabischen Verkäufer, die das Land gegen den Vertrag nicht zur Zeit abgeliefert hatten, zu einer Strafe von £ 10 000. 111 der Official Gazette werden eine lange Reihe n euer Gesellschaften aufgeführt (mehr als zwanzig), die als Treuhandgcsellschaften für ausländisches Kapital gedacht sind. Es scheint, daß sowohl die gute Wirtschaftslage Palästinas als auch der Mangel starker Besteuerung (keine Einkommen- Steuer!) englische Finanzkrcisc dazu bewogen haben, sich in Palästina Instrumente für Kapitalaufnahme zti .schaffen. Barclays Bank eröffnet eine Filiale in üazah. Politik, Gesellschaft und Kultur Bei einer Demonstration von Holzarbeitern vor einem Geschäft, das a 11 s 1 ä n d i s c 11 e M ö b e I verkauft, kam es in Tcl-Awiw zu Verhaftungen. Der ״Verband zur Förderung der Landesprodukte•‘ (To/creth Haare/.) bemüht sich um ein Abkommen über Verkauf einheimischer Möbel mit dem Ladenbesitzer. In Na ane-11, einer landwirtschaftlichen Gruppe der ar* beitenden Jugend (Noar Chved) wurde ein Seminar für wirtschaftliche 11 n <1 Siedlungsfragc n eröffnet, das einen Monat dauern soll. In Tel-Awiw ertrank beim Baden ein junger Ar« beiter, in Jaffa ein zwölfjähriger Knabe. Die Unglücksfälle in dem tückischen Wasser «ler Tel-Awiwer Küste haben sich dieses Jahr mit dem stärkeren Badcbefrieb vermehrt und die Stadtverwaltung wird «!ringend um eine Vergrößerung des Rettungsdienstes angegangen. In Nazareth, wo die jüdischen Siedlungen der Ebene Jcsrcel vielfach 111 juristischen Laßen zu tun haben, mußten kürzlich die Pro/cßverhamlhmgcn unterbrochen werden, weil sieh kein Dolmetscher aus dem Hebräischen ins Englische fand. Der angcstcllte Dolmetscher des Gerichts ist vor einigen Monaten von seinem Posten /uruckgetrcteii und bisher nicht ersetzt worden. Die Grnmlimg.svcrsa min hing der neuen arabischen Partei unter vier Leitung von Dt. Klialdi, Bürgermeister von Jerusalem, fand in Ramallah statt. Die nette Partei nennt sieh ״Partei «ler Reform“. Das Auslieferungsrecht Palästinas Da Palästina durch die Bestimmung des Mandats ausdrücklieh zum E i n w a n d e r u n g s 1 a 11 d bestimmt ist, ist seine Stellung im internationalen Auslieferungsvcrkehr von besotiderer Bedeutung, «Jer sowoiil durch ein modernes innerstaatliches Ausliefenmgsgcsetz (Extradition Ordinancc 192()) als auch durch ein engmaschiges Netz zwischenstaatlicher Ausliderungsverträge Rechnung getragen ist. 1. Bei Widersprüchen zwischen Bestimmungen des Auslieferungsgesetzes und «lenen internationaler Verträge gebührt den letzteren der Vorrang. Doch sind die Verträge bei der ersten sich bietenden rechtlichen Möglichkeit mit den Be- Stimmungen des Auslieferimgsgeset/es in Einklang zu bringen. 2. Entsprechend der belgisch-angelsächsischen Auffassung, die der der kontinentalen Staaten entgegengesetzt ist, dürfen Auslieferungen, zu denen nicht ein gültiger Auslieferimgsvertrag ausdrücklich verpflichtet, nicht vorgenommen werden. Die Auslicferungsverträge bilden in Palästina also nicht nur die G r e n z e der völkerrechtlichen Auslicfcrimgspflieht, sondern auch der innerstaatlichen Au.dieferungsbcrechtigung. 3. Noch ein anderer Gegensatz zum kontinentalen Auslieferiingsrecht ist hervorstechend. Es gibt, tler angelsäehsisehen Rechtsauffassung entsprechend, kein grundsätzliches Verbot der Auslieferung eigener Staatsangehöriger. Ein Auslicferungsvertrag, der die Verpflichtung «1er Auslieferung palästincnsischer Staatsangehöriger begründet, widerspricht nicht «lern inneren Rechte Palästinas, selbst wem! in dieser Hinsicht keine Gegenseitigkeit bestellt, der kontrahierende Staat also die Auslieferung eigener Staatsangehöriger verweigert. 4. Es ist, wie für die meisten Auslieferungsgesetzc, auch fiir das Palästinas bezeichnend, «laß es sich, abgesehen von Verfahrensvorschriften, überwiegend mit Auslieferimgs v e r b oten befaßt, also eher als ״Nichtauslioferiingsgesetz“ bczeiäinet werden könnte. Indem es die Auslieferung in zahlreichen Fälle« ausdrücklich verbietet, gewinnt es in diesem Umfange den Charakter eines A s y I s c h u t z g e s et z e s. Soweit Auslieferungsverbote bestehen, muß jegliche Mitwirkung der Bebürden, die zu einer Umgehung dieser Auslieferungsverbote führen könnte, etwa ilie zwangsweise Vollziehung einer Aus- Weisung durch Abschiebung einer im Auslände verfolgten Person, ebenfalls verboten sein. 5. Die hauptsächlichen Auslieferungsverbote ergeben sich durch Schlußfolgerung aus dein Umstande, daß das palästinensisehe Auslicfertingsgesctz, wie alle alteren < ieset/e dieser Art, «ler ״Lmimeration-mcthoilc" folgt, also die Auslieferung überhaupt nur wegen der im Geset/e und sein«11 ׳ spateren Ergän/iingen a!1 s d r 11 c k 1 i e h a 11 f g e f 11 11 r t e!1 Deliktstatbestände gestaüct. 6. Ausdrücklich genannt ist im G«־setze «las Verbot der Auslieferung politischer V e 1׳ l> r e e 11 e r, dessen Formulierung völlig mit § 3 des Britischen Ansiiefenmgsgesetzes übereiiistimmt. Danach ist jede Auslieferung verboten, wenn die Straftat politischen Charakter hat. Das (iesetz sieht dabei ausdrücklich vor, daß der Verfolgte das Recht hat, vor dem Richter «Hier der Verwaltungsbehörde geltend zu machen, daß die unter anderer Motivierung iiachgesuelite Auslieferung in Wahrheit einer Verfolgung wegen einer Straftat politischen Charakters zu dienen bestimmt ist (Art. 7a). 7. Die Prüfung der Schuld trage, die sich hierbei naturnotwendig ergibt, stellt im palästinensischen Auslieferungsrecht keine Ausnahme von dem herrschenden Grundsatz dar. Im Gegensatz zum kontinentalen Recht, aber in Ui'bereinsiimtnung auch mit dem französischen, darf nämlich eine Auslieferimgshaft nur angcord net werden, wem! die Prüfung der Selnildfrage ergeben hat, daß ein genügender Sehuldverilacht vorhanden ist, um eine Verhaftung zu rechtfertigen, wenn die Tat in Palästina begangen wäre (Art. 12). Es findet also in Palästina eine summarische materielle Prüfung des gesamten Auslieferungsfalles statt, die sich keineswegs auf die Farmalien — Vorliegen eines Haftbefehls oder Urteils der zuständigen ausländischen Behörde usw. beschränkt. 8. Ueber tiie Auslieferung entscheidet die Verwal- 11! n g s b e 11 ö r «I e (High Commissioner). Doch ist sie irt ihrer Entscheidung nur frei, wenn sie die Auslii'ferung ablehnt. Andernfalls liegt 11 ie Entscheidung praktisch bei «lern Hochsteil Gerichtshof, den der Verfolgt«׳ zwar nicht gegen seine Auslieferung an sieh, wohl aber gegen die an geordnete Auslieferiings 11 a f ז anrufeil kann. (Habeas corpus-Verfahren.) Erklärt «las Gericht die Verhaftung für unzulässig, so muß der Verfolgte sofort in Freiheit gesetzt werden. Erklärt das Gerieht sie für rechtmäßig, so ist die weitere I nliaftierung gestattet und damit praktisch di«■ Auslieferung für zulässig erklärt. Ob «lie Verwaltungsbehörde die zulässig«־ Auslieferung dann bewilligt und aiisfuhrt, bleibt allerdings in ihr pflichtmäßiges Ermessen gestellt. I )r. W e 11! ־ e r F r a 11 s t ä «I t e r, Tel-Awiw tragen große, weite Kopftücher, die vom Kopf über den Nacken bis weit herab auf den Rücken hängen. Für die übrige K I ei d 11 n g gelten dieselben Prinzipien. Die Stoffe sollen leicht, porös und gut anfsaugend sein, die Farbe weiß oder hellgelb, am besten naturfarben. — Wenn es Leute gibt, die immer wieder sagen, daß einem ״alles am Körper klebe“, so bedeutet das nur, daß diese Leute falsche, nämlich schlecht aufsaugende Stoffe tragen. Leinen, Halbleinen, reine Seide und leichte, feine Wolle sind am geeignctsten; Kunstseide dagegen saugt meist schlecht auf. Einschnürende Kleidungsstücke wie Mieder usw, sollen natürlich fortfallen. Die Kleider sollen lose und weit sein, der Leib soll vor Abkühlung geschlitzt werden. Man legt keine überflüssigen Kleider an, darf aber auch nicht nackt in der Sonne arbeiten. Licht, Luft und das tiefe Blau des Himmels wirken anfangs berauschend wie Sekt und lassen das dringende Verlangen entstehen, in S o n n e z 11 b a «I c n. l:s wird dringend davor gewarnt, diesem Verlangen iiaehzugcbcn. So segenbringeiul die Sonne Palästinas auch ist, so birgt sie «loch große üetahren für ck'11 Menschen, insbesondere für den Neuankönunling. Unkontrollierte Sonnenbäder können Fieberattacken und das Aufflackern von alten Krankheiten zur Folge haben. Den Ehrgeiz, braun zu werden, soll inan sich drüben abgewöhnen. Obgleich der Palästinenser sich vor dt*r Sonne schützt, lebt er doch drüben mehr mit und in der Natur als hier, seihst in «len Städten. Tausend kleine Veränderungen an seinem Körper lassen es ihm zum Bewußtsein kommen, wie das Land von ihm Besitz ergreift und er miteinbegriffen ist in das große Naturgcschehen. Auch das psychische Barometer der Stimmungen ist sicher klimatisch bedingt. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt ist die Stimmung des Einwanderers, die sich erst allmählich allsgleicht. Immer bestellt ein erhöhtes Ruhehedürfnis in der ersten Zeit, dem man unbedingt nachgeben soll. ״Leath, leath“ soll man sich schnell als Motto aneignen. Man soll den Tag früh anfangen. Kinder sollen um Vs 10 Uhr morgens spätestens wieder im Haus sein und von da ab bis 12 auf der schattigen Terrasse spielen. Um 4 Uhr ist die Hitze gebrochen. Für Erwachsene ist cs wichtig, zu wissen, daß in der Zeit von Ö l! Uhr die größte Schwule herrscht. Um 11 kommt der kiihle Seewind innl um 3 Uhr kommt nochmals eine Luftbeweg 1mg zustande. Nach ganz kui/er I)ämmerung kommt der Abend. Lr bringt, besonders im Gebirgig häufig einen sehr starken Tempei״tuMm/, Die Abentl«• und Nachte sind im Gebirge (Jerusalem, /ph.it, I lebron) so kalt, daß es nötig ist, sich auch nach eim־m uberlicißni Tuge mit warmer Ueberkleiilung zu versehen, «ia «ler Körper sieh nicht schnell genug umstellen kann. Man lernt es leicht, sich auf alle «liest? Dinge einzustellen. Schwer erträglich ist nur «I er Cham sin, ein vor» Osten, d, 11. ans der Wüste kommentier Wind. Chamsin ist arabisch und bedeutet die Zahl 3ü, weil man sagt, der Wind wehe 50 Tage im Jahre. Diese verteilen sieb auf Juni und September; häufig aber kommen sie schon früher, wie in diesem Jahre Linie April und!Mai. Daher sind Juni und besonders September schlechte Einwamlcrimgsmonatc und schlechte Reisemonafe fiir Touristen. Chamsin zeichnet sich durch tlrei Eigenschaften aus. Er bringt: 1. Exzessive Trockenheit, 2. exzessive Hitze uml 3. Sand mit sich. — Dieser Wind hat — vermutlich durch seine Trockenheit — einen starken Einfluß auf die Menschen. Verstimmung, Mattigkeit und Euergiclosigkeit sintl die eiiulruckvollsten Beschwerden. Die Zeit des Chamsiiis ist «lie Zeit der größten Krankheitsziffern 1m Land. Bei Chainsiii soll man mehr trinken als gewöhnlich, sieh und die Kinder knapp ernähren, sowie alle Nahrungs* mittel vor dein Genuß genau auf Frische prüfen. Fenster und Fensterläden sind geschlossen zu halten. Kühle Bäder bringen eine angenehme Erfrischung. Die Hautpflege erfordert eine erhöhte Sorgfalt. Line gute Versorgung aller Risse und Wunden sowie aller Hautausschlage ist unbedingt erforderlich. Zur Erhaltung der allgemeinen Widerstandskraft des Körpers wird eine rationelle Arbeitseinteilung und vernünftige sportliche Betätigung emp■ fohlen. Durch sorgfältige Beachtung der angegebenen hygienisehen Vorsichtsmaßregeln gelingt es meist, die erwähnten Gefahren zu überwinden und Schädigungen zu vermeiden und, wenn wir ״strebend uns bemühen“, so werden wir mit Sicherheit das Ziel erreichen, das uns vorschwebt, nämlich: ein gesunder Geist im gesunden Körper, Mens sana in cor* pore sanol

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.