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Jüdische Rundschau · 1935-07-02 · Heft 53 (2.7.1935) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 53 (2.7.1935)
Date
1935-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 53, 2. VH 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Hachscharah in Italien Der Antisemitismus ist in Italien ein unbekannter Begriff. Niemand, der sich dafür interessiert, kann hier Anklang linden. Auch unter dem faschistischen Regime ist das nicht anders geworden. Es gibt keinerlei Diskussionen über das Rassenproblem. Das zeigt sich im Kleinen wie im Großen. So werden z. B. die hohen jüdischen Feiertage in den Zeitungen genau so geschildert wie die Festtage der Christenheit. Dieser Umstand macht neben der klimatischen Eigenart des Landes und der verwandten Vegetation Italien zum geeigneten Vorbercitungsland für Erez Israel. Vier Hachscharahstcllcn gibt es bis jetzt in Italien: Eine liegt am Gardasee, die zweite im Gebirge bei F c r r a r. Ferner besteht (wie bereits berichtet .- A.d. R.)> seit kurzer Zeit am Meer unweit von Rom eine Schule, die Knaben von 14 Jahren an für Fischerei und Schiffahrt ausbildet. Die interessanteste Hachscharah, die ich selbst besucht und eingehend besichtigt habe, ist in Ricavo di laste!- lino in Chianti (Prov. Siena). Das Haus liegt auf einer Hohe, 40 km südlich von Florenz in einer der schönsten Landschaften der Toscana. Sie wurde vor etwa IC. Jahren durch die Zionistische Vereinigung für Italien, speziell durch Dr. Ottolcnghi, den Sekretär der zionistischen Föderation, deren Sitz in Florenz, ist, gegründet. Bis jetzt sind etwa 50 junge Menschen durch die Hachscharah gegangen und bereits in Palästina. Zur Zeit leben 28 Chawerim und 8 Chuweroth auf dem Gut, Diese Menselten sind (bis auf 2) aus Deutschland, Die derzeitige Gruppe kommt nur zum kleinsten Teil aus Bünden. Trotzdem haben sie sich, wenn auch etwas schwerer als die früitere, ausgezeichnet in die Gemeinschaft sowie in die sehr schwere Arbeit gefunden. Zuerst unterhielt ich mich mit den Mädchen, die einen prachtvollen und fleißigen Eindruck machten. Sie leisten die gesamte Innenarbeit. Es war mir eine besondere Freude, von ihnen zu hören, daß sie keinesfalls der so vollkommen verfehlten Meinung sind, daß Mädchen unbedingt Jungcnsarbeit machen müßten. Nur ausnahmsweise, wenn es notwendig ist, helfen sie im Garten mit. Sonst sind sie mit der Hausarbeit: Küche, Wäsche, Instandhaltung der Kleidung vollaut beschäftigt. Sie versäumen nicht, ein paar Blumen auf den Tisch zu stellen und den — sehr einfachen — Speiseraum Auszug zur Arbeit : ׳' '!־׳; v J ,י• 4 ״• zum Schabbat und Jom Tow für die Gemeinschaft zu schmücken. Sie haben Sinn dafür, daß die Aufgabe der Frau darin besteht, die Arbeit der Jungcns zu ergänzen und — durch ein bißchen Schönheit — eine saubere Decke, eine Schale mit Blumen, ein Bild, — zu beseelen. Die Mädchen schlafen im Erdgeschoß. An den getünchten Wänden der beiden Zimmer sind mit Reißnägeln Bilder von Dürer, Giorgione und anderen Meistern befestigt. Im ersten Stock liegen die Zimmer der Jungen. In einem großen Schlafsaal stehen 10 Betten der ältesten. Hier wird noch diskutiert, bevor man einschläft. Im ״Kinder/immer“, wo die Jüngsten schlafen, von 17• -19, kleben neben und über den Palästinakartell Herz.lbilder. Der Speiseraum trägt noch den Schmuck des Schawuoth- Festes. In hebräischen Buchstaben geht ein Fries um den Raum. In der!Mitte der Hauptwand leuchten darüber die *Gesetzestafeln, aus Glanzpapier geschnitten. Die äußeren Verhältnisse sind sehr primitiv. Das Haus ' hat keine Wasserleitung. Das Wasser muH täglich in einem * 700 Liter bergenden Faß von der weit entfernten Quelle mit ■j dein Wagen geholt werden. Als Beleuchtung dient Karhidgas, : das im Hause hergestcllt wird. Das Brot wird selbst hergestellt und in einem alten Baucrnofen gebacken. Die Außeiiarbcit gliedert sich in folgende Gebiete: Gartenbau, Ocl- und Weinbau, Roden von Waldflächcn für Getreidefelder, Anlage einer Wasserleitung und etwas Vieh- Wirtschaft. Die Arbeit ist sehr schwer. Die Sonne brennt, ähnlich wie in Palästina. Um Uhr sind die Jungen draußen und arbeiten -- mit größerer Mittagspause (es wird täglich von 11-■12 Uhr ״gelernt•‘, einen Tag Hebräisch, den anderen Mischna, Geniarali, Palästinakundc) bis 8״'י Uhr abends. Das soll bei dem schweren, sehr steinigen Boden und der glühenden Hitze eine große Leistung sein. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie die Jungen strahlen, während sic erzählen, wie schwer die Arbeit ist. Der Boden »i gepachtet — die guten Teile behalten die Bauern, mit denen man sehr gut steht — für sich. ״Wir י"}**■ ־ ' & I 4)1 bME ■ ־׳ ■w; Weg zur Weide haben so großes Glück, daß die Arbeit hier so schwer ist. Wir könnten keine bessere Vorbereitung für Erez Israel finden“, sagte mir der Führer. Das ist das aufbauende Geschlecht. So wünscht man sich unsere Jugend! Der Stolz der Siedlung ist die Bibliothek. Ein kleiner Raum mit einem Schrank, der im oberen Teil die Gebetmäntel, die Gebetbücher und den Schofar enthält. 1111 unteren Teil aber stehen u. a. 24 schön gebundene Schockcn-Bändchcn und alle Werke von Bubcr. Die Gemeinschaft entsteht von seihst durch das gemeinsame Lernen und das gemeinsame Gebet. Das Zusammenleben wird mir als sehr harmonisch geschildert. Man scheidet aus dieser Siedlung junger, schwer arbeitender jüdischer Menschen mit einem tief beglückenden Gefühl: Hier ist eine Stätte der Gesundung, der Vorbereitung für ein schweres Leben in Erez Israel, das getragen sein wird von den Pfeilern echter jüdischer Religiosität. Margarete Moses Budapester Brie! Budapest, 28. Juni Die Pester Israelitische Kidtusgeineindc hielt vor Beginn der Sonttnerfcrien ihre diesjährige Generalversammlung ah. Die Schlußrechnungen des Jahres 1034, ebenso wie vier Etat für 1035 zeigen einen Aufwand von ca. 4'., Millionen Pengrt, von denen rund IG Millionen für die Hospitäler der Gemeinde verwendet wurden, fast 1 Million auf das Schulwerk, vor allem auf die beiden Gymnasien entfällt. Der vom Generalsekretär Alexander Eppler verfaßte Jahresbericht - befaßt sich eingehend mit den Resultaten des diesjährigen Landeskongresses. Auf Anfrage von Dr. Josef Patai, sowie von Dr. Ignatz Fried mann erklärte vier Vorsitzende, Hofrat Samuel Stern, er werde für die würdige Verewigung von Her/ls Andenken in Budapest eintrefen. Iin Alter von 62 Jahren verstarb dieser Tage einer der angesehensten Juristen des Landes, Dr. Ferdinand Baumgarten, Richter au der königl. Tafel, vier Ungarn auch beim Internationalen Gerichtshof im Haag vertrat. Er lehrte als Extraordinarius Handelsrecht an vier Universität. Die orthodoxe Budapester Gemeinde, die jüngst eines ihrer Mitglieder wegen öffentlicher Entweihung des Seliabhats aus ihren Reihen gestrichen hat, leitete jetzt eine Bewegung ein, um viie Anordnungen des demnächst zu erscheinenden ministeriellen Erlasses über die vollständige Sonntagsruhe wenigstens für die streng Schabbat haltenden Juden zu mildern. Dr. A. F. Der König von Italien ernannte den Florentiner Verleger und Antiquar Leo S. Olscltki, der Großoffizier des italienischen Kronenordens ist, zum Ritter des S. Mauritius- und Lazarusordens. Berufs um Schichtung: bei den Juden Amerikas? New York, 27. Juni. (JTA.) Auf einer in Lake Placid abgelia Heilen Konf e r e 11 z jüdischer Sozialarbci t e r aus dem Oesamtgebiet der Vereinigten Staaten wurde das Problem einer B e r u f s u m s c h i c 111 u 11 g der amerikanischen Juden eingehend erörtert. Der Vorsitzende vles Bimdesverbandes der Exekutiven jüdischer sozialer Zentren, William Pinsk c r, erstattete das Hauptreferat. Er erklärte, die amerika« nische Judenhcit könne nicht weiter auf Ergänzung aus den alten Menschenreservoirs Europas rechnen. Sie müsse aus sich selbst heraus das ihr heute gestellte Problem ihres Fortbestehens zu lösen suchen. Es werde notwendig sein, Einfluß auf die Entwicklung zu nehmen, statt sich wie bisher bloß ihren Ergebnissen anz.npasscii. Der Präsident der National Conference of Jewish Social Service, Dr. Beil M. Selckman, entwarf einen Zchnjahrespiaii für Berutsumsehichtung, vier in Gemeinden, die für die Durchführung solcher Experimente groß genug sind, in einem weiten Rahmen durchgeführt werden soll. Die Frage wirtschaftlicher Anpassung sei mit dem Gesamtproblem der amerikanischen Judenhcit unauflöslich verbunden. Die jüdischen Sozialarbeiter seien bcruten, sich mit der Frage der ungünstigen Berufsverteihmg unter den Juden ebenso zu befassen wie mit der Beeinflussung vier öffentlichen Meinung zugunsten der Maßnahmen für Wohlfahrt uik! soziale Hilfe. Dr. Samuel G. Ilos von vier New- Yorker Hochschule für jüdische Sozialarbeit empfahl die Einsetzung eines Reichsrates für Benifsiimschiclitung unter den Juden. 1 )r. K o 11 s erklärte, die Trag«' vier wirtschaftlichen Anpassung der amerikanischen Juden erfordere ein sorgf.iltiges Studium. Eine in 3(1 kleinen jüdischen Gemeinden durchgeführte Untersuchung habe ergeben, dal! überall besondere Schwierigkeiten bestehen, die eine Losung an Ort und Stelle und nicht eine solche int gesamtstaatlichen Rahmen notwendig machen. Im Süden und Sudwestei! sei ein großer 1 eil der jüdischen Gemeinden von der Wirtschaftskrise Wenig betroffen. Es gäbe jedoch jüdische Gemeinden mit einer Be- Völkerttn g von 11)00 bis 3000 Seelen, in denen die Berufs- Umschichtung durchgcfiihrt werden müsse. Dr. Mordecliai Soll es, Direktor vles Erzichiitigswesens heim jüdischen NX ohlfahrtsnusH'huß, bedauerte die Uneinigkeit unter den Führern vier amerikanischen Judenhcit angesichts der gemeinsamen Gefahr. In großen Teilen der jüdischen Bevölkerung sei ein M angcl an Verantwortungsgefühl fc.st/ustellen. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas Atlantic Citv, 30. Juni. (JTA.) in Atlantic City wurde in Anwesenheit von 130 Delegierten viie Jahres. Konferenz vier Zionistischen Organisation Amerikas eröffnet. Der Präsident vier Organisation, Morris Rothenberg, gah einen Pebcrblick «aber viie Erfolge vier Aufbauarbeit in Palästiii,־! und forderte viie Reorganisation der Zionistischen Organisation Amerikas durch Einbeziehung von Gemeinden und anderen jüdischen öffentlichen Körperschaften als Kollektivmitglieder. Fenier stellte er viie Forderung nach Revision vier Zusammensetzung vier Jewish Agency auf. Die Abcnvlsitzung war als Traucrsitzung dem Andenken Shmarya Levins gewidmet. Aus dem Bericht vier Exekutive ging hervor, daß im letzten Jahre 1010 jüdische Familien aus Amerika nach Palästina atisgcwandert sind und ein Kapital von 5< _• Milk Dollar dort investiert haben. United Jewish Appeal in Amerika New York, 27. Juni. (JTA.) Felix M. Warb arg, der Vorsitzende des Hauptsammclkomitecs für den United jewish Appeal in den Vereinigten Staaten, durch den im Laufe des Jahres P)35 3', Millionen Dollar für Hilfszwecke in Deutschland und Osteuropa und für Aufbauarbeit in Palästina aufgebracht werden sollen, gibt bekannt, daß die erste Million von diesem Betrag bereits erreicht wurde. Er erklärt, es sei zu erwarten, daß die noch in einer Reibe bedeutender Zentren dureh/titühi enden Sammlungen ebenso erfolgreich abseit ließen werden wie die bisherigen, so <1 di der Aufbriugungsplan bis zum Jahresende vollständig erfüllt werden wird. Die Lage der Juden in den Ländern Mittel- und ()slcitropas habe sielt nicht gebessert, sondern sogar noch ver-eharlt. Die flilfsarbeit müsse daher mit voller Energie fortgesetzt werden. Die Beisetzung1 Prot« Askenazys Warschau, 27, Juni. (JTA.) Bei der Beisetzung des vcrstnrbineri polnisch-jüdischen Historikers Prot. Simon Ask cna zv, der bekanntlich infolge vier gegen ihn gerichteten antisemitischen Agitation die Vertretung Polens beim Volkerblind tiicderlegcn mußte, würdigten fühlende polnische Wissenschaftler die Bedeutung des Verstorbenen. Die Reden am Grabe hielten der Rektor vier Warschauer Universität Prof. P i e tt k o w s h i, vier Dekan der Universität Prof. A n t o n i e w i e /, Prof. Da kos/, jm Namen der (Je- Seilschaft polnischer Historiker Prof. K. e 11 c s i ״ s k i, furche Universität Posen Prof. Skai ko w ski und für die Schüler des Verstorbenen Prof. M o s e i e k i. Blick auf Ricavo di Castcllino (Chaluzim auf der Straße) Ein üraben wird aus gehoben F״to>; Loc«tu, Ho״!» ־*ö, WWm '■*f* SK £9 «■3׳ */ 7 iS»#! ,^?31 י, * •. *!׳ ';'T*3w ♦. ifS7 m׳m .. jk y*״. ׳ :.»■ ♦יי ־

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