Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 53 (2.7.1935)
- Date
- 1935-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sefte 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 53, 2. VU. 1935 Wurzeln hat und daß nach einer furchtbaren, tiefen Krise, die die Juden in diesen zwei Jahren durchgemacht haben, ihnen von der Welt die Chance gegeben werden muß, sich wieder aufzurichten. Wir glauben, daß wir Juden nutzbringende und aufbauende Mensehen sein können. Wir müssen gewiß die Grenzen achten, die für uns gezogen sind. Schon unsere eigene Würde erfordert das. Aber unsere aufbauenden Kräfte wollen wir nicht brachliegen lassen. Wir haben am Aufbau der jüdischen Gemeinschaft noch genug zu tun, das Jüdische Nationalheim in Palästina verlangt große geistige und physische Kräfte, und überall, wo die Juden leben, bedürfen sie besonderer innerer Kraft und geistiger Sicherheit, besonderer jüdischer Selbsterkenntnis, um ihr schweres Leben zu ertragen und darüber hinaus etwas Wesentliches zu schaffen. Mensch sein allein ist noch gar nichts, Jude sein allein ist auch noch nichts; man muß bewußt Mensch sein (und dadurch sich in den Erziehungsprozeß des Menschengeschlechts, von dem Lessing schreibt, im Sinne der ״Beförderung der Humanität“, von der Herder kündet, einreilien) und bewußt Jude sein (mit all der Verpflichtung, Schweres zu ertragen, den Glauben an das Gute festzuhalten und die hohen Werte des jüdisehen Volkstums in sieh wiederzuerwecken). Man muß sich als Jude in die Kette der Geschlechter ein tilgen und die Verantwortung vor der jüdischen Geschichte auf sich nehmen. Dann sind wir Mensch und Jude in einem. Dies hätte unsere jüdische Gemeinschaft ihren Mitgliedern zu sagen, und Ernst damit zu machen. Eine Aufgabe, die noch immer am Anfang steht. Das neue polnische Wahlgesetz Von unserem Korrespondenten s. Warschau, 28. Juni Das neue polnische Wahlgesetz wurde heute in dritter Lesung v״m Sejm verabschiedet und nächste Woche, nachdem der Senat die Vorlage voraussichtlich ohne Aeiulerungen angenommen haben wird, wird das neue Wahlgesetz in Kraft treten. Damit tritt die polnische Republik in eine neue Phase ihres Verfas<11ngs|ehe11s ein. Nunmehr werden auch äußerlich neue Staatstormeii eingetuhrt, die seit Jahren bereits faktisch existierten. Das soeben beschlossene Wahlgesetz ändert vollständig die Struktur des polnischen Parlaments und das Bild des politischen Lebens in Polen. Als Hauptmotiv für das neue Wahlgesetz hat die Regierungspartei die Notwendigkeit, die politischen Parteien aus dem Parlament zu eliminieren, angegeben. Es wurden also abgeschafft: das Verhältnis- und Listen- System, die Wahlkreise sind klein mit je 2 Mandaten (die Größeren Städte bilden eigene Wahlkreise), die allgemeine Zahl er Altgeordneten zum Sejm wurde auf weniger als die Hälfte reduziert und macht im ganzen 208 aus (aut 104 Wahlkreise verteilt). Das direkte Wahlrecht bleibt nur formell bestehen. Die Kandidaten werden nämlich bestätigt von Kreiswahlversammlungen, deren Mitglieder aus Delegierten der territorialen und wirtschaftlich eu Selbstverwaltungskörperschaften sowie Staatlieh anerkannten professionellen Verbänden bestehen werden. Außerdem werden je 500 Wähler einen Delegierten zu diesen Wahlversammlungen entsenden können. Kandidaten werden also sozusagen nominiert werden und der Wähler wird nur das Recht haben, von 4 vorgeschlagenen Kandidaten zwei zu streichen, Der Senat wird aus % Mitgliedern bestehen, wovon ein Drittel vom Staatspräsidenten und die anderen zwei Drittel von Wahlkollegien in den Wojewodschaften nominiert sein werden. Dabei haben das aktive Wahlrecht nur Besitzer von Auszeichnungen und mit Mittelschulbildung, sowie Mitglieder der Selbstverwaltungen. Für die polnische J u d e n 11 e i t bedeutet das neue Wahlgesetz einen sehr starken Schlag. Die Juden, die zwar in den bisherigen Parlamenten auch nicht allzu zahlreich vertreten w.iren, hatten aber wenigstens die Möglichkeit, einige Vertreter selbständig zu wählen und vor der Pariantentstribune ihre Interessen zu verteidigen. Die jüdische parlam ent arische Repräsentanz war im unabhängigen Dolen fünfzehn Jahre lang f iirspret her mul Vorkämpfer der bürgerlichen und nation.il 1׳n Rechte der jüdischen Minderheit. Die Erfolge ihres Kampfes waren klein, aber moraliseh war diese Tätigkeit von grober Bedeutung. Dieses Kapitel ist nur» zti Ende. Die neue Wahlordnung wurde so abgetälit und die Wahlkreise so zugeschnitten, daß du* Juden überhaupt nur einige Mandate erhalten können, und zwar höchstwahrscheinlich zwei in Warschau und je emen Abgeordneten in Lemberg und in Lodz. Der jüdischen Bevölkerung gebühren aber, da sie 10 <0'י ausmacht,?(» Mandate! Vergebens protestierten die jüdischen Abgeordneten im Sejm gegen dieses eklatante Unrecht. Die Regierungspartei reagierte überhaupt nicht auf diese Proteste, die nationahlemokratische Opposition, die im Namen der Demokratie gegen die Grundsätze der neuen Ordnung auftrat, bekämpfte auch die vorhandenen jüdischen Wahlchancen. Aber nicht nur die kleine Zahl der jüdischen Mandate bildet ein Unrecht. Sogar in diese״ Wahlbezirken werden die luden nicht selbständig und frei diejenigen Vertreter wählen können, die ihr Vertrauen besitzen. Die jüdische Bevölkerung wird nur eine beschränkte Möglichkeit haben, zwischen den von den Wahlversammlungen vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen. In diesen Wahlversammlungen werden die Juden — sogar in den jüdischen Bezirken — in einer Minderheit sein, da doch bei den Wahlen in sämtlichen Seibstverwaitungs- Körperschaften die Juden bereits der ihnen nach Zahl und Leistung gebührenden Sitze beraubt worden sind. Es ist klar, daß die polnischen Kreise nur auf einen jüdischen Kandidaten eingehen werden, der ihnen genehm ist. Als jüdische Vertreter werden Leute oder Parteien auftreten, die auf nationale Würde und mutigen Kampf von vornherein verzichten. Zum Senat haben die Juden überhaupt keine Chancen, aiMi nur einen Repräsentanten zu entsenden. Was bleibt den Juden zu tun? Die wirtschaftliche Not ist unter den pol-!tischen Juden so groß, daß das Wahlgesetz, das ihnen diese Enttäuschung bringt, keine stärkere Reaktion unter den Massen hervorgmifen hat. Ein Gefühl der Hilflosigkeit und Resignation beherrscht alle Kreise, die Zionisten nicht ausgeschlossen. Abg. Dr. Thon schlägt Wahla bstinen 7. vor, andere zionistische Abgeordnete hoffen noch auf die Einsicht der Regierung bet der Durchführung der Wahlen, die Agtidab und politische Karrieremacher and schon am Werke, Kuhhandel mit dem Rest, der noch vorhanden ist, zu treiben. Aller Volksbrauch lebt auf I Der Schekel Von Dr. Felix A. Th eil ha bet Ein Mstorisch*r, vielleicht lehrreicher Rückblick Das Geldwesen war bei den Juden Palästinas spät und wenig entwickelt. In der Bibel und nach den uns sonst zugängliehen Unterlagen haben die Juden des Altertums an dem Ausbau der Ethik, wahrscheinlich am Schriftwesen mitgewirkt, der Geld verkehr und alles, was damit zusammenhängt, ist von ihnen durch keine Erfindung oder Einrichtung gefördert worden. Sie übernahmen die Methoden der Nachbarvölker, wogen zuerst das Silber nach Gewicht — als Tauschmittel — und benutzten später fremde Münzen. Erst Simon der Makkabäer prägte um 140 v. Chr., also recht spät, eigene Silberlinge. Diese Münzen zeigen hebräische Inschriften: ״Jeruschalajim hakedoscha“ und drei Lilien auf der Rückseite; auf der Vorderseite Kultgegenstände und Früchte des Landes mit der Umschrift ״Schekel Jisrael“ und die Jahreszahl seit der Befreiung Jerusalems. Unter den späteren Hasmonäern war die eine Seite griechisch, seit den Herodianern nur griechisch resp. lateinisch beschriftet. Die Embleme sind Helm, Palmzweig, Pflan/enbiJder. Nur während der Freiheitskämpfe (gegen Vesnasian und unter Bar Kochba) zeigt die rein hebräische Schrift den nationalen Einschlag.‘ Der besondere Charakter des Schekels Steuern sind keine neuzeitlichen Einrichtungen. Das Altertum kennt so viele Arten von Tributen, daß die Bevölkerung das Wort Steuerbeamten oft mehr als die Pest floh. Anscheinend gab es u. a. bereits zwischen 400—160 v. Chr. eine Kopfsteuer, die für die Fremdherrschaft beslimnit war, sowie eine weitere, die seit Nehemia zum Unterhalt des Tempels diente. Sichergestellt ist, daß in der herodianischen Zeit die Juden für den letzteren Zweck Vs Schckd entrichteten. Die in Palästina lebenden Volksgenossen leisteten die Tempelabgabe vor Peßach, und zwar in Jerusalem am 25. Adar int Tempel, im Lande selbst zehn Tage früher. Wer nicht über die passende Münze verfügte, verlor beim Einwechseln ein Man, d. H. den 24. Teil des Schekels. Sowohl im palästinensischen Talmud wie im babylonisehen ist der Schekel eingehend behandelt. Die Mischna hat darüber allein acht Kapitel, in denen der Zahlungstermin, der Kreis der Steuerpflichtigen (die Heiden, Samaritaner, Priester), ferner die Zahlungsmittel, ja sogar die Einwurfsbüchsen, also die Vorläufer der berühmten blauen Büchse, ausführlich behandelt waren. Die Pflicht zur Schekelzahlung war für alle Juden der Welt obligatorisch. Philo erzählt, daß alle Juden über 20 Jahre daran gebunden waren: ״Fast in jeder Stadt ist eine Kasse für die heiligen Gelder, an welche die Abgaben entrichtet werden. Zti bestimmten Zeiten werden Männer nach dem Ade! des Geschlechts mit der Ueberbringung der Gelder bestimmt. Aus jeder Stadt werden die Edelsten gewählt, um die Hoffnung eines jeden unversehrt nach Palästina hinaufzubringen. Denn auf der gesetzlichen Entrichtung der Abgaben beruht die Hoffnung der Frommen.“ Die Gelder wurden durch eigene vom Patriarchat abgesandte ״Apostoii“ gesammelt, was bis zum 4. Jahrhundert geschah.' " 'י' " ' ׳ * ־ Die Leistungen der Diaspora Die Oolah nahm ihre Aufgabe recht ernst. Zuerst galten die Schekelsammltmgcn dem Heiligtum von Zion, dann standen die Gelder dem Patriarchat zur Verfügung. Wir hören von großen Stimmen, bereits zur Zeit Casars, die in Kleinasien und Lybien zusammenkamen, wo sie einige Zeit lagern mußten, bis die Transporte zusammeugesteilt waren. Die ewig geidhungrigen römischen Landpfleger, die die Provinzen als zu melkende Kühe betrachteten, eigneten sich die meist nun in Gold timgewechselten Beträge an. Der Wert des Silbers verhielt sich damals wie 1 : 13, so daß die Einzelschekel zwar in Silber gezahlt, die gesammelten Summen aber in Gold versandt wurden. Es gab sogar Prozesse gegen die diebischen römischen Administratoren der Provinzen, die in Rom stattfanden. Cäsar und Augustus schritten energisch ein und kaiserliche Erlasse stellten die Beschlagnahme dieser Gelder als Tempelraub unter schwere Strafe. Die Schekel der griechischen Juden wurden an festen Sammelplätzen Vorderasiens am oberen Tigris gesammelt. Am reichlichsten flössen die Gelder aus Babylonien. Hier in Nisihis und Nchardea befanden sich die Hauptschatz- Kammern, welche zunächst die Abgaben aufspeicherten und von hier wurden sie dann zur bestimmten Zeit nach Jerusalem abgeliefert. Viele Tausende junger Leute der Gegend übernannten die Ueberbritigung und dienten als Eskorte, die den Schatz schützend vor den Räubereien der Partfier geleiteten. Obwohl es auch zu dieser Zeit gelegentlich einen bargekllosen Verkehr durch Anweisungen gab, war hier der Geldtransport noch der usuelle. Die Zahlung des Schekels selbst erschien allen Gliedern des Volkes als Symbol der Verbundenheit der Diaspora mit dem Mutterland. Ais nach dem großen Freiheitskrieg (71 n. Chr.) diese Judenstetier für den Jupitcrtempcl in Rom eingezogen wurde, wurde diese Maßnahme als nationale Schmach empfunden. Die Staatsbehörden gaben aber nach etwa 70 Jahren die Sarnmhingen wieder frei und erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts schritten sie wieder dagegen ein, in einer Zeit, in der das ganze römische Geldwesen in Unordnung geraten war. Dornröschen* Schlaf kn Mittelalter Die Schckelabgabe lebte nicht mehr auf, nicht nur weil sie ein Verbot daran hinderte; das hätte man wahrscheinlich durch geeignete Vorstellungen erschüttert, sondern weil das Patriarchat in Palästina in den letzten Zügen lag. Der Umzug von Jabneh nach Sepphoris, von Scpphoris nach Tibcrias verrät bereits, wie wenig bodenständig ■die neue jüdische Obrigkeit war. Das Patriarchat wurde auch hald darauf nach Babylonien verlegt, da die schmalgewordcric jüdische Bevölkertmg im Lande weder die nötige Resonanz für das Patriarchat bot, noch die Mittel zur Erhaltung desselben aufbringen konnte. In den Wirren der Völkerwanderung konnte die systematische Einziehung des Schekels nicht mehr aufleben. Wir hören zwar, daß auch noch später die kümmerliclten Reste der palästinensischen Juden m Jahren der Mißernte Sendboten 11m Gaben zu ihren ägyptischen Glaubensgenossen schicken und daß die babylonischen Juden Anspruch aut den Weltschekel erheben. Erst die Katastrophen in Frankreich, England, Deutschlano und Spanien hatten das besondere Augenmerk auf die verlassene Heimat gelenkt, die immer wieder einzelnen frontmen Juden als Unterschlupf dient. Im 15. Jahrhundert erscheinen mit der Wiederansledlung von Juden auch Sendboten im östlichen Mittelmeer. Die Begründung der sephardischen Chalukkah, die sich als ״Einteifung“ oder ״Gruppe“ im Jahre 1600 besonders konstituierte, obwohl schon vorher Abgrenzungen zwischen den Aschkenasim und den Juden der übrigen Länder bestanden hatten, scheint auf Moses Alscheich in Safed zurücknjgehen, der vorher in Venedig als Rabbiner amtierte. In diese Zeit ן fällt eine Hungersnot in Palästina. Venedigs Juden ort-| schlossen sich auf die Hilferufe, ein eigenes Schiff auszu-l rüsten, das Geld und Wolle für die in Schulden geratenen! Brüder überbringen sollte. Aber die Sendung wurde unter•( wegs gekapert. Infolge der Hungersnot wurden viele Jeschi•! woth aufgelöst und führende Mitglieder der Gemeinden! in den Schuldturm geworfen, viele flohen ins Ausland. I Die Juden Venedigs versuchten die Auflösung des neuen! Jischuw zu verhindern und sandten im Herbst 1600 Send-i schreiben an die jüdischen Gemeinden Deutschlands. Diel deutschen Juden waren damals aus allen größeren Landes-I gebieten altsgegliedert und selbst in den ihnen offen stellenden! Kleinstaaten durch tausend Steuern und Abgaben Wirtschaft•! lieh aufs schwerste belastet. Obwohl die Not an allenS Gemeinden zehrte und der einstige Wohlstand in dieser Zeit! nirgends mehr anzutreffen war, hatte gerade die Not «lies* jüdische Einstellung aller besonders gestärkt. Venedig be-J stimmte neben freien Gaben eine Steuer von J4_ Schekels jährlich. Dr. H. Blau hat in Leo Modenas ״Brief« undf Schriftstücke“ (1907) zwei dieser Sendschreiben, die vermutlich aus der Feder dieses Rabbiners von Venedig stamm•! teil, veröffentlicht. Sic sind in hebräischer Sprache, der| Vcrbindungssprache der früheren Juden, geltalten. Aas dem Schekel wird das Chalukkahgeld Wir treffen nun wieder häufiger Sendboten aus dem Heiligen Lande, die oft Jahre unterwegs sind, um für die Gemeinden, Lehrhäuser und Schulen des Landes zu sammeln.| Die Vorschrift der organisierten Schekelabgabe lebte zwt nicht mehr auf, aber Almosen wurden allmählich immer reich licher gegeben, die zum Ausbau der Chalukkah führten, überj die wir besonders aus dem 19. Jahrhundert unterrichtet sind. Palästina entsandte im 17. Jahrhundert drei Kollekteure, um in Nordafrika, in der Türkei und in den Balkanländern zu sammeln, die selbst 33 0׳,״ des Betrages für sich behalten durften. Zu diesem Posten wurden nur besonders ehrenwerte Männer berufen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts unter nahm ein Sendbote sogar die weite und beschwerliche Re: nach dem judenarmen Nordamerika. Trotz der verschiedenen Versuche, die Sammlungen?0 organisieren, blieben alle Bestrebungen immer wieder, aut gelegentliche Spenden beschränkt, wie auch ihre Verteilung an Arme und Gelehrte nicht nach großen Volkswirtschaft■! liehen Gesichtspunkten erfolgte, in Kurhessen gab es zwar! im 18. Jahrhundert staatlich anerkannte ״Jcrtisalemsgelder״,J die sogar steuerartig erhoben wurden; einzelne sephardiscltelj Gemeinden erhoben einen freiwilligen Zuschlag für Palästina^ Aber das waren Ausnahmen. Das 19. Jahrhundert hat eine eigene Geschichte der Cha• lukkah, über die nicht in wenigen Worten zu berichten i-t Trotz aller, und zwar erheblicher Fehler dieses Systems ha! sie es ermöglicht, daß eine große Zahl von Juden, in Palästina lebte, deren Existenz allerdings in der Luft hing in dem Augenblick, in dem die ״Almosen“ nicht mehr aus dem Au land eintrafen. Der neue Schekel Mit dem Weltkrieg und dem Erstarken des Zionismus ging die Chalukkah zurück, während der Schekel vom S. Kongreß und von Herzl eingeführt, begeistert von dem Juden der Welt als Jahressteuer, als ein Beitrag für die /.io nistische Bewegung erhoben wurde. Im Augenblick ist de Schekel nicht eine Abgabe für das Land selbst, sondern nu eine symbolische Gabe für den Wiederaufbau, ein Beitra! für die Bewegung, die politisch und wirtschaftlich die Neu• besiedclung überwacht und durchführt. Es ist sicher kein bloßer Zufall, daß der modern Schekel die ganzen Chalukkahgekler abgelöst hat und auch ziffernmäßig bereits die Summe der letzteren, die im Jahre 1902 mit 500 000 M. veranschlagt wurde, iihcrtrifft, Herzl hat] dem Judentum klargemacht, daß man nicht mit ״Almosen״ ein Volk erlösen kann, nicht mit ״Schnorrgcldcrn", sondern durch die systematischen Abgaben, zu denen sich das ]1 dische Volk wieder verpflichten müsse. Die feste Besteuerung der ganzer! Diasporajudenhcit mit einem Sciiekei zugunsten Palästinas ist heute ״och nicht über• all durchgeführt, aber es scheint nach dem (Jang der Din tri־ und dem Tempo der Entwicklung gegeben, daß die Abp ־ für Palästina, der Schekel, wieder für alle.Juden d Welt bindend und verpflichtend und daß seine Bezahl das Kriterium der wirklich jüdischen Verbundenheit der Geschichte und dem Volkstum werden wird. Ergebnisse der Schekel-Aktior Wie uns aus London vom Zionistischen Zcntralbi mitgeteilt wird, bedeuten die vorläufigen Ergebnisse « diesjährigen Schekei-Aktion aus 21 Ländern eine gewalti Steigerung gegenüber denen des fetzten Kongreßjaht 1933. Bisher sind 1 020 000 Schekalim gemeldet worde Amerika hat seine Schekelzahl verdoppelt. In P a I ä s t i ח beträgt das Resultat 135 000, in Ostgalizlen 171 000, in Westgalizien 73 000, ln Litauen 70 000. Auch In England, Südafrika, Oesterreich und anderen Ländern sind gewaitige Steigerungen zu verzeichnen, ln der oben genannten GesamtziLfer sind die Resultate aus Deutschland, Rumänien und 2♦ kleineren Ländern noch nicht mitinbegriffen. Das Resultat beweist, daß trotz der Abspaltung der Revisionisten, die bekanntlich die Zahlung des Schekels ver■ weigern, eine noch nie dagewesene Zahl von Mit■ gliedern des jüdischen Volkes sich zur zionistischen Bewegung bekannt hat. Der XVIII. Kongreß vertrat 839 291 Schekelzahler. _ Die Wahlen zum XIX. Zionisten-Kongreß. Das Zwnistische Zentralbüro teilt mit: Laut den vom Akttons• Comite im April d. J. geänderten Vorschriften steht das Recht der Einreichung von Wcltwahllisten nicht nur der Gemeinschaft der zionistischen Landesverbände, den. Sonderverbänden und den Fraktionen des letzten Kongresse‘ zu, sondern auch jeder Wahlpartci, welcher sich mindesten < itt 5 Ländern (Wahlgebieten) Wahlvorschläge (Kandidaten• listen) angeschlossen haben. -- Bei der Zuweisung vom Reststimmen werden Weitwahllisten nur dann berücksichtigt werden, wenn die ihnen .angeschlossenen Wahl Vorschlag« mindestens in 3 Ländern Mandate erworben haben. Wahl■{ Parteien, die von diesem Rechte Gebrauch machen wollen■ müssen dies bis spätestens 9. Juli der Exekutive nach, London mitteilen. Zum Kommissar für die VX'cItwahlltstcflj wurde von der Exekutive Herr Dr. Lauterbach ernannt ITauptuchriftleiten Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin-Charlottenburg 9■ Stellvertreter! Kurt Loewengteln, Berlin W15. Anreigenleiterin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: R«t fosetie.fi Berlin W 30. Gültig: Anzcigen-Preisliste 2 vom l. Januar 193» Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Mcinekestr. 10. D.-A. Juni 34 000. -. Druck: Siegfried Scholen1! Berlin-Schöneberg.