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Jüdische Rundschau · 1935-06-28 · Heft 52 (28.6.1935) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 52 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 JO DIS CHE RUNDSCHAU NR. 52, 28. VI. 1935 Ein Fünfzigjähriger Am Schahhat Korach (6. 7.) feiert Dr, Joseph Prager, Haifa, seinen 50, Geburtstag. Joseph Prager wurde in K a s s c I ais Sohn des l.amfrabhiners Isaak Prager gehören und schloß sich schon als Student der / i o n i s t i s c h e n -B e w e gu 11 g an. Pragers starkes Interesse für alle jüdischen Dinge kam auch in seiner Freundschaft mit Rabbiner Neheinia N o b e I und mit Franz Rosen zweig zum Ausdruck, die in den jetzt veröffentlichten Briefen Rosenzweigs einen lebendigen Widerhall gefunden hat. In Kassel ließ er sieh später als Arzt nieder und wurde Leiter der zionistischen Ortsgruppe. Später siedelte er nach Breslau über, rtin seinen Kindern die Möglichkeit zu gehen, eine jüdische Schule zu besuchen» und um seine eigenen jüdischen Studien am dortigen Rabhinersenünar zu vertiefen. Auch in Breslau nahm er am jüdischen Lehen als Vorstandsmitglied der Zionistischen Ortsgruppe und zeitweise als Präsident der Lessing-Loge Anteil. Immer galt sein Interesse besonders allen jüdisch-kulturellen Dingen und der hebräischen Sprache. Er seihst lernte schon damals arabisch. Sein Haus war stets ein Mittelpunkt der Jugend, der er ein echter Führer im Sinne geistiger Berittflussung und lebendigen persönlichen Kontaktes war. 1932 siedelte Prager mit seiner Familie nach Palästina über und ließ sich in Haifa ais Arzt nieder. Wir wünschen ihm weitere Jahr/elite aktiver Arbeit in seinem Beruf und 1m Dienste des Aufbaus an der Seite seiner Gattin und umgeben von seinen vier Kindern, deren Erziehung im Sinne eines wirklich jüdischen Palästina er von jeher erstrebt und durchgeführt hat. _ Wizo-Garten Betti Leszynsky Wir sind gewohnt, unsere besten Mitarbeiterinnen an Paläs tina ab/ugvlnn, niv-m, dal! das so sein muH, und trennen uns in der I lotl'iumg, sic bald in Palästina wieder- Zusehen. Wenn t rau Betty L e s / y 11 s k y uns jetzt verläßt, Mitbegründer in des Kulttirverhamles und langjähriges Vorstanilsinitglicd der \V1/o, m» sind wir uns zwar bewußt, dal! man gerade an ihrer Persönlichkeit den lungeren auf/eigen mußte, was Bewahrung heißt, nämlich tagtaglicher Dienst an unserer grollen Aufgabe mit all seinen kleinsten und kleinlieh-ten Ansgr!!;dien, aber wir wissen auch, dafl es wenige: MenSilicii gibt, denen so wie ihr jedes Reden über ihre Leistungen unangenehm ist. Darum eröffnet die Fiideration der W’i/o in I )eutsehland einen ()arten auf den א amen von Frau I esz\iishy mit dem Wunsche, daß alle unsere Franc!! im Reich, und .׳die Zionisten, die ihr nahestehen, freudig!!]!!helfen werden, diese fdirimg fur Frau Leszynsky schnellstens zu vollenden. Edith Hirsch Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbändc teilt mit: Der Vertreter der gesef/estreuen Bunde, Rudolf Lei - bowi t z, hat sein Amt als Mitglied des Führerrats■ des Reichsausscluisscs niedergelegt und ühcrsicdelt nach Palästina. Als sein Nachfolger ist vom Puhrerrat des Reichsausschusses Abraham W o 1 f f gewählt worden. Der Reichsatisschull wird Rudolf Leibmvitz, der seit sieben Jahren im Re ich sausschuß führend tätig׳ gewesen ist, sehr vermissen. Bei aller Wahrung der Anschauungen der von ihm vertretenen Gruppe hat Rudolf Leibowitz immer den Gedanken der Einheit der jüdischen Jugend im Reichsatissehuß in den Vordergrund gestellt und war eine der stärksten Stützen der Gemeinschaltsarbcft des Reiehsausschusses. Der Reichsausschuß dankt ihm für den Pcrsönlichkeitseinsat/ und die Mitarbeit vieler Jahre und wünscht ihm für seinen neuen Lebensweg in Erez Israel alles Gute. Neue Telephon-Nummer der jüdischen Zentralorjjanitationen. Seit dem 24. Juni 1015 haben die folgenden im Hause Berlin-Charlottenburg, Kantstr.!5S. befindlichen Stellen eine gemeinsame Telepohn-Zentralc unter der Sam meinummer j I Bismarck QH1: Reichsvertretung der deutscheu Juden, Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden, Zeiitralausschiiß der deutschen Juden fur Hilfe und Aufbau, Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, Zentralstelle für jüdische Darlchnskasscii, I laupfstellc fur jüdische Waiidcrfursorgc, Jüdisclier Frauenbund, Reiebs.msschuß der jüdischen Jugendverbände. Persönliches. Der Leiter des Kdreu Kajemcth l.ejisrael in Deutschland, Dr. Jose! W e i ß, ist von einer mehrwöchigen Palästinareise w ieder in Berlin eingetroffen. BRIEFE AN DIE REDAKTION ״Talinudisches Denken” Berlin ״V 24, (Jen 24. Juni A11 die ״Jüdische Rundschau“, Berlin W 15 ln Ihrem .־*ehr godiützien Blatt. Nr. 4647־ vom 6. Juni 1935 haben Sie unter der l’ebersehritt ..Tahmidi-rhvw Denken4‘ meines Vortrages Erwähnung getan, und daixn ist leider ein Fehler unter• lauien, der in verxhiedenstm Kreisen mit Recht eine irrige Meinung bzw. cm verwundertes Er staunen hervor ge rufen hat. Ich hatte in diesem Vortrage von Biaiiks Es-avs S. 83 zitiert : ״l'nd was sind alle 613 Gebote in der Thora anders als das letzte Resultat, Synthese auf Synllle.se mythischei Worte, Agatla. . die seit Urzeiten Jahrtausende hin• timt 11 im Aethcr schwebten .. . ,.Die Lehre von Opfern. Reinhe!׳ mul Unreinheit und den verbotenen Speisen ist itn pric- Berlin, den 23. Juni 1935 Sehr geehrte Redaktion! ln Nr. 50 Ihres Blattes bringeii Sie unter der Bezeichnung; ..Dem *che Relormjiiden vor 60 Jalmn“ einen Berich! aus der Euler von Dr. Raphael St rau ß über e:nen Auf "atz Abraham Geiger^ ans dem Jahre 1869, de! nach der Meinung des Vor- ,.der Vergessenheit ent- 1i">c11 zu werden verdient“. Zu dic'ein Bericht ge-tatte ich mir aU Zionist und als Leser ihres Blattes folgendes «iti'ZUtuhven ־. Ich bin nicht der Meinung des V e! Dali Abraham stcrlichen Mythos begründet, die Gebote der Erinnerung na n ge ה mit nationalen historischen Aga* dnth 71i-anm1e11, wie zwischen einem Menschen und seinem Näciisteu mit den Gciühlen von Ger<׳rhdgkeit und Erbarmen im Herzen des Volkes.“ — Dieser An-t hauung Bialiks habe ich die religid-c Uelxuzcugung der Geaet;־cs!reuen entgcgengestellt und betont, daß nach der Uehcr• zettgung der Go-etzcdreuen die 613 Gel>ote am Smai gegeben waudeti .sind. In der Wieeiergabe hingegen wird gesagt: ״Die Agada ist für die Orthodoxen kein Volksmythos, sondern eine Schöpfung von Gut! selber, ebenso wie die 11 a!ad et. Am Sinai haben die sehniihehe wie die mündhehc Lehre ihren wahren Ursprung,“ In v.irzüglicher Hochachtung Rabbmer Dr. Jakobovits Geiger dem (irdanken einer natioiuden Erneuening de» jiidi- »chen Volk׳?.' auf dem Boden seiner alten llennat ablehnend gegenul)er»iand, kann ihm heute nicht zum Vorwurf gemacht werden. Er teilte diesen Standpunkt mit fad allen jüdischen Führern 'einer Zeit, ohne Unierschied ihrer religiösen Geberzetigung. Zu Abraham Geigers Zeit, indfro.ndere. als die von «lern Verfasser des erwähnten Berichtes angegriffenen Zeilen geschrieben wurden, »schien die Judenfrage im Sinne der bürger'iiehen Emanzipation endgültig gelöst. Die siegreichen Kriege von 1884 und 1868, die freudige Anteilnahme der deutschen Juden an dic-'cn nationaldeut sehen Ereigni'sen und der durch sie bewirkte wirtschaftliche Aufstieg, hatten — augenscheinlich -— einen .solchen Grad von Verbundenheit der deutschen Juden mit der deutschen Umwelt gc* schaffen, daß die deutschen Juden sich in diesen Jahren aus ehrlichster Ucberzeugting ab vollwertige Glieder der deutsehen Volksgemeinschaft fühlten, und ihnen der Gedanke an eine Wiede* rheraudösung aus dieser Gemeinschaft als etwas Absurdes erscheinen mußte, zumal damal» noch keine irgendwie nenm.־n.-we1te jüdische Kolonisation in 1'aUUtina vorhanden war. D aß Moses Heß in seiner Genialität in dieser Frage tiefer go >ela n hat. als Abraham Geiger und ade .'eine Zei'geno»ssent tut de r Fü h r e rpe r»ön I i e 11 k c i t A br;1 - harn Geigers keinen Abbruch. Abraham Geiger war nicht nur ein damals ״anerkannter Fiihrer“, .sondern er war wirklich ein Führer für alle, die seiner reiigibo-n Botschaft folgten, und Tarnende von Juden, die heut? den Weg /.um Zionismus und damit zum Judentum gefunden haben, würden dicv.ri Weg nie Breslau, den 21. Juni 1935 An die Redaktion der ,,Jüdischen Rundschau4‘. In der Nr. 45 Ihrer Zeitung erinnerte I.. Feucht wanger anläßlich des 100jährigen Geburtstages von R, N. Rabinowi/, an das Standard - Werk Diqdmje Sophritn, und ermunterte zur Fortsetzung dieses Werkes. Ich genaue mir zu!*merken, daß haben gehen können, wenn nicht Abraham Geiger ihre Vorfahre« vor dem religiös•״ und damit — wenn auch unbewußt _ aucy vor dem nationalen Abfall bc. wahrt hätte. Jeder jüdische Führer hat —. von wenigen gigantischen Führergrslaltcn abgesehen — für seine Zeit gewirkt und gestrmen. So auch Abraham Geiger. F.s!m de-halb seiner großen Per5i״). liclikeit keinen Kim rag, wenn einzelne seiner Auffassungen M(:[, — von einer späteren l’erspclc. tive aus gesehen — als umirh. tig erwiesen haben. Sic sind für die Beurteilung der (te-amt. jH׳r>ö״ liclikeit bedeutungslos. Schalom!! Illns Lehmann *** Der Aufsatz, auf den s1׳i! vorstehender Brief bezieht, Ire. absiditigle weniger eine Kritik von Geigers Person, als vielmehr die Charakteristik einer jüdischen K |> o c 11 e, die soviel an jiidi. M'lum Instinkt cingobüßt haue, daß ihre Führer (gewiß aus tii-n von Hans Lehmann erwähnten Motiven) in einem entscheiden• rlen Punkt so kurzsichtig sein konnten. (Red.) ich mit Bearbeitung der ״Variae lectiraies1' zum Traktat Kctuboth besehäftigt bin. Ich konnte wäh■ reml meines längeren Aufeni. hahes in Rom reichhaltiges Material aus den rlortigen M... sammeln, und hoffe — wenn ich die nötige Unterstützung find«.- das Werk seinem Ab- Schluß näher zu bringen. Dr. K p 11 r a i m E. U 1־ I a c Iw Breslau, 1 löfchenstr. 97. Abraham Geiger und Palästina ״Dikdukc Sophrim” Tagung des Zionistischen Gruppenverbandes Hannover An! 1(1. Juni fand in 11 i 1 d e s 11 e i m die erste Tagung des Zionistischen Oruppenverbandes Hannover statt. Dr. ü o 1 d b c r g, der Vorsitzende der Hildesheimer Ortsgruppe, konnte etwa 100 Teilnehmer begrüßen. Das Referat von Walter T e m p e 1, Berlin, über ״Die zionistische Situation und die Situation Palästinas“ gab einen außerordentlich klaren und informativen Einblick in die Probleme, die sich aus der Entwicklung der zionistischen Bewegung und des Palästina- Aufbaues ergeben haben. Korreferate von R.-A. G oldstein, Hannover, und Felix Isaak (KKL), Berlin, behandelten wichtige Teiiprobleme und leiteten die Aussprache ein. In den Kommissionen für zionistische Arbeit, KKL- und Jugend-Arbeit (Hechaluz, Makkabi), die die Träger der Arbeit in den einzelnen Ortsgruppen zu Arbeitsbesprechttngen zusammcnfalltcn, konnte an diese grimdsätzliehen Auseinandersetzungen angeknüpft werden; sie gaben Gelegenheit, die aus der praktischen Arbeit gewonnenen Erfahrungen auszutauschen und bildeten insofern die Konstituierung des neuen Gritppenverhandes, als sie zur organisatorischen Zusammenfassung der gesamten Arbeit des Gritppenverhandes führten. Nachdem der Tagung die Berichte über die Ergebnisse der Kommiss ionsbesprech ttngen vorgelegt wurden, nahm Max Weiner, Hannover, das Wort 711 seinem Referat ״Vor dem XIX. Kongreß, Sinn und Aufgabe der Zionistischen Organisation“, in welchem er die bei der Tagung behandelten Probleme unter dem aktuellen; politischen Aspekt /usammenfaßte, unterstützt durch ein Korreferat von Hans F e i n b e r g, Hannover. Drei Kcsolutione!1, das Resümee der Arbeit, wurden mit großem Beifall einstimmig angenommen. Sie beschattigen sich mit der Lage der jüdischen Jugend, protestieren gegen die Beschränkung der Chaluz-Zertifikate, verlangen Unterstützung des Hechaluz und des Makkabi, unterstützen und bekräftigen die Haltung der ZVfD. im Judentum Deutschlands und fordern vollen Einsatz für KH. und KKL. Mit dem Gesang der Hatikwah und der Ted! - saknah wurde die Tagung beendet, deren intensive Arbeit ein guter Auftakt für die weitere Entwicklung des Gruppen- Verbandes war, der von R.-A. G o 1 d s t e i n und Max Weiner, Hannover, geleitet wird. 75. Geburtstag. Am 29. Juni begeht der Landwirt uitA Gastwirt Jakob Marx, Grusen, seinen 75jährigen Geburtstag. Herr Marx beschäftigt seit ca. 20 Jahren in seiner Landwirtschaff Chalu/im. Seit einem Jahr hat er sein Haus und »sein Land dem Kibbuz Hagschamah, wo 20 Chaluziin ihre Ansbiklung finden, zur Verfügung gestellt. An diesem Tag freuen sich mit ihm jüdische junge Menschen in Erez Israel und in Deutschland, denen er Lehrer und väterlicher Berater war und ist. (Hl- 11 (111.1 )׳ Ci-v, i'-1׳ni! I fl setze. mol (na Zephani.1: I )111 ׳ •lf *|>cn ,-.jiririh-n Imin I׳ al-1'11. 11111־ lielicti u.'indte -11־11־ an llr-'ingor Hin \ 111 k 1.11 1 in;. .. l'.u t w!•! Irr 111; 111 ver-telil <׳-, oder man tt־rsfpjil יין Iiirlil". '.!Dl' ait:1׳׳ lieh!>1־״n1־<״f. Er rief inieli Herrn (iruiilli.il. I )11• Aimeloeoiilo if war 111 r ihn rrlnligl. Aber 1111111־ fur Borl lielo'11. .. \ 111<>I< 1. kennen nn 11nmellt m lliilie übe!׳ llcilif.i a11s-p1׳*׳<'h< 11 und 11'׳1״r den Bnel .’ Del Ine iluel» (leine Augen. 1)0' < ie-eli.111 iiilal dirli, l’ril'i!!יוון. NN i r habrit kein eitrnir- Leben. N 1110־ u 1 m* ־ r I, eben. Vir -leriien eme« Inges Ultil wi־»rn flieh!, deli wir ־•״lebt haben." Bes-ing(•!' kannlc die-c klagen und ihre l)au(־r. Lr halte leine Zeit. Im Heit, ״ul. man H'liiief daltei ein. .,linst, «111 mir rticlit gesagt, (lala w ir eines 1 ages in >u li.ibfintruhe* liasitzcn werdend", fuhr Berilirhm fort, ״leb kann solche 1u1‘l;1[0'hufischen Worte xiichl vcrlragen. Das halte ich zu Haus gesagt. Hier ist keine Zeit dafür. Herr (liünthal, seit einer liallten Stunde rufe ich Sie." An diesem Tagt* hielt zufällD Herrenstein* Auto vor dem Cipsrhäfl. Er kam von einer Erholungsreise zurück. llerrenslein hatte Aliähe. seinen 1 uci 11-11 Körper dureh dii* Kaufenden bindurch zu zwängen. Welch eine (ioldgniix*. dachle er. liertheben sland vor ihm. Ilem-ti-lein wies auf die Menge der Kaufcnilen. Berthchen maclile eine abweisende (iebärde. Jltr Herz war lmdrückl. Sie sprach -iclt aus. Ilermtslein horle auffullotul geduldig z.u. .,Es i't schon so, I!ertlichen", warf er mweilt*11 mitleidsvoll ilazw i-elten. I’lutzlich sagle er: .,Ich haltf* einen guten Gedanken, 1111־ lltchcn. Ncrkaull das (ieschäft. I<11 bin Käufer. Sol’orlige Barati'Zalilting. Das Geschäft ist ein Mil- Ikjiienobjekt, Ihr könnt leben, wie und wo ihr wollt." \ erlaufen? Berthchen dun hfuhr ein Sebreelen. ״Es ist doch Euer Ideal!“ sagte llerrettsleiii. Ja, llerrensicm hatte recht. Es war das Ideal. Abends saßen Ilerre1c.tein. I>e«sing1*r und Itcrtliehen im Privat zintitier ו Ins Geschiifles /tisaniinen. Iletrenslein sprach: ״Ich kenne dein Mißtrauen, Bes.-inger. Das hast du von deinem \ ater, der — doch davon wollen wir nicht reden. Ich will offen mit dir sprechen. Ich hals׳ flüssiges Geld, leb y, 111 es nicht in Papieren anlegen, auf die ich keinen Einfluß halte. Mein Angeltot ist deshalb einmalig, nie wievlerkcltrentl." Uerreristein aland auf. M־ltlug auf den Tisch, wietlcrliulU!; ״Nie wiederkehrond" und setzte sich. Die ganze Nacht hindurch sprachen Bessinger und Bcrlhrlteri. Sie lierielen, sie e1׳\vog1־t1. Was llcrrenslein auszaltleii wollte, scliien erstaunlich hoch. Bessinger hatte sieh nie und noch weniger Berlhelien der! AVer! des l Internelimens eiligestanden. ״Was ist es sclion'?" hatte er zu Herrn Griinthal gesagt und halte schwer geseufzt. ״Ein Hurksehlag itn Preis, eine Aenderung in der Mode, und die llällle ist verloren." Bessinger halle kleinere Geschäfte gründen lassen, an denen er beleiligt war. Er konnte dieses System atisdehnen. Kr würde Beschäftigung halten, alter nieltl mehr unter dein tagliehen Zw am:. Berlhelien würde dem Hause, den Kindern gehören. Berthchen weinte vor Erregung. Das Leiten, der Zusammerthang, alles würde anders werden. Berlhelien griff nach Bcssingers Hand und drückte sie und sagte: ״Wir halten es erreicht, Arnold.“ ״Wieso erreicht?“ enlgcgiiete Bessinger. ״Erstens halten wir das Geld noch nicht,, und wenn wir es haben, können wir es verlieret!." llerrenslein war tim acht Uhr im Geschäft. ״Bessinger, ich halte nicht lange Zeit.“ Man hatte meinen können, Herren- »lein kaufte jeden Tag solch ein linlernehinen. ״Berthchen sagt, ihr seid entschlossen. Wie ist es?“ Bessinger zögerte. llerrenslein wurde ungeduldig. .,Entweder ja oder nein, alter eins bitte.“ ״Ja", sagle endlich Bessinger. Um zehn Uhr fuhr llerrenslein Im Auto weiler. Es war alles notariell festgelegl. In zwei und einem halben Monal sollte die 1 eiternahme erfolgen. Vorläufig sollte es geheim gehalten werden. Herrenstein gratulierte Bessinger und Berthchen. ״Ihr Glücklichen 1 Ich werde mich wohl hi» an mein Lebensende plagen müssen." Berlliehen ging mit neuen Gefühlen durrh die Geschäftsräume, Meie Angestellle waren Jiihr/elmle itn Hau», viele Kunden kannte sie seil Jahrzehnten; eine Ziitllielikeil für alle lind alle» Oltcrfiel Berlhrhcn. Der kleine Springbrunnen dort war auf ihre Veranlassung eingebaut worden. Goldfische schwammen im Wasser. Berlhelien entdeekle ültcrnll nnerwarleie Beziehungen. Es war ein merkwürdiger Zustand. Sie ging nach Hause. Da saß sie tl,11111־ allein, IstUe und Hoher! waren in der Schuht. Fräulein Müller wirtschaftete oben. Sie war allein im Zimmer und wußte nieltl, was sie beginnen sollte. Sie ging zurück ins Geschäft. Sie alinote erleichtert auf, als sie Krau Kuhlertkämpf sah, die schon auf sie gewartet halle. l־T׳au Kiihlcnkiiiiipf wollte bei größeren Einkäufen von Berliteiten lteralen sein. Es ging nicht anders. Bessinger saß in seinem Zimmer. Niemand durfte ihn stören. Kr halle die Bilanzltiieher au!'geschlagen. Es war eine Freude, wie jedes Jahr Umsatz und Gewinn gestiegen waren. Das würde nun aufhören. Alter Berlhelien wollte ja ihre Buhe halten. Sie hall(* ein liecht darauf, Bessinger erkannte es tut. Er selbst brauchte keim* Bulle, wollt(* keine Buhe. Und das zehn Jahre jüngere Berlhelien brauchte Hube? »Muß märt nul 4-1 Jahren sieh pensionieren lassen? War das nieltl, Sünde? Alter die Kinder. —!?ertlichen halle das Gefühl, — was heißt Gefühl? Die Frauen müssen ein Gefühl halten. Morgens und nai'hinillags waren die Kinder in der Schüfe, hallen zu arbeilen. W as blieb schon? Und wie war es hei den Müllern, die im Geschäft »landen, weil sie mußten? Doch Bessinger würde Berlliehen nichts sagen. Niehl ein Wort. Berthchen ging naelmutlags nach Hause. Sie kam gerade, als Holierl mit kauenden Backen au* dem Haus rennen wollte*. Sie hielt ihn an, sie sprach gute Worte zu ihm, sie crkiitidiele sich, Bollert galt zerstreute Antworten. Er hätte kein« Zeit, er müßte — Noch ehe er ausgesprochen Halle, was er müßte, war er an Berlhelien vorlteigesrhlüpfl. Später hörte sie sein Geschrei und sein Lachen von einer Nelienstraße her. Berthchen ging ins Haus. Fräulein Müller redete ölten mit Dttle. Arme Lolle, dachte Berlliehen, du mußtest 1113111־*11־* entbehren, es wird anders werden. Berthchen ging hinauf. St׳) war voller Zärlüehkcit. Sie sprach mit Lotte über die Schul*•, über das Zusammenleben. Doch sie wurde unlcrbroclit'ii. Berthchen erfuhr, daß lxtllc morgen eine französische Klassenarlteil schreiben würde und daß sie gar keine Zeit hatte, sich zu unterhalten. Berlliehen setzte sieh ruhig hin. Was konnte sie Inn? Eine 11,׳dlte Stunde verging. Eolle sali erstaunt zu ihrer Muller hinüber. Alter sie sagte nichts, sie arbeitete. Berlhelien sland auf. Sie fühlte eine Schwere in den Beinen. Sie gi"n langsam ins Gesrhiifl zttrüek. ״Du hist wirklich merkwürdig! Berlhelien“, rief ihr Bes*inger enlgrgen. ״Vier Kunden Italien nach dir gefragt. Wir müssen die Modesrlutu vorbereiten. 1>'T Manager wollte dich sprechen. Die neuen Modelle mußt Hu diirehsehen. Und du bist nicht im Hause.“ Berthchen hall» einen Vorwurf von Bessinger noch nie so wohltuend emp• funtleu. (Fortsetzung folg»)

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