Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 52 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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s Nr. 52. 28. VI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 11 Die Sch ekel-Aktion steht vor dem Abschluß. Die Zionistische Organisation hat in den letzten Wochen die Juden zu einem Bekenntnis zum Zionismus und zum jüdischen Palästina aufgerufen. Tausende sind diesem Ruf gefolgt. Noch einmal werden in den letzten Tagen der Aktion in allen Orten Deutschlands Zionisten in die jüdischen Häuser ihrer Gemeinde gehen. Noch einmal werden Hunderte von Mitarbeitern und Helfern zu Bekenntnis und Mitarbeit auffordern. In Berlin und einer Reihe weiterer Großgemeinden werden die Mitglieder der Zionistischen Organisation die letzten Tage zu besonderer Fühlungnahme mit den zionistisch noch nicht erfaßten Juden benutzen. Jeder Zionist wird mit seinen jüdischen Nachbarn sprechen, sie über die* zionistische Idee, das zionistische Werk in Palästina, die zionistischen Aufbaumethoden informieren und von ihnen die Zahlung des Schekels verlangen. Dies wird der erste Versuch sein, außerhalb des Vereinslebens und der Versammlungssäle in der Groß- Stadt Beziehungsfäden zwischen Juden zu knüpfen. Ein Gespräch zwischen jüdischen Nachbarn über jüdische Fragen — das ist das Ziel. Bei aller Verschiedenheit der persönlichen Verhältnisse gibt es bestimmt eine gemeinsame Sprache, gemeinsame Interessen. Zu diesen gemeinsamen Interessen gehören der Zionismus und sein Werk. Die Zionistische Organisation erwartet, daß ihre Mitarbeiter und Helfer, wenn sie in diesen Tagen noch einmal in die jüdischen Häuser gehen, offene Tiiren vorfinden. Erez Israel wird für alle Juden erbaut, alle Juden haben die Pflicht, den Zionisten ihre schwere Aufgabe zu erleichtern. Zionistische Vereinifirungr Sür Deutschland ק cv Jlja Paenson zum Gedenken Von Ra heIWi Schnitzer-Bernstein Vor wenigen Wochen starb llja Paenson an den Folgen einer Operation, 68 Jahre alt. Dieser große Philanthrop wird auch vielen Berliner Juden kein Fremder sein, bekannt aber ist er vor allem allen Freunden hebräischer Kultur. Paenson hat die Nehmenden nie beschämt. Jahrelang unterhielt er Waisenkinder aus der Ukraine, gleicii mehrere auf einmal, suchte kein persönliches Verhältnis zu seinen Patenkindern, blieb unbekannt, freute sieh an ihren Schulerfolgen, an ihren ersten Lebenserfolgen, zahlte die Beiträge. In den Jahren seines Berliner Aufenthaltes waren ihm zwei Institutionen besonders ans Herz gewachsen, der Talmud-Thora-Vcrein und vor allem der Verband der russischen Juden. Der Verband übte zweierlei Funktionen aus, sorgte für die weniger bemittelten Mitglieder und pflegte die russisch-jüdischen geistigen Traditionen. Vorträge und Gesellschaftsabcnde wurden veranstaltet. Paenson kam, hörte in seiner stillen Art zu. Dieser tätige Mensch war in Ge- Seilschaft von beschaulicher und heiterer Ruhe. Menschen, die im Gesclüiftslcben standen, kannten ihn als den kühnen Unternehmer, er war der Begründer der Seifenfabrik ״Schemen“ in Haifa, das Palästina«־erk erfuhr durch ihn großzügige Förderung. Besonders innig war sein Verhältnis zur jüdischen Literntur und zur jüdischen Kunst. Er liebte die Schaffenden mit rührender Liebe. Er verehrte Bialik und wirkte bei der Finanzierung seines ״Dwir“-Vcrlags führend mit. Als in den Jahren 1921—22 von einigen Menschen der Gedanke gefaßt wurde, eine illustrierte Kunstzeitschrift in hebräischer und jiddischer Sprache heraus/ugeben, billigte Paenson gleich den Plan bei der ersten Besprechung, war sofort mit ganzem Herzen dabei, und auch mit dem Geldbcutcl. Ihm haben wir es zu verdanken, daß es noch in den Anfängen der jüdischen Kimstforsehung ermöglicht wurde, mit Veröffentlichungen aut dem Gebiete der synagogalen Malerei, der Handscbriftcnmalcrei, der alten mul der neuen Plastik hervorzutreten, die in den Zeitschriften Rinion und Milgrom erschienen, und zwar in einer Ausstattung, die der kalkulierende Verleger nicht hätte bestreiten können. Paenson kam zu jeder Redaktionssitzung des Rimon-Verlages. In einer Zeit, die mit einer bedeutenden Erweiterung des hebräischen Leserkreises noch nicht rechnen konnte, förderte er voller Zuversicht die Herausgabe hebräischer Bücher. Aber auch die Sprache der Massen in Osteuropa verstand er als starkes, unersetzbares Ausdrucksmittcl zu würdigen. Er lebte die letzten Jahre mit seiner Frau in Paris in der Nähe seiner Kinder, nachdem er sich von seinen Unternehmungen in Palästina zurückgezogen hatte. Noch gar nicht lange her ist es — die erste Gruppe der Jugcndalijah rüstete in Berlin zum Aufbruch nach En Charod —, da konnte ich ihm von ihr erzählen. Er war ein wirklicher Philanthrop und ein wirklicher Mäzen, ein Schenkender. Juden und Jüdisches Im Rundfunk Sonnabend, 29. Juni: Luxemburg (1304), 12.30: u. a. Maokowskl. — Warschau (1345), 13.20: Das Meer in der Musik Mendt:!.■>'■'>110?. — Belgrad (437), 17: Klavicrc|umteU; von (!oldmark. — Stockholm (1389), 20,30: ti. a. Olfenbach. — London (342), 21: 11. a. Lieder von Mahler. Sonntag, 30. Juni: Radio Paris (1648), 12.05: Schallpl.itten, u. a. ,,Die Schüplung“ von Haydn, ״König David־‘ von ilmicgger. — l’oste l’arisien (313): Schallplatten, 11• a. Jrhtnli Mcnulnn. Montag, t. Juli: Luxemburg (1304), 13.05: Schallplatlcn, u. a. Mendelssohn. —■ Prag (249), 14: Klavierkonzert von N, Goldhaum. — Luxemburg (1304), 21.15: Schallplatte11 .״. a. Mo.-zkow.ski. — London!National (1500), 22.05: 1 larriet Cohen spielt. Dienstag, 2. Juli: Warschau (1345), 15.30: u. a. Mcixlels-ohn. — ׳ Mähnsch-Osfrau (270), 19.25: Szenen aus dem Leben der Juden . auf dein Lande von Rakous. — Luxemburg (1304), 21.10: 11.• a. Rubinstein. In London fand in der Wesfend-Synagogc unter großer Beteiligung die Trauung von Miß Nancy Adelaide Samuel, der Tochter von Sir Herbert Samuel, mit Dr. Arthur Gabriel Salaman statt. Die Braut hat einen Teil ihrer Jugend in Palästina verlebt, als ihr Vater dort Obcrkomtnissar war. Mitteilungen des Bureaus des XIX. Zionistenkongresses Adresse: (Bureau des XIX. Zionisten-Kongrcsscs, Lti/crn, Postfach Bahnhof. — Telegramm-Adresse: Congrezion Luzern; Mosse Code. Telephon 26 082.) 1. Büro-Eröffnung: Das Büro des XIX. Zionisten- Kongresses unter der Leitung von Dr. Franz Kahn und Dr. Fritz Ullmann hat seine Tätigkeit in Linern bereits eröffnet. Das Büro amtiert im Ostfliigel des Bahnhofs. 2. Offizielle Publikationen: a) vor dem Kongreß erscheinen: die Berichte der Zionistischen Exekutive, des Keren Hajessod, des Keren Kajemeth, in hebräischer, englischer und deutscher Sprache, zum Preise von Frs. 5, b) während des Kongresses und tler Tagung des Councils 1. Offizielle Kongreß-Zeitung (hebräische Ausgabe) in zwölf Nummern für die Schweiz Frs. 3,50, für das Ausland Frs. 4,—. 2. Offizielle Kongreß-Zeitung (deutsche Ausgabe) in zwölf Nummern für die Schweiz Frs. 3,50, für das Ausland Frs. 1׳,—. Bestellungen an das Kongreßbüro, c) Nach dem Kongreß das stenographische Protokoll beider Tagungen 1, in hebräischer Sprache Frs.'),--; 2. in deutscher Sprache Frs. 9,-. Be- Steilungen an das Kongreßbüro. (ictirral-Abonncments: Sämtliche Publikationen entweder in hebräischer, deutscher bzw. englischer Sprache können auf einmal zum ermäßigten Preise von Frs. 15,— (statt Frs. 18, ) bestellt werden. 3. V i s a - E r I e i c 111 e r 11 n g: Das Kongreßbüro steht mit den schweizerischen Behörden wegen der Gewährung der gleichen Vergünstigungen wie bei den früheren Kongressen in Verbindung. Es sollen abermals den Teilnehmern des Kongrosses kostenlos Visa aut Grund der vom Kongreßbüro herausgegebenen Legitimationen erteilt werden. Diese Legitimationen dienen auch als Ausweis der Kongreß-Teilnehmer für verschiedene Vergünstigungen (ermäßigte Hotelpreise und Kurtaxen in Luzern). Es ist daher im Interesse aller Kongreß- Teilnehmer, sielt rechtzeitig solche Legitimationen bei der zionistischen Zentralstelle ihres Landes zu besorgen (in dringenden Fällen direkt beim Kongreßbüro). Diese Legitimationen werden zum Preis von 50 Centimes abgegeben. 4. Gast karten: Im vorhinein werden nur Permanenzk arten abgegeben. Die Preise der Plätze sind wie folgt festgesetzt: I. Kategorie Frs. 75,—; II. Kategorie Frs. 50,—; III. Kategorie Frs. 25,—. Zur Orientierung werden schon heute die Preise für die Tageskarten niitgetcilt, und zwar: Eröffnungssitzung: Kategorie I Frs. 32,—; Kategorie II Frs. 25,—; Kategorie 111 Frs. 15,—. Tageskarten: Kategorie 1 Frs. 7,—; Kategorie II Frs. 5,—; Kategorie III Frs. 3,—. Stehplätze werden nur an der Tageskasse ausgegeben. 5. Kongreß-Posta int: Im Kongreßgebäude wird ein eigenes Postaint errichtet werden. Kongreß-Teilnehmer lassen ihre Post am besten adressieren: ״N. N. per XiX. Zionistenkongreß, Luzern“. 6. T e i I 11 a 11 in e Jugendlicher: Das Kongreßbüro wird bemüht sein, durch Besorgung billiger Quartiere und Verpflegung Jugendlichen die Teilnahme am Kongreß zu erleichtern. Hierüber werden noch genauere Mitteilungen spätcr erfolgen. Das Kongreßbüro wird 100 Gratiskarten täglich verteilen. Die Regelung erfolgt durch die Jugendabteilung des Kongreßbüros. Brief aus Jugoslawien 11. Beograd, den 21. Juni Kcren-Hajessod-Aktion. Seit einigen Wochen wird in Jugoslawien intensiv für den Keren Hajessod gearbeitet. Vom Direktorium des Keren Hajessod in Jerusalem wurde fiir diese Aktion Moses Waldmarin delegiert. Herr Waidmann bcsuchte verschiedene Städte Jugoslawiens und konnte überall seine Aufgabe mit sichtlichem!:!folge erfüllen. Jeder der zahlreichen Palästina-Vorträge, die er in den verschiedenen Städten hielt, hinterließ heim Publikum einen sehr nachhaltigen Eindruck. Bestimmt ist die Behauptung nicht übertrieben, daß noch keine zionistische Vortragstournee in Jugoslawien soviel zur Vertiefung des zionistischen Gedankens beigetragen hat. Auch der materielle Erfolg ist durchaus zufriedenstellend. Schekel-Aktion. Die Schekel-Aktion ist in vollem Gange und wird auch dieses Jahr die Zahl von ungefähr 8000 Schekalim erreichen. Der jugoslawische Zionismus zeichnet sich durch seine Beständigkeit in der Schekelzahl aus, die in den kongreßlosen Jahren die gleiche ist wie in den Kongrcßjalircn. Der Ausfall der Revisionisten macht sich nicht bemerkbar. Lcopold-Gottlieb-Ausstellung. Unter dem Protektorat des polnischen Kriegsministers General Kaspczicki wurde in Warschau eine Gedächtnis-Ausstellung von 'Zeichnungen und Gemälden Leopold (iottliebs eröffnet. Gottlieb war einer der ersten Freiwilligen irt Pilsudskis Legion, und von seinen Zeichnungen stellen mit die bekanntesten das Lehen der Legionäre, ihre Führer und den Marsehall seihst dar. Auf der Ausstellung sieht man ferner unsentimental realistische Gemäkle mit jüdischen Motiven (,,Betende Juden“, ״Jankele der Musikant“), ein Porträt des Bildhauers Ci 1 iec 11 st ein und die großartigen ״Sarditieii-Wäseherinnen“, die vier Maler dem Museum von Tel-Awiw geschenkt hat. 1111 Vorwort zum Katalog schildert J. Kaden-Bandrowski, der auch in Deutschfand bekannte und erst kürzlich in Berlin mit besonderen Ehren aufgenotiinmu• polnische Romancier, ergreifend den frühen ״märtyrerhaften“ Tod des jüdischen Malers, der im Todeskrampf noch den Pinsel nicht aus der Hand ließ. Auf!Dingen steht die Welt Erzählung von GERSON STERN M. ForUeUung Copyright Verlag Erich Rei»s, Berlin Weiterer Einzelheiten des Abends erinnerte sich Weller nicht genau. Er wußte nur. daß man zu den Herren gegangen war und sich mit Sekl erfrischt halte, den Crailinger Dr. Netthaus zu Ehren heraufgeholl, und daß Neuhaus’ Nase lange über dem Seklglas geschwebt hatte. Er wußte, daß Ellen und er immer wieder getanzt hallen. Ellen halte ihren Kopf an seinen gelegt. Sic wurden eine Bewegung. Ellen war stehen geblieben. Sie halle sich vor Weller gestellt. ״Wie gefalle ich Ihnen?“ Es war eine eindeutige Frage. Es slecklc ein Schluck Sekt zwischen jedem Wort. Weiter nahm die Frage sehr ernst. Wein und Sekt und Tanz veriinderlen für den Augenblick die Bedeutung von so vielem. Weller betrachtete Ellen sehr genau. Sr halle noch nie solch eine schlanke, biegsame, leichtwellige Zeichnung eines Körpers gesehen. Ellen beobachlele lächelnd «lie gewissenhafte Prüfung. Ihre Arm(' hoben sieh wie in einer!*ose, sie drehte sich ein wenig um sich seihst. Ihr Mund war etwas geöffnet. ״Sie sind schön, Ellen.“ Fast klang es wie ein Ausruf. ,,Ich werte den Sinn Ihrer Aufrichtigkeit“, sagte Ellen. Ihr geöffneter Mund neigte sich etwas Weller zu. — Ja, Weiter entsann sich. Er hatte Ellen geküßt. Sie halte die Augen geschlossen. Es war sehr spät, als Snnilätsrat Neuhaus und er sich verabschiedeten. Neuhaus stützte sich schwer auf Weller, der ihn nach Haus begleitete. Neuhaus war sehr redselig. Er sprach von drei Kerlen und von der Wichtigkeit des Korkpfropfens. Er versuchte auch, sein Lied zu singen. Aber die Töne rutschten aus seinem Baß nach oben. Es blieben klägliche Versuche. Weller stand am Kaffeeliscli. Die Erinnerungen an den gestrigen Abend wirrten sich. Was wollte Ellen'? Sie war die einzige Tochter des reichen Crailinger, eine eigenwillige und verwöhnte junge Dame. Halte Ellen nicht alles, was geschehen war. bedacht hcrbcigcft'ihiT? Eine Laune'? Odor suchte Ellen ihn? Ilm, unfertig im Studium und unfertig als Mensch? Ja, er war in einer W andlung, und seit er es wußte, war um so mehr Unruhe und Suchen über ihm. Aber es war ein W ille in ihm, ein vorstoßender Wille, und dieser Wille wollte keinen Eingriff in sein Bereich dulden. Wellers Blick fiel auf den Brief. Er öffnete ihn, er las, Er setzte sieh in einen Sessel und las zum /;weiten Male. Eit) Brief von Medda. Halle er in diesen Wochen an sie gedacht? Ja. Aber hätte er an sie geschrieben? Nein. Was war nur mit ihm? Er halte (las Gefühl, daß sich hier in dieser Stadt sein Schicksal entschied, daß sein bisheriges Leben nur Vorberei- Iting dazu gewesen war. Nein, keine Yorberi'iliing. das Kidscheidend('. Hier spielte sielt das Leben so ruhig ah, und er war in einen W irbel geraten. W ille und Logik waren stark in ihm. Es .schien, tlaß nicht dies zuletzt entscheidet. ,,Fis ist etwas“, rief Weiter. ״Es ist unheimlich, cs zu erfahren und es nicht zu kennen. Es muß furchtbar sein, wie könnte es mich sonst überwälligen?“ Er nahm nochmals Ileddas Brief zur Haid, las nochmals .Salz für Salz. ,.Ich stell(* zu meinen Empfindungen.“ Das war iledda. ,!('des Wort ein Zeugnis. ,,Jede Möglichkeit ist in dir, Hcdda, Kind, Mädchen, du Werdende, du Gesegnete.“ Ja, er hatte reelil. Iledda war gesegnet Aber dieser Segen sicherte keinen Frieden, sicherte kein Glück. Auch sie war in einem Wirbel. Wörden sie beide linier■gehen? Was Weiter noch mehr traf als die Worte des Briefes, das war das Unergründliche des Vorganges. In dem Augenblick, da er das Geschehen rätselhaft an seine Leliensspiiäre anprallen fühlte, da das Werdende geheimnisvoll ihn Ireriinrtc. im Augenblick einer netten Unruhe, einer neuen Bedrüngnis trat Iledda zu ihm mit besonderen Worten, Iledda hatte dieses Unerklärliche. ״Vielleicht schlagen wir beide das Skelett in tausend Stücke.“ Waren diese Worte Zufall? Der gestrige Abend, die Nacht, der heutige Morgen und Ileddas Brief flössen in Weiter zu einem Erleben zusammen. ״Vor welchem Tor stehe ich“, sagte Weller. Er schloß die Augen und fühlte es im Klopfen seines Blutes fragen. 17. KAPITEL denke?“ tmlerhraclt Iledda. ..Ich glaube nicht an de■ Scliüpftmgsgcscliicli!('. Ich weiß aticli nicht, was Gott ist.‘ Dr. Ornstein hatte große \ugc11, die milde und giilig waren und es auch jetzt!)liehen. ..Warum wollen Sic wi-an, was man nicht wissen kann? Glauben ist nicht Kritik, Glauben ist Kraft. W'öllcn Sie GrundlaKirlirn abhängig machen von den Bedingtbeiten eines Seins, Ihres Seins?“ Es waren für iledda neue Worte. Doch sie mußte erwidern: ״Wie kann ich anders denken, als mir zu denken gegnhen ist?“ ״W ('1111 Sic als .hui(' denken wollen, so müssen Sie als Jude fühlen", sagte Dr. Ornstein und legte seine Hand auf das Fünl'hurh. ״Dies muß in Ihrem Lehen stehen. Es ist nicht das Zufällig(', sondern das 'Fragend('. Sich nicht in «len Hing des Denkens einselilicßen, Fräulein Iledda! Kein Verstand vermag den Hing ganz zu schließen. Und durch das fehlende Schlußsliick schaut »lie ewige Allmacht.“ Iledda war es, als oh sie in die Wörle einsänke, die so ruhig von den Lippen des Rabbiners kamen. Frau Löwenhorg pflegte an die Eltern Berichte zu schicken. Dr. OrnsU'iti hatte mit ihr üix'r Iledda gesprochen. ״Das Mädchen setzt die Grundmauern. Es ist wichtiger, ihr dabei zu helfen, als für schöne Ausstattungsstücke zu sorgen. Bei solchen Naturen kommt es auf den Grundriß an. Alles andere kann man ihnen überlassen. Fräulein Iledda sprach mit mir. Ich mußte an die Wörle Zephanias denken: Die Lippen sprechen kein Falsch und nicht findet sich in ihrem Munde Bede des Trugs. — Es ist eine sclm:11• \ufgabe, solche Menschen zu führen.“ Eines Tages hielt ßcssinger seiner Frau ein Schreiben hin. ״Berthchen, das Einfache ist. zu vermmfi!Wir sind, Gottloh, einfache Menschen." Auch Bcrtlichcn fand, daß der Brief nicht einfach wäre. Aber das käme wohl von der Bildung. In dem Brief wurde zunächst Niveau, Distinktion und Beserve allgemein betrachtet. Dann wurde Iledda beurteilt. Es war schmeichelhaft für sie und die Eltern. Eigentlich erhicllen die Ellern die guten Noten, was Bcrthclicn sehr schön fand. Schließlich wurde von den religiösen Grundmauern gesprochen,