Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 52 (28.6.1935)
- Date
- 1935-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 28. JUNI 1935 Literatur - Blatt Praktische Judentumskunde Leo Hirsch, Praktische Fudentumskunde. Eine Einführung in die jüdische Wirklichkeit für jedermann. 1935, Vortrupp Verlag, Berlin. ״Der Mann, der auf Abenteuer ausgeht, in der Welt fierumirrt und endlich das schönste Abenteuer findet, eine neue, wunderbar anheimelnde Landschaft, seltsam fremde und zugleich vertraute Menschen, der Mann, der ahnungslos seine Heimat — entdeckt, wie eine unbekannte Urwaldinsei entdeckt — dieser Mann sieht manchem Juden von heute merkwürdig ähnlich.“ Dieses wohlgetroffene Selbstbildnis stellt Leo Hirsch an den Schluß seiner ״Einführung in die jüdische Wirklichkeit“ — und erzählt uns damit zugleich die Entstehungsgeschichte des Buches. Es ist die Frucht einer Entdeckungsreise durch das Judentum, könnte man sagen. Kein Talmid Chacham, kein ״Fachmann“ hat cs geschrieben, kein Rabbiner, nitht einmal ein Lehrer legte hier die Ergebnisse jahrelanger Forschertätigkeit nieder. Dafür aber einer, der das Judentum heute erlebte, wie man eine ... Premiere erlebt; den Siddur liest er, als wäre es eine Dichtung von Werfel, und die jüdischen Sitten und Bräuche beschreibt er wie ein Forschungsreisender etwa die Bräuche der Naturvölker beschreiben würde. Damit ist für den, der mit allen diesen Sitten und Gedanken aulgewachsen ist und mit ihnen vertraut war ״alle Tage seines Lebens“, schon gesagt, worin Stärke und Schwäche dieses höchst lebendigen Buches besteht. Ein ״Dilettant“ — aber ein Dilettant im besten, im Goethescheu Sinne! — sieht alle diese Dinge und vergleicht sie im selben Moment schon rein automatisch mit al! den Kenntnissen und Nachrichten, die ein langer Weg durch Welten und Völker ihm zutrug. So wird jeder von unsern uralten Gebräuchen fast neu illustriert durch die Begleitmusik der Geschichte oder ... der Geschichten, was bei unser aller Vorliebe für ״Moschelchen“ vielleicht mindestens ebenso lehrreich ist. Also wird beim Kol-Nidre (in einem übrigens besonders schönen Abschnitte) gleich an Nikolaus Lenau erinnert, der sich diese Melodie als letzte in seiner Sterbestunde wünschte und an Moitke, der sie sich von Joachim, dem abtrünnigen Sohne des alten Volkes, Vorspielen ließ; das Schema Jisroel ruft die ergreifende Geschichte von der Schlacht von Tannenberg zurück ... wie oft mag diese Geschichte in allen Weltkriegen in Wahrheit geschehen sein! — und so geht es fort. Wir alle kennen heute Menschen, denen das Haar sich schon lichtet, und die heute zum ersten Male seit der Schulzeit das Buch der Bücher wieder aufschlagen ... nicht bloß aufschlagen, sondern wirklich darin lesen ... und überrascht und erschüttert sind von diesem vergessenen Schatze ... Achnlich wie diesen Heimkehrenden zur Bibel ging es offenbar dem Autor dieses Buches mit den Sitten des jiidtsehen Jahres, des jüdischen Hauses, des jüdischen Lebens. Sicher hat er sie früh kennengekrnt und geübt — keiner weiß so bezwingend den Reiz jüdischer Semiroth oder die Eigenart der kleinen Schul im ostjüdischen Städtchen um die Abendzeit wiederzugeben, dem dabei nicht Bilder aus der Kindheit wieder aufsteigen. Nun aber schildert er sie — und hier liegt vielleicht eine der Gefahren dieses sehr bestrickenden Buches für Menschen, denen alles dies völlig fremd geblieben ist; gibt alle diese Sitten sehr gewissenhaft und treu, aber dach unter völligem Verzicht auf die Sprache Wieder, in der all dies erst anfängt zu blühen und Früchte zu tragen; versucht die Lieder der Hawdalah in ״biederes“ Deutsch zu übertragen, ja das Benschen und sogar die Sehemono Esre — wenn auch sehr geschmackvoll — deutsch wiederzugeben. Ich weiß, daß Hirsch sich hierbei auf Vorgänger wie Franz Rosenzweig berufen kann, der ja selbst den ״Tischdank“ deutsch wiedergegeben hat. Aber dabei steigt doch von ungefähr auch jenes andere Wort Franz Rosenzweigs vor dem Leser auf, worin er einen Ausspruch des Grafen Stolbcrg variierte: ״Leser, lerne Hebräisch und wirf meine Uebersetzung ins Feuer!“ Nun soll dies sehr ״praktische“ Buch beileibe nicht ins Feuer wandern, sondern hier soll nur auf eine Gefahr für den I e er hingewiesen werden, deren sich Hirsch wahrscheinlieh selbst bewußt ist, wenn er auch nirgends darauf hinweist: Daß er sich damit bengügt, eben dies Buch zu lesen und es ״schön“ zu finden ... und dann in den Bücherschrank zu legen. ״Naasseh wenischmah — Wir tun’s — wir hören’s!“ rief das Volk am Sinai, und sie wurden der Offenbarung gewürdigt. Wir ״hören“ heute sicherlich eine große Menge über Judentum und jüdische Sitte, kaum reichen die Abende der Woehe noch aus, soviel hören wir davon. Aber ״tun“ wir auch? B. B. St. Selbstanzeige ׳גליונ1וג להל?!יךים Hebräische Unterrichtshefte. Lesestoff für ' ‘ : : Schulen, ausgewählt und bearbeitet von Nissan Berggrün, Leiter der Hebräischen Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, und Betty Berggrün, Ober- Jehrerin. Heft 2, 24 Seiten. Verlag Buchhandlung Rubin Maß, Berlin-Chariottenburg 4. Nachdem das erste Heft der Giljonot sehr rasch eine 2. Auflage erfahren hat, ist nun auch ein 2. Heft dieser Reihe erschienen, das auf vielfachen Wunsch neben dem grammatisehen Anhang ein kleines hebräisch-deutsches Vokabular enthält. Lernende mit geringen Vorkenntnissen finden hier einen mit Sorgfalt ausgewähiten literarisch wertvollen, interessanten, durchweg jüdischen Lesestoff. Bringt das erste Heft, das nach 2—3 Monaten einführender Unterrichtsarbeit Verwendung finden kann, in der Hauptsache kurze Lesestücke und Anekdoten, so enthält das zweite Leseheft schon längere Er- Zählungen, die aber übersichtlich in kurze Kapitel gegliedert sind, und zwar u. a. Stücke aus der Aggada, eine volkstiimlichc Sage von der Klagemauer, eine die Kämpfe und Schwierigkeiten des Aufbauwerks in Palästina schildernde Erzählung, eine Sage über den Rambam und einen Abschnitt aus seinem Werke. Die Sprache ist möglichst leicht gehalten. Großes Gewicht ist auf ein korrektes, stilreines Hebräisch und auf schönen, klaren Druck gelegt worden. Das Leseheft eignet sich als Stoff für den Unterricht im lebendigen Hebräisch für die Oberstufe der jüdischen Volksschulen, für Erwachsenenkurse und wird auch in Reiigionsschulen gut verwendet werden können. N. und B. Berggrün Ein Budi für K-inder ״Mirjams Wundergarten“. Von Setta Cohn-Rlchfer, (Verlag Erwin Löwe, Berlin.) Mirjams Wundergarten beschreibt in außerordentlicher humor- und phantasievoller Weise die Vorstellungswelt eines Kindes; eine Welt, in der alles Gegenständliche Leben gewinnt und in dieser besonderen Lebendigkeit groß und klein entzücken muß. Es sind Tiergeschichten voll reizender Einfälle, und unaufdringlich sind auch jüdische Motive hinein- «arbeitet. Dieses mit gelungenen Zeichnungen ausgestattete uch ist eine Bereicherung unserer Kinderbücherei. 1' Ein neues Liederbuch Hawa Naschira (Auf! Laßt uns singen!) herausgegeben von Dr. Jos. Jakobsen und Erwin Jospe. Verlag Anton Benjamin A.-G., Leipzig-Hamburg. Das Liederbuch Hawa Naschira, auf das hier bereits kurz hingewiesen wurde, kommt zu rechter Zeit. Die jüdische Schule, die Bünde (vor allem die zionistischen) haben einen starken Auftrieb erfahren. Aus dem Geiste eines neuen Gemeinschaftsgcfühls heraus wird viel gesungen. Aber es fehlt ein Liederbuch, das gerade heutigen Bedürfnissen gerecht w ird. Da kann nun Hawa Naschira wirklich eine Lücke ausfüllen. Es wendet sich ״an alle Juden, die hierzulande singen wollen“. Im Vorwort wird ausdrücklich betont, daß die Auswahl mehr vom musikalischen Wert als von einem weltanschaulichen Standpunkt aus getroffen wurde. Das Buch will drei Institutionen dienen: Schule, Bund, Haus. Es bringt über 250 Lieder: deutsche, jiddische, am meisten hebräische. Die Ordnung erfolgte, wie es bei pädagogischen und dem praktischer! Leben dienenden nicht-wissenschaftlichen Werken notwendig ist, nach dem textlichen Inhalt; sie heißt hier: Mensch, Natur, Gott. Jeder dieser grollen Abschnitte hat wieder Unterabteilungen, die — ziemlich bunt durcheinander — teils genauer den Inhalt bestimmen (Liebe, MUTTERSPRACHE: MÜTTERLICHE SPRACHE Meine Zunge, die dich sprechen will, Lebt wie meine Seele im Exil. \V enn ich lallend mich um dich bemühe Spür ich meiner Heimat Morgenfrühe Und ich hör die Lieder ihrer Hirten Und die Klagerufe der Verirrten. — Mutter-Sprache: mütterliche Sprache, Daß ich in dir weine, in dir lache, Daß ich in dir liehe, in dir bete, Daß ich deinen Innenraum betrete Und in Versen dich aufs neue baue, Daß ich mich in deinem Spiegel schaue: Muttersprache, die ich leben will — Wo du anhebst, endigt das Exil! Fritz Rosenthal Aus einem dieser Tage erscheinenden Gedichtband ״Das Mal der Sendung", Vertag B. Heller, München. Illlll!llllli!lllllll!llllllll!lll1m Arbeit, Erez Israel u. a.), teils den Gebrauch (für Kinder), die Art (Tanzweisen U. a.) oder die Gelegenheit (in froher Gemein- Schaft u. a.). In der nächsten Auflage müßte daun noch zu den schon bestehenden Verzeichnissen nach Liederanfängen, den alphabetischen der hebräischen und jiddischen Lieder, ein Index der erwähnten Ueberschriften kommen — zur besseren Handhabung des Buches. Nur das Beste hat man gedruckt: gerade jetzt beliebte und auch weniger bekannte jiddische Lieder, vor allem schöne hebräische, unter ihnen eine Anzahl palästinensischer, und reizende deutsche. Die Herausgeber haben auch wohl ein paar neue gebracht; ihr Verdienst besteht aber vor allein darin, schon Bekanntes aufgezeichnet und Wesentliches aus Sammlungen gedruckt zu naben, die bis jetzt hier noch nicht recht bekannt waren. So haben sie die entzückenden ostjüdischen Kinderlieder von Engel ״neuentdeckt“ (die Entdeckung der palästinensischen bleibt noch übrig). Einzelne der benutzten Sammlungen seien für Interessenten hier erwähnt: Naschirah (herausgegeben von Rabinowitz, Tel-Awiw 1932); Misimrath Haarez (herausgegeben von Rosowsky, Warschau); Karten des Keren Kajemeth: Zelile Chaninah ״Gymnasium Herzlii“, Tel-Awiw 1932; Makkabiliedcrbuch; Idelsohn: Sefer Haschirim 1912 und 1922 u. a. In den jüdischen Jugendbiinden (speziell in den zionistischen) war bisher vor allem das Makkabiliederbuch bekannt, weniger das von Rosowsky (seine Lieder sind auch zu kompliziert notiert) und kaum — eigenartigerweise! -- die Karten des Keren Kajemeth. Aber man kannte schon viel mehr Lieder, als man in diesen Büchern fand; man gab sie mündlich weiter. Da kann nun Hawa Naschira abhclfen. Es birgt viel bisher Ungedrucktes, das man schon oft saug, jedoch nie getreu bewahren konnte. Der Teil ״Tanzweisen, norramelodien“ (mit einer ausgezeichneten Fußnote über den Tanz, insbesondere über den vokalen Vortrag), ״Niggunim“ ist besonders reichhaltig. Der Auswahl der palästinensischen Lieder kann nur Beifall gezollt werden. Es finden sich da bezaubernde Sachen. Zum erstenmal werden hier viele hebräische Kanons (einige von Jakobson), zweistimmige hebräische Lieder abgedruckt; im Anhang stehen mehrstimmige Sätze, unter ihnen ein paar recht geschickte von Jospe. - Jedem hebräischen Lied ist eine ganz treue und schlichte Lieber- Setzung beigegeben. Den jüdischen Bünden kann dieser hebräische Teil nur empfohlen werden. Hawa Naschira kann — zunächst -- als die beste Sammlung jüdischer Lieder gelten. Das Makkabiliederbuch enthält mehr die älteren; es mag daneben ruhig weiter benutzt werden, denn es bildet eine gute Ergänzung des ganzen Bestandes. Für die jüdische Schule (aber auch für jeden unkundigen Musikfreund) bringt Hawa Naschira einen theoretischen Teil. In ihm werden die elementarsten musikalischen Kenntnisse in leichtverständlicher und übersichtlicher Weise vermittelt, ferner die Darstellung der deutschen synagogalen Skalen (Steiger), die Neginoth (Zeichen für das vokale Lesen der Thora), dann eine kleine Uebersichtstabelle ״zur Geschichte der, Musik bei den Juden“ von 3000 vor der bürgerlichen Zeitrechnung bis in die neueste Zeit. Neben Wagners Schrift wird endlich auch einmal die Pt'itzners erwähnt. Es folgt eine Andeutung der musikalischen Denkmäler und der Fachliteratur, die auch Unbekanntes enthält. Unter den neuen jüdischen Komponisten (unter denen Leute wie Müller-Hartmann, Moritz Waghalter stehen) vermißt man einige wes entliehe, die einen Namen haben. Unter ״Fachliteratur“ fehlt (wenn man schon den Aufsatz Berls erwähnt) dessen gebtreiches, mit Vorsicht zu benutzendes Buch ״Das Judentum in der Musik“ und vor allem die englisch geschriebene Musikgeschichte idekohns. Hawa Naschira ist mit besonderer bibliographischer Sorgfalt hergestdlt: klar gedruckt, auf bestem Papier. Der Einband mit der reizenden Zeichnung ist von K. Rothschild (Hamburg) entworfen worden. Dr. Hans Nathan Zur Musikgeschichte Alfred Einstein, Geschichte der Musik. Leiden. A. W, Sijthoffs IJitgeversmij. Das Atlantis-Buch der Musik. Herausgcg. von Fred Hamei und Martin Hürlimann. Atlantisverlag Berlin. Der frühere Berliner Musikkritiker, lange Zeit für das Berliner Bürgertum maßgebender Mentor, gibt liier einen kurzgefaßten Abriß der Musikgeschichte. Auf 160 Seiten wird alles Wissenswerte in geschickter und angenehm lesbarer Form zusammengestellt. Dabei ergeben sich ״jüdische“ Gesichtspunkte — abgesehen von der jüdischen Zugehörigkeit des Autors — nur insofern, als natürlich auch die paar jüdischen Komponisten von allgemeinem Ruf genannt werden, nicht ohne ihre spezifische Problematik (z. B. bei Mahler) wenigstens zu streifen. Einsteins Bucli ist ein zuverlässiger Leitfaden für jedermann. — Das erheblich größere und umfangreichere (natürlich auch teurere) ״A 11 a n t i s - B 11 c h“ führt durch eine große Zahl von gründlichen und Vorzugliehen Spezial-Abhandlungen in alle Gebiete des Musiklebens ein. Der Musikfreund findet hier tatsächlich alles, was ihn interessiert. Dabei wird in manchen Kapiteln auch die Mitarbeit von Juden objektiv gewürdigt. So z. B. finden wir in dem von Erwin Kroll bearbeiteten Kapitel ״Die!,)per“ eine sachliche positive Würdigung von Mcverbeer, im Kapitel über die Operette wird gesagt, daß Leo I all am nächsten an das ״klassische“ Ideal herankam; ()ficnhach, Mahler, Schonberg u. a. werden eingehend in ihrer besonderen Position dargestellt. Vor allem wird in dem von Fred llamel verfaßten Oeschichtsabriß dem Wirken Felix Mendelssohns volle Gerechtigkeit zuteil, wobei auch bcMiiulers sein Verdienst um die Wiederentdcekting Bachs ׳gewürdigt wird. Da das Buch aus vielen selbständigen Abschnitten besteht, kehren manche Namen in mehreren Kapiteln wieder. Jüdische Komponisten wie (loldmark, Milhaud, Mu-zkowski, Mo-enfal finden ihren gebührenden Platz. Weit großer als bei den Komponisten ist der Anteil der Juden unter den au-fiilirenden Künstlern in Instrumentalmusik und (1c->;n!g; hier sind freilich nicht alle Großen namentlich angeführt. Von joset Joach im wird (S. 531) gesagt: ״Fr, der gebnrtiee Ungar, ... wurde zum reinsten Typus deutschen ( leigeti-piels,“ Derselbe Autor schreibt über Jehiuli M e 11 11 h in: ״Die Natur hat in Atenuhin eines ihrer unliegieiflielien Wunder mehr vollführt.“ Unter den jüdischen Dirigenten stellt Gu-tav Maliler an erster Stelle, über den liurlniirmii schreibt: ,,Als Komponist nach den höchsten und letzten Dinget! strebend, aber heute noch umstritten, als .Mensch ohne chm Ausgleich triumphalen Ruhms und eines burgeriicli selbstsicheren Lebens wie Strauß, hat ihn doch sein dämonischer Musik- •willen zu einem der unbestritten ersten unter den Dirigenten gemacht.“ Von ihm fuhrt der Weg direkt zu Toscanini. — Besonderes Interesse wird für Zionisten, die an die Berührung mit dem Orient denken, das Kapitel über die Musik der außereuropäischen Völker haben, das freilich den Nahen Orient fast ganz uiiberueksichtigt läßt. — Unter den vielen Bildern des Buches sei eine Aufnahme nach der Uraufführung des ״Rosenkavaiier“ erwähnt, die Richard Strauß neben Hofmannstal und Max Reinhardt zeigt. Die Maria Stuart-Tragödie Stefan Zweig: Maria Stuart (Herbert Reichner Verlag Wien — Leipzig — Zürich) Der Dichter des ״Jeremias“ behandelt in seinem jüngsten Werk die tragische Gestalt der Maria Stuart. Bei diesem durch parteiische und gefälschte Zcitdokumente heute überaus schwierigen Klärungsversuch der Schuldfragen im Prozeß der karholischvn Königin von Schottland wider Flisabith, ihre protestantische Gegenspielern] in England, bewährt rieh der Dichter als gerechter und weiser Richter, Der Lthikcr, hier seihst in einem hinreißenden Ringen mit dem eingeborenen Acmhctiker, dem Freunde einer glanzvollen und von zahlreichen 1.1 kenntnislichtcrn durchblitzten Darstell111H׳m\vci-.c, betrachtet \on der Warte religiöser und weltanschaulicher Unbefangenheit den Aneinanderprall einer romanti-chen mit einer realistischen Natur auf einer Zeitbühne, die als Schauplatz 1 eidc 11 sc!1 ■11!!׳iehc-r Glaubens- und Machtkämpfe, ungestümer Au-.eiu,H1׳.icr.-wt/1mgen mit l anzen und Schwertern oder in'but-amev mit den Oänsefederkitleii einer schmiegsamen und ranke! eiehen i tiplnmatie durch die ständige Erweiterung ihrer weif anschauliehen Hintergründe, politischen Kulis-en und gei-tigen Perspektiven ihre Bedeutsamkeit oft dichterisch feiern ließ. In der Großartigkeit der durch höfische Kultur ebenso beiuhmten wie durch Morde an politischen Gegnern beruditigien eii--abethcnischen Epoche fand der Dichter (jelegeiiheit zu einer überzeugenden Vcr.-innlichiingskrafi eiiur Sphäre voll Lebensfreude und macbethaftein Grauen. Stefan Zweig teilt nicht die Auffassung Schillers von der fast völligen Schuldlosigkeit Maria Stuarts, ja er mißbilligt als strenger Wahl 11 ״iwmieher jede noch so klassische Heiligsprechung ihrer romantischen Natur. Aber gerade sein Verständnis für .,Verwirrungen der ( iefühle“ läßt ihn die Irrwege eines wahrhaft königlichen Frauenhorzens begreifen, das, oft in tragischer Verstriekanig, den Triumph der Wcltmaiestät: Liebesleidenschaft über ihre eigenen Herrscherträume anerkennen mußte. Arth u r Sil b e r g!eit. A. d. R.s Zu demselben Buch wird 1ms aus Leserkreisen geschrieben, daß Stefan Zweig an einer Stelle bei Schilderung des Predigers John Knox eine Ausdrucksweise wählt, die Befremden erwecken muß. Der Dichter charakterisiert diesen Mann als einen schroffen, religiösen Fanatiker, der nichts von der Milde und Gute des Evangeliums empfunden habe, sondern ״. . . nur der Rachegott ist sein (jott, der eifersüchtige und unerbittliche, nur das Alte Testament, das blutrünstige und barbarisch strenge, sein eigentliches ßihclbuch“. Es muß in der Tat überaus sonderbar berühren, wenn der Jude Stefan Zweig das Alte Testament hier mit Worten charakterisiert, die in dem 111 neuerer Zeit entbrannten Streit um die Bibel häufig von gegnerischer Seite gebraucht worden sind. In der Sammlung ״Der alte Orlen 1“ (Hinrichssche Verlagsbuchhandlung Leipzig) erschien als Heft 3/4 des Bandes 33 ״A eitest e G c s eh i c h t e der M eder u n d P erst r“ von Dr. Friedrich Wilhelm Körnig, Ls handelt sich, wie darin gesagt wird, um ״den letzten Teil einer Völkerwanderung“. Die Geschichte des Vorderen Orients, des ältesten Kulturgohiefs der Weit, ist für uns Juden nicht nur darum wichtig, weil wir in der biblischen Völkcrtafcl eine Spiegelung ihrer Geschichte und ihrer ethnischen Zusammensetzung haben, sondern auch weil die jüdischen Stamme, deren erste Wanderungen aus dem unterhalb des iranischen Hochlandes gclegenen Zweistrom-Landes in eine noch frühere Periode fallen, vielfach in kulturellen und anderen Beziehungen zu jenen Volksstämmen stand. Das Königreich Iran (Persien) betrachtet sich übrigens als das Sta mini and der Arier, Die vorliegende Broschüre wird den Interessenten so manches zur Aufhellung der Zusammenhänge sagen.