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Jüdische Rundschau · 1935-06-28 · Heft 52 (28.6.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 52 (28.6.1935)
Date
1935-06-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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jüdische Rundschau Palästinensische Umschau NR. 52, 28. JUNI 1935 Palästinensische Landeskonferenz für soziale Arbeit Als vor zwei Jahren unter Führung von Henrietta Szold ein Kreis von acht Sozialarbeitern zusammenkam, um Rieht• linien für das Fürsorgewerk in Palästina aus/uarbeiten, stand ihm die Öffentlichkeit völlig uninteressiert gegenüber. Wenig beachtet, wuchs die Arbeit an, und im Vorjahr trafen sich bereits 60 Menschen zu einer gemeinsamen Aussprache. Aber auch damals blieb die Resonanz im Lande noch gering. Als sich Frau Szold bei der diesjährigen Tagung in Jerusalem (12. und 13. Juni d. J.) einem Kreis von mehreren hundert der Arbeit eng verknüpften Teilnehmern gegenübersah, konnte sie sagen: ״Jetzt bin ich optimistisch.“ In wachsendem Maße lernt die palästinensische Gemeinschaft, die bisher nur von Einzelnen — gegen Gleichgültigkeit und Opposition — geleistete soziale Arbeit als eine Aufgabe anzuschen, der sie sich nicht entziehen kann. Der Grund für diese Wandlung liegt in der Kraft eines Unbeirrt weitergeführten Werks, aber auch in der palästincnsischen Entwicklung der letzten Jahre. Die Notwendigkeit einer Fürsorge ist in das Bewußtsein der Öffentlichkeit gedrungen, als sich Kreise von verwahrlosten Kindern in den wachsenden Städten zusammendrängten und die Zahl der von Jugendlichen verübten Vergehen anvvuchs. Auch machte die starke Einwanderung die Schwierigkeiten einer reibiingslosen Einordnung von neu Zugewanderten eklatant. Von Bcdeutung war ferner, daß mit der deutschen Einwanderung eine ungewöhnlich große Zahl sozial interessierter und ge- Schulter Elemente ins Land kam — z. T. Menschen, die ihre früheren Berufe als Fürsorger, Anstaltsleiter, Heilpädagogen usw. fortzusetzen suchen, z, T. Privatleute mit bürgerlichen Existenzen, die da zu helfen wünschen, wo das Land ihre Mitarbeit noch fordert und annimmt. (Die ,,Jüdische Rundschau“ hat auf diese Probleme wiederholt hillgewiesen, insbesondere in Beiträgen von H. H. Thon, Dr. Kanowitz, Else Bodenheimer-Braun und von der Schreiberin dieser Zeilen. — A. d. Red.) Das Thema der Konferenz w׳ar ein doppeltes: Einwanderer hiifc und Jugendfürsorge, wobei im Vordergrund die dringenden Fragen der Jugendarbeit stan-deir. Die Konferenzbeschlüsse sind hier in Auswahl, nur ihrem Inhalt nach oder in gekürzter Form wiedergegeben. I. Die Konferenz fordert den Waad Leuini auf, von der Regierung die Ei 11 führ ungdcrallgemeinen Schulpflicht, des freien Schulbesuchs, der progressiven Schulsteuer und eine Erhöhung ihres Beit r a g s für das jüdische Erziehungswerk zu verlangen. Es besteht der Mißstand, daß nur ein Drittel aller jüdischen Kinder in Palästina die 8 Massige Volksschule beendet, während 65 «0 vor dem 12. Jahr austreten und Hunderte von Kindern ganz ohne Unterricht auf wachsen, Kinderarbeit ist im Lande eine Alltäglichkeit; ihr Grund liegt nur zum Teil in der wirtschaftlichen Not der Familien, daneben in Kinderausbeutung und in der Gedankenlosigkeit der durch keine Schulpflicht behinderten Eltern. Auch ist die H e r a u s w e i ■ sung irgendwie schwieriger Kinder aus den überfüllten Klassen durch Lehrer und Schulleiter, trotz gegenteiliger Beschlüsse des Erziehimgsausschusses, eine häufige Erscheinung. All diese Mißstande würden durch die allgemeine Schulpflicht behoben werden. Solange aber eine solche Forderung nicht verwirklicht ist (und ihre schnelle Realisierung ist keineswegs zu erhoffen, da das arabische Schulwcrk der Regierung bisher nur für ein Fünftel aller arabischen Kinder ausreicht), müssen die Wege zu Verbesserungen aus eigener Kraft gegangen werden. II. So forderte eine wichtige weitere Resolution den Fachunterricht in den Schulen. Die palästinensische Schule ist heute im wesentlichen eine Lernschule. Mit Recht wurde gesagt, daß die Einführung eines handwerklichen Unterrichts nicht nur wichtigen Erzielmiigsgriuidsätzcn entspricht; sie würde die praktisch günstige Folge haben, daß viele Eltern, die den Schulbesuch heute als überflüssig mischen, ihre Kinder in eine Schule schicken würden, die sichtbare Fähigkeiten für das spätere Leben mitgibt. Der starke Besuch der Missionsschulen durch jüdische Mädchen liegt zum Teil in dem überlegenen Fachunterricht dieser Schulen. III. Im Zusammenhang mit der genannten Resolution, aber aus anderen Motiven herkommend, wurde an den Erziehimgsausschuß die Forderung gerichtet, die Schulen im Laufe der Zeit in allgemeine Erziehungsinstitute mit Pan?tägigem Seliulaufenthalt um/itwandeln. Soweit diese orderung pädagogisch begründet ist, wird sie noch eingehend diskutiert werden müssen; soweit sie sozialen Not- Wendigkeiten — häuslicher Vernachlässigung durch Berufsarbeit der Mütter, pädagogische Unfähigkeit, unglückliches Familienleben, schlimme Wohnverhältnisse oder dgl. — entspricht, ist sie zu bejahen. Die ganztägige Schule kann aber auch in diesen Fällen durch die daneben verlangten J ugen dhorte, Klubs und pädagogisch überwachten Spielplätze weitgehend ersetzt werden. Die Parallelforderung für das Kleinkind ist der Ausbau der bisher nur in ganz unzureichendem Umfang bestehenden T ageskrippen und Tageskindergärten für arbeitende Mütter. IV. Ganz besondere Aufgaben ergeben sich für das pa• lästinensische Schulwcrk aus der Tatsache der starken Ein• Wanderung. Die Zahl der Schulklassen muß alljährlich erheblich vergrößert werden, weil die Kinderzalil im Lande rapid anwächst. —- Wer das palästinensische Schulwesen kennt, weiß von dem Schaden der überfüllten Klassen für Gesundheit, Unterricht und Disziplin der Kinder; daneben von der Uebcrinüdung der Lehrer, die das soziale Verantwortungsgefühl oft untergräbt. Dazu kommt als Wichtigstes die schon erwähnte Tatsache von Hunderten nicht eingeschulter Kinder. Die zweite noch unmittelbarer erkennbare Einwanderungsfolge ist ,der Zustrom von Kindern verschiedenen Alters, die der hebräischen Sprache unkundig sind. (Dabei liegen die Dinge oft besonders bei den orientalischen Einwanderern schwer, weil ein größerer Prozentsatz dieser Familien arm ist und jede Möglichkeit zur häuslichen Nachhilfe fehlt.) Welch seelische und körperliche Anstrengung die erste Einordnung in den Schulen für die Immigrantenkinder mit sich bringt, weiß jeder Einwanderer, und jeder Lehrer in Palästina kennt die außerordentliche Schwierigkeit, die sprach- und landesunkundigen Kinder der Klasse einzufügen. Was hier bisher — meist von privater Seite — aufgebaut wurde, genügt nicht. So kann die Forderung der Konferenz, spezielle Uebergangskiassen für neu eingewanderte Kinder cinzurichten, nicht genug unterstrichen werden. V. Eine andere, die Eimvanderungsfürsorge betreffende Resolution fordert die Anstellung von Kinaergärtnerinnen bei allen E i n w a n d e r e r h e i m e n. Die vorgesehene Hilfe wird weiter unzureichend bleiben, aber wenig- Was ist Produktivierung? Im ״Meschck schifhifi“, der Zeitschrift für Kooperativ- Siedlungen, veröffentlicht D. Horowitz eine Studie, die geeignet ist, Aufsehen zu erregen, weil sie einen Grundpfeiler der zionistischen Ideologie angreift, die!.ehre nämlich, daß es für die Juden ein ökonomisches Erfordernis sei, sich umzuschichten und in die produktiven Berufe einzudringen. Horowitz ist der Ansicht, daß diese Anschauung im Lichte der letzten Entwicklung des Kapitalismus nicht aufrechterhalten werden könne. Die Krise des Kapitalismus, bedingt durch den rapiden Fortschritt der Technik, bringe es mit sich, daß die Zahl der produzierten Güter in viel zu schnellem Wachsen begriffen sei. Die ökonomische Kaufkraft der Arbeiterschaft habe weitaus nicht in dem Maße zugenommen, wie die Quantität der produzierten Güter, und die Folge ist die Erscheinung der Arbeitslosigkeit, für welche die gegenwärtige Wirtschaftsordnung Lösungen suche. Eine der wichtigsten Lösungen aber, deren sich das gegenwärtige Wirtschaftssystcm bedient, ist die Dcprod 11 kti vierung. Sie beruht darauf, daß Hunderttausende von Arbeitern aus dem Prozeß der Erzeugung von Gütern herausgenommen werden, daß aber gleichzeitig ihre Kaufkraft erhalten bleibt, so daß auf der einen Seite die Mengen der erzeugt e n Waren h e r u n t e r g e h c n, auf der anderen Seite der innere Markt sich vergrößert. So sind die Vor- Schläge zu bewerten, welche jetzt in England und Amerika gemacht werden, und die Durchführung gewaltiger öffentlicher Arbeiten beabsichtigen, d, h. Konsumenten schaffen, die auf dem Produktionsmarkte nicht als Produzenten auftreteil, Horowitz bringt eine ausführliche Statistik der Berufsverteilung in den einzelnen Ländern, aus der hervorgeht, daß ein Land uin so mehr Angehörige der freien Berufe, des Handels und der Hauswirtschaft hat, je höher es produktiv und technisch _ diircligehildct ist. Dagegen haben rückständige Länder wie Polen, Indien und Italien einen hohen Prozentsatz: der produktiven Berufe. Im lichte dieser Tatsachen müßte auch die jüdische Theorie von der Produkti vierung revidiert werden. Diese sei von der Ansicht ausgegangen, daß die unproduktiven Berufe, welche die Juden ausüben, durch die kapitalistische Entwicklung dem Untergang geweiht seien. Dies stimmt heute nicht mehr. Auch die Tatsache, daß die Juden aus diesen Berufen verdrängt werden, ist nicht durch den Kapitalismus zu erklären. Die Wirtschaftsstellen selbst, welche bisher von den Juden innegehabt wurden, bleiben erhalten und werden nur den Juden weggenommen. Die heutige kapitalistische Ent- Wicklung gelle geradc/u darauf hinaus, die Zahl der Luftmen sc heil, •d. h. derjenigen Schichten, welche mit sekundären Arbeiten befaßt .sind, zu vermehren. Diese Gesetze würden auch auf Palästina zutreifen. Die hochmodernen kapitalistischen Methoden der Technik, welche von den Juden in Palästina eingeführt werden, bringen es mit sieh, daß nur eine relativ kleine Zahl von Juden in den produktiven Berufen werde beschäftigt werden können. Wir müssen also unsere Begriffe über die Prodnktivierung revidieren. stens in den ersten sechs Tagen nach der Einwanderung sollen die durch vielerlei technische Erledigungen belasteten Eltern von den Kindern befreit, und die durch die fremden Eindrücke entnervten Kinder in einer ruhigen Umgebung sein. VI. Kann Palästina diese und alle weiterhin besprochenen Fiirsorgcmaßnahmen pekuniär allein tragen? Dies bildete einen weiteren Diskussionspunkt. Möglichkeiten wurden gesucht, vorgeschlagene Formen der üeldaufbringung im Land-• wurden sorgfältig diskutiert, die Forderung nach erweiterter Beteiligung der Regierung und der Städte an der Fürsorgearbeit wurde erhoben. Bei allen Schwierigkeiten ist zu hoffen, daß aus Palästina selbst wesentlich gesteigerte Summen für die Arbeit zu bekommen sein werden. Trotzdem: ist nicht damit zu rechnen, daß die im Verhältnis zum Gesamtjudentum so kleine palästinensische Judenschaft die Kosten für die Immigrantenfürsorge (und die Immigration wirkt auf fast alle sozialen Arbeitsgebiete ein), allein tragen kann. (Sogar das damals so reiche Amerika hat in der Zeit seiner starken Immigration große Auslandshilfen verlangt und erhalten.) VII. Wenn irgend jemand nach allem Besprochenen die lfm fas sende Bedeutung der Fürsorge für das _ palästincnsisclie Kind noch negierte, so überzeugte ihn die folgende Diskussion über das Problem der Arbeit von Kindern und Jugendlichen. Die palästinensische Gesetzgebung ist in diesem Punkt noch durchaus mangelhaft, und die wenigen Schutzgesetze sind infolge ungenügender Gewerbeaufsicht fast belanglos. Darum forderte die Konferenz von der Regierung: Verbot der Kinderarbeit bis zum 14. Jahre. Umfassendes Verbot der Abend- und Nachtarbeit Jugendlieber. Begrenzung der Kinderarbeit auf sechs Stunden täglich. Festlegung eines bezahlten Jahresurlaubs von 10 Tagen. Uebertragting der Ocwerbeaufsicht an den Waad Leumi. Ausdehnung des Kinderschutzgesetzes auf samtliehe Kreise arbeitender Kinder: Haushaltshilfcn, Handelslehr־ finge usw. Daneben aber standen die inneren Forderungen nach Aushau des L e 11 r 1 i n g s w e s e 11 s, des F o r t b i 1 - dungsunterrichts, der Fachschulen und der Jugendorganisationen. (Wir müssen es uns in diesein Zusammenhang versagen, auf diese Fragen näher einzugehen, obgleich sie von grundlegender Bedeutung für Palästina sind.) VIII. Der für die tägliche Fürsorgearbeit fast noch dringendere Programmpunkt ״Das spezielle Fürsorge verlangende Kind“ wurde kürzer besprochen. Auf Vorschlag von Frau Wronsky (die in ihrer zentralen Kinderfürsorgetätigkeit beim Waad Leumi selbst bereits ein großes Material gesammelt hat), wurde die Gründung einer Gesellschaft für Jugendfürsorge beim Waad Leumi vorgesehen. Flic Konferenz setzte ein vorbereitendes Komitee ein, bestehend aus Frau Beba Idclsohn, Herrn l.ubianiker, Herrn Alfred Berger, Frau S. Wronsky, Frau Cessy Roscnblüth, Frau Dr. Raehel Kagan, Herr Dr. Fürst. Der beherrschende von Frau Szold am Anfang und Schluß unterstrichene Gedanke der Konferenz war: Vorbeugende Fürsorge ist bedeutungsvoller als korrigierende; der Anstaltsfürsorge kommt nur ergänzende Bedeutung zu; zentral wichtig ist die offene, die Familie als soziales Zentrum erhaltende oder neu aufbauende Fürsorgearbeit. Nur ein sehr kleiner Teil des Volkes ist defektiv. Die Masse der in Not und Verwahrlosung Abgleitendcn kann der Gemeinschaft erhalten bleiben oder ihr zurückgegeben werden, wenn diese ihre Verantwortung erkennt und ihrer Pflicht genügt. Margarete T urnowsky-Pinner Konferenz der Moschawe Owdim Jerusalem. (Palcor.) In Kefar Jehoschua fand die vierte Konferenz der Moschawe Owedim unter Beteiligung der Vertreter von 46 Siedlungen statt. Nach Begrüßungsansprachen wurden Referate über die Tätigkeit seit der dritten Konferenz, über die sozialen Verhältnisse in den Moschawe Owedim, die gemischte Wirtschaft sowie über die zukünftige Tätigkeit in den Moschawe Owedim gehalten. D. Barasch behandelte in seinem Referat die Arbeitsmcthoden unter der Jugend der Kolonien und ihre Beteiligung an dem ״Noar Owed“. Simon Kuschnir referierte über die Probleme der Erziehung. Ein längeres Referat hielt ferner B. Kaznelson; er behandelte vor allem die Frage der Einheit der Arbeiterjugend und ihre Aufgaben. In der Debatte wurde vor allem die Frage der An- Siedlung der 1000 Familien behandelt und Besorgnis um das wirtschaftliche Schicksal der Angesiedelten, vor allem infolge der kurzfristigen Darlehen und der hohen Zinsen zum Ausdruck gebracht. Von den angenommenen Beschlüssen ist u. a. ein Be- Schluß zu erwähnen, wonach ein Kollektivvertrag mit dem Keren Hajessod geschlossen und ein Zentralfonds für gegenseitige Hilfe in den Moschawe Owedim geschaffen werden soll. Die Konferenz wählte ferner eine Leitung aus 29 Mitgliedem mit einem Geschäftsausschuß an der Spitze. Kolonisation und Rasse Eine Zuschrift Zu dem ln Nr. 44 vom 41. Mai 1945 erschienenen Artikel Ober das Thema ״Kolonisation und Hasse'' int Zusammenhang mit einem Auf salz von Hans Seiht, der die Ternpler-Siedlangen in Palästina mit der jüdischen Kolonisation verglich, erhalten wir folgende Zuschrift von dem \'erfasser des vortäglichen Palästina-Huches and langjährigen Leiter des Wirtscha/lsarehivs in Jerusalem: Ich habe leider den Original-Aufsatz im Archiv für Bevölkeruiigswis-eiischalt, der die von Ihnen zitierten und kritisierten Folgerungen des Verfassers und der Schriftleitung des Archivs enthält, nicht im Original zur Verfügung, möchte aber trotzdem auf folgendes Hinweisen: Wenti der Verfasser behauptet, dal! die deutsche Kolonisation im Gegensatz zur jüdischen Siedlungspolitik mit ״instinktiver Sicherheit und Stetigkeit“ vor sieh gegangen sei und daß der deutsche Bauer ungleich dem jüdischen städtisch-oiicntierten Siedler eng mit dem Boden in Palästina verbunden sei, so möchte ich dazu mir bemerken, daß der gleiche Verfasser in seiner Dissertations-Schrift (1934) über die moderne Kolonisation in Palästina die gleichen Problemc wesentlich anders darstellt. Diese Schrift, die sich vor allem auf ein gründliches Studium der verzweigten Vorkriegsliteratur und zahlreiche briefliche Informationen aus den deutschen Kolonien stützt, zeigt in einer Reibe von Abschnitten sehr eindeutig, daß es sich bei den Siedlungs- Problemen für die deutschen Siedler um ganz ähnliche Fragen handelt, wie für die jüdischen. Auch für einen erheblichen Teil der deutschen Bauern gilt, daß sie nicht mehr in dem ursprünglichen Wortsinne Bauern sind, sondern Pflanzer, und daß die Gründe für diese Wandlung nicht in den Menschen, sondi *rn in den natürlichen Bedingungen der Sicdlungsbez irkc gen waren. Seiht s ehreibt selbst: ״Du־ a!K leren Yerhä!!ui- •t; im Kn-!and h/.M. a 1׳ -•einem R an de leih־■ n (im \ etglt'it h /m i'k m ־) d. /!: mi,*!. ti.ii' . -!ei) ZU ei ver- ־cliic ik'UV Will.eh,1 וו!!.!- n um . [G den \t■ 1 ״! 1 «km m . 1 iamlM ü mehanli.dk■ 11 Kol( n!in •!ח. t!t a. 1 u de! 1 Si'hHv!im, 1! n. 1 ] 11. in 1!er KU-m ־ be^erv und denen W’a—er Hü 1h ■ V . i > v e!!11:..׳ »Kr Ku'a.n ,mdi-r 11 /ui \ e! n!-m!g älelil , wird! vor a! lern < 1 'i 1:1׳ ־’1 .b/M ■: h.m b! : liebt 1!. Oie K <> 1 1 n ח i o t e n k 0! ז 11 h ■ 1 1• u i :׳[ m I l ׳! ü n 1 ״? a 11 e 1 n ת 0 £ li r -, a n n t w a r! 1 <׳ n. S l r ■ 'Dt! , i: r י M yh,, P ,! •Tn / n n - Niict!barn. 1 kr 1•::. t/t'iiv «'׳ ml-!' k Miimf in 1! elm-i kbk 11.11 A:1b. er', h C .Uls, Mell i kill M'illc * Kuli!11' CM e K י״ 11■> ׳h U ׳ h e ״>; 1! 1 11)1 ,ll״rl], In den Non Ikolotu ■!1, hie; HU l\e nde des He!;Je,!,׳11 ■ .!׳'U׳׳n. M (1 D.Ui'l 1 zun;* יKoden und \V 1 nr H t W;. ■-U i1I:m \ ( >!'i1 t in s -sink v,1n. .1 nebvn ArU n leb סuin 1 I"! 1• ■«■ 1 '׳ e K! 0 kUt \ t ,.I1< ח ui mn M-!׳'" .•im■ 1 lau! 11 -,:"1 ',.V ־'*!!׳ <! Uni -l 1 1a1t Diese einfacl h־ (je lH־ni ilKTstdllil ״iit in d 1־ m s t 1 b!■ it ׳ Maße, wie sie für die deutschen Siedler ziitnl'U, für die jüdischen. Ls ist nicht filmischen, wieso der gleiche Verfasser hier einen offenkundig einfach zu erfassenden latbestand, den er selbst an anderer Stelle richtig erkennt, plötzlich vollkommen verzerrt witdergibt. Noch mehr muß man sich wundern, daß der Verfasser, 11 er die Verwurzelung der deutschen Siedler in der palästinensischen Landwirtschaft und ihre Arbeitshingabe so stark empfindet, bei dem Vergleich von jüdischen und deutschen Kolonisten an einer anderen Tatsache vollkommen vorubergeht: Während nämlieh die jüdischen Siedler gerade in der (ietrcidc/one des Eniek aus ideologischen Gründen von Anfang an darauf bestanden, alle Arbeit (insbesondere im Ackertmd Futterbau) selbst zu verrichten und keine bezahlten Arbeitskräfte heranzuzielien, sind die deutschen Wirtschaften in entscheidendem Maße auf der Beschäftigung arabischer Arbeiter aufgebaut. Seiht berichtet selbst in seiner Arbeit weiter unten: .,Die druochen l.andwiitc hahen als Arb!■Iler di•• l'mgib irenetv der NacLKuiduncr iierimg•/־•gen, die ak Kn־:c!ue. Kn! -rin r, Melker imd als Mägde durchaus hr,1 uo! 1!>.1 r sind. Heute sind m Karma clva 100 Araber, in Willi,•Inn 90 Di 100 י. in W.iLHh 1111 4(>. in IDthlehi'm 30 Andrer ■Mänrtig I1e-׳׳h:ih\g1. 1 Mitteilung der 0111-pr. Itürg׳׳r meieor.) Dazu komincr! noch ungefähr eken-o viel, wenn nich! gar noch mehr Sai.srma: 1h i!er.“ Die ״Jüdische Rundschau“ hat schön richtig darauf hingewiesen, wie unzulänglich diese unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten erfolgenden Vergleiche nicht zusammengcliöriger Dinge sind. Generell soll zu «lern Thema nur noch bemerkt werden, daß es gar nicht angängig ist, aus der Entwicklung und dem Verlaut der deutschen und der jiidisehen Siedlung in Palästina Schlüsse auf die größere oder geringere Eignung der Siedler und auf Rasseiieigeuscliaften zu ziehen. Die deutschen Siedlungen in Palästina, deren Einwohnerzahl übrigens zahlenmäßig ziirüekgegangen ist, bieten infolge ihrer geringen Ausdehnung keine Möglichkeit eines Gesamtvergleiehs mit dem jüdischen Siedhmgswcrk, das heute 170 Siedlungen umfaßt und unter ganz anderen Voraussetzungen, Bedingungen tmd Zielen gegründet ist. Soweit sich also ein Vergleich über landwärts :haftstech־ nische Dinge hinaus erstreckt, muß er zu schiefen F.rgcbnissen führen, Dr. Alfred Bonne, Jerusalem

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