Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 51 (25.6.1935)
- Date
- 1935-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51, 25. VI. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Das Jubiläum des Preußischen Landesverbandes Der P r e u B i s e 11 e Landesverband i ii d i s c 11 c r Gemeinden veranstaltete anläßlich des zehnjährigen Be- Stehens seiner Organe einen Festakt im Repräsentanten- Sitzungssaal •der Berliner Jüdischen üemcimle, an der außer den Funktionären des Landesverbandes selbst die Vertreter der jüdischen Organisationen und eine große Anzahl im jüdischen Lehen stehender Persönlichkeiten teilnalunen. Der Festakt wurde durch einen Gesangsvortrag des W i naiverscheu Chores eingeleitet. Hierauf hielt der Vorsitzende des Rates, Kanimergerichtsrat a. D. Wolf, die Festrede, in der er die Vertreter der verschiedenen institutionell begrüßte U1K1 den Weg des Landesverbandes seit seiner Gründung aufzeigte. Er betonte insbesondere, daß der Landesverband sich stets bemüht hat, wirklich praktische Arbeit, insbesondere im Interesse der kleinen (iemeinden zu leisten. Audi in den letzten 20 Jahren war dies der Fall, und ohne jeden Kampf habe man trotz den bestehenden i 1111 erjudIschen Differenzen die Arbeit lortgeführt und weitgehend ausgebaut. Mit einem Dank an alle Mitarbeiter schloß er seine Ausführungen. Hierauf wurde der Chor der Gratulanten durch eine An- Sprache von Rabbiner l)r. Leo Baeek eröffnet, der im Namen der Reiehsvertretung der deutschen Juden und des Allgemeinen Rabbiners erbandes spradi. Fr betonte den Grundsatz der Einheit durch (iemeinschaft, der organischen Gestalt des deutschen Judentums, die eine (iemeinschaft der Arbeit sei. Er wünschte dem Landesverband auch in Zukunft erfolgreiche Arbeit für das Judentum Deutschlands und auch zum Segen für das ganze jüdische Volk. 1111 Namen der Arbeitsgcmeinschaft der süddeutschen Landesverbände sprach Oberstlandcsgericlitsrat i)r. N c 11 in e y e r, München, für die Berliner Jüdische Gemeinde und deren Vorstandsmitglied AIfred Sclioyer, im Namen der mittleren und kleineren Gemeinden i)r. Ehrlich, Königsberg, für die Lehrerschaft und die Kultusbeamten Direktor Stern, für die Gemeinden Nord- Westdeutschlands Dr. M a nass e, Altona. Allen diesen (iratulanten erwiderte der Vizepräsident des Rates, der ebenso wie Amtsgcrichtsrat Wolf bei diesem Anlaß aut eine zehnjährige Wirksamkeit im Dienste des Landes- Verbandes ztinickblicktc, Dr. Alfred Klee. Er beschäftigte sich u. a. mit dem Problem einer engeren Zusammenarbeit zwischen den norddeutschen und süddeutschen Laiulesverbänden und stellte als Ziel einen w eiteren Ausgleich durch die Schaffung einer großen gemeinsamen Organisation dar. Dr. Klee wies sodann darauf hin, daß die Jugend zu neuen Zielen erzogen werden muß, da ein großer Teil nach Palästina strebt, und daß ein Geschlecht heraugebildet werden muß, das dieses Landes würdig ist. Der Landesverband als Träger des Scliulwcrkes und seine Lehrerschaft habe daher die Aufgabe, die Jugend hierauf praktisch vor/ubereiten und mit einer tiefen Sehnsucht nach diesem Lande zu erfüllen. Die jüdischen Gemeiiulestuben mußten ebenso wie die jüdisehen Synagogen ihren Geist nach Osten orientieren. Die Kralt, die aus Palästina komme, werde auch imstande sein, das Lehen der Juden in der Diaspora zu klüftigen. Diskussion über Territorialismus London, 10. Juni. (JTA.) Im Rahmen einer Veranstalhing der lfDl begründeten Gesellschaft von jüdischen Angehörigen intellektueller Berufe ״M;1cc ahean s", vor der Theodor I ler/.l 1S96 gesprochen hat, hielt Dr. Joseph Kruk aus Warschau ein Referat über die t e r r i t o r i a I i s t i s c 11 e Bewegung im Judentum. Der Vorsitzende der Veranstaltung, Sir Philip H a r t o g. erklärte, auch nachdem die einst von Israel Zangwill geführte JTO. (Jevvish Territorial Organisation) aufgelöst wurde, sei das Problem des Territorialisinus nicht geschwunden. Ls sei an der Zeit, dtc Bemühungen nach der Richtung hin, ein weiteres Territorium für jüdischen nationalen Aufbau zu finden, zu intensivieren. Die N'achkriegshoffnungen auf Vollendung tler jüdischeu Eman/ipation hätten sich nicht erfüllt, im Gegenteil, die Stellung der Juden in verschiedenen Ländern sei zu einem akuten Problem geworden. Prof. Norman B e 111 w i c h, Professor für internationales Recht an der Jerusalemer Universität und früherer Mitarbeiter des ()berkomntissars für Auswandererfürsorge James MacDonakl, bezweifelte es, ob mau die in der Zivilisation aufgewaiTisenen Juden dazu bewegen könne und solle, in unkultivierte Länder aus/uwandern. Palästina übe dank seiner religiösen und historischen Tradition eine starke Aiiziehungskraft auf die Juden aus. Wohl aber müsse auch er zugeben, daß Palästina nicht in der Lage ist, alle diejenigen Juden, die ihre bisherigen Wohnlandcr verla.--.sen wollen und müssen, zu absorbieren. Die Witwe Israel Z a!1 g w i I I s wandte sich gegen die Ausführungen Prof. Bentwichs und sagte, die Probleme des Territorialisinus seien heute aktuell wie noch nie. Dr. Kruk betonte, da 15 auch ein Erfolg der Bestrebt!!!- gen, die bürgerliche Stellung der Juden in ihren heutigen VC ohnlnndcrn zu sichern, keine volle Losung der Judenfrage bringen würde. I liimlerttausende Juden stehen vor dem Dilemma: Auswandern oder untergeben. Palästina kann sie nicht alle aufnehnicu, die Industrieländer haben ihre Tore Ein Wanderern verschlossen. Ls sei dringend nötig, ein Territorium zu finden, wo sich Juden auf progressiver und koopcrativer Basis ansiedeln können. Heute leben in tler ganzen Welt etwa 65ü 000 Juden von landwirtschaftlicher Arbeit. Dieser .Umstand stimme optimistisch hinsichtlich der Bemühungen, ein neues Land für jüdische Siedlung zu finden. Presseschau Die ״Münchener Zeitung“ vom 15. P! Juni ver- Sffentlicht einen Aufsatz: ״Das neue Gesicht Palästinas“ von Dr. Hans R eich I. Einleitend spricht tier Verfasser von einer ״übersteigerten Geschäftigkeit und von einem Krämergeist, die jener Rasse eigen sind, deren Angehörige in hellen Scharen aus aller Welt ins ,!.and der Väter* zurückströmert.“ Er beliauptet sodann, daß sich ein üppiger Sagenkranz um die zivilisatorisciien und kulturellen Leistungen' der jüdischen Neuankömutlinge in Palästina gebildet habe. In seiner Schilderung muß der Verfasser aber die große Entwicklung Palästinas sowohl auf dem Gebiete der Stadt und der Industrie wie auch der Landwirtschaft zugeben, wobei er es allerdings insbesondere bei der Schilderung der landwirtschaftlichen Siedlungen unterläßt, darauf hinzuweisen, daß es sich hierbei um jtidischc Arbeit handelt. Er schließt seinen Aufsatz mit dein Satz: ״Ucberdics haben wir Deutsche keinen Grund, uns tür andere, die unserem Herzen fern sind, zu sorgen. Also suche das neue Palästina seihst seinen Weg!“ Warum aber dann dieser Aufsatz? Julius Herend Cohen, Professor der Organischen Chemie an der Universität Leeds, ist int Alter von 76 Jahren gestorben. Die Feier wurde mit einem weiteren Vortrag des Winawcr-Chorcs geschlossen. X Anläßlich des Jubiläums veranstaltete die Berliner Jüdischc Gemeinde zwei Bestgottesdiensfc, die sehr zahlreich besucht waren. Am Freitag abend sprach in der Synagoge Prinzregentenstraße Rabbiner Dr. (ialiiner, der in kurzen Worten, von der Bedeutung der Gemeinde für ein jüdisches Leben ausgehend, die Leistungen des Landesverbandes sc 1111derte־ und mit Eindringlichkeit daruf liinwies, wie vielen Kleingemeinden durch diese Institution geholfen werden konnte. In der Alten Synagoge in der Heidcreutergassc hielt am Sonnabend vormittag Rabbiner Dr. Emil Cohn eine t ustpredigt, in der er von den im Wocheiiahschiiitt enthaltenen Vorschriften für den Dienst der Leviten ausging und darlegte, wie dieser Gedanke des ״heiligen Dienstes'' sich auch in der Arbeit des Preußischen Landesverbandes wiederlinde. .. . und etwas Nachdenkliches Bei dem Festakt des Preuß. l.amtcs\erbamles versammelte sich eine große Zahl jüdischer Funktionäre, und es wurde eine ganze Reihe von Reden gehalten. Nun wollen wir gewiß nicht den guten Willen der Versammelten anzweifelii, jüdische Arbeit zu leisten, und auch zitgeben, daß der Landesverband manches Nützliche getan hat. T rotz, alledem bleibt aber von dieser Feier ein etwas bitterer N a c 11 g e s c I! ui a c k. Leben, echtes jugendliches Leben war bei ihr nicht zu spuren. Die Vergreis 1111 (׳ des Judentums in Deutschland, die einer der Redner von sich wies, war in ihr dennoch deutlich zu spüren. Wir meinen damit nicht nur das Alter der Teilnehmer, sondern in erster Linie den Geist, tler ans ihren Worten sprach. Und wir wundern uns eigentlich, daß es in den Orgarten des Verbandes nicht doch so manche Di-kiesion gegeben hat, um so mehr als aus dem Schlußwort Dr. Alfred K I e es als fast einziger der Reden, die bei dieser Gelegenheit gehalten wurden, jugendliche Frische sprach, die für die Zukimft Ziele, die einer umfassenden Arbeit windig sind, aufstellte. Vielleicht wäre es besser, bei Gelegenheit auch einmal in die internen Sitzungen des Verbandes etwas frisches l eben Iiineinzutragen. Denn es scheint uns, daß die Aufgaben, die gerade für die Schulen und die Lehrerschaft von l)r. Klee mit Recht aufgezcigt wurden, nicht gut von einer Lehrerausbildung erfüllt werden können, die unter Leitung des extrem antizionistisehen Dr. (ialiiner stehi. Diese Fragen zu erörtern, sollte der Zeitpunkt nicht mehr fern sein. Allerdings ist dabei zu beachten, daß die Organe des Verbandes selbst kaum mehr zu Recht bestehen, <1:1 tler Verbamistag seine Arbeitsperiode im Jahre 19T3 selbst verlängert hat, ohne die juristische Grundlage hierfür zu schaffen, und seine Befugnisse an den Rat des Verbandes delegierte. Diese Selbstausschaltung scheint uns nicht mehr an der Zeit. Tagung der Mandatskommission beendet Genf, 19. Juni. (JTA.) Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat soeben ihre XXVII. Tagung beendet. Der Bericht der Kommission an den Völkerhundsrat und ihr Verliandliuigsprotokoll werden erst anläßlich der nächsten Völkerbundsrattagung, d. h. Anfang September löß, veröffcutlichr werden. Die Kommission hat die Jahresberichte der Mandatarmächte von sechs Mandatsländern (Palästina, Syrien, Tanganyka, Sikl-Ostafrika, N'eu-Guinea und Nauru), eine große .Anzahl von Petitionen - die meisten Petitionen bezogen sich auf das syrische Mandat — geprüft und mich einige allgemeine, alle Mandatsgebiete interessierende Fragen diskutiert. Die Kommission hat 11. a. auch eine die Mandatsgebiete der Kategorie ״A“ und ״B“ und insbesondere Palästina sehr interessierende Fragen diskutiert, nämlich, ob Japan, dessen Austritt aus dem Völkerbund im März d. J. rechtskräftig geworden ist, weiterhin das Recht: behalten kann, den den Mitgliedern des Völkerbundes in den Mandatsgebieten der Kategorien ״A“ mul ״B“ cingeräumleit Vorzug der wirtschaftlichen Gleichberechtigung zu genießen. Die Kommission und einige Vertreter der Maudafarmäehte haben diese Frage zum erstenmal aufgeworfen. Line gründliehe Prüfung und eine endgültige .Stellungnahme zu ihr seitens des Volkerbundsrates wiril jedoch wahrscheinlich erst nach der Herbsttagung der Mandatskommission erfolgen. Herzl-Grabgang in Wien. Unter außerordentlich starker Beteiligung fand am 16, (1. der diesjährige (lang iler Wiener Zionisten zum Grabe Theodor Her/ls statt. Die Beteiligung zeigt deutlich das A 11 vv a c 11 s e 11 <1 e r z i o 11 i s t i s c h e n Bewegung im letzten |al)rc. Insbesondere war dieses Anwachsen in der außergewöhnlich große״ Zahl der Jugendliehen festzustellen. Schon in den ersten Morgenstunden sah man in den Zufaliristraßen nach Döbling zahlreiche lugendgruppen zum Sammelpunkte ziehen. Gegen 10 Uhr setzte sich der Zug — mit Rücksicht auf das bestehende Aufinarschverbot durfte der Zug nur in losen Gruppen aufmarschieren — in Bewegung, und erst gegen 1 Uhr nachmittags verließen die letzten den Friedhof. Drei Stunden lang defilierten etwa 20 000 Zionisten an dem (nahe Her/ls vorbei. Die Ehrenwache am Grabe hielten Mitglieder der Jiigcndverbände. Unter den Teilnehmern sah mau den Wiener Oberrabbiner Dr. Feucht w a n g, den Vizepräsidenten der KuHtisgcmeindc Dr. Löwen her/, den Rat der Stadt Wien 1)1*. Jakob F 11 r 1 i c 11, den Mitarbeiter llerzls Medizinalrat Dr. Schallt. Fs folgten die Mitglieder des Landeskomitces, die Präsidien der Fonds, sämtliche zionistischen Kuliusvorstelier, Vertreterinnen der ״Wi/o“, alle zionistischen Bezirkssektionen des Landesverbandes, sowie sämtliche ziottirstisclten Sonderverbände. J. R. Holland. Dieses Jahr wird in Gardcren (Gehl.) das 16. Lager der holländischen Jugend-Mi/rachie veranstaltet. Jungen und Mädchen von 15 bis 19 Jahren können feilnehmen. Auskünfte bei H. Dui/cnd, Urensstraat 21, Amstcrdam (O.). In Anwesenheit von Vertretern zahlreicher jüdischer Organisationen wurde in Paris das neue Hans für die Werk- Stätten und Fachkurse des Verbandes ״Ort" cingewciht. Im Alter von 15 Jahren starb in Amsterdam die jiddische Schriftstellerin Cliaja Rais mann. Jüdische Musiker in London London, Anfang Juni Das letzte Drittel der Saison gellt seinem Ende zu. Ein Abflauen der Konzerttätigkeit nach einem unglaublich aktiven Winter und Frühjahr ist jedoch vorläufig noch nicht fühlbar. Und es dar! konstatiert werden, daß in der letzten Zeit jüdische Künstler erheblich an dem hohen Niveau der künstlerischen Darbietungen und Aufführungen beteiligt sind. Ueber die Kunst eines I! u h e r in a 1t!1 Neues zu sagen, fällt schwer. Ls genügt, den begeisterten Lrfolg zu registrieren, den er mit seinem zweiten großen Abend (hauptsächlich Bach) in der Queen’s Hall hatte. .Selten ist Bachs klassische Linienführung so plastisch und klar vor uns erstanden. Mehr nach der musikantisclwigetmerhalten Seite neigt der Geiger Stanislas F r y d b e r g. Besonders gut gelang ihm der improvisatorische Charakter des Blochsehen ״Baal Sehern“. Ein weicher warmer Ton kenn/eicimet das Spiel der jungen Lisa M i n g 11 e 11 i, einer Fksch-Sclmlerin. die jedoth ihrer soliden Technik entsprechende Stilsicherheit noch schuldig ist. Schnabel, unzweifelhaft einer der besten Mozart- Interpreten der Jet/t/eit, bestätigte dies wieder mit dein A-Dur-Kon/ert im vorletzten der großen Rmulfiinkkonzcrtc. Line kolossale Leistung war der sechs Abende umfassende Bach-Zyklus des hier und in Amerika sehr bekannten Harold Samuel. Mit scharfer Intelligenz und stilistischer Unfehlbarkeit meisterte er ein schwieriges Programm. Ausgezeichnete Lnsenihlekmist wurde von Boris und Joseph Schwarz i!1 einem Baeli-Beethoven-AbeiKl geboten, vier auch Solistisebes um faßte. Am schönsten klang die Krcut/ersonate, markig und bestimmt vorgetragen. Warum aber die merkwürdigen Dehnungen und Rubati des Geigers in der Chaconne? Ganz außergewöhnlich miis-en die drei Abende genannt werden, an (lenen I di K r a u b und Simon l i o i <1 b e r g, der frühere Kon zeit meister der Berlinei Philharnioniker, die zehn Klavicr-Violiii.-.oiiaten von Beethoven spielten. Die Piani-din ist 1111 z\\ eifelhaft die stärkere Indivjdualitat, geneigt, stets dir Initiative zu ergreifen, trotzdem hatte man seit langem!lieht solch präzise-, von I neigie und Leben durchpulstes /usainmeiispiel hier gehört. I in ungetrübter Genuß, wie Klavier und Geige 111 Dynamik und Phrasierung aufeinander ,,horten•׳. l'rnst W o I f t, von früher her hier bereits bc-fens eingefuhrt, zeigte sich als sehr geschmackvoller, intelligenier l.iederintcrpret. Sein weicher, teiioralget.iihter Bariton ist Von starker AmalriK k-hiliigkeit (Brahms und Volkslieder) mul I levihilitat. Muß aber das Selhsthegleiieu im Konzerts,1a! sein? Im Rundfunk horte inan Ro-e Walter in einigen stil.-ieher gebrachten Arien von (duck und Grctrv sowie in den ״Sieben frühen I iedeni'' von Alban Berg, deren herbe Lyrik bei Frau Walter sehr schon liurau-k.im. Bruno Walter brachte mit den Wiener Bhilhanmmikern 11. a. Schuberts C-l )ur-Sy mplmnie. An Erst- und Uraufführungen von Werken jüdischer Komponisten ist an erster Stelle der Komposition-abcml von Franz. R e i z e 11 s t e i n zu nennen. Die Motorik und laufende Kontrapunktik seiner frühen Klavierphauta-ie und (.eliosonate treibt wohl noch in dem jüngeren Bläserijumtett (kurzliehst auch im Rundfunk :!tilgetubrt) ihr unruhiges Ve-en, aber daneben gelingen ihm plastische, melodische Einfälle, deren starke Keimkraft sich in der organisch entwickelnden motivischen Arbeit offenhart. Es wird hier ganz aus dem Geist der Holzbläser heraus musiziert, das Werk ist satztechnisch gut gearbeitet und klingt ausgezeichnet. In noch stärkerem Maße gilt das Obengcsagto von seinem jüngsten Werk, den ״Klavier-silhoucttcn“. Von dem Wiener Egon 1. us t garte n brachte Gabriele Joachim, eine Enkelin des großen Geigers, den läeder/vkliis ״Naehtgesiehte‘■ nach Morgensternscheit Gedichten. Man denkt dabei unwillkürlich an Mahlers ״Lied von der Erde“ und stilistische Einflüsse von daher sind zweifellos vorhanden, besonders in der ״sprechenden“ Lyrik der (ii'sangs'timme und der orchestralen, malenden Klavierbegleitung. 1111 Rahmen der Rundfunkkon/erte für zeitgenössische Musik kam 11an 11 s Lisi e r mit der englischen rrstautfuhrnng seiner ״Kleinen Symphonie‘‘ zu Wort. Das Prinzip <1 er Kur/oper scheint hier auf die Symphonie übertragen zu sein: Spieldauer einige wenige Minuten. Trotzdem ergibt -ich der I itulniek einer ahsohlten Geschlossenheit und K<>11 zi-ion der Satze, Melodik und polyphone Satzteehnik im ersten und dritten Satz weisen deutlich auf Schönberg hin. 111 bewußt karikierenden Gegen• satz dazu werden zweiter und vierter Satz, mit ihren grotesk marschartigen Rhythmen gesetzt. In einem Konzert von Mimik zeitgenössischer russischer Komponisten fielen einige Lieder von Alevamler K r e i!11 durch ihre jüdische Note auf. Iler Komponist vertat hier durch Melismatik und |K;111m >d ist he I mienfuhrmig sune innige Verbundenheit mit sv nagogaler Mu-tk. Dr. M. Garn et* Hebräische Worte In deutscher Volkssprache 111 der ,,Wochenendbeilage /tun Westdeutschen!’,eoharliter“ vom 2. Juni finden wir einen Aufsatz ,,Stehet! aut der Walze“ von Hermann Jung, worin I rlebnisse ■ cur Wänderung von Handwerksgesellen beschrieben werden. Die Handwerksgesellen stellen sich in den einzelnen Oitrit hei den Meistern ein und ״organisieren׳‘ die Verpflegung für sich. In diesem Zusammenhang schreibt der Verfasser folgendes: .,k'iud.'l" in der Spitzname lur dos Ikokm und (• von! tenh- Ich davon tiehraiuh gentad!!, wjdie H,״ krr dann me .,Kat/.ove“ t|U it 1 i׳n eti, wolxd (׳- unerdndhnh ist, wop,׳r du •n koonniMtc tat' den Metzger -tammt. Per teel'ic Puden kenn! ihn j 1 .!01 .!׳■ ׳H neht. Wir setzen ihn daher an) die lese .,\\ ,1 - ne In in, Pud׳ n oeht", Pa steh! nneti manrheiUi nuht. u a1111! ,׳ I! a ndw e1 k-g׳ eilen gilanhgfi Kprarhe Pt. Manches davon vtiuk: wohl der alten Handwerksl>ur •ehesis[ 1! aehe e 11t n. Mi 1 nton. ,.V.o, du ■will,( sclem wieder a e 11 i I e n lta::1 der Heinz entrieiet und s־d!au׳ tun h don hingen .,s! hlandnl ded'' hin, < uiem Metzger au• Ptn-hnig. ״A r til Ir 1p In!dt e-o a tue! e..ou! i4׳ Ptr den lang(!1 Idandoiilii I“ zweites Pelen. ... leid wenn er ab und zu einen e h i e I, e r!", dann i-.1 dah.undo.., denn seine Rekliln-clie entli.di nur W.o-er, klares \Y. Wir können den Verfasser aufklärctl. ״Ka/.ovv“ ist das hebräische Wort für Metzger, also gar kein Spitz- 11:11m׳, sondern eine wörtliche Ucberset/ung. ״Adtol“ ist das hebräische Wort für essen. Und ,,schickor״ heißt nichts anderes als betrunken. An einer späteren Stelle wird das Wort ,,Maschorcs“ f lir ,,Geselle" angeführt, gleichfalls ein hebräisches Wort, das soviel wie Diener, h/w. Augestellte!׳, bedeutet. Ls situ! lauter rein hebräische Wörter, die aut irgendwelchen Umwegen in manchen Gegenden in die deutsche Volkssprache eingedriitigen sind, ohne daß man sich anscheinend ihrer Herkunft bewußt ist. Fs ist dies ein Beweis eines jahrhundertelangen Zusammenlebens gerade in jenen Gegeitdert tles Rheinlamles, ein Gegenstück dazu, daß Juden hei ihren Wanderungen iin Mittelalter alte rheinische Ausdrücke und Bräuche m ferne slawische Gegenden verschleppt haben.