Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 51 (25.6.1935)
- Date
- 1935-06-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51, 25. VI. 1935 Weltkonferenz jüdischer Frontkämpfer die immer deutlicher werdende Einheit des Profijrn ni ms und der Be d ii r f n i s s e auf den entscheidenden Gelrieten schließlich auch ins Bewußtsein dringen lind demgemäß einen äußeren Ausdruck finden wird. Wir hoffen, daß die Neubelebung der Agency auch 5׳n einer Intensivierung des Palästina-Intere s s e s unter de n I u den Deutsch I a n d s führen wird. Die Personen, die sich unter Führung des nnvergeßlichen Oskar Wassermann in den Agency-Gremien zusammengefunden haben, arbeiten größtenteils schon seit zehn und mehr Jahren für Palästina und den Keren Hajessod. Sie sind nicht denen zu/u/ählen, die nur unter dem Zwange der äußeren Verhältnisse und der öffentliehen Meinung so weit kamen, der Palästina-Parole da oder dort einige höfliche Komplimente zu widmen. Der Palästinagedanke verlangt aber Konsequenzen und nicht bloß 1 ippendienst. Die Konsequenz ist vor allem die Unterstützung des Keren Hajessod, und es ist erfreulich, daß über diesen Punkt nach der Rede von Dr. Siegfried Moses volle Einhelligkeit bestand; daneben aber die Umgestaltung des jüdischen Lebens der Diaspora in dem Sinne, daß die berufliche und geistige Vorbereitung der Auswanderer sowie der unerläßliche Kontakt zwischen Palästina und Diaspora bewirkt werden kann. Die großen Perspektiven, die das Palästinawerk heute bietet, hat Dr. Senator in seinem Vortrag dargelegt. Die Agency trägt für die Durchführung die Verantwortung. Der Verlauf der Tagung vom 23״ Juni Senators Referat fm Wunen sie-. Präsidiums des Kernt Il.ifessocl begrüßte Rabbiner I >r. 1!1 ,׳! ״ e c k die I'rM'nienearti und erteilte *ieni V1:;:.;Wü der Pal.istii! .1•! isekutiv e Dr. Werner Senator d.o Wo! t. Dr. Senator fülirl!• u. a. au.-.: Die gegenwärtige judiwbe I,abi-tni.i - \rbvif!01 in• vor allem di!’ :.;roßen Probleme zu jvw die mit <le:1 Wvntieii Land. A r b e i t, Be- 1׳ l! f > 11 m - e i! : 0 h t u n g \ ei!müden Wnl. I >ie B.oider Ko- Ioiii'.iUoii!!loa' die 1;nukviM wh :1 ft I iebe Kolon i-aiion «ein. D!e u׳.ve11\\ artii: e Situation werde dadureh erschwert, daß der zur Verll!;:h;i. ־•trli! •:■b׳ l!1ub 11 d!!1 Bnlnrfiiis-en der erbuhten bum a!!do :!!es ni, ht!■!1!-nr< rheml -chncll erweitert werden kann. Denn!»,!] m!!den!11 bc/11:׳ auf Erweiterung des Bodenbesitze:- und aut hitrn-K iertiug der Heu irfschaitting «lauernd Fortschritte erzielt. Im II u 1 e - < i e b i e t sollen 21)00 Familien auf Par/elK11׳ von je 15 bis 20 Dun,am angesiedelt werden, während seinerzeit beim Kolonie,abon-werk des Baroris 300 Dun,am für eine Sicdlerfamilie für notwendig gehalten wurden. Meute ist der Typ der gemischten intensiven Wirtschaft auf 15 bis 20 buuam bereits allgemein geworden und darüber hinaus werden Versuche weiterer Intensivierung auf Wirtschaften von nur t Dunam unternommen. Die Verstädterung der jüdischen Bevölkerung Palästinas sei der Preis, de« man für die Masseneinwanderimg habe zahlen müssen. Der hohe Lolin in den Städten wirke wie eine Säugpumpe ,auf die ländliche Arbeiterschaft. Die Jeuisli Agencv wirke dem Ahstrümen von Arbeiten! in die Stadt durch Errichtung billiger Wohnungen für Landarbeiter und von Hilfswirfsehniten entgegen. Die Wirtschaftsiiitcnsivic• rung werde die Aufnahme von Bauarbeitern, die bei einem etwaigen Nachlassen der Bautätigkeit frei werden, ermöglichen. Die Arbeit, die die Abteilung für die Ansiedlung deutscher J u d e n auf dem f iehief der Wohmingsfürsorge für Landarbeiter und de r Hbf.-wirl-ehaften gelei-tet hat, werde beispielgebend auch für andere Liinvamlcrcrgruppen sein. n;״ Kolonisation selb׳-!! geht in drei Formen vor sich: Von der Fv!׳l<utitv und andere,׳! Kolonbation.-taktoren ,:b.geiibirte Au -־.־dl! mg; 2. '־wlh-.taiibt'dhiiig L1!1׳.!w irt-:ehafter Arbeite!״ mit | iilfe ihrer Er.-parttis-!‘ und 3, Mittelid-kolom-.utioii. Be-.uiilers die letzte Form spielt bei der w :etdening aus I )cu!~i'!1!,iihI eine Bolle. ■100 MitleDtaiuis- 1L;e:1 .!ץ- Deut-, -!:ui /um Teil bereits ^ingc-ic■■ Iclt, widere Atifnahiw po-di:״:! -K 11 die imlu-dne dar. Auel! au der Schaffung ,-oieln׳!׳ An f!:,!!! n:en1ü.:livl1k«״iter1 Int die deufseite I uiwaudertmg einen!!!■rvorra. enden Ante!'. Was sehließlich die■ Her t .1! י u! ■- c 1! i e 11 t 11 n g betrifit, >o sei die gegenv.ütwr Situ.itioii in P.il.i-tin.i in dieser Beziehung noelt meid :■״■•: i.., ■׳,!. Der Druck in den Auw amlertmg-laiidern eiiiersi its und der -türke Arbeiterlied,irf in Pala-tma andererseits fultren zu eine״ 1״ ״׳Her!! im« auderung tim!1 nicht oder iinncnus rud lu rulnch Au-.o biuieter, I r-t nt Pala-tma selbst mul; eine berutli; lie I!!;•« ׳!■:!zicniiig \ o! genommen werden. Aut gtund':, he dpezi.!I,m-1!iI.b!,:g werde in Zukunft besonderes (icu teilt g'-'e:! werden niti-son. Zum Sih'n'i be!i:tn3׳ij,- | >r. Senator politische und g e i - stige P r o h 1 e nt e, die mit der verstärkten Lin Wanderung verbunden sind. I ngbuid biete den Juden eine durchaus faire C.baiiee, wenn auch gegen die Dro-.clung der Arbeitereinwa.ndertmg, die ans politischen Rücksichten auf die Araber vorgeitnntmett wird, a11״ekämpft werden muß. Mit der Masseneinwandertmg .-eien auch gewiss« kulturelle 1 j!:fahren verbuiMieit. Die I mwaiiderer aus I)eutsehlatid haben bei ihrer Eingliederung in «las hebräische Kulturleben Palästinas mit Sdnvierigki iten zu kämpfen, sind aber eifrig bemüht, diese zu überwinden. Wenn die erweitert«' Jewish Agency seit ihrer Entstehung im August 1929, der Zeit der Unruhen in Palästina, vier :ihre lang im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des ’assfieki-Weißbüchs, des M;!«•Donald-Briefs, des French-Berieht.« usw. sieh gewissermaßen in der Defensive hefundett habe, so hatten die letzten Jahre die Urumilage für eine erweiterte, a 11 f haue ml c Tätigkeit geschaffen. Hierfür mußten neue c trganisationsformen gebildet werden. Der notwendige Rahmen für die Arbeit auf verbreiterter Basis sei eben die erweiterte Jewish Agency, die bisher wertig in E r s e 11 e i n tt 11 g getreten sei. Besonders herufen zu dieser Arbeit sei das deutsche Judentum, «las heute nicht mehr bloßer Zuschauer und üebender in der Palästina-Arbeit ist. Es sei zu wünschen, daß das deutsche Judentum deshalb besonders intensiv an der bcvorstehenden Ageiicv-Tagung sich beteilige. Die mit Zustimmung anfgenommenen Ausführungen Dr. Senators wurdet! von I >r. Martin Roscnbliith ergänzt. Er behandelt«• die Erage des l egislative Council, die entgegen früheren Erwartungen «lemm'ielist wieder aktuell werden dürfte. Die ablehnend«: I kilUnig der Jude!! zu dem Ulan der Schaffung einer soUbcn Einrichtung, in der das augenblickliche zufällige zahlenmäßige Verhältnis der Bevölkerungsteile Palästinas seinen Ausdruck finden wütule, sei vor allem dadurch bedingt, «laß es für die Juden unerträglich ist, in dem einzigen I.aml, «Ins ihnen noch geblieben ist, durch Be-timmunge« zu einer Minorität gestempelt zu werden. Zur Arbeit Paris, 21. Juni. (J. T. A.) In der Zeit vom 15. bis 20. Juni fand in Paris eine Weltkonferenz von Verbänden jüdischer Kriegsteilnehmer zahlreicher europäischer und außereuropäischer Länder statt. Vertreten waren auf dem Kongreß u. a. jüdische Eronfkämpferbünde aus Aegypten, Australien, Belgien, Bulgarien, England, Frankreich, Litauen, Oesterreich, Palästina, Polen, Südafrika, der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der australischen Delegation gehört auch der ehemalige Generalsstabschef der australischen Streitkräfte auf dem europäischen Kriegsschauplatz, Oberst 11 ey man, an. Die Eröffnungssitzung fand unter dem Vorsitz des früheren Kriegsministers General Maurin am Abend des 15. Juni statt. Am 16. Juni nahmen die Delegierten des Kongresses an der Einweihung eines Denkmals für die gefallenen Ostjuäen feil. Hierauf folgte ein von der Alliance Israelitc Universeile;!!!läßlich des Jubiläums ihres 75jährigen Bestehens zu Ehren der Kougreßtlclegierten veranstalteter Empfang. Die Tagesordnung des Kongresses umfaßte u. a. eine Erörterung der Geschichte und Statistik der Beteiligung der Juden am Weltkrieg, Fragen der Zusammenarbeit der jiidlschert Frontkämpferverbände, Maßnahmen zur Wahrung des Ansehens der jüdischen Gemeinschaft und die Auswanderung nach Palästina. Am 19. Juni empfing der französische Kriegsminister Jean Fabry, umgeben von den Vertretern des Pariser Stadtrats, im Saal der Sorbonne die Kongrelkielcgiertcn, die dein Minister durch Hauptmann Drcyfus vor«,׳«teilt wurden. Im Plenum «ler Konferenz führte der Vorsitzende Varn i 1( oft aus, der Plan der Schaffung eines Kontakts zwischen den jüdischen Frontkämpfern der verschiedenen Länder sei auf dieser ersten Weltkonferenz, zu der Delegationen aus 12 Ländern kamen und der Frontkämpferverbände weiterer der Zenfraisteile für die Ansiedlung deutscher Juden bcmelkte Dr. Roscubiiith. daß sic im Interesse der Wirtschaftliehet! und kulturellen Einordnung der Alijah aus Deutschlaml fortgesetzt werden wtirde, wenn auch neue groll zügige Arbeiten nicht mehr in Angriff genommen werden, da mit ausländischen Spe/ialdrives für deutsche Juden und damit ,mit neuen Mitteln für die Zentralstelle nicht zu rechnen sei. Nachdem Dr. Baeck mitgeteilt hatte, daß als weitere Aufgabe der Zusammenkunft die Wahl von 7 Vertretern 11er niclrtzionistiscben Palästinafreiimle Deutschlands und von 14 Er• satnuitgliedern im Council der Jewish Agency vorgesehen sei, gal! Dr. Siegfried Moses die Grundsätze für die Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten in der Agency bekannt. Die Grundsätze der Kooperation Dr. Moses wies darauf hin, daß der Augenblick der Walt len zum Council der gegebene Zeitpunkt sei, um sich die Grundsätze zu vergegenwärtigen, die für die Zusammen־ arbeit zwischen Zionisten und Nichtzionisten in der jewish Agency gelten. Der Redner erörterte zunächst die Arbeitsgebiet«, die den Nichtzionisten offenstellen. — Innerhalb der Jewish Agency gelten gleiche Rechte und Pflichten: cs gibt kein Arbeitsgebiet, von dem ein Nicht/ionist um deswillen, weil er nicht Zionist ist, ausgcschaltct werden könnte, 1s gibt keines, von dem er sich ausschalten dürfte. Das oberste Gebot sei: lovale Zusammenarbeit zwischen Nichtziouisten um! Zionisten/Dann würdigte der Redner eingehend die Bcdeuturig des Keren Hajessod als ökonomisches Haupt- Instrument des Aufbauwerkes der Agency und erklärte in diesem Zusammenhang: Es gibt kein« Bejahung der Jewish Agency ohne gleichzeitige Bejahung des Keren Hajessod. Mitarbeit in der jewish Agency muß gleichzeitig Mitarbeit für den Keren Hajessod bedeuten. Das besagt nicht, daß der Keren Hajessod für die in der Jewish Agencv zusammengcsehlosseiien Menschen etwa saiwosankt und der Kritik entzogen sei. Im Gegenteil, Mitarbeit in der Jewish Agency schließt die Pflicht in sich, an allen Institutionen der Jewish Agency (also vor allem auch am Keren Hajessod) mit produktiver fordernder Kritik mitziKirbeiten — nicht mit de!• Kritik des Außenstehenden, der sielt distanziert, sondern mit der Kritik des Menschen, der innen stellt, der im Werk steht, der Einzelheiten reformieren und verbessern möchte, utn im (jesamtinteresse der Jewidi Agency Höchstleistungen zu erzielen, Jaslizrat Brodnitz bekennt sich zu Palästina 111 der folgenden Aussprache legte der erste Vorsitzende iles Central-Vercins deutscher Staatsbürger jüdischen Glauhem, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, ein entschiedenes und eindrucksvolles Bekenntnis zur Palästina-Idee ab. Er sprach sich für vorbehaltlose Unterstützung der Palästina-Arbeit durch dir Nichtzionisten aus. Die deutschen Juden seien_ steh ihrer Aulpaben und ihrer Verantwortung in bezug auf Palästina bewußt. ״Jeder von uns“, erklärte Justizrat Brodnitz, ״ist zu dieser Arbeit berufen, und man komme nicht mit dem Gedanken, wir hätten hier in Deutschland genug zu tun. Was an Opfern von uns geleistet werden muß, geht weit hinaus über das, was früher überhaupt für möglich gehalten wurde. Man verlange aber auch von uns nicht weltaiischauliehe Opfer. Die Zusammenarbeit wird um so fruchtbarer sein, je stärker sie sich auf praktische Aufgaben konzentriert und theoretischen Erörterungen aus dem Wege gelit.“ Zum Schlüsse gab Justizrat Dr. Brodnitz der Hoffnung aut positive Mitarbeit der deutschen Juden auch am Keren Hajessod und seinen Aufgaben Ausdruck. Es müsse aber gefordert werden, daß die Grundsätze der gleichberechtigten Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten ist der Agency loyal emgehalten werden. Max Warburgs Zustimmung Max Warburg betonte, je ernster die Zeit sei, tim so weniger Lust habe man zu sprechen, aber um so mehr Uebereinstimmung sei vorhanden. Der Redner erklärte, er sei in der angenehmen Lage, allen vier Vorrednern in allen Einzelheiten zuzusti m m e n. Die Nicht- Zionisten in der Agency müßten sich die Frage vorlcgcn, ob sie in den letzten Jahren alles getan hätten, ras man von ihnen erwartete. An die Zionisten richtete Warburg die Bitte, die Judenheit Deutschlands nicht ganz v 0 ת z i o n i s t i s c h e 11 Führern zu entblößen. Maneher zionistische Führer, «ler nach Palästina gegangen sei, rare heute hier noch notwendiger als dort. Äber_ gerade int Hinblick auf «lie Abwanderung wertvoller zionistischer Kräfte müßten sieh die Palästina-Freunde fester zusammenschließen, um ״als Nichtzionisten für die zionistische Idee zu wirken“. Eine straffere Organisation der sogenannten ,.Nichtzionisten“ in der Agency seit notwendig. Warburg wandte sieh gegen die Beeinträchtigung der positiven Auf- Imu.irheit durch übermäßige Erörterung von Zielsetzungen und Verfassungsfragen. Länder ihre Zustimmung gegeben haben, realisiert worden. Ziel der Konferenz, sei, der Welt in Erinnerung‘,zu bringen, daß Juden überall und mH allen zugleich ihre Pflicht als Soldaten erfüllt haben, und daß die jüdischen Frontkämpfer zum Kampf um ihre Rechte bereit sind. Darüber hinaus solle diese Konferenz von Juden, die ihr Leben für ihre Vaterländer eingesetzt haben, eine Manifestation für den ,Weltfrieden sein. Nach Verlesung der Begrüßung der jugoslawischen jüdischen Kriegsteilnehmer, die zu der Konferenz nicht kon*- men konnten, und nach einer Ansprache des Vertreters des' Internationalen Frontkäntpfervcrbandes, des polnischen Generals Gurecki, übcrhracltle der Führer der österreichischen Abordnung, Hatiptmann Edler von Friedmann, den Gruß von 22 000 organisierten jüdischen Kriegsteilnehmern in Oesterreich. Nach einer Ansprache des Führers der ägyptischen Delegation, Dr. Latis Bey. begrüßte der Führer der anteri- Iranischen Abordnung, William Bennau, die Konferenz im Namen von 250 000 amerikanischen jüdischen Kriegsteilnchmern. Es sprachen dann noch der Führer der englischen Delegation (Jewish Ex-Servicemen’s Legion), Sarno; der Führer der lettländischen Delegation, Sinakius, der Führer der palästinensischen Frontkämpfer, Dr. Kaganow, der Führer der sehr starken polnischen Delegation, Br eg man, u. v. a. Der Feier bei der Einweihung des Denkmals für die an der französischen Front gefallenen 1200 Juden aus östlichen Ländern wohnten neben einem Vertreter des Präsidenten der Republik zahlreiche hohe militärische Würdenträger, der Vizepräsident des Parlaments, Henri Pate, mit zahlreichen Abgeordneten u. v. a. bei. Mit einem Festbankett wurde die Weltkonferenz ge• schlossen. Vorher fand ein Besuch der Konferenzteilnehmer bei der am Dome des Invalides angebrachten Gedenktafel für die jüdischen Kriegsgefallenen statt. Die Wahlen Nach einer Pause unterbreitete justizrat Dr. Julius Brodnitz der Versammlung namens der Wahlkommission, der außer ihm noch Rabb. Dr. Leo Baeck, Dir. Ernst Bor• chardt und Dr. Michael Trau b angehört hatten, «lie Listen der neu zu wählenden Mitglieder und Ersat/tnitgliedcr des Council der Jewish Agency, justizrat Brodnitz bemerkte hierbei, daß die Kommission, ohne in der strittigen Frage des Begriffes ״Nichtzionist" in bezug auf die Wählbarkeit zum Council grundsätzlich Stellung genommen zu haben, in die Liste der Ersatzmitglieder auch Rabbiner Dr. Grünewald- Mannheim (der Zionist ist), mit Rücksicht auf seine überragende Stellung in der Palästinabewegtmg in Mannheim aufgenommen hat. Grundsätzlich sei vereinbart worden, daß ein an der Teilnahme an der Council-Tagung verhindertes Mit• lied das Recht haben soll, seihst seinen Vertreter aus der eilte der Ersatzmitglieder zu benennen. Andererseits aber sei bestimmt worden, daß R.-A. Dr. Rudolf Callmann-Köln in erster Linie und Dr. Grünewald-Mamiheim in zweiter Linie als Ersatzmann herangezogen werden soll. Die Mitglieder des Council haben wir auf Seife 1 angeführt. Zu F r s a t z nt i f g l i c d e r ח wurden bestimmt: I. R.-A. Dr. Rudolf Callmann-KÖln; 2. Rabbiner Dr. GriincwaUi-Mannheim; 3. Dr. Ernst Baumanh-Kasscl:'4. Dr. Walter Dux-Hannover; 5. Karl Ooeritz-Chcmnitz; 6. Rabbiner Dr. Hahn-Essen; 7. Lola Hahn-Warburg-Beriin; 8. Jacob Heckscher-Hamburg; 9. R.-A. David Krortheim-Fssen; 10. justizrat Marxheimer- Wiesbaden; 11. Ober.stlandesgericiitsrat Dr. Alfred Neun!« •- München; 12. Dr. Berlak-Beriin; 13. Friedrich A. Strauß-Karlsruhe; 14. Gerhard Wolf-Heilbronn. In seiner Schlußrede appellierte Dr. Baeck an die Versammelten, intensiv für Palästina und Keren Hajessod zu arbeiten. Morris Rothenberg: für Reform der Agency New York, 21. Juni. (JTA.) In einer zionistischen Veranstaltung in Atlanta!tat «ler Präsident der Zionistischen Drganksation Amerikas, Morris Rothenberg, der bei der Bildüng der erweiterten Jewish Agency eine führende Rulle gespielt hat, eine Umbildung der Jewish Ageiuv und der Zionistischen O r g a n i s a t i o n A m e r 1 - kas gefordert. Die Jctvish Agency in ihrer heutigen Form, erklärte Rothenberg, sei zum Untergang verurteilt, weil die Unterscheidung zwischen Zionisten und Nichtzionisten überholt sei. Diese Zweiteilung weiter aufrecht zu erhalten, winde die Verewigung einer negativen Haltung bedeuten, die der Gesinnung derjenigen, di«* sich «len Zionisten in der Jewi-h Agency an geschlossen haben, nicht״ entspricht. An die Stelle der Jewish Agency in ihrer heutigen Form, meinte Rothen; berg, solle eine einheitliche Körperschaft treten, in der auf der Basis des Palästinamandats alle Teile der Judenheit repräsentiert sind. Dadurch könnte die heute zerfallene Jewi-h Agency jene das ganze jüdische Volk verkörpernde führende Kraft werden, als die sie gedacht war. In bezug «auf die R e o r g :1 u i s i e r u n g der Z i o * nistischen Organisation Amerikas erklärte R«>• thenberg, die Organisation könne sich nicht länger auf Einzelmitgliedschaften beschränken. Es müsse ein Weg ge• fanden werden, um das neue allgemeinere Interesse am Zionismus organisatorisch zum Ausdruck zu bringen. Durch Einführung kollektiver Mitgliedschaft v o 11 G c meinden müsse die Basis der Zionistischen Organisation verbreitert werden. Die Stunde sei gekommen, um mit wert* blickendem Mut neue Formen, die der gegenwärtigen krrtt• sehen Lage des jüdischen Volkes und den!Möglichkeiten Palästinas entsprechen, an die Stelle der alten zu setzen. Der Leiter des Organisationsdepartments der Zionistischen Exekutive in London, Bert Locker, ist von Krakau, wo er als Vertreter der Exekutive den Beratungen der allgemein־ zionistischen Weltkonferenz beigewohnt hat, in Lemberg eingetroffen. Locker sprach in einer großen öffentlichen Kundgebung und hielt Beratungen mit einer Reihe zionisti* scher Instanzen ah. Vor! Lemberg hat sich Berl Locker nach Warschau begeben. In einer Erklärung dementiert Henri Bergs on kaß‘• gorisch die in einigen Zeitungen erschienene Nachricht, מגס er zum Katholizismus iibergetreten sei. ID.ipt-chiimeiter: Dr. Robert Wdtsch, Berün-Charlottenburg 8. Stellvertreter: Kurt Lo ewenstein, Berlin W 15. Anzclgenlcitcnn und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: R׳at Posen er, Berlin W 30. Gültig; Anwigcn-Prcisliste 2 vom 1. Januar Verlag und Anzeigen Verwaltung: füJLche Rundschau, Berlin W 1 Meinckcstr. 10. D.-A. Mai 33 888. — Druck: Siegfried Scho.cm, Berlin-Schöneberg.