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Jüdische Rundschau · 1935-06-25 · Heft 51 (25.6.1935) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 51 (25.6.1935)
Date
1935-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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27 G.1S3S r ה // JT% Nr. ✓ Jahrgang 40 Preis 25 Rpi. JÜDISCHE RUNDSCHAU >chriftieitnng, Verlag a. Aatdgnmnnllng 1 Bartla W1S, Melnekeetr.10 Fernruf: S«mmel-Nr.) I Bi»m«rck 3181/82,7165/70,7240/42. - B«11R«pre״ je Mon.t RM 2,-, je Vierteljahr RM 5,75• - Poatachedt-Kontea der Vertrieb».Ableilang. Berlin 71573 (für Gro6-BerlinX Berlin 17392 <l»r da» übrige Reich). Ausland», bemg in jeweiliger Landeswährung. - Erscheint jeden Dienateg and Freitag. BERLIN כ״ר סיון תרצ״ה DIENSTAG, 25. JUNI 1935 An*e!genpreUlista Nr, 2 gültig. Die 12gesp. mm-ZeiJe 20Rpf, für Stelleages* 10 Rpf, für Familiennachrichten!5 Rpf- Einzelanzeigen mir gegen Vorsuszahlung am Schalter oder auf Postscheck-Konto Berlin 71618 Montig bis Donnerstag 9 — 18 Uhr Freitag 9-16 Uhr. Annahmeschluß für die Dienstag-Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag-Ausgabe Mittwoch 13 Uhr (FamiUenanzeigon bis Donnerstag 10 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das füdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Beteiligung deutscher Juden am Palästina-Aufbau Die Vertreter der Nichtzionisten im Council der Agency Bei einer von Rabbiner Dr. Leo Baeck namens des Präsidiums des Keren Hajessod einberufenen Beratung am letzten Sonntag, bei der Dr. Werner Senator, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Jerusalem ein Referat ״Die Bedeutung Palästinas im gegenwärtigen Zeitpunkt und die Council-Tagung der Jewish Agency“ hielt, wurden als Vertreter der Nichtzionisten Deutschlands in die nichtzionistische HälHe des Rates (Council) der Jewish Agency, der am 4. September in Luzern Zusammentritt, folgende sieben Herren gewählt: Dr. Baeck, Berlin; Dr. Blau, Frankfurt; Dr. Friedrich Brodnitz, Berlin; Rabbiner Dr. Horowitz, Frankfurt; Dr. Otto Hirsch, Stuttgart; Max Warburg, Hamburg; Dr. Sigmund Wassermann, Berlin. AuBerdem wurden 14 Stellvertreter gewählt mit der Bestimmung, daß für den Fall der Verhinderung eines der Delegierten an erster Stelle Dr. Rudolf Callmann, Köln, und an zweiter Stelle Rabbiner Dr. Max Grünewald, Mannheim, einzutreten hat. Berlin, 24. Juni Die Entsendung von Delegierten der sich zur Pafästina-Arbeit bekennenden nichtzionistischcn Juden Deutschlands zu der Tagung der Jewish Agency im September ist ein sichtbarer Ausdruck des grölten Interesses der deutschen Judenheit an Palästina und gibt zugleich die Möglichkeit, auch im Rahmen dieses großen jüdischen Gremiums die verantwortliche Stimme der deutschen Juden zu den wichtigen Fragen der Palästina- Arbeit geltend zu machen. Es besteht kein Zweifel, daß diese Stimme um so größeres Gewicht hat, als die Uebersiedlung tausender deutscher Juden nach Palästina und die Probleme ihrer Einordnung dort sowie die Zukunftsperspektiven einer verstärkten Judenauswanderung von der gesamten jüdischen Welt mit großer Anteilnähme verfolgt wird. Zugleich aber betrachten wir die Beschickung des Council als einen ernsthaften Versuch, dieses Organ, das in den let/.len Jahren wenig hervortrat, wieder zu aktivieren. Denn die aus Zionisten und Nichtzionisten gewählte Jewish Agency ist seit dem Tage ihrer glanzvollen Gründung am 15. August 192«J von schwerem Mißgeschieh verfolgt worden. Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Paktes brachen die blutigen Unruhen in Palästina aus; in den folgenden politisch bewegteil Tagen bestand zwar die Agency ihre erste Feuerprobe, aber einer organisatorischen Konsolidierung war die Zeit ungünstig. Es folgte der Tod der Männer, die im eigentlichen Sinne mit der Agency identifiziert wurden, vor allem des großen amerikanischen Juden Louis Mars hall, ferner Lee Frankel, Lord Mclchctt. Noch im selben Jahre brach in Amerika die Wirtschaftskata strophe herein; die amerikanischen Juden, auf deren materiellen Mitwirkung die Agency beruhte, wurden teilweise ganz, lahmgelegt. So haben sich die Erwartungen, die man an die Agency knüpfte, zwar nicht erfüllt, aber die dauernde Verschlechterung der jüdisehen Lage in Europa und Amerika führte zu einem unvermuteten Anwachsen der Privatinitiative, so daß die Einwanderung allmählich wieder stieg, trotzdem die Jewish Agency infolge der mangelnden Erträge des Keren Hajessod keine Erweiterung ihres Siedlungswerkes durchführen konnte. Eine neue Wendung brachte das Jahr 1933, das an Palästina plötzlich gewaltige Anforderungen stellte. Die durch den Agency-Gcdankcn schon früher mit der Palästina-Arbeit vertrauten Juden der ganzen Welt verstanden sofort die Bedeutung der Tatsache, daß in Palästina das einzige I m m i g r a t i o 11 sland größeren Stils für Juden gegeben war. Dennoch ist es auch in dieser Zeit nicht gelungen, die organisatorischen Verhältnisse der Jewish Agency in dem wichtigsten Land —■ Amerika in Ordnung zu bringen. Nunmehr steht im Anschluß an den Zionistenkongreß eine neue Tagung der Jewish Agency bevor. Wir haben bereits berichtet, daß Dr. Senator zur Vorbereitung der Tagung in Europa eingetroffen ist und die Wahl der Delegierten aus Deutschland ist wohl als der erste Erfolg zu buchen, der gewiß auch die weiteren Bemühungen Dr. Senators in den anderen europäischen Ländern unterstützen wird. Für Unkundige, die sich in dem komplizierten organisatorischen Gebäude nicht auskennen, sei bemerkt, daß der Council (Große Rat) der Agency zur Hälfte von Zionisten beschickt wird, die der Zionistenkongreß wählt, zur anderen Hälfte von anderen jüdischen Gruppen der verschiedenen Länder, für die man keinen anderen Namen fand als den der ״Nichtzionisten“, d. 11. im Sinne des Statuts: der nicht von zionistischen Gremieii (Zionistenkongrell) gewählten Delegierten. Die gestrige Berliner Tagung stand im Zeichen eines aufrichtigen Willens zur Kooperation. Es mag für manchen älteren Zionisten, der sich erinnert, wie rcsonanzlos die Propaganda für den Palästinagedanken vor 20 oder 30 Jahren innerhalb der bürgerlichen Schichten des deutschen Judentums blieb, eine Genugtuung sein, wenn jetzt Männer, die zweifellos als Wortführer des nichtzionistischen Judentums von ehedem betrachtet werden können, ein uneingeschränktes Bekenntnis zu Palästina ablegcn. Wir dürfen wohl sagen, daß dieser Wandel nicht nur auf die für uns Juden traurigen Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Jahre zurück/uführcn ist, sondern auch auf die An- Zwei Rechtsfälle In der Zeitschrift ״Deutsche Justiz״ vom 2!. Juni voröffentücht 011cn׳cgier111g׳srat Dr. D o e r n e r, Presserdcrent im Rcichsjusti/iniriisteiimu, einen Artikel ״Gegen unsachliche Angriffe auf die deutsche Rechtspflege! Eine notwendige Feststellung." Darin werden die kritischen Acul'ieniiigen zu verschiedenen Urteilen, die in der deutschen Presse in letzter Zeit erfolgt sind, dem tatsächlichen Sachverhalt in den ein- *einen Fällen gegeiiübergestellt, und es wird dadurch nachgewiesen, daß die Gerkhte unberechtigt angegriffen worden sind. Die erste dieser Gegenüberstellungen betrifft das in der ״Jüdischen Rundschau" vom M. ,Mai 1915 wiedergegebene Urteil des Amtsgerichts Königsberg, das einen Angeklagten wegen Gebrauch des Worte ״Jude“ in Beziehung auf den betreffenden Privatklägcr wegen Beleidigung bestraft hat. Gegenüber den z. I. unrichtigen Prozclidarstellungeii und den im Zusammenhang damit erhobenen Vorwürfen stellt Dr. Doerner u. a fest: ..Daי * h l ieht ha' nirl 1f »•hlielnliiii le.ige-lelli, da . Aio-pir. lu n des \5יי..0״ ,Jiiili ‘ sielle in pdrju D.gD eine ..0.11!,am liandhing dar. Zu niiu .-!)le!1en ,1( laeäiinnni tV" la^!11 1i, m he■ 1"'!!enden 1• .11 le auei! gi r kenne Vrsanla-.ung vnu. Dan (h׳nent 1131 vielmell, am (!0111,1 «Ire ״e-jmiri, Dm-Ian.le de. lön/elijileu im iiinhdek am die an-nlm A!,.!amnmnn ,!,■.. rrnalklager-. dein Privatkian, r wen,•!! ,je!- \f itiuiehomg, die der Ane;ek!an|e ihm gegenüber duieh den (ieliomeli des Wh,ries ,Jude‘ zum Au-druek gebracht, hat, den .Schutz zugetulligl, der ihm mich dem (ie -etz zukam." Weiter ist noch ein zweiter der mitgcteilten Fälle vom jüdischen Standpunkt aus von Interesse: In Nr, 17, vom April 1935 hatte der ״Stürmer“ über einen bei einem Amtsgericht gestellten Antrag eines David Isak auf Acnderung seines Namens in ״Rudolf Fritsch“ berichtet und die Veröffentlichung mit der Uebcrschrift ״Warum der Jude seinen Namen ,in• dern will, Jud David Isak verhöhnt den Antisemiten Fritsch" versehen. In den Ausführungen des ״Stürmer" war gesagt, der ״Stürmer" habe die Schändung eines Namens, der ungezahlten Tausenden heilig sei, vereitelt und gegen die Namensänderung des Taimudjtiden David Isak telegraphisch beim Amtsgericht Protest eingelegt. Demgegenüber stellt Überregierungsrat Dr. Doerner in seinen Ausführungen fest, daß der betreffende David Isak aus einem seit Menschenaltcrn in S ü d b a d e n a ״ - s ii s s i g e n bodenständigen B a u e r n g e s c h I e e 11 1 e n t s t a m m t, daß er den Antrag auf Ermächtigung /!,! Namensänderung gestellt hat, weil sein jetzt jüdisch klingender Name ihm einen Wechsel der Arbeitsstelle und später einmal auch die (iründung eines eigenen Geschäfts erschwere, und daß er den Namen ״Fritsch“ in Anlehnung an den Mädchennamen der Mutter gewählt hat. erkennung der Leistung, die aus un beirrtem zion i s t i s c 11 e n Glaub e n heraus i!1 Palästina geschaffen worden ist. Dieses Werk hat die Seele der Juden ergriffen, und demgegenüber wäre es kleinlich, die Parteiunterschiede besonders unterstreichen zu wollen. Denn das Interesse lind die Sorge für Palästina, sowie die Haltung gegenüber allen entscheidenden Problemen des!.;indes ist dieselbe bei der zionistischen und bei der nichtzionistischcn Hälfte der Agency. Es ist immerhin charakteristisch für den Wandel der Zeilen: während man früher das Wort ״Zionist“ definieren mußte, wird jetzt die Frage diskutiert, was eigentlich ein ״Nicht/ionist“ sei. Die Erklärung wird meist in der verschiedenartigen Beurteilung von Diaspora-Fragen gefunden. Freilieh, wenn manche so weit gelten, die Bejahung der Diaspora neben Palästina als das Merkmal des Nichtzionisten zu bezeichnen, so muß demgegenüber darauf liingewiescn werden, daß zumindest seif dein V. Kongreß (1901) die Bejahung der Diaspora, ja die Verpflichtung zu intensiver kultureller, ökonomischer und Er/iehungs- Arbeit an den Juden der Diaspora, ein nicht weg/udenkender B e s < a n d t e i I des /. i o n i s t i s c!1 e 11 P r ogram m s ist. Und seitdem das Schicksal jedes Juden so gestaltet ist, daß er selbst für sich und seine Kinder mit der Eventualität einer Auswanderung rechnen muß, ist der Zusammenhang /wischen Palästina-Arbeit und Diaspora-Arbeit noch enger geworden. Mit Recht hat Max Warburg in einer (in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ zitierten) Rede von standpunkt iles Niclrt/ionisten betont, daß die richtige Vor• Bereitung und geistige Einstellung der nach Palästina Einwandernden eine unserer wichtigsten Sorgen ist. Diese Vorbereitung geschieht aller in der Diaspora, und was geistige, kulturelle, moralische 1 laltung betrifft, wird weitgehend die Vorbereitung für das I eben die g leicht sein müssen, auch wenn das Schicksal efügt, daß der Betroffene in der Diaspora bleibt. Von der Bejahung des Palästinagedankens aus ergibt es sich zwangsläufig, daß die von den Zionisten erhobenen Forderungen nach einer inneren Umgestaltung des jüdischen Lebens i!n Sinne der Zeiterfordernisse als berechtigt anerkannt werden müssen. Daß Nichtzionisten, die im Verlauf ihrer Beschäftigting mit der Judenfrage fast auf allen Gebieten zur Erkenntnis der Richtigkeit der zionistischen Forderungen gekommen sind und sogar aktiv sich an der Durchfülmmg des Palästinawerkes beteiligen, trotzdem zögern, der Zionistischen Organisation bei/utreten, ist ein merkwürdiges psychologisches Faktum, das der Zionismus — nach vielen inneren Kämpfen aii/uerkennen sich entschlossen hat, woftir die gemischte Jewish Agency der äußere Ausdruck ist. Man sollte aller nicht versuchen, diese psychologischen und zum Teil auch soziologischen Ursachen, die hei Schaffung der Agencv vor allem in Amerika vor zehn Jahren ausschlaggebend waren, mit programmatischen Zutaten aiis/ustutteii, weil solche Prograinmversuche notwendigerweise zu einer Verzerrung des Zionismus führen müssen. (Um sich von ihm abgrenzen zu können, entstellt man ihn.) Vielmehr scheint die Sache so zu liegen, daß die organisatorischen Mauern schon so erstarrt sind, daß Menschen, die ihre seelische Heimat in anderen Organisationen haben, sich nicht mehr umzustellen vermögen. In diesem Sinne ist der Typus des ״Nichtzionisten“ sicherlich ein vorübergehender,Weil

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