Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 50 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50, 21. VI 935ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 Zehn Jahre Preußischer Landesverband DIE KRONE DER SCHÖPFUNG Unsere Meister lehrten: Als vor zehn Jahren, am 21. Juni 1Q25, iin Plenarsitzungs- Saal des ehemaligen Herrenhauses in Berlin der erste Verbandstag des P r e u li i s c h 1׳n L a n d e s v c r b a n des j ii - di sc 11 er ü e 111 e i n d e n zusammentrat, konnte l)r. Alfred Klee als Fraktionsführer der Jüdischen Volkspartei, in seinen programmatischen Ausführungen mit Recht den Ausdruck der Genugtuung darüber vorausscliicken, daß es gelungen war, aus der Vielheit örtlicher jüdischer Gemeinden einen Zusanimenschluß zu schaffen, der dazu berufen sein sollte, allen Interessen der jüdischen Gemeinschaft zu dienen. Dieser Grundsatz, daß es eine Zusammenfassung zur Pflege aller jüdischen Interessen sein sollte, war nicht unbestritten gewesen, und es bedeutete gegenüber den einengenden Tendenzen des Liberalismus, die das Tätigkeitsgebiet auf das rein Konfessionelle beschränken wollten, einen zionistischen Erfolg, daß in dem neuen Verband die Pflege keines jüdisehen Arbeitsgebietes ausgeschlossen sein sollte. Die Totalitat des jüdischen Lebens sollte sich in ihm widerspiegeln, und wir dürfen heute feststellen, daß der Aufgabcnkrcis des Landesverbandes dieser Forderung, die in der Stunde seiner Geburt erhoben wurde, nachgekommen ist. Der beherrschende Gedanke des Landesverbandes war und ist der des L a s t e n a u s g 1 e ic 11 s auf materiellem und auch auf geistigem Gebiet. Die leistungsfähigen Großgemeinden sollten in solidarischer Hilfeleistung die Garantie gewähren, daß die Einrichtungen und Funktionen der schwächeren Kleingemeinden erhalten blieben, sollten da, wo aus eigener Kraftanstrengung eine Gemeinde zur Fortführung eines jüdisehen Lebens nicht mehr fähig war, stutzend eingreifen, und an Orten, wo eine Gemeinde im Zuge der Entwicklung zu bestehen aufhörte, die Erinnerungen an die jüdische Vergangenheit in ihre pflegende Obhut nehmen. Darüber hinaus aber war das Prinzip gegenseitiger eistiger Unterstützung Hauptaufgabe des Verandes und wird es bleiben müssen. Es ist gelegentlich der Grundsatz aufgestellt U'ordcn, daß der Geist der Kleingemeinde in die üroßgemeinde übertragen werden müsse, ebenso wie andererseits die Großgemeiude die Verpflichtung hat, sich der kleinen annmelimen. Damit sollte gesagt sein, daß das intensive, religiös-kulturelle Leben, wie es in der vorigen Generation — denken wir nur insbesondere an die Posenschen Gemeinden — selbstverständlich war, durch engen Zusammen- Schluß und parochiale Zusammenfassung auch in der Großgemeinde erhalten oder geschaffen werden muß trotz allen Hindernissen, die das Großstadtleben, sein Hasten und die vorhandene Zcrsplitterungsgcfalir bieten. Man darf riickschauend sagen, daß der Landesverband durch eine Fülle von Maßnahmen dieser Erhaltung und Neubelebung jüdischer Werte gerecht geworden ist, und daß es keine Uebdrtrcibung darstellt, wenn auf der kürzlich abgehaltenen Tagung eines Beilegung des Falles Prinz Unmittelbar vor Rcdaktionsscliluß erhalten wir nachstehendes Communique der jüdischen Gemeinde: ״Der engere Vorstand des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland hat in einer Besprechung mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Herrn Direktor Stahl, die Gewißheit gewonnen, daß bei dem Schritt des Gemeindevorsitzenden gegen Herrn Rabbiner Dr. Prinz keinerlei jüdisch-politische Beweggründe bestimmend gewesen sind. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes legt insbesondere gegenüber dem Rabbinerverband alles Gewicht darauf, auch den Schein einer Beeinträchtigung der Kanzelfreiheit zu vermeiden. Er hat deshalb Veranlassung genommen, Herrn Dr. Prinz in dem zwischen ihm und dem Gemeindevorstand vereinbarten Umfang erneut im Predigtamt tätig sein zu lassen.“ Wir begrüßen es, daß der Vorsitzende des Gcmeindevor- Standes offenbar bestrebt ist, den Fehler, den er in dieser Sache begangen hat, wieder giit/.umacheii. Wir glauben aber nicht, daß sich d i e j ü d i s c h e O eff entliehk e i t mit dieser Austragung zufrieden geben kann. Es wird nicht einmal ein Wort des B c d auerns über das schwere Unrecht der Gemeinde geäußert. Ucber einen solchen Verstoß kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Es bleibt die Frage bestehen, wieso es überhaupt möglich war, daß auf Grund von unbestätigten Gerüchten, ohne Einholung authentischer Informationen, ja sogar ohne Befragung des Vorstandes, der Vorsitzende der Gemeinde einen so außergewöhnlichen Schritt unternehmen konnte. Dies kann nur durch eine Vorcingcnom m e n - heit erklärt werden, die offenbar in hohem Maße alle Ent- Scheidungen der Gemeinde in bezug auf diesen Rabbiner bcgleitet. Darum kann die jetzt mitgeteilte Regelung nur als der Beginn einer Wiedergutmachung anerkannt werden. Darüber hinaus ist zu fordern, daß Dr. Prinz wieder in s e i n e v o i 1 e n R e c ii t c a 1 s Rabbi nerderüetn ein de eingesetzt wird. Umbildung der Jüdischen Gemeindeverwaltung Köln Die JTA. verbreitet nachstehende, auch von einigen Leitungen übernommene Meldung: Die seit ca. zwei Monaten zwischen den Liberalen und der Fraktion der Jüdischen Volkspartei der Kölner Repräsentantenversammlung geführten Verhandlungen haben nunmehr ein positives Resultat ergeben. Die Zahl der Mitglieder des Gemeindevorstandes wird von 7 auf 10 erhöht, wobei die Hälft« der Vorstandssitze auf die Zionisten entfallen wird. Diesen werden die Dezernate Schulwesen, Jugendpflege und Bcrufsum- Schichtung zugewiesen, also die Gebiete, auf denen die ZVfD. programmatisch erhöhten Einfluß fordert. _ Die Verhandlungen wurden auf beiden Seiten in versöhnlichem Geiste geführt. Hierzu trug besonders der Umstand bei, daß von liberaler Seite durch das Vorstandsmitglicd Rechtsanwalt Dr. Rudolf C a 11 m a n n, Mitglied der Reichsvertretung der deutschen Juden, die Verbandlungen maßgebend gefördert wurden. Wie wir hierzu erfahren, ist diese Nachricht insofern Verfrüht, als die endgültigen Abmachungen noch nicht getroffen worden sind. Die Verhandlungen bewegen sich auf der hier angegebenen Linie, und es ist — angesichts des auf allen Seiten hervorgetretenen guten Willens — mit größter Wahrscheinlichkeit zu erwarten, daß die Regelung im angegebenen Sinne zustande kommt. Es wäre gewiß sehr erfreulich, wenn dadurch der Wog zu einer vorbildlichen Befriedung und einer konstruktiven Kooperation aller Gruppen nicht nur in der Kölner Gemeinde, sondern vielleicht darüber hinaus auch in anderen Gemeinden geboten würde. Provinzialverhamles der Satz ausgesprochen wurde, daß es allein dem Landesverband zu danken ist, wenn ein jüdisches Leben in Hunderten von Gemeinden bis heute erhalten geblieben ist. Die Einrichtung der B e z i r k s r a b b i n a t e und B e z i r k s I e hrerstclle n, die K u 11 u r f a h r ten mit ihren GemeiiHk'abcndcn, die Versendung der W a n d e r b i b I i o ־ t h e k c n, die Maßnahmen der dezentralisierten Provinz! al - vc r bä ntl c, die Erhaltung kulturhistorisch interessanten Materials durch die Kunst- und L) e n k m a I p f I e g e, die rcgelmäßigen Aktionen, die nicht nur vor unseren Festen ihrer Vertiefung und damit der Bereicherung der jüdischen Menschen dienten, sondern, wie sie sich etwa der allgemeinen Abhaltung der Maitnonidcs-leiern, der Jubiläumsfeiern für die Hebräische Universität usw. angenommen haben, -- das alles sind Maßnahmen, dazu bestimmt und geeignet, den Landesverband seinen Aufgaben gerecht werden zu lassen. Die Zusammenfassung der Gemeinden zu größeren Linheiten lag sfets im Zuge unserer zionistischen Bestrebungen, wie sie in neuerer Zeit vor allen Dingen auf der großen Tagung des Deutsch-Israelitischen (iemcimlcbtiiidcs vom Jahre 1Ü21 programmatisch zum Ausdruck gelangten. Deshalb konnte auch ״preiilSisehes Judentum" auf die Dauer kein Begriff sein, der die Arbeitsmöglichkeiten hinreichend erschöpfte. Wir hegrüßen es, wenn in den letzten Monaten die kleinen Landesverbände Norddeutschlands sich dem Preußenverband anschlossen, und hoffen, daß auch die noch fehlenden den An- Schluß vollziehen werden. Wir stellen in den jüdischen Gemeinden Deutschlands heute in einer Auseinandersetzung um die Führung; nicht in _ dem Sinne, wie es manchmal von unrichtig informierter Seite interpretiert wird, als wünschten wir die Ausschal• tung aller riiehtz.ionistisehen Gedankengänge und die alleinige Uebernalnne der Geschäfte durch unsere Freunde. Wohl aber in dem Sinne, daß eine Bewegung, deren Thesen und Erkenntnisse von der Wirklichkeit so weitgehende Bestätigung gefunden haben, mitbestimmend und zu gleicher Verantwortung berufen, zu der bisherigen Mehrheit in Koordination gebracht wird. Wir wünschen diese Einflußnahme auch in den Organisationen des Judentums Deutschlands zu verstärken, und wünschen insbesondere dadurch den lebendigen Kontakt der jüdischen G e m e inden z 11 P a - lästina herzustellen, und damit die stärkste Garantie für ein reiches und starkes jüdisches Gemeindeleben zu schaffen. Unsere Synagogen sind einer uralten Tradition nach mit der Blickrichtung nach Osten, nach Jerusalem, gebaut. Wir wollen, daß auch die Genieindestubcn dem Geiste nach in dieser Richtung arbeiten. Dieser Wunsch für die ״Gemeinde der Gemeinden“, den Preußischen Landesverband, ist gleichzeitig unser bester Glückwunsch zu seinem Jubiläum. H ״ Notizen der Woche Weg einer Unsere mit den Problemen der jüdischen Jugendgruppe Jugendarbeit vertrauten Leser wird die in der letzten Ausgabe der ״Jüdischen Rundschau“ publizierte Nachricht über die Tagung der Vcrbandslcitung des Verbandes der jüdisehen Jugend vereine Deutsch! a 11 d s interessiert haben. Durch die Beschlüsse dieser Tagung sind die Jimgcrengruppen, die diesem Verbände angeschlossen sind, zu einem auf Palästina gerichteten Chal uzbunde geworden, fm Gegensatz zu früheren Entscheidungen, bei denen der Jugendverband seine Jüngerengruppen, die den Weg zum Zionismus und zur Chahizbeweguug wählten, verlor, ist es ihm diesmal gelungen, diese positive Entscheidung eines besonders aktiven Teiles des Verbandes in seinem eigener! Rahmen zu ermöglichen. Der Verband selbst bat für sieb zwar keine formale zionistische Entscheidung getroffen, jedoch ist Palästina so stark in den Mittelpunkt seiner Arbeit gerückt, daß es nicht mehr wie früher eine Angelegenheit der Sympathie, sondern zentraler Gegenstand der pädngogischen Arbeit ist. Diese Entwicklung dürfte nicht zuletzt dadurch entscheidend gefördert worden sein, daß aus den Reihen des Verbandes eine zunehmende Zahl von Menschen Die am 18. Juni in Berlin abgehaltene Jahresversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden stand im Zeichen der erhöhten Anforderungen, die in den letzten Jahren an diese Organisation gestellt sind. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Referat des Generalsekretärs Dr. Mark Wischn i 1 z e r, in dem er die augenblickliche Situation der Auswanderungsbewegung darlegte und an Hand historischer Analogien die Bedeutung des neuen Stadiums aufzeigte, in das sie jetzt eintritt. Vorher hatte der Leiter der Versammlung, Max Warbürg, als stellvertretender Vorsitzender dem verstorbenen Vorsitzenden Lugen Landau und den übrigen im letzten Jahr dahingegangenen Mitgliedern und Förderern des Ililfs- Vereins einen Nachruf gewidmet. Er schilderte sodann die Aufgaben des Hilfsvereins in dieser Zeit; und wies auf die Verantwortung hin, die Zionisten und Nichtzionieten in einem entscheidenden Augenblick jüdischen Schicksals auferlegt ist und führte 11. a. aus: ״Der Hilfsverein arbeitet in Deutschland in Harmonie mit dem P;11 ä s t i n a - A m t, indem das Palästina-Amt alle diejenigen betreut, die nach Palästina auswandern wollen, während der Hilfsverein sieh mit denjenigen jüdischen Aus- Wanderern befaßt, die sich eine neue Zukunft in der übrigen Welt suchen wollen. Ich lege großen Wert darauf, bei dieser Gelegenheit allen denen, die in Palästina selbst ihr Bestes hergeben, um den Juden aus Deutschland, die nach dorthin auswandern, zu helfen, herzlichen Dank auszusprechen. Die Zusammenarbeit von Zionisten und Nichtzionisten an der Aufgabe, den Juden Deutschi,auils, die auswandern, zu helfen, darf ich wohl als eine vorbildliche bezeichnen. Die Zusammenarbeit von Hiifsverein und Palästina-Amt zeigt deutlich, wie in diesem Falle innerhalb Deutschlands «1er A g c n c y - G c d a n k e durch eine harmonische Arbeitsgemeinschaft in die Praxis umgesetzt werden kann. An die Zwecke dieser konstruktiven Zusammenarbeit müssen wir immer denken, um uns nicht in Gegensätzlichkeiten zu verlieren über die verschiedenen Anschauungen, über die Frage: Zionist oder Nichtzionist. Ich muß offen aussprechen, und ich glaube, daß ich damit im Sinne vieler rede, in welchem Lager sie auch sein mögen. Was ich unter dem vielen Schweren, das in den letzten Jahren über uns hereingebrochen ist. mit als Schwerstes empfinde, ist, daß selbst Der Mensch wurde erst am Tag vor Sabbat erschaffen, — und aus welchem Grunde? Damit man, wenn sein Sinn stolz werden sollfe, zu Ihm sprechen könne: Sogar die Mücke war in der Schöpfung vor dir da! b. Sanhcdrin 38 a (lieber*, v. N, N. Glatzer) nach Palästina gegangen ist oder sich in der Bcrufsvorbercitung für Palästina befindet. Die neuen Aufgaben, die der Jugcndvcrbaml durch diese Entscheidung auf sich genommen hat, werden ihm gewiß starke Impulse zuführeii. Er wird durch einen engeren Kontakt mit den Gruppen der zionistischeu Jugend auf seinem Wege der Hinwendung zum nationalen Judentum weiter fortschrciten können. Jugend geht Es ist an dieser Stelle in der letzten Zeit nach Palästina mehrfach auf die große Bedeutung bingewiesen worden, die die J u g e!1 d ־ A 1 i - j a 11 nach Palästina sowohl für die luden in Deutschiand wie auch für den Fortschritt des Aufbauwerkes besitzt. In die Aufgabengebiete und Problematik dieses Arbeitsgebictes wurde in einer Konferenz eingeführt, die die Trägerin der Arbeit, die A r b e i t s g e m e i 11 s e h a f t f ii r Kinderlind J 11 g e!1 (1 - A I i j a h für die Vertreter 11 er jüdischen Presse veranstaltete. Diese Arheitsgemein-.clinit umfaßt als die organisatorische und die finanzielle Seite der Arbeit regelnde Dachorganisation die J i! d i s c 11 e I 11 g 111 ־ d - H i 1 f e, die für die eigentliche Jugcnd-Alljah und ihre I liirdifiihrung verantwort’!ich ist, die J 11 d 1 s c h e W a i s e n h i 1 f e (Kinderdort Ben-Schemen), das Kinderheim A 11 a w a 11 bei Haifa und die Organisation der r e 1 i g i <> s c n J 11 g c 11 11 - A 1 i j a 11, Hierüber wie auch über die Aufbringung der Mittel für die Durcliftilmmg dieser Arbeit berichtete aii-fulii lieh Fraulein Stern. Auf Grund einer Informationsreise nach Palästina und der dort gewonnenen Eindrücke schilderte sodann Mardtik Schattner in sehr instruktiver W'ci-c die Aufgaben, die die Arbeitsgemeinschaft zu losen hat. Mau erfuhr, daß bisher •lö (Orte in Palästina zur Unterbringung Jugendlicher allsgewählt worden sind, und daß 1500 Platze zur Verfügung stehen, die bis auf 21׳(K| Plätze nusgeweitet werden sollen. Die Arbeitsgemeinschaft beabsichtigt, in den nächsten drei Jahren etwa 2ä00 bis dl MIO | 11 g e n d 1 i c 11 e 11,'ich Palästina zu überfuhren. .Auch für die besonderen Bedürfnisse vier religiösen jiigend-Alijah sind mehrere Projekte in Vorbereitung. Besonders wuchtig ist die״ Tatsache zu werten, daß der Zentralausscb.11 ß für Hilfe und Aufbau in der Nähe von Haifa ein nach Ludwig Ti et/, einem der Gründer der Arbeits- Gemeinschaft, benanntes Zentrum für handwerkliche Ausbiklung schaffen wird. Großes Augenmerk wird den päda g o g i s c h e n Frag e!1 dieser Arbeit gewidmet.!11 der Nähe von Berlin soll im Herbst eine Fülircrsehule für die Erzieher vier nach Palästina gehenden Jugendgruppen eingerichtet werden. Schon im nächsten Jahre weiden die ersten Gruppen in Palästina die Ausbildungszeit beendet haben, und es besteht gute Aussicht, sie' im Wirtschaftsleben des Landes, und zwar auf •dem flachen Lande, imterzubringeii. Auch nach Ab- Schluß vier Ausbildung soll einige Zeit hindurch eine gewisse Betreuung־ der jugendlichen stattfinden. Wie auch in diesem Zusammenhänge betont wurde, ist es das besondere Verdienst von Miss Szold und ihrer Mitarbeiter, daß eine wirklich persönliche Betreuung der Jugendlichen in Palästina erfolgt. Die Arbeitsgemeinschaft hofft jetzt auf eine stärk e r e Mithilfe der Juden Deutschlands und insbesondere auch der j ii d i s c h cn G e m e i 11 d e n an der Finanzierung ihrer Arbeit. Wir glauben, daß dieser Ruf nicht lmgehört verhallen wird, handelt es sich doch hierbei 11m ein Werk von ganz besonderen Ausmaßen, um ehe größte organisierte Jugemlauswanderung aller Zeiten, wie eine füllrendc amerikanische Zeitung schrieb, 11ml 11111 eine der produktivsten Maßnahmen, die überhaupt im Interesse unserer Jugend getan werden können. oe. eine solche Zeit schwerster Erprobung die Juden Deutschlamls nicht mit Selbstverständlichkeit zu einer Aufgabe zusammenschlielit, zu einem Gedanken: ״Wie können wir unseren Schicksalsgenossen am he-ten in dieser Lage helfen?“ Wir wollen;:Ile hoffen, daß die schwere Aufgabe erfüllt wird, die allen Juden, Zionisten und Nicht/ionisten, in Palästina erwächst: die verschiedenartigen Elemente, die sich jetzt in Palästina züsammeiiiimlen, ciniuitlieh zu einer hohen Lebensaufgabe, erfüllt vom jüdischen Ethos, zu führen, im Wirtschaftsleben keine Uebertreilnmgen zii/ulasson und vor allem dafür zu sorgen, daß die Einwanderer sich mehr der landwirtschaftlich c 11 Arbeit und weniger der Tätigkeit in den Städten zmvenden. Dieses ist positive, konstruktive Arbeit. Zionisten und Nichtzionisten müssen gemeinsam helfen, den Auswanderer seelisch entsprechend vor/uberciten und technisch genügend ausziibilden. Wenn jetzt nicht der Grundstein für einen Bau, der Jahrhunderte überdauern soll, richtig gelegt wird, ist die Gefahr eines Mißerfolges groß. Ls muß unser Ehrgeiz sein, daß die aus Deutschland nach Palästina Wandernden die richtige geistige F i n s t c I I u n g mitbringen, wir müssen den Mut haben, von solchen Elementen abzurücken, die nach Palästina kommen, nur um ihren eigenen Vorteil rücksichtslos zu suchen, und die in dem Boden, der uns allen heilig ist, nur ein Spekulationsgeschäft sehen.“ Der Redner wandte sich sodann der Besprechung der Schwierigkeiten in der Auswanderer-Hillsarbeit zu und schilderte deren Aufgaben. I)er g e s c 11 ä f 1 s f ii!1 r e n <1 e A 11 s s c 1111 ß des I lilfs- Vereins wurde von der Versammlung in folgender Zusammen- Setzung bestätigt: Berlin: Georg Arons, Rabbiner Dr. Leo Batck, Emil Bärwald, Direktor Siegfried Biber, Dr. Georg Cohn, Willy Dreyfus, I)r. Moritz Garbaty, Frau Lola Hahn- Warhurg, Berthofd Israel, Direktor AAoritz Joachimsohn, R.-A. Dr. Alfred Klee, Alois A. S. Marcus, Professor Dr. Eugen Mittwoch, R.-A. Dr. Siegfried Moses, Moritz Rosenthal, Direktor Heinrich Stahl, R.-A. Dr. Benno Walter, 1 >r. Siegnumd W assermann, Frau Alice Weil: Bremen: R.-A. Dr. J. Roscnak; Detmold: S. Simon; Dresden: Konsul Dr. I lein rieh Arnhold, Rabbiner Prof. Dr. Winter; Frankfurt a. M.: Julius Bloch, Dr. Felix Kauffmann, Emil Oettingcr; Hamburg: David Frischmann, Jakob Hekscher, Max M. Warhurg; Karlsruhe: Friedrich A. Straus; Mannheim: Gustav Wür/weilcr; München: Generalkonsul Siegfried Aufhäuser, Rabbiner Dr. Leo Bacrwald. Zionisten und Nichtzionisten Max Warburg auf der Generalversammlung des Hilfsvereins