Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 50 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 50, 21. VI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAO ל:11 der Wir sind nicht so reich, um uns dies leisten zu können. Seihst wenn die Berliner Gemeinde einen Ueberfluß an geistigen und geistlichen Führerpersönlichkeiten hätte, die in dieser Not den Menschen beistehen können, auch dann dürfte sie auf eine solche Kraft, als die sich Prinz erwiesen hat, nicht verzichten. Dies muß mehr sein als eine Parteifrage und eine persönliche Frage. Unabhängig von allen Auseinandersetzungen über die unzeitgemäße Ztisannnensetzung des Berliner Gemeinde- Vorstandes, in dieser Sache müßte jeder Gemeindeverstand in gleicher Weise handeln. Wir hoffen, daß die jetzt schwebende Untersuchung die H i n f ä 11 i g keil der gegen Dr. Prinz wegen seiner letzten (in der ״jüdischen Rundschau“ veröffentlichten) Predigt getroffenen Maßnahmen erweisen wird. Die Frage der persönlichen Genugtuung, die Dr. Prinz dann gegeben wird — diese Frage mag persönlich wichtig sein, vom ganzen gesehen, ist sie zweiten Ranges; wichtig ist, daß dem Berliner Judentum das Wirken dieses Rabbiners erhalten wird. Wir sprechen hier nicht für eine Partei, nicht aus besonderer Freundschaft für l)r. Prinz, sondern im Namen von tausenden Berliner Juden, im Namen einer an Prinz treu!längenden Gemeinde, wie gerade er sie im Friedensternpel zu schaffen vermochte und im Namen einer gerechten Sache. Das Rabbineramt ist im Begrille, wieder zu echter Volkstümlichkeit zu gelangen; soll das verhindert, >01k:n die Berliner Juden wieder zu 1 nten.ssel!•-״iykeit gezwungen werden, weil ein Vorstand ״wie im tiefsten Frieden“ sich amnnßt, das Leben von 01x11 herab zu sc! 1 al>Ionisicren? Niemand, der jüdisehe Sorge!! mitfiihlt, kann da gleichgültig bleiben. Die l: 11 v e r 1) i n d 1 i e h k e i t ist auch heute noch die bcliebte.'te Grundhaltung dies Juden zu jüdischen Dingen. Darum wird auch nicht immer begriffen, daß das Intcrcoe der deiit-dien Juden an Palästina eine Veraut wortun;; für die--es Wok mit sich bringt. Die Tun:; Palästinas durch Juden ist die Auswirkung ׳ioiiNti -'eben Bewegung, die vor 50 Jahren zuerst die rusMwhen Juden und daun die übrigen Teile der Jiulenscliait ergriffen hat. Gegenüber allen anderen jüdisollen Riclitm; wn, di!, die sich immer deutlicher zeigende Jiulentrage durch ״Bekämpfung des Antisemitismus“ lösen zu können glaubten, waren die Zionisten überzeugt, daß, wie immer man die anderen Aspekte des jüdischen Lebens im Galuth betrachten mochte, nur durch ein eigenes positives jüdisches Werk eine ״kopernikanische Wendung“ herbeigeführt werden kann. So klein anfangs auch das Palästinawerk sein mochte, es bedeutete etwas g r u n d s ä t z I i c h Neues. Das ist das Wichtige. Und daher verlangt diese Sache ein Bekenntnis der Juden- Die radikale Wendung kann nur dann herbeigeführt werden, wenn sich die J11 den 11 i n t e r d i e S a c!1 c stell c n. Viele Jahre hindurch war nur eine Minderheit der Juden Zionisten, 'besonders in den Ländern des Westens, denn es dauerte lange, bevor die westlichen Juden begriffen haben, worum es eigentlich geht. Heute sind wir so weit, und es ist vielfach mir Trägheit, die es verhindert, daß die große Mehrheit der Juden eindeutig und klar das zionistische Programm bejaht. Die meisten machten sich irgendeinen Teil daraus aussuchen, die ״Rosinen“ nehmen, \v! >n15׳.< lieh dann noch, da man ja mit de» Schlacken nicht belastet ist, sich als die ״Bessereu”' aufspielcii. So leicht aber geht es nicht. Man muß die Yerantw• ■!׳Hing auch fiir das Unangenehme niittrageii, Der Zionismus repräsentiert den organis i e r t e n Will c n d e s j ü d i s c h e n V <> I k c s in bezug au i Palästina, loh r Jude, der von sich sagt, daß er ״mit fUlaMina nipathi.-iert“, muß sich die Frage vorlegen, ol> solche \ .1:׳eil 'winpathicn heute noch genügen oder ob er nicht verpflichtet ist, die Verantwortung voll zu überne Innen um! dadmeli in seiner Weise an der Gestaltaug der Dinge mit/iiwirken. Demi wer das Palästina- Werk lugrüßt, kann nicht w liiuehen, daß es chaotisch vor sieh gelu:, sondern muß die Kräfte unterstützen, die einen gestaltenden W i 1 1 e n in das neue Wcrdwi billigen. Dieser (lestaltungswille aber ist der Z.i-misimi'. Die Zugehörigkeit wird dadurch bekundet, daß mau den ״ät 11 ekel“ erwirbt, eine Form des Mitglied -beitrags zur Zionistischen Organisation, der finanziell schon zu ller/ls Zeiten so niedrig festgesetzt wurde, daß seine Bezahlung auch den ärmeren Schichteil möglich ist. Der Schekel ist, wie in biblischen Zeiten, eine Form der Volkszählung. In der ganzen Welt werden jetzt die Juden zur Zahlung des Schekels aufgefordert. Man müßte annehmen, daß gerade in Deutsch- Und, wo wir einen eindrucksvollen Unterricht in der Judenfrage erhielten, ein besonders hoher Prozentsatz der Juden den Schekel entrichten wird. Dadurch wäre den deutschen Juden eine starke Einflußm ö g 1 i c 11 k e i t a u f d i e E 111 w i c k 11111 g d e r Dinge in Palästina eingeräumt. Und das politische, Ökonomische und kulturelle Schicksal der palästinensischen Siedlung ist für die deutschen Juden eine Angelegenheit allerersten Ranges, denn man muß damit rechnen, Progressiver Allgemeiner Zionismus Keine Einigung auf der Krakauer Konferenz Interview mit Dr. Siegfried Moses Angesichts des bevorstehenden Zionistenkongresses stehen die Fragen der Palästinapolitik und praktischen Palästinaarbeit im Vordergrund der Diskussion in den zionistischen Reihen. Der ״Weltverband der Allgemeinen Zionisten“ hat eine Sitzung nach Krakau einberufen, die der organisatorischen Konsolidierung dieser Gruppe dienen sollte. Auch Zionisten aus Deutschland waren bei dieser Sitzung vertreten. Die erstrebte Einigung aller allgemein-zionistischen Gruppen ist bei dieser Konferenz nicht zustande gekommen. Damit hat dieser Weltverband praktisch sein Ende gefunden. Der ״progressive“ Allgemeinzionismus, der bisher unter großen intellektuellen Opfern sich dem Weltverband einzugliedern strebte, hat jetzt freie Hand für eine wirkliche Entfaltung seiner Kräfte. Wir haben Herrn Dr. Moses, den Vorsitzenden der ZVfD,, der selbst in Krakau anwesend war, gebeten, uns über die Konferenz und die wesentlichen Streitfragen zu berichten. Nachstehend geben wir die Antworten wieder, die Dr. Moses auf unsere Fragen erteilt hat. Red. clriß viele deutsche Juden, vor allem Jugendliche, dort ihre Zukunft finden. Es ist unmoralisch, die Ver- ,־inhvortung niiden'ii zu überlassen und selbst die Früchte genießen zu wollen. Mag auch der einzelne Schekelzahler nicht viel direkten Einfluß haben, das Bekenntnis zu diesem Wollen gibt ihm eine moralische Reehtfertigung. Fs wäre unbegreiflich für die Juden der ganzen Welt, wenn die Schckel-Kampagnc in Deutschland nicht eilt entsprechendes Ergebnis brächte und dadurch bcwiese, welche große Resonanz der Palästinagedanke in Deutschland findet. Einleitend über den Zweck der Tagung befragt, gab Dr. Moses nachstehende Darstellung: Der ״Allgemeine Zionismus“ hat in der Nachkriegsentwicklung innerhalb der Zionistischen Organisation sehr erheblich an Stärke und Einfluß verloren. Während auf dem Karlsbader Kongreß 1921 die Allgemeinen Zionisten etwa drei Viertel des Kongresses ausmachten, betrug ihre Delegierten/ahl aut dem Prager Kongreß von 1933 nur noch einige 20 ״«; die weitaus überwiegende Majorität des Kongresses setzte sich aus Delegierten von Sonderverbänden innerhalb des Zionismus (Arbeiterschaft, Misrachi, Revisionisten usw.) zusammen. Darüber hinaus verlor der Allgemeine Zionismus seinen entscheidenden Einfluß auch noch dadurch, daß in seinen eigenen Reihen eine scharfe Differenzierung entstand, die auf den letzten Kongressen dazu führte, daß sich zwei Gruppen Allgemeiner Zionisten (A und B) gegenüberstanden, die bei der Entscheidung lebenswichtiger!Tagen der Bewegung häufig gegeneinander stimmten und so den Einfluß des Allgemeinen Zionismus oft fast gänzlich aufhoben. Um den Allgemeinen Zionismus zu konsolidieren und ihm den ihm gebührenden Platz in der zionistischen Bewegung zurückzuerobern, fand im August 1934 in Krakau eine Konferenz des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten statt, der bis dahin eine lockere Gemeinschaft von Gruppen Allgemeiner Zionisten in den verschiedenen Ländern gewesen war. Der Weltverband hielt es für geboten, sieh nun auch seinerseits ein festes Programm zu geben und innerhalb der eigenen Reihen eine Parteidis/iplin einzuführen. Die Gruppe der Allgemeinen Zionisten aus Deutschland nahm damals an diesen Bestrebungen teil und schloß sich dein Weltverband an in der Hoffnung, daß es der Leitung des Weltverbandcs in der Zeit bis zum Kongreß gelingen werde, die vorläufig noch abseits stellenden Landesverbände, insbesondere England, Frankreich, Amerika, Kanada, Süd-Afrika und Kongreß-Polen, zum Eintritt in den Weltverband zu bewegen. Durch Anschluß dieser Gruppen aus dem bisher torsohaften Weltverband einen Verband zu machen, der den Namen eines Weltverbandes tatsächlich verdiente, war das Ziel der zweiten Krakauer Konferenz, die vor wenigen Tagen .stattfand. Sie war wesentlich stärker besucht als die früheren Tagungen. Von den außerhalb des Weltverbandes stehenden Gruppen waren das Central Committee des kongreßpolnischen Landesverbandes, die English Zionist Federation, die Gruppe der Allgemeinen Zionisten in Frankreich und die von Kurt Blumenfeld geführte palästinensische Gruppe Kidmah vertreten. Diese Gruppen waren auf Grund monatelanger Verhandlungen, die seitens der Leitung des Weltverbandes' mit ihnen geführt waren, in Krakau erschienen, um sich dem Weltverband einzureifien und seine Kraft zu verstärken. Leber das E r geh n i s und den Verlauf der Konferens befragt, führte Dr. Moses aus: Die Schaffung eines einheitlichen Weltverbandes aller Allgemeinen Zionisten ist nicht gelungen. Das Ergebnis von Krakau ist vielmehr, daß die progressiven Gruppen aus dem Weltverband austraten und sich mit den außerhalb des Weltverbandes stehenden Gruppen zu einer neuen Welt- Vereinigung Allgemeiner Zionisten zusammenschlossen. Dem bisherigen Weltverband gehören jetzt — außer einigen kleinen Gruppen — nur noch die Gruppe der Allgemeinen Zionisten aus Ost- und Westgalizäen, die Etil- I.iwuoth-Gruppe aus Polen und die Supraski-Gruppc aus Palästina an, die ein kleinbürgerliches, in vielen Fragen reaktionärcs Programm vertreten und aus dem Weltverband ein Sprungbrett für die Durchsetzung ihrer Ziele innerhalb der Gesamtorganisatiori machen wollten. Diese Gruppen fiirchtoten nicht mit Unrecht, durch den Eintritt der großen bisher abseits stehenden Gruppen, die im wesentlichen das Programm eines progressiven Zionismus vertraten, ihren dominierenden Einfluß im Weltverband zu verlieren, und sie sahen daher in der Eintrittsbereitsehaft neuer Gruppen in erster Reihe die Gefahr, daß sich nunmehr die Majoritäts- Verhältnisse innerhalb des Weltverbandcs automatisch ändern würden. Sie machten den unzulässigen Versuch, von den noch außen stehenden Gruppen, die man zwecks Eintritts in den Weltverband nach Krakau eingeladen hatte, außer der Anerkennung des im August 1034 beschlossenen ״Krakauer Programms“, zu der diese Gruppen bereit waren, noch Zu- Sicherungen in einer Reihe von wichtigen Fragen zu fordern, die auf diese Weise durch eine dem Eintritt der Gruppen in den Weltverbami vorangehende Vereinbarung der Beschlußfassung des Weltverbandcs entzogen werden sollten. Anders ausgedrückt, sie versuchten, sich den Einfluß, den sic durch eine zufällige numerische Uebcrlegenheit im bisherigen sog. Weltverband hatten, auch auf die Dauer und jedenfalls zunächst einmal bis zum Kongreß zu sichern, vor allem um aut diese Weise in der wichtigsten sachlichen Streitfrage, der Frage der Gründung einer ״Allgemein-zionistischen Gewerkschaff“ in Palästina, ein fait accompli schaffen zu können. In dieser Frage war cs schon auf der Konferenz im August 1031 zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Richtungen im Weitverhand gekommen. Man hatte sich schließlich -dahin geeinigt, daß in der Frage der Stellungnähme des Allgemeinen Zionismus zur Histadruth Haowdim vor dem XIX. Kongreß keine Entscheidung getroffen werden und daß es beim Status quo verbleiben sollte. Im Wider- Spruch zu diesem eindeutigen Beschluß wurde bald nach der Konferenz im Herbst 1034 eine Gewerkschaft allgemeinzionistischer Arbeiter in Palästina gegründet, die in eklatanter Verletzung der Beschlüsse des Weltverbandes von der Supraski-Gruppe der Allgemeinen Zionisten in Palästina und vom Ostgalizischen Landesverband anerkannt und bestätigt wurde. Hiergegen wandten sich die progressiven Verbände und Gruppen mit aller Entschiedenheit. Sie verlangten aut der neuen Konferenz eine Feststellung, daß diese Gründung der Allgemeinen Zionistischen Gewerkschaft וזו Palästina im Widerspruch zu den Beschlüssen des Weitverband es erfolgt ist. Ihrer grundsätzlichen Haltung nach lehnen diese Gruppen die Gründung einer besonderen Gewerkschaft ab; ihrer Auffassung nach sollte der Platz der allgemeinzionistischen Arbeiter innerhalb der Histadruth Haowdim sein. Diese zu neutralisieren, den allgemein-zionistisehen Arbeitern weitgehende Rechte, Autonomie und Vertretung in allen entscheidenden Instanzen zu sichern, ist die Tendenz der progressiven Gruppen. Sie sind dagegen und kämpften auch in Krakau dagegen, daß in einer Zeit der Zersplitterung der zionistischen Kräfte neue s e p a r a - tistische gewerkschaftliche Organisationen ins Leben geruten werden, die durch ihre Vielzahl die sozialen Verhältnisse im Jischuw, deren Ordnung dringend erforderlich ist, immer chaotischer zu gestalten drohen. Die klefnbtirgerliehen Gruppen, die die eigene Gewerkschaft allgemein-zionistischer Arbeiter in Palästina als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansehen, weigerten sich in Krakau entschieden, auch nur das unumstößliche Faktum an/.uerkennen, daß die Gründüng der Gewerkschaft vor dem Kongreß eine Verletzung der früheren Krakauer Beschlüsse gewesen ist. Sie forderten vielmehr die offizielle Anerkennung dieser illegal entstandenen Gewerkschaft durch den Weltvcrband und waren zu einer Verschiebung der Beschlußfassung in der Frage der offiziellen Anerkennung bis zum Kongreß nur unter der Bedingung bereit, daß jede Feststellung seitens des Weltverbandes, die die Vergrößerung und Entwicklung, der Gewerkschaft in den Monaten bis zum Kongreß irgendwie gefährden könnte, unterblieb. Um den Bestand der separatistisclien Gewerkschaft allgemein-zionistischer Arbeiter in Palästina entgegen den Wünschen der progressiven Gruppen sicherzustellen, ließen die reaktionären Gruppen des Weltverbandes daher unter Ausnutzung ihrer Zulallsmaiorität im Weltverband an dieser Frage den Anschluß der . neuen Gruppen (Kongreßpolcn, England, Frankreich und Kidmah) scii eitern. Den progressiven Gruppen im Weltverband blieb angesichts der intransigenten Haltung der Majorität nichts übrig, als ihren Austritt aus dem ״Weltverband“ zu erklären und sich mit den außerhalb des Weltverbandes befindlichen Gruppen zu einer neuen Vereinigung zusammenzuschließen. Schließlich stellte der Vertreter der ״J. R." die Frage: Ist diese Spaltung nicht eine neue Schwächung der All• gemeinen Zionisten, eine neue Zersplitterung innerhalb der Zionistischen Organisation? — Die Antwort lautete: Nein! Die progressiven Gruppen haben sich zu einer ״Welt- Vereinigung Allgemeiner Zionisten“ z.usamme11geschlossert. Die Zusammenfassung von Kräften liegt gewiß im Interesse der Zionistischen Organisation. Aber nur solche Kräfte können zusammen wirken, die in den entscheidenden Fragen durch gemeinsame z i o n i s t i s c!1 e Anschauungen verblinden sind. Zwischen den progressiven und den reaktionären Gruppen fehlt diese gemeinsame innerzionistische lieberzeugung, wie sich jetzt in Krakau endgültig herausgestellt hat. Die Geschichte des Weltverbandcs ist charakterisiert durch einen heftigen Kampf der beiden Gruppen untereinander. Der Allgemeine Zionismus ist hierdurch bisher verhindert worden, eine neue das zionistische Leben gestaltende und umformende Kraft zu werden. Jetzt ist der Weg frei. Jetzt besteht eine in ihren zionistischen Anschauungen geschlossene Gruppe, die eine klare und einheitliehe Vorstellung von dem neuen Weg der zionistischen Verwirklichung hat. Aus dieser Gruppe kann und wird eine große nationale Kraft, eine lebende Bewegung im palästinensischen Jischuw entstehen. Diese Gruppe hat bereits heute eine starke eigene Jugendbewegung: große Teile des Hanoar ha־zioni, der Makkabi Hazair, der Hechahtz ha kial zione gehören ihr schon jetzt an. Zu Ihr.jehört auch eine Reihe von allgemein-zionistischen Kibbuzim und Kvvuzoth im Lande. Dieser Allgemeine Zionismus ist keine kleinbürgerlichmittelständische Bewegung mehr, sondern sie umfaßt alle Schichten des neu werdenden jüdischen Volk es. Wie stark ist die neue VereinigungP Sie ist ungleich stärker als der alte ״Weltverband“, auch in zahlenmäßiger Hinsicht. Zu ihr gehören schon heute die beiden progressiven Gruppen ״Kidmah“ und ״Mitkadmim“ in Palästina, die kongreßpolnischen Allgemeinen Zionisten, die Allgemeinen Zionisten in Deutschland, der Tscheehoslowakei, Englands, Jugoslawiens, Lettlands, Frankreichs, Teile Oesterreichs, Litauens und Rumäniens. Hiiizutrcten werden wahrscheinlich die Allgemeinen Zionisten Amerikas, Kanadas. Südafrikas und der Schweiz. .Die. neue Gruppe, deren Geschäftsführung die English Zionist Federation übernommen hat, wird schon zum bevorstehenden XIX. Zionisten- Kongreß aktiv hervortreten und eine eigene Weltwahlliste aufstellen. Eine besonders erfreuliche Nebenwirkung dieser Fnt- Wicklung liegt darin, daß jetzt der seit langem erstrebte Zusammenschluß der drei palästinensischen Gruppen ״Kidma“ (Blumenfeld und Krojanker), ״Mitkadmim“ (Haarez- Gruppe, Dr. Glücksolln, Mcdzini) und ״Ikarim leumiim“ (Nationaler Bauernverband, Suchowizki) erreicht ist. Der Verlag Buchholz und Weißwange hat soeben eine Broschüre herausgegeben, in der eine große Zahl von Pressestimmen über Werner Sorabarts Buch ״Deutscher Sozialismus“ zusammengestellt ist. Im letzten T eil dieser Broschüre nimmt Sombart selbst zu seinen Kritikern Stellung. Er geht in diesem Zusammenhang u. a. auch auf die Kritiken zu seiner Behandlung der Judenfrage ein und beschäftigt sich mit der Stellungnahme der jüdischen Presse. Die von uns seinerzeit publizierte Stellungnahme zu Sombarts Buch wird in ihren Konklusionen als Gcsamtfialtung des zionistischen Judentums dem Buch gegenüber von Sombart zitiert. Ilanptschriftleiter: Dr. Robert Welt sch, Berlin-Charlotten bürg 9. Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W16. Anzeigenleiterin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Rut Poscner, Berlin W 30. Gültig: Anzeigcn-Preisliste 2 vom X. Januar 1935. Verlag und Anzeigen Verwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinelccstr. 10. D.-A. Mai 33 888. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. Hl i i 1 I