Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 50 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 21. VI. 1935 Kamp! gegen das Judentum Der ״Westdeutsche Beobachter“, Köln, vom 16. Juni veröffentlicht einen Artikel ״Unser Kampf gegen das Judentum“ von Wilhelm Kubc, Gauleiter der Kurmark. Im An- Schluß an eine Würdigung der Arbeit Julius Streichers im Kampf gegen das Judentum wird in diesem Artikel u. a. folgendes gesagt: ״n.uu klimm!, daß das!!■•ispii■!. das das driil-slH־ Volk durch sein lU'kenn! nis m Adolf 1 filier gcgelx'11 lial, auf die gesunden Teile a n d e r e r N a! io n e n a 11 1 י e c k e n d g r w i r k ( 11 a!. Uebeiall in tlei Weh, legt .,ich der AutUemitisimjs! lind auch liier Kt Julius Slreieher einer der liilirenden M;inner, der unbeirrt seinen WYg gebt. ... Der Auti'ttmtisimis in Deulsehland wird solange bestehen v*, ie der na!! >11aiau/aal1stisehc Staat dauert; das heißt immer! Und die Bckasnpiung des Judentums mit dem Ziele seiner endgültigen Vernichtung aU gei!igej und Wirtschaftlieher Faktor, als politiictie Macht i-t ein Iebcaiswichtigcr Teil des natknialsozialUtisdien Cicsaintprogiamnis.“ Ciauleitcr Kube beschäftigt 'sich sodann mit Verbündeten der Juden in Deutschland. 1 r nennt in diesem Zusammenhange Kreise der Justiz, Kreise der B e k e n n t n i s f r on t, Teile der sogenannten ״geistigen Welt“ und Kreise der Wirtschaft. Hierzu sagt er folgendes: ״Weitere Ililfstiuppen haben die Juden' in mJnchcn Kreisen der Wirtschaft. Und hier sind es in erster Linie die Käufer und Käuferinnen in Stadt und Land, die durch ihre verbrei herbei*-• Dummheit die wirtschattlkhe Stellung des Juden immer wieder verstärken. Das Judentum der Welt bat über das Dritte Reich einen Weitboykott verhängt. Trotzdem kann sich mancher deutsche Bauer und Groligrtiudlresitrer von seinen jüdischen Händlern und Geldgebern nicht frcinwrfien. Den Hoden soll der natiunalsozialistische, Staat auch dies« Landwirten garantieren, die Erzeugnisse und den Ertrag des Bodens aber verludert diese Sorte von Zeitgenossen an den Eeind des deutschen Volkes!! Besonders die deutsche Krau, die einen Haupt teil des deutschen. Volksvcrmugens in ihrem Wirtschaftsgeld verwaltet, sollte hier endlich aus der Geschichte und aus dem Schicksal unseres Volkes krnan.“ Der Artikel schließt mit folgendem Aufruf: ״Mögen die Völker der Welt das gleiche für sich in Au- «pruch nehmen. Wir neiden es ihnen nicht. Aber dann müssen sie sich von den Wuclkerungcn der Weltpcst, vom Judentum, befreien. Der Nationalsozialist sei sich täglich bewußt, daß Marxismus und Reaktion Ausgeburten jüdischer Hülle sind!“ Unzulässiges Plakat In einer zum Frankfurter Oberlandcsgcrichtsbezfrk .gehörigen Ortschaft war seinerzeit ein sogenannter _ ״S t i't T mcr-Kasten“ aufgcstellt worden, in dem u. a. ein Plakat angebracht war, des-eil Inhalt sich auf einen nichtarischen ortsansässigen Kaufmann bezog, von dem behauptet wurde, dal) er fleißige deutsche Menschen ins Unglück bringe, und wo es weiter hieß: ״M ir werden diesem Parasiten das Handwerk legen.“ t ,!!b'rzcichnet war das Plakat mit dem Namen eines Stumiführers. Auf Antrag des Kaufmanns erließ das Landgericht 1. i m bürg eine einstweilige Verfügung, wonach das P 1 a k a t zu entfernen sei. (fegen diese Anordiiung wurde Widerspruch erhoben, der durch Urteil der 2. Zivilkammer des Landgerichts Limburg verworfen wurde. Der Antraggegner K-gtc Berufung ein, über die nunmehr der 1. Zivilsenat des ()herlandcsgcnclits Frankfurt a. M. zu entscheiden hatte. Hier wurde nach dem Bericht der ״Frankfurter Zeitung“ vom 1 1. 0. von dem Vertreter des Antragsgegners geltend gemacht, der Antragsgegner gehöre der SA. an und die.ee sei eine l'nterabteilung der NSDAP., die als Körperschaft des öffentlichen Rechts es der SA zur Pflicht gemacht halte, auf di e (1 e f a h r e 11, die d a s J u d e n - t u m mit sich b r i n g e, a u f m e r k s a m z u m a c 11 c n. Der Antragscegiter habe mir auf Befehl der NSDAP, gehandelt. Diese Tätigkeit der Körperschaft des öffentlichen Rechts könne aber nicht durch das (lericht nachgeprüft werden. Der Antragsgegner habe nicht aus sieh heraus als Privatmann gehandelt, sondern den Befehl befolgt, und es müsse daher evtl, die NSDAP, verklagt werden. Unter dem Hinweis aui eine Kammergerivhtsentsclu'idung betonte der Anwalt, daß es sieh bei dem Anschlag um eine parteiamtliche V e r - lautbarr. ttg gehandelt habe. Fs sei unmöglich, daß das ordentliche Gericht eine Entscheidung über eine Anordnung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts Fälle, und es sei unzulässig, daß hier in die Hoheitsrechte dieser Körperschaft eingegriffen werde. Der Vertreter des Antragsstellers betonte, daß nach den Bestimmungen des § 13 des Gcrichtsverfassungsgesetzes zu verfahren sei, das hier Anwendung finden müsse. Danach sei ausschließlich das Oberlandesgericht zuständig. Die aut dem Plakat gemachten Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen. Das Oberkmdesgericht wies die Be* r u f 11 n g des Antragsgegners zurück und legte die Kosten der Berufung dem Antragsgegner auf. Der Gemeinderat von Auerbach a. d. Bergstraße hat 1t. ״Frankf. Ztg.“ vom 20. Jtmi beschlossen, nur noch diejenigen Handwerker, Fuhrleute und Geschäftsleute mit Arbeiten und 1 ieferungen für die Gemeinde zu berücksichtigen, die der Bürgermeisterei gegenüber eine eidesstattliche Erklärung abgeben, daß eie und ihre Familienangehörigen mit Juden und Niihtanern keine Geschäfte tätigen. Kundgebungen vor einem jüdischen Geschäft ln der ״P o m m e r sc h e n Zeitung“, Stettin, wurde unter der Uebersehrift ״Verdiente Zurechtweisung für jüdische Unverschämtheit“ folgender Bericht aus Labes verötfcntlicht: ״Zu den Juden, die immer noch nicht begriffen haben, wie sie sich im nationaU(>zia!i>fhck’n Deutschland zu benehmen haben, gehört die Familie des Juden Kronhcirn. Freitag vormittag erschien׳ bei der 1 >rt.-^rupjHmleitung der NSDAP ein bei dem Juden beschäl״ tigtes Mädchen und wollte im Aufträge des Juden die Auskunft haUm, wer der Maler sei, der das Plakat ,.Schaffende Deutsche, bekämpft mit uns die Juden. Sie sind ein Unglück!“ beschriftet habe und von welcher Stelle die Aushängung dieses Plakates genehmigt worden *sei. W ar dieses Ansinnen eine unglaubliche Frechheit, so ließ die Antwort nicht auf sieh warten. Die Bevölkerung, bei der sich dieses mehr als seltsame Verhalten des Juden bald herumgcsprochen hatte, grri<'t in begreifliche Knetung. Alx.׳nds zog eine nach Hunderten zählende Menge in ciF/.iplinicrtcm Zuge vor das Ueschäft.slokai und die Wohnung des Jurlen, um sich die jüdische Frechheit — Pia* kate gaben <iiu*-cr Ahdcht sinnfällige!! Au-drurk -- zu verbitten. Dieser bejcchfigfen Kitipörung glaubten die Tochter des Juden Kr-mlu im und die Flau <jes Juden Meyer dadurch begegnen zu tuu-vsen, daß sie provozierend am Fenster erschienen und Beleidi* gütigen gegen die demonfrierenden Volksgenossen aiKsticlSeru Die Polizei nahm daher die Jüdinnen in Srhutzhait. Wahrend die Kranheim wieder ireigeda-sen wurde, blieb Frau Meyer weiterhin in Haft, da sic wegen ihrer schweren Beschimpfungen zur Rechenschaft gezogen werden wird.“ Der ״Sabato Fasdsta“. Wie die ״Frankfurter Zeitung“ vom 19. 6. mitteilt, sind in Italien Bestrebungen im Gange, das Weekend für die arbeitenden Massen stärker atiszubaucn. Was uns an dieser Tatsache interessiert, ist dies, dab dafür der Name ״S a b a f o Fascista“ gewählt ist. Diese Be- Zeichnung ist eine vier vielen Bestätigungen für die wcltumspannende Wirkung des jüdischen Schabbat, der nicht nur als Idee, sondern auch als Vokabel in die Völker eingegangen ist. Das italienische Wort ״sabata“ ist eindeutig. Ebenso stammt das französische ״samedt“ vom hebräischen ״Schabbat“, und das Grimmsche Wörterbuch erklärt, daß das deutsche Wort ״Samstag“ aus der gleichen Quelle über das Französische in die deutsche Sprache gelangt sei. Im Hause der Bne Brith in Warschau fand anläßlich des 60. Geburtstages des Warschauer Oberrabbiners, Prof. Dr. Moses Schorr, eine vom Kuratorium und F>ozenfenkolle• gium des judaistischen Instituts veranstaltete Feier statt. Welsrgresetz und Eheschließung Das Standesamt in Pforzheim hatte kürzlich, wie wir berichteten, eine beantragte Eheschließung eines Ariers mit einer Jüdin abgelehnt und •ich dabei auf die Bestimmungen des Wehrgesetzes berufen, wonach den Angehörigen arischer Abstammung der Wehrmacht und des Beurlaubten- Standes das Eingehen der Ehe mit Personen nichtarischer Abstammung verboten ist. In einer Aeußerung des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen an das Rassenpoli• tische Amt der NSDAP begrüßt der Stellvertreter des Reichsjuristenführers die Entscheidung des Standesamts in Pforzheim außerordentlich und fügt hinzu, daß im Hinblick auf den § 7 Absatz I b in Verbindung mit § 15 Absatz 4 des Wehrgesetzes rechtliche Bedenken gegen die Pfor/hdmer Entscheidung nicht geltend gemacht werden könnten. Er werde dementsprechend auch eine Stellungnahme der Deutschen Rechtsfront veranlassen. §7 Absatz 1 b des Wehrgesetzes vom 21. Mai 1935 stellt fest, daß der Wehrdienst auch den Beurlaubtenstand umfaßt und daß im Beurlaubtenstande die Angehörigen der Reserve, der Ersatzreserve und der Landwehr stehen, $ 15 Absatz 4, auf den der Stellvertreter des Reichsjuristenführers sich gleichfalls bezieht, besagt: ״Den Angehörigen arischer Abstammung der Wehrmacht und des Beurlaubtenstandes ist das Eingehen der Ehe mit Personen nichtarischer Abstammung verboten. Zuwiderhandlungen haben den Verlust jedes gehobenen militärischen Dienstgrades zur Folge.“ In memoriam: Franz von Mendelssohn ״Die Familie Mendelssohn hat zwei außergewöhnliche Männer hervorgebracht: den Philosophen Moses Mendelssohn und den Musiker Felix Mendelssohn — und außerdem noch eine Reihe redlicher Arbeiter so etwa sagte F ranz von Mendelssohn einmal in festlicher Stunde. Es war im Jahre 1929, als man in Dessau den 200. Geburtstag des jüdischen Philosophen und Bibelübersetzers Moses Mendelssohn feierte — damals vereinigten sich Juden und Christen in der wunderschönen alten Synagoge von Wörlitz, die einst Fürst Friedrich Franz mitten in seinem Parke fiir ״seine Juden“ erbaut hatte. Der diese Worte sprach — einst Mitgehörte nicht mehr der jüdischen Glaubensgemeinschaft an. Es ist ein uns allen wohlbekanntes, ebenso merkwürdiges wie für uns Heutige besonders lehrreiches Kapitel jüdischer Geistesgeschichte in Deutschland, wie die Kinder Moses Mendelssohns, für die der Vater einst die fünf Bücher Mosis ins Deutsche übertragen hatte, dem Judentum den Rücken kehrten, weil, wie Abraham Mendelssohn einmal tan seine Tochter Fanny schrieb, ״das Christentum die Glaubensform der meisten gesitteten Menschen ist“. Auch Franz von Mendelssohn stand der Glaubensgemeinschaft seines Urahnen — er stammte in gerader Linie von Mendelssohns ältestem Sohne Joseph ab -— ebenso fern wie sein Vater!und Großvater. Aber dieser Mann war sich seiner Abstammung durch sein ganzes arbeitsreiches Leben hindurch wohl bewußt; er empfand sie weder als Ruhm noch als Makel, sondern leitete aus ihr die Verpflichtung ru doppelter Leistung und doppelter Hilfe. Durch seinen Namen blciöf der nun Verewigte — gegen den Willen «eitler eigenen Väter — mit dem jüdischen Volk verbunden. e.a. Wie uns mitgeteilt wird, sind in Woltersdorf bet Berlin Schilder angebracht worden, worin es heißt, daß der Besuch von Juden nicht erwünscht ist. Im Ostseebad Kahlberg sind Juden unerwünscht. Das ״Frankfurter Volksblatt“ teilt mit, daß sieben von den acht Gasthäusern des als Ausflugsort beliebten Frankfurter Vororts G i 11 n h e i m Schilder mit der Aufschrift ״Juden sind hier unerwünscht“ ausgehängt haben. FLORENTINER MAIFESTSPIELE!035 Ein Rückblick Florenz, Anfang Juni 1935 Nach sechs Wochen großartiger musikalischer Ewignisse ist der ״Maggio Musical c F i o r e n t i n o“ in den ersten Jumtagcn verklungen. Die zentrale Stellung, weiche die vor zwei Jahren ins Leiten gerufenen Festspiele* innerhalb der europäischen Musikkultur cimichmen, macht die Frage interessant, inwieweit Juden an dem Gelingen dieser künstlerischen I)arbictungen beteiligt sind. Die Florentiner scheinen eine Vorliebe für die Opern zu bähen, denen ein Stoff ans dem Alten Testament zugrunde liegt. Wie sie vor zwei Jahren Verdis ״Nabucco“ brachten, so cröffneten sie in diesem Jahre ihre Festspiele mit Rossinis ״Mose“, einem Ereignis, das wir schon in einem Spc/ialbericht gewürdigt haben. Daß ferner dem Florentiner jüdischen Komponisten Castelnuovo Tedesco der ehrenvolle Auftrag zitfiei, die Musik zu dem einziger» Drama des ״Maggio Musicale Fiorentino“ zu schreiben, haben wir ebenfalls bereits mitgeteilt. Aber es gab auch außer diesen beiden Veranstaltungen so vieles, das vom jüdischen Standpunkt aus gesehen interessant und anregend war, daß wir uns einer kurzen Ueberschau nicht entziehen dürfen. Die ersten Festspicltagc standen im Zeichen italienischfranzösischen Kulturaustausches, der durch die Anwesenheit des französischen Kultusministers M a 11 a r in (• betont wurde. Solisten, Uhor und Ballett der Pariser Oper führten ein Werk ihrer großen ()pernvergangenheit auf: Rameaus ״Gastor und Pollux“. Ls war ein Abend, der entschieden mehr Befriedigung hintcrließ als die modernen Ballette, welche die ״Academie de Danse“ nach Musiken von Ravel, Debussy, Picrne und I.aio vorführte. Dort scheint die Pariser Ballettkunst wirklich in leerer Tradition stecken geblieben zu sein, ohne den Anschluß an das Neue bisher gefunden zu haben. Die Italiener brachten in der ersten Maihälfte neben Rossinis ״Most“ noch zwei Meisterwerke Verdis heraus; seinen ״Maskenball“ und das ״Requiem“, sowie eine neue Oper von Pizzetti, den ״Orseolo“. Diese drei Darbietungen wurden von dem ständigen römischen Dirigenten Tullio Scrafin und den besten italienischen Gesangskräften geradezu meisterhaft interpretiert. Besonders die einzigartigen Aufführungen des ״Maskenball“, die auch szenisch und regiemäßig ungemein stilvoll durchgearbeitet waren, zogen eine nnübersehbare Menschenmenge in das weiträumige und moderne Theater von Florenz. Musikso/iologisch ist es interessant, daß lediglich die klassischen Opernwerke Italiens — selbst wenn sie, wie Fellinis ״Nortna“, keine solch vollendete Wiedergabe erfahren — einen M a s s e n zustrom garantieren, daß dagegen Verdis ״Recjuiein“ vor halb leerem Hause musiziert werden muß. Der Italiener will eben seine Kirchenmusik nicht außerhalb des Kultus im Theater hören; und der Florentiner, als Sohn der Stadt, in welcher die Oper geboren wurde, will in seinem ״Teatro Comunale“ nur die Oper .,zu Hause“ wissen, nicht einmal das Konzert, das er in kleinere Räume oder ins Freie verlegt. Die deutsche Musik war hei den zweiten Florentiner Maifestspielen durch Bach, Haydn, Mozart und Beethoven repräsentiert. Einer stilgeinäßcn Wiedergabe von Haydns ״Jahreszeiten“ unter dem Florentiner Kapellmeister Vittorio öui folgte ein regelrechtes ״Bach-Fest“ in der Sala Bianca des Palazzo Pitti. Der große Schweizer Geiger Adolf Busch führte au zwei Abenden mit seinen Quartettgenossen, dem Pianisten Rudolf Serk in, dem Pariser Flötisten Moise und einem kleinen Kammerorchester von Bläsern und Streichern die sechs Brandenhurgischen Konzerte vor. Die Aufführungen hatten, bei völliger Erhabenheit über alle technischen Schwierigkeiten den dreifachen Vorzug, in beschränktem Raume, in stilrichtiger kammermusikalischer Be- Setzung und dazu mit einer musikalischen Besessenheit musiziert zu werden, wie sie ein großes Orchester im nüchternen Konzertsaal nie aufzubringen vermag. Daß der Kontinuopart dem modernen Konzertflügel anvertraut war, fiel bei der großen Kunst Rudolf Serkins nicht so sehr ins Gewicht. Die Einführung des Cembalos wäre dem fta• liener wohl auch als allzu radikaler Historismus vor• gekommen. Neben dieser Arbeit, die Ad. Busch mit seinen Helfern für Rach geleistet hat, kann die Mozart-Woche unter Bruno Walter würdig bestehen. Walter bot keine der italienischsprachigen Mo/artopcrn, sondern die dem Florentiner Publikum vollkommen unbekannte ״Entführung aus dem Serail“, die trotz ihres deutschsprachigen Dialoges einen gewaltigen Erfolg erntete. Wie Walter das aus Florentinern und Römern zusammengesetzte Orchester meistert, wie er den feinen Mozartstil trifft, das macht ihm so leicht kein anderer Dirigent nach. Bei aller Notentreue, die das Geheimnis aller großen Interpreten ist, musiziert Walter mit einer Innigkeit und Wärme, mit einer Liebe zum kleinsten Detail, die eben sein ureigenstes Geheimnis ist und für uns als Mozart- Stil verbindlich gilt. Es w׳ar interessant, daß Bruno Walter dirigiert, der österreichische Jude Herbert Graf Itegie führt, die Constanze von der Griechin Margh. Perras gesungen wurde, der Belmonte von dem Amerikaner CI1. Kulimann, der Osmin von dem Tschechen B. Sterneck und das Blondchcn von der Jüdin Lotte Schöne, daß zudem Chor und Orchester italienisch waren und dennoch eine meisterhafte Wiedergabe des entzückenden deutschen Singspiels gelang. Außer den drei Aufführungen der ״Entführung“ brachte Walter noch Mozarts G-Moll-Sinfonie, eines von des Dirienten Lichlingsstücken, und den Schwanenges,mg des Salzarger Meisters, das ״Requiem“. Dieses erfuhr, besonders in seinem glücklicheren ersten TeiR eine Wiedergabe, die — was dirigentisches Temperament, Enthusiasmus und Stilreinheit anbetrifft — nicht überboten werden kann. Von der Stadt und Festleitung wurde Llruno Walter in einem ihm zu Ehren veranstalteten Abend im Palazzo Vecchio noch besonders gefeiert; dort hatte man Gelegenheit, den großen Dirigenten, der Mozarts köstliche Haifner Sinfonie (in D-Dur) vorführte, auch als feinsinnigen Mozartpianisten bei der Interpretation des D-Moli-Konzertes zu bewundern. Der Erfolg der Mozart-Woche unter Walter war unumstritten; unumstrittener als die Wiedergabe von Beethovens erster und neunter Sinfonie, die von Weingartner und den Wiener Philharmonikern zwar mit unglaublicher Präzision, aber ein wenig herzlos und ohne rechte Ruhe in den langsamen Sätzen musiziert wurden. Den Beschluß der Festspiele machte eine regiemäßig überaus glückliche Aufführung von Glucks ״Alkestis“ in der Naturszenerie des nächtlichen Boboli-Gartens, Was hier zwischen den beschnittenen Taxushecken und den mächtigen Bäumen auf dem grünen Plan der Naturbühne dem Wiener Regisseur Herbert Graf gelang, war unübertrefflich. Wenn Glucks Musik ein wenig enttäuschte, tänzerisch manches primitiv wirkte und der Tenor eine Fehlbesetnmg in dem sonst prächtigen musikalischen Ganzen war, das Vitt. Gui betreute, die Fülle der visuellen Eindrücke, die Herbert Graf mit einem immensen Aufgebot an Statisten in die Natur hineinzauberte, machte alles wett und setzte den eindeutigen Erfolg des Werkes durch. Dr. Gerhard Herr SEIT 16 JAHREN . A VAMI A . in gleicher regie Cf mWA.JO LieizenDurger Ecke Sächsische Str., am Postamt W 15