Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 49 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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VP m JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 49, 18. JUNI 1935 Kleinsiedlung nördlich Akkos Am 30. Mai fat1rf/1n der tieuen Siedlung Naharia, die 8 km nördlich von Akko zwischen der Straße nach Bcyruth ״״d.dem Meer J>eg־t, eine von der Gesellschaft ״Naharia, Small Holdings Ltd.“ veranstaltete Besichtigung der Siedlung durcji die Vertreter der Presse statt. Diese Siedwn-<1 n^cli den von Dr. Soskin, dem Leiter der (iesellsenaft, sc!/• vielen Jahren vertretenen Grundsätzen angelegt: Weme l ,arzellen (5, 7 oder 9 Dunam je nach Größe der Sicdler/amilie), intensivste Bewirtschaftung unter besonderer Beto'jung der Gemüse-, Obst- und Hühnerzucht, Selbstarbeit des/Siedlers und seiner Familie, volle Ausstattung der Farm, s<v daß der Siedler, der. die Farm übernimmt, sofort alles Worfindet, was er zur Bewirtschaftung braucht: Hühnerstall Miit 500 bis 1000 Hühnern je nach Größe der Farm, Ziegenstall mit 2 Ziegen, Werkzeuge, Beregnungsanlage, Feldbahn zum Zu- und Abtransport, ja sogar einen elektrischen Kühlschrank. Der Uebergang von der Stadt zum Siedlerleben auf dem Land soll dem Einwanderer (die meisten Siedler sind bis jetzt deutsche Juden) möglichst leicht gemacht, seine ‘Arbeitskraft soll für die eigentliche landwirtschaftliche Arbeit freigemaelit werden. Ike Gesellschaft hat eine Anzahl von landwirtschaftlichen histruktoren angestellt. Das Hans kann und Soll sich der Siedle־׳ selbst bauen lassen, da hier die Ansprüche zu verschieden sind. (Von der Baracke für CP 50 bis zum Steinhaus für CP 500.) Nachdem die Gäste sich in Naharia durch einen Imbiß (gestärkt hatten, erklärten die Herren Ingenieur Reich, Dr. Soskin und Joseph Loewy die Grundzüge des Sicdlungsplanes und die bisherigen Ergebnisse. Diesen Informationen ist zu entnehmen: Von 1S5 landwirtschaftlichen Parzellen sind bis jetzt zirka 50 verkauft. Ein Teil der Siedler arbeitet bis zur Fertigstellung ihrer Farm als Lohnarbeiter der Gesellschaft aut dem Gelände. Es sind zwei Brunnen erbohrt, von denen der eine nicht weniger als 500 cbm Wasser pro Stunde hergibt. Klein-Kapitalisten mit einem Kapital von .CP 1000 bis CP 1200 können jetzt bei den hohen Bodenpreisen und der verhältnismäßig großen Bodenfläche, die bis jetzt im allgemeinen als nötig betrachtet wird (20—25 Dtmam), nicht siedeln, außer eben in Naharia oder ähnlichen Kleinsiedlungen. Es könnten sogar Siedler mit noch geringerem Kapital in Naharia siedeln, wenn sie langfristige Kredite bekommen könnten, die aber bis jetzt nicht zur Verfügung stehen. Von ntanchcn wird allerdings die Möglichkeit bestritten, auf einer so kleinen Parzelle den Lebensunterhalt des Siedlers und seiner Familie zu verdienen. Ganz einwandfrei wird das erst die Erfahrung lehren. Immerhin konnte Dr. Soskin dar- JUt hinweisen, daß es an verschiedenen Stellen des Landes bereits geglückt ist, genügende Erträge aus einer Kleinsiedler- Parzelle hcrauszuwirtschaften. L)ic Bedingungen von Naharia sind günstig: guter Boden, ^einstiges Klima, Nähe der Stadt, genossenschaftliche Organitation des Einkaufs und Verkaufs, der Geflügelaufzucht usw. Es ist zu hoffen, daß diese Siedlung, die erste jüdische Siedäing, die je nördlich von Akko errichtet worden ist, die in tie gesetzten Hoffnungen erfüllen wird. Dr. Ludwig Mayer Die Besiedlung des Galil In einem Leitartikel der Wochenschrift ״Boust’nai“ nacht der Redakteur Smilanski darauf aufmerksam, wie :ehr sich im Laufe der letzten zwei Jahre die Aussichten ier g a I i I ä i s c h c n Siedler verändert haben. Durch viele lahre galt Galiläa als ein Siedlungsbezirk Palästinas, der licht viele Perspektiven hatte. Gegenüber den großen Er- Wartungen, welche au den Orangenbau im Süden geknüpft wurden, trat Galiläa ganz zurück. Indessen haben sich jetzt die Verhältnisse vollständig geändert. Vor allem ist der innere Markt Palästinas sehr kräftig geworden, die neuen Einwanderer kaufen Milch, Eier, Gemüse und Früchte in solcher Menge, daß sich eine Steigerung der Produktion in jeder Weise lohnt. Dazu kommt der große Bodenhunger und die gewaltige Steigerung der Bodenpreise im Süden. Von großer Bedeutung ist die Tatsache, daß an mehreren Orten mit Erfolg nach Wasser gesucht wurde. In der Kadoorie-Schule in Klar Tabor wurde W'asser in großer Menge gefunden und diese Tatsache hat das Anbauprogramm der Musterschule stark beeinflußt. Die Pica fand bedeutende Wassermengeu in Jabnccl. Auch in Metulah, hoch oben im Norden, besteht Hoffnung auf Wasser. An mehreren Stellen sind mit Erfolg Versuche zu intensivem Anbau von Gemüse gemacht worden. Smilanski erwähnt insbesondere den großen Erfolg eines sachverständigen deutsehen Einwanderers in Bctania bei Tiberias. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung wird die Kadoorie-Schulc selbst sein mit ihrer gemischten modernen Musterwirtschaft. Smilanski erzählt, daß ein alter tsehcrkcssischer Bauer, der das Getreide in der Wirtschaft der Schule sah, ergriffen niederkniete und das Getreide küßte. Ahe diese Momente verheißen dem Galil eine sehr gute Zukunft, zumal dort große Ländereien noch unbearbeitet liegen. Aber diese Entwicklung stößt auf ein unerwartetes Hindernis. Infolge Meinungsverschiedenheiten zwischen der Pica und den Siedlern sind die Verträge der Siedler nicht unterzeichnet worden und es ist nicht abzusehen, wann diese Unterzeichnung erfolgen wird. Infolge dieser formalen Tatsache sind die Siedler nicht freie Herren ihres Bodens. Mandatsland oder Kolonie? In der englischen Zeitschrift ״The Near East and I n d i a“ wird das Thema der staatsrechtliche n Stellung Palästinas innerhalb des britischen Weltreiches in einer Reihe von Artikeln und Zuschriften weiter behandelt. Der palästinensische Korrespondent der Zeitschrift weist darauf hin, daß eine Umwandlung des Mandatsgebietes in eine Kolonie dem Lande auf vielen Gebieten große Vorteile bringen könnte, insbesondere in der Wirtschaftspolitik, da das Land dann in das englische Zollgebiet einbezogen werden könnte. Ueherhaupt, so heißt es in dem Artikel, gibt es viele Leute, die einen Zusammenbruch des Mandatss v s t e m s des V ö 1 k e r b 1111 d e s voraussehen, und daher glauben viele, daß eine Annexion Palästinas durch das englische Weltreich ein kluger Schritt wäre. Albert M. H y a m s o n, ehemaliger Beamter der Palästina-Rcgierung, wendet sich in derselben Zeitschrift gegen diese hauptsächlich von Col. Wedgwood vertretenen Gedankengänge. Hyamson glaubt, daß auch die einsichtigeren Zionisten gegen eine Abschaffung des Mandats sein dürften, weil das Mandat den zionistischen Charter enthalte. Wenn ein Fehler gemacht wurde, so sei er vor 13 Jahren gemacht worden, eine Aenderung sei aber zu dieser Zeit völlig undurchführbar. Im weiteren Verlauf seines Artikels verteidigt Hyamson den britischen Beamten Palästinas gegen die Angrifte Wedgwoods. Interessant ist auch ein Artikel von Col. L c v c y, der sich für eine freundschaftliche Zusammenarbeit von Arabern und Juden ausspricht. Eine Verständigung, so meint der Verfasscr, scheitere insbesondere an dein Minderwertigkeit«- gefüllt der Araber angesichts des?־.:!mellen Fortschritts der Juden. Die Parole der Juden sollte sein ״Erziehung und Zusammenarbeit•‘. Die Juden sollten den Arabern helfen, wo immer es möglich ist. Der Araber hat große Traditionen und einen Nationalstolz und gute menschliche Eigenschaften. Bei einer Verständigung müssen aber die Juden es s e i n, d i e d e 11 erst e 11 Schritt m a c 11 e 11. Vielleicht gelingt es nicht in unserer Generation, Aber die beiden Völker, die jahrhundertelang unter Verfolgungen gelitten haben, sollten sich vereinigen als die Träger einer alten Zivilisation, die im übrigen im Sande verlaufen mul׳,. ״Gericht1׳ über Einwanderer aus Deutschland ln Palästina werden häufig Diskussionen in Form fing i c r t e r ü e r i c h t s v e r 11 a n d 11! n g e n ahgchalten. Dies ist eine russische Sitte, die durch die russischen Juden auch in Palästina Eingang fand. Im Rahmen einer solchen Reihe von ״Gerichtsverhandlungen״, die dem Kampf der 11 e h r ä - ischen S p r a c 11 e um ihre Durchsetzung im Lande galt, war auch eine dem j ü d ischen Einwanderer aus Deutschland gewidmet. Die Anklage behauptete, die Einwanderer aus Deutschland vernachlässigten die hebräische Sprache und machen keinen Versuch, der hebräischen Kultur näherzukommen; daher bleiben sie dem wirklichen Leben des Landes fremd und lesen auch nur fremdsprachige Zeitungen. Zur Stützung der Anklage wurde eine Anzahl von ״Zeugeil‘- verhört, die schilderten, wie sehr die deutsche Sprache in Tel-Awiw überhand nimmt. Es wurde darüber geklagt, daß cs den Einwanderern selbstverständlich scheine, daß sie überall deutsch sprechen und jeden deutsch ansprechen können. Als weitere ״Zeugen“ wurden dann vernominell Nahm» L e v i 11, der Leiter der Kulturabteilung der Hitachdutli Oie Germania, j. G r ii n b a 11 m, der Leiter der Alijah-Abteilung der Agency, und schließlich der zufällig in Palästina anwesende Dr. K a 1 c k o. Alle diese Zeugen traten nachdrücklich für die ״Angeklagten“ ein. Levin schilderte, mit welchem Fleiß die Einwanderer aus Deutschland hebräisch lernen, wieviel Kurse, Privatstunden usw. organisieri sind und welche relativ großen Erfolge bereits erzielt wurden. Aelnilich schilderte Dr. Kalcko das Ausmaß der hebräischen Vorbereitung in Deutschland seihst vor der Aus- Wanderung. Der ״Staatsanwalt“ erklärte in seinem Plaidoycr, aut Grund der Zeugenaussagen müsse er zugebcu, daß der Einwanderer nicht allein die Schuld trage, sondern daß die öeffentlichkeit Palästinas mitschuldig sei. Dennoch behauptet er, daß ein Teil der Einwanderer die hebräische Sprache mit Geringschätzung betrachte. Der ״Verteidiger“ wies demgegenüber darauf hin, daß noch hei keiner Alijahwollc ein so großer Auftrieb des Hebräischlernens vorgekommen sei wie der aus Deutschland, und dies alles hätten die Einwanderer sich aus eigener Kraft geschaffen, ohne eine wesentliche Unterstützung seitens des Jischuw. Man müsse auch berücksichtigen, wie schwer gerade diesen Einwanderern die Erlernting der Sprache fällt. Nach der Rede des Verteidigers wurde die Verhandlung vertagt. :Iiwcr, überladen und Eaicrtin, dessen Leit- I. Die Reportage ist sich selbst in seinen ־ /u/tischreiben. Eine arahisclien Presse ist, daß sich egenheit entgehen labt, ihren 1g einer befreundeten Zeitung preehrmle Leitartikel zu verdakteur geschrieben; der Stil ist meist s gelehrt. Eine Ausnahme macht nur der artikel kurz und leicht geschrieben sin noch unentwickelt. Der Reporter weil! Berichten sehr oft eine zentrale St׳■iiun! besondere Eigentümlichkeit der eine Zeitung niemals die Ge Geburtstag oder den Geburt-t festlich zu begehen und ent; öffentlichen. Ebenso werden F Redakteure und Mitarbeiter Dichtung nimmt in der Raum ein. An Gedenktagen, nationalen Trauer( öffentlichen die Zeitungen große Oden aus der arahisclien Dichter des Landes. Gern la-sen sich gen von ihren Korrespondenten best ä:igen. daß ein großes Echo im lande gefunden!laben, üblich, daß der l.okalkorrespondent einer Z.eilim: kleinen Städtchen berichtet, daß der oder jener Tagesgespräch gebildet hat. Außer den erwähnten Zeitungen existieren in Palästina noch acht arabische die ein- oder zweimal in der ständig bedeutungslos sind. amnie11e1־eigni-.>e im Kreise der besonders iuTvorgehobcn. Die irabischcn Presse einen großen 11 11. dgl. ver- Leder der die Zcifunhre Artikel und es ist aus einem Artikel das Tages- Blatter, Woche erscheinen, aber voll- Die arabische Presse In der zum zehnjährigen Jubiläum der Arbeiterzeitung ״Dawar“ erschienenen Festnummer berichtet M. Kapeljuk über den derzeitigen Stand der arabischen!י res sc in Palästina. Arabische Zeitungen gibt es im Lande seil 27 Jahren. Einen Wendepunkt in der Entwicklung der arabischen Tagespresse bedeutet das Jahr 1929, wo nach den blutigen Ercignisseii das politische Interesse eminent stieg. Erst seit damals gibt es eine regelmäßige T a g e s presse, und zwar drei große Tageszeitungen im Umfang von acht Seiten nml Beilagen in Jaffa: Falestin, Ai-Jamia al-lsiamia und A-Difa, ferner in Jerusalem die Al-Jamia al Arabia und als Reservezeitungen, die von Zeit zu Zeit täglich erscheinen: Al-W'achada al-Arabia und Al-Aukat al-Arabia. Bis zum Jahre 1 <>'20 hatten die arabisehen Zeitungen keinerlei regelmäßige Korrespondenz weder im Inlande noch im Auslände, jetzt sind sie an die Telegraphenb&ros des Auslandes angeschlossen und haben ihre ständigen Korrespondenten besonders in den arabischen Nachbarländern Palästinas. Sie verfügen über reiches illustratives Material. Die arabische Publizistik hat sieh jedoch nicht in demselben Maße entwickelt wie das Zeitungswesen selbst. Der Mitarbeiterstab ist klein, die Leitartikel werden fast immer von demselben Re¬ Von der Woche Wie verlautet, nimmt die Jerusalemer Stadt verwaltung eine Anleihe in Höhe von einer halben Million Pfund auf, um einen Fünfiahresplan durchzuführen, der Stadtamel'orationen, die Schaffung von Parks, Vervnüständigung der Wasserversorgung und Kanalisierung der Hauptverkehrsstraßen vorsieht.!50 jüdische Büroangestellte und Arbeiter, die bei der Jerusalemer Stadtverwaltung beschäfti'gt sine!, gründeten einen Verband; sie beabsichtigen, sich mit 250 arabischen Angestellten unter den Auspizien der Histadruth zu vereinigen. ln Jerusalem wurde eine K o 11 i e r c n / für die Proh 1 e m c der s o z i a I e 11 F ii r s o rge i 11 P a I ä s 1 i 11 a eröffnet. Miß S/old hielt die Eröffnungsrede und behandelte die Fragen der Kinderfürsorgc und der öffentlichen Dienste. In Hatlar Hak :1 r 111 c I wurde beschlossen, eine Straße nach Shmarya Levin zu benennen. Fine von 00 Teilnehmern besuchte Konferenz palästincnsischer R a b b i n e r beschloß, an die Agudas Jisroei zu appellieren, sie solle ihre Hemtihiingen um die Frzielung der Anerkennung als Sontlergemeiiule aufgeben, da diese Bemühungen gegen die Grundsätze der Thora verstoßen. Der VC'aad Poel der Histadruth telegraphierte an die K o nfer e 11/ der All g e m c inen Zionist e n in K rakau, er \Mirde den Versuch einer Spaltung der palästiiiensisehen Arbeiterschaft durch die Schaffung einer separaten a I 1 g e 111 e i 11 - / i o!1 i s t 1 s c 11 e 11 A r b e i t e r o r g a 11 i s a - ,t i o!1 als Sunde gegen den Zionismus betrachten. Lilie derartige Gründung wurde den Arheitstneden stören und gegen die Kongreßheschlusse verstoßen. Der des Mortles an Kalman Selinpiro angekhgte Araber Said Selim ist gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Der Keren Kajemeth kündigt für den 20. und 21. Tammus, die Jahr/eit Her/N und Bialiks, eine Fort- Setzung der Sammlung für den Bialikvvald an. Das schwedische Generalkonsulat in Jerusalem teilt mit, daß die schwedische Regierung im Interesse der Forderung des schwedisch-palästinensischen Warenaustausches für ein Jahr Zollfreiheit für die Einfuhr palästinensischer Früchte nach Schweden gewährt hat. CHAG HABIKKURIM IN PALÄSTINA wlx-lku *r י*# _ » &5■ rt **!■*•ר St Das Feslsptel im Tel-Awiwer Stadion. Gruppe aus dem Festspiel Schwimmfest im geschmückten llaiftier Schwimmstadion. Foloi: Lasar Däuser *01■ -י! -Sr "׳ -411יft* "t