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Jüdische Rundschau · 1935-06-18 · Heft 49 (18.6.1935) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 49 (18.6.1935)
Date
1935-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 49, 18. VI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Christentu יו und Judenfrage Ein Aufsatz von Ernst Michel Die katholische Monatsschrift ,,Hochland“ vom Juni 1935 veröffentlicht eine Abhandlung ״Die Ueberwindung des Liberalismus“ von Ernst Michel. Darin wird nach Erörterung des Totalitätsprinzips im politischen Raum in einem weiteren Abschnitt: ״Rassische Weltanschauung und christlicher An- Spruch“ der Gegensatz hervorgehoben, der sich zwischen Christentum und rassischer Weltanschauung von dem ökurnenischen Charakterder Kirche her auftue. Seien z. B. innerhalb der ökumenischen Kirche alle Rassenunterschiede ihres Absolutheitsansprnchs entkleidet, der Rassenhaß aufgehoben, so gebe es daneben keine weltliche Domäne, in der dem Christen erlaubt wäre, das Gegenteil zu behaupten und zu praktizieren. Er werde die natürlichen Unterschiede und geschichtlicheii Besondertingen sehen und in ihrer Bedeutung und Verpflichtung anerkennen, aber er werde sie hineinheben in die glaubensbegründete Verbundenheit mit allem, was Menschcnantlitz trage. Starke Aktualität habe die Forderung ökumenischer Haitung anscheinend durch die Juden frage gewonnen. Hierzu heißt es in der Abhandlung u. a.: ,,Die j u 1! r 11 f r a ׳ ״" hat <1!x*r fiir den ChrXteti ihren lx׳wmderen Sinn, der sie weit ii!x׳r da- R.ix-x'iiprobit'm hinailsiieht. Sie ist ihm weder Ka-v׳n!!ag1• in der heutigen Itedcutuug, norh bloße Ktutie-rioti-it'jge. nt der stk* dar liberale Xehjhcr bagatellisiert hat. Judentum!י• j>1i״ur und wecen! ia'h religiös geprägtes Volkstum ־ - ni־h!. ane man es olt wrkiinilet, rassiseh Ix-■ stimmtes Wlh-tum mieumr uarli!! aglieh ero׳ugten, ras-i-ch uml volki.-< h gior.igt׳׳“ R!:;da,!)er emvdaideude und narhhul! ig‘t Akt n im-r \ ■ ■X« idu‘■׳״׳ t i! e n p ■■ 1! t 1 - e 11. liegt im Sinai-Himd und M׳i!u.T ’det'ii!!;■ i,tu!.;; ..tut׳ mal K«!gkc!r', und dirganze epatmi• \-ukjn-aln ein - ak ׳.! <׳■ Ina! der Zer-1 taanmg uml h'ortd.uier unter den \״'k,׳:n, >te!־t im Zei. 1, n mal unier der Wiikutig religm׳'«•!', in -1 ״ -u׳a h te 1 eiig :1. - ן ■יסi׳ i-ahm liiu -<!endungen [>.11-.יiver und!agaUrer Art. An! dia-et \'orau--et/ung stabt der (ShtiA die fiir seine Stihmg /um JisletJum niaßgehliehe hirJ -eheidung in (-imun r e 1 i g i o s - g e - r h 1 e!1 t 1 1 e 11 e n Akt: in der Ablehnung (du'isti als des geh׳ an!:״ mm Me-ja-, ln die-er ciiri-1 liidien Siebt i-t das he il -ge-a'l lieig 1 ־ס! (, hhbe 1 ie . Volke., I-r.u-i und die Verhediung auf die Kit ehe a1׳- Reguinu l'lni-J ubctgega'ig׳ n. Aber das Judenuiim, daaueh \s׳ene! 1:in 1111 1 1!.111;ו!י1ו -einer Vahr alreligiös Ix-xtiinnitc:? tolkunm r-xt-jeii. \e 1 rd {naoh Rolle 11 > im la'-onderen Sinne als Volk tur den Forigam; und die Kttullung der IIeilsgesehichle aufbewahrt, aueh •aenn m1׳u Dasein seitdem unter der Wirkung der Kiltsrheidimg gegen (iiiii-iiis sieht: ,Denn 1111» iderrufltch sind die (..iiiadeiie.ilKm und die Jieriming (ioite-‘ (Rom. 11, 29). Mag der (Jegensaiz zum judemuin von hier aus wie aueh immer gefaßt werden, jedem,dl» ha! »!1 ׳! die zentrale geschichtliche Auseinander- Setzung z.tti-slum (Sin i■: e1״ um und judenUmi nach dem maßgebliehen Vorbild de- Apo-tel- Paulus (Rom. 9 —11) auf der Klxmc der tl e i 1 s ״ e s c h i c 11 t e, im lsrnste ciur messianischen Enderwartung zu vollziehen. Das gilt für den Christen auch als verantwortlich(■» Glied seines Volkes. Der Christ darf nicht seine Kampfjxeition mit der aus rassischen Motiven gebildeten Front vermischen, insbesondere, aber nicht einen aus anderen Quellen stammenden antijüdischen Affekt nachträglich und zusätzlich mit Argumenten Christliehen־ Geschiehtsphilosophie und Heilsgeschichte tarnen oder rechtfertigen und bis zum absoluten Gegensatz: ,Hie Christus — hie Anti- Christ!‘ steigern. Im Rahmen dieser G rund Voraussetzungen kann es nun auch füi» den Christen aus der besonderen geschichtlichen Situation des Volkes, dem er angchört, eine Judenfrage als politische Frage geben. Pie Teilnahme an ihrer Lösung fordert von ihm die Mitverantwortung für sein Volk und die volle Sicht utid Berücksichtigung der konkreten Schwierigkeiten. Bloße religiöse und liberal-bürgerliche Tolctanz werden der ge-,chicluliehen Page und ihren besonderen Anforderungen keinesfalls gerecht. K$ ist. nämlich nicht so, daß die Judenfrage in ihrer heutigen Aktualität nur auf die rassische Bewegung zuriiekzufuhren i»t, sondern es brechen darin auch die grundlegenden Fehler und falschen Lösungen der Vergangenheit, insbesondere die Fehler der liberalen Emanzipation und Assimilation nach Jahrhtmdcrten der Ghettohchandlung, durch und verlangen in einer komplizierten Lage nach einer gründlichen Lösung auf lange Sicht. Die Judenfrage ist heute in ihrem ganzen Ernst gestellt und duldet keine Kur audem Stegreif mehr. Aber auch als Frage der Volkspolitik darf sie für den Christen nicht ein Sonderdasein neben dem Rcligiösen führen, sondern muß in ihrer geschichtlichen Besonderheit hincingenommen werden in die heilsgeschichtliehe Ausrichtung, die sieh m der Wirklichkeit des Geschichtlich-Politischen überhaupt er»! zu Ix-wiihren vermag. Aus der E i n h e i t seiner religiösen und volkh.iftcn Exidenz also muß der Christ um die praktisoh-politM-'he Ln-urig jener Frage ringest. Damit ist jene landläufige dualistische Haltung unvereinbar, die den Wirkbereich christlichen Denkens und Tuus auf den Privat gebrauch und in den Kirchenratiin einschninkt, die heilsgeschichtliehe Sieht der Juden frage von den natürlichen und geschichtlichen Gegebenheiten abhebt und diese, als christlich unlö-bar und eben auf moralische Kompromisse abgestellt, den rein iniKTweltliehen Uebcrlcgungen und Maßnahmen der Politik ausliefert. . . Von Interesse ist im übrig־en, daß Michel gegenüber den Begriffen der Rasse und des Volkstums den Begriff der Menschheit gleichermaßen in den Vordergrund stellt und an diesem Punkte seiner Erörterungen das Alte Testament erwähnt, das unerschütterlich daran testhalte, daß Israels Auserwälilung nicht einem natürlichen Volk als solchem gelte, und nicht einen gesicherten Anspruch verleihe, sondern, der Struktur des Bundes gemäß an den Gehorsam und die Hingabe des Volkes an Gottes Führerwillen, an den Verzicht auf völkische Autonomie geknüpft sei, daß überdies Israels Auftrag auf die ganze Völkerwelt, aut die Menschheit gerichtet sei, daß dieses Volk nur beispielhaft verwirkliehen sollte, wozu alle berufen seien. Die Zulassung: zum Medizinstudium Der Reichs- und preußische Innenminister gibt folgende Ausführungsanweisung zur Prüfungsordnung für A'erztc’ und Zahnärzte bekannt: ״Nichtarische Kandidaten der Medizin und Zahnheilkünde, die das Studium vor dem Sein m erst■ inest e r 1933 begonnen haben, sind regelmäßig zu den Prüfungen zu zulass en, ohne daß es der Einholung der Zustimmung des Ministers bedarf. Die Zulassung bat mit dem Vorbehalt zu erfolgen, daß durch die Ablegung der Prüfungen kein Anrecht auf tl i e Approbation erworben wird. Studierende nichtarischer Abstammung, die erst im Somrnersemester 1933 oder später das Studium der Medizin oder Zahnheilkunde begonnen haben, können nur in ganz hesonderen A u s n a h n! e f :1 11 e 11 und nur mit von Fall zu Fall einzuholemlcr Zustimmung zu den Prüfungen zu gelasset! w e r d e n. Für den Nachweis der arischen Abstammung sind ,außer den Heiratsurkunden der filtern und Großeltern deren Geburtsurkunden nur dann bei/ubringt11־, wenn in den Heiratsurkunden Angaben über Religion und Geburt der Eltern und Großeltern fehlen. Bei der Zulassung von Ausländern zu den Priifungen ist auf den Nachweis der arischen Abstammung zu verzichtcn. Die Approbation als Ar/t o ti e r Zahnarzt ist d e :1 N i e 111 a 1־ i e r n bi s a u f weiteres zu versagen. Nur 111 einigen wenigen zur Entscheidung vor/ulegenden Atisnahinefnileri wird die Approbation zu erteilen sein. Ein solcher AiiMiahniefali kann als gegeben angesehen werden, wenn der Kandidat sieh an dem Weltkrieg als Frontk ä in p f e r beteiligt hat oder nur einen jüdischen Großvater oder nur eine jüdische Großmutter hat, also ein sogenannter Vierteljude ist, sowie endlich nach seelis c b e r Halt 1111 g und entsprechend e in Aussehen einwandfrei erscheint. Die ungeordneten rinsehtankungen für die Zulassung uichtarischcr Kandidaten finden bis auf weiteres keine An- Wendung auf die der Minderheit angehorenden Einwohner des Abstimmungsgebietes der Provinz () b er sch I es i cn und auf die Bewohner des S a a r 1 a 11 d c s, die arn 3. Dezemher 1931 dort wohnhaft waren. In Zweifelsfällen ist zu berichten.“ Rasse und Erziehung: Die nationalsozialistische Lehrerzeitung ״Reichszeitung der deutschen Erzieher“, Heft 6 vom Juni 1935, veröffentlicht eine Abhandlung ״Rassenpolitische Erziehung und Lehrerschaft“ von Dr. Karl Zimmermann, Bayreuth, in der der Verfasser zur Judenfrage folgendes bemerkt: ״Am klarsten hat lieute wohl die deutsche Erziehe rschaft die weltanschauliche Verwirrung und Vergiftung des deutschen Volkes durch da.» unheilvolle Wirken des Judentums und dadurch den /,11*unmenhan׳>?.wischen Rasse und Weltanschauung erkraut. Die Erkenntnis daß artfremder Geist den arteigenen und damit, mittelbar die Rasse zerstören muß, führt leicht genug zu der, daß diese dann durcli Mischung mit artfremdem Blute unmittelbar zerstört werden muß. Aus diesem Zusammenhänge zwischen Blut, Weltanschauung und Erziehung erkennen wir heute, daß Erzieher und zu Erziehende bi ul mäßig aufeinander angelegt sein müssen; und daß daher Mensel«• 11 mit artfremden Erbanlagen, besonders solche einer parasitären Rasse, weder als larlirer noch als Schüler deutschen Schulen angeboren können. Wie die neue rasaenpolitische Erziehung den brkien Ilauptgefahren unserer bisherigen rassischen. Entwicklung, dem Geburtenrückgang nnd der negativen Geburten- »tislese, wirksam begegnen soll, so muß sie der noch viel stärkeren dritten 1 laujrtgcfahr, der Vermischung mit artfremden Erbanlagen, begegnen. Das heißt indessen ׳für diese Erziehung alles andere als Mißachtung wesensfremder Rassen. Das heißt mir Achtung vor den Gesellen der Natur, das ihnen wie uns selbst eine Erhaltung und eine Entfaltung ihres inneren Wertes in eigener Prägung vorschreibt.“ Um die Namen der Juden In der Zeitschrift ״Volk und Rasse“ vom Juni 1935 wird in einem Artikel ״Schutz den deutschen Namen“ auf die zahlreichen, Namensänderungen der in Deutschland lebenden Juden, insbesondere seit 1918, hingewiesen und sodann hierzu u. a. bemerkt: ,.Mail darf uiclit denken, daß es sich mit diesen Uinbenenungvn um eine unwe-nitliehe und rein äußerliche Sach« handelt, die uns schließlich gleichgültig sein könnte; schon der Umstand, daß die Juilen so großen Wert auf diesen Namenstausch legen, beweist, daß er durchaus nicht unwichtig ist! Wenn die Kassenzugehörigkeit schon .sofort am Familiennamen zu erkennen ist, so trägt das zu der erforderlichen Klarheit außerordentlich viel bei! — — Fs muß erstens einmal völlig unmöglich werden, daß Fremdra-sige die Erlaubnis bekommen, einen deutschen oder auch nur deut-clikliiigeiideu Familiennamen arminehmeii; ein Anrecht auf den Familiennamen darf stets nur ein Verwandter arischer Abstammung halxri. Zweiten» aller ist cs ebenso notwendig, daß die eingetretene Verwirrung wieder behoben wird, daß die Namensänderungen von luden, die ~ mindestens seit dem Jalrre 1014 vorgenommcii wurden, wiederrückgängig gemacht werden, daß die»« Leute ihren ursprünglichen Familiennamen wieder annehmen müssen, und zwar je eher, um so besser! Ausgenommen von dieser Rückwandeiurig dürfen natürlich auch die au »gewanderten Juden nicht werden, denn es ist: keineswegs gleichgültig, ob ein Jude nun im Auslande als ,Deutscher‘ Müller oder mit seinem richtiger! Namen Co 1*1 oder Nathan seine ,Ge- .-(:hafte‘ nun 11t. oder Gräuelpropaganda treibt: als Müller wird er al» echter Druisclrer von sein vielen angesehen und schadet dem Ansehen des deutschen Volkes, über einen Cohn oder Nathan usw. aber wundert 1113.11 sich nicht weiter!“ Der Verfasser stellt dann noch di« Forderung auf, daß es auch bezüglich der Vornamen zu einer reinlichen Scheidung kommen müsse und deutsch« Menschen deutsche, jüdische Menschen jüdische Vornamen erhalten müßten. Uns erscheint diese Frage aus rein jüdischen Gründen durchaus unproblematisch. Juden, die ihren Namen nicht hochhaltcn, entehren sich selbst. Die Rückkehr zu jüdischen Vornamen ist in der jüngeren Generation bereits weitgehend zur Tatsache geworden. In Hamburg wurde ehe Arbeitstagung der deutschert Bekleidungswirtschaft eröffnet. Die Außenhandelsfragen der Textilerzeugnisse wurden vor allem in dem Referat des Hauptgeschäftsführers der Wirtschaftsgruppe ״Bekleidungsindustrie“, Jung, behandelt. Zum Schluß wandte sich der Redner, nach dem Bericht der ״Frankf. Zeitung“ vom 16. Juni, scharf gegen die Fabrikation von Schundwaren. Der ״jüdische U m s a 17. f i m m e 1“ müsse verschwinden. Im Wettbewerb müsse der spekulative Geist ausgeschaltet werden. Die kartellpolitischen Maßnahmen seien entstanden ״als Ausdruck der Kameradschaftlichkeit, aber nicht als ein Ergebnis des Egoismus.“ Pf ennige täglick m die blaue Büchse des Keren Kajemetk Lejisrael schaff en Boden für neue Kolonisation Vom ״Jüdischen Jugendverband“5 Entscheidung sn Palästina und Chaluziuth Uns wird geschrieben: Am 9. und 10. Juni fand in Berlin eine Sitzung der erweiterten Verbands leitung des Verbandes der Jüdischen Jugend vereine Deutschlands statt, an der etwa 50 Landesverbands- und Ortsgruppenleiter aus allen Teilen des Reiches teilnahmen, darunter der Führerkreis der Junggruppen des Verbandes, die sich vor einigen Monaten auf ihrem Bundestag in Seebach i. B. zu dein Brith Hajehudim Ha7.eirum — Bund junger Juden im Verband zusammengeschlossen haben. lin Mittelpunkt des Treffens stand die Frage nach der Verwirklichung der vom Verband entwickelten gesamtjüdischen Idee. Voraussetzung für diese Klärung war eine Befrachtung der geistigen, seelischen und Wirtschaftliehen Situation der jungen jüdischen Menschen in Deutschland. In der von dem Willen zu äußerster Sachlichkeit und vollem . Thesen des Verbandes. Man kam zu°der Ueherzeugung, daß die in diesen Thesen niedergelegte zentrale Anschauung von de r notwendigen Wechselwirkung z w i s c 11 e n Palästina und Oaluth, die bisher besonders auf die Galutharbeit ausgerichtet war. in Zukunft auch eine Verwirklichung in Palästina erfahren müsse. In außerordentlicher Spannung, in der sich die menschlichen Kräfte des Verbandes wieder erneut bewährt haben, wurde die Frage erörtert, ob eine Verwirklichung in Palästina ohne zionistische Ent- Scheidung möglich sei. Uebereinstimmung bestand in der _ Anerkennung der Notwendigkeit, daß die Jüngerer.- arbeit des Verbandes ein aus eigener Kraft gestaltetes leben in Palästina ermöglichen solle. Fraglich war, ob die Möglichkeit der individuellen chaluzischen Entscheidung, wie sie sich schon bisher aus den Hallenser Thesen ergeben konnte, für eine Verwirklichung in Erez Israel ausreiche oder ob, zum mindesten für die Jiingerenschaft, Chaluziuth als Erziehungsziel gefordert werden müsse. Die Vertreter der Junggruppen forderten Anerkennung einer kollektiven chaiuzischen Entscheidung, die aus der gesamtjüdischen Erziehung legitim abzuleiten sei, während für die Aeiterenschaft des Verbandes Galutharbeit in Verbindung mit Palästina-Arbeit gleich wichtig bleibe. Die Kraft der Erziehungsarbeit des Verbandes hat sich darin bestätigt, daß eine Trennung von den Junggruppen als untragbar erkannt wurde. Der Verband hat in dieser Erkenntnis die Lehre sich zu eigen gemacht, die sich aus früheren Entwicklungsstufen seiner Arbeit ergab, als der Jung-Jüdische Wanderbund (JJWB.) 1920 und der Jüdische Pfadfinderbnnd Deutschlands (JPD.) 1933 die Aeiterenschaft des Verbandes gerade zu einem Zeitpunkt verlassen haben, als die Frage nach der Verwirklichung einer Lebensgemeinschaft in Palästina mit vollem Ernst gestellt worden ist. So hat der Jugendverband im fünfundzwan/.igsten Jahre seines Bestehens die innere Konsequenz seiner historischen Entwicklung gezogen: Er ist als nicntzionistisclie Gruppe über die fördernde Unter- Stützung des Palästinawerkes hinaus, zu der er sich schon 1921 und erneut 1929 (Eintritt in die Jewish Agency) bekannt hat, zu einer objektiven Anerkennung des Aufbauwerkes in Erez Israel als einer Leistung des Zionismus gekommen und hat sich damit Selbst in seiner Arbeit und Ausrichtung der Problematik des Zionismus gestellt Aus seiner gesamt] üdisehen Haltung heraus sieht er in der Verwirklichung des zionistischen Aufbauwerkes m Palästina eine lebenswichtige jüdische Aufgäbe, der ersieh verpflichtet. Er will daher in seiner Gesamtheit, Jüngeren- und Aeiterenschaft gemeinsam, Palästina-Arbeit leisten, neben der Galutharbeit, die er, wie bisher, sich zur Aufgabe stellt. Damit geht er auf der Linie seiner inneren Entwicklung weiter, die vom neutralen Jugendverein, wie er in der Zeit von 1909 bis 1926 fruchtbare Bildungs- und Erziehungsarbeit leisten konnte, zu einem gesamt jüdischen Verband führte, der von 1926 bis 1933 an der ideologischen Einung des Judentums Deutschlands rnitgearbeitet hat. Von dieser Posilion aus kam er zu seiner Kon* zeption der gesamtjüdischen Idee als einer echten Entscheidüng, mit der er sich von 1933 bis heute von anderen Bünden abgegrenzt hat. Jetzt gibt er dieser gesamtjüdischen Haltung objektive Wirklichkeit, in deren Gestaltung er seine eigene Prägung gegenüber den anderen Bünden zu bewähren haben wird. Die Frage der subjektiven Verwirklichung wird den Junggruppen als Verpflichtung zur Chaluziuth aufgegeben, während sie der Aeiterenschaft des Verbandes kraft ilirer besonderen Struktur frei gegeben sein soll. Alle lebendigen Kräfte des Jugendverbandes, die in seiner bisherjgen Bildungsarbeit eingesetzt und in seiner persönlichen, religiösen und sozialen Erziehungsarbeit wirksam waren, sollen jetzt ausgerichtet werden auf das Primat des jüdischen: In der Golah auf die Gemeindearbeit, in Palästina auf die Schaffung eines konstruktiven Erziehungsweges seiner Mensehen, besonders all derjenigen, die aus ihrer beruflichen Situation in der Kleingemeinde heraus, einen konstruktiven Weg vom Jugendverband gefordert haben. Diese praktischen Wege der Verwirklichung, die unbeschadet der Frage einer parteizionistischen Einordnung in Angriff genommen werden sollen, bedeuten für den Jugendverband eine neue Arbeitsgrundlage. In der Leitung des Verbandes verblieben: Paul Eppst ein-Berlin, Reinhold H c r z - Berlin, Joe Israel-Hannover, Emil M a n n 11 ei m e r - Cleve, Martin Seliger- Berlin. An Stelle von Julius H e r z f e I d-Essen und Fritz Sc h w a r zs c h i I d - Berlin wurden Erich Co 1111-Halle und Walter H o 1 z m a n n - Höchst in die Verbandsleitung gewählt. Zur Regelung der Hachscharah-Aktion des Verbandes wurde der Bundesleiter des Brith Hajehudim Hazeirim, Martin Seliger, in den Merkas Hechaluz entsandt Rabbiner und Palästina Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung des Nordwestdeutschen Rabbinerverbandes, die unter dem Vorsitz von Rabbiner Bamberger, Wandsbek, am 10. Juni in Hannover stattfand, stand eine Aussprache über das Thema ״Die Rück- Wirkung des PaJästinaaufbaus auf die Tätigkeit des deutschen Rabbiners“. Landesrabbiner Dr. Blum, Emden, hielt ein lialachisches Referat: ״Sephardisch und Askenasisch“. ״Vom religiösen Leben in Palästina“ berichtete sodann Landesrabbincr Dr, Freund, Hannover. Sein Referat wurde durch Rabbiner Dr. Italiener, Hamburg, und Rabbiner Dr. Schorsch, Hannover, ergänzt. Dr. Italiener behandelte die Verwertung von Palästinaeindrücken für die Anschaulichkeit der Predigt und für die sachgemäße Beratung der Palästinaauswanderung. Dr, Schorsch sprach über die Verarbeitung von Pa{*־ stinaeindrücken im. Unterricht. Sämtliche Redner hatten Pal*־ stina besucht und sprachen aus eigener Anschauung. Besondere Bedeutung erhielt die Tagung durch die Anwesenheit des Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes und Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Baeck, der über Arbeiten der Reichs- Vertretung berichtete.

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