Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 49 (18.6.1935)
- Date
- 1935-06-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 49, 18. VI. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 9 Vor dem Zionistenkongreß Die Nichtzionisten in der Agency Von Dr. Werner Senator Dr. Werner Senator, Mitglied der Jewish Agency- Exekutive Jerusalem, ist in Europa eingetroffen, um die Tagung des Jewish Agcncy-Councit in Luzern vorzubereiten. Die Tagung des Council soll nach Abschluß des Zionisten- Kongresses am 4. und 5. September in Luzern stattfinden. Der Council besteht zu 50 0/0 aus Zionisten und 50 0/״ aus Nichtzionisten. Die zionistische Hälfte wird statutengemäß vom Zionistenkongreß gewählt, während die nichtzionistische Hälfte aus Delegationen der palästinafreundlichen Nichtzionisten in den verschiedenen Ländern hervorgeht. Infolge verschiedener Umstände hat dieser gemischte Council nicht so gearbeitet, wie man bei seiner Gründung gedacht hatte. Insbesondere war das aktive Interesse des nichtzionistischen Teiles so schwach, daß ernsthafte Strömungen innerhalb des Zionismus darauf drängen, die ursprüngliche Verfassung der Jewish Agency, die auf dem ״Fifty-Fifty-Prinzip“ (Be- Schickung zu gleichen Teilen) beruht, abzuändern. Mit Rücksicht auf diese Reorganisationsbestrebungen haben wir Dr. Senator ersucht, den unmittelbaren Ziveck seiner Reise in der ,Jüdischen Rundschau“ darzustellen, Red. Der Hauptzweck meiner Reise nach Europa ist die Vor* bereitung der Counciltagung der Jewish Agency mit Bezug auf die sogenannten ״niditzionistischen’‘ Mitglieder. Die Exekutive ist der Ansicht, daß eine' gut besuchte und repräsentative Beschickung des Councils notwendig ist. Es werden zur Zeit in Amerika Schritte unternommen, um eine gewisse enge Verbindung der nichtzionistischen Gruppen her* beizuführen und eine aktive Delegation nach Europa zu entsenden. Die Exekutive hat mich nun gebeten, in Europa bzw. vor allen Dingen auf dem Kontinent, durch Verhandlungen mit den führenden nichtzion'1stischen Persönlichkeiten und den in Betracht kommenden Organisationen und Gruppen die Tagung vorzubereiten. Dabei ist in Aussicht genommen, die Beschickung des Council im wesentlichen zu verbinden mit den Keren Hajessod-Komitees bzw. KH-Kontribuenten. Es ist natürlieh zu spät, jetzt so kurze Zeit vor der Counciltagung eine Reorganisation vorzunehmen, jedoch soll das Prinzip der Vertretung der ״Palästinafreunde“, wie die ״Nichtzionisten“ in Zukunft sich vielleicht nennen werden, durch eventuelle Wahl an erster Stelle stehen. Es soll eben denjenigen, die seit vielen Jahren durch ihre Verbundenheit mit dein Keren Hajessod ihre tätige Mitverantwortung am Palästina-Aufbau dargetan haben, die Möglichkeit gegeben werden, die Vertretung der zweiten Hälfte des Council zu bestimmen. Natürlich muß dieses Prinzip elastisch gehandhabt werden. In manchen Ländern gibt es Gemeinden, Verbände oder Logen, die in Zusammenarbeit mit den Keren Hajessod-Präsidien diese Vertretung bestimmen werden. Das Interesse an den Aufgaben der Jewish Agency ist, wie ich aus Korrespondenzen mit einer Anzahl von bisherigen Vertretern und auch neuen Kräften festgestellt habe, vielfach sehr groll, auch in Deutschland, wo das Interesse der Juden an Palästina so zugenommen hat Deutschland ist das erste Land, das ich auf meiner Reise besucht habe, und ich glaube schon heute sagen zu können, daß die in Deutschland zu treffende Regelung in gewisser Weise beispielgebend für die Neubelebung der Arbeit und die Aktivierung der ״Palästinafreunde“ auch in anderen Ländern Europas sein kann. Es gilt, das Erbe Oscar Wassermanns In würdiger und aktiver Weise zu verwalten. Die erweiterte Jewish Agency hat besonders große Aufgaben. Die Situation, die sich in den letzten Jahren in Palästina entwickelt hat, hat mit großer Deutlichkeit die ungeheuren Möglichkeiten gezeigt, die eine planmäßige und zielbewußte Arbeit, insbesondere auch für die Linderung des deutschen Judenproblems, haben kann. fch hoffe, in meinen Ausführungen, die ich vor dem interessierten Kreis machen werde, die Bedeutung Palästinas und Wege der Palästina-Arbeit im gegenwärtigen Moment zeigen zu können. Prager Brief Von unserem Korrespondenten h. L Prag, 16. Juni 1935 ln der vergangenen Woche hielten sich einige führende zionistische Persönlichkeiten in der Tschechoslowakei auf. Jabotinsky beendete seine Propagandatournee durch Europa mit zwei Vorträgen in Munkatsch und Prag, Kurt Blumenfeld sprach in einer öffentlichen Kundgebung und in einer Zusammenkunft der zionistischen Vertrauensleute in Prag, der Leiter des Einwaiiderungsdepartcments der Zionistisehen Exekutive, Jizchak Grünbaum, nahm an einer Reihe von Besprechungen mit dem Prager Palästina-Amte über Alijahfragen teil. Jabotinskys Vortrag galt der Werbung für seine neue Organisation. Trotz der größten und schreienden Reklame waren diesmal viel weniger Hörer als bei früheren Jabotinsky- Vorträgen erschienen; sie setzten sich teils aus Revisionisten, teils aus einem völlig indifferenten Publikum zusammen, das Jabotinsky, ״der ewig Oppositionelle“ angelockt hatte, Zionisten nahmen fast überhaupt nicht teil. Nachdem die letzte Brücke zur Zionistischen Organisation abgebrochen ist, konnte Jabotinsky diesmal völlig hemmungslos sprechen. Die aktuelle zionistische Problematik ist nach seiner Darstellung höchst einfach; die Zionisten jubeln in blinder Begeisterung über die Prosperity in Palästina, die Revisionisten hingegen erblicken weitschauend das Kommen einer Krise. Daß gerade in der zionistischen verantwortlichen Presse seit Jahr und Tag mit aller Offenheit über die Schattenseiten der palästinensischen Konjunktur Rechenschaft gegeben wird, die revisionistische Presse hingegen sich ausschließlich mit Angriffen auf die Mitglieder der Exekutive, die nationalen Fonds und die Histadrut beschäftigt, zeigt schon allein die schiefe Darstellung Jahotinskys, Das nächste Ziel der Revisionisten ist durch die Ausführungen Jahotinskys ziemlich klargclegt: Störung der Zionistischen Organisation vor allem auf außenpolitischem Geb i e t. Dies soll vor allem dadurch erreicht werden, daß sie den Mitgliederaiisweis für ihre Organisation gratis verteilen werden, um in Konkurrenz zum zionistischen Schekel als die ״an Mitgliedern reichere Organisation“ auftreten zu können. Es ist wohl fraglos, daß dieser revisionistische Gratisschekel, auf dem Wege über eine solche Inflation völlig entwertet und auch bei allen in Betracht kommenden Faktoren ungefähr mit dem Werte eines Flugblattes eingeschätzt werden wird, das man in beliebiger Menge verteilen kann. Im Winter will Jabotinsky den ersten Kongreß seiner ״unabhängigen“ — unbeantwortet blieb auch die Frage, wovon unabhängig?— Organisation nach Basel einherufen. Welch merkwürdige Funktion Jabotinsky beute bereits ausübt, ist aus der Erscheinung zu ersehen, daß seine Vorträge mit bcsonderer Vorliebe von den a n t i z i o ti i s t i s c h e 11 Assimilanten aufgesucht werden, die an einem solchen Abend ihre antizionistischen Bedürfnisse befriedigen können. Ich werde auf meiner Reise die meisten europäischen Länder besuchen, insbesondere auch die Länder des Ostens, und hoffe, daß der Council der Jewish Agency in allen diesen Ländern das Interesse finden wird, das ihm als dem obersten Organ der an Palästina interessierten Judenheit in diesen! Jahr in besonders hohem Maße zukommt. Presseschau ״Führung, wem Führung gebührt“ Unter diesem Titel veröffentlicht das ״Israelitische Familienbhtt“ in Berlin einen Leitartikel, der an die bekannte Resolution der Zionistischen Verciniipnr' für Deutschland anknüpft und die Fra^c prüft, oh das darin ausgesprochene Verlangen der Zionisten eine unbillige Forderung oder eine Störung der Solidarität enthält. Das Blatt schreibt dazu: ״Hinter all jenen Krörtoningcn . . . -trht, ab das ei^cniliehe l.ritniotiv tior DuI־aU»\ Dm* enind-atzÜche Frage von ungleich cntM/hcidenderem, woitcri ratendem Kan״;: Sind die!* e ׳, - ־.־> n 1 i c h k c i t e n, die das deutsch(‘ ]udenturn in Vorhänden und (lemeindon vicleror?•׳־ auch heute noch reprä-entieren, ihier judiM’hcn und alldem« inen Verpanc* nliei!,!hier in Jahi/A hüten eineevair/xdunt ehr liehen I 'ein ׳ י./ ז;}einig!rach Iah 5^, die wertvolle Arbeit, die de leisten, mit dem <1 eiste zu erfüllen, in dem judhehe Arbeit heute geleistet werden muß? H;dx׳n sie ,timcelernt‘ — wie sie es jetzt nianehnial IxSonen? K ö n n c יו s i e ii l> e r h a 11 p t ti m lern o n? ... Die Tragik derer, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinharen können, heute zu verbrennen, w;1s de echtem anheteten, soll ebensowenig verkleinert werden wie die Tragik derer, die sich zu solchen Canossagängen entschließen. Demagogisch wäre es, in Bausch Kurt Blum enfelcl sprach am 11. 6. in einer großen Kundgebung im Festsaale des Prager Bet Haam zum Thema ״Palästina ohne Zionismus?“ Da an! gleichen Tage die Nachrieht vom Ableben Shmarya Levins gekommen war, gestaltete sich dieser Abend zu einer ergreifenden Trauerkundgebung., Blumcnfcld begann seinen Vortrag mit einer Gedenkrede auf Levin, von den! er ein packendes Bild entwarf. Bei der Behandlung des eigentlichen Vortragsthemas wußte Blumenfcld wieder durch scharfe und treffende Analysen der heutigen jüdischen Situation, insbesondere im assimilatorischen Lager zu fcssseln und mitzureißeri. Eingehend setzte er sich auch mit der Haltung der Revisionisten auseinander. Was Jabotinsky noch vor wenigen Jahren als zionistisches Maximalprogramm entworfen hat, eine Einwanderung von 25000 Juden nn Jahre, sei heute schon längst iiberlroffen. und doch ruft auch heute Jabotinsky zum Kampfe gegen den ״Kleinzionismus" auf, dem er seinen revisionistischen ״Großzionismus‘‘ der Phrasen und Wunschträiime entgegensetzt. Die Ausfuhr(!!!- gen ßlunienfelds, die mit starkem Beifall ausgenommen wur* den, gipfelten in dem Satze, mit den! er die Frage des Titels seines Vortrages beantwortete: Palästina wird Erez Israel mit dann sein, wem! es zionistisch wird. ßlurnenfeld war während seines kurzen Vortrages in Prag auch, wie immer, intensiv für den Keren Hajessod tätig, er sprach in einem privaten Cercle über unsere nächsten Aufgaben in Palästina und in einer vom zionistischen Distriktskomitee cinbcrufenen Vertrauensmämier-Konferenz über das Aufgabengebiet der nächsten Exekutive. Am IS. 6. verließ Blumenfeld Prag, hielt noch am gleichen Abend eine Beratung in M ii 11 r. O s t r a 11 ab und begab sich alsdann zur Weltkonferenz der Allgemeinen Zionisten nach Krakau. J i z c h a k (i r ii!1 b a u m traf am 13. 6. von Paris in Prag ein. Noch am gleichen Lage fand eine Besprechung mit dem Präsidium des P a I ä s t i ״ a - A m t e s statt. Am Abend nahm Grünhaum an der zionistischen Vertrauensmäimerkonlerenz teil und hielt eine längere Ansprache über die Probleme der Alijah und Hachscharah. Zu politischen!־'ragen übergehend, erklärte sich < iriinbaiiiu als ein Gegner des [*laues einer ״großen Koalition“ im heutigen Zeitpunkt. Die am XVI11. Zionistenkongreß gebildete Koalition habe sieli völlig bewährt, sei orga-!lisch und es bestelle kein Anlaß, sie durch eine mechanische zu ersetzen. Er sei mir dann für eine Erweiterung der Koalition, wenn durch sie auch tatsächlich eine Verbesserung der Arbeit zu erwarten sei. Wenn dagegen durch Einbeziehung neuer Kreise nichts anderes erreicht werden sollte, als daß die Kämpfe aus dem A.-C. in die Exekutive verlegt würden, dann müßte man auf alle Fälle die bisherige Koalition aufrechterhalten. Am El. 6. hielt Grüubaum ein mehrstündiges Referat vor den Mitgliedern der Palästina-Kommission, wo er besonders Alijahfragen behandelte. In Begleitung des Leiters des Pakistina-Amtes besuchte er den Vorsteher der Paliabteilung der englischen Gesandtschaft, mit dem er die einschlägigen Fragen behandelte. Grünhaum nahm auch wahrend seiner Prager Anwesenheit an einer Pegisehah der bühniischen Chaluzgruppen teil. und Bogen den Stab über die vielen ,Vertreter alten Geistes‘ zu brechen, die schwere, uneigennützige Arbeit/in unseren Organisatinnen und Gemeinden lebten, gleh Itgijlti;׳ ,׳‘ob sie es mm, als aehteuoverte Gegner der ,KneiunUiineitetrC, uhei haupt ablehnen, .ttinzulerneii‘. ob .-ie das mir äuUerltVh getan hohen, oder ob sie —- der Ircdo Fall — im tiefsten Innern so erschüttert wurden, daß sie in der Tat aufgehört haben, ,Vertrete! allen Geistes* zu sein. Aber freilich — daß sie di e A r h e i t m i t de n e n freundn a e 1! b a r 1 i c h teil e* n, <1 i e 11 i 1־ h t e r s t u m nt Ictnen brauchten: das ist, will uns scheinen, im tiefsten ein G e b o t j ii bischer S 1 ״ i d a r 1 t ä t. ... Wold glauben wir ab), wenn wir j!tzt die .SeiiluBidlgeruiig aus ditssen betucht negen zieh, n, daß r, gen ,in teil igt wäre־, den \ ertrett nt de-, zict, 10 I when Jhi in tn.g ׳«m / e ie ieי ־ ubci.iü dort, wo dies notig i't, w i r k!! e h a n g t m e s 1־ ne n K I n f I u ß zu siehern, ,סי crwjäii wir ,mdeTri ,ei! י das 11■’(׳:! Wans, tili, dag, gut 711 wenden, \vt!m jener Angnurh der aa,;a ia!.!! da/ti nthnn sollte, der ,1hut-1 11• jiidi.« hei.• Gegen״ in■ .die An« i! und l׳u!,rut>g'nKjgliellkeit en n ,1 a es zu rauhen.“ Wir sehen liier, daß die Logik der zionistischen Forderimg sich auch außerhalb der zionistischen Reihen durch• setzt. Genf, 11. Juni. (JTA.)!'eher die der Mamlatskomirilssion des Völkerbundes unterbreiteten arabischen Petitionen betreffend Palästina wird inoü'izicli folgendes mitgeteilt: Die Petitionen sind gegen die (mmdlHstimmmigen des Mandats gerichtet und werden von der Kommission schon aus diesem Grunde als unannehmbar erklärt. Eine der Petitionen stammt von dem syrischen Araber Emir Shekih Arslan und sucht die Unvereinbarkeit der B.ilfotir-I )eklaratiou mit den den Arabern seitens Großbritannien während des Krieges gegebenen Versprechungen zu beweisen. Sic verlangt die Ab- Schaffung der Balfour-Deklaratioii. Foto: Archiv DIE BEISETZUNG SHMARYA LEYINS Der Sarg wird vor dem Ohel Schern auf das Ugberführmgsauto geladen. Der. Trmerzug in der Allenbystreet in Tel-Awiw. i'ot״; U,״ D״־״, T«t:A«׳iw In der Mitte, des Bildes &,) Uss’schkin. fo*• 1H. 6n1U<• **m % % .. - ,#Sfc , «* ׳• . ־' ■ W' -* *4«> ״