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Jüdische Rundschau · 1935-06-14 · Heft 48 (14.6.1935) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 48 (14.6.1935)
Date
1935-06-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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•י«^ ::"!iK'ii! mm m.jL»m : Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 14. VI. 1935 «ludenfeindliche Ausschreitungen in Grodno War sc 11 au, 0. Juni. (JTA.) Am ersten Schawiioth-Feiertag ist es in Grodno /.u s c h vv e r e 11 judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Vor einigen Tagen war cs in einem Tan/lokal, das von Angehörigen der (irodnoer Unterwelt besucht wird, /u einer Schlägerei gekommen, bei der ein gewisser Wladislaw Kure/, durch Messerstiche erheblieh verletzt wurde. Die Täter, Samuel Steiner und Mclech Kantarowie/, zwei bekannte Raulbolde, wurden verhaftet. Kurez erlag am Mittwoch im Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach seinem Begräbnis am Freitag wurde der Vorfall von verbrecherischen Flemenfen zu einer umfassenden Juden hetze ausgenutzt. Ueher eine -Stunde lang wurden im Zentrum der Stadt, hauptsächlich in der Domimkanska-Stralk■, Ueberfälle auf Juden verübt und Fensterscheiben jüdischer Häuser zertrüminert. Sechzig Personen wurden verletzt, von ihnen acht so schwer, ilaß sie ins Krankenhaus oingcliefert werden mußten. Der 21 jährige Sohn des Leiters des Synagogenchors, Israel Berc/iowski. ist dort s e i n c n Verl ctzu n gen erleg c n. Auf polizeiliche Anordnung hat seine Beerdigung Montag abend in aller Stille stattgefunden. Im Zusammenhang mit den Unruhen wurden über '50 Unruhestifter sowie 8 Juden verhaftet, die eine Selbstwelir organisieren wollten. In einem offiziellen Cornmuni1|1!e wird betont, daII die Ausschreitungen von dunklen Flementen aiisgingen, die auch in christlichen Häusern Plünderungen versucht hätten. Die Ordnung in G r o tl n o ist w 1 e 11 e r b c r g e s t e I 11, die jüdische n S c 11 ulen s i n <1 j e d o eh g e s c 11 I 0 s s e n, da die Eltern die Kinder nicht auf ehe Straße lassen. Der Bürgermeister hat an die polnische Jugend einen Aufruf gerichtet, in dem er sie autfordert, die polnischen Traditionen nicht zu schänden. Die parlamentarische Vertretung der Juden Polens Wa Zeit Verhamlluii p a r t e i mul de über die /,!hl de ein/uräumeinlen .־ Minderheiten in I Druden Juden \\ Wahlgesetz außer genommenen I rg liehkeiten dir die von Stadien mit bieten keine voll Anteil der judr-ehen Bevölkerung an der Oesamtbev ölkerung angemessenen Vertretung 1111 künftigen polnischen Parlament. Vorläufig ist die Regierungspartei geneigt, den Juden insgesamt sechs, höchstens sieben Vertreter zu/ugestelien. Da die Juden fast ln 1 der Bevölkerung au-maehen, hätten sie jedoch, da der neue Sejm 220 Abgeordnete zählen wird, au, II. Juni. (JTA.) 111 Warschau finden zur eu zw iseiien Vertretern der R e g i e r 11 t! g s - ,r verschiedenen jüdischen < i r » p p e 11 .׳r den Juden itn künftigen Sejm und Senat Sitze statt. Die Wahl von Vertretern der Polen und inshe-otidere der verstreut woh- . 1 rtt bekanntlich durch das neue polnische ■ t erschwert. Auch die in letzter Zeit vorui/ungen zur Wahlordnung, die die Mog- Wahl jüdischer Kandidaten in einer starker jndi ge ijewahr Palästinafragen im Unterhaus London, 5. Juni. (JTA.) Kolonicnministcr Sir Phillip Cunliffe-Lister beantwortete am 5. Juni im Unterhaus mehrere Anfragen betreffend palästinensische Angelegenheiten. Auf eine Frage des Abg. Strickland erklärte der Minister, es sei ihm nicht bekannt, ob seitens der palästinensischen Citrus -Pflanz er an die Regierung neue Forderungen betreffend Unterstützung der Absatzpronagamla gerichtet wurden. Möglicherweise habe der High Commissioner entsprechende Informationen. Auf eine Frage des Abg. J a n n e r teilte der Minister mit, daß die Terrains für den Bau eines Flugplatzes bei Lydda und zur Erweiterung des Landungsplat/es in Haifa inspiziert und vermessen wurden. Verhandlangen über den Ankauf dieser Terrains seien im (lange. Eine weitere Frage des Abg. Jänner betraf den Bericht Sir Felix Poles über den Ausbau der Eisenbahnen in Palästina. Die Forderung nach Vorlage dieses wichtige (iegenstände berührenden Berichts beantwortete der Minister mit dem Hinweis, daß er erst die Meinungsäußerung des High Commissioner einholen müsse, und der Versicherung, daß in dieser Sache keine Verzögerung eintreten werde. Abgeordneter M o r g a n fragte, welche Förderung der Touristenverkehr in Palästina durch die Regierung erfahre. Der Minister antwortete, dies geschehe durch Ankündigungen der palästinensischen Bahnen in Aegvptcn, gelegentliche Änkündigungen in Sonderausgaben von Zeitungen usw. Unbillig harte Kündigung Einem seit 1021 als Leiter einer Teppich- und Gardinen״ abteilung hei einer Firma mit mditanschen Inhabern tätigen n i c h t a r i s c h e n A n g c s t e 1 11 0 n wurde, nachdem das betreffende Konfektionsgeschäft 1111 Juni 1031 von einer Firma mjt arischen Inhabern erworben worden war, am 31. Oktober 1034 zum 31. Mär/ 1035 ohne Angabe von Gründen gekündigt. Das in diesem Falle ertrjm^ene, in der ״Juristischen Wochenschrift“ vom 8. 15. Juni veröffentlichte Urteil des Arbeitsberichts Hanau vom 7. He/einher 1031 gelangte zu dem F.rbtbnisse, da ft die Kündigung unbillig hart und nicht durch die Verhältnisse des Betriebes bedingt sei. In den Urteilsgrimden heißt cs u, a.: ..Bi«■ •Ile Kandidaten in s(.hcr Hcvälkerimg tur die Erzielung Reihe vermehren, einer dem \ i. i Di.- Nu! V״r! Hekla-uh in, hi> /nt /ei! de! sich ohne \\!.11י c 11׳ wntur 65 Ah‘׳p-1vII mf der Kuip I im»u! u -.־hon 11;11.1 1 .1111 24. An -i ׳ 1934 4)111 11 H '» der Klii^ir IS <uTH>m1m־u. 1;1U •11 ITH M H II HD j).'! -()hllclUTI (!<׳' ciiuai Miiinh.ii 1 i au! 11 ver! 1a n< 1!hh^ Ui auch zu u des Klamurs mil den Lihalnun d< idairin }•'nlSu CfloD! i-1. Heide h kl.iil, d.il.'» -je pei sdnlieh ״ui mit .-on!!1 h*• Dill ('1a׳n/(vM hesteiirn. I־.i> M didDdeni dt'r <»<.-fי־!^■ h;1 ti um 1 >n!rrcn/ei1. Aue!) da- PtiMikum Khu׳rr iiivhtanseh ist, niehi י■!״ des Klägers ju dur le /us,nnnV'1ia!!>eir «iun haiis »־inwand-;uh ׳.׳'■•״ehM'iler- und kuitiurloj ]kliil 1,1״uu < erteil auf etwa 20 .Mandate Anspruch, fortgesetzt. Ahledun׳ '1 lut Kein Arrestgrund Das Landgericht Mannheim hat in einem Bcrufungsflrteil die Frage, ob ein Arrestgrund gegen einen Ostjuden schon darin bestehe, daß andere Ostjuden nach Palästina auswandern, verneint. Das Amtsgericht hatte den Arrestbefehl bestätigt, weil das Gericht es nach anderen gerichtsbekannten Fällen, in denen Ostjucien nach Palästina aus ge w■ändert seien, für durchaus möglich halte, daß auch der Beklagte in absehbarer Zeit auswandern werde. Das L a 11 d g e r i e 11 t verneint aber in der Urteilsbegründung, daß deshalb, weil andere Ostjudeu nach Palästina auswandem, dies auch bezüglich des Beklagten möglich sei, und daß dies den Arrestgrund darstellc. Die Verhandlungen werden Lm-au i״ dz \\ in UHU ז t'il Yoiw lna, h! w cudun koiiHcn.;״־יun diu An\vu-.<u1hui! d! •י >;u> s.u!!!,יי littdi!־ Hrkia-iu Nach alledem kann diu 31. um kimdi״! Pal. \.1u!t > du! Ih.’klimluii utid 11׳ untiiulifiiuH. dal■» < n dur IPSJ,!mul! an! iu halt, ■n eich m׳׳i11 I 11״t1׳)[>1׳ .uhci'uii. י!-ו i >!׳ י• י ui 1< n i '.diun dun ii dein K i. i m r kuinu ihiuk'ILs kann ',:uh an der T.iUaei!!־,!Li uii 1t;d tun. d(lnn '-on-t w ,1 r-• > zui n und n 11.!11(' v,1!"י.׳.־!!׳ u1 ׳ dur 1 H“k!.וmu!! dom Kiiufurpuhlihum Protu-a׳• Huiriuh lau! ^uworduir vviirun. tu־!u*nd zu m.U'hun. ׳hau i^uD״ d״s Klü^ur.־.. dar ja Marz 1935 im Buhioh dur Buklaiuou iuruhau-' /1!0r1m1'(1׳ wurduii. und sosiio üu Vurhalthidew Hut riulx'.-s oder lur 111, du. K!ii"e1 ■11, umi t׳s dah an-י Kkiut'j■'!111 ahur mein Wui! ud 1׳ ־-! c<n\־iu>r> noch hizum tatjo bUibt. der Bukhimv!! < Kündi^un׳^ i 1 י;Du mehl dur seine I Yr *י >n budi!!״!. 4 )io Kiindi^m!^ Dl uIht unRilU^ ha!t. Dt!111 Klarer!■י! Frontkäm[)tur, muUIh' Tal-ari!(׳ srlp׳n im liinhhuk aul diu all1')״m'111e Ruck- '!uhmahmu aul dir 1'!!זח׳kiimplur - umu dünke an diu inrhlarRuliun R!1;׳n!1u1un l 'rom kampier - ho-unders zu lx־riirk weht!וי■! וויו״. Ihr Uf vurheii aiu! und ha! ein minder jiihri^us Kind, tiir daer s׳n־m־n rnu 13. ID R! aRer st hUuhliuh auch lu-ondcr־־•• zu hed'mkun, dalS er aD älterer itiuhiarRuhur An^e'siulltur mir >e!1r m-Rwc!• eine nunu, >eim1־n seithenDen {iinkommun rnt■'preuhundu Sk־IIo uird finden können.‘* Kleine Nachrichten Das Reichsgericht hat, wie die ,,Juristische Wochenschrift* meldet, dahin entschieden, daß unter den heutigen Verhältnissen es keineswegs sittenwidrig sei, zu Zwecken des Wettbewerbs die Ausländer-Eigenschaft eines Mit. bc werbers beim Warenverkauf hervor/, u. heben. Zu dieser Entscheidung hat das Gericht u. a. ausgeführt, daß die Abschließungsbcstimmungen ausländischer Staaten gegen Einführung fremder, besonders auch deutscher Waren, andauerlen. Hinzuge.reten seien die Boy. k o 11 ni a ß n a h m c n jüdischer Bevölkerungskreise im Auslande gegen deutsche Waren. Der sächsische Innenminister hat in einer Verordnung be. stimmt, daß die Zulassung zu den Prüfungen als Wohlf a 11 r t s p f I e g e r i n, Ueba m in e und technische Assistentin an medizinischen Instituten, M a s s e u r i n, Säuglings- und K I e i n k i n d e r s c h w e s t e r, K r ii p p c I p f I e g e - und Er zieh u ngssch w e s t er sowie als Krankenpflegen»׳ rson vom Nachweis arischer Abstammung abhängig sei. Ausnahmen hiervon könnten nur beim Vorlicgen besonderer Gründe gestattet werden. Wie der ,,General-Anzeiger“ in Frankfurt a. M. meldet, verurteilte das Sondergericht zwei nichtarische Textilg e s c h ä ftsinhaber zti je einem Monat Gefängnis, weil sie unbefugterweise SA-Ausrilstung vorrätig gehalten hatten. Die Angeklagten begründeten ihr Verhalten damit, daß es sich uni Ware gehandelt habe, die sie von einer Firma zur Sicher, heit für offenstehende Rechnungen übernommen und /.um Ver• kauf nicht feilgeboten hätten. Das Gericht sah diese Einlassung als erwiesen an, vertrat aber den Standpunkt, daß es sich auch hierbei um eine strafbare Vorrätighaltung im Sinne des Gesetzes handele. Die ״Nordbayerische Zeitung“ in Nürnberg gibt eine Ahhiklung eines Firmenschildes der N S V o 1 k s w o h I fahrt wieder, das, wie das Blatt meldet, an deutsche Firmen abgegeben wird, die als Firmenmitglied der NS-Volkswoiilfahrt, Gau Franken, beitreten. Das ״Frankfurter Volksblatt“ veröffentlicht die Namen von fünf arischen Handwerkern in Frankfurt, die am 1. April HB5 jüdische Lehrlinge eingestellt haben. Der Präsident des Werberats der deutschen Wirtschaft weist, wie das Nachrichtenbüro deutscher Zeitungsverleger meldet, im Einvernehmen mit dem Reichspropagandaniinister darauf hin, daß in letzter Zeit von unzuständiger Seite die Frage der b e sonderen Kennzeichnung d e u t - scher Ocschäfte aiifgerollt werde. Er betont, daß vor Erlaß einer allgemeinen Regelung die willkürliche Verwendung derartiger Schilder und Bezeichnungen uner w ü n s c h t sei. Der Reichs- und preußische Erziehungsminister hat an die Unterrichtsverwaltungeil der Länder einen Erlaß gerichtet, in dem verfügt wird, daß von jeder Förderung eines Unterrichts in Welthilfssprachen wie der Esper a n t o s p r a c h e abzusehen ist. Ministerialrat Kohlbach erklärt zu dieser Regelung im Amtsblatt des Reichser/iehungsministers, daß Esperanto den ostjüdischen Augenarzt Lazarus Ludwig Za men hoi zum Verfasser hatte, und daß sein ״Esperanto" sich insbesondere der Förderung durch den internationalen Marxismus und das Weltjudentum erfreue. In Bad Wiesscc, am Tegernsee, hängt am Ein- und Ausgang des Ortes ein Wimpel mit der Inschrift: ״Jude ver• schone uns.“ Anläßlich der diesjährigen Promotionen am Hebrew Union College in Cincinnati wurde dem Präsidenten der Reichsvertretung, Rabbiner I)r. Leo B a e c k, das Ehrendoktorat des hebräischen Rechts verliehen. Die französische Frontkämnfervcrcinigung ״Croix de f e 11“, die trotz gegenteiliger Erklärungen häufig als antisemi■ tische Organisation hingestellt wird, hat eine Ehrung für die jüdischen Gefallenen des Weltkrieges in Form eines Gedenkgottesdienstes veranstaltet, der in der Pariser Großen S\nagoge unter der Leitung von Rabbiner Caplan abgehalten wurde. 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