Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 48 (14.6.1935)
- Date
- 1935-06-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit• 4 JÜDISCH! RUNDSCHAU Nr. 48, 14. VI 1935 Der englische Regierungswechsel C3i CS OP j. K., London, den 10. Jun5 Nach der Umbildung׳ des englischen Kabinetts ist mit dem konservativen Parteiführer Bald w in der Mann an die Spitze der englischen Regierung getreten, der über die tatsächliehe Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments verfügt und der deshalb nach englischer Gewohnheit schon lange Anspruch auf dieses Amt erheben konnte, Die erwarteten großen Veränderungen, wie die vieldiskutierte Aufnahme Lloyd Georges oder Churchills in das Kabinett, haben nicht stattgefunden, da das neue Kabinett nur ein Provisorium darstellt, um möglichst stark in eien kurz bevorstehenden Wahlkampf cinzutreten. Dementsprechend handelt es sieh mehr um Korrekturen personeller Natur als um eine grundsätzliche, politische Kursänderung. Von besonderem zionistischen Interesse ist der Wechsel im K o I o n i a I m i n i s t e r i 11 m. Der bisherige Minister Cunliffe-Lister wurde ins Luftfahrtniinistcrium befördert. An seine Stelle tritt der 33jährige Sohn MacDonahls, der damit seine Karriere als Kabinettminister beginnt. In zionistischen Kreisen ist Malcolm MacDonald wohlbekannt. Er gehört zu dem Kreis des parlamentarischen Propalästinakommittees. Und man weiß, daß es besonders seinen Bemühungen zuzuschreiben war, wenn seinerzeit das ungünstige Passfield-Weißbuch vom Oktober 1930 durch den Brief des Premierministers an Dr. Weizmann im Februar 1931 ergänzt wurde. Es ist trotzdem nicht anzunehmen, daß in der Palästina-Politik irgendwelche Aentlerungen eintreten werden. Das englische Kolonialamt räumt überall seinen Vertretern an Ort und Stelle (the man on the spot) sehr große Selbständigkeit ein und es müssen schon ganz besondere Umstände eintreten, damit der mit der allgemeinen Regierungs- Vorverlegung des Kongresses Das Zionistische Zentralbüro teilt mit: Auf dringendes Ersuchen überseeischer zionistischer Verbände hat sich die Exekutive veranlaßt gesehen, im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aktions-Comltds den T ermin des Kongresses um eine Woche vor/, uv erlegen. Der XIX. Kongreß wird somit in Luzern in der Zeit vom 20. bis 30. August stattfinden. An den Kongreß wird sich eine Sitzung des neu gew ählten Aktlons-Comltds anschließen, die vom 1. bis 3. September dauern wird. Einberufung des Councils der Jewish Agency Das Pressebüro der Jewish Agency teilt mit: Die Exekutive der Jewish Agency hat die vierte Tagung des Council der Jewish Agency für den 4. und 5. September 1935 nach Luzern einberufen. Nach Beend!- gung der Coundl-Tagung wird das neuzuwählende Admlnlstrative Committee am 6. September seine konstituierende Sitzung abhalten. _ Weltkonferenz Allgemeiner Zionisten Am Sonntag beginnt in Krakau eine Konferenz des Weltverbandcs der Allgemeinen Zionisten. An dieser Konferenz, nehmen außer den dem Weltverbandc bereits angehörenden Gruppen auch noch folgende Verbände Allgemeiner Zionisten, die dem Weltverband bisher noch nicht angcschlosscn sind, teil: England, Holland, Kongreß-Polen und Kidmah (Palästina). Wir werden über den Verlauf der Konferenz berichten. Der diesjährige Herzl-Urabgang in Wien findet am 16. Juni sfatt. EIN SAVONAROLA-DRAMA Lraufführuitg bei den Florentiner Festspielen Mit ungeheurer Spannung hat man in Elnren/ die Wiedergäbe des S a v o n a r <> I a - 1) r :1 m a s von Rino A 1 e s s i mit der Musik von Mario Castelnuovo T cd csco an der historisehen Statte seiner Hinrichtung erwartet. Der grandiose Schauplatz der Piaz/a Signoria mit den mächtigen Arkaden der Loggia dei Lanzi und dem monumentalen Quaderbau des Palazzo Vecchio, dazu die Tatsache des geweihten Ortes, verliehen dem Unternehmen ton vornherein den Zauber des Außergewöhnlichen. 4(KX) Zuschauer, die die steil ansteigenden Tribünen bis zum letzten Platz füllten, verfolgten das historische Geschehen, das sich aut einem hölzernen Oktogon in der Mitte des weiten Platzes konzentrierte. Von vier Türmen, die hoch über die Tribunen hinausragten, lenkte eine Schar von Regisseuren und Beleuchtern das Drama. In diesem Rahmen der ein halbes Jahrtausend alten Szenerie und des beinahe über Nacht geschaffenen Ziischauergerüstes rollte das einzige Drama des ״Maggio Musicale Fiorcntino“ ab. Zudem hatten die Veranstalter das Glück, daß sich das stets besonders tückische Objekt: die fast unkontrollicrbarc Akustik des freien Platzes als außerordentlich günstig erwies. Das Hauptverdienst des Dramas von Rino A I c s s i mit der zu diesem Zwecke eigens geschriebenen Musik des jtidisehen Komponisten M. Gaste Inuovo T cdesco beruht in dem Willen, von der Guckkastenbühne des heutigen Theaters loszukommen und das Werk in den 1 ebensraum des Volkes einzustellen. Der Wunsch, die Schranke zwischen Publikum und Bühne zu durchbrechen, wird in Alessis Drama deutlich. Der Platz, als Ort der Handlung, wird in der Pause zum Foyer des Publikums. Der für den Aufführungszweck stark umgearbeitete Text stellt "die Tragixlie des religiösen Fanatikers Savonarola dar. Der erste Akt zeigt den Pater von San Marco auf der Höhe seiner Macht. Er verweigert die Annahme des Kardinalshutes, um seinen Kampf gegen die ״Signoria“ und das Papsttum fortführen zu können, und macht das Florentiner Volk, das mit den sozialen Zuständen unzufrieden ist, zu einem Instrument seines fanatischen Willens. Ini zweiten Akt, der durchgehend aus Massenszenen besteht, während der Einzelschausnieler fast ganz ausgeschaltet wird, gibt Savonarola dem Volk das eindrucksvolle Schauspiel des ״Christlichen Karneval". Als Schützer der Moral und des Glaubens haßt Savonarola die weltlichen Werte, denen die Renaissance gerade erst Geltung verschafft batte, in so starkem Maße daß er glaubt, mit Hilfe des Volkes einen Vernichtungsfeldzug gegen sie führen zu müssen. Bilder, Statuen, Geschmeide, Bücher und Musikinstrumente werden unter dem Jubel der Menge von den Flammen des Scheiterhaufens verzehrt. Der politilf befaßte Kabinettsminister seine Aufmerksamkeit einem Linzelfail zuwendet. Unter den übrigen Neubesetzungen ist der Fall des Jü• dischen Verkehrs in inisters hervorzuheben. Mr. Höre Bciisha, der vor wenigen Tagen zum Mitglied des Staatsrates (Privy Council) ernannt wurde, gehörte der vergangenen Regierung als Fachminister an, ohne Mitglied des engeren, politischen Kabinetts zu sein. In diesem Amt ist er weiter bei• behalten worden. Da er auf dem Gebiet der Verkehrssicher• heit und Unfallbekämpfung eine sehr starke und erfolgreiche Aktivität entfaltet hatte, die ihn schnell populär machte, und da er Vorsi‘־ nder der liberal-nationalen Gruppe ist, war allgemein mit seiner Beförderung zum Kabinettsmitglied gerechnet worden. Obwohl er unter anderen Aemtcrn auch die Stelle innchatte, die traditionsgemäß das Sprungbrett zum Kabinett bildet, wurde diesmal über seinen Kopf hinweg ein anderes Mitglied der liberal-nationalen Gruppe befördert. Die Ueberraschung über diesen Fall ist allgemein, keiner vermag Gründe zu finden. Es ist zwar nicht anzunchtnen aber doch nicht ausgeschlossen, daß hier Erwägungen der Abstammung mitgespielt haben. Obwohl niemand Baldwin selbst antisemitische Tendenzen unterstellen wird, wäre es denkbar, daß er seine Regierung, die unter der nationalen Parole in den Wahlkampf einziehen soll, nicht demonstrativ mit einem neu ernannten Juden belasten will. Da die Liste der Unterstaatssekretäre noch aussteht, ist noch nicht bekannt, ob der einer alten jüdischen Familie angehörende Unterstaatssekretär Sassoan (für Luftfahrt) der Regierung weiter angehören wird. Das revisionistische ״Plebiszit“ Bekanntlich haben die Zionisten-Revisionisten beschlossen, nach ihrem Austritt aus der Zionistischen Organisation eine besondere ״Unabhängige Zionistische Organ isation“ zu schaffen. Bevor sie diesen Beschluß in die Tat umsetzen, haben sie an ihre Mitglieder appelliert und diese aufgefordert, in einem ״Plebiszit“ diese Gründung zu beschließen. Die Abstimmung ist nunmehr vorgenommen worden. Sie mußte naturgemäß eine überwiegende Mehrheit für die Schaffung der Unabhängigen Zionistischen Organisation ergeben, da an ihr ja nur die Mitglieder der Revisionistischen Union teilnahmen, die ohnedies bereits durch ihre Zugehörigkeit zti dieser Organisation ihre Gegnerschaft gegen die Zionistische Organisation kundgegeben hatten. Unter diesem Gesichtspunkt sind daher auch die Zahlen zu werten, die in den letzten Tagen von revisionistischer Seite über das Ergebnis der Abstimmung veröffentlicht worden sind. So wird mitgeteilt, daß das Ergebnis in Palästina 6100 revisionistische Stimmen für und 2000 Stimmen gegen die Errichtung einer Unabhängigen Zionistischen Organisation erbracht hat. In Paris lauten die entsprechenden Zahlen 364 Stimmen für und 20 Stimmen dagegen. Aehniiche Stimmenverhältnisse werden auch aus andern Landern und Städten gemeldet. Es handelt sich hierbei, wie nochmals ausdrücklich betont werden muß, um einen internen Vorgang in der revisionistischen Partei, keineswegs also etwa um ein wirkliches ״Plebiszit“ des jüdischen Volkes. Die Abstimmung, deren Ausgang nach den im Zusammenhang mit der letzten A.-C.-Sitzung erfolgten Vorgängen n:״ht zweifelhaft war, ist eine der bei den Revisionisten beliebten theatralischen Darbietungen. _ Das Oberste Gericht in Bagdad bestätigte ein Urteil, durch das der jüdische Buchhändler Levy zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, und erließ die ihm ursprünglieh auferlegte Geldstrafe von 75 Pfund. Levy war wegen staatsschädigender Propaganda verurteilt worden, weil er in einem Schreiben über die Unterdrückung der Juden im Irak berichtet hatte, das im Oktober 1934 im ״Manchester Guardian“ veröffentlicht worden war. Antiquar, der sich gegen diesen Bildersturm wehrt und die Kunstwerte seines Zeitalters zu verteidigen sucht, wird niedergeschrien, Botticelli, Florenz’ größter Maler des Quattrocento, tritt zur Sache Savonarola* über und übergibt seine Meisterwerke selbst dem Feuer; und sein Modell, eine Kurtisane, wird unter den Worten Savonarolas zur Büßerin. Hier beginnt aber auch der Abstieg des großen prophetischen Re- Bellen. Indem die Feuerprobe, die der Magistrat von ihm verlangt, mißlingt, fällt er in die Hand des Staates, der ihn und seine zwei mutigsten Apostel zum Flammentode verurteilt. Der dritte und letzte Akt gehört ganz den Seelenkämpfen Savonarolas, der, an seiner göttlichen Berufung verzweifelnd, das Martyrium auf sich nimmt. Zu dieser religiösen Tragödie hat Mario Castelnuovo Ted es co die Musik geschrieben. Gestehen wir cs von vornherein: dieser Musik haftet nichts an, was sich irgendwie als typisch jüdisch herauslösen ließe. Es ist bemerkenswert, daß Castelnuovo Tedesco zu dem Drama des katholischen Märtyrers eine beinahe religiöse Musik gelingt. Eine Musik, die nicht archaisieren will, sondern die ihre ernste Funktion so gut kennt, daß sic in ihrer linearen und polyphonen Haitung ״alt“ wirkt, ohne alt zu sein. Allerdings hat Castelnuovo Tedesco an drei Stellen auch historisches Gut verwandt. Er läßt zwei besonders schöne Laudi von Savonarola und der Lucrezia Tornabuoni erklingen und webt noch eines aus dem 13. Jahrhundert in die Handlung hinein. — Auf den Stil dieser Musik hat der ״Raum“, die Architektur des Platzes stark miteingewirkt. Es herrscht eine Weiträumigkeit der Linien, die sich imitierend übereinander schichten, ohne daß je ein« polyphone ״Enge“ entsteht; die Musik bleibt bei aller Linearität harmonisch und rhythmisch einfach. Ihre leichte Faßlichkeit, die nicht Banalität ist, läßt die Musik fast populär erscheinen. Und dennoch ist in ihr ein großes Maß an Kunst verarbeitet, wenn in mehrchöriger Weise die Trompeten vom hohen Balkon des Palazzo Vecchio ertönen und sich mit den Klangmassen mischen, die von dein Doppelchor in der Loggia dei Lanzi ausgehen. Der Platz, den die Musik in dem Drama einnimmt, übersteigt das Maß gewöhnlicher Bühnenmusik. Wie drei plastisehe Pfeiler stützen die Musikteile zu Anfang, in der Mitte und am Ende eines Jeden Aktes den dramatischen Bau. Bis auf die orchestral«« Aktanfänge und das innige lyrische Lied des Solosoprans, das als Tröstung des verzweifelnden Savonarola im dritten Akt ertönt, ist cs reine Chormusik mit Begleitung des Orchesters. Die Chöre sind vier-, sechs- und achtstimmig und erklingen, mehrfach doppelchörig, aus den beiden seitlichen Flügeln der Loggia dei Lanzi, während unter dem mittleren Bogen du Orchester postiert ist. Bei dem schweren Gang des Märtyrers zum Scheiterhaufen, am Schluß des Werkes, deklamiert der ein« Chor ein Miserere, welches der zweite Chor mit weiten, den Tonraum durch• schweifenden Melismen umrankt. Castelnuovo Tedesco über• Von der Mandatskommission England■ Vsrtnisr kündigt d*n Gesetzgebenden Rast an Genf 7. Juni. (Palcor.) Vor der Mandatskommission erklärte der Chefsekretär der Palästina-Regierung Moody, assistiert von dein Vertreter des Londoner Kolonialamtes Dow nie, daß die Finanzlage der Palästina-Regierung auch weiterhin gut sei. Das Regierungseinkommen ermögliche den Ausbau der öffentlichen Dienste. Infolge des Anwachsens der Bevölkerung sei sogar eine Herabsetzung der Steuern möglich geworden. Der Hafen von Haifa und die Haienanlagcti von Jaffa müßten wegen des Anwachsens der Handelsbedürfnisse vergrößert werden. Die palästinensischc Industrie sei in guter Entwicklung begriffen, auch die Ernteaussichten seien günstig. Die Regierung sei bemüht, die Lage der arabischen una der jüdi. sehen Bauern zu verbessern und unterstütze sie insbesondere mit Hilfe der landwirtschaftlichen Versuchs. Stationen. In Beantwortung weiterer Fragen wurden so. dann Informationen allgemein-politischer Art, insbesondere die Kooperation zwischen Juden und Arabern betreffend, behandelt, ferner die Frage der Einwanderung und der Bodengesetzgebung. In diesem Zusammenhang erklärte Herr Moody, die Ein- Setzung eines Legislative Council werde erwogen, nachdem eine bessere Ucbersicht über das Funktionieren der Munizipal-Autonomie gewonnen wurde. Die Araber seien für die Einführung des Legislative Council, die Juden dagegen. Im übrigen sei trotz der Spannung auf politischem Gebiet «ine zunehmende Verbesserung der Beziehungen zwi• sehen Juden und Arabern festzustellen. Der Vertreter der Mandatarmacht kam dann noch auf den innerjüdischen Gegen• satz zwischen Zionisten und Revisionisten zu sprechen. Am Nachmittag des 6. Juni wurden Fragen der jüdischen Einwanderung nach Palästina und Transjordanien und der arabischen Einwanderung nach Palästina diskutiert. Herr Moody erklärte, die Zahl der nach Palästina kommenden Araber sei unbedeutend. Auf die Frage einiger Mitglieder der Kommission erklärte Herr Moody, der Einwanderung von Juden nach Transjordanien stünden grundsätzlich keine Hindernisse entgegen, wohl aber sprächen noch immer Erwägungen politischer Zweckmälligkeit d a g e g e n. Ein großer Teil der Debatte war der Prüfung der Lage in Transjordanien gewidmet, besonders der Frage der Grenzen zwischen Transjordanien und dem Hedschad und der Hafcnverhäitnisse in Akaba. Der Vertreter der Mandatarmacht gab ergänzende Aufklärungen über Gerichtswesen, Wirtschaft- Rehe Gleichberechtigung, die Wirtschaftslage des Mandatsgebicts, die Handelsbilanz, Rauschgifterzeugung und -handel, Waffen- und Alkoholhandel, die Stellung des Gebiets im Hinblick auf die internationalen Konventionen, Arbeitsverhältnisse, Untcrrichfswcsen und Volkshygiene. Am 7. Juni nahm die Kommission die Prüfung der sich auf Palästina beziehenden Petitionen vor. Als Berichterstatter für das jüdische Memorandum fungierte der portugiesische Vertreter Senor Penha G a r c i a, für die arabische Petition der Spanier P a 1 a c i o s. London, 12. Juni. (ITA.) Die Druckschriftenabteilung der englischen Regierung hat soeben den Bericht der engltsehen Mandatarmacht an die Mandatskommission des Völkerbunds über die Verwaltung Palästinas und Transjordaniens herausgegeben. Wir werden über seinen Inhalt in unserer nächsten Ausgabe referieren. Mutige Tat eine» jüdischen Jungen. Am 6. Mai rettete der neunjährige Horst Moses aus Wohin i. Pom. den fünfjährigen Manfred Fabarius, den Sohn des Tischlermeisters Felix Fabarius, vom Tode des Ertrinkens. Der Kleine war beim Spielen in die Dievenow gestürzt. Horst Moses, der Sohn de« Uhrmachers Artur Moses, sprang in ein Boot und konnte den schon mehrmals untergegangenen Jungen fassen. Er hielt ihn solange fest, bis ein Mann in einem anderen Boot zur Hilfe kam und beide Kinder ans Land brachte. Der mutigen und entschlossenen Handlungsweise des nennjährigen Knaben, der dauernd in Gefahr schwebte, in den Strom gerissen zu werden, verdankt das Kind sein Leben. nimmt gerne Kompositionsprinzipien der katholischen Musik des Mittelalters und erreicht so eine bündige formale Geschlossenheit der einzelnen Nummern. Damit wächst seine Musik über das lediglich Illustrierende sonst!- ger Bühnenmusik hinaus und erhält einen Eigenwert, der auch vom Drama gelöst bestehen bleibt. Die vorwiegend strophische Form der musikalischen Stücke schafft eine Popularität, die durch ihre lineare Gebundenheit doch stets den Stil des Kirchlichen wahrt. Das Orchester ordnet sich ebenfalls dem al fresco• Stil des Ganzen unter. Streicher, Holzbläser, ein besonders starkes Aufgebot von Blechinstrumenten, vier Harfen, zwei Klaviere, dazu die Fanfaretimusik des alten Palazzo und schließlich die Glocke vom Turm des Palastes: im ganzen 120 Ausführende stehen dem gewaltigen Doppelchore gegenüber. Im Orchester entwickelt sich auch das fugierte Leitthema Savonarolas, das in mannigfacher Form und Instrumentation im Laufe des Dramas wiederkehrt. .Da die Musik nur in• direkt an dem Geschehen teilnimmt und nicht handelnd in das Drama selbst eingreift, ist sie nicht naturalistisch, sondern ornamental, gehört aber gleichwohl zur Wesenssubstanz des Werkes, das — wie eine griechische Tragödie oder ein mittel■ alterliches Mysterienspiel — die Isolierung der einzelnen Künste nicht kennt. Die Aufführung stand auf hoher künstlerischer Stufe, Die Chöre, die Maestro Morosin i führte, die Solostimme Franca Somiglis und das Orchester unter der Leitung von Ferd. P r e v i t a l i verhalten der Musik Castelnuovo Tedesco* zu einem großen Erfolg. Für die Regie Jacques Cop ea us ist kein Wort des Lobes zu hoch gegriffen. Wie er die Massen auf der geräumigen Piazza Signoria bewegte und Kontraste herausarbeitete, war eine Mcisterleistung. Dazu die stilvollen und buntfarbigen Kostüme, die neben der groß״ artigen Szenerie des Platzes mit dazu beitrugen, «in Stück Florentiner Quattrocento Wiedererstehen zu lassen. Der far• bige Eindruck einzelner Szenen gemahnte an Bilder Mantegnas oder Piero deila Francescas. Ueberhaupt hat Copeau sich gerne von der bildenden Kunst beraten lassen und 1m dritten Akt mit der Gruppe des unter dem Kreuz betenden Savona* rola, der knienden Büßerin und den drei eingeschlafenen »01־ daten eine Szene von biblischer Wucht geschaffen. Ein Fehler des Dramas ist lediglich die Einführung der epischen Figur des .,Erzählers“, der in das an sich völlig real ge־ meinte Werk einen Ideellen Faktor hineinträgt. Der Erfolg der Aufführung war außergewöhnlich. Das Publikum rief den Dichter, den Komponisten und den Re־ gisseur immer wieder mit den Hauptdarstellern auf den ״Altar“ in der Mitte des Platzes zurück, so daß die veran- »talter sich gezwungen sahen, noch eine dritte, ursprünglich nicht vorgesehene Aufführung des Werkes *tattfinden zu lassen, Dr. Gerhard Herz