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Jüdische Rundschau · 1935-06-14 · Heft 48 (14.6.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 48 (14.6.1935)
Date
1935-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48, 14. VI 1935 jüdische Rundschau Seite 3 Weg und Führung der deutschen Juden Eine Rede von Kurt Blumenfeld In der vorigen Nummer haben wir den Bericht über die Kundgebung der ZVfD. zur jüdischen Situation in Deutschland abgedruckt, bei der Kurt Blumenfeld das Haupt■■ referat hielt. Wir bringen nachstehend den Gedankengang von Blumenfelds Rede, die durch ihren Rückblick über die Entwicklung der jüdischen Position im Zeitalter der Emanzipation besonders bemerkenswert war. Kurl Blumenfeld ist inzwischen aus Deutschland abgereist und wird — nach einigen zionistischen Vorträgen in anderen Ländern — nach Palästina zurückkehren. Der Aufenthalt Blumenfelds in Deutschland hat der zionistischen Arbeit starken Auftrieb gegeben. Vermochte er gleich nach seinem Eintreffen bei der Arbeitstagung der ZVfD. den Zionisten in Deutschland eine ungeschminkte Darstellung der schwierigen Probleme Palästinas zu geben, so hat er vor seiner Abreise in der Kundgebung der ZVfD. dem deutschen Judentum den Spiegel vorgehalten. Es tvar, wie es dem Temperament dieses Redners entspricht, nicht ohne polemische Schärfe, aber getragen von jener Liebe zur Sache und zum Volk, die allein ein öffentliches Auftreten in einer solchen Zeit rechtfertigt. Neben dem hier abgedruckten Gedankengang brachte Blumenfeld in seiner Rede eine Fülle von Beispielen aus dem aktuellen jüdischen Lehen, übte scharfe Kritik an dem Brief des Gemeindevorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin an den Rabbiner l)r. Prinz. Er zeigte an diesem Beispiel die Niveaulosigkeit der Führung der Jüdischen Gemeinde Berlin. Er behandelte hei der Darlegung der innerzionistischen Situation kurz die Frage des Revisionismus. Er wies darauf hin, daß gerade dem Revisionismus die verpflichtenden ״staatshildenden“ Elemente fehlen und daß es sich auch hei ihm im wesentlichen um einen deklamatorischen, unverbindlichen Zionismus handele, der seine Hoffnung immer auf die Hilfe der nicht jüdischen Außenwelt setze. Die Rede Blumen■ felds wurde mit stürmischem, nicht endenwollendcm Beifall der Versammlung auf genommen. Dr. Siegfried Moses erklärte in seinem Dank für Kurl Blumenfeld. daß seine Ausführungen eine Reinigung der inner jüdischen Atmosphäre bedeuten. Blumenfeld begann mit einer Darstellung der jüdischen Mentalität zur Zeit der Emanzipation. Damals, beim Eintritt in das deutsche Leben, haben die Juden ihr Judentum nach den wirklichen oder vermeintlichen Wünschen der nichtjüdischen Welt eingerichtet. Ihre Liebe galt dem durch deutschen Geist repräsentierten Europa. Die Assimilation entsprach dem inneren Bedürfnis der Juden, den Zusammenhang mit Europa und seinen politischen und geistigen Bewegungen zu finden. Die vom Rationalismus und Liberalismus erhellte und geführte Epoche ermöglichte den Juden allzu leicht die Identifikation und machte den schüchternen Schüler von gestern allzu schnell zum eingebildeten, mitunter auch anerkannten Repräsentanten der deutschen Welt. Die Zeit verhieß Toleranz. Der Jude verlangte sie für sich, und war selbstverständlich bereit, sie zu üben. Nur auf einem Gebiet lehnte er es grundsätzlich ab, andere Anschaumigen als die seiner Eingliederung günstigen zu ertragen, auf jüdischem Gebiet. Dort war der Freiheitskämpfer aus uns heute sehr verständlichen psychologischen Gründen ein Unterdrücker, jedes Mittel schien gut, um Versuche, die Sonderart des Juden nach außen zu betonen, mit Hilfe der schnell erworbenen Machtmittel zu ersticken. Die Juden wollten nicht erinnert weTden. Die jüdischen Versuche der Denaturierung und Sublimicrung jüdischer Form und Ideen sind bekannt. Jeder Rest jüdischer Wirklichkeit wurde durch Umdcutung in den Bezirk des Unverbindlichen abgeschoben. Nicht die Inhalte und die Haltung des Judentums waren erheblich, sondern immer nur die Grenzen, bis zu denen es sich wagen durfte. Judentum war eine in jeder Beziehung ,,limitierte“ Sache, Deutschtum das Unbegrenzte und Uferlose. Hier gibt es grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Reform und Orthodoxie. Die Orthodoxie überlegte sich, was sie dem ,,liberalen Staat“ und dem deutschen Lehen zumuten konnte. Die Reform und der Liberalismus transportierten die Religion in die politische Sphäre und machten sie zu einem handfesten Werkzeug für den Tagesgebrauch. Die Juden der letzten 130 Jahre waren fast ausnahmslos interessant durch ihre Leistungen im deutschen Leben, nicht aber durch ihre Bewährung in der jüdischen Sphäre. Auch die Bewertung ihrer Persönlichkeit durch die Juden erfolgte auf Grund ihrer Stellung und Bedeutung in der n i ch t i üd i s c h e n Welt. Judentum war willkürliche Konsfruktion und blieb erheblich als Stimmung. Kein Zweifel bestand, daß man, wenn man es nur recht wolle und richtig anfange, voll und ganz, ein Deutscher sein könne und ,,unlöslicher Bestandteil“ der eigentlichen deutschen Welt. Die Frage, ob das auf Emanzipation und Assimilation gerichtete Verhalten der Juden ״richtig“ war, ist für den Historiker und auch für den Politiker sinnlos. Es blieb den Juden keine andere Wahl. Was sie nach eigenem Entschluß taten, wurde gleichzeitig von ihnen durch die Zeitverhältnisse verlangt. Einen gewiß begreiflichen Irrtum begingen die Juden, da man von ihnen Entjudung und Assimilation verlangte. Da sie sich willig der Umgebung anzupassen bemühten, glaubten sie, sich dem deutschen Volk in allen seinen Teilen zu verbinden. Sie traten in Wirklichkeit aber nur in einen Sektor der deutschen Welt ein. Diesen Ausschnitt deutschen Lebens, in dem sie ihre Rolle spielten und die erforderliche Resonanz fanden, identifizierten sie mit der deutschen Welt oder ernannten ihn zum Repräsentanten des ,,besten Teiles“ deutschen Wesens. Der Nichtzionist Franz. Rosenzweig hat das sehr witzig an dem Beispiel des von ihm verehrten Hermann Cohen gezeigt. (Siehe das in ״J. R.“ Nr. 46/47 S. 9 abgedruckte Zitat. — A. d. R.) Die Juden waren hellhörig für jede anerkennende Bemerkung über das klassische Judentum und überhörten geflissentlich jede kritische und ablehnende Stimme gegenüber der lebenden judenheit. Judenfreundliche Aeußerangen waren eben ,,repräsentativ“ für die deutsche Welt, gegnerische und kritische, auch wenn sie von bedeutenden und reinsten Persönlichkeiten stammten, wurden als suspekt und unerheblich bezeichnet. Die Behauptung unserer Gegner: im liberalen Staat hätten s i c recht gehabt, heute seien — entsprechend einer gewandelten politischen Situation — vielleicht die Zionisten im Recht, daß es also in beiden Fällen um eine relativ richtige Haltung gehe, ist grundfalsch. Die zionistische Kritik hat immer recht gehabt, schon 1862, als die Judenfrage zum erstenmal in deutscher Sprache als eine Nationalitätenfrage dargestellt wurde. Die Ablehnung des j ü o i s c h c n Volksgcdankeus war ein Irrtum. Die Meinung, man dürfe nicht als Jude auffallend in die Erscheinung treten, war um so falscher, als man nicht das geringste Bedenken hatte, ״als Deutscher“ so sichtbar wie möglich auf der öffentlichen Bühne zu agieren. Der jetzt geschaffene Kulturbund, in dem man die Vergangenheit fcstzuhalten bemüht ist, bestand in Wahrheit immer. Der Unterschied liegt nur darin, daß früher auch Nichtjuden Mitglieder sein durften. (Lebhafte Heiterkeit.) Immer war man stolz auf die große Teilnahme der Juden am Musik- und Thcaterlcben, nie bedenklich wegen des zu kleinen Prozentsatzes anderer. Das sog. Deutschjudentum ist in Wahrheit eine rein jüdische Angelegenheit geblieben. Es hat sein Ziel so wenig erreicht, daß auch die Werke jener, die ganz und gar deutsch sein wollten, genau wie ihre Gesinnungsgenossen aus früheren Geschichtspcrioden, ihren Platz, im jüdischen Schrifttum finden werden (Hermann Cohen). Ein inneres Recht zur Repräsentation und Führung des Judentums hatten jene Juden niemals. Sie konnten jüdische Gemeinden und Institutionen verwalten, solange das Judentum sich im Zustand freiwilliger Liquidation befand. Der jüdische Liberalismus hat mit allen Kräften das Eindringen der Zionisten in die leitenden Stellen der jüdischen Welt verhindert. Jedes Mittel war diesen, sonst doch immer für das ,,Recht der freien Meinung“ kämpfenden Nutznießern der Situation recht. Der Zionismus wurde als ״gefährlich“ für die bürgerliche Stellung der Juden, als vaterlandsfeindlich öffentlich angeprangert, obwohl dies nachweisbar falsch war, nur ein Argument des innerjüdischen Kampfes. Die zionistischen Forderungen wurden nicht einmal ernsthaft erörtert, man ging regelmäßig über sie zur Tagesordnung über. Man war gegen Palästina; und insbesondere in schweren Zeiten versuchten diejenigen, die sich nie an der Palästinaarbeit beteiligt hatten, das Aufbauwerk zu stören. Man leugnete das Bestehen eines spezifisch jüdischen W i r t s cto a f t s p r o b I e m s. Wohltätigkeit wolle man üben, aber von jüdischer Sozialpolitik nichts wissen. Diesen ganzen Kampf führte man im Namen der für ihn präparierten jüdischen ״Religion“. Wir sind bereit, diese Vergangenheit zu vergessen und wir lehnen es ab, Mittel anzuwenden, die man im innerjüdischen Kampf gegen uns gebraucht hat. Wir müssen allein, ohne jede Mitwirkung Außenstehender, mit unseren Angelegenheiten fertig werden. Daher ist es unsere Pflicht, die jüdische Welt darüber aufzuklären, daß sie heute von Elementen geführt wird, denen jede Legitimation zur Führung fehlt. Man wendet ein, daß sich inzwischen ja vieles im jüdisehen Leben geändert habe, und daß die Repräsentanten des deutschen Judentums um gelernt haben. In der Tat haben die Nichtzionisten heute eine Fülle zionistischer Programmpunkte aufgenommen. Sie sind für Palästina, für die jüdische Schule und für Sozialarbeit. Sie berufen sich darauf, gelernt zu haben und präsentieren sich selbst als gute Schüler. Der gute Schüler ist jedoch noch nicht legitimiert, sofort an Stelle des ״Lehrers“ aufzutreten und dem Lehrer Vorschriften zu machen. ״Was sic heute erst lernen, das wollen sie morgen schon lehren. Ach was hal)0n die Herrn doch für ein kurzes Gedärm.“ Die nähere Untersuchung zeigt, daß die gelehrigen Schüler dieselben Antizionisten geblieben sind, die sic vorher waren. Es wäre ihnen in keiner Weise übclzunchmen, wenn sie sich treu geblieben wären und dabei die Konsequenz ziehen wollten, vom Schauplatz abzutreten. Was jetzt geschieht, ist die schon oft beobachtete Umänderung Und Entseelung der übernommenen Forderungen. Für Palästina, aber nur in der Zeit der Prosperity, nur solange, als es große Scharen deutscher Juden aufnehmen kann. Lieber ist man natürlich im Fahrwasser des Hilfsvereins für (Zypern und für exotische Länder. Dem Zionismus wird auch i n Palästina das Recht der Verwirklichung seiner Ideen streitig gemacht. Man ist ״für jüdische Schulen“, aber in Wahrheit will man eine deutsche Schule für jüdische Kinder in einer ״Uebcrgangszcit“. Man ist für Sozialpolitik, verwendet für sie aber, soweit es möglich ist, noch immer die alte Parole von der Verwurzelung der Juden in Deutschland. Man anerkennt nicht, daß die jüdische Jugend auswandern muß und daß auch die Erwachsenen das Lehen hier nur ertragen können, wenn sie sich mit den auf die Zukunft des jüdischen Volkes gerichteten Bestrebungen verbinden und den Irrtum aufgeben, daß ein deutsches Judentum, losgelöst von der Judenheit der Welt, eine neue Blüte ohne Zionismus erleben kann. Trotz deutlicher Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen und Organisationen der Nichtzionisten kann man doch von einer antizionistischen Front sprechen. Ein wirkliches Lernen und Umdenken ist in dein offiziellen Leben des deutschen Judentums nicht erfolgt. Wir wären glücklich, wenn wir annehmen könnten, daß Menschen, die uns einmal bekämpft haben, auf dem Wege zu uns sind, daß sie, wenn sie selbst die Problematik ihrer eigenen Situation erkennen und noch nicht zu den letzten Konsequenzen kommen, sich doch als eine ergänzende Kraft für die zionistische Bewegung fühlen. Dieser Prozeß befindet sich jedoch in den ersten Anfängen. Man kann bei gerechter Abwägung sagen, daß auch jene nichtzionistischen Programme, die heute durch zionistisches Gedankengut ausgefüllt sind, a n t i - zionistisch• geblieben sind, und daß der Grund für die veränderten Vokabeln ausschließlich in dm Zeit verhältn i s s e n zu suchen ist. Der Zionismus hat seine Forderung auf Repräsentation der Judenheit, die in der Erkenntnis lag: ,,Das Judentum wird zionistisch sein oder es wird nicht sein“ — immer aus der Erkenntnis vom Zustand des jüdischen Volkes in der Welt hergeleitet. Er erhob sie unter allen Bedingungen, unabhängig von Zeitverhältnissen und Regierungs־ formen. Er erhebt sic heute genau so wie in den Tagen seiner Gründung. Wenn heute die Zionistische Vereinigung für Deutschland aus der Ptüfung der Verhältnisse im deutsehen Judentum zu der Ansicht kommt, daß sic die Programmc der Nichtzionisten in ihrer wahren Gestalt mit Deutlichkeit der jüdischen Oeffentlichkeit vor Augen stellen muß, so wird sie zu diesem Tun nicht durch die Lust an innerjüdischer Polemik getrieben. Wir glauben verpflichtet zu sein, die deutsche Judenheit vor neuen verhängnisvollen Irrtümern zu retten» wir müssen ihr heute um der Zukunft des deutschen Judentums und um der Zukunft des jüdischen Volkes in Erez Israel mit allem Ernst und aller Klarheit sagen, daß sie sich nicht ausschließlich von Irregeführtei» und im Irrtum Verharrenden vertreten lassen kann. Wir waren glücklich, in Erez Israel viele Tausende deutscher Juden aufnehmen zu können. Wir wollen unsere Heimat zur Heimat des ganzen jüdischem Volkes machen und cs erfüllt uns mit Freude, daß in den letzten 21;׳ Jahren die Bevölkerung Palästinas um mehr als (10״״ gewachsen ist. Die Judenheit erntete die Früchte der zionistischen Leistung vieler Jahrzehnte. Diese große Fimvanderung legt dem Zionismus aber vervielfältigte Pflichte n auf. Dem jüdischen Volk bleibt bei der Volkwcrdung die Wüstenwanderung nicht erspart, wobei es klar ist, daß unser Voik hruie den großen Um* gestaltungsprozeß im Lande selbst liurehmaeiien muß. Palästina ist die große Hille für das Volk, aber nicht der zufällig geographische Ort für eine Hilfsaktion. Man kann sich daher nicht für 1 inen Be ja her des Pal.i-dinagedankens halten, wenn man die Palästinaarbeit von irgendwelchen Erfolgsgarantien abhängig macht, wmn man brez Israel auf eine Stufe mit anderen Aiisw aiulcmiigsluiulerii stellt. Wir Zionisten kennen die Schwierigkeiten der Eroberung unseres Landes besser als irgend jemand aiulors. Wir wissen, was es heißt, unorganisierte aiinrdio-imlividu.ali'tische Gruppen politisch zu schulen, zu vereinheitlichen und dazu zu bringen, daß sie die Bedürfnisse der Nation höher stellen als das Interesse des Einzelnen. Wir erfahren jeden Tag, wie schwer es ist, mit amorphert Haufen den langen und mühseligen Weg zur Volksw erdung zu gehen. Wir kennen die Gefahren der nach Palästina transportierten A 1 I e r w e 1 t s i d e e 11. Wir wissen auch, daß das Bekenntnis /um Zionismus allein nicht genügt, daher ist unsere Kritik an anderen immer mit Selbstkritik aufs engste verbunden. Sie kann sieh nicht mit dem hochmütigen Ablehnen von Besserwissern begnügen, sondern muß begleitet sein von einem ununterbrochenen, scharf kontrollierten Prozeß der Selbstcr/.ichung und Neugestaltung der eigenen Bewegung. Unser Führungsanspruch ist daher in erster Linie eine Auf• gäbe für die Zionisten seihst, die zu lernen 11 a b e n, worum es gebt. Es handelt siel! für uns nicht tim die Besetzung aller leitenden Positionen. Wir wollen den anderen, die ja, wie die Erfahrung zeigt, hei aller Gegenwehr und selbst bei stärkstem Ressentiment sich unseren realen Forderungen auf die Dauer nicht zu vidersetzen vermögen, die Mitwirkung durchaus ermöglichen. Wir müssen aber darauf bestehen, daß der Zionismus und seine Vertreter die Richtung der jüdischen Arbeit auch in Deutschland auf den entscheidenden Gebieten bestimmen. Wenn wir über Palästina reden, so besteht in den Parolcn ,,Rettung“ und ,,Erlösung“ kein Gegensatz. Erez Israel wird Massen von J 11 11 e n n u r auf 1! e 11 m c n können, wenn ihnen durch eine nationale Politik der Weg geebnet wird. Nur wenn cs gelingt, unsere Jugend so zu erziehen, daß sie aufs Land geht und dort bleibt, nur wenn es gelingt, die jüdische Arbeit zur Grundlage unserer Wirtschaft zu machen, nur wenn wir die Möglichkeit haben, mit Hilfe des nationalen Kapitals große neue Gebiete zu erobern, nur wenn die hebräische Sprache das jüdische Leben beherrscht und wenn in ihr ein Geist erzeugt wird, der das ganze Volk befähigt, Not und Gefahren freudig zu ertragen, nur dann wird unser Volk bereit und fähig sein, einem ununterbrochenen Strom neuer Einwanderer den Weg zu bahnen. Daraus ergibt sich, daß die judisclie Schule hier junge Juden für ein zukünftiges 1 eben im Bannkreis jüdischer Kultur erziehen muß. Daraus ergibt sich auch, daß alle Sorge ftir die in Deutschland verbleibenden Juden —- alles was jetzt Im dialektischen Kampf als Argument gegen die zionistische Parole angeführt wird, ist noch vor wenigen Jahren ausschließlich zionistische Forcierung gewesen — vorblinden sein muß mit der A 11 f k I a 111 ־ n g 11 b er <1 i e w i r kliehe Lage der Judenheit. ( irollc Schuld laden die aut sich, die an Stelle jüdischer Zukunftslioffmingen den Juden in Deutschland völlig uiilund icrie allgemeine Erwartungen anderer Art zu geben versuchen. Das Schicksal hat uns einmal vor 130 Jahren die Gelegenheit gegeben, den Weg aus ׳.lern Judentum heraus zu erproben; mit dem Ergebnis, daß in der letzten Periode jüdischer Geschichte unser zerstreutes Volk atomisiert worden ist. An Stelle der einen Judenheit entstanden die Judentümer der einzelnen Länder und Bezirke, und in diesen gab es weitere Zersetzung durch einen die Gemeinschaft immer mehr auflösenden I)ifferenzier1111gspro/eß. Die Stimme des Zionismus wurde in den westlichen Ländern wenig beachtet. Die Behauptung Herzls, daß die Judenfrage eine Weltfrage sei mul die Forderung, 11,111 xvir sie zu einer Weltfrage machen müßten, erreichte nur (Ins Ohr kleiner Kreise. Inzwischen ist die Judenfrage zur VV e 11 f r a g c gew orden. In allen Ländern wird sie behandelt; als ein Problem erscheint sic den Völkern, als ein Druck lit'tgt sie auf uns. Als der Zionismus auftrat, waren die Juden auf dem besten Wege, atifzuhören als Volk zu existieren. Den Juden war ihr eigenes Wesen fremd geworden und sie glaubten sich als Herren aller Möglichkeiten behaupten zu können. Der zionistische Weg war ihnen eine Rückkehr ins Ghetto, ihr Weg die große gebahnte Straße zu freiem Menschentum. Heute wird es offenbar, daß nur der Zionismus dem jüdischen Volk die Möglichkeit und auch die Kraft gibt, aufs neue in der großen Welt den Kampf um sein eigentliches Sein zu führen. Der Zionismus, das ist erkämpfte Freiheit und nicht garantierte Sicherheit, erkämpft durch das werdende jüdische Volk, das in Erez Israel, im Heimatland, seine eigentliche Gestalt wiederfinden wird. Heute darf es keinen Juden geben, vor allem keinen Juden in Deutschland, der nicht alle Hoffnung seines Lebens mit dein Her/lwort aus den Anfangs• Zeiten des Zionismus verbindet: ״Wir sind ein Volk, e in Volk!“

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