Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 46-47 (6.6.1935)
- Date
- 1935-06-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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$»"♦» 1A JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46/47, 6. VI. 1935 Aus dem Reich Von unseren Berichterstattern Bemburg, Am 2. Juni beding di« Gemeinde Bemburg die Feier des lOOja hrigen Bestehens ihres Gotteshauses in schlichter Weise. Die Synagoge war reich geschmückt. Der Vorsitzende der Gemeinde, Herr I.ewy, gab einen kurzen L'eberbltek über die Entwicklung sek der .Mitte des IS. Jahrhunderts mit besonderer Berücksichtigung der letzten 100 Jahre. Die Fc-tpredigt hielt Prediger Jungmann in Anlchnung an den Text aus der Woehensidra. ,,Ein jeder zu seiner Fahne", hinweisend auf die Flüchten, die jeder Jude heute zu erfüllen hat. .Mu dem gemeinsamen -Mu-safgebct schloß die erhebende Feier. Wesermünde-Bremerhaven. Nach verschiedenen wohlgelungcnen Ktil- *trabenden im Verlaufe des Winters versammelten sich die Gemeindcmitglieder zu einer zahlreich besuchten Feier. Nach einer Ansprache von Lehrer Goidncr folgten Gesangsvorträge und Rezitationen verschiedener Gemcindernitglicdcr. Im Mittelpunkt stand jedoch Fräulein Clairc Arnstein, Hannover. Mit ihren ernslen und heiteren \ ortragen e! niete sie auch jetzt wieder reichen Beifall. Breslau. Am 28. Mai feierte Felix Perle seinen 60. Geburtstag. I)as kulturelle Leben der Breslauer Jüdischen Gemeinde hat durch d:c jahrelange 'Iätigkeit Felix Feiles eine starke Förderung erfahren; das 1928 gegründete Jüdische Museum ist in hohem Muße sein Werk. .Auch die Entstehung und Fliege des U. O. B. B..Logenheims in Kruminhubt-1 bildet ein weiteres Verdienst F. Perles. Dem Aufbau Palästinas schenkt er stets ein reges Interesse. Irr Anerkennung seines V irken.s hat die lirrsüiucr Ju iisch-Theologisdie Fakultät schon vor J.i.'iren c-n.em I.cm-tuhl der! Xanten Felix Perles gegclten. Darmstadt. Da־ LäTinyy1 :}״״!'.׳-..״״״״״ )annstätlier Juden veranstaltete fiiien Rczti.ii ־,, u■.■,,! *ncl mit Frau I lemcärdt-Oett inger und einen laeoeialirn■!. I.t־ ׳■!.,!<• S״,.*,!״ (Mt). Bi-ntai 7ccg!er (B.iriton), beides t'ta cm ־g: Mc.; er״•:! ׳ l״׳T:r:r t ie׳־!ni;.n! ■cs; demciü ..prcchend!1 1;׳ < tp re Ai e.־n da, H, in'besondere gefiel die Duisburg. Da: Atn: ״lauer der int Jahre 1930 gewählten Gemeinde- Vl Otceueg 11e: Inuitdt■' Jahr■-1934 ״ ab. Fs wurde eine gemein- .1;1.״H: [,!״׳!£ ctegcrcii'h!, die Xauieii all, r Richlungeit aufweist und (iarch die eine \\ ah.h.indkutg ulw'i!lus-ig wurde. Die erste!Sitzung d.r m a.-n ״,״״:״ י:T11 ״״ tr:;,״y :and bereits nun. In dir wurden die 1 e-htngen Gc tue eedcv.nUaadsii.iigiicdcr untu rändert wicdergewihlt. frrfurt. ['!״;. I'iaee haetl tnigr-r h!t h m der hvnagoge einen Yoitrng ,.Judentum und m 1״. tue Km.st -- unter besonderer Bmicksuht.gueg Max la! e! nicaae־', Riitlerr Bt'iluÜ dankte dem Redner. Lue: äe.ia, c e .׳ i: te ־,־ e 1 e lucr tar die Sch ulen! la sscnen unseier * " tue.tele lata! in: Amelie.;!; sei den!«:.״er! Jtigctidg.itfe־dien•d stau. N.cti!leer A1,-;u,e!.1■ de-, R,d!b. 1)1, .־-ehü;:j11 wunle den ins Le- 1x11 tieuu.den emgen Men- 1:011־ ein von der Gemeinde gestiftete;, P-nh als Andenken ub.-ri Geht. Essen, in der 71,1.n-a:-eie״-!! U.1־.grap|K■ berich'cte f׳:. Capell, Düsseiüber Ikiia-׳.ne-Prob!, me. Wählend er in einem ersten Vortrag die Stellung Palästinas immilndb de, vorderen Unents aut/.cigte und vor! da aus die .Maßnahmen der Regierung einerseits, der englischen Diplomatie g! greaibcr der jüdischen Verwaltung andererseits dem Verständnis ruihebrachtc, ging er im 7.« eiten Vortrag auf die arabische Frage ein. Zurr! Schluß wies er auf die Konsequenzen hin, die diese Tatsachen für unsere Palästina-Politik haben müssen. Freiburg |. Br. I)r. Kurt Licht, Mannheim, sprach im Rahmen einer zionistischen Versammlung über ״Liquidation oder Aufbau des deutschen Judentum'?‘• Fs war bedauerlich, daß zu diesem Vor- Iragxabend nur wenige GemcLmlemitglieder erschienen waren. Trotzdem ist es ertreulich, daß am Schlüsse dieser Versammlung, bei der Neukonstituierung der zionistischen Ortsgruppe sich 25 Mitglicder neu einzcielmeten. Am darauffolgenden .Abend sprach Dr. Licht im engeren Kreise über die derzeitige Lage des Zionismus. Kantor Kullik hielt Kurs über ״Geschichte des Zionismus“, welcher 14tagig Mattlmdet. .Außerdem leitet Dr. Licht ebenfalls einen 14 tägig.11׳ Kursus. Der Leiter der Ortsgruppe, Bruno Danziger, Zasiusxtr. 34, gibt im Aufträge des I : An,־-, lautende Informationen über PaHistiriairagen. B. D. Jastrow. Am 20. Mit; sprachen Fhhileiu Chanah Cohcn-Xali.ilal und Georg Kopydlow-ki in ebner von 140 Petsonen be>ucbten Gemeinde- V eran-'almng. Dakiele״ winden dmch .Spteeheltiire der ZOG. D.u׳ o,-kro;.e, d; 11 ״:״ de-, ’,,״T-kiennieii rbc'-cr \ä1,1n-1.d- Kaiserslautern. 1 >,c 1,.11־g1׳g11׳hde’c /.i.ntistivhe (.)n -gruppe trat mit cmeni \ 1 ,!׳: Mg-aih iid au 14. M.n in der Synagoge /um erstenmal an die j.1d1-.be t >־! :et,'!,, A- A. Als Redner war der Genoral-ekietär des Keren Kajcmeth Lejisrael in Jerusalem, Adolf Po11 ak, »erpflichtet worden. In einleitender! Worten gab der Vorsitzende der Ortsgruppe, Wilhelm Jakob, seiner Freude über den außerordentlich zahlreichen Besuch des Vortrags Ausdruck. Sodann erteilte er dem Redner zu seinem Vortrag ״Ist Raum genug in Palästina?“ das Wort. In über eimstündigem Vortrag wußte der. Redner durch klare und äußerst sachliche Ausführungen die Anwesenden zu fesseln, ln seinem Schlußwort richtete der Vorsitzende einen eindringlichen Appell an die Anwesenden, die Arbeit der hiesigen Ortsgruppe auch weiterhin zu unterstützen. Als Erfolg der Veranstaltung ist eine Reihe von Beitrittserklärungen zur Ortsgruppe zu verzcit Imen. F. W. München. Im überfüllten Museumssaal versammelten sich am 27. April die Münchener Freunde der Hebräischen Universität zu einem von der Zionistischen Ortsgruppe veranstalteten Festakt, der eingeleitet wurde durch das Largo aus dem Badischen Violinkonzert, meisterhaft vorgetragen durch die Herren Bett sack, Sallinger und Sarsky. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Dr. M. J. G tt t nt a n n, ergriff als erster das Wort und referierte über Ziel und Weg der Hebräischen Universität zu Jerusalem in den zehn Jahren ihres Bestehens. Den Hauptteil des Abends bildete der Fest vertrag von Dr. Ludwig Feuchtwanger über ״Palästina und die Diaspora“. In vier Geschichtsbildern veranschaulichte Dr. Feuchtwanger die ewige Wechselbeziehung von Palästina und Diasjtora. Mit der ersten großen Judensiedlung außerhalb Palästinas, der jüdischen Militärkolonie in Elefantine (Aegypten) zur Zeit l'Xras beginnend, führte der Referent zu der Entsteilungszeit der esehatologisch bestimmten apokrvphischen Literatur (um 50 n. dir.), um sodann zum Zeitalter der Kreuzzüge überzugehen, die nach Feuehtwangcrs Theorie eine entscheidende Wandlung der seelischen Wirklichkeit Zions in der europäischen Judenheit auslösten. Mit einem Geschichtsbild der jüngsten Vergangenheit, dem Gespräch zwischen dem letzten Kaiser der Donaumonarchie, Karl von llah'-burg, und dem Wiener Oberrabbiner Prof. Chajcs schloß die Schau über fast drei Jahrtausende jüdischer Galuthgeschichtc. Mit einem Appell an die Juden der Welt, die Beziehungen zwischen Palästina und der Diaspora immer inniger zu gegenseitiger Befruchtung zu fügen, schloß ll)r. Feuchtwanger seine Ausführungen, denen starker Beifall dankte. Ben-Chorin Stuttgart. Am 22. Mai feierte Oberrechmmgsra! Max Meyer seinen 70. Geburtstag. Fr bemühte sich in langjähriger Ar beir um das Wohl der Gemeinde Stuttgart und hat sich als Lehrer, Leiter der Gemeinde- Verwaltung und schließlich als Mitglied des Gcmeiitdevorstandes ganz Ijcsoadere Verdienste um das jüdi'che Leben in Stuttgart erworben. Dem Palästina-Aufbau steht er mit großer Sympathie gegenüber und fordert ihn nach Kräften. Ein großer Teil seiner Schüler lebt heute in Palästina. Die Jüdische Gemeinde Stuttgart hm Obcrre! hnungsrat Meyer aus Anlaß seines 70. Geburtstages in das goldene Buch des Keren Kajemetli Lejisrael eintragen lassen. Ankündigungen Breslau! Ilerzl-Club. Am 13. Juni, 20.30 Uhr, im Saal de/ Breslauer Zionistischen Vereinigung, Gartenstr. 25: ״Palästittafrcunde — Zionisten“; Redner: Assessor Georg Joel. — Frankfurt am Main: Die Arbeitsgemeinschaft jüdischer Amatcurphotographcn veranstaltet vom 10. bis 23. Juni im Vereinshaus, Eschorshcimer Limdstr. 27, eine Ausstellung künstlerischer Photos. Besuchszeit: 10—13 und 15—19.30 Uhr. Bar Mizwah-Termine Am 22. Juni — 21. Siwan: Herz Baron, Sohn von Leo Baron, Magdefturg, Breite Weg 129. Am 15. Juni — 14. Siwan: Louis Jehudah Feist, Sohn von Edwin Feist, Schcvcningcn, Kapelplein 2. Am 15. Juni — 14. Siwan: Elias II e p n e r, Sohn von Jacob Heptter, I.eipzig. Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren. Palästina — ohne Zionismus Vortrag von Kurt Blumenfeld in Leipzig Der große Saal des Städtischen Kaufhauses war von etwa 1500 Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt, als Dr. Loeben stein in hebräischer Ansprache die Versammlung eröffnete, um Kurt Blumenfeld in Leipzig willkommen zu heißen. Nach dieser Ansprache ergriff Blumenfeld das Wort. Es war ein anderes Auditorium, als er es in früheren Jahren in Leipzig zu sehen gewohnt war. Neben den alten Anbangem der Bewegung bemerkte man viele neue Menschen, die in den letzten zwei Jahren zu uns gekommen sind, und auch solche, die diese letzte Entscheidung noch nicht getroffen haben. Sehr scharf ging Blumenfeld mit der Assimilationstendenz der letzten Generationen ins Gericht. In neuartigen, treffenden Formulierungen geißelte er die Mentalität einer zusammengebrochenen Epoche, die meinte, mit ihren subjektiven Anschauungen die Problematik des Judeseins gelöst zu haben, während unabhängig von ihren Vorstellungen eine objektive Judenfrage bestand. Er schilderte die Funktion Erez Israels, das nicht der Sicherheit dient, sondern der Freiheit, ohne die der neue jüdische Mensch nicht werden kann. Stürmischer Beifall dankte dem Redner nach den mitmitrciBender Ueberzeugungskraft vorgetragenen Ausführungen. Hierauf forderte Dr. ״L o e be ns t ei n die Versammlung auf, durch den Erwerb des Schekels das Bekenntnis zur zionistischen Idee abzulegen. Die Mitglieder des Vorstandes und Damen der Wizo gingen durch die Reihen, um diejenigen, die bisher noch abseits standen, zum Erwerb des Schekels aufzufordern. Dem Redner des Abends wurde als Dank eine Eintragung ins Goldene Buch des Keren Kajcmeth dargebracht. Gesänge der Leipziger Misrachi-Jugend unter Leitung von Herrn Rambam umrahmten die Veranstaltung, die mit dem Absingen der Hatikwah und der Techcsaknah geschlossen ■wurde A. Der Palästina-Tonfilm im Reich ln Lalpzlg ... Die Aufführung des Palästina-Tonfilms ״Land der Verheißung" war ein gewaltiger Erfolg. Ueber 350Ü Menschen füllten die Alberthalle, weitere Hunderte fanden keinen Einlaß mehr. Es war die größte jüdische Veranstaltung, die Leipzig bisher gesehen hat. Die Wirkung des Films, über dessen Inhalt und Qualitäten ja die ״Rundschau“ bereits eingehend berichtet hat, war außerordentlich. Sie wurde noch erhöht durch einen Chor des J P D. von 120 Mitgliedern, der vor der Aufführung drei Lieder von Sambursky zum Vortrag brachte. Die Aufführung wird in Kürze wiederholt werden. A. und Mannheim Der Palästina-Film wurde in vier Aufführungen, die all« ausverkauft waren, zur Darstellung gebracht. Die Besuchcr setzten sich aus allen Schichten der üemeindeangehörigen zusammen und waren von dem Film stark beeindruckt. Der Vorsitzende der ZOG. Mannheim, Dr. Steinfeld, der gerade von einer Palästina-Reise zurüekkam, führte in seinen Erötfnungsworlen aus, daß die Probleme Palästinas im Film gesehen werden müssen und daß der Zionist den Film anders sieht und sehen muß, als der Tourist, der das Recht hat, sich ohne Problematik an den Landschaftsbildern des Landes zu erfreuen. Eines aber sieht jeder, wie unser Volk durch Arbeit das ״Land der Verheißung“ in das Land der Erfüllung tungestaltet. Dr. Ö. S. Todesfall, In diesen Tagen starb unerwartet in Berlin Rechtsanwalt Max Ascher- Schönlanke. Zur alten Garde de! Zionisten gehörend, hat der Verstorbene, der als Vorsitzende! der Jüdischen Gemeinde Schönlanke in allen jüdischen Kreisen der Grenzmark größtes Ansehen genoß, über den Kreis der Schönlanlter Ortsgruppe hinaus viele Jahre hindurch erfolg• reiche zionistische Arbeit geleistet. Wir sprechen seiner Gattin, einer ebenfalls in langjähriger Arbeit bewährten Gesinnung-- genossin, und seinen Kindern unser herzlichstes Beileid aus. Die in Nr. 45 vom 4. Juni gegebenen Anregungen für dk Schabbat-Gestaitung: ״Von den Festen — Das Buch Ruth — Liturgisches“ haben Dr. Jakob Meitlis zum Verfasser. Auf ’Dingen steht die Welt Erzählung von GERSON S7ERN 19. FortieUun* Copyright V1rl*g Erich Hain, ßarlin ״Es ist für uns alle wertvoll,“ sagte Weller, ,,mit dieser Offenheit und Klarheit Fragen aus!lerufenein Munde erörtert zu selten, die solch einschneidende Bedeutung für jedes Leben haben. Ich gestehe es, ich halle mein erstes tiefes Erlebnis, als ich in die Welt, ton Goethe und Schiller eintraf. Ich könnt« mich nicht denken ohne diese Erschütterung, die ich damals empfing. Ich fühle den Rhythmus tles umweltlichen Lebens, das Gedankliche und Seelische, das von seinem Schrift geformt wird. Ich spüre es derart, da IS dieser Rhythmus in mich einhallt. Dies alles js| Gewinn, Dies ist mein unveräußerlicher Besitz. Ich hin undenkbar ohne ihn. Aber, ich sage nicht: trotz diesen '1 atsaeben, ich sage: hei diesen Tatsachen kann ich!nein ,ludesein nicht, einfach beiseite schieben. Ich glaube, auch hierin liegt eine Gegelx-nheit, die eine Substanz darstellt, eine lebendige Gegebenheit. Ich spreche nicht von Sehlußfolgcrungen. leb spreche von dieser Auch-Talsache. Für Herrn Dr. Uberslein schein! sie nicht vorhanden zu sein.“ Ellen halle wenig auf die Worin Weiters geächtet, aber sw hatte die Augen von Dr. Oberstem und sein Mimenspiel gesehen. Sie halle gesehen, daß Weiters Worte gewogen w urden. Sie lehnte siel! zu Weller hin und sagte: ״Bravo, Doktor. Es war famos.“ ״Verehrtester Herr Doktor. Sie haben recht und nicht recht. Für Leander *und diese Fragen nicht vorhanden. Er will nicht, filier Zwirnsfäden stolpern. Fr überläßt manches Dr. Übelslein und bezieht von ihm die Ware. Für Dr. Obers leb war die Frage vorhanden, und er sagle: Stirb, Gütz — du hast dich selbst überlebt. —“ Oberstein hob sein Glas, hielt es zu Weiter hin, sagte ״Zum Wohl“, und deutete so an, daß die Angelegenheit für ihn erledigt sei. Da lx>g sich Herr Julien etwas vor. Er hatle das IJnglück, just dann eine Meinung zu äußern, wenn keiner danach verlangte. Alter Herrn Julien schien dieses Unglück nicht zu drücken. Er sprach sehr verbindlich und freundlich zu Dr. Oberstein: ,,Sie führten aus, die Welt steht auf den I'olgen einer Entwicklung. Entwicklung schreitet. Die Welt, muß dann wackeln. Unsere Weisen sagen: auf drei Dingen steht die Welt. Ich balanciere nicht gern. Ich sitze lieber auf einer gesieherten Grundlage.“ Man brach auf. Dr. Oberstem wurde umringt. Man bedankte sich. ״Kinder“, sagte Oberstein, ״Leander war nicht da und Oberstein ist ein einfacher Mensch“. Aber Leander konnte trotz seiner Abwesenheit einige Autogramme geben. Frau lleddy hatte für jeden ein freundliches Wort, auch für Herrn Julien. Georg Beermann äußerte zu Madelaine: ״Du könntest dafür sorgen, daß dein alter Herr endlich normal wird.“ Weiter begleitete Ellen Crailinger nach Hause. Crailinger ging mit Sanit&tsrat Neuhaus voraus. Nculiaus überließ gern anderen das Sprechen. Er fand, daß das Bauchen seiner dicken Zigarren außerhalb der Praxis genügend geistige Betätigung für ihn wäre. Ellen verzögerte ihre Schritte. Der Abstand zu den Herren wurde größer. Sie hatte Dr. Weiter gebeten, sich bei ihr einzuhakeri. Ellen dankte Dr. Weiter, Sie fühlte die Lücken ihrer Kenntnisse. Sie bäte ihn, die Lücken ausfüllen zu helfen. Sie habe keinen anderen Menschen. Weiter fand sich in einer eigenartiger! Lage. Der schlanke Körper Ellens schmiegt« sich eng an seinen. Es war der gleiche Rhythmus. Das feine Parftini Ellens, die kleinen Beize, die einzeln nichts, aber als Stimme ein Etwas wurden, berührten Dr. Weiter. Plötzlich glitt Ellen aus. Dr. Weller fing sie auf und hielt sie in seinen Armen. Ellen gab keinen Laut von sich. Sie preßte sich fest an Weller, ehe sie sich von ihm löste. Madelaino halte sich in ihren Vater eingehängt. Sie war sehr zärtlich zu ihm. ..Päppelt iun“ sagte sic, ״du solltest den Leuten ganz anders antworten. Die müssen den Irrtum fühlen.“ ״Dafür sorgt ein anderer zur gegeuenen Zeit, mein Kind. Es ist in allem eine Ansprache, die stärker ist, als unsere Worte sind. Worauf steht die Well? Nicht auf Dr. Oberslein.“ 15. KAPITEL danken kamen und jagten und peitschten. Sie standen plöt/- lieh da. Iledda richtete sich auf, streckte die Arme und sali an Menschen und Dingen vorbei, sah durch die Menschen und Dinge hi!!durch. Die Augen waren verglast. Iledda deklamierte: ״Denn eben wo Begriffe fehlen ...“ Sie lachte. Sie leimte sieb zurück. Plötzlich fuhr sie wieder hoch. ״Was ist Schicksal und Idee? Weiter, was ist Schicksal? Wo ist mein Schicksal?“ Iledda weinte und barg ihren Kopf in den Kissen. Es kam auch vor, daß Iledda ״Mutier, Mutter“ rief; ״Mutter, hilf mir!“ Berlhchen durfte es nicht־ hören, sie hätte daran zerbrechen können. Dr. Fromm kam joden Tag. Er kümmerte sich nicht um die stummen Fragen ßessingers, und er sah auch nicht, wie Berlhchen das Taschentuch in ihrer Hand zusammenproßte. Fräulein Müller sorgte für das Ilaus, die Kinder, die Kranke. Nathan wich in diesen schweren Tagen nicht von Heddas Bett. Fromm besprach sich eingehend mit ihm. ״Es handelt sich darum, in der Krisis, in den Sekunden, die entscheiden, da zu sein, Herr Kollege. Das Herz muß es durchhalten. Wie kann ein solch junges Herz schon so unverläßlich sein?“ Als Weiter von der Schwere der Erkrankung Heddas erfuhr, trieb ihn der Schrecken zu Madelaine Julien. Er hall« am vergangenen Abend einem Cercle bei Ellen Crailinger beigewohnt Es war eine interessante Gesellschaft gewesen. Alto eingesessene Familien, Damen und Herren der führende״ Kreise, allerdings nur junge Damen und Herren fanden sich zusammen. Weiter war der einzige Jude gewesen. Erst später dachte er daran, daß Ellen auch Jüdin sei. Beim Aufbruch hatle Ellen es verstanden, Dr. Weller als Letzten zuriickzuhalton. Sie standen allein in der Diele. ״Lj' habe so viele Fragen an Sie, Herr Doktor. Sie müssen^ u|!r schon die Freude machen, mich allein aufzusuchen.“ Weller hatte den Handrücken geküßt, und Ellen ließ die Hand nicht sinken. Weiter mußte die Hand ein zweites Mal küssen und fühlte, wie die Hand sich an seine Uppen schmiegte. AI» ei aufsall, war Ellens Mund ein wenig geöffnet; ihre Augen waren eine Sekunde geschlossen. Ellen lächelte ihn an, um.' es war kein Zweifel, daß dieses Lächeln Worte ersetzte. (Fortsetzung folg*! t