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Jüdische Rundschau · 1935-06-06 · Heft 46-47 (6.6.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 46-47 (6.6.1935)
Date
1935-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 46/47, 6. JUNI 1935 Sozialprobleme Palästinas Das Neueste in Kürze Von unserem palästinensischen gl.-Korrespondenten Von Dr. Alfred Bonne, Jerusalem Die Entwicklung• Palästinas hl den letzten zwei Jahren ist von niemandem vorausgesehen worden, selbst nicht von denjenigen, die an sich mit optimalen Zahlen rechneten. Sie ha., auch nicht vorhergesehen werden können, Ihre Ursachen lagen in außerwirtschaftlichen politischen Ereignisscu, die überraschend schnell eintraten und ihr Tempo auch auf die Entwicklung in Palästina übertrugen. Neues Lebenstempo Die Auswirkungen der seit 1932 in ununterbrochen ansteigender Kurve einströmenden jüdischen Einwanderung und die durch sie ausgelöste wirtschaftliche Aktivität machen sich nicht nur in den verschiedenen Wirtschaftszweigen des Landes geltend. Ueber die Entfaltung der städtischen Wirtschaft, die am stärksten von den Einwanderern befruchtet wird, über die sensationellen Ueberschlisse der Staatsfinanzen, über die Entwicklung der Land- Wirtschaft ist schon häufig eingehend berichtet worden. Der ökonomische Aufschwung des Landes zeigt einen Intensitätsgrad, der nicht nur orientalischem Lebenstempo fremd ist, sondern in Tempo und Stärke auch in Oebietcn ähnlicher Ausdehnung in Europa kaum bekannt ist. Ein kurzer Hinweis etwa auf die Steigerung der Einfuhr von knapp sechs Millionen Pfund im Jahre 1931 auf über 15 Millionen Pfund im Jahre 1934 beleuchtet den Wandel, ja die revotutionäre Umgestaltung der bisherigen Wirtschaftsgrundlagen mehr als lange Kommentare, bringt doch die Importziffer besser als andere Indizes sowohl die wachsende internationale Verflechtung als die Ausdehnungskraft der einheimischen Wirtschaft zum Ausdruck. Auch die arabische Wirtschaft wächst Bemerkenswert ist dabei, daß auch die arabische Wirtschaft an dieser Entwicklung teilnimmt. Die jahrelang von arabischer Seite vertretene These, daß die jüdische Einwanderung eine Verelendung und Verarmung des Landes bewirke, ist in den letzten Jahren eindrucksvoll widerlegt worden. Wenn auch der arabische Wirtschaftssektor dem Aufschwung des Landes langsamer folgt, wenn insöesondere die auf Getreidebau beruhende Landwirtschaft abseits der Stadt und im Gebirge noch unter den alten Agraruöten leidet, so ist im ganzen doch eine sehr erhebliche Steigerung der Produktivität und des Lebensstandards festzustellen. Es handelt sich ja in Palästina trotz mancher andere deutbaren Eindrücke und bei allen vorhandenen Unterschieden uin ein Land mit einer Volkswirtschaft, mit einer politischen und einer Zollgrenze. In jedem Lande, in dem aus bestimmten Anlässen die wirtschaftlichen Verhaltnisse einen entscheidenden Auftrieb erhalten, pflegt sich ein solcher Auftrieb, wenn auch in abgestnften Graden, überall bemerkbar zu machen. Insbesondere darf auch der nachhaltige Einfluß, der durch Nachahmung neuer Formen erfolgt und in der Wirtschaftsgeschichte immer einer der entscheidenden Antriebe für die Neubildung wirtschaftlicher Kräfte, ja häufig für die Einleitung neuer wirtschaftshistorischer Epochen gewesen ist, nicht unterschätzt werden. Die Anregungen und die neuen Wirtschaftsformen, die die jüdisehen Einwanderer ins Land bringen, werden auch von der arabischen Bevölkerung trotz der vorhandenen politischen Gegensätze aufgenommen und in den durch Kapitalvorrat und technisches Können gegebenen Grenzen verwertet, Verschiebung in der Bevölkerung Wenn die mit der Entwicklung der letzten Jahre so außerordentlich verstärkte wirtschaftliche Position des Landes außerhalb der Grenzen großes und berechtigtes Interesse hervorruft, so darf darüber nicht übersehen werden, welche tiefgehenden sozialen Verschiebungen im Innern des Landes vor sich gehen ■Wenn man die Bevölkerungsbewegung des Landes verfolgt, so wird man auf außerordentlieh wichtige Veränderungen in dem Gewicht der ein- /einen sozialen Schichten stoßen. Ohne weiter ins Detail zu gehen, ergibt sich bereits bei einem Vergleich der Ziffern für die städtische und ländliche Bevölkerung, daß die Ein- Wanderung der letzten Jahre die bisherige Struktur des Bevölkerungsaufbaus grundlegend beeinflußt hat und daß bei Fortdauer der Einwanderung in dem bisherigen Ausmaß mit einer entscheidenden Verschiebung zugunsten der städtisehen Bevölkerung zu rechnen ist. 1922 absolut % 1931 absolut % 1935 absolut ^cbätzg. % An 11935 Städtische Bevölkerung 264.317 34,9 387.291 37,4 533.000 43,7 -Endliche Bevölkerung 492 865 65,t 648,530 62,6 714 000 57,3 757.182 100,0 1035.821 100,0 1247.000 100,0 _ Die Ziffern der Tabelle zeigen, daß die Einwanderung zwischen 1922 und 1931 noch nicht vermocht hatte, den ngrikulfurellen Charakter des Landes wesentlich zu ändern. Das Bild, das heute, knapp vier Jahre nach der letzten Zählung i. J. 1931 sich uns bietet, zeigt klar die Tendenz, die als Folge der großen Einwanderung der beiden Vorjahre immer sichtbarer zum Durchbruch kommt, nämlich das schnellere Anwachsen der städtischen Bevölkerung, deren Anteil bereits auf 42,7 0> gestiegen ist und in absehbarer Zeit wohl die ländliche Bevölkerung an Zahl übertreffen wi«i Zwar findet jetzt die Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor ihre Existenz durch die Landwirtschaft, insbesondere wenn man die landwirtschaftlichen Verarbeitungsgewerbe einrechnet. Auch sind die Ziffern für die arabische Bevölkerung allein noch erheblich günstiger. Aber die Dominonte der Bevölkerungsentwicklung wird heute von dem jüdischen Sektor bestimmt, so daß dessen Bewegung doppelt ins Gewicht fällt. Die neueste Entwicklung deutet sojnit für das ganze Land für eine nicht allzu ferne Zukunft eine Umlagerung dieses Verhältnisses an, die nicht nur als soziologisches Phänomen unser hohes Interesse beanspruchen kann, sondern vor allem den Sozial- und Bevölkerungspolitiker vor ernste Aufgaben und Probleme stellt. Die Bedeutung dieser Probleme besteht nicht allein darin, daß die anzustrebende Verteilung der Bevölkerung auf Stadt und Land, bei der das Land eine Optimalzahl seiner Einwohner tragen »oll, sehr erschwert wird, daß wichtigste zionistische Postuiate gefährdet werden, sondern daß sich ganz andere Richtlinien für die Unterbringung der Neuem- "anderer durchsetzen. Die Perspektiven, die sich nach den Erfahrungen der letzten Jahre hinsichtlich der Aufnahme- Billigkeit des Landes eröffnen, differieren heute beträchtlich von denen, die sich zu einem Zeitpunkt boten, als die Ein- Wanderung nur wenige Tausend pro Jahr betrug, die Kolonisation an ihren Kinderkrankheiten Htt, die Industrielle Entwicklung in ihren Anfängen steckte und die Bcvölke- Wirtschaft und Politik Von vielen Stellen im Lande werden große Schäden gemeldet, die die letzte ungewöhnlich starke und anhaltende Hitzewelle verursacht hat. Insbesondere hat sich in den Zitrusplantagcn ein Abfallen der jungen ansetzenden Frucht bemerkbar gemacht, das die Aussichten auf die nächste Ernte stark verringert. In Jerusalem fiel an zwei folgenden Tagen kurzer Regen, der zum Teil von Donner begleitet war. Nieder- Schläge im M a i sind etwas durchaus ungewöhnliches. An verschiedenen Stellen in der Ebene Jesreel wurden durch Funken vorbeifahrender Lokomotiven Felder in Brand gesetzt. Ein S u m p f von 50 Dunam Ausdehnung südlich von R a a n a n a h (Scharon) ist d r a i n i e r t worden. Die Mittel wurden von der Siedlungslcitung Raananah auf Initiative des Gesundheitsamtes des Waad l.eunii aufgebracht. Die Fiebergefabr in der Gegend ist durch die Drainage stark verringert worden. Die A u t 0 b 11 s kooperative in Tel-Au-iw hat an den Hauptvcrkchrsstellen Automaten für Billettverkauf aufgestellt, um den Verkehr zu beschleunigen (s. S. 3 d. BL). Der Leiter der H ypothekenban k, Est 11 ermann, hat sich von seinem Posten zurückgezogen. An seine Stelle tritt Dr. Ernst Lehmann. Die Arbeiterbank zahlt für das Jahr 1931 4 ",0 Div i d e n d e. In Afule fand die Konferenz der ״Tnuwah“ (Kooperative zum Verkauf der landwirtschaftlichen Produkte der Arheiterwirtschaftcn) statt. Die Konferenz brachte Zahlen über die starke Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion, die jedoch den Bedürfnissen des sich ausweitenden palästinensischen Marktes nicht nachkomme und einein starken Import aus den verschiedensten Ländern gegenüberstehe. Die Tagung verlangt von der Regierung entsprechende Maßnahmen (Stempelung der auswärtigen Produkte mit dem Namen des Herkunftslandes, Quarantäne für lebendes Geflügel usw.) und betont die noch bestehenden Möglichkeiten für weitere gemischte Wirtschaften. In Kirjath-Chajim, dem Arbeiterviertel in der H a i f a - B a y, geht die Baubewegung in unveränderter Stärke weiter. Bis zum Schluß des Jahres 1935 sollen im anzen 1000 Familien hier ansässig werden, so daß sich die inwohnerzahl des Viertels auf über 4000 Seelen belaufen wird. Außerdem werden an verschiedenen Stellen in Haifa große Blocks für Arbeiterwohnungen errichtet, für die insgesamt 73 Wohnungen geplant sind. Bei den umliegenden großen Fabriken (Nescher und die Spinnerei in Kfar-Ata) sind ebenfalls Bauten für Arbeiter geplant. Bisher wurden für Arbeiterhäuser in Haifa gegen £ 250 00ü investiert. Die Muniziplität T c 1 - A w i w hat beschlossen, fltren Angestellten eine Teuerungszulage zu gewähren. Die Leitung der palästinensischen Post veröffentlicht eine Annonce, in dem sie alle diejenigen, die bei den Vorführungen des palästinensischen Radio mitwirken wollen, auffordert, sich bei der Post zu bewerben, mit Angabe der Sprache, in der die Mitwirkenden auftreten wollen. Die V e r e i n i g u!1 g d c t Jerusalemer K a u f 1 e u t e verlangt von der Jerusalem Electric Corporation eine Herabsetzung der Strem preise und eine Erlcichterung der Anscliltißbedmguiigen an das Stromnetz, um auf diese Weise die Geschäftsentwicklung der Hauptstadt zu fördern. Der U 11 r t u r m in Jerusalem gegenüber der Hauptpost soll jetzt iiiedergclcgt werden. Die Munizipalität Jerusaicin verlangt Angebote für die große Uhr, die an den Meistbietenden abgegeben werden soll. Soziales und kulturelles Leben Die Abteilung fiir Sozialarbeit beim Waad Leumi unter der Leitung von Miss S/okl beruft fiir Mitte Juni eine Konferenz nach Jerusalem ein, um Fragen der soz i a 1 e 11 Fürsorge zu besprechen. In R e c h o w 01 h 11 n d R i s c 11 o n - L e / i 0 11 sind A b - t e i 111 n g e n für soziale Arbeit geschaffen worden, in der Art, wie sie bisher in Tel-Awiw und Petach-Tikwah bestanden. In R e c h o w o t 11 w urde /wischen allen Bauunternehmern lind der Arbeiterorganisation ein A b k o m n! e n abgeschlosseri, das jüdische Arbeit auf den Bauten garantiert und die Löhne für die einzelnen Arbeits/weige reguliert. Beim Lag Beomcr-Fest, das in Meroni, beim Grabe von Schimon Bar Jochai Massen von Feiernden versammelte, bestieg die Jugend von Safed den Azmon, den höchsten Berg des Landes, und entzündete ein großes Feuer, das man bis Haifa und ()bcrgaliiäa sah. 111 den Städten und jüdischen Siedlungen brannten übe!all am Festabend ,grüße Holzfeuer. In Ramatajim (Scharon) wurde von der Arbeiter- Organisation und dem Institut für Palustinakundc ein Seminar zur Kenntnis des (.and es eröffnet. Beim Eröffnungsabend waren 150 Arbeiter aus Ramatajim und der Umgebung anwesend. Aus dem arabischen Lebe1\ Emir Arslan hat von der Palästinaregierung, im Zusammenhang mit dem Brief an den Mufti über italienische Propaganda in arabischen Ländern, ein Einreisevisum verlangt, um seine und des Muftis Gegner wegen Fälschung des Briefes vor Gericht zu ziehen. El Akwath-El Ara bi ah, eine der Zeitungen unter dem Einfluß des Mufti, Lst von der Regierung verboten worden. Die gesamte arabische Presse beschäftigt sieb ausführlich mit der Gestalt des eben verstorbenen Lawrence, seiner Stellung zu den Arabern und seiner Rolle im arabischen Aufstand gegen die Türken. Die frans jordanische Regierung verkündet, daß sie bereit ist, an Fellachen Boden zu niedrigem Preise und gegen Teilzahlungen zu verkaufen, unter der Bedingung, daß der Käufer im Laufe von zwei Monaten mit der Bearbeitung beginnt. rung selbst in eine große orientalische Mehrheit und in eine kleine Minderheit eingewanderter Europäer zerfiel. Heute ist •diese Minderheit zu einer auch zahlenmäßig sehr qualifizierten Bevölkcrungsgrtippe angewachsen, die in einer Reihe von Bezirken des Landes dessen orientalischen Charakter vollkommen europäisiert hat. Ihre Dynamik gibt der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes eine neue Richtung, die zwangsläufig nicht an den von der Natur vorgezeichneten landwirtschaftlichen Möglichkeiten, sondern, der Linie des geringeren Widerstandes folgend, an den Chancen der städtischen Wirtschaft orientiert ist. Zwar sind auch in der Landwirtschaft selbst, wenn man zunächst Transjordanien außer acht läßt, noch beträchtliche Siedlungsinöglichkciten gegeben, resp. warten noch ihrer Erschließung. Die Situation in Palästina bot und bietet ja den an den chronischen Agrarnöten leidenden Bauern einen Weg zur Lösung des Problems der Kapitalbeschaffung, das das Problcm jeder großzügigen Entschuldung und Agrarreform darstellt. Die jüdischen Einwanderer bringen dem kapitalbedürftigen Landwirt die zur Abstoßung der Schulden und zur Verbesserung seines Betriebes erforderlichen Mittel und Hinweise, ohne daß wie sonst bei Agrarreformen langwierige und problematische Kredittransaktionen notwendig sind. Es hat sich gezeigt, daß bei einer Intensivierung der Wirtschafteil auf bewässerbarem Boden ohne weitere Verdrängting von Fellachen große Möglichkeiten fiir die sukzessive A n s i c d 11111 g von N c u e i n w a 11 d e 1־ e r n bestehen und in rationellster Weise mit der Hebung der Wirtschaft der einheimischen Bauern zu kombinieren sind. Trotzdem genügen angesichts der Massencinwaiiderinig dieser Jahre die Aufnalimemöglichkeiten in der Landwirtschaft nicht, um die Frage der Unterbringung der im Lande hcranwachsenden Jugend sowie eines großen Teiles der Einwanderer _ selbst zu lösen. Wie in jedem anderen Lande wird auch in Palästina ein großer Teil der nicht in der Landwirtschaft untcr/ubringenden Bevölkerung in Städten und industriellen Berufen Unterkunft finden müssen. Industrielle Möglichkeiten Die industrielle Entwicklung de. 1 '11 Jahre hat schon gezeigt, welches Feld hier fiir tatkräftige und erfahrene Unternehmer und Handwerker gegeben ist. Die großen Anforderungen, die im Laufe der letzten Jahre an die gewerbliche Produktion Palästinas gerichtet wurden und sowohl aus dem Bereich der öffentlichen Wirtschaft (öffentliehe Bauten, Verkehrseinrichtungen usw.) als auch aus der Privatwirtschaft kommen, bewirken eine weitere Verdichtung der städtischen Erwerbsmöglichkeiten. Bekannt ist,, daß die industrielle Produktion trotz ihrer wachsenden Ausdehnung tatsächlich nicht in der Lage ist, den sich allseits bietenden Absatzmöglichkeiten gerecht zu werden. Die Gefahren, die eine einseitige Industrialisierung für die Wirtschaft des Landes bedeutet, müssen nicht unterschätzt werden, wenn im Hinblick auf die außerordentliche Steigerung des Importes an Fertigfabrikaten gleichzeitig auf die immensen Möglichkeiten hingewiesen wird, die sich in der Zukunft aus der Verdrängung eines Teiles des ausländischen Importes durch die zunehmende eigene Erzeugung ergeben können. Wenn es gelingen sollte, durch Abschluß von Kompensationsverträgen mit den Lieferländern Palästinas den Export nach diesen Ländern entsprechend zu erhöhen, so öffnen sich daraus neue Möglichkeiten und Existenzquellen für die Unterbringung neuer Einwanderer. Die Rolle des Kapitals Ein Wort in diesem Zusammenhang noch über die Riehtung und die Rolle des Kapitals, das nach Palästina fließt. Ebenso wie die Einwanderung vorzugsweise den städtischen Erwerbszweigeil zustrebt, weil sie eine schnellere Einordnung versprechen, vermeidet das Kapital die schwerfällige landwirtschaftliche Inviwtieniiig; es bevorzugt die städtische Wirtschaft, in deren Adern cs schneller 11114t leichter zirkulieren kann. Der Kapitalimport nach Palästina, der in dem letzten Jahren ganz ungewöhnliche Dimensionen angenommen hat, ist so ein weiterer Faktor der schnellen Verstädterung. Zwar gehörte Palästina schon immer zu PALE STIXE EXPRESS C O PALÄSTINA• v י,! Uiaiy MMiWj den Ländern, in deren Volkswirtschaft der ausländische Kapitalzustrom eine Rolle spielte. Diese Rolle war uin so bedeutsamer, als es sich nicht wie in vielen europäischen Kapitaliniportlänclerii um eine bereits entwickelte, sondern um eine höchst kapitalarnie und imerschlossene Wirtschaft handelte. Für ein Land von dem Entwicklungsstand Palästinas mußte daher bereits der Kapitalimport in der ersten N'achkriegsdekade eine tiefgehende Veränderung der bestehenden Wirtschaftsg; undlagen hervorrufen. Diese Wirkung ist aber in einen! gewaltigen Ausmaße verstärkt worden durch den seit drei Jahren bis heute in unverminderter Stärke einströmenden Kapital/ufluß, der pro Kopf der Bevölkerung und ganz gewiß pro Kopf der Immigranten Quoten ergibt, die alles überschreiten, was aus anderen Einwanderung»- ländern bekanntgeworden ist. Die Wandcrungsbewegiing nach Palästina ist eben auch darin nicht vergleichbar mit andern! Wanderungen: sie umfaßt neben der beträchtlichen Zahl unbemittelter jugendlicher Einwanderer eine sehr ins Gewicht fallende bemittelte Schicht, die ihr Vermögen mit ins!.and bringt. Dazu kommt noch der Kapitalimport der Institutionen und Fonds, sowie jener neuerdings in Erseheimmg tretende Zustrom von Kapitalien, der fast ausschließlich an den Anlage- und Gewinnmöglichkeiten in Palästina orientiert ist und daher schon unter die Rubrik ״Internationale Kapitalbewegung“ fällt. Alles zusammengenommen ergibt sich, daß mit diesem Zustrom von Kapital oder, um den volkswirtschaftlichen Begriff zu gebrauchen*

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