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Jüdische Rundschau · 1935-06-04 · Heft 45 (4.6.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 45 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 45,4. JUN11935 Von der Woche Reise in eine andere Zeit Ejn Charod Unterzeichnete als erste Siedlung einen neuen Vertrag mit dem Keren Hajessod. Die Aenderung des bestehenden Vertrages wurde nötig zwecks Beschleuniung der Rückzahlungen an den Keren Hajessod im Hin- . lick auf die Anleihe, die die Lloydbank dem Keren Hajessod gewährt hatte. Ejn Charod wird vom nächsten Jahr ab jährlich £ 1250 zurückzahlen, so daß die Amortisation der Kredite im Jahre 1085 vollständig durchgeführt ist. Der Reingewinn der Siedlung Ejn Charod im Jahre 1933/34 betrug £ 1950, die Bevölkerungsziffer ist 700 Seelen groß. Demnächst wird nördlich von Akko eine neue Kleinbauern Siedlung eröffnet, die sich mit Obst-, Gemüsebau und Geflügelzucht beschäftigen wird. Diese erste jüdische Niederlassung in diesem Bezirk wird nach den Grundsätzen des Soskinplans errichtet und soll 250 Familien umfassen, 55 Familien haben bereits Grundstücke erworben, darunter zahlreiche Familien aus Deutschland. Sir Arthur Wauchope besichtigte das neue Ruthenberg-Kraftwerk im F.mek Scbulon und drückte seine Bewunderung über das Werk aus, das in dieser Woche seinen Betrieb aufnimmt. In der Jahresversammlung der Allgemeinen Hypothekenbank berichtete das Direktorium, daß die Pfandbriefe der Ausgabe 1034 ausverkauft sind. Der gegenwärtige Umlauf von Pfandbriefen beträgt £ 1 200 000. Das Bankvermögen, das £ :!/, Million beträgt, soll auf £ 1 Million erhöht werden. Es wurde beschlossen, ein Darlehen für 250 neue Häuser in der Haifa-Bay zu gewähren sowie für 1(W Häuser in Kirjat Chaim bei Haifa und für 100 Häuser in Schchunat Borochow bei Tel-Awiw. Die Verhandlungen für 2׳.K1 weitere Häuser im Süden Tel-Awiws sind in der Schwebe. Bei Kfar Chassidim kam es am vergangenen Montag morgen zu einem Zusammenstoß zwischen Juden und Arabern, als. eine Gruppe von 56 Arabern den Boden des Keren Kajemeth widerrechtlich betrat. Laut Polizeibericht wurden 4 Juden und 5 Araber verletzt und 17 Araber verhaftet. Amtlich wird bekanntgegeben, daß im Monat April 1935 1556 Juden, von denen 273 zur Kategorie A (Ein- Wanderer mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund) gehörten, sowie 57 Araber nach Palästina’ eingewandert sind. Die Palästina-Regierung hat der Stadtverwaltung von Jerusalem einen Betrag von 15 (XX) Pfund zur Durchführung dringender öffentlicher Arbeiten zur Verfügung gestellt. Im Tel-Awiwer Stadtrat fand eine Debatte über die Haltung der Wahlkommission und die Massenentzieliung des Wahlrechts statt. Schoschana Persitz forderte den Rücktritt des Vorsitzenden der Wahlkommission und wurde von den Arbeitervertretern bei diesem Antrag unterstützt, der durch die Mehrheit einschließlich Dizcngoff abgelehnt wurde. Die Rechte befürwortete die Einsetzung einer Kommission und die Verschiebung der Wahlen bis Oktober. ... In Jerusalem ist eine Abordnung der Zionistischen Organisation Amerikas eingetroffen, um dem Vorsitzenden des Jüdischen Nationalfonds, M. M. Ussischkin, ein Verzeichnis mit den Namen der 12 000 amerikanischen Juden zu überreichen, die Beiträge zur Errichtung der Kolonie Kfar Menachem geleistet haben. Dr. Werner Senator ist nach Europa in Zusammenhang mit der Vorbereitung der Council-Sitzung der jewish Agency abgereist und wird eine Reihe von Ländern besuchen. Israel A m i k a m, dessen Bemühungen um die Gleichsteilung des Hebräischen mit den übrigen Landessprachen im Telegramniverkehr zu einem Teilerfolg geführt haben, indem die Regierung die Entgegennahme und Auslieferung von Tclegrammen in hebräischen Schriftzeichen bei 20 palästinensisclien Postämtern verfügte, hat sich neuerlich an die Staudige Mandatskommission des Völkerbundes mit einer Denk- Schrift gewandt, in der er die Ausdehnung der Verfiigung der Palästina-Regierung betreffend den Telegrammverkehr in hebräischen Schriftzeichen auf sämtliche Postämter des Landes fordert. Anläßlich seines zehnjährigen Bestehens hat der ״Daw a r“ eine Festnummer im Umfang von 56 Seiten herausgegeben. Das Dropsie College für hebräische und verwandte Wissenschaften in Philadelphia hat den Inhaber des Lehr- Stuhls für Internationales Friedensrecht an der Hebräischen Universität in Jerusalem und ehemaligen Chef des palästinensischen Justizwesens, Prof. Norman Ben t wich, zum Doktor honoris causa ernannt. Die Stadt der Philister und die Stadt der Weber gl. Tel-Awiw, Ende Mai 1935 Durch die Siedlungen des Südens Die immer lebendige Straße nach Jerusalem; rechts ab der Weg in die alten, sich heute stark entwickelnden Siedlungen Rischon-Ie-Zion, Ness-Zionah, Rechowoth. Alle drei Orte haben mit großer Schnelligkeit ihr Aussehen geändert. Die Plantagen haben weiter ins Land gegriffen, an die Stelle der alten Häuser und der neueren, die nach dem Säulenstil des Tel-Awiw von 1925 gebaut waren, treten die Gebäude im Stile des Tel-Awiw von 1934. Weiße Würfel mit eckigen Veranden, einstöckig, zweistöckig, dreistöckig. Um die Siedlungen herum stehen die Fabrikgebäude, die vor den hohen Bodenpreisen von Tel-Awiw entflohen sind und hier langsam ein neues Industrieviertel zu bilden beginnen. An jeder Siedlung gibt es den ziemlich scharf gegen den alten abgesetzten ״neuen“ Teil. In Ness-Zionah, bekannt wegen der zahlreichen arabischen Arbeiter, die links vom Wege eine Art eigenen Dorfes bilden, mit Läden, Cafes, angebundenen Eseln und Pferden an den Ladentüren und einem bunten Gemisch von Fellachen und Beduinen, umschließt der neue jüdische Teil mit zum Teil großen Mietshäusern diese alte arabische Enklave. Auch das letzte Glied dieser Kette jüdischer Siedlungen, G e d e r a h, hat einen neuen Teil, der klar absticht gegen die früheren Gebäude. Hinter üederah bricht die geschlossene Kette ab. Man sieht noch etwas entfernt I krön und Chuldah, weiter südlich liegt Beer Tuwiah, das auch in der Erneuerung und Erweiterung begriffen ist, und ein letzter südlicher Punkt entsteht in den Anfängen von Kfar Menachem, der Siedlung, die zu Ehren Ussischkins gegründet ist. Aber alle diese Punkte liegen nicht mehr ancinandcrgeschlosscn in einem Block wie die zwischen Rischon und Gedcrah, sondern in der großen Südebene verstreut, es sind sozusagen ״Außenposten“. Hinter Gedcrah wird der starke Verkehr spärlich, man stößt nur hin und wieder auf die arabischen Autobusse, die den Verkehr zwischen Jaffa und Gazah versorgen. Im Negew Wir nähern uns dem ״Negew“, dem Süden. Die Landschaff ändert sich ohne viel Uebergang. An die Stelle der endlosen Reihen grüner Zitrusbäuine mit ihren sich gleich bleibenden Bewässerungen treten weite gelbe Weizenfelder, karge Gemüseflächen und Brache. In den arabischen Dörfern, durch die die Straße läuft, ist auf der Tenne das goldgelbe Korn geschichtet und zwei bis vier Ochsen, ein Brett hinter sich, gehen in immer gleichem Trott über das Korn hinweg, um die Körner aus den Hülsen zu stampfen. Hier gibt es keine Maschinen, keine Motoren, keine Eile. Die Häuser, aus den Lehm- und Häckselziegeln geformt, die fasf überall im Osten den Baustoff für den Fellachen liefern, drängen sich in engen Knäueln zusammen; kaum sieht man Bäume, nur hier und da eine Palme, die immer an der malerischsten Stelle über die Häuserdächer ragt, hier und da ein paar alte Sy komoren, Feigen und Oclbäumc. Das Land ist übersichtlich und weit, in seinen Farben vornehmlich blau und gelb durch den Himmel und die reifen Felder. Aber hier und da entdeckt inan auch in diesem von der jüdischen Siedlung und damit auch von der Moderne noch nicht berührten Landstreifen Zeichen der Aenderung. Fast in jedem Dorf sieht man außer den mit Stroh und Lehm überdeckten Häusern schon solche mit roten Ziegeldächern, ein Zeichen besserer Verhältnisse. Und hier und da sieht man junge Pflanzungen, gerade und in Reihen angelegt, Plantagenkultur in der reinen Ackerbaugegend. Auf der reichlich holprigen Straße arbeiten hier und da Arbeitertrupps; die Regierung asphaltiert den Weg nach Gazah. Der Süden wird an das Zentrum des Landes enger angeschlossen. Askalon Am Ende einer engen Straße liegen eine Anzahl von Lehmhäusern in einem dichten Knäuel zusammengehallt. Die Kinder und auch viele der Erwachsenen laufen zusammen, als das Auto in die enge Straße eirifährt und weisen, ohne daß man viel zu fragen braucht, alle in eine Richtung; sie wissen Bescheid, ein Wagen, der hierherkommt und ״Europäer“ fährt, kann nur ein Ziel haben: die Ausgrabungen. Wir sind in dein Dorfe, das den uralten Namen Askalon trägt. Der Weg führt an mit Dornenhecken gesicherten Feldern vorbei, an denen überall große Säulenschäfte halb im Erdreich begraben liegen. In einer kreisrunden Höhlung, die wie der Grund einer alten Zisterne annuitet, sind Reste aller Bauten zusammengchäuft. Marmorsäulen, Granitschäffe, Metallsärge mit mannigfachen Mustern verziert, spätgriechische Standbilder, Tafeln mit dem Johanniterkreuz, Massen von Ton- Scherben, dazwischen alte Mühlsteine und Kanonenkugeln. Auf den Höhen ringsum sieht man riesige Mauerreste. Hier war eine der wichtigsten Philisterstädte, die Simsongeschichte hat hier einen ihrer Schauplätze; später hat Herodes, von dem man sagt, daß er aus Askalon stamme, die Stadt mit großen Bauten geschmückt, von denen die vielen Säuienüberreste zeugen, die man in allen herodianischen Ruinen findet. Dann kam die Krcuzfahrerzcit mit ihren großen Zerstörungen und Neubauten, und heute ist von all den Umwälzungen das kleine verschlafene Dorf geblieben, durch das man kommt. Der Platz für die Stadt leuchtet ein. Sie liegt auf einer windreichen Anhöhe, dicht am Meer, wo heute die Fischerboote fahren, wie zur Philisterzeit die Handelsschiffe gefahren sein mögen. Der Strom der heutigen Zeit hat diese abseitige Ecke noch nicht wieder erreicht. Neben dem Ausgrabungsrund, das von einem Fellachen geöffnet wird, der stolz am Arm das Mtt alt Schild fragt, das ihn als Regierungswächter der alten •Schätze legitimiert, steht der Stamm eines uralten Olivcubaiimcs, innen völlig hohl, außen noch Blätter treibend. In diesem Hohiraurn wohnt eine der ansässigen Fellacheiifamilien, und etwas weiter, unter einer alten, riesigen Sykomore, liegt ein Brunnen, der ein paar nebenliegende Gemüsefelder mit Wasser versorgt. Die schmale Brunnenöffnung nimmt einen Beutel aus Ziegenfcll auf, der mit einem Strick verbunden ist, an dem zwei Esel schleppen. Diese werden von einem jungen Burschen hin und her geführt, bis sie jedes Mal ans Ende des Strickes gelangen. Jeder Zug bringt eine Ziegenhaut voll Wasser herauf, die dann in einem nebenliegenden Bassin gesammelt und von dort der Bewässerung zugeführt wird. Der Strick, an dem die Esel ziehen, läuft über eine der alten Marmorsäulen, die als Führung in den Weg gelegt ist und durch die jahrelange Benutzung tiefe Kerben durch den Strick Ungeschliffen erhalten hat. Ein paar Meter weiter ist ein anderer Brunnen mit einem hölzernen Schöpfrad, ebenfalls ein uraltes Instrument, das jedoch neben dem Ziegcnschlauch mit seinem Strick schon eminent modern wirkt. Wenn man diesen Fellachen beim Wasserschöpfen sieht, ist man bereit zu glauben, daß sich an landwirtschaftlicher Technik in dieser Ecke seit den Zeiten Simsons nicht viel verändert bat und daß die Bewohner des Olivenbaumes die Stadt des Herodes mit ungläubigem Staunen über soviel Pracht betrachten würden.... Medjdel, die Stadt der Weber Einige Kilometer vor Askalon liegt M e d j d e I, ein Zentrum der arabischen Handweberei. Auch diese Stadt liegt heute noch abseits von der großen Entwicklung, unberührt von den Wellen der Konjunktur. Die Straßen, der Markt, der ein durchaus städtisches Aussehen hat mit seiner großen Moschce und einer Reihe von Liidcn, liegen mit erstaunlicher Behaglichkeit und Stille da. In den Cafes wird Tricktrack und Domino gespielt, und man weiß nicht recht, ob die Ladenbesitzer zum Ausruhen oder zum Verkaufen in ihren Buden sitzen. In den Marktbuden findet man die Produkte aller Länder. Englisches und amerikanisches Benzin neben kalifornischen Konserven, japanischen Sniehvaren und «uropäischen Baumwollwaren. Aber in den kleinen Nebengäßchen kommt man in die ״Fabrikviertel“ des Orients selbst. Hier öffnen sieh die Weberwerkstätten nach der Straße zu und man sieht in ihrem Dämmer immer wieder dasselbe Bild: Ein Raum, dessen Fußboden aus der üblichen Mischung von Lehm und Mist gestampft ist, Fenster mit Gittern, die Wände aus demselben Material wie der Fußboden, aber mit Kalk beworfen. In den Fußboden sind in bestimmten Abständen Löcher eingegraben und geglättet. Hin flaches und und enges zum Sitzen, davor ein längeres für die Beine, ln Jüdische Polizei in Tel-Awiw. «SÜSS Arbeiter in Tel-Awiw betreiben Reitsport. r»(s» 1 z. lüug־r, TtUAwi« 4 '

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