Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 45 (4.6.1935)
- Date
- 1935-06-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ז Seit« 4 iODISCHE RUNDSCHAU Nr. 45, 4. VI. 1935 Die Ablehnung der Juden Ein Artikel des ״Westdeutschen Beobachters“ Im Anschluß an die Vorgänge in M fi nc hen, wo die Polizei gegen Störer der öffentlichen Ruhe und Ordnung vorging, veröffentlicht der ״Westdeutsche Beobachter“, Köln, einen Artikel, in derrr־׳£§~~u. a. heißt: ״Unter der Parole, mm au!i-c!nitiseheu Kampf vortreiben zu wollen, hatten dunkle blemente die Frnpörung »ungenutzt, die über eine Reihe i'idbeher Verbrechen in weiten lk*vblkcrm1g.skreisen bct-tand, und bri allen niöglirhen Gelepmnheilen svstematische Terrorvon Fällen waren Schaufensterscheiben -vsrhlagen und damit erhebliche Werte Füllen hatte man in jüdischen Ge- ׳en-minde deniüliert und die eia>chreiakte inszeniert,!n einer Reihe affe großer jüdDehor Gr^cfialfe eu vernichtet worden. ln anderen schäften Tumnlie entfes-elp Uu tcmie^Udbei!>edrnht.u Als man sich die Drahtzieher dieser Vorgänge näher angesehen habe, habe man entdeckt, daß es sich um Staatsfeinde gehandelt habe, die sich aus irgendwelchen Gründen an der NSDAP, rächen wollten und mit ihrem Treiben willkommcncs Hct/materia[ für die Emigrantenpresse zu schaffen dachten. Das Blatt sagt dann weiter: ״Die Juden aber 111■ Den *ich in* Fäustchen, denn ihnen war me Kt nichts g«־׳'־hrhon, die Srh.iuteuU׳ r-cheilx-n mußte die deutsche Vcrsicheru!!;.׳1 ■׳•; zahlen, und im uh!i״eu hauen sie erreicht, daß die natiunaUjAuH-u-, jK!Diu!;! in «.men künstlichen Ge׳׳״imutz zur Bevdlkorung gebracht wurde. Obendrein setzte al*er eine rege Ffiister- Propaganda der ״christlichen“ Freunde der Judenschaft ein: ,Seht die armen Jüdin, wie >ie verfolgt, werden‘.,.. Wir wissen aus langen Karnpfjahrcn, daß die Juden immer in für sie kritischen Augenblicken einen Ausweg!!ach der Parole ,Haltet den Dieb‘ suchen. Als die nationalsozialistische Presse die großen Judeiokandalc, die sich um die Namen Parma?, KutKker, Sklarek, Hauer, lleilmann usw. ranken, aufgedeckt hatte, geschahen plötzlich mit seltsamer Folgerichtigkeit die berühmten ,Schandungen jüdi>cher Friulböfe*. Damit war dann für die ganze Systcmpresse der Ton angegeben: Nazis schände!! Friedhüte’! Dur Jude hatte die Aufmerksamkeit von sich abgcleukl und obendrein sciiien Gegner mit Erfolg diffamiert. So wie damals be- Ixxte'lre Ju lenknechfe die Friedhof,Schandungen‘ durehlührteii, so besorge!» auch laute die Leute, die mit ihren Angriffen auf Schaufcnsterscheiben den antisemitDe-hen Kampf der Jiartci in Nitökredit. bringen, tatsächlich die Geschäfte der Juden ... I Die Judenfrage als eins der brennendsten Probleme unseres Volkes wird nicht durch Slraßcntcrror entschieden, sondern durch sy >tema! i>d1e, nie erlabtuende Aufklärung unserer Volksgenossen Und eine nachhaltige persönliehe .Schulung der Unbelehrbaren. Wenn wir Deutsche den Juden ablehncn, dam! kat!n tler Volksfeind in Deutschland nie wieder etwas werden. Wenn unser Volk lernt, jeden Verkehr mit Juden als imehrcnhaft zu empfinden und in jedem Kauf in einem jüdischen Geschäft das Vergehen gegen die Volksgemeinschaft sieht, dann wird uns der Jade von seih־.! den Rücken kehren. JJnser Volk aber ist allein für alle Zeit, geleit gegen das jüdiscÄC* Gift, wenn es das jüdKche Wesen erkannt hat... Das Sternsche Konservatorium wird gleichgeschaltet Der ״Völkische Beobachter“ berichte! über eine Versammlung, die die arische Lehrerschaft und die NS-Studcntenbundgruppe am S t e r n ’ s c h e n K o 11 s e r v a t o r i u in einberufeil hatte, um grundlegend die Verhältnisse an diesem Institut zu klären. - m? v -־־,I!,a trn U!m! llDhmn Iniere-,-t ־ zu c •r) ahren“, י־:;!־ >S י ׳?'? 11׳ ♦י ז¬ ״YD U ,11 ־0! ,, ,1 meiner“, ״daÜ 1 inae 1!och, im ti!;״,'!! U 1 ז.' ז¬?! La 1;■ 1 mUi/h, :■•.hui 1 h GVi dm H >11, die ׳ pUdbe privat M s׳■. unk;hu D : Uj!Um D hm up’ -imlt, da sie a ui' j üdhchvm Kruaui b; ׳־u!m Heil ir, li.lliö :, ■ u M ihr jüdmt'b! uei!1! laß? Dt Da' Al imnU , V* Dt ur 1 Umhih 1 mwirkle, Voll üblichen Um/dDl k! 1 ah ai s!׳! mm di. ma־i mhe Vt rh indei •ung (L- Kind! D-! u -> 1 a nm ,ab ■ huat hu r Id! on ui 1d vor all .mn national-!'an v! i 11! Ab ־;!. 1 a ker/ith'iim: r illCSC:׳־־ I U"t i! nls. Das ha? um! na! ÖU t : :m r A' a! t -1 > i 1:! re k'iiturp' 'li!!״. hei Maul!eit und wehanm 11:1 ilhciu Im!1 .׳ ,! ...mD;1 liüliT d< ‘111 Grui hei . 1 de r I.ehicr urul Sc! ml er p Cllil m, .‘Ul ״ amh re Ü Und h L״!urch au eh 1 leruLliehu *cha-li!״ na Dt SJ1 iib 1 -'DiM eii?;■,?auden. Als «n im e Vt jrsäunmis .xi nur <h< .; um erh bdn u!e Ihuric) Ul mtler 1;lix'hi:״: ihr halt genannt. Alk ■in dun. -h י iiU . M;.< 'hi dtm J; idiMihun (:ekles! hal HUI 1 1ier Verhallm-sc ( ünrei ihm km :mc 11, dio ai k\s alliiert als < li*! vom Führer gefordert arfnia b D1‘ /<׳[ nfumg 7. ur Küfmt. waren. vielmehr einer ständiger nur Sfl, lud 11 kV iriöei;,׳. \ \ Sahoia^e am kub!ur eilen Auibauweik d< CS Na! ion. also/ 1,111 muus 1 41e iehkauiufL . Und da s bei einem zahleimü ihi V, ■rUi-l Üih VOM 7 jüdüsdurH Lehre; ru und 23 jüdLehen S« 3־11111(' •li '/M 72 a! i >1:111' n Luhruru und über 270 arisch™ Schülern Duk ■h die Lu ifimivu <! ler na! ka!alsozialisti sehen Lehrer und Sei!ui U. r i זdies um Spuk — ander. s kann man es nicht nennen — ־ cm!!" h c, in Linie 1k• reitet we »־den.“ Der ״Völkische Beobachter“ berichtet weiter über die Forderungen, die der Leiter des Vertrauensrats und Führer der arischen Lehrerschaft in tler Versammlung aufstellte. Danach soll u. a. die Erziehung des beruflichen. Nachwuchses in Zukunft ausschließlich in den Händen arischer Lehrer liegen. Es wird sodann berichtet, daß die arischen Lehrer und der NS-Studenteiihtinil die geistige Führung dieses wichtigen Musikinstitutes übernommen haben, und daß der Chordirigent Bruno Kittel /um kommissarischen Direktor des Stern’schen Konservatoriums eingesetzt worden sei. Das Staatsbürgerrecht Das ('iel)iet der Neugestaltung des Staatsbürgerrechts berührt die ״I)cutsehe Juristen-Zeitung׳‘ vom 1. Juni 1935 in ihrer Rundschau 711 den wichtigsten Ereignissen des Rechtslebens, indem sie erwähnt, daß dem Gesetz zur Acnderung des Reichs- und Stant-aiigchörigkeitsgesctzes vom 15. Mai 1935 als einem letzten Vorlauter des demnächst zu erwartenden emU’iiltigvn < ivset/es über die>e Materie größte Bedeutung zukomme. Hier/!! heiß! es dann: den Widerruf;1m.11 vnm 14. n Nt naü!bau kö«, dl, d,.. I odu r gc-chici' len« 1■ ״1: 11 ci«׳! LU •-rhO'iöiiu׳ e: nc 1)1-1 11 '׳'he \v;!r. der :11. MÜ, 1,׳,j ,:Irr! ״: r fllc Reieh* ver) 01,11 1:111. il<JC ■1! 1 ■ in ״״!״Au ä!(־J, dl dcu tscl.cn II,׳ er uiU. 11 (!»■ r Marii mal ir;?r Leut״■ ehe r, 1 1er aui < ‘׳rund die ' Reich-an; :eh- ״!״׳ k(׳;t »lurr! 1 lOjc vr!' Grcn hat 11: ' *'־■#י‘ eiia.-u bür i;< i'n.y ו« Er. A url. in 5 h rhinij der ׳״:״Li :uni C't־? ze uu«l : ״!) ueuen mcl ir < י t u 1' i ז!״ . 1) crei 1 1 ■ lor C: rundiik Fu! 'inuii. run״ Zu er w;1 r tuiiilcn Reirl *D- ■IC Mull,™ tu der ID ihrer ז in seii vor 10 Jahre a < mtv ick׳, c!t ha!.“ Groß-Gaglow und dir AU rkennung ili 1933 und die auf 15׳ Reiehcs ergangene ׳:־<H der L;mde-t:1״U- 1 .1 .p'׳׳.!־!!L:k!!: allein ciniuhne, in du ■■ In 1׳ini 1 - - und Siaaui!3 ge ■ kUgi n. Da״!H־ue Umutz נ üche a1 G KmUirg,•! ung, die auf grhvii waren. Weder die Witwe \u dändi■r-<, diu zur Zeit ihrer noch ein ehemaliger Deutscher, •»,mgehdrigkri! durch L!ulas>,ung er mindejuuns ein Jahr aktiv im Marine gedient hat, noch ein eheiles Gesetzes vom 1. Juli 1870 ihrigen Aufenthalt im Ausland zwingenden Anspruch auf Einlung mit dem Arielparagraphen Wehrgezetzes zeichne? sich nun- נ des demnächst in ent^iih igvr idjurgerrechtb ab, duss-cu wich- Eine ab gelehnte Trauung Das Standesamt in Pforzheim hat, wie der ״Pforzbeimer Anzeiger“ mitfeilt, eine interessante Entscheidung gefällt. In Pforzheim wollte sieh ein gewisser B. mit einer Jüdin verheiraten. Das Standesamt hat jedoch die Eheschließung der beiden ahgelehnt. Die Begründung der Ablehnung stützt sich auf die Bestimmung des Wehrmachtgeset/es, wonach den Angehörigen arischer Abstammung der' Wehrmacht und des BeurlaubteiistaiwJes das Eingehen der Ehe mit Personen nichtarischer Abstammung verboten ist. Angehörige der Wehrmacht sind nicht nur die Soldaten, die aktiv dienen, sondern auch Angehörige des Beurlaubten Standes und der Ersatzreserve. Marlenbad. Zionisten treffen sich jeden Montag, S Uhr, im Hotel ״Walhall a“. — Damen der Wizo helfen sich jeden Donnerstag, 4 Uhr, im Gartenkaffee Schloß Miramonti, Wir habch in Nr. 42 über das ״Ende der GroB-Gaglower Siedlung“ berichtet. Der ״Schild“, das Organ des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten, benutzt diesen Bericht, tun gegen uns zu polemisieren. Leider wird dieser Anlaß dazu verwandt, um die jüdische Oeffentlichkcit über die tatsächlichen Zusammenhänge irrezuführeii. Ob unser Bericht ״unverkennbare Freude darüber atmet, daß Groß-Gaglow geräumt werden muß“, mögen unsere Leser selbst entscheiden. Nicht mit einer Silbe trifft auch die weitere Behauptung zu, als ob unsere Ausführungen den Eindruck erwecken mußten, daß die Siedlung Groß-Gaglow aufgelöst worden sei, weil jüdische Siedlungen oder jüdischer Grundbesitz überhaupt in Deutsch-!and nicht mehr zugelassen seien. Es war unsere publizistische Pflicht, darauf hinzuweisen, daß außerhalb eines behördlich geleiteten Sicdlungsverfahrens sonstige Siedlungsmöglichkeiten im fachlichen Sinne des Wortes für Juden in Deutschland nicht bestehen. Da auch der Erwerb von privaten ■•landwirtschaftlichen Grundstücken an die Zustimmung des Landrates gebunden ist, wäre es eine I 11 u - s i on , die Aussichten für Juden, in der Landwirtschaft eine Betätigungsmöglichkeit größeren Umfanges finden zu können, für auch mir einigermaßen bedeutend zu halten. Die Behauptung, daß unsere Angaben über die verwandten öffentlichen jüdischen Gelder und die weitere Zahl von 250 009 bis 301(009 RM. unrichtig• seien, ist aus der Luft gegriffen. Wir haben in unserem Artikel nicht nur von den ״ö ffentlichc ti“ jüdischen Geldern gesprochen, sondern ••die־׳ Gesamtsumme• der von verschiedenen Seiten in der Siedlung investierten jüdischen Kapitalien geschätzt. ,Der Frontbund hat durch seinen Geschäftsführer, Dr. Rosenthal, in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftshilfe über die investierten Beträge Bericht erstattet. Aus dem uns vorliegenden Bericht ergibt sich, daß außer dem Stammkapital der Jüdischen Landarbeit O. m. b. H. von der Gemeinde Berlin, vom Zentralausschuß, von der Gärtnerschule in Ahlem und vom Frontbimd zusammen ca, 218 000 Reichsmark investiert wurden. Zu diesem Betrage ist dann das Eigenkapital der Siedler hinzuzuredinen, auf das sie hei der Auflösung jetzt nach Rückzahlung eines ihnen gewährten Kredites 56 00() RM. zurückerhalten; die Siedler selbst haben ihre Investition auf 100 000 RM. geschätzt. Je nachdem, ob einer dieser beiden Beträge zu der Summe der von dritter jüdischer Seite bereitgestellten Kapitalien hinzuaddiert wird, ergibt sich die in unserem Artikel völlig zu Recht genannte Summe von 250 000 bis 300 000 RM. Wir stellen fest, daß nicht der mindeste Anlaß dafür vorgelegen hat, die Glaubwürdigkeit unserer Angaben anzuzweifeln, und daß auch im übrigen mit Unterstellungen über den Inhalt unseres Berichtes gearbeitet wird, die in keiner Weise sich rechtfertigen lassen. Wir haben die ausgezeichnete sachliche Leistung der Oroß-Gaglower Siedler niemals verkannt oder gar mißachtet. Unser Bericht bringt diese Auffassung klar zum Ausdruck. Nur hat sieh leider auch an diesem Beispiel wieder gezeigt, daß im Wesen gute Angelegenheiten dann nicht ge- Fingen, wenn sie von ungeeigneten Stellen vertreten werden. Die Verkopplung der Siedlung Groß-Gaglow mit den Ideologien des Frontbundes hat nach unserer Meinung «ine günstigere Regelung verhindert. Wir glauben, daß das jetzt vorliegende Ergebnis diesen Kreisen weniger Anlaß bieten sollte, gegen uns zu polemisieren, als dafür einzutreten, den Siedlern, die man seit zwei Jahren immer wieder aufgefordert hat, auf ihrem Posten auszuharren, nunmehr mit aller Kraft zu helfen, damit sie eine andere Existenz finden können. ״Der Erbschalts ver ein‘ ‘ Der ״Angriff“ vom 29. 5, veröffentlicht eine Notiz unter der Ueberschrift: ״Der E r b s c h a f t s v e r c i n“, in der _er sich mit einem Beschluß des Amtsgerichts Münster, _ der im Deutschen Reichsanzeiger veröffentlicht ist, beschäftigt. Danach hat das Amtsgericht einen Teilerbschein über das Vermögen des im Jahre 1927 verstorbenen Kunsthändlers Max Heiman« als unrichtig und kraftlos erklären müssen. Bei dieser Gelegenheit sind die Namen der Hcimannschcn Teilerben genannt worden. Es handelt sich um 52 Personen (und zwar durchweg um Zionisten). Der ״Angriff“ knüpft hieran eine Glosse, in der er fragt: ״WLvid Klein juilvu 111ö״e11 wohl diesem Ileimannschen Erbsrliafisveriin aiigciiörtiu? Wieviel Deuisrlie mögen durch ihre Einkaufe?1)1׳ An-!1m!n!u!1״ dieses Vermögens beigetragen haben? Hal>en die Kunden Hi imanns auch einmal daran gedacht, in welche Kailälc sie ihr Geld ieiieten? Werden die Volksgenossen, die es angeht, nun endlich begreifen, daß die Aufforderung ,Kauft nicht bei Juden!‘ un-erem Volkstum dient?“ Zu dieser Angelegenheit ist folgendes zu bemerken: Der Heimannsche Nachlaß besteht aus einigen hochbelasteten Häusern, und die Erben haben bisher noch keinerlei Vorteil, sondern nur Unkosten von der Erbschaft gehabt. Die vom ״Angriff“ aufjreführten 52 Erben sind auch gar nicht persönlich bedacht worden, sondern in ihrer Eigenschaft als damalige Vorstandsmitglieder der Zionistischen Vere i n i g 11 n g für Deutschland, da der Erblasser die Z. V. f. D. bedenken wollte. Sollten also diesen Personen wider Erwarten noch irgendwelche Beträge zufließen, so werden diese Summen für die Arbeit der Z. V. f. D. und somit auch zur Förderung der Auswanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina verwandt werden. Der Weg der «lugend Zu zwei Broschüren Zwei Broschüren sind in den letzten Monaten aus Kreise« der zionistischen Jugend erschienen, die Aufmerksamkeit verdienen, besonders deshalb, weil in ihnen der Versuch gemacht wird, nicht nur Beiträge zu den weltanschaulichen und erzieherischen Fragen der zionistischen Jugendarbeit zu geben, sondern weil diese Veröffentlichungen sich bemühen, ihre jugendlichen Leser in die Wirklichkeit Paläst i י nas einzuführen. Dies ist ja eine der vordringlichste« Aufgaben für einen Menschenkreis, der auf dem Wege nach Palästina ist und gar nicht genug von den besondere« Lebensverhältnissen wissen kann, unter denen er selbst in verhältnismäßig naher Zukunft stehen wird. Dieser Aufgabe unterzieht sich mit Erfolg die vom Hechaluz herausgegebene Samtnelschrift ״Kibbuz“, die sich, wie ihr Titel sagt, mit der Eroberung neuer Arbeitegebiete in Palästina beschäftigt. Im Mittelpunkt des Heftes steht die Behandlung des Hule-Gebietes, das in der Tat für die Chaluzbewegung in den nächsten Jahren eine der wichtigsten und größten Aufgaben bietet. In einer Anzahl von Aufsätzen aus sachverständiger Feder werden die geographischen, wirtschaftlichen und politischen Grundlagen dieser neuen Landkonzession ausführlidn dargelegt; in einigen Er- Zählungen aus den Anfängen der Kolonisation in jener Gegend wird die ganze Schwere dieser Arbeit lebendig. Mit einigen anderen wichtigen Etappen bei der Ausbreitung der jüdischen Arbeit in Palästina beschäftigen sich Berichte Von der Arbeit im Süden des Toten Meeres und von der Siedlung Naanc. Zu diesem Hauptthema des Heftes treten dann weitere palästinensische Fragen, die sich einesteils mit innen- und außenpolitischen Problemen auseinandersetzen — nämlich dem innerzionistischen Befriedungsabkom* men und den Problemen des arabischen Imperialismus —< wie andererseits gesellschaftlichen Fragen gewidmet sind. So beschäftigen sich zwei Beiträge mit der auch von der ״jüdischen Rundschau“ bereits erwähnten Frage der räum« liehen Ueberbelegung in den Kwuzoth, die zu schweren seelischen Konflikten geführt hat. Die Broschüre ist gewiß dazu geeignet, bestimmte Seifen des palästinensischen Lebens ihrem Leserkreise nahezubringen. Dem gleichen Ziele dient eine Sammelschrift des Habonira, die unter dem Titel ״B i n j a n“ (Aufbau) erschienen ist. Dieses Heft ist anläßlich des zweijährigen Gründungstages des Bundes publiziert worden und gibt einen Rückblick auf die Arbeit eines Kreises, der heute die älteste Tradition der Chaluzbewegung im Judentum Deutschlands darstellt und seit 1933 zun! wichtigsten Träger der Chaluzarbcit geworden ist. Diese seine Aufgabe wird in dem von der Bundesleitung gegebenen Rückblick besonders eindringlich geschildert. Aber auch dies Heft enthält in erster Linie nicht so sehr Beiträge ideologischer Natur wie Stoffe, die einen Einblick in das Arbeiterleben in Palästina geben können. Man beschäftigt sich mit den Fragen der jüdischen Arbeit und den Problemen des Heskems, der zur Zeit des Erscheinens des Heftes noch umkämpft war, den Fragen der Ein- Ordnung jüdischer Einwanderer aus Deutschland im Kibbuz Meuchad und gibt besonders interessante Einzelheiten über die organisatorische Arbeit für diese Einordnung. Daneben dient die Veröffentlichung einer Darstellung der erziehensehen Ziele des Bundes, die den Versuch machen, einen Typ heranzubilden, der für die Arbeit in Palästina besonders geeignet ist. Diese Jugend soll zugleich harmonisch und kämpferisch, realistisch, aber nicht intellektualistisch sein 1!nd soll den rechten Weg finden, der die Abgrenzung dieser Gegenhegriffe bedeutet. Will man einen Einblick in die Interessen der auf Clialuziuth gerichteten Jugend 1m Judentum Deutschlands erlangen, so können diese beiden Veröffentlichungen ein wertvoller Anhalt hierfür werden. t. n. Kleine Nachrichten Wie die ״Nationalsozialistische Parteikorrespondenz“ mcldet, veranstaltet die Führung der Deutschen Burschenschaft für ihre sämtlichen Amtsträger ein Frühjahrslager in Eisenach. Unter den Themen, die während der Schulung*• woche behandelt werden, befindet sich auch die Judenfrage. Bei dieser Gelegenheit wird u. a. der Sachverständige im Berner Judenprozeß um die ״Protokolle der Weisen von Zion“, Oberstleutnant a. D. F 1 e i s c h haue r, sprechen. Die ״Kurhessische Landeszeitung“ in Kassel schreibt: ״Für das große Himmelfahrtsfest auf dem Heiligenberg war die Aufführung eines Laienspiels ״Grenzmark“ von Otto Bruder vorgesehen. Wie sich jetzt im letzten Augenblick herausstellte, handelt es sich bei dem Verfasser des Stückes um einen Juden. Mit Recht haben daher die in dem Stück mitwirkenden Laienspieler es abgelehnt, ein jüdisches Werk zur Aufführung zu bringen und damit jüdischem Geist zu dienen. Das Volksfest findet im übrigen im geplanten Rahmen statt.“ ln der Nacht zum 28. Mai sind auf dem jüdischen Friedhof in Oldenburg zahlreiche Grabdenkmäler umgeworfen und zertrümmert worden. Unter den von den bereits crmittclteil Tätern heimgesuchten Gräbern befindet sich auch der Gedenkstein des Kriegsgefallenen Peter de Vri-cs, eines Patenkindes des verstorbenen Großherzogs von Oldenburg, Nikolaus Friedrich Peter, der seinerzeit die Ueberfiihrung der Leiche des Gefallenen aus dem Felde nach Oldenburg veranlage. Im Continental-Hotel zu Kairo fand zu Ehren des neuen Leiters des Kairoer Jüdischen Krankenhauses, Dr. Hugo Piccard, der früher am Krankenhaus der Jüdischen Ge• meinde zu Berlin tätig war, ein Empfang statt. Auf der XIX. Jahreskonferenz des Weltverbandes der Völkerbundligen, die vom 9. bis zum 13. Juni in Brüssel stattfindet, wird die palästinensische Völkerbundliga durch eine Abordnung vertreten sein. Die Tagesordnung enthält eine Reihe von Punkten, die jüdisches Interesse mittelbar betreffen, und zwar: 1. Die Frage der Verallgemeine• r.ung der Minderheitenschutzverbände; 2. die Frage des Schutzes Ausgewanderter durch den Völkerbund. Der Präsident des KKL Herr M. M. Ussischkin nebst Gattin reisen am 12. 7. auf dem Dampfer ״Tel- Aviv“ von Haifa nach Europa. Die Musterung: und Aushebung: Im Reichsgesctzblatt ist eine ״Verordnung über die Musterung und Aushebung 1935“ publiziert worden. In dieser Verordnung wird u. a. in § 19 gesagt, daß arische Abstammung eine Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst und Arbeitsdienst ist. Als nichtarisch gilt, wer von nichtarischen jüdischen Eltern oder Großeltern abstammt. Wehrfähige Dienstpflichtige nichtarischer Abstammung, die innerhalb von zwei Wochen nach dem Musterungstage keinen Antrag auf Heranziehung zum aktiven Wehrdienst emreicnen* sind der Ersatzreserve II zu überweisen. i