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Jüdische Rundschau · 1935-06-04 · Heft 45 (4.6.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 45 (4.6.1935)
Date
1935-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 7 Jüdische rundschaö Nr. 45, 4, VI. 1935 Syrien und die jüdische zionistische Erkenntnis als eine in ihrer Vielfalt doch einfache Tatsache vor unseren Augen. Wir wissen selbst am besten, wie schwer es ist, die Mächte der Vergangenheit in den jüdischer! Reihen zu überwinde!1 Und jeden einzelnen Juden von der Bedeutung dieser Sache zu überzeugen. Man ist nur allzu leicht geneigt, dabei dasjenige für sich herauszusuchen, was einem angenehm ist, und dafür jenes beiseite zu lassen, was irgendwie an das tiefere Wesen des Menschen und seine Umgestaltung rührt. Aber es gilt zu erkennen: Palästina ohne Zionismus existiert nicht! Es wäre niemals das geworden, was es heute ist, und wird sich in Zukunft nicht entwickeln, wenn es nicht von der zionistisehen Idee und einer starken zionistischen Bewegung getragen wird. Darum gibt es keine wirklich innerste Verbindung mit diesem Lande, die nicht durch Zionismus geformt ist. Wenn daher in diesen Wochen die Organisation an jeden einzelnen Juden herantritt und durch die Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Zio-!!Ismus fordert, dann wird der Einzelne vor eine echte Entscheidungsfrage gestellt, deren Beantwortu!1g sein Schicksal als Jude mitbestiinmen soll. Zehntausende Juden in Deutschland haben dieses Bekenntnis abgelegt, und weitere werden es in den nächsten Wochen tun. Sie ordnen sich damit selbst der Norm jüdischen Lebens unter, die ein g a n z e s Judentum verlangt und den Einsatz jedes Einzelnen i!1 der Front derer fordert, die dieses Judentum aufbauen wollen, das Palästina umfaßt, aber über seine Grenzen hinausgreift und das jüdische Leben auch in der Diaspora bereichert. Wir leben in der S c 1! a w u o 111 - W 0 c 11 e. Die Lehre vom Berge Sinai ist über das Volk gekommen, obwohl es vielleicht damals noch nicht zu ihrer Annahme reif war. Der Midrasch erzählt, daß nur die Gefahr des Todes das Volk dazu zwingen konnte, sie anzunehmen. Das jüdisclie Volk hat vor dieser Gefahr des Unterganges am Ausgang ries 1h. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erneut gestanden. Sein Ende ist von manchen Propheten verkündet und von vielen ersehnt worden. Es ist anders gekommen, und wir glauben, es mußte — trotz allem! — anders kommen. Daß dieser Weg, der Weg j״ das Leben ein möglichst gerader werde, und daß unsere Generation auf ihm mit möglichster Beschleunigung voranschreite, ist unsere Aufgabe, die Aufgabe des Ziouismiis und all derer, die in seine Reihen als in die eigentliche gestaltende Kraft des jüdischen Volkes eintreten. K. L. Auswanderungskommissar MacDonald in Südamerika Buenos Aires, 31. Mai. (JTA.) Anfang Juni wird sich der Völkerbunds-Oberkommissar für Auswandererfürsorge nach längerem Aufenthalt in Südamerika, wo er mit einer Reihe von Regierungen Verhandlungen betreffend die Unterbringung der Aus wa!1<ler er aus Deutschland geführt hat, nach New York zuriiekbegeben. Augenblicklich weilt Oberkcmimissar MacDonald in Brasilien, um die mit der dortigen Regierung in! April aufgenonimenen Verbandlangen zu Ende zu führen. Vorher war er in Uruguay, wohin er sich nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Argentinien hegeberg hatte. Vor seiner Abreise aus Buenos Aires erklärte James G. MacDonald, daß die argentinische Regierung der Forderung, einer b e s t i m in t e!1 Zahl von Auswanderern aus Deutschland N'iederla.-stmgserlaubnis zu gewähren, freundhcli gegeiiubersftäit. Budapester Brief Budapest, 31. Mai 1035 Die Budapester Universität feierte dieser Tage das Jubiliiem ihres 30()jährigen Be-t,indes. Ursprünglich katholische Stn'tung des Kardinal•. P.i/mäny hat sie vor 150 Jahren als ersten Nidifkathoiikei! den Altofner jüdRclier! Arzt Josef Maires O e s t e r r e i c 1! c r /um Doktor promoviert, der siel! durch die Litideckung der Uiner und Baiatontureder Heileui’llen größte \'e! dieu.ste um da:, Land erwarb. Seither hat diese alnia inater fast -;iוזוtlicht־ Führer des ungarischen Ju׳!ei!t1!!n.s hernngehildei, zählte auch riiie Anzahl jüdischer Dozenten. Heute stehen sie freilich auf dem Aussterbeetat. Die jüdische 1 loc!11.׳ h:!Ij11.,end war zum Festakt nicht geknien. Aber unter den siegreichen Bewerbern um die Univorsiuäfsprrise gab es 17 jüdische Studenten. Martin 7. ö 1 <1 de Siöngärd, der derzeit einzige General der ungari-chen Armee i. R., war ,׳uiliißlich seines 70. Geburtstages Gegen-tarnl mehrfacher Ehrungen. Er hat sich im Weitkriege als Sieger von Rarance einen Namen gemacht. Ztiild ist traditionstreuer Jude, seit Jahren Vorstandsmitglied der Poster Israelitischen Kuliusgemeinde. D. A. F. Weißrussisches Bauerndorf tritt zum Judentum über Warschau, 28. Mai. (JTA.) Bereits vor einiger Zeit hatten sich sämtliche Einwohner eines von weillrussischen Bauern bewohnten Dorfes bei P i 11 s k, 27 Männer und 16 Frauen, an das Warschauer Rabbinat mit der Bitte gewandt, ihnen den Uebertritt zum Judentum zu ermöglichen. Infolge der noch geltenden Gesetzesbestimmung«! aus der zaristischen Zeit, die den Uebertritt von Christen zum Juden tum verbieten, konnte die Bitte der Bauern bisher nicht erfüllt werden. Jetzt hat das Dorf abermals eine dreiglietlrige Abordnung nach Warschau gesandt, die das Rahbinat bat, zu veranlassen, daß drei Mohelim in das Dorf komme!!, um die Beschul■ klung der männlichen Einwohner varzunehmen. Die Abgesandten erklärten, daß sämtliche Famiiien des Dorfes schon seit langem als Juden leben und sämtliche Vorschriften der jüdischen Religion streng cinhaltcn. Das Rabbinatssekretariat hat versprochen, sich um die Erfüllung der Bitte der weißnissischcn Bauern zu bemühen. HckUsten döHH lUhdek-JlutodscUau, Ein Artikel von Graf Sforza Die Pariser Halbmonatsschrift ״Revue Bleue“ veröffentlicht in der Nummer vom 4. Mai einen Aufsatz des Grafen Sforza, der vor der Machtergreifung des Faschismus italienischer Außenminister war, über den ״Mythos von der panarabischen Bewegung“. (״Le Mythe du Panarabisme“), Dieser Aufsatz ist nicht nur inhaltlich für uns interessant, sondern verdient auch wegen der Person des Verfassers Beachtung; denn wenn auch Graf Sforza in Italien heute keinerlei Einfluß mehr besitzt, ja (vor allen! wegen der Abtretung des Dodekanes an Griechenland), scharf abgelehnt wird, so dürfte er über gute Beziehungen zu den Kreisen der bürgerlichen Linken in Frankreich verfügen, wo er seit Jahren seinen Wohnsitz hat. Sforza geht davon aus, daß' die panarabische Bewegung schon deshalb wenig reale Bedeutung besitze, weil der notwendige überragende Führer nicht vorhanden sei. Der vor einem Jahr verstorbene König Feisal, den Sforza gut kannte, hätte vielleicht diese Rolle ausfüllen können, denn in ihm vereinigten sich_Ürient und Okzident i!1 seltenster Weise, und mit seiner Intelligenz, seinem politischen Realismus und seiner vermittelnden Art habe er die Phantasie des ganzen Nahen Orients auf sich gelenkt. Nach seinem Tode hätte» sich die Anhänger der Bewegung in Ihn Sa 11(1 einen neuen Führer gesucht, aber dieser scheine zu praktisch veranlagt, um sich, fern von seinen Staaten, zum Vorkämpfer eines vager! syrischen oder palästinensischen Nationalismus herzugeben — noch dazu auf die Gefahr hin, seine englischen Freunde vor den Kopf zu stoßen. Durch die Besuche des jüngeren Bruders von Feisal, des Emir Abdullah, in London seien jetzt andere Gerüchte aufgetaucht, nämlich über die bevorstehende Vereinifang Palästinas mit Transjordanien unter dem Szepter dieses mirs, der den Königstitel annehmen werde. Die Engländer, so behaupte man, hätten an diesen Plänen Interesse, weil sic so erreichen würden, daß sich Abdullah in aller Form mit der Balfour-Deklaration einverstanden erkläre — worauf sie dann Palästina ein endgültiges Verfassungsstatut geben könnten; angeblich gehöre der britische High Commissioner zu den Anhüngern dieses Plaues. — Die mohammedanischen Araber seien wiederum insofern daran interessiert, als ein Fürst ihrer Rasse und ihres Glaubens au die Spitze des neuen Staatswesens gestellt würde, was ihnen eine gewisse dauernde Sicherheit für den wohl nicht mehr allzu fernen Zeitpunkt geben würde, an dem die Juden die unumschränkten Herren der palästinensischen Wirtschaft sein würden. Andererseits würden die Juden außer der formellen Anerkennung der Balfour-Deklaration und der jüdischen Koloriisation durch die vom Propheten selbst abstammende Dynastie der Haschemilen auch die Möglichkeit der wirtschaftlichen Erschließung und Besiedlung T ransjordaniens erlangen, und dieses Land enthalte fruchtbare und bebaubare Strecken, die ihre Besitzer brennend gern verkaufen würden, auch wenn sie, wie Sforza schreibt, ״als transjordanische Abgeordnetc in der Versammlung zu Amman! gegen diese Tendenz xrotestierten“. Endlich könnte man dann auch die sogenannten andlosen Araber, deren Röder! von den Zionisten aufgekauft worden seien, in Transjordanien wieder ansiedeln. Aber, meint Sforza, aus diesem Projekt werde wohl nichts werden; denn man finde höchst selten einen Mann wie Feisal, der solchen Projekten Leben einzuhauchen verstand. Sicherlich würde sich auch eine große Zahl palästinensischer Araber Die Judenfrage in Spanien Herr de Cardogni, Zivilgouverneur von Cordoba, hat zum Abschluß der Maimonkies-Woche in Cordoba eine Rede gehalten. ״Kommen Sie zurück nach Spanien, meine lieben Brüder“, heißt es da, ״erzählen Sie von unserem neuen Spanien, von unseren Zielen, unseren Absichten . . . und sagen Sie allen, daß Spanien seinen jüdischen Briidern die Arme geöffnet und ihnen den Friedenskuß auf die Stirn gcdiückt hat.“ Seien wir uns klar darüber: Der Südländer Cardogni liebt das Wort. Als er jene Rede hielt, berauschte es ihn. Und um des Wortes willen sagte er Dinge, die kaum jemals in die Tat umgesetzt werden dürften. Bis zum 14. April 1931, dem Tag, an dem die spanische Republik ausgerufen wurde, übte der traditionsgemäß antisemitische Klerus in Spanien die Macht aus. Es gab kaum Juden in Spanien, und diejenigen, die während des Krieges eingewandert waren, hüteten sich, ihr Judentum bekanntzugeben, um sich keinen geschäftlichen und gesellschaftliehen Unannehmlichkeiten a-szuset/.en. Sie galten gemäß ihrer Ursprungsländer als Deutsche, Franzosen, Belgier, Polen oder Rassen. Als die Republikaner die Regierung übernahmen, befaßten sie sich auch mit der Judenfrage. Sie vertraten die Ansicht, daß Spanien seit der Vertreibung der Juden eine kulturelle und wirtschaftliche Rückentwicklu!1g zu verzeichnen gehabt habe, die nur durch die Wiedergutmachung jenes tragischen Fehlers aufzuhaltcn sei. Sie führten Verhandlungen mit der sephardischen Kolonie in Saloniki, deren Mitglieder auch heute noch spanisch sprechen, um diese zur Rückkehr zu veranlassen, aber die Salonikier Jude!! konnten sich nicht dazu entschließen, in die alte, längst fremdgewordene Heimat überzusiedeln, da die Verhandlangen allein bereits in der spanischen Rechtspresse einen antisemitischen Entrüstungssturm hervorgerufen hatten! Als in Deutschland 1933 der Umschwung erfolgte, glaubten eine Reihe deutscher Juden auf Grund der einladenden Haltung der Regierung Azaua in Spanien ein Asyl finden zu können. Inzwischen aber hatte der zwei Jahre lang von der Regierung ausgeschaltetc Klerus und die hinter ihm stehende Rechtspresse einen großen Teil ihres Einflusses wieder zurückgewonnen. ״El Dcbate“, ״Informaciones“ ״ARG“, ״La N’acion“ und andere Blätter brachten täglich lange antisemitische Artikel, ln ״Estampa“, einer unpolitischen illustrierten Zeitschrift, erschien ein Aufsatz mit Bildern bekannter, aus Deutschland emigrierter jüdischer Gelehrter und Schriftsteller, an denen der Verfasser aufzuzeigen bemüht war, daß ihre Wissenschaft und Kunst durchaus ״destruktiv'■ sei. Wochenlang befaßte sich dann die Rechtspresse mit dem Fall eines bekannten jüdischen Arztes, der versucht hatte, sich in Madrid niederzulassen. Er hatte wie es das spanische Gesetz verschreibt — begonnen, sämtliche Examina nachzumachen, wurde aber nach »/* Jahren intensivster Arbeit und erheblichen Geldausgaben von dem Führer des Aerzte verband es von den Prüfungen ausgeschlossen, weil er die spanische Nationalität nicht besaß. Der Aerzteverband nämlich hatte eine Resolution an genommen, die ausländische Kollegen von jeglicher Praxisausübung suspendierte. Die gleicher! Beschlüsse faßten Zahnärzte und Juristen. Die liberale Regierung sah sich diesen Verfügungen der Fachverbände gegenüber machtlos. Und es blieb schließlich dabei, daß statt 100 vorgesehener ein einziger jüdischer Wissenschaftler, der inzwischen verstorben ist, eine Professur erhielt, daß zwei oder drei Akademiker an den Internaten, die manchen Universitäten Spaniens angegliedert sind, Lektorenstellen gegen freie Kost und Logis erhielten und daß sich in Madrid ein Jour- Einwanderung weigern, den neuen König anzuerkennen, wenn dieser mit der Balfour-Deklaration einverstanden wäre. Die Mehrzahl der arabischen Führer neige zu unentwegter Fortführung des Kampfes, auch wenn dieser im Verlauf einiger Jahre zu ihrer vollständigen Niederlage führen sollte; denn die Araber seien im allgemeinen keine Diplomaten, sondern Politiker des ״Alles oder Nichts“! Endlich hätten auch die Zionisten Grund zu!» Mißtrauen gegen das neue Projekt, bei dem die neu entstehenden jüdischen Siedlungen in Transjordanien gegen einen immer möglichen arabischen Aufstand ungeschützt sein wiir. den; denn die Sympathie des neuer! Königs würde jedenfalls seinen Rassegenossen gehören. Außerdem sei der Zionismus als solcher eben nur auf dem Boden Palästinas gerechtfertigt, ln den umliegenden Ländern — nicht nur in Trans. Jordanien, sondern auch in Syrien — wäre eine! jüdische Einwanderung und Kolonisation möglich, ja in gewissen Formen sogar höchst erwünscht; aber es müßte sich dabei um freie, ״oder anscheinend freie“, Bewegungen handeln, ohne jede Verpflichtung des Staates. Jed_enlalls müsse offenbar im Interesse eines französischer! Syrien selbst die geringste kollektive jüdische Einwanderung iri der Nähe der palästinensischen Grenze unterbleiben; dagegen sei nicht einzusehen, welche unüberwindlichen SchwierigKeiten einer starken jüdischen Einwanderung in die seit Jahrhunderten verödeten, fern von jeder politischen Grenze gelegenen Gebiete entgegenstehen sollten. Im Gegenteil — eines der schwersten Probleme Syriens sei das tragische Milk Verhältnis zwischen dem weit überwiegenden mohammedaj nisehen Bevölkerungsteil und dem christlichen; in dieser Lage könnte die Einführung eines dritten Elements, das rassenmälli; den beiden anderen nah verwandt sei, viele Reibungen ver-' mindern. Bei einem Besuch in Syrien habe Sforza kürzlich selbst gehört, wie sehr hochstehende Mohammedaner die Idee predigten, man solle einige zehntausend Juden aus Mitteleuropa in die Gegend am Eu• phrat (la Djeziree) einwandern lassen. Diese Gegend habe anscheinend den Vorteil, entvölkert zu sein, und entspreche andererseits auch den Anforderungen der jüdischen Ennvanderer, deren Beauftragte sich schon an Ort und Stelle begeben hätten. Endlich könne noch ein anderer, ebenso neuer wie seitsamer Faktor die jüdische Einwanderung nach Syrien begi'mstigen: die Beduinen seien ihrer ewigen Wanderung mit ihren Kamelen — deren Preis durch die Entwicklang des Kraftfahrwesens sehr gefallen sei, überdrüssig, und Sforza selbst hat in der Nähe von Palmyra gehört, wie ßeduinenhäuptlinge das Beispiel der Stämme Ihn Sauds rühmten, die sich fest niedergelassen, bedeutende Städte geschaffen, Getreide angebaut hätten und reich und mächtig geworden seien. Solche Gedanken hätten heute in Syrien die Führer der kriegerischen Sbaas, der Fedan, der Bcni-Kaled, der Fadel. Es scheint also, so schließt Sforza, als ob ganz verschiedene Faktoren heute gleichzeitig auf die Verwirklichung einer großen Idee hinweisen: der Wüste und der Malaria jene nur allzu zahlreichen Ländereien zu entreißen, die heute verlassen sind, einst aber, in römischer Zeit, die reichsten Gegenden von ganz Vorderasien waren. Das wäre gleichzeitig, so meint der Verfasser, die glücklichste Rechtfertigung des französischen Mandats über Syrien. A. P. nahst und zwei Photographen ein einigermaßen ertrag- Iiclies Auskommen schufen. In Barcelona hungerte sich i die Mehrzahl der intellektuellen jüdischen Emigranten ״emu I so durch wie in Paris oder Prag. Manchen, die sich?.ui I andere Berufe umstellen konnten, gelang es, mühsam ihr I Leben zu fristen. Nur bemittelte jüdische Emigranten könnt«! ן in Spanien festen Fuß fassen — genau wie in jedem anderen Lande der Welt. Aber auch das war keine reine Freude. Die Rechtszeitungen beklagten sich bitter über die ״iiidisehe Invasion“ und stachelten die Kleinhändlerverbände gern.׳n die von Emigranten gegründeten Einheitspreisläden tmd Lokale an. Steilungsmöglichkeiten in Betrieben und Fabrik«! sind an sich in äußerst beschränktem Umfange vorhanden, da Spanien nur eine sehr kleine Industrie besitzt. Und die Arbeitslosigkeit ist hierzulande so groß, daß auf jeden freiwerdenden Posten bereits 2—3 inländische Anwärter warten, so daß die Gesetze nur in Ausnahmefällen die Beschäftigung ausländischer Spezialisten zulassen. So standen die Dinge unter einer judenfreundlich orien* tierten Regierung. Seit dem 4. Oktober 1934 jedoch regiert in Spanien ein Kabinett, in dem die stark antisemitisch klerikalen Elemente maßgebend sind, und das seit dem 5. Mai 1935 noch nach der klerikalen Seite hin erweitert wurde. Diese traditionell judeiifeindlichcu spanischen Klerikalen sollten plötzlich die Juden mit offenen Armen empfangen, obgleich sie noch bei dem letzten Budgetkampf aufs barteste den Kredit bekämpften, der den jüdischen Schulen ף Spanisch-Marokko zugute kam? Die Aerzte-, Juristen- und Philologenverbände werden plötzlich die jüdischen Kollegen mit Freudentränen in den Augen begrüßen, während me gestern noch alles taten, um sich vor ihrer Konkurrenz zu sichern? — Die spanischen Geschäftsleute werden diese Konkurrenz als ein Geschenk des Himmels ansehcti? Die Arbeitsgesetzgebung wird zugunsten jüdischer Einwanderer geändert werden? Herr de Cardogni mag, was seine Person anbetrifft, aus vollem Herzen gesprochen haben. Wer aber seine Worte als Worte der Regierung Spaniens ansieht und auf diese Worte bauen möchte, der baut auf Flugsand. Man gebe sich also keinen Illusionen hin. J. de Rivera Gegen die Ausschreitungen an rumänischen Universitäten Bukarest, 28. Mai. (JTA.) Der Universitätsrat hat in seiner letzten Sitzung mit Rücksicht auf die wiederholten antisemitischen Ausschreitungen der Studenten, die vom akademischen Boden auf die Straßen Übergriff«• und vielfach zu Mißhandlungen jüdischer Passanten geturnt haben» beschlossen, die Bestimmungen der Universität•־ autonomic außer Kraft zu setzen, die der staatlichen (׳.«'• kutive das Betreten des Hochschulgebiets unmöglich machen. In Zukunft werden Organe des Innenministeriums für die Aufreclitcrhaltung der Ordnung an den Universitäten Sorge tragen. _ Hnuptecliriitleiter: Dr. Robert W e 11 8 e h, Bcrlin-Charlottenburg 9, Stellvertreter: Kurt Loewcn stein, Berlin W15. Anzeigcnlcirerin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Rut Posen er, Berlin W 30. Gültig: Anicigcn-Preisliste 2 vom X. Januar 1935• Verlag und Anzeigcnvcrwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, McinekesLr. 10. D.-A. April 34 9X4 — Druck: Siegfried Scholc«, Berlin-Schöneberg.

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