Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 44 (31.5.1935)
- Date
- 1935-05-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44, 31. V. 1935 Das österreichische Judentum für die Galuth oder zumindest für sich selbst. Heute scheint es manchmal, als ob inan den umgekehrten Weg gehen wolle: Weil die Juden selbst ihr Volkstum empfinden, muß man in dieser Frage nachgeben. Dann aber ist man wenigstens gegen die Anerkennung Palästinas als der zentralen Aufgabe unserer Generation. Man will einen ״denaturierten“ Volksgedanken akzeptieren — nicht mehr. Das mag für diejenigen richtig und ausreichend sein, die aus einer vergangenen Zeit stam• men und um ihre Führerpositionen im Judentum Deutschlands bangen, nicht aber für die große Mehrzahl, die über ihre Köpfe hinweg den Weg in ein wirk- 1 i c h e s J u d e n t u m gehen wird. Heute ist diese große Chance für uns alle gegeben. Die äußeren Bedingungen schließen auch die widerstrebenden Kräfte unter uns zu einer Schicksalsgemein- Schaft zusammen. Wenn dieses Leben wertvoll gestaltet werden soll, wenn man es als einen Baustein im Ablauf der jüdischen Geschichte einzusetzen gewillt ist, dann tritt es zwangsläufig in eine Verbindung mit den echten Kräften, die die jüdische Geschichte unserer Tage gestalten. Palästina ist ihr Brennpunkt. Die Kinder vieler Familien sind bereits dort und andere streben in das Land; die Blicke und die Sehnsucht der Eltern folgen ihnen nach, nicht nur aus persönlicher Verbundenheit heraus, sondern auch in dem Gefühl, daß dort Entscheidendes für unser aller Zukunft geschieht. Neues Leben wachst dort, das auch uns ergreifen will; keine Formeln und keine Beschwörungsversuche werden sein Wachstum behindern und die Verbindung der Juden Deutschlands mit ihm schwächen können. K. L. Jahresmemorandum der Agency für die Mandatskommission Genf, 26, Mai. (J TA.) Die Exekutive der Jewish Agency 11al vor etwa zehn lagen dem Obcrkotnmissar für Palästina das Jaliresmemorandnm mit einem Begleitbrief überreicht und ihn gebeten, das Memorandum an die Mandntskom mission des Völkerbundes weiter/uleiten. Die Mandatammcht versieht das Memorandum mit ihren Benierkungen und überreicht es dem Völkerbundssekretariat zwecks Verteilung au die Mitglieder der Mandatskommission. Die Prüfung des Jahresberichts der Mandatarinacht und des Memorandums der Jewish Agency wird auf der nächsten Tagung der ständigen M a n d a t s k o m in i s s i o n, die am 3. Juni eröffnet wird, erfolgen. Der Kommission werden auch melirere sich auf Palästina beziehende arabische Petitionen vorliegen. Gegen Ruhestörer Sn München Die Polizeidirektion Mönchen teilt mit: ״Unter der Führung einer Reihe von verbrecherischen Elementen, von denen die Haupträdelsführer ein gewisser Schmidt — ein früherer Stahlhelmer — und ein gewisser Karpf, der im vorigen Jahr wegen Unterschlagung aus der Partei ausgeschlossen worden ist, hatten sich in Miineher! T errorgruppen gebildet, um, wie sie sich anmaßend ausdrückten, ״die antisemitische B e w e g 11 11 g v o r w ä r t s 7 u t r e i b e n“. Aut Konto dieser Elemente sind die Vorkommnisse der letzten 14 Tage, insbesondere die Störungen am Sonnabend, dem 18. Mai, und Sonnabend, dem 25. Mai, zu setzen, die vom B e s c 11 in i e r e n 11 e r Schaufenster j ü d i s c 11 e r Gesell äffe b i s zu n! gewaltsamen Eindringen in solche m i t nachträglicher vorzeitiger S c h 1 i e II 11 11 g führten. Ferner sind sie aller Wahrschein!ichkeit nach auch für das Abreißern der bei der Caritas-Saniinlung vertriebenen Abzeichen und die Storung der Kühe im katholischen Vereinshaus in der SchommerstraÖe verantwortlich. Die Polizei wurde bei Ausübung ihrer Pflicht da und dort beschimpft, ja, in einem fall tätlich angegriffen, — Die Schuldigen sind festgestellt b/w. verhaftet. Ihnen wird wegen Landfrirdenshruch, Störung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung, Bcamtenbeleidigung, ohne Rücksicht auf Persou und Parteizugehörigkeit, der Prozeß gemacht.‘• Eine Statistik der Ausgewanderten Aerzte Im ,,Deutschen A e r / t e 1> 1 a 11“ vom 25. Mai teilt Dr. Hans I) o r!1 e d d e n in einem Aufsatz über ״Deutschiattds Aer/teschal't“ mit, dal! 1307 Aerzte in den letzten zwei Jahren ausgewandert sind, d. i. 2,1 des deutschen Aer/tebest,!mies. Rund zwei Dritte! (SW)) befanden sich im Alter von 30 —15 Jahren, über ein Zehntel (150) waren jünger und noch nicht ein Viertel (207) älter, während die Gesamtärzteschaft sich auf diese .Altersgruppen zu etwa fünf Zehntel, ein Zehntel und vier Zehntel verteilen dürfte. Bei einem Gesamtanteil von 6,85 <>'<> Aerztiimen stellte das weibliche Geschlecht zu den Auswanderern 16 1's. Allein aus Berlin sind 572 Aerzte aus ge wandert, 58 aus Hamburg, 50 aus Frankfurt a. M. und '375 aus den übrigen deutschen Großstädten, während noch 125 der Auswanderer in Städten mit 50 000—100 000 Einwohnern und nur 158 m den kleineren Gemeinden beheimatet waren. Genau 581 der Auswanderer sind ins Ausland ohne weitere Angabe abgemeldet. Der Verfasser berichtet, daß von den übrigen 723 statistisch erfaßten Aerzten 33,6 ״׳׳ nach Palästina gegangen sind, 45 "ö sind in Europa geblieben, 7. B. 7,7 <0׳,י in Frankreich, 7,6 ״v, in England, 5,8 »;0 in der Schweiz, 2,4 <v״ in der Tschechoslowakei. Nach Amerika sind 13 c/o, nach Afrika 2,9 ״> und nach Asien 5,5 ״/o abgenieidet. Wie der Eandespressedienst des ״Deutschen Nachrichfenbüros‘‘ meldet, hat der Gcmcinderat von Nidda in seiner letzten Sitzung folgenden Beschluß gefaßt: ״ln der Folge werden nur noch diejenigen Handwerker, Fuhrleute, Geschäftsleute usvv. mit Lieferungen und Arbeiten für die Stadt berücksichtigt, die der Bürgermeisterei gegenüber eine eidesstattliche Erklärung abgeben, daß sie und ihre Familien,ingehörigen mit nichtarischen Personen keine Geschäfte tätigen.“ Bei den Verhandlungen zwischen Waad Lttimi unH Agudatll Jisroel unterbreitete der Waad Leumi einen Kompromißvorschlag. Falls die Agudath Jisroel sich der allgemeinen Gemeindeorganisation an schließt, ist der Waad Leumi bereit, der Schaffung eines besonderen gcmeinschaftliehen Rates zuzustimmen, der ausschließlich religiöse An* ßelegeuhdtea behandelt Ein Rückblick 1918 — 1935 Von unserem Wiener Korrespondenten Dr. Jakob Rosenthai Von den in deutschen Sprachgebieten lebenden jüdischen Gemeinschaften hat die österreichische stets eine bedeutsame Rolle gespielt. Oesterreich, und hier vor allem seine Hauptstadt Wien, war immer ein Schmelztiegel des von Osten nach Westen sich ergießenden Judenstromes. Nicht zuletzt war W'ien, insbesondere zur Zeit als Residenz- und Hauptstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie, infolge seiner geographischen Lage dazu besonders prädestiniert. Der Aufsaugungsprozeß des ostjüdischen Elements brachte mit sich eine wesentliche Entwicklung und Vertiefung des imicrjüdischen Lehens, wie denn überhaupt das jüdische Leben Wiens ohne ständigen Zustrom rein erhaltener jüdischer Eiemente undenkbar wäre. Die vor kurzem vom Bundesamt der Statistik veröffentlichten Bevöikerungsziffern geben ein geradezu katastrophales Bild vom stetigen R ii c k g a n g d e r j ii d i s c h e n Bevölkerung in Oesterreich, insbesondere natürlich in Wien, wo sie von über 200 (XX) auf 176000 zuriickfiel. Die Motive dieses Abbröcklungsprozesses in der österreichischen Judenschaft sind mannigfaltiger Art. So vor allem die fortschreitende Vergreisung der jüdischen Bevölkerung und damit eine hohe S t e r b 1 i c 11 k e i t s z i f f e r, der eine unheimlich niedrige Geburtenziffer gegenübersteht. Ist letztere ein deutlicher Beweis, ein soziales Barometer der desolaten Wirtschaftsverhäitnisse der österreichischen Juden- Schaft, so ist andererseits als G e s a 1111 m o t i v dieses katastrophaleu Zusanimenschrumpfens der österreichischen Judenschaff, das seit einem Jahrzehnt vollständige Verebben jeglicher jüdischer Zuwanderung. * Es wird heute vielleicht nicht unangebracht sein, eine kurze retrospektive Betrachtung über die Lage der östcrreichisehen Judenschaft seit 1918 anz.ustellen. Sind doch sowohl Erreichtes als auch vergeblich Versuchtes Ausdruck einer Entwicklung;, deren wichtigste Etappen und Momente hier in kurzen Strichen festgehaiten werden sollen. In den Tagen des Zusammenbruches der Monarchie befand sich, gleich den anderen jüdischen Gemeinschaften der den Krieg verlorenen Mächte, die österreichische Judenschaft, die sich jetzt weit über 90 »,/o in Wien konzentriert, in einer ungemein schwierigen Lage. Aber gerade in diesen Tagen fürchterlichster allgemeiner und spczifiscli jüdischer Not hatte das Wiener und damit das österreichische Judentum das Glück, als religiöses Oberhaupt Prof. Chajes zu bekommen und damit nicht nur einen ungewöhnlichen und einzigartigen Mann zum Oberrabbiner, sondern den Führer und Leiter seiner Geschicke zu erhalten. Nur einige der wichtigsten kulturellen Schöpfungen, die sich an den Namen Chajes knüpfen, sollen liier erwähnt werden: Das Hebräische Chajes-Rcalgymnasium, das gleichzeitig den Grundstein für ein jüdisches Schulwesen in Wien bedeutet, dessen Schaffung das prophetische Auge Chajes’ schon damals als unbedingte Notwendigkeit erkannte, ferner ein Netz von Hebräisch- und Bibelschulen, Ausbau des Rabbiuer-Scminars, Errichtung eines Religionslehrcr-Seminars und das hebräisc 11 c Pädagogium in W i e n, — von der iimnensen sozialen Tätigkeit, die in der Schaffung zahlreicher Institutionen zum Ausdruck kam, nicht zu sprechen. Seine Wirksarnkeit in Wien hat aber auch eine gewaltige Verbreitung und Vertiefung des zionistischen Gedankens in bis dahin nicht nur dem Zionismus, sondern dem Judentum indifferent gegenüberstehenden jüdischen Kreisen Wiens gebracht. Spricht man über österreichisches Judentum zwischen 1918 und heute, so muß man die Aera C 11 a j e s als ein Ruhmesblatt österreichisch-jüdischer Geschichte bezeichnen. Der größte Aktivposten österreichisch-jüdischer Geschichte ist zweifellos die Eroberung der Wiener Prager Brief Von unserem Korrespondenten h. I. Prag, 23. Mai Zwei jüdischnationale Abgeordnete Atn gestrigen Tage wurden endgültig die Namen der Abgeordneten des neugewähltcn tschechoslowakischen Parlaments fcstgcstcllt. Unter ihnen befinden sich auch die beiden Zionisten i) r. A n g e I o G o I d s t e i n und D r. C 1t a i m K 11 g e 1. Somit wird die jüdische Minderheit auch in der kommenden Legislaturperiode im Prager Abgeordnetenhause vertreten sein. Die übrigen jüdischen Kandidaten, die von verschiedenen tschechischen Parteien aufgestellt wurden, um diesen jüdische Stimmen zuzufiihren, sind durchgefallen. Dies gilt besonders von dent Revisionisten Dr. Spiegel, der für die tschechischen Gewerbetreibenden kandidierte und eine Entgegen früheren Dispositionen erscheint wegen der Feiertage Nr. 45 am Dienstag, den 4. Juni, Nr. 46/47 am Donnerstag, 6. Juni, Nr. 48 am Freitag, den 14. Juni. Anzeigenschluß für Familien- Anzeigen bis zum Vortage 12Uhr. Kampagne gegen die Jüdische Partei geführt hatte. Auch die tschechischen Agrarier, für die der Munkatscher ״Wunderrabbi" Spira Wahlarbeit geleistet hatte, haben keinen Juden ins Parlament entsandt. Ein Bild der innerjüdischen Zersplitterung boten die am 26. Mai durchgdiihrten Wahlen in die einzelnen L a n des Vertretungen. In Böhmen und Mähren kandidierte die Jüdische Partei nicht, da es hier nicht die zur Erlangung eines Mandates erforderliche Anzahl jüdischer Wähler gibt. In der Slowakei wurden 36 430 und in Karpathorußland an 10000 Stimmen für die Jüdische Partei abgegeben, die aber auch nicht auslangten. In diesen beiden Landern; in denen es genügend jüdische Wähler gibt, konnten nichtjüdische Parteien Verwirrung in die jüdischen Massen tragen und zahlreiche jüdische Stimmen an sich reißen. Am gleichen Sonntag fanden auch die Wahlen fn die Stadt Vertretung der mährischen Landeshauptstadt Brünn statt, bei denen die Jüdische Partei einen großen Erfolg erzielte. Sie erhielt 3329 Stimmen gegen Kultus gemeinde im Jahre 1932 durch die Zionisten. Es war dies eine Krönung eines jahrzehntelangen Kampfes. Schon im Jahre 1920 vermochte die Zionistische Organisation über ein Dutzend Mandate im Wiener Kultusvorstand zu er• ringen und damit zum ersten Male eine fühlbare Bresche in die bis dahin unverwundbare und festgefügte assimilatorische Macht in der Seitenstättengasse zu schlagen. Vom Jahre 1920 an mußte die!!monistische Majorität die zionistischen Mandatare zur aktiven Mitarbeit heranziehen, Dr. Friedman und bald darauf Dr. Löwenherz wurde das Amt des Vizepräsidenten übertragen. Sowohl dieser Erfolg als auch der entscheidende Sieg im Jahre 1932, der den Zionisten die Mehrheit und damit die Führung der Wiener jüdischen Gemeinde brachte, sind durch die Wirksamkeit Prof. Chajes’ geistig vorbereitet worden. Er war es, der diesen Weg gebahnt hat. Trotzdem das Wirken Chajes’ das zionistische Leben in Wien stark zu beeinflussen vermochte, konnte man, insbesondere nacii seinem Tode, jahrelang nicht die geringste Expansion des zionistischen Gedankens feststelien. ln der Stadt Smolenskins, Herzls und Chajes’ war die Zerrissenheit und Zer- Splitterung eine unheimliche. Eine Vergrößerung irgendeiner zionistischen Partei oder Gruppe erfolgte fast immer nur auf Kosten der — anderen zionistischen Gruppen. Man bewegte sich jahrelang um die eigene Achse. Erst mit dem Jahre 1930 beginnt eine Aera der Konsolidierung. Die Wahl Dr. Oskar Qrünbaums zum Präsidenten des zionistischen Laudesverbandes erwies sich als glücklicher Griff. Mit ihm war an die Spitze der österreichischen Organisation ein Mann gekommen, imverbraucht, voller Energie und Willenskraft, die am Boden liegende, vom Parteihader zertrümmerte Organisation wieder aufzurichten. Man muß heute nach fünf Jahren emsiger, aufopferungsvoller und zielbewußter Arbeit sagen, daß dies Dr. Grünbaum gelungen ist. Der Allgemeine Zionismus, der in Dr. Grünbaum einen seiner treuesten Verfcchter besitzt, kann in Oesterreich auf schöne Erfolge hinweisen. Die Allgemeinen Zionisten sind zahlenmäßig starker als alle anderen zionistischen Gruppen in Oesterreich zusamtnengenommen. Schreibt man über die Lage der Juden in Oesterreich in den letzten 15 Jahren, so darf das traurige Kapitel der sozialen Not der Wiener Judenschaft nicht fehlen. Eine einzige Ziffer besagt hier mehr als lange Abhandlungen. Von den 170 000 Einwohnern Wiens befinden sich 55 000 im Fürsorge-Kataster der Fürsorgezentrale der Kultusgemeinde. Die Leistungen der sozialen Fürsorge sind ein Ruhmesblatt der Wiener Kultusgemeinde und der jüdischen Bevölkerung dieser Stadt. Der Budgetposten für Fürsorge ist der größte im Millionenbudget der jüdischen Gemeinde, die im Jahre gegen drei Millionen Schillinge für diese Zwecke ausgibt. Ausblick Einen Ausblick' In die Zukunft zu geben ist schwer. Eines soll aber zum Schluß dieses Berichtes festgehaiten werden: Das jüdische Leben in Wien ist intensiver, reger und tiefer geworden. Die zionistische Führung der Kultusgemeinde hat das Einhcits- und Zusammengehörigkeitsgefühl der österreichischen Judenschaft gestärkt. Die jüdische Gemeinde ist heute faktisch die jüdische Volksgemeinde, die einzige wirkliche und rechtlicii anerkannte Vertreterin und Wahrerin der Interessen der Wiener Judenheit Daß dies auch von den offiziellen Staatsstellen anerkannt und entsprechend gewürdigt wird, kam in den Berufungen des sao, nistischen Kultuspräsidenten Dr. Desider Friedman in den österreichischen Staatsrat und des zionistischen Kultusvorstehers Dr. Jakob Ehrlich in den Rat der Stadt Wien am klarsten und sinnvollsten zum Ausdruck. Aber auch die Realität Palästinas hat das gesamte österreichische Judentum zionistischen Gedankengängen nahegebracht. An der österreichischen Judenschaft liegt es, dafür zu sorgen, daß die Wiener jüdische Gemeinde zum Bollwerk der Verteidigung jüdischer Ehre, jüdischer Würde weiter ausgebaut und ausgestaltet werde. 2388 bei den letzten Wahlen und errang zwei Mandate. Auch in einer Reihe von Bezirksvertretungen hat die Jüdische Partei erstmalig mit Erfolg kandidiert. Eliener Kaplan In der Tschechoslowakei In der vergangenen Woche weilte das Mitglied def Zionistischen Exekutive Elieser Kaplan zu kurzem Aufcnthalte in der Tschechoslowakei. Er hielt sich in Mährisch- Ostrau und Prag auf. In Mährisch-Ostrau nahm er an einer erweiterten Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses des zionistischen Landesverbandes für die Tschechoslowakei teil, ln Prag sprach Kaplan in einer überfüllten Mass e n v c r s a m 111 I u n g im großen Festsaal des Bet Haam und anschließend auf einer zionistischen Vertraucnsrnännerkonferenz. Kaplan berichtete über die Fortschritte der zionistischen Aufbauarbeit in Palästina und die Probleme dieser Arbeit. Die nüchternen, unter Verzicht auf jegliches rhetorisches Beiwerk vorgetragenen Worte Kaplans übten einen tiefen Eindruck auf die g r o 11 e Zuhörerschar aus. Kaplan nahm noch an einer Reihe interner Beratungen mit dem Keren Hajessod, Palästina-Amte, Hechaluz u. a. teil, Modifizierung der Wahlordnung in Polen Warschau, 27. Mai. (JTA.) Infolge einer Abänderung der neuen Wahlordnung zum polnischen Parlament haben sich die Wahlaussichten fiir jüdische Kandidaten f. - , ...... '■־־־*־־ ■"'•־ w/"’,־ vorgesehen nur je ein Abgeordneter, sondern zwei Abgeordnete gewählt werden sollen. Damit erhalten die Juden Wilnas und Krakaus die Möglichkeit, eigene Vertreter zu wählen. Dieselben Aussichten haben bekanntlich auch die jüdischen Einwohner von Warschau, Lodz und Lemberg. Eine zweite Reform der Wahlordnung geht dahin, daß je 500 Wahlberechtigte das Recht zur Aufstellung von Kandidaten bekommen. Nach den ursprüngliche» Bestimmungen hatten nur Gemeinde- und Wirtschaftsorganisationen dieses Recht. L)a die Juden in diesen Organisationen in der Minderheit oder überhaupt nicht vertreten sind, wäre die Nominierung jüdischer Kandidaten auf große Schwierigkeiten gestoßen. Die Zuerkennung des Nominierungsrechtes an freie W ä h I e r g r u p * e n entspricht einer Forderung der bisherigen jüdischen ejmdeputierten. Hauptschriftleiter! Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin-Charlottenburg 9. Stellvertreter"! Kurt Loewemtela, Berlin W IS. Anzeigenleiterin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Rut P°*e Berlin W Sa Gültig! Anzeigen-Preislista 2 vom E Januar X3״ä. Verlag und Anzcigcnverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W so! Mcinekestr. 1a D.-A. April 34 914 — Druck: Siegfried Schote», Berlia-Schöneberg,