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Jüdische Rundschau · 1935-05-28 · Heft 43 (28.5.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 43 (28.5.1935)
Date
1935-05-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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t ׳׳ ifeti״ *k «ffi Hilf JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 43, 28. MAI 1935 Aus der Repräsentanz Sitzung vom 13. Mal 1938 Wir entnehmen dein offiziellen Bericht über die Sitzung: Festanstellung von Lehrkranen Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten befaßt sich die Versammlung mit einem Antrag des Herrn Lehrer Stichel, eine Anzahl von Lehrkräften fest anzustellen. Vom Tische des (iemeindevorstandes teilt Dr. Breslauer mit, daß die Festanstcllung von 10 Lehrkräften grundsätzlich beschlossen ist und nach Rückkehr des Dezernenten vom Urlaub durchgefiihrt werden soll. Der Antrag wird dem Oememdevorstand als Material weitergegeben. ()Öffentlichkeit der ReprBsentsntensItzungen Einem Antrag des Jüdischen Volksbundes, die Oeffentlichkcit der Repräsentantensitzungcn wiedcrherzustellen, begründet Rechtsanwalt K o z o w e r. Er befürchtet, daß die Repräsentanfcnversammlimg an (ieltung innerhalb der Berliner Jiidenheit verliere, wenn vom (iemeindevorstand in wichtigen Fragen Maßnahmen getroffen werden, ohne die Versammlung zu befragen. Wenn Oenieindevorstaiul und Repräsentanz das Vertrauen der Gemeinde haben wollen, müssen die Verhandlungen wenigstens zeitweilig öffentlich geführt werden. Die Gemeinde habe Anspruch auf ()Öffentlichkeit der Vorhandlungen der von ihr gewählten Vertretung. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Stern, und der Vorsitzende der religiös-liberalen Fraktion, Dr. Fleischer, wenden sich gegen den Antrag. Landgerichtsrat Rau (/ionist. Fraktion) betont, daß die sachliche Arbeit Angelegenheit der Exekutive ist. Die Repräsent antenvers,■1mm lung habe die Aufgabe, die Motive neraus/uarbeiten, die der Arbeit der Gemeinde zugrunde gelegt werden sollen. Die Oeffent lichkcit habe ein Recht daran, die Erörterungen über diese Motive mitanzuhören. Der Antrag des V o l k s b u n d e s wird m i t Mehrheit gegen II Stimmen a h g e I c I1 n t. MaBnahmen zur Verbilligung von Koachertlelsch Der Gemeiudevorstand schlägt in einer Vorlage an die Reprasentantenver.sammhing ein Abkommen mit einer Fleischerfirma vor, durch welches für die Privatverbraucher eine Verbilligung des k'oschcrfloisches um 30 Pfg. pro Pfund eintritt. davon 10 Pfg. zu Fasten tler Firma, 20 Pfg. vorgütet die Gemeinde. Dafür soll diese Firma alleiniger Lieferant für die Gemeindeanstalten sein. Nach einer längeren Diskussion wird die Vorlage des Gemeindevorstandes ein- Stimmig angen o tu זn en. Schule des Blldungsverelns deutscher Juden Die Rcpräscntantenvcrsammlung hatte bereits in einer früheren Sitzung Mittel für den Umbau des Grundstückes Joachimsthaler Str. Fi für Schulz.wecke bewilligt, den Teil der Vorlage betreffend Abschluß eines Vertrages mit dem Bildungsverein deutscher Juden zwecks Ucberlassung von Schulräumen aber vertagt. Zur Verbindung mit dieser Vorläge wird ein Antrag der Fraktion des Jüdischen Volksbundes behandelt, die Volksschule in der Joachimsthaler Straße nach den von der Reichsvertretung der deutschen Juden ausgegebenen Richtlinien aufzubauen. Die Reihe der Redner eröffnetc Herr Scheflclowitz (Jüd. Volkshund). Fr wendet sich gegen die Gründung einer Reformschule und beantragt namentliche Abstimmung. Rechtsanwalt Kozower bemängelt, daß die Repräsentantenversammlung wieder vor fertige Tatsachen gestellt worden sei, da die Schule bereits arbeite. Kein Mensch werde es verstehen, daß die Jüdische Gemeinde Berlin, die ein eigenes Schulwerk aufbaut, dazu beiträgt, dieses Werk durch eine Richtungsschulo zu durchlöchert!. Alle jüdischen Schulen werden nach den Richtlinien der Reichsvcrtretung geführt; er vermisse die Richtlinien für die Reformgemeinde. Ihm und seinen Freunden gehe es darum, daß die jüdische Schule einheitlich jüdisch geführt werde. Es könne nicht verantwortet werden, daß die jüdische Jugend in dem Geiste der Reformgemeinde erzogen wird. Der Redner beantragt V e r t a g u n g, er fordert Vorlage der Richtlinien und Prüfung des Personals. Ein unverständlicher Schritt Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin hat an Rabbiner Dr. Joachim Prinz nachfolgenden Brief gerichtet: ״Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin N 24, den 21. Mai 1935 Oranienburger Sir. 29 Sehr geehrter Herr Doktor! In unserem Schreiben vom 1. März 1935 ist die Absicht zum Ausdruck gebracht worden, Sic auch noch nach dem 30. April und bis zum 30. September gelegentlich zu Predigten heranzuziehen. Dementsprechend haben Sie am letz• ten Sabbat im Friedenstempel amtiert. Dabei hat sich jedoch leider ergehen, daß Ihre Ausführungen sich geeignet erwiesen haben, Streitigkeiten und Erregung unter der Zu- Hörerschaft hervorzurufen. Wir sind ztt der l’eberzeugung gekommen, daß es leider bei Ihrer Eigenart nicht möglich ist, derartige bedauerliche Vnzuträglichheiten zu vermeiden. Wir sind aber der Auffassung, daß gerade im gegenwärtigen Augenblick alles geschehen muß, um die Gemeindemitglieder zusammenzuhalten und Differenzen nach Möglichkeit zurücktreten zu lassen. I ,nlcr diesen Umständen möchten wir davon absehen, Ihnen für den Juni erneut Predigtamtsfunktionen zuzuleilen und haben veranlaßt, daß diese Funktionen umbesetzt werden. Mil vorzüglicher Hochachtung Vorstand der Jüdischen Gemeinde gez. Hcinr. Stahl" Dieser Brief stellt eine recht ungewöhnliche Maßnahme dar. Es handelt sich hier nicht um eine Privatsache, sondern um eine Angelegenheit, die von großem öffentlichen Interesse ist. Ein Rabbiner, der sich in weiten Kreisen Berlins einer begeisterten Anhängerschaft erfreut, wird wegen einer Anspräche, die anscheinend irgendeinem nicht gefallen hat, der Wirksamkeit auf der Kanzel beraubt. Die Gemeinde hat nicht einmal den Bericht des Vorstandes der Synagoge Friedens• tempel abgewartet, ehe sie diese Maßnahme traf Und auch der Gesamtvorstand wurde nicht befragt. Nach dem uns vor• liegenden Manuskript der Ansprache, das wir an anderer Stelle abdruckcn, ist der Brief des Gemeindevorstandes schlechthin unverständlic h. Verständlich wird er nur dann, wenn man weiß, daß der Gemeindevorstand aus alter Vorcingenonnnenheit das Wirken dieses Rabbiners, dessen Anschauungcn nicht in die Schablone des althergebrachten Eibe, ralismus von vorgestern passen und der durch seine Beispiel• lose Beliebtheit bei einem großen Teil des Berliner Publi• kums einen geistigen Machtfaktor darstellt, stets mit Miß• vergnügen betrachtet hat. Man hat wiederholt Anlässe gesucht, um Dr. Prinz in seiner Wirksamkeit zu hemmen. Erst vor kurzem ist bekanntlich mit Dr. Prinz, eine Vereinbarung getroffen worden, die zwar seine Gemeinde nicht befriedigte, aber doch die Predigerfunktion von Dr. Prinz für die Ver. trags/eit zu sichern schien. Nun hält der Gemeindevorstand, der auch in anderen Dingen eine Kampfhaltung gegen große Teile der Berliner Judenschaft bezogen hat, den Augenblick für gekommen, auch diese Vereinbarung zu brechen. Sogar wenn einzelne Gruppen des Berliner Judentums die Rabbinertätigkeit von Dr. Prinz ablchnen, so ist es in einer Einheitsgemeinde, die für alle Gemoindemitglieder zu sorgen hat, selbstverständlich, daß auf die Wünsche der zahlenmäßig nachweisbar außerordentlich großen Gruppe, die Dr. Prinz als Rabbiner wünschen, Rücksicht genommen wird. Auch die Gegner von Dr. Prinz werden nicht leugnen können, daß durch seine Tätigkeit das synagogale und jüdische Leben in Berlin einen außerordentliehen Aufschwung genommen hat und daß durch ihn Unzählige wieder Juden und damit auch Gemeindemitglieder geworden sind. W'ir glauben, daß diese Angelegenheit nur dazu beitragen wird, in weiten Kreisen der Berliner Judenheit die Uebcrzeugung zu stärken, daß der Gemeindevorstand in seiner heutigen Zusammensetzung nicht geeignet ist, die Angelegenheiten der Berliner Juden zu ver. walten. Direktor Dr. Breslauer vom Tische des Gemeinde- Vorstandes stellt fest, daß die Angelegenheit im Vorstand ohne Widerspruch der zionistischen Mitglieder verabschiedet worden sei. Er wendet sich dagegen, daß es Aufgabe der Gemeinde sei, sich in Einzelheiten des Schulbetriebes einer Richtungsschule cinnitnischcn, insbesondere die Personalien zu kontrollieren. Auch die Aufstellung von Richtlinien könne nur richtungweisend, aber nicht für alle Einzelheiten verbindlich sein. Zur Vermeidung von Mißverständnissen habe der Bildungsvercin deutscher Juden der Reichsvertretung gegenüber die Erklärung abgegeben, daß die Richtlinien der Reichsvertretung für das jüdische Schulwesen auch für die Joseph-Lehmann-Schule gelten sollen, wobei selbstverständlich diese im Sinne der Reformgemeinde abgewandelt werden können. Dr. Breslauer betont, daß der Tatsache, daß Riehtungsschulcn bestehen, durch Subventionen Rechnung getragen werden müsse. Dieser Grundsatz sei bei der Schule des Jüdischen Schulvcrcins angewendet worden und müsse auch hier Anwendung finden. Die finanzielle Belastung sei gering. Rechtsanwalt Stern weist die Vorwürfe der Unjüdischkeit, die gegen die Reformgemeinde erhoben werden, energisch zurück. Die Reformgemeinde habe in 90 Jahren bewiesen, daß sie sich in die jüdische Gemeinschaft cinzugliedern vermag, insbesondere sei ohne das amerikanische Keformjudentum, das auf den Schultern der Berliner Reformgemeinde stehe, der Palästina-Aufbau undenkbar (siehe z. B. Louis Marshall). Herr Stiebe! (Jüdischer Volksbund) stellt fest, daß die Gemeinde nur einer Pflicht nachgekommen sei, die unabweishar war, als sie die nationaljüdische Schule subventionierte, die sich 14 Jahre lang allein erhalten habe. Wenn die Gemeinde die Rcforinschulc subventioniere, so unterstütze sie damit die weitere Einrichtung von Richtungsschulen; dies wäre bedauerlich, weil es heute darauf ankäme, die Einheit nicht zu stören. Das schönste Schulgebäude der Gemeinde sei einer nicht sehr großen Zahl von Menschen zur Verfügung gestellt worden. Die Reformsehule müsse sich erst bewähren. Herr Stiebei stellt den Antrag, das Gebäude Joachimsthaler Straße dem Schulwcrk der Gemeinde zuzuweisen. Vom Tische des Gemeindevorstandes äußert sich Direktor K a r c s k i, daß es richtig sei, daß er und seine Freunde dieser Schulvorlage zugestimmt haben, weil sie in einer Angelegenheit, in der die Gemeinde bereits so stark engagiert war, aus Loyalität heraus, sich der Pflicht zur Annahme nicht entziehen zu sollen glaubten. Die Richtlinien dieser Schule waren aber unbekannt; er halte es für unverzeihlich, eine Schule zu subventionieren, die auf so geringen jüdischen Prinzipien aufgebaut sei. Direktor Karcski weist auf dk geringe Zahl der Anhänger der Reformgemeinde hin, zu deren Schulbedürinis so erhebliche Mittel aufgewendet werden sollen. Man könne nach der inneren Wandlung der Juden in Deutschland die Anhängerschaft der Reformgemeinde nicht in eine Relation bringen zu den volksbcwußten Juden. Der Gemeindevorsitzende Direktor Heinrich Stahl er׳ widert hierauf, die Reformgemeinde werde sich an die Rieht• liniert der Reichsvertretung halten. Direktor Stahl bittet die Bewilligung nicht hinauszuschieben, sondern die Schule wirken zu lassen, die durch ihre Arbeit überzeugen könne daß mit ihr für das Judentum ein neues wertvolles Bau• werk geschaffen sei. Direktor Gutinan n (religiös-liberal) gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Richtlinien der Reformgemeinde, die im Jahre 1933 geschaffen worden sind, durch neue ersetzt werden, an deren Ausarbeitung auch die Schulverwaltung de! Gemeinde beteiligt werden müsse. Dr. Pin es (Jüdischer Volksbund) erläutert den Begriff der Toleranz. Die Reformschule sei etwas, das gegen die 3) 01(1־ entl1M‘l!, Fr wollte das Zimmer vrrl;t"fn, als er die Schelle horte. Da- I la ii-iiiäilcheri war schon zu Bell gegangen. Madelaine halle sich zurückgezogen. Herr Julien ging 7.11r Tiir. 1 räulein Müller war sehr verlegen, räu-porte sieh mehrmals, enlsehiihliL’le sieh und iiii'inli’ dann, sie inüehte Fräulein lledda abholen. Herr Julien war sehr ersinn!!!. Fs sei schon an gerufen worden. Aber lledda sei doch nicht hier. Fräulein Müller räusperte sieh wieder, Knlschnldiglp sich wieder. F,s sei wohl ein Mißverständnis. Sje enl'eliuldigl,׳ sii'l! nochmals und verabscbiedele -ich. Fräulein Möller war verzweifelt. ..Wo ist lledda? Ich kehre nicht in das Haus zurück.“ Nathan wehrte diese Erregung ab. Fr ging mit Fräulein Müller alle Möglichkeiten durch. Wo konnte lledda sein? Fs fiel der Name von Dr. Meller. lledda halle des öfteren von ihm gesprochen, sagte Fräulein Müller. Alter es wäre ausgeschlossen, es wärt; ganz ausgeschlossen, — Nathan erwiderte: ״Wir. gehen zu Dr. Welier.“ Fräulein Müller weigerte sieh. ..Niemals“, erklärte sie. Nathan bat, ihn für zwei M inulen zu entschuldigen. Man kam gerade an einem hellerleueliletrri Cafe vorbei, in das Nathan hineinging. Nach einiger! Minuten kam Nathan heraus. Fr sagte: ,,Weiter hat 1׳ ernsprecher. lledda ist l)ei Dr. Weiter. Gehen Sie nun mit?“ ,,Ja“, sagte Fräulein Müller. Fräulein Müller und Nathan wurden von Dr. Weiter schon an der Haustür erwartet. Weiter öffnete!eise die Zimmertür. Hpdda saß in einem Sessel und schlief. Nathan bat um eine kurze Unterredung. Weller ging mit ihm in sein Sehlafz.inimer. hräulein Müller blieb zurück. Sie sah mil traurigen Augen auf lleddas (■esichl, über das zuweilen ein Zücken ging. Nathan sagte: ״Ich hin in einer besonderen Fuge. Ich muß Sie um eine aufrichtige Antwort bitten. Ist lledda Ihre Gelieble'?“ Weller war lielroffen. Fr erinnerte sich des müden Lächelns, das sie gehabt batte, als er ihr die Tasse Tee reichte. Aber dieses Lächeln hatte in all seiner Traurigkeit noch einen unausdenkbaren Reiz. Fine königliche Geliebte, dachte Weiter und wies den Gedanken von sieh. ,.Nein“, sagte er kurz, ״Hedda ist nicht meine Geliebte und wohl auch nicht die eines anderen.“ Nathan ging auf ihn zu, nahm Weiters Hand und drückte sie. Nathan erzählte das Vorhergegangene, soweit er es für notwendig hielt. Nathan sprach von lleddas Ellern, soweit er es für notwendig hielt. Er sprach davon, daß lledda ins Ellernhaus zurück müßte, zunächst zurück müßte, unabhängig von dem, was sie später tun werde. Als Nathan und Weiter in das Zimmer zurückkamen, saß Hedda auf dem Schoß von Fräulein Müller, die ihre Arme mütterlich tun sic geschlungen hielt. Ganz eingekrochen saß Hedda. Ihre Wangen glühten, aber sie fror. Nathan begrüßte sie freundlich und nahm ihre Hand, die etwas zitterte. Nathan prüfte den Puls. Weller und Nathan setzten sich ganz dicht zu Hedda. Als ob eine *Mauer der Flehe um sie gebaut wäre, so empfand es lledda. Sie sah jeden Einzelnen dankbar an. Es schien ihr, daß sie alles durch ein Glas wahrnahm. Nathan sprach: ,,Du hast dich erkältet, mein Kind.“ Das Wort .,mein Kind“ war Hedda in diesem Augenblick eine wunderbare Zärtlichkeit. ,,Du mußt für ein paar 'Lage ins Bett. Es ist nur in deinem Elternhaus möglich. Keiner weiß, daß du forlgelaufcn, daß du hier bist, außer uns dreien. Kein anderer wird es erfahren. Komm mit uns. Ich pflege dich ge- *und. lind dann beraten wir das weilere. W ir werden beraten.“ Hedda war in einer betäubenden Müdigkeit., in einer Versunkeriheit, die alles wie aus einer Ferne zu ihr kommen ließ.. Sie wurde eingelmllt. Sie wurde mitgenommen. Dr. Weller verabschiedete sich von ihr in den Anlagen. Sie hielt seine Hände noch, als er die seinen lösen wollte. Sie sah ihn an. W׳ as sollte er aus diesem 15!ick herauslesen? Es war einer der Blicke, die das Ungewöhnliche von lleddas W'esön verbargen und offenbarten, je nach dem Feingefühl, mit dem man es aufspürte. Fis war das Besondere, daß dieser Blick irgend etwas aussnrach, das nie in Worten gesagt werden konnte. Diesen Blick trug Dr. Weller in sein Heim zurück. Die 'Für von Bessingers Haus war geöffnet. Nathan ging voran, Fräulein Müller folgte mil lledda, die an ihrem Arme hing. Keiner fragte, warum die Haustür offen stand. Nathan ging voran und verscheuchte die Mädchen, die auf der Troppo saßen. Er sah die aufgetretene Tiir. Er warf die Holzfetzen rasch ins Badezimmer. Fräulein Müller bettele Hedda. Sie wurde in ein heißes, feuchtes Laken gehüllt. Sie bekam Tahielten. Sie fiel in Schlaf. Die Tür mußte ausgewcchselt werden. ״Wo sind die Eltern?“ ״Fort“, sagten die Mädchen. Wo werden die Eltern sein, fragte sich Nathan, Aber die Tür mußte ausgewechselt werden. Fis gelang. Fiine andere saß etwas schief in «len Angeln, aber e• ging. W o werden die Fillern sein? Nathan gab Fräulein Müll« Anweisungen und eilte hinaus. Fis war eine eigenartige Jagd. Drei Menschen irrten im Dunkeln, jeder ein Jäger, jeder ein Gejagter. Der Sturm halle sich etwas gelegt. Er kam nur noch stoßweise. Der Mond verschwand hinter Wolken, tauchte wieder auf, Nachthelle und Traumdunkellieil verschoben und verbargen das Gegenständliehe. Bessinger war zum Kanal hinnntergegangen, so schnell es ihm der Gegenwind möglich machte, lir rief in die Nacht hinein. Wut, fraß sich wieder in ihm fest. Aber sie wich, wich rasch, und Angst kam. Was ist mit lledda? Was ist mit trieineni Kinde? Mein Gott, was ist mit meinem Kinde? Bessinger hatte sich weit, vom Hause entfernt. Er rief. F',r schrie. E* war unheimlich. Fis klang wie ein Brüllen. Solch einen Srhrei, solch ein Stöhnen, Heben, Hufen — was war es nur? — Hörte Berlhcheri, die verzweifelt durch die Nacht lief und ״Arnold!“ und ״lledda!“ und ״Arnold!‘ und ״Hedda!“ aus sieh licraussließ. Bessinger lehnte sich gegen einen Baum. Er mußte Atem schöpfen. So fand ihn Berlhcheri. Sie lief auf ihr! zu und hielt ihn fest und lange umschlossen. ״Arnold, es w׳ird alles gut. Glaub mir, es wird alles gut.“ Berlhcheri nahm den Arm ihres Mannes und hakte sieh entschlossen in ihn ein. ״Hedda wird zu Hause sein“, sagte Berlhehen. ״Komm.“ Und wirklich, Bessinger kehrte um, und ging mit Berlhehen zurück. Keiner sprach. Nur Berlhehen vernahm das Atmen ihres Mannes, das wie ein Schnaufen sich anhörte. Man war nicht mehr weit vom Hause entfernt, als Bessinger plötzlich stehen blieb. ״Da — da —“ Kr zeigte auf etwas, das von einem Gebüseh festgehal len wurde. Er riß sich von Berthchens Arm los, lief hin und stieß einen so entsetzliehen Schrei aus, daß Berthchens Herz, stehenzuhleilren drohte. Jetzt sah auch Berlhehen, daß Bessinger lleddas Hut in lländen hielt. Bessinger wollte die Böschung hinunlcrstürzen, aber Berlhehen hielt ihn fest. Sie bat, sie flehte: ״Arnold, Arnold!“ Bessinger wollte sich befreien. Sein Uebcrzieher wurde aufgerissen. Aber Berlhehen klammerte sich an Bessinger. ״Was willst, du am Kanal? Es ist dunkel. Es ist Wahnsinn. Du gehst nicht ohne mich.“ Bessinger ließ nicht nach, es ge־ lang ihm, Berlhehen zurückzustoßen, Er eilte die Böschung hinab. (Fortsetzung fo'29 JITfh ,||| \* 1

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