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Jüdische Rundschau · 1935-05-24 · Heft 42 (24.5.1935) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 42 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 42. 24 MA11935 ’S■ j~Käthe Förder ] Forderungen der Jugend Uns/erreicht die Traucrkundc, daß Käthe Förder, früheres Mitglied des Kulturbund-Theaters, in sehr jungen Jahren einem Nierenleiden zum Opfer gefallen ist. Ihre nächst annuuige Erscheinung begegnete uns zuerst vor kaum mehr als zwei Jahren, da ßjörnsons ״lieber unsere Kraft“ nach längerer Stillegung wieder zu grober Wirkung erweckt wurde. Als Tochter Rahel des Gottsuchers und Versuchers Sang hielt sich die noch unbekannte Anfängerin zwischen dem Elternpaar von Friedrieh Kayssler und Helene Fehdiner durch die zugleich lyrisch zarte und gefühlssichere Unschuld ihres Wesens. Im Kulturbund hat sie ihr gewiß noch sehr ausbaufähiges Talent zuerst als Keclia im Nathan, dann als Desdeinona neben dem Othello von Kurt Katsch bestätigt. Im ״Sonkin“ schien ihre botu: äonaenfetd natürliche Lichens- Würdigkeit noch durch eine feine komische Aus:'.: chlung bereichert, die auch die Aussicht auf besondere Lustspielaufgaben anzeigte. Nach ihrem Abschied vom Kulturbund hatte sich Käthe Förder in die Schweiz, begeben, wo sie sehr bald bei einem der ansehnlichsten der dort reisenden Enscmblcs ein Engagement fand. Eine ihrer letzten Nachrichten war voller Befriedigung über diese neue Tätigkeit, wenn auch nicht ohne Sehnsucht nach der Gemeinschaft, die ihr die erste Gelegenheit zu zusammenhängender kiinstlerischer Arbeit gegeben hatte, und in der gewiß die nachtrauernde Erinnerung an so früh verloschene Anmut und Schönheit bestehen wird. A. E. Lag b'omer-Feier. Am Montag fand in den Residenz- Festsälen eine Lag b0׳ :ler-Feier des Synagogenvercins Rvkcstraße statt. Rabb. Dr. Max Nußbaum ging in seiner Ansprache von der Synthese Ethik und Wirklichkeit, Geist und Tat aus, durch die schöpferische Epochen des Judentums gekennzeichnet wurden und die im Lag b’omer ihren symbolhaften Ausdruck findet. Der Abend brachte ״Mearba kant'aus hoorcz“, ein buntes Kabarett, das nicht immer dem jüdischen Charakter des Festes gerecht wurde. Eugenia Heiibrunn, Terry Gondosch, Alexander Modli (am Flügel W. Seel ig-Baß und R. Lehmann) brachten Arien und Lieder zu Gehör; Marion Koegel gefiel in hebräischen Kinderliedern; Else Du h Ion sang und tanzte in ihrer grazilen Art ostjüdische Volkslieder. A. I. Zur Auseinandersetzung in der Berliner Gemeinde Aus Kreisen der zionistischen Jugend wird uns geschrieben: Die Auseinandersetzung in der Jüdischen Gemeinde ist nicht zuletzt eine Folge <1 er tiefen Unzufriedenheit der indischen Jugend mit dein heutigen Zustand. Weist man Gemeindevorsteher auf diesen Zustand hin, so erhält man oft die Antwort, daß die Gemeinde doch alles für die Jugend tue. Sie versuche Jugendheime zu schaffen, sie sorge für Berufsberatung und Ausbildung, sie fördere die Chalu/itn, sie leiste auch hebräische Arbeit, und es wäre lediglich ein Zeichen von Undankbarkeit, wenn die jüdische Jugend diese Leistungen nicht anerkenne. Diese Betrachtungsweise geht aber am eigentlichen Probletn vorüber. Der GemdndevorstatKl und die hinter ihm stehenden liberalen Kreise scheu in der lugend ein Objekt ihrer Fürsorge. Sie versuchen, Unzufriedenheit durch Loyalität zu bezwingen. Man ist z. B. im Grunde nicht für die nationaljüdisch eingestellten Chalti/im, aber Palästina ist in der heutigen Zeit ein wichtiges Zufluchtsland, und man kann ihnen seine Unterstützung nicht verweigern. Hier scheitern aber alle Bemühungen der liberalen Gemeindefiihrung. Jugend kann man nicht mit Fürsorge und Wohlwollen gewinnen, sondern Jugend sieht apf Gesinnung und Ucbermigimg. Für alte ״routinierte“ Gemeindepolitiker mag cs eine taktische Frage stin, ob man hebräische Kultur und Chalu/arbeit unterstützen soll, für die zionistische Jugend ist es eine Frage der Uebcrzeugung und Weltanschauung. Die liberalen Gemeindevorsteher verkörpern für uns eine versunkene Welt. Ihre Anschauung, daß man unsere Probleme durch die Eingliederung des Judentums in die Umweit lösen könne, hat nicht bestehen können. Die zionistische Jugend ist der Auffassung, daß diesen Kreisen die Legitimation zur Führung fehlt. Führen können nur Persönlichkeiten, die die Geschicke der Gemeinschaft zu formen versuchen. Die Geschicke der Gemeinde müssen entscheidend von Menschen unseres Vertrauens, die unseren Weg mitgegangen sind, beeinflußt werden. Erst dann ist die Gemeinde auch unsere Gemeinde. Aber auch die praktische Tätigkeit, auf die die Eiberalen mit soviel Stolz Hinweisen, kann uns nicht versöhnen. Die jüdische Schulpolitik, die geführt wird, ist voller Halbheiten. Die hebräische Sprache hat noch nicht den Rang erhalten, der ihr in unserer Zeit zukommt. Bis zum vorigen Jahr — also auch nach den Ereignissen von 1033 —• war das Jugend dezernat ein liberales Kampfdezernat. Die liberalen Führer und die liberale Jugend waren die Lenker der Arbeit, während wir uns mit ״unparteiischer“ Fürsorge zufrieden geben mußten. Der Gemcindeabend, der sich mit Jugendfragen beschäftigte, und auf dem die jüdische Jugend wegen der Nichtbcrikksichtigung ihrer zionistischen Mehrheit unter den Besuchern nicht vertreten war, ist unvergessen. Auch die Umbesdzung des Dezernats im Vorjahr hat keineswegs alles zum Guten geändert. Eine völlige Neuorganisation der Arbeit, die auf engster Zusammenarbeit mit den Bünden basiert, wird hiet. allein Wandel schaffen können. Die Wirtschaftshilfe konnte nur entstehen, wei! zionistische Sozialpolitiker dieses Arbeitsgebiet gedanklich und praktisch in jahrelangem Kampf gegen Liberale vorbereitet haben. Jetzt wird diese Arbeit gegen uns ausgespielt. Die Arbeit dieses für uns wichtigen Dezernats spielt sielt in bürokratischen Formen ab. Die beteiligten Kreise sind nicht zur Gestaltung vier Arbeit herange/ogen worden. Die Jugend will jedoch nicht von dem fürsorgerisehen Wohlwollen bestimmter Personen allein abhängig sein, sondern will beratend an den fiir sie wichtigen Entscheidungen in Berufsfragen mitwirken. Wir müssen deshalb mit allen Kräften die Aktion um die Erneuerung der Gemeinde unterstutzen. n.-k. Am Rande des Vortragslebens. Was man bei einem Autorenabend, den der Vortrupp-Verlag am 3. 5. veranstaltete, zu hören bekam, war immerhin nicht alltäglieh. Aus unserer jüdischen Situation hat sich in den letzten Jahren eine bestimmte Form des geistigen Lebens entwickelt, bei der sich als selbstverständlich ergab, daß sie das J ii ־ di sc he als zentral betrachtete. Bei diesem Autorenabend jedoch war alles Jüdische bewußt ausgesehaltct; es soll, wie Hans Joachim S r 11 ״ e p s einleitend betonte, später ״auch“ zu Worte kommen. Das ist immerhin noch eine Hoftmmg. Das Thema, über das Schocps (übrigens sehr aufschlußreich und (׳rumilieh) sprach, schien recht symptomatisch für diese Vortrupp-Richtung zu sein: ״Jakob Burckhardt oder auf den Spruen der verlorenen Zeit“. Es ist eine retrospektive Bewegung, die nur auf Verlorenes schaut und nicht den Mut zu neuem Anfang hat. Ls ist natürlich sehr interessant, llurckhardls prophetische Erkenntnisse vom Wesen unserer Zeit keniieii/tilenien (die ״J. R.“ hat gelegentlich der Besprechung des von D1\ M. rreund besorgten Auswahlbamles darauf hingewiesen); Schocps hob mit Recht hervor, daß Burckhardt nicht irgendein oeiiebiger Kuhurhistoriker war, sondern ein wirklicher Seher, ״einer der letzten Humanisten der Christenheit“. Dennoch reicht wohl das Thema nicht zur Bewältigung unserer jüdischen Problematik aus. — Noch weniger belangvoll waren die ubrigen Vorträge des Abends. An dem Romanfragment. das Ernst Horwitz vorbrachte, sei mit schonendem Stillschweigen voriibergegangen; unter den (»•dichten ries verstorbenen Lyrikers’ George A. (i o I d s c 11 1 a g findet sich manches Schöne, das Erna Feld wirkungsvoll rezitierte, aber auch viel Eklektizismus. — Der Z.uhörerkreis war nicht uncharakteristisch: überwiegend ästhetisch angehauchte junge Mädeben, die in diese Seheinwelt fluchten, weil sie zur jüdischen Wirklichkeit keine Beziehung haben. N. Das Jüdische Wohlfahrts- und Jugendamt Berlin warnt vor Kurt R u h e m a n 11, geh. am 11. Januar HM'O, w ohnhaft Yorck- Straße 88. Der Genannte hat bei verschiedenen Organisationen vorgesprochen, dort mitgeteilt, daß er am Abend abreisen müsse und dringend 12 RM. zur Auslösung eines Anzuges benötige. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Angaben nicht stimmen und gebeten, den Genannten abzuweisen. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Sonnabend,25. Mai BZV -Heim Oneg Schabbath Le'jladim Rabb. cand. H. Meyer. Gruppe ti 15 Uhr Brückenstraße 9 Jannowitzbrücke Sonnabend,2י. Mai BZV-Heim Dr. ßorodianski: ״Lag b’omer ia der iädtscheo Literatur" Kulturabteilung 21 Utir Kantstraße 54 (Hebräischer Vortrag׳. Sonntag, 26. Mai BZV -Heim Rabb, Dr. Harry Levy: ״Kulturprobleme in Palästina" Gruppe 20.30 Uhr Brückenstraße 9 Anse!ließ. Tceabcnd (Musikvorträge, Rezitationen u. a ). Unkostenbeitraa inkl. Tee und Gebäck RM 0.50. Jannowitzbrücke Montag, 27. Mai 20.3U Uhr Musiker-Fcstsäle Kaiser-Wilhelm-Str, 31 Kundgebung zur Krise in der Gemeinde. Siebe Anzeige. Dienstag, 28. Mai Logenhaus Dr. David Schloßberg! Bezirke 20.30 Ehr Kdeiststraße 10 ,,PaUUttnafreande — Ztoaagegner“• WiUen'-'SrgplsLt und Schöneberg Dieifstag, 28. Mai BZV-Heim Dr Edgar Rosen־ Gruppe 20.30 Uhr Kantstraße 54 ״Lawience von Arabien*1, ein Kapitel aus den Tagen der Balfour-Deklaration. Oper Dienstag, 28. Mai BZV-Heim Fe'ix Isaak: Gruppe 20.30 Uhr Oranienstr. 170 ״Assimilation und Palittina: 1930—1935". Kottbusser Tor Mitlwoch, 29. Mai BZV-Heim Erwin Pollek׳. Gruppe 20.30 Uhr KantstraQe 54 Palästina — ohne Zionismus?" Anschi Aufführung des Bildstreifens ״Nahalal". 8avignyplatz Mittwoch, 29. Mai BZV-Heim S. Goldschmidt: Bezirk 20.30 Uhr Landsberger Str. 87 ״Aufuau — ohne Zionismos?" Friedrichihain ,,Wie lange noch liberale Gemeindeherrschaftt" KUNDGEBUNG DER BZV Zur Krise ln der Jüdischen Gemeind•, Berlin am Montag, dem 27. Mai 1935,20.30 Uhr, in den Muslker-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str, 31 Es sprechen; Dr. Georg Lubinski, Dr. Abred Rabau, Dr. David Sch oßberg, Amtsgerichtsrat i. R. Kurt Tuchler BERLINER IIONISTI ICH■ VEREINIGUNG TAFELFERTIGE EISBOMBEN IM KARTON Meine Neuheit D. R. 8. M. Haltbarkeit 3-12 Std. Bequem!um Wochenende mitiunehmcn. Ab 3 Mk. in Berlin frei Haue liefert BALSAM-EIS CAFE UND KONDITOREI Wielandstr. (AM OLIVAER PL.) Ruf Jt Biem.ass 2. Geschäft: Hamaplat! f Kon*.-Dir. L. TAUBE * Ruf B 6 1775 ן mmwoen. g fö1״״״ Beohstetnsaai ן 1 KLAVIER-ABEND | Bruno Eisner ■ Schubert, Beethoven (Waldstein-Sonate) I 1 Chopin (Sonate B-Motl) u. a. I I Ifat4an* 1.50, 2.—, 3.— Mk. Kadewe, Fote & 1 a!Wir6cn . Rock, Kedem, E. Wolff, Phtlo-Veriag, M Lachmann, Rosenbaum und Abendkasse Olivaer Medizinal-Drogerie OllvaerPl.2. Inh. Apoth. Fritz Beier, M.d.j.G. 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Der bunte Schleier m!t Greta Garbo Deutschsprachig Neue Programme am Dienstag ADMIRALS. Kino, briedrichstraße 101 10 Uhr vorm, bis I Uh r nachts Sonntags ab?,30 Uhr Jessie Matthews in Sensation in London (Evergresn) tin fieuUrhrr Sprache) nflARCHEHBIIUIIflEn- Lichtspiele Am briedrich’Utftin 29 Beginn 5, 7. 9.10 Uhr Sonntag« ah 3 Uhr ALHAMBRA Lichtspiele, Koppcn«tr. Beginn 5, 7, 9 Uhr Sonntage ah 3 Ui: r Diesem mit Wallace Beery Jackie Cooper!in deutscher Sprache) Zigeunerbaron ASTRA- Lichtspiele, Chaussee str- 16 11 Uhr vorm bis l lUhrnachis Adolf Wohlbrück, Hansi Knoteck Sonntag* ah 3 Uhr ,Ju.haben Zutritt) O' , Olivaer Pi. 7. 5,7,9 Uhr Die Fahrt in die Jugend Baby;«» Der Fall BasKeruilie Horst-Wessel-Platz . If . , ״ Wo. 5. 7 y So ) 5 i\ r! rn 1 n a! i 11 tß in d«ulsc.1״cr Fassung - cate Restaurant umteisapcn -ך Betttiter: Oscar Aberbach, Bayrischer Platz 2 Spielu. Veretnssäle * Treffpunkt best jüd. Gesellsch. Best anerk. Wien. Küche * Detente Musik. Mittagu. Abend -Gedeck v. 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