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Jüdische Rundschau · 1935-05-24 · Heft 42 (24.5.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 42 (24.5.1935)
Date
1935-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 42, 24. MAI 1935 Die Scheidemünzen der Idee Wandlung der Begriffe ־— Was heißt ״Aufbau“? — Eine Aufgabe des Kongresses Mißverständnisse der Umwelt — ״Entreebillett für Palästina“ Die Pflanzer und die Schekel-Aktion Zum Konflikt um den A.-C.-BescHluß Die aus Palästina stammenden Mitteilungen (״J. R.“ Nr. 40) über eine angebliche Aktion des palästinensischen Bauernverbandes (Hitachduth Haikarim), der wegen einer R e s 0 I u t i o 11 des Aktions-Co!11 i t e s seine Mitglieder zum Austritt aus der Zionistischen Organisation aufgefordert haben soll, haben begreiflicherweise in zionistischen Kreisen großes Interesse, erregt. Durch ein Palcor-Telegramm, das wir in der ,,Jüdischen Rundschau“ Nr. 41 wiedergegehen haben, wurde die ursprüngliche Nachricht, die auf einer Meldüng des ״Haare/.“ beruhte, dementiert. Inzwischen sind die betreffenden palästinensischen Zeitungen hier cingetroffen, auf Grund derer nun mit mehr Pni/ision als die telegraphisehen Berichte es ermöglichten, der Sachverhalt klargestellt werden kann. Im ״H a a r e z“ vom 13. Mai veröffentlichte der Chefredakteur Dr. M. Glückson einen Leitartikel, worin er an ein Gerücht anknüpfte, das besagte, die Mitglieder des Bauernverbandes würden aus der Zionistischen Organisation austreten und den Schekel nicht mehr bezahlen, weil durch den Beschluß des A.-C., daß Arbeitgeber, die arabische Arheiter beschäftigten, aus der Z. O. ausgeschlossen werden sollen, diese Kolonisten, die tatsächlich arabische Arbeiter beschäftigen, sich gewissermaßen als ausgeschlossen bctrachten. Der Vorsitzende der Vereinigung, Mosche Stni- 1 a n s k y, — so berichtet Glückson weiter —, habe an die Mitglieder der Vereinigung ein Rundschreiben geschickt, worin dieser Schritt nachdrücklich gefordert wird. Glückson sagt, daß ein Austritt der Farmer ein viel schwere rer Schlag für die Z. O. wäre als der Austritt der Revisionisten, denn es handle sich hier um eine zwar quantitativ kleinere, für den Aufbau des Nationalheims aber viel bedeutendere Gruppe. Diese Gruppe habe bisher in Opposition gegen die derzeitige Exekutive der Z. O. gestanden, der letzte Schritt sei aber nicht mehr Oppositionshaltung, sondern gefährde die Einheit der Organisation und der Nation nach innen und nach außen. Im weiteren Verlauf seines Artikels verbreitet sich Glückson dann über den Beschluß des A.-C., der den Anlaß zu der Austrittsbewegung gegeben habe. Dieser Beschluß, so sagt er, sei wohl ״logisch“, dem seit Jahren predigte man vergeblich das Prinzip der jüdischen Arbeit als natio* nale Pflicht, und als Resultat dieser langjährigen Bemühungen müsse man heute einen weitgehenden Zusammenbruch dieses Prinzips festst eilen; das A.-C. habe daher nicht weiter bloß predigen wollen, sondern diesem Beschluß eine Sanktion gegeben. Aber diese ״Logik“ leide daran, daß sie mit den Tatsachen in krassem Widerspruc h stellt. Denn es sei bekannt, daß auch bei bestem Willen die Farmer nicht ausschließlich jüdische Arbeiter hätten bcschattigen können, weil es keine Arbeiter gab und weil aus Gründen, die Glückson im einzelnen darstellt und die nicht lediglich an dem bösen Willen der Kolonisten liegen, die Landflucht des jüdischen Arbeiters einsetzte. Man müsse anerkennen, daß die wichtigsten Voraussetzungen für die Durchführung des Prinzips der jüdischen Arbeit noch nicht geschaffen sind, insbesondere lasse auch das menschliche Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu wünschen übrig. Man könne die Farmer nicht freisprechen von einer Versündigung gegen das Prinzip der jüdischen Arbeit, aber auch auf seiten der Arbeiterschaft liegen so manche Gründe, die die Durchführung bisher unmöglich gemacht haben, und daher sei es Aufgabe der Arbeiterschaft, die heute in der Z. O. einen so mächtigen Faktor bildet, einen Weg zu einer Verständigung mit den Pflanzern zu finden. Im ״Doar H a j 0 in“ vom 17. Mai ist die Erklärung enthalten, die als ״I) e 111 e 111 i“ der Nachricht des ״Haarez“ bezeichnet wurde. Dies gilt aber nur sehr bedingt. Das Blatt berichtet, sein Mitarbeiter habe sich an eines der führenden Mitglieder der Leitung des Bauernverbandes gewandt, der ihm folgendes mitgeteilt habe: Nachdem im A.-C. beschlossen worden ist, Leute, die in ihren Wirtschaften auch nichtjüdischc Arbeiter besehäftigen, aus der Z. O, hinauszuwerfen, haben viele von den Pflanzern eine negative Haltung zu einer Institution eingenommen, die über Angelegenheiten des Jischuw berät, ohne die wirkliche Lage und die wirklichen Bedingungen zu erkennen. Als dein Vorsitzenden des Bauernverbandes, S m i 1 a n s k v, ein bchekel Angeboten wurde, hat er für seine Person, mit Rücksicht auf den erwähnten Be- Schluß des A.-C., den Kauf des Schekels abgelehnt. Zu dem Artikel von Dr. Glückson im ״Haarez“, der von einem ״organisierten *Austritt aus der Zionistischen Organisation“ usvv. spricht, sei zu sagen, daß die lnstanzen des Bauernverbandes noch nicht über die Angelegenheit beraten und noch keine Stellung dazu genommen haben. Die Mehrheit der Landwirte sei aber der Meinung, daß der Verband formell sanktionieren soll, was einzelne seiner Mitglieder zunächst für ihre Person getan haben. Dies sei, so bemerkt die Zeitung (offenbar aus Ranküne gegen das von ihr oft befehdete Blatt) eine Folge des Artikels des ״Haare/“, der die Leute erst auf diesen Gedanken gebracht habe. In den nächsten Tagen soll, so berichtet ״Doar Hajom“ weiter, eine Vollversammlung des Merkas der ״Hitachduth Ha-ikariin“ stattfmden und bei dieser Gelegenheit werde das Verhältnis der I andwirte zum kommenden Kongreß einen besonderen Punkt der Tages- Ordnung bilden. Nach der herrschenden Stimmung könne man erwarten, daß der Beschluß darauf hinauslaufen werde, den Kauf des Schekels abzulchncn und sich an den Wahlen zum Kongreß nicht zu beteiligen. Soweit die palästinensischen Zeitungen. Nach unserer Meinung ist hier tatsächlich eine verfahrene Situ a t i o n geschaffen worden, und es wäre die Aufgabe der Palästina- Fvekutive, evtl, durch Vermittlung von Persönlichkeiten, die außerhalb des Parteilcbens Autorität genießen, die An- Gelegenheit ins reine zu bringen. Durch die fortgesetzte Polemik, in der einer den anderen beschuldigt, ist nichts getan. Leider hat man zu lange Zeit mitangesehen, wie diese schwierige Frage rein demagogisch behände!‘ wurde, ohne daß man einer wirklichen Lösung auch nur um einen Schritt nähergekommen wäre. Auch der hier 111’!kämpfte Beschluß des A.-C. gehört nach unserer Meinung den gänzlich ungeeigneten Instrumenten. Auf der äderen Seite wird jeder, dem die Schaffung eines jü- *Gehen Landvolkes, das heißt die Zuwendung immer große- ”,r jüdischer Massen zur Landarbeit wirklich am Herzen 1’egt und der hier ein Orundproblcrn des Zionismus sieht, bemüht sein müssen, auf dem Boden der Wirklichkeit eine Losung zu suchen und vor allem einen so wuchtigen und Unsere Zeit — und vielleicht nicht nur unsere — ist geneigt, Begriffe, die einst einen von Leben erfüllten Sinn hatten, zu entleeren. In der täglichen Wirklichkeit werden nur allzu viele Dinge und Vorgänge mit Namen be/eiehnet, die ihnen eigentlich nicht zukommen, weil diese Namen einst an Gedanken von g ößerer Kraft und höherem Werte geknüpft waren. Die Ideen, die von den Menschen gestaltet worden sind, und für die ihre Best, n sich einzusetzen bereit waren, werden verkleinert, sie werden ״billig“ und laufen wie Scheidemünzen im Munde derer um, die sie für bequeme Zwecke anzuwenden pflegen. So ergeht es in vieler Hinsicht uns selbst, der zionistischen Bewegung. Renaissance des Volkes, Rückkehr zum Lande der Vergangenheit, Auf• bau eines neuen Lebens auf g e w a n <1 e 11 e 11 nationalen und sozialen Grundlagen sind die einfachen und starken Ideale, die der zionistischen Arbeit voranleuchteten; sie haben es vermocht, die Besten der jiidisehen Jugend zu begeistern und sie zum Einsatz ihres Lehens in Palästina zu veranlassen. Heute ist eine andere Zeit für das jüdische Volk und für Erez Israel gekommen. Die Not der Juden in Europa und die Verschlossenheit der Tore fast aller Länder haben Palästina zu dem wichtigsten linmigrationsland für Juden gemacht. Und nun kommt das Volk so, wie es ist, und ohne den Schwung und die Opferbereitschaft, die eine idealistische Auslese besitzen kann. Aber wir müssen uns hüten, diese Erscheinung, deren Bedeutung niemand unterschätzen soll, und die für die Zukunft unserer Arbeit im Lande noch gar nicht übersehbare Perspektiven erschließt, mit dem gleichen Namen zu bezeichnen wie das, was wir uns einst unter ״nationalem Aufbau“ vorstellten und was u׳ir in gewissem Maße auch zu verwirklichen begannen. Jener Aufbau sollte ein wirklicher Neubeginn sein. Er sollte neue Ideale in den Menschen wach werden lassen und ihnen die äußeren Formen des Lebens gewähren, die zur Verwirklichung dieser!deale notwendig sind. Heute ist davon in Palästina nur in tieferen, unterirdischen Schichten etwas zu spüren. Dort wo der lebendige, nach außen sichtbare Aufhau durchgeführt wird, in den Straßen der Städte und in den Zonen des Landes, in denen der Farmer sich ausbreitet, geht es nicht um den Beginn neuer Lebensformen und neuer menschlicher und kultureller Beziehungen; dort setzt man das Alte, das man ins Land als ein Erbe der Gallith mitgebracht hat, in der Hauptsache vorerst noch fort. Wohl gibt es auch jetzt Kräfte, die nach Neuem ringen, die wissen, daß Palästina nur dann im Geiste des Zionismus bestehen wird, wenn seine Menschen den Weg der Umkehr und der Wandlung ihrer sozialen Vorstellungen und Formen beschreiten — aber sie sind nicht der maßgebende Teil derer, die das Bild des öffentlichen Lebens bestimmen. So kommt es, daß unter dem Worte vom ״Aufbau des Landes“ heute vielfach etwas ganz anderes verstanden wird, als man ursprünglich meinte, und daß dieses große Wort zu einer kleinen Münze umgestempelt worden ist, nur allzu gefährlich für die, die an ihren absoluten Wert glauben oder sich von ihr blenden lassen. Heute geht es darum, im Zionismus, im ganzen jiidisehen Volk, dessen Hoffnungen mit Palästina verknüpft sind, diese Erkenntnis mit aller Klarheit zu verbreiten. Es handelt sich dabei nicht darum, an irgendwelchen Ideologien iestzuhalten, die mit der Wirklichkeit nicht vereinbar sind; worum es geht, ist vielmehr, den nur relativen Wert dessen richtig einzuschätzen, was heute in Palästina geschieht, und ihm als eine neue lebendige Kraft, von der besonders die Erziehung der Jugend f ii r Palästina und i n Palästina getragen sein muß, die alten Vorstellungen vom Aufbau eines erneuerten jüdischen Lebens entgegenzustellen. Vertreter dieser Gedanken und Hoffnungen dürfen allerdings nicht allein diejenigen sein, die man bei uns als ״Ideologen“ zu bezeichnen pflegt. Es gellt ja nicht um irgendeine geistige Angelegenheit, die über den Wolken schwebt und von den täglichen Erfordernissen des Lebens fern ist, sondern dieses Leben gerade ist es in seinen kleinsten und primitivsten Auswirkungen, um dessen Gestaltung und um dessen Aufbau nach den Grundsätzen einer wirklichen Renaissance es sich handelt. Diese Forderung muß heute viel stärker, als es bisher geschieht, von den ״Stillen im Lande“ vertreten werden. Sie, die sich in ihrer Arbeit bemühen, sich selbst und das jüdische Leben zu wandeln, und die hier und dort Ansätze dazu geschaffen haben, was einmal wirklich zu einem jüdischen Volksleben werden kann, müssen heute den Ruf der Stunde erkennen. Nur die haben das Recht und auch die Kraft, als Vertreter des Renaissance-Gedankens in unserem Volke zu wirken, die in ihrem eigenen Leben damit Ernst gemacht haben, die sieh der Unvollkommenheit ihres Strebens bewußt sind, aber die ersten tastenden Schritte auf dem Wege der Erneuerung gegangen sind. konstruktiven Faktor wie die palästinensischen Landwirte für die Durchführung dieser Idee heran/u/iehen. Denn unter den Führern dieser Landwirte sind viele ausgezeichnete Zionisten und um den Aufbau des Landes und auch um die jüdischen Arbeiter verdiente Persönlichkeiten, die gewiß bei der Behandlung dieser Sache oft Fehler gemacht haben,!!gleich aber auch verärgert sind wegen der doktrinären ''altung der Gegenseite, die die Gegebenheiten der Wirklichkeit nicht anerkennen will. Es darf nicht vergeblich ein, und es darf da keine Prestige-Momente gehen, denn!1 i e r gellt es wirklich um die Einheit und Aufbaufähigkeit der jüdischen Volksgemeinschaft in Palästina. HOTEL cm ZÜRICH Lage, Einrichtung und Führung begründen seinenWeltruf Zimmer ab Fr. 9.— Pension ab Fr. 18.— Der Kongreß steht bevor. Er wird — zum ersten Male nach einer langen Periode — ein Kongreß des E r - folges sein, der auf große Leistungen und Fortschritte in Palästina zurüekblieken kann. Mit Recht kann die zionistische Bewegung auf diese Fortschritte stolz sein und darauf hinweisen, welche Bedeutung Palästina in der Stunde der Not für das jüdische Volk gewonnen hat. Aber wir glauben, daß dies nicht die einzige Aufgabe des Kongrosses sein darf. Er muß sich vielmehr bewußt sein, daß der Fortschritt Palästinas in weiten Partien nicht das ist, was zur Konsolidierung unseres Volkslebens nottut. Der Kongreß muß der zionistischen Bewegung die Judenfrage in Palästina zeigen, und er muß ihre Kräfte sammeln, urn diese Frage zu bekämpfen und dem Aufbau Wege zu weisen, die heute neu erscheinen mögen, die aber in Wirklichkeit so alt sind wie die konstruktiven Ideen in unserer Bewegung überhaupt. Dies zu tun wird eine Aufgabe all derer sein, die gleichgültig, in welchem Lager sie stehen mögen - in ihre m L e I! e u sich um die Verwirklichung der Renaissance-Idee bemüht haben und die daher in d<׳r Stunde der Masscnciiiwamlcrung und des quantitativ ausgeweiteten Palastiuawerkes nicht zur Seite stehen dürfen, wenn es um den letzten Sinn dieses Werkes geht. Daß dieser Sinn nur allzu leicht verkannt mul auf die leichte Schulter genommen werden kann, zeigt sieh nicht nur in unseren eigenen Reihen, sondern auch hei der U m weit, die sich mit der zionistischen Arbeit auseinandersetzt. Es gibt weite Kreise um uns, die unserer Arbeit mit einer gewissen Sympathie gegenuhei stehen, weil sie erkennen, daß der Zionismus die Scharfe der Judenfrage mildert, indem er den Juden ein Aus w a 11 d e r 1! n g s v e n t i I!1 a c 11 P a - 1 ä s t i 11 a öffnet. Man ist aber dabei geneigt, im Zionisums so etwas wie ein großzügiges T r a ״ spo 1 tu nt ernehmen zu sehen, das Juden in großer Zahl von Europa nach Palästina hinuherhringt. Diese Betrachtungsweise hat gewiß ihre Richtigkeit, da in der Tat durch ehe Verkleinerung der Zahl der Juden, die in einem l ande leben, die Stärke der Reihung mit der niditjudischcn Umgebung verringert und daher die Schärfe der Judenfrage abgeschwacht werden muß. Aber diese rein q 11 a 11 t i t a 1 i v e Bctrachtungsart genügt nicht und sieht am Kern der Sache vorbei. Der Zionismus wäre nämlich auch dann, wenn es keine oder nur eine geringe Einwanderungsmöglichkeit nach Palästina gäbe, ein Faktor, der die Beziehungen zwischen den Juden und den Völkern zu entspannen vermag. Nicht nur die Zahl der Juden soll ja durcli ihn verringert werden, sondern er unternimmt es auch, eine qualitative Veränderung der J u d c n selbst herbeizuführen. Er gibt ihnen Stolz auf ihr eigenes Wesen und ihre Geschichte, schafft ein gesellschaftliches und kulturelles jüdisches Innenleben und versucht die Grenze zu finden, die der Judenheit bei ihrer Eingliederung in die Völker geboten ist. Diese Distanzierung zur Umwelt, verbunden mit einer Anreicherung der eigenen jüdischen Substanz, ist der zweite große Faktor, den der Zionismus in die Auseinanderset/ung zwischen Juden und Umwelt einführt; er sollte nicht weniger bewertet werden als seine heute im Vordergrund des Interesses stehende Funktion, die jüdische Emigration zu befördern. Dazu gehört allerdings eines: Für die Juden selbst darf Zionismus nicht einzig und allein eine Angelegenheit der Emigration oder gar der materiellen Nützlichkeit werden. Heute bestellt vielfach diese Gefahr. Wir wissen, daß sich Menschen zum Zionismus entscheiden und sich in seinen Reihen organisieren, weil sie das ״E n t r e e b i 11 c 11 für Palästina“ auf diese Weise am leichtesten zu erhallen glauben. Sie werden sich damit auf die Dauer nicht nützen, aber sie können der jüdischen Gesamtheit schaden. Wer Zionist wird, soll wissen, daß er damit auch!11 unserer Zeit keine leicht e Sache auf sieh nimmt, sondern etwas für sein!.eben hier und in Pala-tina Verpflichtendes. Dies soll sielt im täglichen Leben au*drüchen und da/11 angetan sein, gerade in den kleinen Dingen eine neue Haltung herbei- Zufuhren. Solches mag schwer sein, besonders in einer Zeit der Sorgen und der Not. Aber gerade in dieser Zeit zeigt es sieh, ob in den Ideen unserer Volksrenaissanee und in den Menschen, die sie heute repräsentieren, die Kraft enthalten ist, sielt gegen eien Strom durch/tisel/en. Wir brauchen gewiß Expansion unserer Arbeit itn jüdischen Volk aller Länder und in Palästina, und wir wissen, daß mit dieser Ausbreitung eine Art von Popularisierung unserer Ideen verbunden ist. Aber dennoch: Diese Zeit des großen Aufschwungs in Palästina und der schweren Judennot in den meisten Galufhlämleni erfordert um so mehr, daß die Grundkonzeption des Zionismus rein erhalten wird und daß sich ein Kreis von Menschen findet und zusammenschließt, der im l eben für sie kämpft. Dies wird eine der wichtigsten Aufgaben unserer Bewegung für die nächste Zukunft sein. K. L. Hebräische Konferenz in Tel-Awiw In Tel-Awiw fand eine Konferenz hebräischer Schriftsteller und a 11 s w ä r t i g e r Bes u e h e r an Stelle des voreist aufgeschobencn hebräischen Kongresses statt. Das Präsidium führte der Schriftleiter des Ncw-Yorker ״Hadoar“ Menachcm Ri 1)0 low. Mitglieder des vorbereilenden Komitees des hebräischen Kongresses erklärten, daß der Kongreß wegen Nichterteilung von Einreisevisen nach Palästina nicht zustande gekommen ist und machten die Jcwish Agency hierfür verantwortlich. In deren Namen sprach Grün bäum, der sagte, daß die Palästina-Regierung die Erteilung kostenloser Einreisevisen für die Kongreßteilnehmer verweigert habe, weil eine große Zahl von Teilnehmern an der Makkabiah und an der Wi/o-Konfercnz illegal im Lande verblieben ist. Die Konferenz trat hierauf in ihre Verbandhingen ein und behandelte die Bedürfnisse der hebräischen Bewegung in der Diaspora. Sie wurde mit der Wahl einer Zentrale von 21 Mitgliedern geschlossen. Es wurde ferner beschlossen, eine Delegation zum Zionisten-Kongreß zu senden«

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