Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 42 (24.5.1935)
- Date
- 1935-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42 24. V. 1935 im zweiten Satz wird ausgesprochen, daß Zuwiderhandelnde mit dem Verlust jedes gehobenen militärischen Dienstgrades bestraft werden; für Personen, die keinen gehobenen Dienstgrad besitzen, wird demnach eine Sanktion für das Verbot der Mischehe nicht ausgesprochen. Es wäre für uns Juden unrichtig, uns zu verhehlen, daß durch dieses Gesetz über den Wehrdienst ein tie> fer Einschnitt in die Entwicklung unserer Rechtsstellung in Deutschland erfolgt ist. Die symptomatische Bedeutung der Wehrfrage ist heute noch viel größer als etwa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Denn erstens waren damals die Vorstellungen über Wehrpflicht andere als heute, wo sich das Wehrrecht als besonderes Ehrenrecht herausgebildet hat, ferner hat sich damals die Frage der Teilnahme am Militärdienst vor allem auch auf den Kriegsfall bezogen; jetzt ist das anders; denn im Zeitalter der totalen Mobilisation ist für den Kriegsfall eine üeneralklausel schon im § 1 ausgesprochen und im § 15 ist in bezug auf die Nichtarier eine vom Friedensstatus abweichende Regelung vorgesehen. Demnach gilt die jetzt i!n Gesetz erfolgte Regelung des Militärdienstes vor allem für die Friedenszeit; das erhöht noch die Bedeutung des staatsrechtlichen Gesichtspunkts. In dieser Hinsicht ist die Bestimmung, wonach Niditarier für jede Vorgesetztenstelle disqualifiziert werdet!, sicherlich besonders schwerwiegend. Das Wehrgesetz, charakterisiert unsere Stellung innerhalb lies neuen Staates. Nicht weil vir sachlich oder menschlich zum Militärdienst ungeeignet wären — die Beispiele militärischer Leistungen von Juden sind zahlreich genug —, sondert! weil der neue Staat auf dem R a s s e 11 p r i n z i p aufgebaut ist und demgemäß so wie auf allen anderen Gebieten auch auf diesem Gebiet eine Teilnahme von Reichsangehörigen anderer rassischer Herkunft ablehnt, sind wir vom Wehrdienst ausgeschlossen. Auf dieser Tatsache unserer Sonderstellung, dar wir ins Auge zu sehen haben, in der bitteren Erkenntnis dieses — noch vor wenigen Jahren unerwarteten — Ergebnisses einer hundertjährigen Entwicklung, müssen wir unser künftiges Lebet! als Juden gestalten. IN ALLER KURZE Der Volkerbundsrat hat zum Nachfolger des verstorbetten französischen Mitglieds der Ständigen Mandatskotnmission M. Merlin den Franzosen Fr. Man-?fron ernannt, der seiner Zeit Resident General in Tunis und später französischer Gesandter in Kopenhagen war. Der zur Zeit in Genf weilende Sekretär des Kommissars für Auswandererfürsorge. James ü. MacDonald, Herr Wurfbajn, hat auf das entschiedenste die Meldung deinentiert, der zufolge MacDonald beabsichtigen soll, zurückzutreten. Auf Wunsch des verstorbenen Marsehalls Pilsudski wird der jüdische Gelehrt« Dr. Maximilian Rose, Professor an der Wilnaer Universität und Leiter des polnischen Instituts für Gehirnforschung, das Gehirn Piisudskis wissenschaftlich untersuchen und das Ergebnis in einem Gutachten verarbeiten. Der Präsident des Board of Deputies of British Jews, Ncville L a s k i, wurde an Stelle von N. B. Goklie, der /.um Stadtrichter von Manchester bestellt wurde, zum Stadtrichter von Burnley ernannt. In Wien ist eine Versammlung des ״Antisemitenb und es“, in dem Organisationen verschiedenster politischer Richtungen zu gemeinsamer antisemitischer Propaganda zusammengefaßt sind, verboten worden. in dem jüdischen Städtchen Dzieciol im Kreise Grcxfim. das bei der jüdischen Bevölkerung Polens unter dem Namen Zlictel bekannt ist, sind 88' Häuser durch!־euer zers־<׳'•־• worden. Hunderte obdachlose Familien lagern unter;re׳e!e '׳ fimmel. Das Bet 11 1 iamidrasch und die jüdische Bibl 'Ciiek v. erden stark beschädigt. (jou\ enicur 1 lerbert Lehman hat das vom N e w - Y o r k e r Parlament angenommene (iesetz unterschrieben, durch das das New-Yorks״ J n tl i s c I! e Lehrers e m i n a r als Hochschule anerkannt wird. Die /ucikennung des 1 iochschulcharaktcrs an das Lehrerseminar ist mit einer Reihe von Privilegien ver- Hunden. U. ■1. erhält da-, Seminar das Recht, ausländische Gelehrte außerhalb der [ itiw amIcrung.s1|uote zu berufen und ausländische Studierende, die nicht unter die Liuwamkrungsquote fallen, auf/unclnn e!1. Der J u d a 1 s t i - c 11 c 11 Bibliothek in Warschau wurde ein staatliches Darlehen von 39 000 Zlotv gewährt. Dadurch wird die Bihüothek in den Stand gesetzt, das neue, in der Nähe der Grollen Synagoge gelegene Bibliotheksgebäude fertigzustclleti. Wie die Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten mittcilt, wird entsprechend einem Wunsch der amerikanischen und englischen Zionisten die Allgemein-zionistische W e 11 k o n f e r e n /, die Ende Mai stattfinden sollte, verschoben. Die Konferenz soll jedoch spätestens am 11. Juni in Krakau eröffnet werden. Im Nationalmuseurn für keramische Kunst in Sc v res wurde eine Ausstellung des jüdischen Malers und Keramikers R y b a c k eröffnet. Die Statuetten behandeln vorwiegend jüdischc Motive. Zur Erinnerung an den verstorbenen Direktor des italienischen Rabbinerseminars in Rom, Prof. S. Margit lies, wurde vom Rabbinerseminar eine Sammelschrift herausgegeben. ״Osservatore Romano“ zum Berner Prozeß Rom, 20. Mai. (JTA.) ״Osservatore Romano“, das offiziehe Organ des Vatikans, bespricht in einem längeren Artikel das Berner Urteil in dem Prozeß um die gefälschten ״Protokolle der Weisen von Zion“, ln dem Artikel wird erklärt, cs sei lächerlich, daß noch immer an die Echtheit derartig böswilliger Fälschungen geglaubt wird. Aehnliche Fälschungen seien auch von den Gegnern der Jesuiten hergestellt worden, um glauben zu machen, dieser Orden verfolge ähnliche Machtziele, wie sie von den Verfassern der sogenannten ״Protokolle der Weisen von Zion“ dem Judentum zugeschrieben werden. Man müsse sich darüber wundern, daß es noch immer Menschen gibt, die an die verschiedenen ״Protokolle“ und andere angebliche ״Enthüllungen“ glauben. Die Wahlen in der 2 jüdisch - nationale Abgeordnete Von unserem Korrespondenten h. 1. Prag, 21. Mai 1935 Die Wahlen in das Prager Parlament und in den Senat sind am 19. Mai in der gesamten Tschechoslowakei in vollster Ruhe vor sich gegangen. Die bisherige Reg i e r u n gs k o a 1 i t i o n, die aus Tschechen und Deutschen, Bürgerlichen und Sozialisten bestand, hat, soweit es den tschechischen Sektor betrifft, ihre Position behauptet. Größere Veränderungen sind dagegen auf deutscher Seite erfolgt, wo die Sudetendeutsche Partei fast drei Viertel aller Stirnmen auf sich vereinigen konnte und zugleich die beide« bisherigen deutschen Regierungsparteien — Sozialdemokraten und Bund der Landwirte — empfindlich schwächte. Die tschechisch-faschistische ״N a t i o 11 a I e Vereinigung“, die den Wahlkampf mit einem hier noch unbekannten Elan durchgeführt hat und einen überwältigenden und überzeugenden Wahlsieg erhoffte, konnte in der gesamten Republik nur zwei Mandate neugewinnen und bleibt somit auch weiterhin unter den kleinen Parteien. Der große und — in tschechischen Kreisen — vielfach überrascliende Erfolg der von Konrad H e!11 e i n geführten Sudctcndeutschen Partei hatte zur Folge, daß sich am gestrigen Tage im Zentrum Prags zahlreiche Anhänger der tschechisehen ״Nationalen Vereinigung“ zusammenrotteten, und in erregter Weise antideutsche — und wie das in solchen Fällen hierzulande schon gang und gäbe ist — auch antijüdische Parolen riefen. Die Jüdische Partei hat, wie bereits berichtet wurde, bei diesen Wahlen nicht selbständig kandidiert, da ihr ein solches Vorgehen durch die neue Wahlgesetz-Novelle unmöglich gemacht worden war. Durch ein Wahlabkomnien mit der tschechischen sozialistischen Arbeiterpartei wurden ihr von dieser zwei Abgeordnete zugesichert, die Palästina-Probleme vor dem Royal Institute ol International Affairs Die Londoner Zeitschrift ״International Affairs“ veröffentlicht in der Mai-Juni-Nmnmer den ausführlichen Berieht über einen Vortrag Norman Bent wichs über ״Palästinas Fortschritte und Probleme“ und die anschließende Diskussion in dem Kgl. Institut für Auswärtige Ang e 1 c g e n heit e n. Der Vortrag, der ja einem nicht jüdischen Publikum die palästinensische Wirklichkeit erst nahe bringen sollte, enthält naturgemäß für uns nieist Bekanntes, zeigt aber Bcntwichs Gabe für populäre, oft humoristische Darstellung; so z. B״ wenn er den Mangel an Facharbeitern und den Ueberfluß an Akademikern in Palästina durch die Anekdote von einem Heiratsvermittler illustriert, der den nicht übermäßig begüterten Eltern eines Mädchens erst einen Rechtsanwalt, dann einen Arzt an bietet, um, als diese abgelehnt werden, empört auszurufen: ״Vielleicht verlangen Sic für Ihre lumpigen C 1000 am Ende gar einen Stuckateur?“ — Inhaltlieh war Bcntwichs Vortrag, bei aller Betonung der wichtigsten wirtschaftlichen Gefahren (Landspekulation, starke Passivität der Handelsbilanz, allzu starke Abhängigkeit von der Orangen• kuitur usw.) doch recht optimistisch. Dies gilt vor allem von seinen politischen Ausführungen. Daß die arabischen Führer gegen die wachsende jüdische Einwanderung seien, könne nicht verwundern; denn sic spürten, daß sie ihren alten Einfluß auf die arabischen Massen in dem Maße verlören, in dem diese zu etwas Wohlstand und Bildung gelangten: die arabischen Massen ließen sich heute, da es ihnen offensichtlich gerade info'ge der jüdischen Einwanderung viel besser gehe als früher, nicht mehr durch Märchen über ihre unabwendbare Verelendung gegen die Juden aufhetzen; und im übrigen haben sowohl die feste Haltung und persönliche Autorität des High Commisskmcr wie die jetzt sehr viel leistungsfähigere Polizei die Sicherheit des Landes erhöht. Auf jüdischer Seife zeige sich, zum mindesten bei den Verantwortlichen, ein stark wachsendes Vertrauen z u E n g I a ח d, und bei den Massen selbst ein bemerkenswertes Interesse für englische Literatur und Kultur, .- doppelt bemerkenswert wegen des Fehlens jeder bewußten Kulturpropaganda. Freilich sei die Zusammenarbeit zwischen Jaden und Engländern trotzdem kein einfaches Problem, handle es sich doch um zwei Völker, die sich beide in ihrer Art als ״auserwählt“ empfänden und sich noch wenig kennen; wirkliebes Verständnis könne liier erst mit der Zeit erwartet werden. In noch höherem Grade brauche die Annäherung mit den Arabern, die immer nur von unten her, niemals von den Führern kommen könne, Zeit; doch besteht kein Grund zum Pessimismus. ״Revolution11 in den Londoner Synagogen J. K. London, den 20. Mai Die Organisation der englischen Juden (״Board of Deputies") ist ein Dachverbaud, in dem die meisten englischen Synagogen zusammengeschlossen sind. Eine der Hauptstützen dieser Organisation (neben den vereinigten Synagogen des Londoner F.astends) ist der Verband der Londoner aschkeaasfsehen Synagoge ״The United Synagogue“. Dieser Verband setzt sich aus etwa 30 Synagogen zusammen und sein geislliehes Haupt ist gleichzeitig Chief Rabbi des englischen Weltreiches. Als die Vereinigung im Jahre 1870 durch Parlamentsgesetz geschaffen wurde, setzte sie sich zur Aufgabe, für den Gottesdienst, Beerdigung und Armenpflege zu sorgen und ״für andere kommunale ׳Pflichten, die hauptstädtischen Synagogengemeinden obliegen, und andere wohltätige Zwecke im Zusammenhang mit der jüdischen Religion“. Nach diesen Gesichtsunkten wurden alljährlich die Vorsteher gewählt... Und es errschte Friede im englischen Judentum. Zu den diesjährigen Wahlversammlungen aber, die am Sonntag, dem 19. Mai, stattfanden, wurde in den meisten Synagogen eine Resolution auf die Tagesordnung gesetzt, von der siel) die Gründer der United Synagoguc wohl nicht haben träumen lassen. Es wird darin mit Genugtuung der gewaltige Fortschritt Palästinas festgestellt und vorgeschlagen, daß sich die betreffende Synagogengemeinde verpflichtet, die zionistisehe Bewegung zu unterstützen. Die Leitung der United Synagogue ließ sich von ihren Juristen bestätigen, daß diese Resolution verfassungswidrig sei, über den Rahmen einer Synagogengemeinde hinausgehe und ließ daher diesen Punkt der Tagesordnung erst gar nicht zu. Das hinderte aber nicht, daß doch in den meisten Synagogenräten der Punkt zur Sprache kan« von den Vorsitzenden zugelassen wurde und — in vielen Fallen die gewünschten Tschechoslowakei im kommenden Parlament vollständig frei und unabhängig die Interessen der jüdischen Minderheit vertreten werden. Diese beiden jü• disch-nationalen Abgeordneten werden erst im zweiten Skrutinium des Wahlverfahrcns, bei der Feststellung der auf die Reststimmen aus dem ersten Skrutinium entfallenden Mandate bestimmt werden. Fest steht jedoch bereits, daß der bisherige Abgeordnete Dr. Angelo Gold• stein und der Direktordes hebräischen Gymnasiums in Mukacevo, Dr. Chajim Kugel, bei diesem Skrutinium Mandate erhalten werden. Die jüdischen Wähler haben fast durchweg die Parole der Jüdischen Partei befolgt. Es hat zwar nicht an Versuchen gefehlt, von jüdischer Seite aus Verwirrung in ihre Reihen zu tragen und so die Schlagkraft der Jüdischen Partei zu schwächen — aber alle diese Versuche sind gescheitert. Vom jüdischen Standpunkt aus verdient auch noch das Verschwinden der Deutsch-demokratischen Partei, die bei den Wahlen fast aufgerieben wurde, ein ewisses Interesse. Es war dies vornehmlich die politische ormation der deutsch-assimilatorischen Juden, die seit dem Beginne der jüdisch-nationalen Landespolitik als deren entscliiedenste Gegnerin auf den Plan trat, wann immer bei Wahlen und politischem Auseinandersetzungen es um die Gewinnung der jüdischen Wähler ging. An der Spitze dieser Partei standen vor allem Juden oder ehemalige Juden und ihre werbende Stimme wandte sich auch stets in erster Linie den Juden zu. Das war ein grundlegender Fehler, der es auch verhinderte, dal! diese Partei in der deutschen Bevölkerung Fuß fassen konnte, für die sie, mochten ihre Führer auch noch so viele Bekenntnisse zum Deutschtum ablegen — immer nur eine ״Judenpartci“ blieb. Für jüdische Dinge andererseits hatten die Exponenten der Deutschdemokraten nicht das geringste Interesse. Diese Waltlen haben den Schlußpunkt unter dieses Kapitel assimilatorischer Irrungen gesetzt. Diese optimistische Ansicht über die Araberfrage vertrat in der Diskussion auch Lord Sn eil (bekannt als Mitglied der ,,Shaw-Kommission“ von 1929 durch sein Minoritätsgutachten); Snell meinte, man dürfe die Opposition der Araber nicht zu tragisch nehmen, da sie ja tatsächlich durch die jüdische Ein- Wanderung überwiegend Gewinn hätten; aber als die geistig und kulturell Ueberiegenen müßten die Juden die Initiative zu einer allgemeinen Annäherung mit den Arabern ergreifen, wofür vielleicht die in den Südstaaten der USA. und z. T. auch schon in Südafrika erfolgreich arbeitenden ״In terra• cial Coinmittees“ zum Muster dienen könnten. Schon jetzt sei der Prozeß der Verständigung viel stärker im Gange, als die meisten glaubten. — Auch bezüglich der allmählichen Einbeziehung T r a n s j o r d a 11 ie n s in die jüdische Einwanderungssphäre war Snell optimistisch. In der Frage des Gesetzgebenden Rates warnte Snell, trotz prinzipiellen Ein- Verständnisses, vor Ueberstiirzuiig. Sir Philip Hartog erklärte hierzu, er sei früher für eine baldige Einführung des Gesetzgebenden Rates gewesen, sei aber nach seinen Erfahrungen in Indien jetzt anderer Ansicht. Sir Philip schnitt auch die Frage einer englischen Kultur- Propaganda in Palästina an, deren Zweckmäßigkeit Bentwich, 1m Hinblick auf den Mißerfolg der französischen Kultur- Propaganda in Syrien, leugnete. Auf die Frage nach der Zweckmäßigkeit eines gemein- Samen Erzieh 11 ngssyste ms für Juden und Araber erklärte Bentwich, dies könne jedenfalls nur für die höheren Bildungsstufen bejaht werden; die Schulen müßten getrennt sein. Bemerkenswert war das In vielen Fragen hervortretende Interesse für Schicksal und Leistungen der Juden aus Deutschland in Palästina, auf die Bentwich im Schlußwort optimistisch antwortete. (Aum.): Bei den ״Interracial Co m m i11 e es“, auf die Lord Snell als ein mögliches Vorbild für Palästina hinwies, handelt es sich um Ausschüsse, die aus Weißen und Negern zusammengesetzt sind und die Beziehungen zwischen den beiden Rassen durch Beobachtung der örtlichen Verhältnisse und gegenseitige vertrauensvolle Zusammenarbeit bessern sollen. Dabei treten sic weder für eine blutsmäßige Vermischung noch für Aufhebung der sozialen Trennung der beiden Rassen ein; sondern beide Rassen sollen im wesentlichen ihr eigenes Leben führen, aber miteinander in guten, freund• schafflichen Verhältnissen stehen. Diese Ausschüsse, von denen viele Hunderte nach dem Weltkrieg von der ״Commission on Intcrracial Cooperation“ in den Südstaaten der USA. errichtet worden sind, sollen tatsächlich viel zur Besserung der Ver• hältnisse beigetragen haben. (Näheres hierüber u. a. in dem Werk von J. W. Gregory: ״The Menace of Colour“, Ion• don 1925.) A. P- Resolutionen mit überwiegender Mehrheit und großer Begeisterung angenommen wurden. Es besteht kein Zweifel, dal! diesmal noch die Buchstabenjuristen recht behalfen werden. Deshalb wurde u. a. eine Acmlerung der Verfassung gefordert, die dem Geist der Zeit angepaßt "werden müsse. Von einer der größten und reichsten Gemeinden, dem neuen Stadtteil Oolders Green, wurde bei dieser Gelegenheit auch kritisiert, daß die bedeutenden Fonds der United Synagogue bisher noch in keiner Weise für das Palästinawerk verwendet wurden. Nachdem schon in letzter Zeit Zionisten In den Körper* schäften des englischen Judentums Einfluß gewonnen haben, wird der Druck, der jetzt ״von unten“ einsetzt, nicht eher aufhören, bis die Synagogengemeinden die neuen yerhältmssc und den neuen Geist akzeptieren werden, der sich überall im jüdischen Volk durchsetzt. Hilfsaktion der englischen Juden für die Juden in Polen London, 21. Mai. (ITA.) Die Aktion der _ englischen Judenheit für die Juden Polens wurde mit einer Kund• gebung im Londoner Jüdischen Gemeindehaus eröffnet, bei der der Vorsitzende des Board of Deputies, Neville Laski, der gleichzeitig einer der Vorsitzenden des Sammelkomitccs ist, der sephardische Oberrabbiner Dr. M. Gaster, der Präsident der Jewish Agency, Nalium Sokolow, Ir°1• Selig Brodetsky und andere führende Persönlichkeiten der englischen Judenheit Ansprachen hielten. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Weltsch, Berlin-Charlottenburg 8• Stellvertreter: Kurt Loewenatein, Berlin W15■ Anieigenleiw״״ und verantwortlich für den Inhalt der Anreigen: Rut Pose "' Berlin. W 30. Gültig: Anzeigcn-Preisliste 2 vom 1. Januar 103s. Verlag und Anxeigen Verwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W < Meinekcstr. 10. D.-A. April 34 914 — Druck: Siegfried Schnlem, Bcrlin-Schöneberg.