Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 41 (21.5.1935)
- Date
- 1935-05-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 41, 21. V. 1935 Der Untermieter zusammendrängen. Wir haben die Tendenz, uns in Palästina einen neuen Lebensstil zu schaffen. Ihm sollen die Arbeit ebenso dienen wie die Feste. Was jetzt jedoch zu entstehen droht, ist Stillosigkeit an Stelle von Stil, ist die Herr- Schaft der (Quantität, des Lärms und der ungeordneten Lustig• keit, die wenig von Heiterkeit besitzt. Wie tief die Wirkungen dieser Massenfeste gehen, er• kennt man am stärksten bei den Kindern. Bei den engen palästinensischen Verhältnissen werden die Kinder schon iin zartesten Alter (vom Kindergarten an) in jenen ganzen Wirbel hineinge/ogeti, der uns umfaßt. Sie feiern in ihren Schulen, sie nehmen an den Aufzügen teil, sie werden bei den verschiedensten Gelegenheiten überanstrengt, sie werden dabei nervös und — was weit schlimmer ist — blasiert. Oft genug ist schon für die Kinder eines der vielen Feste mit ihrer Enge, ihren Unbequemlichkeiten, ihren stundenlangen Vorführungen und dem noch längeren Warten eher eine Anstrengung als eine Freude. Sie werden in den allgemeinen Strom hineingezogen und sind ihm noch weniger gewachsen und seiner die Formlosigkeit formenden Kraft noch wehrloser hin gegeben als wir. Ihre Reaktion sollte für Erzieher, für Eltern und die Leiter der öffentlichen Angelegenheiten ein Warnungssignal sein. 6. Wahre Feste Aus Dialektik wird so mancher auf diese Stoßseufzer eines Palästinensers das Recht auf Freude und Feste, auf Lustigkeit und Lärm verteidigen. Es ist unnötig zu sagen, daß er damit offene Tiim! eiuremit. Aber es gibt einen Unterschi e d zwis c 11 e n F r e u d e u!1 d L ä r 111K es scheint nicht unbedingt nötig, daß an einem Feiertag — und wann war keiner in den letzten Monaten?! ■— noch nach Mitternacht die Trupps laut schreiend und grühlend durch die Straßen ziehen, es scheint weit von wahrer Festfreude entfernt, wenn fast jede Woche eine neue Gelegenheit mit Pauken und Trompeten veikündet wird, bei der dieselben Lieder gesuiigeii und dieselben Tänze gestampft werden. Man kommt Unwillkürlich auf <lt1!־ Verdacht, daß alle diese Lustigkeit viel zu laut ist. um wahrhaft echt 7t! sein. Und in der Tat: die Lage der Juden in den üahlthläiideni, die üeburtswehen des ra-ch vauocnden Palästina sind - trotz aller Prosperity — schwer genug, um eher Nachdenklichkeit als lärmende Freude auft,׳nullen /!1 lassen. Und wahrend des gewaltigen Trubels der letzten Monate, inmitten der Paraden und Aufzüge, der Sportfeste und Lrinnerungsfeiern, der Tänze und Gesänge, dem f aliiieiiflattern und den Trompetenstößen summt ein kleiner Vers und läßt sich nicht verdrängen: ״Wir sind vergnügt und hahen's gar nicht nötig“ . . . Das Rothschild-Werk Von unserem palästiiieii.sNchcii Korrespondenten gl. T c I - A w i w, 9. Mai 1935 Die Aktion des Keren 1 lajessod für das Rothschild-Werk in Palästina macht gute Fortschritte. Der Bericht Alexander (} o 1 d s t e i n s in einer Pressekonferenz des Keren Hajessod in Tel-Awiw (über die wir bereits kurz berichteten. Red.) gibt folgende interessante Tatsachen an: Es gelang in der Arbeit eines halben Jahres, Verpflichtungen im Betrage von mehr als £ 30 IKK) zu bekommen, das ist mehr als das Doppelte des Vorjahres, sowohl was die Summe als auch was die Anzahl der Spender betrifft. Neben der allgemeinen Kampagne wurde eine besondere unter den Arbeitern und eine unter den Einwanderern aus Deutschland veranstaltet. Unter den Arbeitern wurden £ 8000 aufgebracht, unter den aus Deutschland stammenden Einwanderern £ 5000. Der Durchschnitt, der auf diese letzten entfallt, ist .£ 6, während in der allgemeinen Kampagne £ '2,5 den Durchschnitt bilden. Im aßgemeinen zeig( Palästina heute weit mehr Verständnis für die Arbeit des Keren Hajessod und die Aufgaben des nationalen Kapitals als früher. Der Arbeiter und der kleine Mann beteiligen sich in der Regel willig, schwierig wird die Arbeit häufig bei den Leitern der großen Firmen, wenn es natürlich auch hier Ausnahmen gibt, F.s besteht die Hoffnung, daß der palästinensische Keren Hajessod bis zum Kongreß einen bcträchtliehen Fonds für das Rothschild-Werk zur Verfügung stellen wird. Lub Jaffe ga!) in derselben Konferenz die Zahlen des allgemeinen Kenn Hajessod für das laufende Jahr an. Man halft, in diesem Jahr im gan/eii £ 250 000, das heißt £ 50 000 mehr als im Vorjahre atif/tibringen. Von dieser Summe werden? 170t;00 der Kolonisation gewidmet, und zwar £ (Kl000 zur Konsolidierung der bestehenden Siedlungen, der Rest für Neukolnmsati.m, Im nächsten Jahr beginnen die bestehenden Siedlungen bereits mit der Abzahlung ihrer vorn K. H. erhalteneu Anleihen. Neue Ernennungen an der Hebräischen Universität Jerusalem (Palcorp Der Senat der Universität hat itn Anschluß an das Projekt der Vereinigung des Hadassa-Krankenhauses mit der Universität und der Schaffung einer medizinischeii l‘aUult.it beschlossen, Professor Zontiok zum Pro* fessor für (}vnakotogic zu ernennen (Prof. Zondck ist heute Leiter der gynäkologischen Abteilung der Hadassa), Professor Brut 7k us übernahm den Lehrstuhl für Agrarwirtschaft. Er hat auf diesem Gebiete langjährige Praxis in Rußland und Deutschland und eine Reihe bedeutender wissenschaftlicher Werke veröffentlicht. Der neue Lehrstuhl wurde mit Hilfe des Keren Knjcmeth gegründet. In Kürze wird ferner die Vorbereitung fiir die Eröffnung der Abteilung für physik a 1 i s e h e C h e m i e beendet sein. Der Leiter der Abteilung, Prof. Farkas, arbeitet auch am Sieffdnstitut in Rechobot. Ferner ist in Jerusalem der frühere Leiter der Musik-Abtei- 11mg :!!1 der Berliner Staatsbibliothek, Dr. L a c 11 in a n 11, eingetroffen. Lr wird sich mit der Erforschung der jüdischen Musik und der Musik der orientalischen Völker befassen. Ferncr wird eine Abteilung für Radio-Biologie unter der Leitung von Professor llalberstädtcr errichtet werden. Als sein Assistent wurde I >r. ti. Ci o 1 d h a b e r bestimmt. Endlich wird in Kurze eine Abteilung für Zclleiiphysiologie als Abteilung des Instituts für Krebsforschung unter der Leitung von Dr. L. üoloschansky eröffnet werden. Das Problem der jüdischen Touristik J e r u s a 1 e m (Palcor). Das Zionistische Informationsbüro für Touristen, das von der Exekutive der Jewish Agency, dem Kiren Hajessod und dem Keren Kajemeth Lejisrael unterhalfen wird, hat kürzlich eine Sitzung einberufen, um die Probleme der jüdischen Touristik in Palästina zu behandeln. Unter anderem wurde vorgeschlagen, in den fünf Blocks Ernek Chefcr, En Charod, Emck Jesreel, Emek Hajarden und Obergaliläa große Touristen 11 ä uscr zu errichten. In der nächsten Zeit wird eine zweite Sitzung einberufen werden, der konkrete Vorschläge vorgelcgt werden sollen. Im Kampf um das Wahlrecht In Tel-Awiw Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel-Awiw, 9. Mai 1935 Vor kurzem sind in Tel-Awiw die Listen der Wahlbereelitigten für die Munizipalitätcnwahlen veröffentlicht worden. Auf den Straßen der Stadt drängen sich vor den großen, mit Namen gefüllten Aushängebogen die kleinen Leute und kontroilieren, ob sie in die Listen aufgenommeu worden sind. In sehr vielen Fällen folgt der Untersuchung eine schwere Enttäuschung, denn das Wahlregister ist im Verhältnis zur Einwohnerzald sehr klein. Tel-Awiw, das heute weit über hunderttausend Einwohner hat (keiner weiß genau wieviel, aber cs dürfte sielt bereits um J30 000 Menschen handeln), kommt zu den jetzt erwarteten Wahlen mit nur etwas über 22 000 Wählern heraus. Zieht man in Betracht, daß bei den vorigen Wahlen, als die Stadt nicht viel mehr als ein Drittel ihrer jetzigen Einwohnerzahl betrug, gegen 16 000 Wähler anerkannt wurden, so sieht man deutlich, daß hier kein normales Wachstum der Wählerlisten vorliegt. Und in der Tat häufen sich in der Munizipalität Tausende von Beschwerden, in denen Bürger der Stadt ihr Wahlrecht verlangen. Die Aufregung der kleinen Leute, die gelernt haben, daß bei der Zusammensetzung der Stadtverwaltung ihre wichtigen Interessen involviert sind, ist groß und die Presse bringt Tag für Tag ausführliche Berichte über die Entwicklung der Dinge. In Tel-Awiw herrscht die Bedingung des Zensus, das heißt, man tnuß ein Minimum an Steuer.11 (es ist auf 500 Mil — zirka sechs RM. — festgesetzt) abgeführt haben, um wählberechtigt zu sein. Dazu kommen weitere Bestimmungen über Seßhaftigkeit usw. Steuern zahlt in Tel-Awiw der Hausbesitzer bzw. der Mieter einer Wohnung. Die Untermieter, die nur ein oder zwei Zimmer bewohnen und keine abgeschlossene Wohnting ihr eigen nennen, erlegen in der Regel ihre Miete an den Wirt in der Weise, daß er ihnen eine Pauschalsumme (meist eine recht hohe!) für das Zimmer abverlangt, in der zugleich die Steuern für die Stadt und häufig auch Licht und Wasser eingerechnet werden. Die Steuern für die Gesamtwohnung werden dann vom Wirt an die Stadtverwaltung abgeführt. Die Wahlkommission verlangt nun von jedem Untermieter, der sein Wahlrecht beansprucht, eine Quittung des Wirtes über die an ihn gezahlten Steuern und die besitzt natürlich nur eine geringe Minorität. Wer jetzt sein Wahlrecht haben will, muß sieh von seinem Wirt eine solche besondere Quittung beschaffen und das ist in vielen Fällen durchaus nicht einfach. Es entsteht dadurch der Zustand, daß ein sehr großer Teil der Untermieter um sein Wahlrecht kommt. Zur Untermiete wohnt jedoch in Tel-Awiw eine sehr große Anzahl von Menschen, oft ganze Familien und es wird damit ein wichtiger Teil der kleinen Leute aus den Wahlen ausgeschaltet. Daß die Wahlkommission auch sonst in ihren Entschlüssen sehr rigoros vorgegangen ist, ersieht man aus der niedrigen Zahl der Wahlberechtigten. ln der Munizipalität, die jetzt ihre Amtsdauer beendet, ist der bürgerliche Block am Ruder, die Arbeiterschaft in der Minorität. Der herrschende Block ist naturgemäß daran iriieressiert, das Wahlrecht auf die begüterten Elemente der Einwohtier zu beschränken, da er dann bessere Aussicht auf einen Wahlsieg bat; hei den Arbeitern und kleinen Leuten liegen die Dinge entgegengesetzt. Die Stimmung der Bevölkerung gegenüber der Stadtverwaltung ist sehr gemischt. Die Stadt, die in den letzten zwei Jahren so gewaltig gewachsen ist, stellt an ihre Verwaltung große Aufgaben, wen» die minimalen Forderungen der Sauberkeit, der entsprechenden Zwei Jahre Alijah aus Deutschland Es liegen nunmehr genaue statistische Angaben über den Umfang und die Zusammensetzung der Alijah aus Deutschland während der Jahre 1933 und 1934 vor. Diese Angaben sind fast gleichbedeutend mit denen für die gesamte Alijah aus Deutschland überhaupt, denn die Arizahl der Juden aus Deutschland, die bis zum 1. Januar 1933 nach Palästina eingewandert sind, war ja bekanntlich verschwindend klein. Di• Hauptzahlen Für diese beiden Jahre ergibt sich eine Oes amte in י Wanderung aus Deutschland von 16639 Menschen, das heißt von 23,3 % der Einwanderung überhaupt. Hiervon entfielen 6803 (25 0/0 der Gesamtdnwanderung) auf das Jahr 1633, 8197 (23 % der Gesamteinwanderung) auf das ahr 1934 und schließlich!339 auf Touristen, weiche später iin Lande die Daiicraufcnthaltserlauhnis erhalten haben (das waren 20% dieser Einwandererkategorie). Der Höhepunkt der Einwanderung aus Deutschland lag den absoluten Ziffern nach in den Monaten: September 1933 mit 1312, Oktober 1933 mit 1155, November 1933 mit 1472, April 1934 mit 1055 und Oktober 1934 mit 1326. Relativ gesellen zeigte den höchsten prozentualen Anteil, der bisher in einem Monat erreicht wurde, der Juni 1933 mit 48 % der Gesamteinwanderung, aber einer absoluten Ziffer von nur 506 Menschen. Noch bis April 1933 lag der Anteil der Einwanderung aus Deutschland zwischen 2 und 4 0׳,׳׳ der Oesamteinwanderung bei absoluten Ziffern, die nur zwischen 40 und 56 Menschen je Monat betrugen. Dl• Staatsangehörigkeit Diese Gesamtziffern nun beziehen sich durchaus nicht nur auf deutsche Staatsangehörige. So sind in der Ziffer von 6803 Menschen, die im Jahre 1933 hierher kamen, 1053 Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, vor allem mit polnischer, enthalten gewesen, das heißt zirka 16 %, und im Jahre 1934 war dieser Prozentsatz ähnlich. Insgesamt kann man wohl heute den Prozentsatz der Mensehen mit ehemaliger oder noch vorhandener deutscher Staatsangehörigkeit im Jischuw auf rund 4 % annelimen. Diese Ziffer mag überraschend niedrig klingen, wenn man bedenkt, wieviel Menschen in Palästina zur Zeit deutsch sprechen. Aber sie wird sich von den tatsächlichen Gegebenheiten nicht sehr entfernen. Die Altersschichtung Nicht ohne Interesse ist zweifellos auch die Alter*. Schichtung der Einwanderer aus Deutschland während der Der i d a i 0 Erholungsaufent halt Gshstetes Wallartbad * Große U*gewi**stt Da« Qtrxe Jahr Qeöifnat Herrlicher Waid Pension ab Fr•*. 1*,-» Wasserversorgung usw. erfüllt werden sollen. Die Munizipa• Etat ist jedoch nicht so weit, daß sie mit dem Wachstum Schritt halten *arm, so daß sich viele Beschwerden angesammelt haben. Außerdem hat es sich im Laufe der Amtszeit erwiesen, daß der herrschende bürgerliche Block sieh weniger, als es nötig wäre, um die Interessen der kleinen Leute Tel- Awiws kümmert, so daß in weifen Kreisen Unzufriedenheit mit der heutigen Verwaltung besteht. Als jetzt schließlich die Wahllisten publiziert wurden, und dann die Wahlkommission die zahlreich eingelaufenen Beschwerden, insbesondere die der Untermieter, einfach kassierte, wurde die Unzufriedenheit immer stärker. Die Wahlkommission zog sich noch dadurch eine große Blamage zu, daß sie Beschwerden von Personlichkeiten zuriiekwies, die überall bekannt und seit vielen Jahren in Tel-Awiw ansässig sind und auch fraglos ihrer Steuer- Pflicht (durch den Wirt) genügt haben. Unter denen, die ihres Wahlrechts verlustig gehen, sind Angestellte der Munizipalität, ist Harzfeld, der bekannte Arbeiterführer, Und — ein pikantes Beispiel — eine Lehrerin der Wizo, die von dem Vorsitzenden der Wahlkommission selbst, bei dem sie zur Miete Wohnt, eine Bestätigung erhielt, daß sie die Steuern gezahlt habe! Es scheint, daß unter den nicht Wahlberechtigten eine große Zahl neuer Einwanderer sich befindet. Das ist um so verständlicher, als viele der ״Neuen“ sich zuerst mit einem einzelnen Zimmer begnügen müssen, ehe sie zu einer W0I1nung gelangen. Nun haben aber gerade diese an der Zusamnieiisetzung der Stadtverwaltung ein ebenso großes Interesse wie die alteingesessenen Bürger. Sie sind also bei diesen Wahlen berechtigt und verpflichtet, ihren Einfluß geltend zu machen. Unkenntnis der Sprache und des öffentlichen Lebens verhindern jedoch viele, die nötigen Schritte zu tun, um stell das Wahlrecht zu sichern. Die Hitachduth üle Germania hat bei Beginn der Wahlzcit sich um die Aktivierung ihrer Mitlieder bemüht, es wird jedoch noch weiterer Anstrengungen edürfen, um auch die abseits Stehenden zu erfassen. Einen wie starken Widerstand die Haltung der jetzt herrsehenden Majorität und der Wahlkommission nicht nur in den Kreisen der Arbeiterschaft, sondern auch in denen des aufgeklärten Bürgertums hervorgerufen hat, geht aus einem Artikel hervor, in dem sich der ״Haarez“, das Blatt der Mitte, mit dem Problem auseinandersetzt. ״Auch Vermieter־•, heißt es dort, ״die nicht besonders geldgierig sind, werden nicht und können nicht auf die Ausgaben verzichten, die mit der Versteuerung, der elektrischen Beleuchtung usw. des ver• mieteten Zimmers verbunden sind, und daher kassieren sie das Geld von den Untermietern zusammen mit der Miete ein, und sie geben keine Spezifikation: soundso viel für Steuern... Und es ist nur logisch und gerecht, daß der Untermieter das Recht der Wall! eriiält, das er durch diese Steuern dem Gesetz nach erwirbt....“ Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß alle fortschriftlichen Elemente der Stadt diesen Ausführungen des Blattes zustimmen. Die Tel-Awiwer Wahlen verboten Vor dem Bezirksgericht in Jaffa fand eine Verhandlung■ mit 11 Klägern wegen Entziehung des Wahlrechts zu den Tel-Awiw er Wahlen statt. Das Gericht entschied, daß die Massencntzichimg des Wahlrechts ungesefzlich sei und ordnete an, daß die Wahlkommission eine detaillierte Begründung für die Wahlrechtsent/iehung in jedem einzelnen Falle liefern müsse. Die Durchführung der Wahlen wurde verboten, bis jeder einzelne Fall aufgeklärt ist. Durch diese Entscheidung sind 8000 entrechtete Wähler betroffen worden. hier in Frage komm enden zwei Jahre. Hierfür ergibt sich die folgende Uebersicht: 1933 1934 Zusammen Anteil In Prozent 1— 9 Jahre 1 121 1006 2127 13.9 10-20 Jahr• 1020 1617 2 637 17,2 21—30 fahr® 1705 2 630 4 335 28,4 31-40 Jahre 1636 1708 3 344 21.9 41-50 jahre 656 724 1380 9.0 51-60 fahre 240 438 678 4,4 61—JO Jahr. 89 273 362 2,4 71 Jahre 26 71 97 0,6 nicht angegeben 310 30 340 2.2 6 803 8 497 15300 100,0 Wir sehen also, daß schon iin Jahre 1934 die Anzahl der Menschen in einem Alter von mehr als 50 Jahren stark angewachsen ist. Sie betrug 782 gegen 355 im Jahre 10p■ Diese Entwicklung hat sich in der Zwischenzeit wahrsrheinlieh noch verstärkt. Daß dies bevölkerungs- und sozinlpolitisch, aber auch wirtschaftlich sehr wichtig ist, bedarf keiner Erörterung. Palästina war bisher ein Land verhältnismäßig 'uiiger Menschen. Die Pyramide des Altersaufbaus, die י״ Deutschland bekanntlich bei den Juden auf der Spitze stand, statt auf der Grundfläche der Jugend, war liier bisher nicht nur normal aufgebaut, sondern die Altersspitze war s״/ar überaus schwach. Das dürfte sich jetzt durch die _F.it1w.unl1׳• rung־ älterer Leute ändern. Im übrigen findet eine solch« natürlich nicht mir aus Deutschland statt. Auch aus Poh'n und sonstigen osteuropäischen Ländern sind in letzter Zeit Eltern ziemlich zahlreich angefordert worden, deren Kinder zum Teil schon viele Jahre im- Lande sind und jetzt die Möglichkeit dazu sehen, die Eltern hier mitzuernähren. Freilich darf man hierbei nicht vergessen, daß in sehr zahlreichen Fällen diese Eltern ohnehin bereits seit länger״ Zeit durch ihre in Palästina befindlichen Kinder finanziell unterstützt wurden. Es ist also nicht so, daß diese ״Eltern- Alijah“ allgemein befrachtet eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung der jüngeren und noch in Arbeit stehenden Schienten des Jischuw darstellt, sondern es ergibt sich teilweise hieraus infolge von Ersparnismöglichkeiten durch Zusammen• leben mit den Kindern sogar eine wirtschaftliche Entlastung« Familienstand und Geschlecht Von erheblichem Interesse ist fernerhin die Schichtung nach Familienstand und Geschlecht. Von den Menschen, die in den Jahren 1933 und 1934 aus Deutschland nach Palästina gekommen sind, waren 54,6 % männlich und 45,4 % weinfleh. Hierbei ist aber zu bemerken, daß diese für die beiden Jahre geltenden Prozeiit/iffern im Jahre 1934 von den Männern überschritten und von den Frauen nicht errcielit wurden. Der Anteil der Einwanderer weiblichen Geschlecht;., die 1934 aus Deutschland kamen, betrug nur 44,7 % gegen die oben erwähnte Ziffer von 45,4% für die beiden J;ihre zusammen. Wenn man auf der anderen Seite in Rec״jl״j|1*’ stellt, daß unter den Juden Deutschlands das wciblicne Geschlecht in den letzten Jahrzehnten immer noch starker überwog als in der deutschen Gesamtbevölkerung ube.r' haupt, so ־zeigt sich, daß vom Standpunkt der Juden in Deutschland aus gesehen der Anteil der Frauen an ״״ Alijah nach Palästina relativ noch niedriger ist, als dies au» den angegebenen Ziffern hervorgeht. Von den Männern, in den beiden Jahren aus Deutschland nach Palästina kam » waren 17,9 % ledig, von den Frauen nur 7,9 %. Daß cg waren von den Frauen 26 % verheiratet und von den Mannen»