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Jüdische Rundschau · 1935-05-21 · Heft 41 (21.5.1935) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 41 (21.5.1935)
Date
1935-05-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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935ו.V . JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Pmschan NR. 41, 21. MAI 1935 lg , nicht von :11 ad Haara 1t der Ort, nen Ach ad , (Auch er annter“ als :,) Aber die eine Grund-; nicht wees Beispiel; :ht in ״Altdienst Ein-; Israel bee h e b r ä , ״er wisse : Zionismus igen. 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T e 1 - A w i w, Anfang Mai 35 Motto: Wir sind vergnügt und haben’'s gar nicht nötig.... 1. Die Nullen Die Nullen mehren sich in den palästinensischen Ereignissen mit betäubender Schnelligkeit. Die Berichte der Presse in den letzten bewegten Monaten sind voll von Nullen. ״Bei der Zehnjahresfeier in Giwath Haschloschah (Kibbuz bei Petach Tikwah) hatten sich 5000 Besucher eingefunden.“ ״Am Landestreffen des ,Hapoei‘ (Sportorganisation der Arbeiterschaft) nahmen 10 000 Mitglieder teil.“ ״Bei der Er- Öffnung der Makkabiah fanden sich 40 000 Menschen im Stadion ein.“ ״Zu Purim war für den Tag des Umzuges die Einwohnerschaft von Tel-Awiw auf 250 000 Menschen angewachsen.“ ״Bei“ — so kann man die Liste weiter fortsetzen nahezu ad infinitum. Tausende, Zehntatisende, und jetzt sind wir schon bei den Hunderttausenden angelangt. Es herrscht Betrieb. . . . In jedem Jahre sind in Palästina die letzten Wintermonate eine Zeit gesteigerter Bewegung. Die Touristik wählt sich diesen Termin zu den Palästina-Besuchen, Purim konzentriert grolle Massen aus dem In- und Ausland in Tel-Awiw, die großen Levante-Messen fallen in die Peliachzeit. In diesem Jahre kam noch die Konferenz der ״Wizo“, die Sitzung des Zionistischen Aktions-Comites, die großen Sport- Veranstaltungen der ״Makkabiah“ und des ״Hapoei“, die Bialik- Ausstellung und eine ganze Reihe von Jubiläen und Sonder- Veranstaltungen dazu. Bedenkt man, daß Palästina und besonders Tel-Awiw schon in ״normalen“ Zeiten überaus lebendig ist, daß man auch an einem gewöhnlichen Abend eine Auswahl zwischen einer ganzen Anzahl von Kinos, von mehreren Theatern, Konzerten, Kammcropern und einer langen Reihe von Vorträgen über die verschiedensten Themen und Versammlungen hat, so kann man sich vorstellen, wie dicht besetzt diese letzten Monate waren. Die Veranstaltungen drängten sich nicht mehr neben-, sondern übereinander. Man kann bei diesen Zahlen, von denen hier nur ganz wenige Beispiele angedeutet wurden, schwer verstehen, daß die Judcnheit im Lande heute trotz aller Expansion nicht viel mehr als drei Hunderttausende beträgt. (Genaue Zahlen gibt es kaum; und selbst wenn — wie manche meinen — wir »clion bei 330 000 oder sogar 350(XX) angelangt sind, ändert das nicht viel an der Grundtatsache.) Und dieses Publikum von einigen Hunderttausenden füllt alle diese großen Veranlagungen, ob es sich um Politik handelt oder um Kultur, um Kinos oder Theater. Es erscheint oft nahezu unverständlich, daß es immer w׳ieder — und ohne besondere Anstrengungen — möglich ist, bei jeder Gelegenheit solche Masse» auf die Beine zu bringen, daß nicht nur Geld für alles da ist (das erklärt sich zu einem betrachtliehen Grade aus der Konjunktur), sondern daß sich soviel Zeit und Kraft findet. Man wird nicht leugnen können, daß in dieser Anteilnahme an allem — denn man geht zur Makkabiah u 11 d zur Kultur-Ausstellung — sich eine starke Lebendigkeit und Beweglichkeit manifestiert, daß hier die ״Jugendlichkeit“ des Jischuw zu einem gehörigen Ausdruck kommt. Aber in dieser Art von Betrieb liegen auch große Gefahren. S. ״Satan Propaganda“ Die erste und vielleicht die größte Gefahr liegt darin, daß sich in noch stärkerem Maße die Neigung einbürgert,, alles unter dem Gesichtspunkt der Propaganda zu sehen. Ls war eine unserer größten Hemmungen in der Palästinabewegung und in der Kolonisationsarbeit, daß wir immer von dem Widerhall der öffentlichen Meinung im Judentum und in der Welt abhängig waren. Propagandistische Gesichtspunkte wurden nicht nur ausschlaggebend für die Propaganda seihst, sondern für die Arbeit. Oft genug konnte man nicht rein von dem Standpunkt ausgehen, was die Arbeit als solche erforderte, sondern auch von dem, wie sie nach außen wirken würde. Man hätte glauben können, daß sich diese Tendenz proportional zum Wachstum des jüdischen Palästina verringern müsse, daß mit dem Moment, wo das Land eine Realität geworden war und nicht nur Stütze von außen braucht, sondern für die Galuth eine sehr reale Hilfe geworden ist, das Bedürfnis nach Publizität und Propaganda versiegen müsse. Die Entwicklang hat gezeigt, daß dies nicht der Fall ist. Die meisten der Veranstaltungen, die die letzten Monate brachten, stehen im Dienste der Publizität, der Publizität Palästinas oder ein-?einer seiner Unternehmungen, Institutionen und Projekte. Ja »och mehr, die Luft, die wir seit Monaten atmen, ist eine Luft der Propaganda. Denn notwendigerweise wird das Leben in diesen Wochen durchaus nach außen gerichtet, und der Besucher bekommt nicht das .,eigentliche“ Palästina zu sehen (oder nur mit großer Mühe!), sondern das Palästina der Feiern und Feste. Er kennt nur volle und geschmückte Straßen, überfüllte Hotels, festlich gekleidete Mengen, Gesang »nd Feiern. Er kommt, ob er oder Palästina es will oder nicht "ill, in eine Art von Rauschzustand hinein, in dem er alles in den buntesten Farben sieht. Und י—- das Gegengewicht dazu — so mancher wird die privaten und vielfach schweren Informationen, die er außerhalb der Feste von Freunden und Bekannten erhält, mit seinen von dem unaufhörlichen Betrieb aufgepeitschten Nerven als einen schreienden Gegensatz zu der allgemeinen Feststimmung empfinden und dadurch ein völlig unausgeglichenes Bild der Situation mit nach Hause nehmen. Die Propaganda bringt uns aber —■ und hier liegt viel- Licht die tiefste Gefahr — in eine Geistes v er• f a s s u 11 g, wo einzig die Quantität ausschlag- Reben d ist und die Qualität verdrängt wird oder sich schweigend in den Hintergrund?uriiek zieht. Es ist alles sehr laut im Lande geworden '1nd es rechnet alles mit Zahlen, mit Mengen. Es ist wohl Lein Zufall, daß die jetzt laufende Kulturausstellung — die חי sich eine sehr gute Sache ist, weil sie einmal zeigt, daß es neben Wirtschaft, Sport u. ä. auch so etwas wie die Anfänge eines geistigen Lebens im Lande gibt -- mit riesi- Ren Schriftbogen über der Allenby-Straße angekündigt wird. Sic wird eben mit denselben Mitteln propagiert, wie der Das Neueste in Kürze Von unserem palästinensischen gl.-Korrespondenten Tel-Awiw, 12. Mai 1935 Aus der Palästina-Wirtschaft Im letzten Jahre wurden in Palästina 25 neue Siedlungspunkte gegründet, davon v i e r d u r c 11 E i n w a!1dercrans Deutschland, in denen 800 Familien ansässig sind. 1111 ganzen bestehen heute im Lande 180 landwirt- Schaft liehe Siedlungen, mit einer Bodenfläche von I 3(X)000 Dunam. 62 davon sind mit Keren Hajessod-üeldern erbaut. Die G e I d z i r k u 1 a t i o n in Palästina betrug Ende April gegen 5'Millionen Pfund, das meiste in kleinen Noten und Münzen. 13 km südlich von Gederah beginnt auf Keren Kajemeth- Boden der Bau einer neuen Siedl 1111 g, die zu Ehren Ussischkins, des Leiters des Keren Kajemeth, Kfar Menacliem genannt ist. Es arbeiten jetzt zu Beginn dort 15 Menschen. Der W a ad L e u m i steht vor dem Abschluß einer A n - leihe mit einer englischen Versicherungsgesellschaft. Das Geld ist für den Bau von Schulhäusern in den Städten bestimmt. Aus deri Städten und Kolonien Die Polizei hat für die Ergreifung der Mörder von Schapiro, der in Keren Abraham erstochen wurde, £ 200 als Bel 0 11 n u n g ausgesetzt. Das jährliche Budget der Stadt Tel-Awiw soll £ 401 500 betragen. Außerdem verhandelt die Stadt mit der Prudential Assurance Company über eine Anleihe von £ 1 00001X). Die soziale Abteilung beim W a a d L c u mi (utiter Leitung von Miß Szoid) hat beschlossen, eine Besserungsanstatt für jüdische Kinder in der Art der Regierungsanstalt in Tul Kercm zu eröffnen. In den letzten 2'״ Jahren betrug die Zahl der jüdischen Kinder, die eine derartige Anstalt brauchen, in Jerusalem 150, in Tel-Awiw 100. Außerdem wird die Eröffnung einer Rcohachtungsstation für defektive Kinder vorbereitet. Das Gesetz, das eine Beschränkung der Mieten auch f ii r G e s c h ä f t s r ä u m c vorsieht, ist für T e 1 - A wiw in Kraft gesetzt worden. Die Liga zur Bekämpfung der Schwindsucht hat eine Aktion zur Aufbringung der Mittel für den Bau eines Sanatoriums für Schwindsüchtige begonnen. Der Keren Kajemeth hat für den Zweck 100 Dunam Boden in der Nähe von Kirjath Anawim (judäisehc Berge) zur Verfügung gestellt._ Es bestellt das Bedürfnis nach 300 Betten. Die Zahl der Schwindsüchtigen unter den Juden im Lande wird auf 3000 geschätzt. Die Munizipalität von Jaffa hat ein Budget von £ 100 000 für das laufende Jahr ausgearbeitet. Ein Teil ist für Wegebau und Kanalisation bestimmt. Die Munizipalität Jerusalem hat die Hausbesitzer verpflichtet, die Straßen vor ihren Grundstücken mit T rottoir» zu versehen. Die Siedlungen im tm ek Chef er (Wadi flawarith) verlangen von der Regierung die Weiterführung und rasche Beendigung der Drainage in den angrenzenden Sümpf e n, die unterbrochen wurde. Man befürchtet für die nächsten Monate eine starke Malariaepideinie, wenn die Arbeiten nicht sofort durchgeführt werden. Aus dem arabischen Leben R a f i k S c h c i k n a j« b Abu M u n a n! wurde durch den Disfriktsoffizier in Tukkerem für drei Monate nach Beth Schau verbannt und zu einer hohen (jeldkaution verpflichtet. Er war angeklagt worden, die Banden zu den UeberSallen in der Scharonebene organisiert zu haben, wurde jedoch aus Mangel an Beweisen vom Gericht frrigesproclien. Die Behörden griffen darauf zu den genannten administrativen Maßnahmen. Die arabische Presse kritisiert scharf das Vorgehen Dr. C 11 a Id i s, des neuen Bürgermeisters von Jerusalem, der in seinem Hause die Stadträte und die führenden arabischen und jüdischen Persönlichkeiten gemeinsam empfing. Die Zeitungen beklagen sich, daß es möglich sei, Juden und Araber unter einem Dach zusauimenzubringen. In Haifa fand eine Konferenz der arabischen J u g e 11 d o r g a n i s a t i 0 n statt, an der gegen 400 Delegierte teilnaltmen. Die Tagesordnung umfaßte Politik, Ein- Wanderung, Bodenkauf, Wirtschaftsfragen, Sport ttsw. Es wurde eine Reifte von Beschlüssen gefaßt und die Absicht ausgesprochen, wieder Demonstrationen zu organisieren, wenn die Regierung ihre die Einwanderung begünstigende Politik nicht ändere. Purimutnzug oder irgendeines der jetzt üblich gewordenen Massenfeste. Die ״Kultur“ greift in dem herrschenden Betrieb zu denselben Mitteln der Attraktionen wie alle anderen Unternehmungen. Um Leute in die Ausstellung zu ziehen, die ja wohl ihrer ganzen Art nach eher Hunderte als Tausende anzichen muß, macht man Aufführungen und Vorträge, jeden Tag gibt es eine neue Sensation, die mit großen Annoncen und Bildern in die Massen geschleudert wird. Es fragt sich, ob die ״Kultur“— ganz gleich, was sich nun unter diesem so schwierigen Begriff verbergen mag — sehr viel von diesen Dingen profitiert. Vielleicht wird sie gerade unter dieser nicht endenwoßendeti Kette von Veranstaltungen noch mehr ertränkt, als sie es schon ohnedies ist. Und es freut sich wieder einmal der Satan Propaganda, der einen unersättlichen Appetit zu haben scheint. 3. Tempo Niemand hat heute im Lande mehr Zeit. Zum mindesten niemand in den Städten, die ja die Mehrzahl der Juden aufnehmen. Es will so scheinen, als ob alles und jedes in Eile erledigt werden muß und als ob niemals ein paar ruhige Minuten zum Besinnen und Nachdenken bleiben. Man macht seine Arbeit, natürlich immer in Eile; und nach der Arbeit geht man seinem Vergnügen nach, natürlich noch mehr i!1 Eile. Es ist alles iiherhetzt und sehr unbequem. Ein großer Teil der Unbequemlichkeiten liegt an rn;1!igelnder Techn i k. Es ist verständlich, daß weder Stadtverwaltungen noch Regierungsbehörden mit der Entwicklung des Landes mitkommen. Der Kampf um einen Platz in den Tel-Avviwer Autobussen ist sprichwörtlich geworden. (״Matate“, das satirische Theater, das immer ein lebendiger Spiegel des Lebens ist, hat es ganz schön definiert: man wird beim Warten alt und grau, man bekommt unterdessen Kinder und der neue Einwanderer aus Deutschland hat sogar hebräisch gelernt, bis er einen Platz im Autobus erwischt . . .) Daß Züge überfüllt sind, daß sie mit dreistündiger Verspätung bei einer vierstündigen Fahrt eintreffen, ist nichts Außergewöhnliches mehr. Sich auf das pünktliche Ankomrneit von Briefen oder Telegrammen (!) im Lande zn verlassen, zeugt von einer unheilbaren Naivität. Zu telephonieren ist in den Geschäftsstunden eine böse Nervenprobe. Es scheint, als hätten sich die Engländer im Lande, die sonst als sehr genau und exakt bekannt sind, an die Juden assimiliert, die gewohnt waren, im Lande Aufgaben anzupacken, die über ihre Kräfte gingen und dann irgendwie mit den Schwierigkeiten fertig wurden. Jedenfalls sind die von der Regierung geleiteten öffentlichen Di ernste fast in allen Abteilungen ein Beispiel dafür geworden, wie man es nicht machen soll. Dem entspricht auch das öffentliche und geschäftliche Leben. Verabredungen werden nicht eingehalten, Verspätungen sind an der Tagesordnung; Erledigungen, die normalerweise zehn Minuten verlangen, dauern Stunden. Kurz, unter dem sich mit reißender Schnelligkeit dahinwäl/enden Strom des Lebens, der jeden Fußgänger laufen, jedes Auto rasen läßt, wickelt sich die eigentliche Erledigung der Angelegenheiten sehr langsam ab. Ob man mit einer öffentlichen Institution oder einem Handwerker verhandelt, nichts ist einfach, alles verlangt Alle Ihre Bücher von der Buchhandlung; am Zoo Fritz Ring Charlottenburg, Joachimsthaler Straße 43-44 Mitglied der jüdischen Gemeinde Telefon BUmardk 6506 Zusendung־ nach allen Stadtteilen doppelte und dreifache Arbeit. Das Tempo — ist eben keines. 4. OStte Die letzten Monate hindurch stand Palästina im Zeichen der Gäste. Besucher aus (lein Auslande, Besucher aus anderen Städten füllten alle Häuser und alle Institutionen. Palästina ist stets gastfreundlich gewesen. Auch die kleinsten und ärmsten Haushalte standen jedem Besucher zu allen Tages- und Nachtzeiten offen. Es war normal, daß man für längere oder kürzere Zeit zu Freunden ging, daß man in den Siedlungen, die man besuchte, Unterkunft und Beköstigung fand. Ebenso war es bei den relativ kleineren Verhältnissen für jeden aktiven Zionisten und für jeden ״wichtigeren“ Besucher eine Selbstverständlichkeit, daß er die führenden Persönlichkeiten des Jischuw aufsuchtc. Dieses Jahr erschienen plötzlieh um die Peßach/eit Meldungen in der Presse, eine hinter der anderen in langen Reihen, alle im selben Wortlaut: ״Die Kwuzah (folgt der Naim) teilt mit, daß es ihr unmöglich ist, zu den Feiertagen unangemeldete Gaste aufzunehmen oder zu beköstigen." Diese Notizen bedeuteten geradezu eine Revolution in der palästinensischen Tradition, nach der alle Siedlungen zu allen Zeiten für Besucher offen waren. Daß sie gebrochen wurde, zeig(, daß die Verhältnisse absolut u n t r a g b a r geworden waren. In den Kwuzoth, insbesondere jenen, die leichter erreichbar sind, stauten sich Touristen und Besucher (im Frühling ist in Palästina alles unterwegs, was sich frei machen kamt) zu Hunderten. Die Siedler hatten Wochen hindurch keinen Raum mehr zum Schlafen, sie mußten das Doppelte und das Dreifache kochen und vielfach blieb auch dann für sie nichts übrig. Die Mehrkosten wuchsen. Die Arbeit litt. Bis man sich dann schließlieh zu jener Zcitungsineldung entschloß, die freilich schon reichlich spät kam. Was für die Siedlungen gilt, stimmt zu einem großen Teil für Privatleute, uml der Besuchei ström beginnt die Arbeit in den Institutionen ernstlich zu hemmen. Jerusalem hat die letzten Monate hindurch geradezu in ״Empfängen“ geschwelgt. Immer wieder mußte man dem und jenem Gast, dem und jenem ״Prominenten“ die Honneurs erweisen. Die ohnedies überlasteten Mitglieder der Exekutive, des Waad Leumi usw. mußten neben ihrer Arbeit noch an einer nicht endenwollenden Fülle von gesellschaftlichen Funktionen teilnehmen. Taten sie es nicht, so drohte der ״Satan Propaganda“ mit seiner Rache. Sind doch unsere Führer nicht nur zu sachlicher Arbeit da, sondern auch zu allen jenen kleinen Dingen, die oft mehr nervenaufreibend sind als die Arbeit als solche . . . 8. Lebensstil — Erziehung Ueberdcnkt man diese letzten Monate des Hochbetriebes im Zusammenhang mit der Palästinaentwicklung, so müßte man eigentlich sagen; es wird hoffentlich. noch schlimmer werden. . . . Denn diese Ueberschwemmung mit Besuchern, diese nicht abreißende Kette von Festen, dieser Rausch über das Wachstum, diese Zahlen nach Tausenden und Zehntauscnden — all das ist ja nichts als einer der vielen Spiegel unseres Wachstums. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Ruhe und K i r c 1111 o f s s t i 11 e, einen Unterschied zwischen dauern d e r H c t z e und rascher Arbeit, einen Unterschied z w i - sehen Festen, die als eine echte und willko 111 mene Zäsur die Arbeitsabschnitte trennen, und jenem Rummel von Veranstaltungen, der Arbeit- und Feststimmung gleicherweise gefährdet und die Vorstellung ein wurzelt, daß nur dann Feste bedeutsam seien, wenn sich Tausende dabei möglichst eng und unbequem, mit möglichst viel Lärm und Photographen

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