Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 39 (14.5.1935)
- Date
- 1935-05-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1 JDDISCHE RUNDSCHAU Berliner Rundschau NR. 39, 14. MAI 1935 Zum 80. Geburtstag von Pauline Münchhausen Es Ist eine Pflicht der Dankbarkeit, derer zu gedenken, die Lebensmöglichkeiten für unsere alte Generation geschaffen haben. Zu ihnen gehört Pauline M ünch hausen, die ihr ganzes Leben hindurch in vorbildlicher Weise praktische Menschenliebe geübt hat, und die ain 25. Mai 80 Jahre alt wird. Sie ist die Schöpferin eines der schönsten Altersheime in Deutschland: des Israelitischen Lehrerinnen- Heims in Bcrlin-Lichterfelde. Jahrelang reiste sie in fast ganz Europa umher, um für ihre Idee Freunde und Helfer zu werben. Aber erst nach 13 Jahren (1800) unermtidlicher Arbeit konnte der Gedanke in die Tat umgesetzt, konnte der Verein ,,Israelitisches Lehrerinnen-Heim“ gegründet und ein erstes bescheidenes Heim in einer Steglitzer Mietwohnung mit sechs Insassinnen eröffnet werden. Durch die Schenkung des Phiianthropen-Paarcs Max und Nanny Wygodzinsky wurde der Bau eines eigenen Hauses ermöglicht. 1003 zogen 26 jüdische Lehrerinnen, die in verschiedenen deutschen Orten tätig gewesen waren, in das Heim zu Berlin-Lichtcrfclde ein, das in jeder Hinsicht von der einfühlsamen Fürsorge seiner Gründerin zeugt. Pauline Münchhausen gehört als Ehrenvorsitzende dem Vorstand an, und mit fast jugendlichem Eifer bewältigt sie noch eine Fülle von Arbeit. Etty Hirschfeld. Von der Schekel-Aktion Ein Vortrag von Kurt Blumenfeld Aus Anlaß der Schekel-Akfion hatte die BZV. die Mitarbeiter bei ihrer Schekel-Werbung zu einer ״Instruktionsstunde“ in den Brüderverein gebeten, um liier vor dem Beginn der Arbeit noch einmal den Sinn und das Ziel der Aktion durchzusprechen. Kein Geringerer als Kurt Blumenfeld hälfe die Aufgabe übernommen, die zahlreich erschienenen Werber in einem umfassenden Referat über die Bedeutung der Aktion aufzuklären. Nach einer kurzen Begrüßungs-An- Sprache von S. Tschertok, der insbesondere die Not- Wendigkeit betonte, die Sympathie der Massen in zionistische Aktivität überzuführen und dadurch die zio¬ Atelierbesichtigung bei Prof. Eugen Spiro. Zum Besuch von Prof. Eugen Spiros Atelier hatte der Kulturbund eingeladen. In dem großen, hellen Atelier hängen an den Wänden und stehen auf Staffeleien all die strahlenden, leuchtenden Gemälde der Spanienreise und neue und frühere Gemälde von der südfranzösischen Riviera. Das leuchtende Meer beim Eingang zum Garten der Rothschild-Villa und ein allcrncucstes, das diese Villa, ein schönes, einfaches Haus, nun auch selber zeigt. Ein grüner Torbogen davor, vielleicht aus Kletterrosen, die Steintreppe eingefaßt von einer UcberfüIIc weißer Blumen, eine Palme, und ringsum in Andeutung geahnt, der herrliche Park. Interessant die Gegen- Überstellung früherer Bilder aus dem Süden. Vom Jahre 1923 an sehen wir die Entwicklung, wie die Bilder freier werden, heller und leuchtender. Eine Reise nach Marokko mag das auslösende Moment gewesen sein. Eine Straße in Tanger 1924, leuchtend weiß, blau getönt von Sonne und Helligkeit, zeigt den Gegensatz besonders deutlich zu dem Bild der Bucht vom Jahre 1923. Südfranzösische Gemälde von 1926, 1928 und 1930 erkennt man an der Farbstimmung des Rosa und Grau; in dieser Zeit spürt man etwas Getragenes, Ruhiges, Ausgeglichenes. Der Knabe in Blau an einem Fenster mit dem Blick aut den Quai hat ebenfalls etwas von dieser schönen Südstimmung. Nächst den bekannten großen Porträts von Gerhardt Hauptmann und Bassermann fesseln sehr gute Akte in gedämpfter Helligkeit, in meisterhaftem Spiel von Licht und Schatten: ״Das Mädchen, das eine Apfelsincnschcibe ißt“, ״Das Mädchen am Toilettentisch“. Sehr viel beachtet wurde das Porträt einer weltklugen grauhaarigen und doch charmanten Dame der Gesellschaft. Hatten bleibt der Eindruck von spiegelndem Wasser und Segeln (Bretagne) und eine helle, zarte Landschaft vom Bodensee. Ein zeichnerisch delikater Vergnügungsdampfer, die schon südliche Freiheit des Treibens auf dem Weg zur Anlegestelle. Ruth Morold Feier aus Anlaß des 75. Geburtstages von THEODOR HERZL Donnerstag, 16. Mai, 20.30 Uhr Bachsaal, Lützowstraße 76 KURT BLUMENFELD »Theodor Herzls wirkende Kraft« Chöre aus Handels *Judas Makkabäus« Jöd. Chorvereinigung — )öd. Ordbeiter״ Vereinigung — Dirigent Leo Kopf Solisten( Alice Geisenberg, Rieh.Dresdner »Aus Herzls Leben« — eine Chronik Sprecher: Herbert Maihoff Karten zu RM 1,—0,75 ,׳ u,ö,40 (Jugend!, durch die JugendbDfide RM 0,20> im Reisebüro Atlantic ״ Express, Friedrichstraße 100/ Finder, Alte Schönhauser Straße 54; Konditorei Hansa, Flensburger Straße 19/ RZV״Heim, Kantstraße 54/ Buchhandlung Rosen bäum, Memeke• Straße 10/ Büro der BZV, Meinekestraße 10 und an der Abendkasse BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Der Bericht über die Veranstaltung der BZV. ״Bodenspende jüdischer Künstler“ hatte Dr. Gerhardt N e u m a n n zum Verfasser. nistische Position zu stärken, bestieg unter lebhaftem und nicht endenwollendem Beifall Kurt Blumenfeld das Podium. In einer groß angelegten Rede gab er einen Ueberblick über die Entwicklung Palästinas und die Gefahren, die dem Aufbau durch mancherlei menschliche Unzulänglichkeiten und durch die politischen Quertreibereien gewisser Gruppen erwachsen. In der jetzigen Blütezeit sei es eine allgemein zu beobachtende Erscheinung, daß der Individualismus sich besonders ausgebreitet habe, und die Konsequenz sei, daß eine neue Art von,Galuth in Palästina zu entstehen drohe. Man müsse aber begreifen lernen, daß die wichtigste Aufgabe, die wir haben, die sei, die zentrale Regelung der jüdischen Lebensverhältnisse herbeizuführen, weil nur auf diese eise für kommende Zeiten vorgesorgt werden könne. Jewish Agency und Zionistische Organisation säen die einzigen legitimen Träger der jüdischen Nation. Petitionen an den Völkerbund oder sonstige Sonderaktionen sind lediglich Dokumente der Kraftlosigkeit, die niemals zu dem gewünschten Erfolge führen — oder vielmehr zu einem negativen: indem nämlich England unter Umständen einer gesamtzionistijüi \V sehen Forderung das Argument entgegensetzen könne, andere zionistische. Gruppen seien anderer Meinung. Der Redner nannte einige Beispiele für diese gefährliche Sanderpolitik. Auch am Beispiel der Besiedlung des Landes zeigte Blumenfeld die Notwendigkeit einer zentralen Beeinflussung und Leitung des Aufbaus, weil sonst das Mißverhältnis zwischen Stadt und Land immer größer würde. Der Redner sprach dann über die Bedeutung der Anleihe, die die Agency von einer englischen Bank bekommen hat, und die ein Zeichen für das Vertrauen der nicht jüdischen Welt zum jüdischen Aufbau ist, und über die Hule-Kon- Zession. Für uns aber ergebe sich nunmehr die Notwendigkeit, den Aufbau wirklich zu vollbringen. Es gibt nur eine Möglichkeit: die Zionistische Organisation auszubauen und stark zu machen. Unser Recht auf Palästina muß immer wieder dokumentiert werden durch unsere Stärke. Und diese Dokumentierung unserer Kraft wird erfolgen durch die Beteiligung der Massen an der Schekel-Sammlung. Durch den Schekel beweist das jüdische Volk die Stärke seines organisierten j>olitischen Willens. Die politischen Versprechungen sind nicht dem Jischuw in Erez Israel, sondern der Zionistischen Organisation gemacht worden. VVir wissen, daß das jüdische Volk heute reifer und geeigneter zur zionistischen Entscheidung ist als in früheren Jahren. Wir wissen, daß heute Millionen Juden das Programm des Zionismus anerkennen wollen, daß sie aber keine Gelegenheit haben, ihren Willen zum Zionismus zu dokumentieren; denn die Schekel-Aktion ist heute in Deutschland mehr ein Programm der Organisation als der Propaganda. — Es kann für den Kongreß von großer Bedeutung sein, daß der deutsche Zionismus auf ihm stark vertreten ist. Die Möglichkeit besteht, die Zahl der Schekelzahler gegenüber früheren Zeiten zu verdreifachen und zu vervierfachen. Alles hängt von der Pflichterfüllung unserer alten und neuen Mitarbeiter ab. Wenn wir in früheren Zeiten unseren Mitarbeiterkreis für die Schekel-Aktion zusammenriefen, so wandten wir uns an einige [blitzend bewahrte Gesinnungsgenossen. Dieses Mal haben wir 700 Helfer eingeladen, von denen fast alle erschienen sind. Eine interne Sitzung, die gleichzeitig eine große Versammlung ist. Von dieser großen Zahl von Mitarbeitern soll die Aktion in Berlin getragen werden. Sie alle müssen wissen, daß die Zahlung des Schekels, dieses höchsten Symbols des Zionismus, von entscheidender Bedeutung für die Wirkung der zionistischen Idee auf allen Gebieten des Lebens ist. Ir! den Staaten der Welt werden alle innerhalb der Landesgrenzen lebenden Menschen gezählt und man errechnet aus dieser Zahl die Größe des Volkes. Wij können nur diejenigen ganz zu uns zählen, die sich zu uns bekennen. Wir sind der Teil des Volkes, der das Volk repräsentiert und vom ganzen Volk verlangt, daß es sich von uns führen läßt. Zur Durchsetzung dieses Ansprüche« gehört es auch, daß sich die tragende Volksidee in einet großen, ständig wachsenden Zahl jüdischer Menschen reprlisen• tiert. Bedeutung und Kraft der zionistischen Bewegung müssen auch in der Zahl der organisierten Mitglieder der Organisation zum Ausdruck kommen. Die Rede fand die gespannteste Aufmerksamkeit dei Erschienenen und hinterließ einen außerordentlich tiefen Ein• druck, der sich zum Schluß in stürmischen Ovationen füt Blumenfeld äußerte. Dr. N. Berichtigung, fn dem Bericht über die Frühjahrs-Aus- Stellung Berliner Jüdischer Künstler in Nr. 38 vom 10. 5. ist ein Satz in einer Form erschienen, durch die der Anschein erweckt wird, als sei auch Chagall auf der Ausstellung vertreten. Dies ist nicht der Fall. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der B.Z.V. Dienstag, 14. Mai 20.30 Uhr Rcrolma-Feslsäle, Schönhauser Allee 28 S. Tschertok: Aufbau oder Chaos? ”־- Aufgaben des XIX, Kongresses. Gruppe Nordring Dienstag, 14. Mai BZV-Heim Brückenstraße 9 Dr. Georg Lubiniki: ,.Die Gemeinde and vir** Gruppe J anno witzbrücke Dienstag, 14. Mai Caf6 Trumpf Kaiserplatz 12 Dr. Leo Sehertk: -Der deutsche Zionismus and der XIX. Kongreß" Gruppe Kais erplatz Heim de* Religion®- Dr. SaiÜ Hirsch: ..Vor dem Kongreß 1935: die inner- Gruppen Schmar* genaorfu. Steglitz 20,30 Uhr Vereins, Stierstraße 21 zioai.tiichcn Strömungen im Weltzioni.mm" BZV-Heim Dr. R, Abraham: Palfistin« — Wirklichkeit and Aufgabe" Schulungsgruppe 20,30 Uhr Kantstraße 54 anschl. Aufführung des Amateur-ReisetUms »Erez Israel** Iwria Mittwoch, 15. Mai 20.30 Uhr BZV-Heim Landsberger Str. 87 Ribb. Dr. Emil Bemh. Cohn: .,Palästina heute und morgen" Bezirk Friedrichshafn Aufführung des Amateur-Heise filmt ״Erez Israel" Gruppe 20.30 Uhr KantstraSe 54 •.Goldschmidt: ״Neue Epoche — neue Entscheidung" Savignypletz Donnerstag. 16. Mai 20.30 Uhr Bachsaal, Lützowstr. 76 ״Feier anl&fllldi des 75• Gabcuptstags von Theodor Henl“ s. Textanzeige. B Z.V. Sonnabend, 18. Mai 11.15 Uhr BZV-Heim Brückenitraße 9 Oncg Schabbat Lejeladim, Rabb. Kand. H. Meyer Gruppe Janoowltzbrücke LagB®omar-F®lar / Aufführung de« Amateur-Reise filmt ״Exez Israel1‘/Ansprache: Dr. Alfred Rabau. Gruppe 20.30 llhr Oranicmtraße 170 Kottbusser Tor AN-UND VERKAUF Kauft höchstzahl.?eeer. Kasse rßrSfüWßDDICIm Krisen, KurfDrstcnilamm 45 *** ***** IWHPHWWj 1 Bi«m. 951 u. J 2 Oüv» 5918 Bacher Bibliotheken, kauft Matth•!, Martin- Luther-Str, 4 Barbarossa {B 5) 2855 Bochiraimwi $ Guttfeld, Steinmetz• straßel.Kurfürst 4750 GarMenkaiil «amtliche Herren•» Dam an - Garderobe, Pelxgegeaatlnd«, Schtthw. Perelmann, Uhltndttr.14.Cl, 0861 Verlangen Sie überall die Jüdische Rundschau Betragsne Herrengarderobe Wäsche, Nachlafisachen, kauft höchst zahlend Hänfling, Charlortenburg, Krumme Str, 80, C 4 Wilhelm 4073 Klemer-Einkauf Herrengaroerobe Damensachen. Pelze NachlaSsachen SCHLESIN0ER Charlottenbur; Jetzt 1 Bsamerckstr.31 C4 Wilhelm 4505 Kemme unuer&mei. Gatrag, Herrengarde• robe u, Nachlaßsachen höchstzahlend SCHLE1DER NO 18, Landsberger Str. 34. 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