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Jüdische Rundschau · 1935-05-14 · Heft 39 (14.5.1935) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 39 (14.5.1935)
Date
1935-05-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE RÜNDSCHAÖ Nr. 39, 14. V. 1935 Aus dem Reich Von u nsoren Berichterstattern Breslau. Die chaluziscficn Hürule gestalteten ihre Cfwrfolge ״Hador Bamaaleh“ zu einer maeht vollen Kundgebung•. Idigar Freund halte ein Orchester un<l einen (.,hör auf die Beine gn^telh, die berufen sind, für die Verlmd'un״ u!״j Propagierung der zionistischen Idtu zu s »rgen. Das Ta!1entz!cnth<־ater war üherlüllt und dankte mit großem BcilalJ. Am (c April hielt, der Vor-,זand der lirtslauer Synagogen״ genuinde in 11er übe!! ü! l!en Alten S\11agoge eine Maiinonirle•' - leier ab. Die hegt Uteri nulgemunmenc Fe-liede lue 1t. Proies-mr Di. Isaak 1 k'inernann v״m Jüd.-theol. Seminar. Der Männer- und Knabenchor der Alten Synagege unter Leitung von Dirigent Anspach brachte zusammen mit Oberkantor A. Weiß ,.Jig'lal“ und ,,Adauu Aulom“ in würdiget U’eiM' zntn \’or!rag. 1*. G. K. Dortmund. I )er /ioniu hebe <'•nippen verband Rheinland und Westfalcn hatte am 7. April zu tiner KreKtngung eingelad<׳n. Ungefahr 200 Gesinnung-genu^seti au-. 21 Orten folgten der Kinladung. Der \״ormittag wurde durch ein au ׳■gezeu-bnetes Reterat von l)r. S. \Va> •ernuiim, ( )berhausen. über ״/bonU!i.־,ehe Situation 1935 ־—־ Probk* me und praktUchc Auigabe!:‘4!,)eben echt. Die I)1sku>si<m, die durch Korre!׳;!«)!*• Dr. Neulierger. I )m-eldert, Sehaul Weinlnrng, Köln, und Di. GapeU, 1 )u Id-u f, (■ingeleitet wurde, stand auf einem brachtlit heit Niveau. Im Mittelpunkt der Naehmit!ag-dtzung stand das Referat \י >n Adolf P dluk, j( ׳u-a!en1. dem Mitarheiter Tlieodor Hcr/Js und \<»1kämp:er de- KR!,, über ,.DF zentrale Bedeutung des B*!denprohk nn in!'־,! la •nur, D!r von holier Sachkenntnis und tietern et a u; w« u!!!!;;> -;,M-:!1 bi 1!!! Au ־!ubi!1!1g-־u gaben Anlaö zu zahlneben!־tag•׳.. Dane. ,׳-!!״ n '. ׳ Skeid ti Ar i »e! t d 1e>pree!i!jngen statt. Dm Ah-!Ft■; de- 'leg, -!):!dl'־׳‘ eine Kundgebung der ZionistiM-hen Ort-grtipp-!; m״ol \'or m״a 50() M.'tw'hrn pirnhcti Adolf Kodak, Ire; .!hui, Dt. Nrnh־t,yi. Ds I'■-.־■ Ido} t. l׳l. (',ipilh I )!Km'!- d’U!. De׳ «,:!,<;d! aD gen I du. huk hm! er la-'-ende \'< ran-t.dtuiig nmL'ie \׳<;r/־e,g \\1 gen l ׳:1!!! ׳!!!ii:g g! -־ hD--rn w0(kn. Frankfurt a- M.! >io Veremigm.g Idanklurt a. M. hat ־aii -י n ■n ־- J.iii?־■׳! m!'! -! >:!dn rm M.iL'h׳ dm Kriege judn-eher Moo, uneh dm.(; -,.!!:;:eg 1 .g uer k1!׳׳/!n‘־ angeiigen m-iu la— en. Mn‘-׳Oa de 1 D1 i :••־lg!;!!!■ e u < nd 1_gef u 1־׳ m « men tmdir <Mler wenig־.'׳ unp: . e:nn < :1־0.11.0,,־ tragen, fia -h־ deh ment au! eine le-tgf''!׳,g'e Mn Atifga:. .0.11; ■aut/■!! Dumo-n. so gelang o jetzt, anlaid- HD1!!er K;!o:n;h.i \ \ ■ ־ >!1 יי. den kuhmbund tiir einen Ai)end judi-idier Mu-:k /11 gewinnen und ein Im! \ < >t tage::• |»•- Um.-! Rn-Dam Niveau so herzu-’( 11!!!,!■. Km/!!1 nunie m.t <b•-, iiägeit einekna!.H׳n< horx beg'Ua.en, dm nn:!r DD'ung v< >n Dt. Uhrenn idt j!a la-1 men-sm: he \ י d k - - Und Ko.'l: da d־׳r zum \orlt1g hiaehie, detett reizvolle lu-min!e־nJ a!!־׳gh g ua g lle:ber; I11!׳nun n ו! t leimr Fm! ul!lang in die lagenweit der ■״■libdemi M-.Ddoh g11־ igo hatte, \d >1 k״! u t n hrhe Fieder (!׳- jiidi■■!,!. '־, t)-1,׳s. w.ian dem ׳יין>:und,!1 Hao!‘!!es im Jiddiselten u1ni II! Da: du■;! -!•dr e;׳uhnnet! N.uigers Janko KauBmann knvertraut. Duhd.anm!' A'!:-!,n lv-\׳ Halm vermitndn■ mit kluger Gestaltung und Uuir i vie! n־r ^!ttnme l.vrik v.,!t F!1g!־l. Mdhier, Bramlmann. G m׳- ■in, i am .,<>!«!!׳-'e; "0:0e r,a< I! nidi ■■dien Volksweisen“ vnn 1 lerbu ז Fromm l!1,oi!׳c der Iv >n1p׳mi-t seihst zu äußerst erfolgreiehrr t ’! auttuh! ung. Aul d!־׳-e- Werk *ei bei dem Mangel an wertvoller judi-eher 1 1H nnnuit a!,nu-ik mit allen! Nachdruck hingrwie-en. K>er .Abend gppielfe in d<־r Wiedergeburt der ״Iladihuk- Suite“ von _f. Ftigel, für die sieh!Jans Wilhelm Steinberg mit seinem ganzen Teinpe! anient eiimotzte. Fr gab der eigenartigen Mimik dne solche klangliche Vollendung und GmuId-warme, daß die Hörerschalt auii tiefste b.ruiut wurde. Der Beilall des Publikums war spontan und!1e!/li!h. ihüicit •wir. daß der Kuh urbitnd den jetzt cifige-ehlagciu-n Weg mit gleiehem }־dd’olge weitergeht. Fs wird dkm Bemuhn! auch -einer s׳>n-tigen Arbeit zugutekommen, da er sieh damit .Anhänger in einem Kreise gewinnt, den er bisher noch nirht ganz cr?a--eu k־um!e. -F- Hannover. S!udi<׳n1at i. R. Dr. Schwarz hat die Konzession für eine private pidt-die Volk--‘■'un\c erhalten. Die Schule ist. mit vorläulig vier KLm-mn, viir Fchtauti und 86 Schülern eroilnct worden. Ah Ttager dm Schule ist ein jud! -«■her Sehulverein gegründet worden, de-.sett Wr-ü/emD Dt, Wo! und Re<'i1t -anwalt. Bl!s k sind. Worms. I >ie .1he.su• jud.״ in• ( Idii! itale in ])!■ut ■miiland, Worms, hat in der Sy1,ug־me die Fnniittmg einer judi-«־l־,en Schule geleiert. In den Aü-pM'hrn \״n Rah!.im! D!. II o! z c r, rhun Vorstand der Gemeinde, 1 h\ T! v i!1 und d: m S< I:u1 Fiter R י־ s e ri h u - e h. kam die Bedmcuog de. Feg י zum Au-dock. /u ־1!־i imF sind yi zahlreiihc Autn׳ idufggeu 1»,:.׳’g'. ־!al.'1 ,hr Br-a.tnd alg־s -1cl1«׳n D.־/eichnet w«׳r<U־?\ kvai (hcv.it ia jit/t in allen in Be'naeht kommenden Gena ׳teil!ו!-־-■ - •11 11; ,־ cm«• ]1!dv<h!■ S,־huic it,- FcIh'I) geraten worden. Dr. S. Ankündigungen Frankfurt am Main: Ccsdls(!,alt für jüdische Volksbildung. Am 20. Mai, 20.30 C11 r, i'.n Verciuslums, KscUer-hcimcr LimdsU. 27: I-icdcT-Al,tml. (ierta Up1)C״l1ci111 und Janko Kaiilfmann singen aus Werken von J, S. Bach, Jos, llayiln, Max Bruch, sowie 051 jüdische \ olk.lieder; am Flügel: C :׳: Morgens,ern l.orsch. — Hlndenburg (Obcrschlealen): Gruppenverbandstag Oberschlrtien am 19. Mai, Beginn t4 Uhr, in der Loge (Kochmanns Hotel). Referenten: Dr. Schloßberg, Berlin, ״Ueber die lionistische Situation vor dem 19. Kongreß“, Friti Oppenheimer (Hechaluz), Frlti Tau, Beuthen (Oberschlesien). 20.30 Uhr: Öffentliche Kundgebung: Referent: Dr, Schloßberg: ״Der Zionismus als Träger der jüdischen Zukunft“. —- Jüdischer Kulturbund Rhein-Ruhr. Vortrag Uan5 llmrich (mit l.k-htbilde::!, iilnr 'Ihrma: ,.Wie ein F!!m cn,5!eht“. ln Aachen: am 10. Mai, 20.30 Uhr. Wein,aal des Stii.lt. Konzerthause!,; Krcleid: am 18. Mai, 21 ldir, Gemeindehaus!,iobfrauen, Weiters!raße; Hebräischer Sprachverein Breslau. Lehrerausbildung. Vom Hebräischen Sprachverein werden Vorbereitungskurse für den Besuch der hebräischen Lehrer- und Lchrcrinncn-Seminare in Palästina eingerichtet. Die Ausbildungszeit ist auf etwa zwei Jahre berechnet. Zum Eintritt berechtigt das Zeugnis der mittleren Reife. Das Prograinin umfaßt judaistische Disziplinen, allgemeine Schulfächer, fremdsprachlichen Unterricht, technische Schulung und spezielle pädagogische Ausbildung. Die Ausbildung übernehmen Dozenten des Jüdisch-Theologisehen Seminars, der Hauptlehrer der Breslauer hebräischen Sprachschule, J. Re/nicow, die Leiter der Breslauer jüdischen Schulen und Fachlehrer. Die Teilnehmergebühr beträgt 20 Reichsmark im Monat. Die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, Berlin, hat die Ausbildungskurse für Zuschußfähig erklärt und ihre Bezirksstellen angewiesen, bedürftigen Bewerbern entsprechende Stipendien zu gewähren. Dauer des ersten Semesters vom 2. Juni bis zum 15. September 1935. Anmeldungen und Anfragen an Seminarrabbiner Dr. J. Rabin, Breslau, Wallstraße 14. Aus der Arbeit des Herzl-Klub Breslau. Es dürfte bei allen Gesinnungsgenossen, die jeden Teil der zionistischen Bewegung beachten, Interesse finden, welchen Aufschwung der Herzl-Klub Breslau nimmt. Besonders erfreulich ist, daß der Kreis wächst, ohne etwa dadurch die Werbetätigkeit ihm nahestehender Verbände zu beeinträchtigen. Wer aber glaubt, daß sich dieser Aufschwung in feierlichen Veranstaltungen dartut, z. B. zu Chanukkah oder Purim, sieht nur die Schale. Eher kommt der dem Kerne nahe, der sich sein Urteil aus den Sonderreferaten von Rabbiner Dr. Simonsohn ״Meine Palästinareise“ oder Dozent Dr. Rabin ״Maimonides“ bildet. Wenn einmal der Statistiker kommen sollte, der Vergleichszahlen über den persönlichen Anteil am Palästinaaufbauwerke aufstellt, so würde sich zeigen, daß dabei in der ersten Reihe auch der Herzl-Klub steht. In diesem Zusammenhänge verdient betont zu werden, daß die aus allen Her/I-Klubs in großer Zahl nach Erez Israel übersiedelten Bundesbrüder sich um die Einordnung der Nachkommenden im Lande stets nach besten Kräften bemühten. Walter Dan ziger Mannheim Dr. Michael Traub spricht am Donnerstag:, dem 16. Mai, abends 8l/2 Uhr, 1m Saal der August- Lamey-Loge C 4, 12 über das Thema: ״Vor aktuellen Problemen des Palästina-Aufbaus“ Unkostunbeilrng für Krwarhseiie 50 RpF, für Jugcn<lli<־he 20 Rpf., m Mannheim bei den. /i^arrvnhiiuRfrn Renner), Bauer. Böhrn, Stock, Doiny; in Fudwigsliaten Bettenhaus Grom- Facher und in hcM-hränkter Anzahl an der A U.'ndka vse. Köln: 20. Mai, 20.15 Uhr. Rlicmtand-F-o^c; Dortmund: 21., 22. und 23. Mai, 20.30 Uhr, Gemeindehaus; Konzert Boris Schwarz: Recklinghausen: 18. Mai, 21 Uhr, Gemeindehaus: Wuppertal: 19, und 20. Mai, 20.30 Uhr, Fraucnklub; DuFhurg: 21. und 23. Mai, 20.30 Uhr, Thtx>de!r-Fauter-B aus; GeFenkirclien: 22. Mai. 20.30 Uhr, Loge. — Marburg: ZOG. Am 19. Mai, Vortrag Dr. Pomcranz, Frankfurt am Main: ״Unsere Zukunft, der nächste Tag, Schicksal und Weg der deutschen Juden“, im Erziehungsheim, Schulstraßc. Familien-Nachrichten Herr Benno Bcyth, Mühlhausen (Thüringen), begeht am 15. Mai den 88. GebuUstag. Frau Emma Keiser, II.mein a. Weser, Ritterstr. 1, begeht am 20. Mai den 70. Geburtstag. Frau Beria Ring, geh. Wi-ndtincr, Breslau, Viktoriastr. 47, begeht am 15. Juni den 75. Geburtstag. Herr Hermann Schiirmaii n, Wer] (Westfalen), begeht am 25. Mal den 96. Geburtstag. Bar Mizwah-Termine Am 18. Mai ■—• 15. 1 jar: Laac Oppenheimer, Sohn von Joseph L. Oppenheimer, Frankfurt am Main, Am Tiergarten 2. Zionistischer Kreistag in Oldenburg. Aus Bremen, Bremerhaven, Varel, Wilhelmshaven. Jever, Aurich, Kibbuz Westerfeld, Emden, Delmenhorst, Oldenburg und Harburg-Wilhelmsburg waren etwa 80 Teilnehmer zu einer Tagung der Ortsgruppen und Vertrauensleute erschienen. Dr. Kurt Iv a 11 o w i t z, Berlin, Irenelitete iilx.*r die Situation der zionistisehen Bewegung im deutschen Judentum und zeigte anhand einer eingehenden historischen Darstellung der Assiniilation im 19. Jahrhundert die Fragwürdigkeit der heute gegen den Zionismus erhobenen Kinwiindc; sodann erörterte er die großen Mbgliehkciien, die sich durch die Aufnahme der Anleihe und den Erwerb der Htile-Konzession für die zionistische Kolonisation eröffnet haben. Narb dem gemeinschaftlichen Mittagessen führte Frau Hedwig M ö I - ler, Hamburg, einen Film vor, der die Arbeit der palästinensischen Institutionen der Wizo_ schilderte und insbesondere bei den Toilnehmerinnen großes Interesse fand. Am Naelmiittag erstattete der Bezirkssekretär des Keren I tajessod, llcrlx'rt Cohen, Hamburg, ein grundsätzliches Referat über das Zusammenwirken von nationalem Kapital und privater Initiative beim Aufbauwerk, ln der Debatte unterstützte vor allem Dr. Kretschmer, Emilen, auf Grund seiner kürzlichcn Reisecrfalirtnigen in Palästina lebhaft die Forderung nach Stärkung der nationalen Fonds. Die Tagung fand mit einer aus den Kreisen der Oldcrduirgcr Gemeinde -ehr gut besuchten Kundgebung, auf der Dr. Kurt Kanowitz und Dr. Walter Groß, Hambürg, über die Aufgaben einer jüdischen Berufsjxjlitik und für Chaluziuth sprachen, einen würdigen Abschluß. Da« Itraelitiiche Mädchcnhtim in Frankfurt am Main. Die Bedeutung der Heimerziehung für das jüdische junge Mädchen wird heute auch von denen betont, die ihr früher mit Vorbehalten gegenüberstanden. I)as Heim stellt, wenn es richtig geleitet wird, eine Art ,,Großfamilie“ dar. Das heißt, daß der junge Mensch in einer großcn Gemeinschaft die Grenzen rler eigenen Freiheit kennen lernt, die Pflichten, die aus dem Zusammenleben mit vielen erwachsen, und praktisch die Bedürfnisse von Küche und Haus, Schlafräumen und Wohnsälcu, ohne daß dabei die Verhältnisse des Kleinhaushalts unberücksichtigt bleilx־n. Das ist •— im ganzen genommen — das Erziehungsziel, das dem Isruclitisehcn Mädelienlteim in Flankfurt am Main vorschwebt. — 1912 regte die Schwestern Vereinigung der Frankfurt-Loge UOBB. an, für berufstätige jüdische Mädchen einen Ersatz für das Elternhaus zu schaffen. Mit einer kleinen Zahl von Pensionärinnen begann das Institut, das heute ein altes I’atrizierhaus am Taunusplatz bewohnt und 54 Mädchen aulnehmen kann. Sonne und Lieht füllen die Schlafräumc in den oberen Stockwerken, scheinen in den hellen Spciscsaal, der sich zu anderen Tageszeiten auch in einen Vortragssaal, in einen Gymnastik raum, verwandeln läßt. Nebenan ist ein Wintergarten, ein Lesezimmer. — In Lehrgangen von sechs oder zwölf Monaten, je nach dem Alter und den Vorkenntnissen der Schülerinnen, für Ilauswirtsciiaftslehrlinge in zweijährigem Lehrgang bringt der Lehrplan alle Erfordernisse der Küche, des vegetarischen Kochens, unter Einhaltung und Uebung aller Kaschn1th-Vorsohrifl.cn, alle Vorlxueitungen und Nebenarbeiten, die damit verbunden sind, in Theorie und Praxis. Zimtnerpflegc und alle Arten von Handarbeiten ftir die Pflege des häuslichen Guts werden gelehrt. Nahrangsmittelchcmie, häusliche Hygiene, wirtschaftliches Einteilen, Küchenzettel, hatiswirtschalIHelles Rechnen gehören in den Lehrplan, den Studien im jüdischen Schrifttum und Neuhebräisch ergänzen. spreche!! 11 < 1 r<׳. nein, noeli mehr, wenn 1eh ihn sehe, so lialxj ich das Empfinden, er f'iildl heule wie Ich (Initials. Für ihn ruht dt«: Well auf der Hand (ioltes. Ich meine es. Vielleicht denk( Feli 11יוי,״וו anders. Was kann man über sich, was über andere wissen'.־'“ ,,W arniii -(!reellen Sie über l 'elilinger und nie üIht mich :י“ ,,loh glaulie. wenn ich mtl Dr. 1׳eldmger spräche, würde ich über Sie -|1rccln•!!••, erwiderte lletlda. ,.Sprerlien Sie mit dun“, s,-!!׳!!׳ Weiter, lledda erhol* sich. Weiter legte ihren \rm in den -einen, schweigend gingen sie in das (irtteimul-, das in dem dunkelblauen Meer der Nacht ruhte, und sanken ein, und alles Wesentliche schien einziisinken in die-es (ie-pinst feinster Auflösungen. 12. KAPITEL Bessingcr sali mit Berlhriien im Wohnzimmer. lledda war von ihrer Freundin Madelaine eingidaden.!,olle und Hoher{ w aren schon nach oben geschickt. Man liörle. wie Fräulein Trude Erklärungen gab. dali man Kleider auch ordenllieh liinlegen könnle, Sie sprach also zu Hobert. Bessin ge r las die Zeitung. Berthchen sali ruhig da und fitnulierl('. wie sie es nannte. Es ging ihr vieles durch den hopf, was nichts mit dem (ieschüft zn 11111 halte. Kotle war eigensinnig, Bolmrt galt im ganzen Sladhiertcl als zwei feihafter Held. Zerrissene Hosen und Jacken, Wunden zeugten für seinen Tatendrang. Und lledda‘:* Ja. lledda! Sie war über ihre Jahre hinaus eidwickell. Sie zeigte eine Selbständigkeit, die fast Absonderung war. Berlltclien fiihlle es. Sie fragte sich: Was mag es nur sein■* Kann lledda mehr von uns verlangen? Wo ist ihre Kindesliebe? Wir geben alles. Und die Kinder? Ks fiel Berlhriien auf. daß Bessinger nie ein Wort darüber gesagt halle. Er bemerkte es nicht. Bessinger halle die Zeitung sinken lassen und seufzte und sprach: ״Was tut inan schon? Man rackert sich ah. Man kommt nach Hau-e. Man will die Zeiltiug lesen. Nein, man muß die Zeitung lesen. Es ist das einzige, was man noch liest. Es ist ein Skandal. Aber es ist so, 1)1! hälfest sehen sollen, wde ich damals ilalienisch gelernt habe, Berthchen. Nächte hindurch habe ich italienisch gelernt. Du hälfest mich sehen sollen.“ Berlltclien blickte zu ihrem Manne hin. Er schob seine Zigarre vorsichtig in den M und, zog sie heraus, blies den Hauch durch eine kleine Mundöffnung und betrachtete die Brandstelle. Berthchen antwortete: ,.Weißt du, was ich gern gelernt halle? Aber lache nicht. Hebräisch. Unser Religionslehrer unlerrieldele gleichzeitig fünf Klassen. Alan hörte zu oder niclt!. Man lernte das Alphabet zwanzigmal. Manches brauchteil wir nur lesen zu können. Manches übersetzten wir. Man lernte es auswendig. Aber das meiste verstanden wir überhaupt nicht. Als ich es dem Lehrer einmal sagte, erklärte er, ich wäre ein freelles Mädchen. Aber warum mußtest du italienisch lernen?“ ״Du bist w irklich merkwürdig, Berthchen. Ich strebte nach Bildung. Ich fühle heute noch, was mir fehlt. Es ist anders als früher. Die W elt stellt 11ns offen. Hebräisch, schön, gut. Willst du dich in Italien, Frankreich, England hebräisch unterhalten? Bist du gebildet, wenn du hebräisch kannst? AA illst du in der Gesellschaft milreden,,wenn du die fünf Bücher Moses kennst? Berthchen. wir leben in einer großen Zeit. Die Bildung führt die Menschen zusammen. Die Teelmik führt die A'ölker zusammen. Der internationale Handel ist die goldene A’erhindüng, die Brücke. AAir sind im Aufstieg, Berthchen. Sieh unser Geschäft. Meinst Du, es ist etwas Einzelnes? Ueherall ist dieser Aufschwung. Ueherall ist Anstieg. Das Alte ist endgültig vorüber. Gelehrte, Rabbiner mögen hebräisch sprechen. Sie mögen darüber gelehrte Bücher schreiben. Sie werden dafür bezahlt.“ lfcrlhchcn fiel lledda ein. ״Arnold“, sagte sie, ״wir verstecken uns. Du sagst, lledda hat. zu gehorchen. Sie aber möchte Aerzfin werden. Sie hat es mir immer wieder gesagt. Sie macht jetzt ihr Abschlußcxamen auf dem Lyzeum. Es ist Zeit. AAöiruiri sprichst du nicht mit ihr?“ ״Ich?“ rief Bessinger. ״Hast du ihr nicht, gesagt: Nein?“ Bessinger zog in kurzen, raschen Zügen an der Zigarre, versäumte aber nicht, den Brand zu betrachten. ״Das ist heute so Mode. Die jungen Damen glauben, es gehört dazu. Ich mache diese Mode nicht mit. Heiraten »oll lledda. Meinetwegen kann sie, in drei Jahren heiraten. Genügt es nicht, wenn ich hundert- oder hundertfiinfzigtatisend für sie auf den Tisch lege,? Geniigl. das nicht? Ein Kaufmann hundert, ein Rechtsanwalt oder Arzt liundertfünfzig. So denke ieh’s mir. Sie kann ja einen Arzt heiraten, dann ist sie auch Frau Doktor.“ Berthchen erwiderte: ״Du bist für den Fortschritt überall, wo er dir paßt. Es wird Hedda nicht auf den Titel ankommen. Aber ich zieh« auch vor, daß sic nicht studiert. Ich bin altmodisch. AAir brnuchcn uns keine Sorge zu machen. AV ir haben uns geplagt. Unsere Kinder werden es gut haben.“ Bessinger hatte kaum hingehört, so eifrig hatte er an seiner Zigarre gezogen. ״Mir gefällt keine Frau mit Hörrohr oder Messern in der Hand. Ich habe schon an Frau Löwenberg geschrieben. Das Pensionat ist hervorragend. Es gellt ein hißdien fromm dort zu. Al>er das verliert sich wieder. Das Lehen ist stärker.“ Madelaine Julien war glücklich. Sie und lledda standen im Examen. Bei ihr war das Ergebnis zweifelhaft gewesen. Irt den letzten Tagen halte cs sich entschieden. Madelaine wußte jetzt, sie, besteht das Examen. Sie sprang ihrem \?ater an den Hals, ״Päppelchen, du hist der liebste Vater, und du hast die beste Tochter.“ Herr Julien hielt sich rasch an einem Sessel fest. Seine Tochter war einen Kopf größer als er, und der Ansprung war ungcwöltrilich heftig gewesen. Aber Madelaine ließ das ״Piippelrhen“ nicht zu AVort kommen. ״Also, daß Du es weißt, Deine Tochter besteht das Examen, und heute abend kommt lledda, kommt Dr. Fehlingcr, kommt Norbert Levi.“ Man hatte gegessen, inan hatte AA ein getrunken, man hatte Graniinophonplatten laufen lassen, man hatte getanzt. Am meisten hatte Herr Julien getanzt, der nur AA'alzer und Polka kannte und jede Melodie, zu einem dieser Tänze zureclilbog. Beim AAhdzer pflegte er zu hüpfen, und bei Polka etwas zu spät den AA ecliselschritt zu machen. Aber er fand es wunderschön und schleppte sei!» Opfer mit sich herum. Norbert Lcvi hatte gerade Tanzstunde. Für ihn war jeder Tanz ein ernstes Studium. Er zählte heimlich die Schritte und blickte dabei entschlossen in eine der Zitnmerecken. Dr. Fchiinger schwang. Er schwang sich und die Partnerin. Er glitt über den Takt leichthin. Er halle plötzlich Bewegungen, deren AA illkürlichkeit leicht den Atem nahm, die aber doch wieder in den Takt mündete. Am besten war es schon, wenn lledda und Madelaine zusammen tanzten. Die Melodie schien sich aufzulösen in der Rhythmik der Bewegungen. Fehlingcr beobachtete dieses AAiegen und Gleiten und Biegen und Schreiten. Er sprach diese Worte im Takte der Melodie und fühlte, wie der Eindruck der beiden Tanzenden »Umahlich eine leichte, Betäubung angenehm auslöste. Vielleicht trug auch der AVein dazu bei. Ein Bedürfnis nach Ruhe stellte sich bei allen ein. (F־rtM»««11g »«!*י)

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