Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 39 (14.5.1935)
- Date
- 1935-05-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2653827-2653864--26843-2688249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 39, 14. V. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Solle 7 Wie gestalte Ich den Schabbai? Briefe an die Redaktion Für Schabbat, 18. Mai Wochenabschnitt ,,B’har“ (111. B. M. Kap. 25, 1 ~ 26, 2.) I. Der Wochenabschnitt ״B’har“ enthält die wesentlichen Elemente der jüdischen Agrargesetzgebung. Das ״Jobcljahr“ forderte die Rückkehr des verkauften Bodens zum ursprünglichen Eigentümer, wodurch jeder Großgrundbesitz unmöglich gemacht wurde. Veräußert wurde der Boden eigentlich überhaupt nicht, nur die zu erwartenden Ernten wurden dem Käufer überlassen. Ein solches System verhinderte jede Bodenspekulation. Der Keren Kajemeth L e j i s r a e 1 hat diese alten Gedanken wieder aufgenommen. Sie sind die Grundlagen seiner Bodenpolitik geworden. Wir werden uns also an diesem ״Oneg-Schabbat“ ausführlich über den Jüdischen Nationalfonds und seine besondere Bedeutung in dieser Stunde unterhalten. (Bodenspekulation!) Es gibt eine Rede von Ussischkin, die sich ausgezeichnet zum Verlesen eignet und die gut als Grundlage für die Unterhaltung dienen kann. Sie heißt: ״Der Ruf des Bodens" und ist durch die Zentrale des KKL in Deutschland zu beziehen. Und jetzt einmal eine Frage: Wer weiß, an welche Wendüng sich der Begriff ״Keren Kajemeth Lejisrael“ anlehnt, wo diese Wendung vorkommt und welches Prinzip mit dieser Formulierung zum Ausdruck gebracht werden soll? H. Unsere Sidra enthält die Verbote, Zins zu nehmen und zu übervorteilen. Da der Vers 17 des 25. Kapitels das Verbot des Uebervorteilens wiederholt, wird diese Stelle von der Halacha auf die ״Uebervortcilung mit Worten“ angcwendet. Es ist damit halachisch untersagt, einen Menschen zu kränken. Die Stelle im Talmud (Baba Mezia 58 b), die die Ausdeutung und Spezifizierung dieses Verbots vornimmt, ist sehr interessant und eignet sich gut zum gemeinsamen Lernen. S. R. Hirsch zitiert diese Stelle in seinem Kommentar in der deutschen Uebcrsetzung. III. Da am Dienstag, dem 21. Mai, Lag B'Omer £33. Tag des Omer) ist, weise man auf die Bedeutung dieses Tages hin. Einige Bemerkungen finden sich in einem Brief von Dr. Wochenmark an die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ (Nr. 38 vom 10. 5. 35). In Palästina findet am Lag B’Omer in Meron bei Safed eine große Feier zu Ehren von R. Schimon b. Jochai statt, dessen Jalirzeit an diesem Tag ist. Näheres über diese Feier und über die interessante Figur dieses Rabbi im Jüdischen Lexikon. Ueber Rabbi Schimon b. Jochai gibt es auch einige schöne Lieder, die man bei dieser Gelegenheit singt. IV. Als Haftara wird Jirmijaliu Kap. 32, ö—27 gelesen, die an verschiedene Vorschriften unseres Wochenabschnitts anknüpft. Psalm 102. E. Geschichte der jüdischen Menschen Urlel da Costa, der Marane Das Schicksal des U rie J da Costa ist ein typisches Maranenschicksal, An diesem Leben kann man den Willen und die Grenzen der dritten Maranengencratian erkennen. Bei der Darstellung muß auf das zurü-ckgegriffen werden, was wir das letztemal an Allgemeinem über Maranen gesagt haben. Vergegenwärtigt es euch noch einmal. Dritte Gene- •ration, das heißt: aus den Quellen der blassen Erinnerung geschöpftes Judentum. Wir können jetzt noch genauer sein und sagen, daß der spanische und portugiesische Marane, welcher in der Luft des Katholizismus lebte und atmete, seine Vorstellungen vom Judentum katli-olisieren mußte, well ihm ja das Judentum als Leben, als Geschichte fremd war. Ein paar Daten aus der Geschichte da Costas: geboren 1590 in Oporto, gest. 1640 durch Selbstmord in Amsterdam. 1618 zieht er nach Amsterdam, 15 Jahre bleibt er im Bann, 1633 widerruft er seine Lehren. Neuer Leidensweg bis zum letzten Widerruf und Tod. Für seine Biographie und seine innere Welt sollt ihr nichts anderes benutzen als die erschütternde Selbst• biographie von ihm: Beispiel eines menschlichen Lebens. Ihr werdet daraus sehen, wie dieser Mensch sich mit einer katholisierten Anschauung vom Judentum abgequäit hat, einem Judentum, das gar nicht existierte. Er glaubte —׳׳ wie einst Gedenkstein für Ali Hassan Köln, den 7. Mai 1935 Sehr geehrte Redaktion 1 I)cr Araber Ali Hassan opferte sein Leben bei dem Versuch, ein Mitglied des französischen Makkabi am Strand von Tel- Awiw vom Tode des Ertrinkens zu retten. Ein Mann atu dem arabischen Volke setzte sich in edler Hilfsbereitschaft für einen unbekannten jüdischen Besucher Palästinas ein. Verpflichtet uns diese anständige Tat nicht zu einem ehrenden und symlzolisehen Gedenken gerade im Hin* blick auf die natürlichen Spannungen und Reibungen beider stammverwandter und naehbarliehen Völker auf dem ]!!Kien des Heiligen Landes? Zu wiederholten Malen ist in dieser Zeitung einer versöhnliehen Verständigung und entgegenkomnienden Bereitschaft zur Ucberwinduttg des stnmmesbriidcrlichcn Zwistes das Wort geredet worden. Fern von versrhhmgenen Pfaden der Politik hat Ali Hassan allein durch eine hohe Tat ein mannhaftes Beispiel gegeben, von dem wir hoffen, daß es nachdenklich stim- Genf, 5. Mai Sehr geehrte Redaktion! Zu den anregenden Ausführungcri von Dr. Kazneteon in Nr.36 möchte ich mir erlauben, nachstehendes zu bemerktu. Der Versuch einer Analyse des Theoretikers Uerzl in der von Herrn Dr. K. intendierten Bemen und nachhaltig weiter fortwirken möge. Zur steten Mahnung der uns aufcrlegteri PÜichtcn gegenüber unseren Bluts-Brüdern und als Ausdruck unserer Dankbarkeit sollten wir am Strande von Tel. Awiw, in der Nähe der Ungliieksstätte, Ali Hassan einen schlichten aber eindrucksvollen ßf denkste! n errichten. Wenn dies aus örtlichen Gründen nicht möglich ist, wolle man in Tel- Awiw eine Straße nach diesem Manne benennen und durch Anbringung einer Tafel die Erinnermig an dui hochhalten, der vielleicht nicht durch glänzende Taten und Erfolge hervorleuch• tete, soliden) durch menschliches Tun sein Leben erfüllte und be- •schloß. Auch Frau und Kinder dieses Mannes dürfen nicht der Armut und Not. verfallen und sollen von der jüdischen Gemein- Schaft in würdiger Weise die Mittel hierfür bercitgestellt werden. Dazu eignet sich eine allgemeine Sammlung oder Aufbringütig durch eine feierliche, dem Anlaß gerecht werdende Voranstaltung. E. K. trachtungswcise ist vor kurzer Z. i• von Hans Kohti in seinem Buch ״L'Humanismc Juif“ (Kriitions Rieder, Paris) gemacht worden (Besprechung vor Jahresfrist in der ״Rundschau‘-). Der Autor stellt sich hier die Aufgabe, in einem Zyklus gedanklich verbundener Essays die Ideenwelt der in den letzten zwei Menschenaltem jüdisch und zionistisch entscheidenden Figuren unter dem Blickpunkt der diesen Menschen gemeinsamen Denkposition zu charaktert-ierett, S! kommt Kolm zum Ergebnis, daß. so verschieden auch der Standort: eines Heß, Pinsker, flerzl, Achad Ilaam, Gordon und Huber sein mag, sie alle doch kraft gleieher Problemstellung denselben Fragenkreis zentrieren — daher der Titel der Essay-Sammlung. In diesem Zusammenhang erfährt auch der Theoretiker lierzl eine adäquate Beurteilung. Im übrigen scheint die von Dr. K. dargclcgte Thematik zur theoretischen Position Herzls nicht einer gewissen Gefahr zu entbehren. Wie immer bei füh. renden Menschen besteht auch für uns bei flerzl die Neigung, seine Konzeption in das Prokrustesbett eines Denksystems zu zwängen. Wir müssen uns Lägen, Amsterdam, den 10. Mai 1935 Sehr geehrte Redaktion! ln ihrer Notiz über <1:G 70jährige Jubiläum des Herrn Aronowitz aus Antwcrjieti befindet sich ein Satz, der ein falsches Licht auf die Stellung des verdorbenen zionistischen Führers Jean Fischer werfen konnte. Jean Fischer war niemals gegen die nationalen Fonds, im Gegenteil, er war während des Krieges der Leiter der Nationalfonds-Arbeit in Holland und dank seiner Vorarbeit in Belgien und der Leitung seincs Bruders Oscar Fischer ist der KKL hierzulande das geob es nicht eine Verkennung de! Menschen, Denkers und Führers Theodor Ilerzl ist, wenn wir versuchen, die Manifestation der intuitiven, moralischen und inUliektticllcn Krüitc dieses Mannes in eine Quasitlieoric oder -philo- Sophie umzugießen. Herr Dr. K. sagt. selbst, daß Ilerzl kein systematischer Denker war wie Achad Ilaam. Ja, vielleicht, weil er es nicht war, oder vielleicht, weil er es nicht ausschließlich war, weil ilerzl ein Tatmensch war, ist und wurde er das, was er für die jüdische Geschichte der letzten fünfzig Jahre bedeutet. So reizvoll und fruchtbar die von Dr. K.!«’rührte Kragestcllung sicher ist, so groß scheint uns die Gefahr einer Verzerrung der Gestalt Herzls und einer Mythcnbildung. Mit Zion-gruß! K m a n u e 1 Weiner worden, wa״■ er heute ist. Was den Kll bet rillt, m> haue er mit Binmk'is in Amerika eine vuii der zionist ׳•.eilen Leitung abweichende Steilung, wa, ihn jedeieh nithf hindene, se ine l'f hellt g genüls. 1: dau Kll zu erteilen, und .-Ich in den letzten Jahren seines l.slieiis mit seinem ganzen 1״'oliui Eintiuß dalür einzu.se't ze־n. 1111 erachte es als meine!’!lieht, die. zu betonen, damit kein .-.ciiitle.-. Licht auf das Andenken des gnTcn Zionisttu Jtan Fischer s 0110. Hochachtungsvoll J, B 1 tt m b c r g Heral als Denker Jean Fischer und die nationalen Fonds die Karäer — an das Judentum der Bibel. Die Wirklichkeit des Judentums hieß aber nicht Bibel, sondern Tradition, Oesetz. Mit Recht hat ihn Gutzkow in einer Novelle ״Der Sadduzäer von Amsterdam“ genannt. Für seine Lehre ist wichtig: ״Thesen gegen die jüdische Tradition“. Man kann sowohl an der Autobiographie, als auch an den ״Thesen“ sehr viel Allgemeines an jüdischen Grundtatsachen lernen. Für den Biographisten außer der Selbstbiographie und der Gutzkowsehen Novelle noch Zangwill, ״Träumer des Ghetto“, J. P. In Waldenburg fand eine Tagung der Kreisabtdlimg Waldenburg im Deutschen Gemeindetag statt. Auf dieser Tagung sprach Landrat Williger, der sich in seiner Rede u. a. mit der Jude 11 frage beschäftigte. Er sagte nach dem Berieht des ״Volksblatts“ u, a.: ״Und wir werden diese Frage lösen. Denn davon hängt das Schicksal Deutschlands ab. Jeder hat sich in diesen Kampf einzureihen. Eine Selbst- Verständlichkeit ist dies für die Leiter der Gemeinden. Darum würde er — so betonte der Landrat — jeden Bürgermeister, der selbst oder dessen Frau beim Juden kauft, bedingungslos entlassen.“ Im Alter von 75 Jahren ist in Amsterdam der Präs!־ dent der Exekutive der dortigen aschkenasischen Gemeinde, S. Loopuit, Mitinhaber der bekannten Amsterdamer Diamantenfirma Granaat, gestorben. Loopuit betätigte sich füh- Tend auf dem Gebiet der sozialen Hilfsarbeit der Gemeinde und der holländischen Juden überhaupt. «luden und Jüdisches im Rundfunk Mittwoch, 15. Mali Kalumlliorg (1261), 15.30: u. a. Meyerbecr. — Warschau (1345), 15.45: u. a. Mo.-,zktnvski. — Prag (470), 15.55: u. a. ״Der Prophet“ von Meyerbecr. — Paste Parteien (312), 18.30: Sendung der Voix d’lsracl. — lluiz.cn (1875), 21.10: u, a. ״Elias“ von Mendelssohn. Donnerstag, 16. Mai: Kaltmdbarg (1261), 14.45: u. a. Offenbach. — Warschau (1345), u. a. Mendelssohn. -— l’rng (470): u. a. Weinbergen — Bratislava (299), 17.15: u. a. Hebräische Melodien von Joachim. — Prag (470), 18.20: u. a. Lieder von Mahler und Mendelssohn. — Brüssel (französ., 484), 19.05: Aus der Oper ״d’Israel“ von Faurc. — London National (1500), 22.15: u. a. Aus ״Nebukadnezar“ von Verdi. Freitag, 17. Mal: Radio Paris (1948), 11.45: Sendung der Voix d’lsracl. — Toulouse (329), 13.15: a. a. Meyerbecr. — Wien (507), 14: u. ä, Rubinstein; 16.10: u. a. Ottenbach. —■ I.ahti (1807), 19.05: u. a. Mahler. — Stockholm (1398), 19.50: u. a. Drei Lieder Davids voll Ulssori. — Sotlens (443), 20: u, a. Weinbergen — Hilversum (302), 20.10: Darius Mdhaud-Konzert unter Leitung des Komponisten. — Kaschau (259), 21.30: Klavierkonzert von Mendelssohn. — Budapest (550), 22.35: u, a. Moszkowski. Am 3. Mai verstarb in Prag nach kurzem Kranken- Lager der Opernsänger Julius W i 111 e I m i (Wolf Uirschkowitz, geh. zu Reval 1872). Er war 23 Jahre am Breslauer Stadftheater als Baßbuffo tätig. Auf 0^;׳?)'ף"».:. ,:!j 4^#- Dingen steht die Welt Erzählung von GERSON STERN 12, Fort*«f*ung C6p}righi Verlag Erich Raitf, Berlin Dr. Byrowitz ging wieder zum Rednerpult, und diesmal schien er viel frischer. ״Es ist wohltuend, Dank zu erhalten. Aber Herr Julien irrt. Er muß schon gestalten, daß ich diesen Dank ausdehnn auf Herrn Dr, Weiter, den Herrn Rabbiner und Herrn Crailinger.“ Crailinger rief zum Podium hin: ״Wir verzichten.“ ״O, nein, Herr Crailinger, Sie haben nicht nur sehr gut gesagt, was Sie sagen wollten. Das ist nicht wichtig, wie Herr Dr. Wolter bemerkte. Sie haben den Typus, die Figur hingestellt, die nicht fehlen durfte. Ich gestehe Ihnen zu, eine imposante Figur. Das kann Ihnen niemand bestreiten. Ich bin Ihnen dankbar. — Sie haben recht Assimilation ist eine Funktion des Lebens. Aber Selbslaufgabe ist keine Funktion des Lebens, Herr Crailinger. Ich habe es gern, wenn man an die Worto der Bibel erinnert, wie der Herr Rabbiner. Es ist mir eine Freude, diesem Beispiel zu folgen. Ich weise darauf hin, daß die Bibel nie von einer jüdischen Religionsgemeinschaft spricht. Mit dem jüdischen Volk schloß der Ewige den Bund. Das jüdische Volk wurde auserwühlL Es bestand. Es war ein Volk vorhanden. Wir sind die Nachkommen dieses Volkes. Die Bewegung Ihrer Hände, Herr Crailinger, wischt keine Tat- Sache fort. Lassen Sie mich noch dies sagen, Herr Dr. Weiter. Hüten Sie sich, Wirklichkeit und Schein zu verwechseln. Sie sprachen von der Wirklichkeit Kennen Sie unsere Wirklich- Leit? Niehl, was Sie als wirklich empfinden, sondern unsere jüdische Wirklichkeit? Nun, Wirklichkeit ist, daß es in der Welt eine Juden frage und eine Judennot gibt Wirklichkeit »t, daß wir Zionisten, das heißt Sehnsuchtsgetragene nach dem Land Palästina, wir Zionisten da sind, daß wir uns als Glieder eines Volkes fühlen, daß wir für dieses Volk, für die Heilung der Wunden dieses Volkes unser ganzes Sein einsei zen, indem wir in Palästina eine Heimstätte für das jüdische Volk schaffen wollen. Das ist Wirklichkeit.“ Fchlinger halte sein Schlußwort lauter sprechen müssen. Crailinger war aufgestanden. Viele standen auf. Crailinger sagte zu Dr. Weiter: ״Ich muß gehen. Meine Tochter hat ihren englischen Cercle.“ Es war ein eigftnnrliger Anhlirk. Dr. Byrowitz sah über das Rednerpult, an dem er strhengoblieben war, sein Kneifer saß ein wenig schief auf seiner Nase, er musterte gelassen die Aufbrechenden. Neben ihm stand Fchlinger. Er stand frei. Was hatte er gesagt? Es waren wenige, es waren bescheidene Worto gewesen. Alter er glaubte, sein Herz klopfen zu hören, Herr Julien war einer der letzten, die aufbrachen. Ifedda hatte den ganzen Abend schweigend neben Madelaino gesessen, deren Fragen keine Anfwort fanden. Herr Julien stand mit den beiden Mädchen auf der Straße, als ein Herr zu ihm trat. Er verbeugte sich und sagte: ״Dr. Weiter.“ Er begrüßte Ifedda und Madeiaine. Man trat gemeinsam den Heimweg an. Madelaine hatte Hedda iintergehakt Mit ihrem Ellenbogen stieß sie Hedda heimlich an. Weller ging mit Herrn Julien. ״Gestalten Sie mir eine Frage, Herr Julien. Sind Sie eigentlich Zionist?“ ״Es freut mich, daß Sie mich dies fragen.“ Es war merkwürdig, was Herrn Julien alles erfreute. ״Ich habe darüber nachgedacht. Ich kann nicht sagen, ob ich Zionist bin. Ich spreche täglich in meinen Gebeten unzählige Main von Jerusalem und Zion. Sie müssen wissen, ich bete. Ich weiß nicht, wie Sie es halten. Aber ich will Ihnen anvert.rauen, daß es ein Glück ist, beten zu können. Ich liebe diese Worte über Jeruscholojim und Zion. Ich bin ein Zionliebender. Das genügte mir. Ich glaubte, es genüge, wenn ich mich an den Allmächtigen wende. Der Rabbiner sagte heute abend, der Ewige verlange, daß wir das Unsere hinzutun. Es sind viel schöne Worte gesagt worden. Aber von allen Worten sind die des Herrn Rabbiners am stärksten in mir haften geblieben. Es ist sonderbar, der Rabbiner sprach gegen den Zionismus. Und gerade seine Worle müßten mich zum Zionismus führen.“ Dr. Weiter hatte sich erbeten, Hedda nach Hause zu begleiten. Sie gingen durch die Anlagen. Die Nacht war ein dunkelblaues Meer. Der Mond spann silbergoldne Fäden. Es war hell, und es war Nacht. Man konnte glauben, die Welt war da und war nicht da, je nachdem man sich einsinkeo ließ in diese traumhafte Daseinsferne. Die Anlage hob sich über den Fluß hinaus. Mar: konnlo am Tage in die Lande blicken. Jetzt sah man nur dieses Gespins! geheimnisvoller Andeutungen aus der fernen We-entln'likd'. Alan stand vor (>iner Bank. )Veiler hat, sich einen Augenblick zu setzen. Beide schwiegen. )Vetter griff nach Heddas Hand. Hedda versuchte, sie ihm zu enlziehen. ,,Lassen Sie mir ruhig Ihre Hand“, sag!«» )Veiler, ״Fürchten Sie keine Liebeserklärung. Fürchten Sie überhaupt nichts. Lassen Sie uns beide fühlen, wie wir diese Stunde gemeinsam genießen, wie wir eine Köstlichkeit gemeinsam erleben, ')’ragen wir das Verbindende dieser Gemeinsamkeit, um )) orte von Fehlinger, zu gebrauchen, der vielleicht mehr Dichter als Zionist ist. Oeffnen wir Wirk und Herz dieser Köstlichkeit, um bei Fehlinger zu bleiben.“ Hedda antwortete nicht. Sie saßen eine Zeitlang da, Iland in Hand, bis )Vetter sagte: ״Ich sagte vorhin, daß Sie nichts zu fürchten brauchen. So versieben Sie auch diese Worte, Nicht nur dieser Abend ist eine Köstlichkeit, auch Sie sind es, Fräulein Ilcdda. Sie sind es deshalb, weil in allem, was Sio sagen, und wohl auch, was Sie tun, Aufrichtigkeit liegt. Sio sind — —“ Wetter beugte sich nieder und küßte die Hand, die er noch in der seinen hielt. Ifedda ließ es geschehen, ln dieser Stunde schien ihr das Bewegende so schwach gegen die tiefe Ruhe, die sich um alles Erregende legte. Nach eine Weile spann )Vetter seine Gedanken weiter, da Ifedda ihre Zweifel aiigedeutet halte und sieh zwischen den Worten des Abends nicht zurechlfand. ״Es schien manchmal heule abend etwas neben den )Vorteil zu stehen“, begann sie leise, behutsam, und )Vetter bemühte sich, sachlich und aufrichtig darauf einzugehen: ״Der Rabbiner sagte: ,Wir bestehen als religiöse Gemeinschaft. Hierauf steht unsere Well.‘ )Vorauf steht die Welt? Ich habe es mich den ganzen späteren Abend gefragt. Religiöse Gemeinschaft? Ich habe mir die Menschen angesehen. )Vas ist religiöse Gemeinschaft? Genügt der Wille zum Judentum, um Jude zu sein? Genügt die große Lehre vom Menschenrecht, die unserer Religion zugrunde liegt, dazu, religiös zu sein? Ich bin — arm Anfang. )Vorauf stellt die Well?“ ״Wissen Sie, wie ich es mir als kleines Mädchen dachte?“ sagte lledda. ״Die ganze )Veit ruhe auf der Hand Gottes. Und ich suchte diese Hand. Ich fand sie nicht, und ich fand kerne andere. Ich war sehr traurig. Wenn ich Dr. Fehlinger