Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 39 (14.5.1935)
- Date
- 1935-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie wollen Gruppe oder in jetzt auch rdneten Vielt, k, Land und eil und gebet! t zu betonen leberbeton;:!1? er Arbeit zu it tut. :inen Stellen• rschnelle Ex־ iieser Schrift en. und nicht ו nur dartun, m bearbeiten <ein נחלה בלי iß, auch kein ut daran tun, Igen und aus JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensische Umschau NR. 39, 14. MAI 1935 Wüstenwind über Palästina Einige neue Einwanderer haben sich darüber beschwert, daß sie nicht genügend über Palästina aufgeklärt worden seien. Es sei ihnen zwar gesagt worden, daß cs in Palästina im Sommer manchmal heiß sei, und sie hätten auch von Zeit zu Zeit etwas über die Temperaturen gelesen, von den sogenannten ״C liamsine n“ sei ihnen aber nichts gesagt worden. Wenn nun auch vielleicht die ״Jcwish Agency“ nicht direkt gegen die Veranstaltung von Chamsinen in Palästina cirischreitcn könne, so müsse sie doch zumindest bemüht sein, die damit verbundenen Schwierigkeiten und Mißstände nach Kräften zu beseitigen. Solche schlechte Meinung neuer Ein- Wanderer ist verständlich, wenn man bedenkt, daß wir tatsäciilieh einen Chamsin von 9 Tagen Datier hinter uns haben. Dieser Chamsin ist aber nicht, wie aus den obigen zitierten Klagen mancher annchmcn könnte, die Veranstaltung einer irdischen Behörde, sondern ein Naturereignis, das in diesem Fall mit der solchen Erscheinung innewohnenden Urgewalt über uns Palästinenser hereinbrach. Der Chamsin ist nämlich ein heißer Ostwind, der aus der Wüste kommt und diesmal Temperaturen bis zu 48" C. im Schatten mit sich brachte, während nach bisher gemachten Beobachtungen nur Temperaturen bis zu 40° C zulässig sind. Man muß also, wenn man aus Europa kommt, auf allerhand gefaßt sein, und an dieser Eigenart des Landes kann auch die Jewish Agency und die beste Information nichts ändern. Der Chamsin brach also über uns herein. Zu unseren! wahren Tröste erinnerten sich die ältesten Einwohner Haifas nicht, jemals einen solchen Chamsin mitgemacht zu haben. Nach 3 Tagen dachte jeder, es ginge mit dem Chamsin, nach 5 Tagen, es ginge mit ihm selbst zu Ende. Ein Chamsin dauert nämlich nach der Meinung der Araber 3 Tage oder 5 Tage oder 7 Tage oder länger, eine Regel, die in ihrer Weisheit keiner europäischen Bauernregel nachsteht. Diesmal dauerte er also länger. Der arabische Briefträger auf dem Carmcl, bestimmt ein wettergewohnter Held, erklärte, der Chamsin sei ein Zeichen dafür, daß diese ganze Generation auf Grund eines Beschlusses von Allah zum Aussterhen verurteilt sei. Er fand damit Gläubige bei allen den Carmel bewohnenden Konfessionen, Christen, Juden, Mohammedanern und Bahais. Mit einem Worte: es war allen höchst schlecht zumute. Man kam sich, solange es noch Zitronen zum Auspressen gab, vor und nach jeder Limonade wie der schäbige Rest der ausgepreßten Frucht vor; in den letzten Tagen wurden auch die Zitronen knapp. Was an diesen Tagen an Gasos (Selterwasser) konsumiert wurde, ist selbst für die- )eiligen unvorstellbar, die den letzten heißesten Sommer in Berlin mitgemacht haben. An den üasos-Buden und ebenso bei den Eisdielen standen die Leute in Reihen und warteten geduldig oder ungeduldig, bis sie herankamen, um sich sofort 20 Schritte weiter entfernt an der nächsten Gasobude anzustellen. Gasos mit und ohne Fruchtsaft floß also sozusagen in Strömen, schon um 8 Uhr sah man Leute, die um ein Wort von Jesaia zu variieren, ״schon frühmorgens dem Trank nachliefen“. In allen Büros sausten die vorhandenen Ventilatoren, ohne jedoch eine Erfrischung zu bringen, da kein Tröpfchen kühler Luft herum zu wirbeln war. Nach den arabischen Tonkriigen, die auch im Sommer das Wasser recht kühl halten, setzte große Nachfrage ein, und überall sah man Leute mit diesen Kriigen, dem ״Frigidaire“ des kleinen Mannes, nach Hause gehen. Die von der Hausfrau für gewöhnlich gebrauchten Eisquantitäten reichten für diese Tage nicht entfernt aus, aber — ein weiteres schreckliches Ereignis — am vorletzten Tag setzte der Kraftstrom des Ruthenberg-Werks aus. (Man muß lesen: Ruthenberg-Werk, nicht wie manche betonen Ruthen-Bergwcrk). Damit war die Eisfabrikation lahmgelegt und die Versorgung stockte. Nach einem Gerücht lieft die Polizei die vorhandenen Eisreserven nur an die Krankenhäuser verteilen, jedenfalls war Haifa einen Tag ohne die genügenden Quantitäten des köstlichen gefrorenen Nasses. Nun geschah etwas Neues; Jüdische und arabische Händler machten sich die Knappheit des Eises zunutze und verlangten plötzlich ungeheure Preise. Dies brachte sozusagen das Danaidenfaß zum Ueberlatifen, aber für die Eiswucherer folgte die Strafe auf dem Fuße; denn als, wie es in den Lehrbüchern der Nationalökonomie heißt, sich auf den Märkten zu den verlangten Preisen keine Käufer mehr fanden, und unterdessen das Angebot wieder größer wurde, blieben sie mit einem Teil ihrer Ware sitzen und manche auf der Straße zum Verkauf liegende Eisblöcke schmolzen dahin in die Gosse, wie schon der alte Homer gesagt hat: ״So möge auch ein anderer zugrunde gehen, der solches tut.“ Endlich, am Freitag vormittag, meldeten die Wettersachverstäiidigen Umschwung. Die Rauchfähnchen der Schiffsschornsteine im Hafen, die die ganze Zeit über senkrecht in die Höhe gegangen waren, neigten sich endlich nach der richtigen Seite, und tier Abend brachte eine erhebliche Abkühlung und einen frischen Wind. Wie befreit begab sich die ganze Bevölkerung auf die Straße, man sah jeden Einzelnen förmlich die kühle Luft cinsaugen. Wir können nur wünschen, daß ein solcher Chamsin erst wiederkehrt, wenn wir so alt geworden sind, daß wir uns, wie jetzt die ältesten Leute nicht mehr erinnern, jemals einen solchen Chamsin miterlebt zu haben.!>. Albert Baer, Haifa Neue jüdische Beamte Die Regierung hat einen jüdischen Distriktsbeamfen für den Tulke rem-Bezirk ernannt. Dieser bisher fast rein arabische Bezirk wurde von einem arabischen Distriktsbeamten verwaltet; durch die jüdische Besiedlung der jn das Gebiet gehörenden Gegenden des nördlichen Scharon und Wadi Chawarith hat der Bezirk jedoch seinen rein arabischen Charakter verloren und erhält eine wachsende jüdische Bevölkerung, ein Umstand, dem die Regierung Rechnung trägt. Der neue Distriktsbeamte ist Jizchak Czisik, ein Bruder von Sara Czisik, die 1920 bei der Verteidi« gung von Tel-Chai den Tod fand, und von Ephraim Czisik, der bei der Verteidigung von Chulda 1929 gefallen ist. Eine andere Schwester, Channa Czisik, ist in der jüdischen Arbciterinnen-Bewegung bekannt. Die Regierung ernannte ferner in Jaffa einen neuen Distriktsbeamten namens Schimschi, einen palästinensischen Juden, der in Amerika studiert hat. Hebräisches Seminar. Uns wird geschrieben: Die erste hebräische Landestagung der Einwanderer aus Deutschland, die Ende März von der Hitachduth Olej Germania in Tel- Awiw veranstaltet wurde, zeigte mit ihrem starken Besuch aus allen Teilen des Landes und ihrer regen Diskussion, daß bei den Einwanderern aus Deutschland ein starker Trieb nach Einordnung in die hebräische Kultur vorhanden ist. Das neue Seminar, das demnächst veranstaltet wird, soll nicht nur eine Lehranstalt für die Neuen im Lande sein, s°ndern seine Schöpfer hoffen, daß von ihm auch kulturschöpferische Kräfte ausstrahlen werden. Das Neueste in Kürze Von unserem palistinensischen gl.• Korrespondenten Einwanderung und Wirtschaft gl. Tcl-Awiw, 5. Mai 1935 In den fetzten fünfzehn Jahren (1919 bis 1931) sind rund 198 000 Juden n a c 11 Palästina c i n g c w a 11 d e r t. Das Jahr 1931 zeigte die Rekord/.iffer einer Immigrationszafil von über 42 000. (Zahlen der Jewish Agency.) Nach den vorläufigen Ziffern der Jewish Agency betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer seit Anfang 1935, also in vier Monaten, vom 1. Januar bis 30. April 1935, 19 710. In den gleichen Monaten des Vorjahres 1934 betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer 10 195. Wie in der Officiai Gazette, dem palästinensischen Amisblatt, bekannfgegeben wird, sind im Monat März 1935 6800 Juden, davon 558 als ״Kapitalisten“, nach Palästina eingewandert. Außerdem sind 1150 jüdische und 3148 arabische ehemalige Einwohner Palästinas in das Land zurückgekehrt. Die Gesamt/unahme der Bevölkerung durch Einwanderung im Monat März wird mit 1 1072 Seelen angegeben. Nach den offiziellen Ziffern der Palästina-Regierung betrug der Warenimport nach Palästina im Jahre 1934 LP 15 132 781. 1933 betrug der Import CP 11123 409. 1934 ist also eine Steigerung des Imports um 37 3״ zu verzeichnen. Der Export (י a 1 ä s t i n a s betrug 1934 cP 3 217 592, 1m Jahre 1933 CP 2 591617, was eine Steigerung um 20 <״׳ darstellt. (Palcor.) Der Generalpostmeister von Palästina kündigt einen Fünfjahresplan für den Ausbau des palästinensischen P o s t -, Telegraphen- und Telcp honwese ns an. Durch Neuinvestitionen in der Höhe von einer halben Million Pfund soll das palästinensische Postwesen aut einen alle übrigen Länder des Vorderen Orients weit überragenden Stand gebracht werden. Der Gcneralpostmeister erklärt, die Anforderungen an das palästinensische Postwesen seien infolge der jüdischen Einwanderung im letzten Jahre um 99 0־״ gestiegen. Zwischen Palästina und Aegypten funktioniert vom 1. Mai ab ein täglicher Luftverkehr, der auch dem Postdienst dient. Briefe, die vormittags in Palästina autgegeben werden, werden in Kairo am selben Tag ausgetragen. Im Februar dieses Jahres wurden in TeJ-Aw'w 34 787 Quadratmeter B a u f 1 ä c 11 e fertiggcstcllt. :ו vorigen Jahre im selben Monat 33 071 Quadratmeter.) März wurden 45 091 Quadratmeter gebaut (im vorigen Jahre im selben Monat 34 317). ln T e 1 - A w i w ist der zweite Teil eines großen Kotnplcxes von Gemeinschaftshäusern durch die Arbeiter- Organisation fcrtiggestellt worden. An neunzig Mieter wurden die Wohnungen, die insgesamt 260 Zimmer umfassen, übergeben. Der gesamte Komplex umfaßt 130 Wohnungen mit 400 Zimmern. Die üesamtkosten betrugen ÖDÜ0Ü Pfund. Die Regierung bereitet in Haifa den Bau eines neuen (vierten) Warenschuppens am Hafen, einer neuen Eisenbahnstation, eines Postgebäudes und einer P o i i z e 1 s t a t i o n vor. In Birket Ramadan (Scharon-Ebene, bei Natitania) wird vom Gesundheitsdepartement der Regierung die Eiltsumpfung eines großen Bodenkomplcxes durchgeführt. Man erhofft von den Arbeiten die Bekämpfung der in der Gegend herrschenden Malaria und die Bebauung von 8000 Dunam früheren Sumpfbodens. Die Drainage wird gegen 18 000 Pfund kosten. Das Geld kommt zu einem Teil (7500 Pfund) von der Regierung, der Rest von dem moslemischen Rat, dem Besitzer des Bodens und der Gesellschaft ״Hanotca“ deren Böden in Nathania an das Sumpfgebiet grenzen. Der Verband der jüdischen Landwirte Palästinas hat eine Aktion zur Wiedererweckung der alten Fruchtbarkeit (ialiläas unternommen. Eine Sachverständigenkommission wurde nach Galiläa entsandt, um die landwirtschaftlichen Verhältnisse zu studieren. Es verlautet, daß die Ica sich an der Durchführung des Planes zu beteiligen beabsichtigt. Politik, Gesellschaft, Kultur Die Wahlen zur Tel-Awiwer Stadtverwal• tung, die für den 6. Juni angesetzt waren, werden wahrschcinlich verschoben werden, weil eine große Zahl von Protesten von Untermietern eingelaufen sind, die sich gegen die Entziehung ihres Wahlrechtes durch die Wahikomnv.tsion wenden. In einem Gesetzesvorschlag bringt die Regierung verschiedcnc Aender ungen des Pächterschutzge* setz es. Danach wird nicht nur das Stück Land unter Schutz gestellt, das der Pächter als sein eigenes bestellt, sondern auch sein Anteil an dem gemeinsamen Dorfeigentum. Die Kultivationszeit, die gefordert wird, um das Gesetz in Kraft treten zu lassen, wird als die für zwei Ernten erforderliche bezeichnet. (Bisher war ein Jahr erforderlich; für zwei Ernten genügt unter Umständen auch eine kürzere Zeit.) DAS ENGLISCHE REGIERUNGS IURILÄUM IN TEL-AWIW Bürgermeister Ditcngoff verliest die Glückwunschurkundc der Stadt Tel-Awiw. Rechts neben ihm: Distriktskommissionar Crosby, links: Sludis&kretOr Nidiwi. Foto! L.•״ D4««* Die Campagne des Keren Haicssod für die Rothschild-Aktion in Palästina macht gute Fortschritte. Die Aktion soll 30 000 Pfund einbringen. Davon hat die Arbeiterschaft 8000 Pfund, die aus Deutschland Eingevvanderlen 5000 Pfund übernommen. Beide Quoten wurden aufgebracht. Der Keren Hajessoil beginnt mit der Aufbringung der restlichen 17 000 Pfund. G i w a 111 H a s c 111 o s c h a h, eine landwirtschaftliche Kollektivsiedlung bei Petach Tikwah, feierte ihr z e h!1 j ä h - r ו g c 8 Jubiläum. Bei dem Fest w aren 5000 Gäste anwesend. F. A. S t o c k d a I e, der landwirtschaftliche Berater des K o 1 o n i a I a m t s, hat nach einem Studienaufenthait von mehreren Wochen Palästina verlassen. Er w׳ird dem Kolonialaint einen Bericht über die palästinensische Landwirtschaft und die Wege zu ihrer Förderung vorlegen. Die U c b e r w a c 11 u n g d er p a! ä sfinensischen Küste ist reorganisiert worden, um die illegale Einwanderurig zu unterbinden. Ls wurden 9 arabische Polizeibeamte zeitweilig ernannt, die zusammen mit 17 britischen Polizisten die Küste im Scharon bewachen. ln dem Kampf gegen den Mufti von Jerusalem, der in der arabischen Presse andauert, veröffentlicht der Jaffaer ״Felestin" das Faksimile eines Dokuments aus dem Jahre 1029, mit dem er naehweiseii will, daß der Mufti damals im Bunde mit dem extremen Flügel der englischen Tories bemüht gewesen ist, i.ord Brantfoid in Aegypten einen guten Empfang zu sichern. Diese Aktion tur England hätte der Mufti unter dem Deckmantel einer nationalen Delegation nach London und mit für die Opfer der Unruhen von 1929 aufgebrachtem (!ekle durehgefuhrt. Der internationale Frauenkongreli in Istanbul hat die arabische F r a u e n o r g a 11 1 s a 1 i o n in Palästina in die internationale F r a n e n v e r e i n i gu n g ausgenommen. Philby, der bekannte ()rientpolitiker und Berater von Ibn Saud besuchte I> a 111 a s k u s und j e r 11 s a I e 111. Am 20. Mai ist eine Konferenz ü b e r d i e Lage der hebräischen S p r a c 11 e u 11 d L i t e r a t 11 r nach Jerusalem einberufen worden. Delegierte aus den üaluthländern und aus Palästina werden sich beteiligen. Michael A s s a f hat im Verlag ״Dawar“ ein Buch über die ״Geschichte der arabischen Herrschaft“ herausgegeben. Die Schauspieler, die Georg Kaisers ״Oktobertag“ zur Aufführung gebracht haben, bereiten jetzt eine Aufführung von Lessings ״Nathan der Weise“ unter der Regie von Benno Frankel vor. Den Nathan wird Hermann Heuser spielen. Palästinensische Kammeroper Mozarts: ״Entführung“ Tel-Awiw, Anfang Mai 1935 Obwohl die Hitzewelle am Tage der Aufführung ihren Höhepunkt erreicht hatte, wies die Premiere im Tel-Awiwer Mograbi-Theater einen ausgezeichneten Besuch auf. Das Hinüberwechseln vom kleinen einaktigen Singspiel zum abend« füllenden geschlossenen Werk ist als geglückt zu bezeichnen. Das Orchester der palästinensischen Philharmonisch-Symphonischen Vereinigung zeichnete sich unter Führung von Hans Sc lilesinger durch besonders sauberes und exaktes Spiel aus, die Einsätze waren korrekt und dem Hörer wurde ein ungetrübter Genuß Mo/artscher Musik zuteil. Das geschmackvolle Bühnenbild von M o k a d v half dem Regisseur Benno F renket den Ablaut der Handlung mit dem Glanz des Märchens zu versehen. Auch die gesanglichen Leistungen standen für hiesige Verhältnisse aut einer sehr beachtlichen Höhe. Der Bassist Rudolf Lazar bewies erneut, daß er über ein selten schönes Material und über eine bei Sänger« nicht oft beobachtete Bühnensicherheit vertilgt, während Leo Magido als Belmonte zwar gesanglich recht befriedigte, aber in der Bewegung noch viel freier werden muß. Marcel Noe sang äußerst kultiviert den Pedrillo und verlieh darstellerisch seiner Figur das BuffohafH׳, das ihr zukommt. Leider war Elly Kurz, der die Konstan/e anvertraut war, an diesem Abend durch eine starke Erkältung behindert, hielt jedoch tapfer bis zum Schluß durch, um die Aufführung nicht zu gefährden und ließ noch im Piano erkennen, was sie an Musikalität und Gesangstechnik zu geben vermag. Die zweite Frauenroiie war bei Mirjam Sega II ausgezeiclinet aufgehoben, und man erhielt von neuem den früheren Eindruck bestätigt, daß in ihr die palästinensische Oper eine wertvolle Kraft erworben hat. Josef Schapira ergänzte mit einer Sprechrolle das Ensemble. Manfred Geis Konzert Jüdischer Autoren (9. Taube-Konzert in Tel- Awiw). Die größte Ueberrasclnmg war der Heine-Zyklus: ״Der brave Soldat“ von Erich Walter Sternberg. Hier ist —< im guten Sinne — revolutionäre Musik; keine in Melodie gesetzte politischen Formeln, sondern der effektive Ton Ausdruck für die Unentwegtheit der Freiheitsuche. Sicher sind Weiß und Eisler nicht spurlos an diesem Werk vorübergegangen, aber für das Gespenstische, das Wühlerische, das Unpolitisch-Prinzipielle des Kampfes ist hier ein sehr starker und persönlicher Ausdruck gefunden. — Die Baritonpartie war Karl Salon! on wie auf den Leib geschrieben. Gegenüber dein rücksichtslosen Expressionismus dieses Werks wirkte das in der Klangwelt des Impressionismus stehende ״Concerto grosso“ von Emcst Bloch geradezu wie ein klassisches Monument. Ernst Toclis .,Bunte Suite“ —• ein nett-theatriges Divertimento ohne tiefere Bedeutung —* und Karol Rathaus’ ״Kleine Ouvertüre“ — (für Streich- Orchester und Trompete) — eine etwas konstruiert lustige und bewußt geschauspielerte Musik — fielen trotz Originalitat der Erfindung und bekannter Kennerschaft schon etwas ab. — Das Werk von Toch dirigierte Taube nach klassischein Muster vom Klavier aus. Die M a h i e r - L i ed c r sang Edith Boruschck stimmschön. Der Stil dieser Mahler- Darstellung als solcher ist jedoch problematisch. Mendels* sohns Scherzo aus dem ״Sommernachtstraum“ war ein spritzig-klassisches Intermezzo. Dieses Konzert zeigte an interessanten Beispielen die Beziehungen jüdischer Autoren zu den Strömungen der Zeit. Dirigent und Orchester und Solisten waren ausgezeichnet in Form. Es ist zu bewundern, wie die Musiker bei so ungewohnter Musik funktionieren. — Taube leitete mit bekannter Lebendigkeit und Kraft. A. J.-L. Berichtigung. Drei der in Nr. 33 veröffentlichten Photos von der Makkabiah, und zwar die Bilder von Lilian Copeland, Miß lifson und Dr. Horowitz stammten von Lasar Dünner, Tcl-Awiw,