Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 37 (7.5.1935)
- Date
- 1935-05-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Palästinensisclie Umscliau NR. 37, 7. MAI 1935 Mord in Jerusalem Soziale Arbeit Von Dr. Else Bodenheimer-Biram, Haifa Die Frage der organisierten sozialen Fürsorge in Palästina wurde von der ״jüdischen Rundschau“ wiederholt zur Diskussion gestellt. Es sind Mängel aufgezeigt worden, wie das ernste Problem der Kinder-Verwahriosung, das in seiner Schwere zum erstenmal vor die Oeffentlichkeit gestellt worden ist. Eine Frage wurde bisher nicht gestellt: sind wir deutscher! Juden berechtigt, mit unseren Mali- Stäben zu messen, unsere Vorstellungen aut die Dinge hier zu übertragen? Sind wir nicht zu kontinental, zu sehr gewohnt, mit unserem Ressentiment die Welt zu beurteilen? Die . Hilfsbedürftigen sind zum größten Teil weniger euroäisiert. Es sind orientalische, marokkanische, sephardische, urdische, ägyptische, jemenitische neben griechischen, polnischen, russischen Juden. Aus dieser Diskrepanz ergeben sich für uns nicht nur die großen Schwierigkeiten der sprachlichen Verständigung, aus ihr resultieren oft auch Fehlurteile und falsche Ansprüche. Oft wird erbitterte Klage von solchen Menschen erhoben, die in Deutschland von den jüdischen Wohlfahrtsämtern der Gemeinden unterstützt wurden — meist Juden ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die bei der öffentlichen Armenpflege nicht zuständig waren. Alle diese Stellen waren im Wohlfahrtsstaat erster Ordnung — in Deutschland ■— gut organisiert und finanziert. Nun kommen solche und andere Olim in die hiesigen Fürsorgestellen. Oft sind sie gerade in der ersten Zeit ihres Hierseins von unvorhergesehenen Schicksalen, wie Krankheit, betroffen. Da reicht die Beratungsstelle der Hitachdruth Olej Germania nicht aus, die auch soziale- Arbeit und Kinderfürsorge betreibt. Da suchen sie andere Stellen. Gibt es eine Regierungsstelle oder eine Stadtverw׳altung, die ihnen hilft? Nein. Wie ist die soziale Fürsorge organisiert? In den drei größeren Städten des Landes — in Jerusalem, Tel- A w׳ i w und Haifa — ist die ״Esra Sozialit“ an den Waad Hakehilla angeschlossen. Jetzt wird auch in Petach Tikwah eine solche Fürsorgestelle eingerichtet. Früher wurde diese Arbeit von der Wizo und den Frauenorganisationen geleistet, die Pioniere der sozialen Arbeit waren. Auf ihren Erfahrungen bauen die Komitees der ״Esra sozialit“ auf; sie erhalten ihre Mittel von der Gemeinde und betreiben eine Art Faniilienfürsorge. Im Vergleich zur westeuropäisehen Judcnlieit ist die Judenheit Palästinas sehr arm, und selbst jetzt, in der Zeit der sogenannten Konjunktur, w0׳ die Männer und auch die Frauen Arbeit finden, wächst eine Art von P r o 1 e t a r i a t heran, das grundverschieden ist von der zielbewußten, wirtschaftlich und kulturell hochstehenden Arbeiterschieht des Landes und der Städte. Starker Andrang herrscht in den täglich abgehaltenen Sprechstunden, die durch Hausbesuche ergänzt werden. Nach Prüfung des Falles wird Hilfe erteilt: Hilfe in Form von Lebensmitteln, von Eßkarten, von Fahrkarten, Zuschuß zur Miete, zum Schulgeld, das Opfer von den Eltern erfordert, weil die Schulen ihren Etat größtenteils selbst aufbringen müssen. Da kein staatlicher Schulzwang besteht, liegt die Versuchung nahe, Kinder frühzeitig aus der Schule herauszunehmen, und so die Koster! für Schulgeld und Lernmittel zu sparen. Hier versucht die ״Esra sozialit“ aufklärende Arbeit zu leisten. Aber wie kommt sie an die Kinder heran? Meldet die Schule oder der Lehrer, w׳enn ein Kind fortgeblieben ist? Kein Gedanke. Meist erfährt die Beamtin davon, wenn ein Junge oder ein Mädel in die Sprechstunde kommt und Arbeit sucht. Es sind oft winzige Kerlchen von 12—14 Jahren, zum Teil unterernährt und verwahrlost, die Verdienst suchen. Die Beamtin nimmt mit ihnen eine kleine Prüfung vor: lesen, schreiben, rechnen (in hebräischer Sprache) und kommt meist zu dem kläglichen Resultat, daß das Wissen dieser Kinder etwa dem von 2—3 Volksschulklassen entspricht. Dann wird versucht, durch Zuzahlung von Schulgeld und durch Ein- Wirkung auf die Eltern den Schulbesuch weiter durchzusetzen, aber oft ist die häusliche Not größer als die Ueberzeugungskraft der ״Esra sozialit“, oft sind auch die Kinder froh, der Schule entronnen zu sein und bleiben ihr endgültig fern. Wenn wir die soziale Not zahlenmäßig zu verstehen versuchen, so entsprechen zum Beispiel 300 Familienfälle in Haifa etwa 6 ״,״ der jüdischen Bevölkerung (bei einer angenommenen Zahl von 25 000—30 000 Juden). Dieser Prozentsatz ist nicht ungünstig; er war bei den jüdischen Wohlfahrtsämtern in Deutschland in den Jahren 1931 und 1932 mindestens so groß und ist später noch gestiegen. Aber wenn wir nicht nur die Zahl der Fälle, w׳enn wir auch den Orad der Hilfsbedürftigkeit vergleichen, so ist die Not viel tiefer, das Elend abgründiger, die Vergleichsmaßstähe hören auf — die Armut sieht anders aus als in irgendeiner deutschen Groß- oder Kleinstadt. Der 'Damm wird weggerissen, den wir vor das Wort ״Existenzminimum“ gestellt haben. Mit ihm schwanken manche andere traditioneller Vorstellungen von der Ehemoral, von der Heiligkeit jüdischen Familienlebens. Wer nicht die ״Rechow J e h u d i m“ (Judengasse) in der Altstadt von Haifa gesehen hat, kann sich kein Bild Vom Gesicht jüdischen Elends machen, das durch den orientalischen und arabischen Beigeschmack noch verzerrt und entstellt wird, wei! beide Einflüsse sich negativ auswirken. Diese lichtlose, von hohen Häusern eingefaßte Straße liegt im Hafenviertel. Sie führt zum Schuh, dem stinkenden arabischen Markt, über den Esel getrieben werden, Lastträger Waren schleppen, Juden und Araber in buntem Gemisch durcheinander laufen oder auch müßig herumstehen. Die Häuser haben große Höfe, wo gekocht, gegessen, gewaschen wird, wo das Leben der zahlreichen Bewohner eines solchen Quartiers sich abspiclt. In den Höfen, in den Stuben alte verwitterte, zerbrochene Steinplatten, die Brutstätten von Schmutz und Ungeziefer sind. Die Wohnungen sind verwahrtost, die ganze Straße ein großer Korridor, in dem Unrat sich anhäuft. Geht einmal Freitag mittag durch die Straßen, wenn der Wasserträger für ein paar Milim Wasser in Blechbannen in die Wohnungen trägt, in denen es weder Wasser noch Kanalisation gibt. (Wir w aren in einem allerdings großen Kaum, wo in 2 Betten 10 Menschen schliefen — auf einem Bett ein Säugling in Lumpen — in einem anderen Raum, in dem eine schwindsüchtige Frau mit 2 Töchtern schläft, der Kein Licht und keine direkte Lüftung hatte. In einem Hause fanden wir eine 90jährige Greisin im Sterben — eine schwachsinnige Alte bei ihr. Auf unser Rufen kam ein junges Mädchen aus der oberen Wohnung. Sie betreut die Alte, die keinen Verwandten, keinen eigenen Menschen hat. Aber and! hier ist die Nachbarschaftshilfe stark ausgeprägt, wie l!״ter den Armen der ganzen Welt.) Und ist es anders auf dem Schuk in Jerusalem, in den engen, winkligen, auf den Touristen oft so malerisch wirkenden Gassen und Gäßchen der Altstadt? Auch von hier aus gesehen kommt alles darauf an, die Kinder zu erfassen, sie zu brauchbaren Gliedern der jüdischen Gemeinschaft heranzubilden. Diese Erziehungsarbeit winde Jahre hindurch vornehmlich von den Schulen der AJliance Isradite und des Hilfsvereins geleistet. Heute ist ein Erziehungsnetz von Schulen über das ganze Land ge- Jerusalem, 5. Mai. (JTA.) Der Instruktor der Nationalen Arbeitergewerkschaft, Kalman Schapiro, ein Sohn Rabbi Jesaiah Schapiros, w urde bei einem Abendspaziergang in Jerusalem von Arabern angegriffen und ermordet. Schapiro war in Begleitung einer Dame, gegen die ein Sittlichkeitsattentat versucht wurde. Bei der Verteidigung seiner Begleiterin wurde Schapiro getötet. Die Täter ergriffen die Flucht. Unter dem Verdacht, den Mord begangen zu haben, wurden zwei Araber verhaftet. Die Tat wurde um Mitternacht in dem rein jüdischen Vierte! Kerem Awraham verübt. Schapiro begleitete zwei Mädchen nach Hause. Mit Polizeihunden wurde die Spur der Mörder vom Schauplatz der Tat bis nach Lifta verfolgt. Der Mord hat in Jerusalem ungeheures Aufsehen erregt. Ausgrabungen in Palästina Ein keramischer Fund in Gerasa Naturgemäß stehen für uns diejenigen palästinensischen Forschungsergebnisse im Vordergrund, die die jüdische Rcligion und* Kultur unmittelbar betreffen. Doch kann nicht daran vorbeigegangen werden, daß die Kenntnis der griechisch-römischcn Kultur auf dem Boden Palästinas wichtig ist. Es ist nötig, eine Anschauung davon zu bekommen, wie weit sich der fremde Einfluß im Lande festzusetzen vermochte, wie tief er eindrang und wie schwer der Widerstand gegen ihn war. Uni nationale Bewegungen, wie die der Makkabäer oder des Bar Kochba richtig einzuschätzen, muß man auch die Stärke der Gegner kennen. So ist ein Fund wichtig, der in Gerasa (Dscherasch) im Ostjordanland unlängst gemacht worden ist. Gerasa (Dscherasch) ist vielleicht die pompöseste Ruinenstättc des Landes. An archäologischemW ert ist es unmittelbar hinter Palmyra einzureihen. Noch stehen die wundervollen Säulenreihen der Hauptstraße, die für alle diese Städte typisch sind und die auch Jerusalem einmal durchquerten. Noch stehen Tempel und Theater und Brunnen. Beim Straßenbau am Siidende der modernen Ortschaft stieß ein Arbeiter auf eine kleine Höhle, gefüllt mit Terrakottafragmenten. Da amerikanische Archäologen in Gerasa graben, wurden sie mit der Untersuchung betraut. Es stellte sich heraus, daß die Höhle ursprünglich als Grab benutzt und später ausgeraubt worden war. Dann hatte der Platz zur Aufstellung einer Oelpresse gedient und zuletzt hatte ein Töpfer dort eine Art Magazin eingerichtet oder vielleicht auch nur seine nicht verkaufsfähige und zerbrocheue Ware aufgestapeft. Es sind in erster Linie Lampen der typischen römischen Form. Die Henkel sind oft mit kleinem plastischen Schmuck verziert, wie Masken, Löwen- oder Pterdeköpfe. Kleinplastiken, die als Schmuckfiguren in den Häusern aufgestellt gewesen sein mögen, enthält der Fund in großer Zahl. Die meisten sind Kopien klassischer Werke, von Praxiteles und anderen großen Meistern. Auch eine kleine Replik der drei Grazien, der berühmten Gruppe aus Pompeji, hat sich gefunden. Die römische Kunst war sehr unselbständig und liebte es, griechische Werke zu kopieren. Die wuchtigsten Stücke dieses Fundes sind in der Zeit Kaiser Hadrians entstanden, der Gerasa im Jahre 130 hesuchte. Seine Reise ist für die Geschichte Gesamt-Palästinas von großer Bedeutung gewesen. Ergebnisse der Ausgrabungen In Bethel Die Untersuchungen, die von einer amerikanischen archäologischen Expedition unter Leitung von Professor W. F. Albright und Mitarbeit von Professor James L. Kclso (Pittsburgh) seit längerer Zeit durchgeführt worden sind, ließen von vornherein große Erwartungen aufkommen. Handelt es sich doch um eine der wichtigsten Stätten des biblischen Palästina, denjenigen Ort, der nächst Jerusalem in der Bibel am häufigsten genannt wird. Schon zur Zeit Jakobs ein besonders heiliger Platz, behielt es nach der Eroberung Palästinas seinen Ruf. Während der Richterzeit war dort ein bekanntes Höhen-Heiligtum. Jerobeara, der Nachfolger Salomos im israelitischen Teil des Reiches, stellte in Bethel ein Stierbild auf und machte die Stätte dadurch zu einem der Mittelpunkte seiner Abgötterei. Sie wurde dort fast durch die ganze israelitische Königszeit geübt. Erst Josiah machte dem Götzendienst an dieser Stätte ein Ende, kurz vor dem Untergang des judäischen Königtums. Die Ausgräber konnten also hoffen, an dieser Stätte Aufklärung über das kanaanitische Heidentum in vorisraelitischer Zeit und den Götzendienst in israelitischer zu finden, eine der brennendsten Fragen der Archäologie in Erez Israel. Um es gleich vorwegzunehmen: diese Hoffnung ist auch in Bethel enttäuscht worden. Die Ausgrabungen haben ergeben, daß fn Bethel mindestens zwölf verschiedene Wohnschichten übereinander iiegen, die Ablagerungen aufeinander folgender Kulturen und Geschichtsperioden, die sich an dieser Stätte ablösten. Die ältesten Kulturschichten beginnen etwa 2000 v. Chr., in der Zeit Abrahams. Wie überall, wo Ausgrabungen mit biblischen Berichten oder Ueberlieferungen verglichen werden können, erweist sich die Bibel als durchaus zuverlässige Geschieht־- uelle. Diese erste Schicht gehört, wie das benachbarte Ai, er späteren Bronzezeit an. Auch die beiden folgenden Schichten gehören den in der Zeit vor der israelitischen Besiedlung, sind also kanaanitisch. Wie fast alle Städte dieser Zeit war auch Bethel sehr gut gebaut und stark befestigt. Man versteht die Furcht der israelitischen Wanderstämme breitet, gibt es Horte und Kinderheime, und die Tipat Chalaw (Säuglingsstationen) der Hadassa leisten Vorbildliehes für das Kleinkind. Damit sind natürlich nicht alle Mißständc beseitigt. Und selbst wenn man mit der vorhandenen Not aufräumen könnte, werden in ein Einwanderung«- land wie Palästina immer wieder neue Nöte hereingetragen. Es fehlt nicht die Organisation, es fehlt nicht die Einsicht in das, was zu geschehen hat, es fehlen auch nicht Mensehen, die fähig und willens sind, die Arbeit zu leisten, es fehlt zuerst und zuletzt an Mitteln. Der Gesundungs- Prozeß, der im Verständnis für die Erfordernisse der sozialen Arbeit und in ihrer Organisierung liegt, kann sich zum Wohle des Landes nur dann auswirken, wenn Mittel in großzügiger Weise zur Verfügung gestellt werden. Die Juden Palästinas können diese Mittel nicht allein aufbringen; sie sind zu arm, ihre wirtschaftliche Potenz ist entweder zu gering oder zu sehr am Aufbauwerk beteiligt. Darum muß auch jetzt — wie immer — Hilfe aus der Galuth kommen. An dem Heim der Nationalen Gewerkschaft wurde zum Zelchen der Trauer die schwarze Flagge gehißt. (Im deutschen Rundfunk wurde Sonnabend abend die Nachricht von der Ermordung ״des Sohnes eines bekannten- Zionistenführers“ ohne Namensnennung durchgesagt. — Anm. der Red.) In Haifa wurde die Jüdin Helene Vitos, als sie mit einem Bekannten spazieren ging, von einem arabischen Jungen, der sich in Begleitung zweier erwachsener Araber befand, angeschossen und verletzt. Der Junge!und seine beiden Begleiter wurden verhaftet. Lily Da über aus Amerika wurde am letzten Sonntagmorgen (5. Mai) in Jerusalem Reliavia tot aufgefunden. Es scheint aber kein Mord vorzuliegen, sondern ein Un,glücksfall oder Selbstmord. beim Anblick solcher Städte, ״befestigt bis an den Himmel“. Die Häuser waren gleichfalls gut gebaut. Der Fußboden war gepflastert und glatt, die Wände waren mit Bewurf versehen und Abflußleitungen angelegt. Das Tongerät, das sich hier so reichlich fand, wie überall in Kanaan, war gute Ware. Der wichtigste unter den Lunden war ein Sicgelzylinder (besser Rollsiegel), das die Bilder des Baal und der Astharte trägt, unter Beifügung ihrer Namen in ägyptischer Hieroglyphenschrift. Es ist ein typisches Produkt der kanaanitisehen Mischkultur. Daß dieses Durch/ugsland Vorderasiens Elemente vom Norden und vom Süden,'" von Babylon und Aegypten aufnahm, war unausbleiblich. Gewöhnlich überwiegen die ägyptischen Elemente, weil das vorisraelitische Kanaan tatsächlicher Bestandteil des ägyptischen Reiches war. In unserem Siegelzylinder scheinen sie sich die Waage zu halten. Die Siegelform ist babylonisch, die Götter gehören dem babylonischen Kreise an und waren auch in Kanaan verehrt, die Inschrift ist in ägyptischer Schrift. Es gibt zu diesem Siegelzylinder bereits ein Gegenstück, das Sellin in Thaanach gefunden hat. Auch dort stehen Hieroglyphen zu seiten der Bilder, außerdem trägt es in Keilschrift den Namen des Besitzers: Athanahili, Sohn des Habsi, Diener des Nergal. Der Besitzer war also ein mehr oder weniger echter Baby- Ionier. Die Ausgräber datieren das Stück ins!3. Jahrhundert und offenbar (der Bericht ist über diesen Punkt nicht sehr ausführlich) geht hierauf die Mcinnog zurück, daß Bethel erst während des 13. Jahrhunderts von Israel erobert worden ist. Aber diese Fakten bedürfen energischer Nachprüfung. Die ln- Schrift auf der Sicgcsstelle des ägyptischen Königs Merenptah (1225—1200 v. Chr.) beweist, daß Israel gegen das Ende des 13. Jahrhunderts nicht nur in Palästina seßhaft war, sondern es auch gewagt hat, gegen den Pharao Krieg zu führen. Auffallend ist auch in Bethel wieder, daß sich so wenig Spuren von dem kanaanitischen Götzendienst gefunden haben, von dem die Bibel mit so großem Abscheu spricht, ln ganz Kanaan ist diese überraschende Erscheinung bemerkbar. Im Lande kommen zwar Unmassen von kleinen Astarte-Figürchen aus Terrakotta vor und Götterfetische in Maßeben-Form, aber bisher ist kein Götterbild von erheblicher Größe gefunden worden, keines, das man gleichwertig neben hethitische oder babylonische oder ägyptische stellen könnte. Entweder war also die Zerstörung dieser Götzen durch Israel so gründlich, daß keine Spur mehr von ihnen geblieben ist, oder der kanaanitische Kult war der Großplastik schon relativ abgeneigt. Ueber diesen kanaanitischen Siedlungsschichten liegen fünf weitere aus der Zeit zwischen dem 12. und 9. Jahrhundert, also der der Richter. Die beiden ältesten Siedhingen sind durch Brand zerstört, vermutlich erobert worden. In der folgenden Periode, der des geteilten Königtums, sind viele Gebäude zugrunde gegangen und wieder ausgebessert worden. Eine eigentliche Zerstörung hat aber vor dem 6. Jahrhundert nicht wieder stattgefunden, als Bethel von den Babyloniern genommen wurde. (Dann scheint die Stadt erst wieder nach 300 v, Chr., in der Zeit der Ptolemäer und Scleuzidcn, zu einiger Bedeutung gekommen zu sein. Diese Periode endet mit der Einnahme durch den makedonischen Feldherrn Bacchides, den Gegner de־ Makkabäers Jonathan, um 160 v. Chr. Die nächste Siedlung blühte in der Hasmonäerzeit und wurde gegen 70 v. Chr. verlassen oder zerstört. Die letzte Ortschaft an der Stätte von Bethel bestand etwa während der letzten 7(3 Jahre des zweiten Tempels und endete mit der Einnahme durch Vespasian. Die Aufeinanderfolge dieser letzten Stadtsiedlungen entspricht sehr genau dem Bilde von Krieg und Unruhe, das die Geschichte dieser Zeit gibt. Dr. Ernst Cohn-Wiener Eine Ruine eines Makkabäer-Schlosses entdeckt Wie ״Palcor“ aus Jerusalem berichtet, entdeckte der Archäologe der Hebräischen Universität Jerusalem, Dr. S u k e n i k, oberhalb Jerichos die Uebcrrestc eines Schlosses aus der hellenistischen Zeit, das der Schauplatz einer tragischen Begebenheit in der Geschichte der liasmonäer’ war. Es ist der. Ort, wo im Jahre 135 v. Chr. Simon Makkabäus durch seinen Schwiegersohn Ptolemäus, bei dem er zu Besuch weilte, ermordet wurde. Die Uebcrrestc liegen oberhalb des griechischen Klosters am Dschcbel Karantal, das den Kreuzfahren! unter dem Namen Karantana bekannt war. Die Mönche des griechischen Klosters begannen vor 30 Jahren an der Bergspitze das Fundament für eine Kirche zu graben, gaben aber den Plan wieder auf. Beim Graben fanden sie eine Anzahl Steine, darunter indische Säulenkapitelle, die Ueberreste eines Frieses und andere Ruinen. Diese Altertümer blieben jedoch unbeachtet, bis jetzt anläßlich des Besuches von Sukenik die Sache näher untersucht wurde. Nach dem Glauben der Kreuzfahrer ist der Berg Karantana der Schauplatz der Versuchung Christi während seines vierzigtägigen Wüstenaufenthalts. Der alte Namen des Ortes Dokkor oder Dokkos kommt iin ersten Buch der Hasmo-i näer vor. Rabbi Amiel Oberrabbiner von Tel-Awiw Antwerpen, 3. Mai. (JTA.) Der Oberrabbiner von Antwerpen, Rabbi Amiel, ein Führer des Misrachi, wurde als Nachfolger des verstorbenen Rabbi Aronson als aschkenasischer Oberrabbiner nach Tcl-Awiw berufen. Rabbi Amid dürfte sich bereits in nächster Zeit nach Palästina begeben, um seinen neuen Posten anzutreten. Der Brüsseler Oberrabbiner und ehemalige Oberrabbiner von Danzig, Rabbi Segalowitsch, hat einem Ruf als Oberrabbiner von Haifa Folge geleistet und ist bereits nach( Palästina abgereist.