Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 36 (3.5.1935)
- Date
- 1935-05-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 JÜDISCHE KUNDSCHAU Nr. 36, 3. V. 1935 Der Berner Prozeß Den aus Bern vorliegenden Berichten ist zu entnehmen: Von den Beklagten im Berner Prozeß um die ״Protokolle der Weiten von Zion“ waren zu der Verhandlung am 29. April Aebersold, Haller und Silvio Schnell erschienen. Aus München war die Mitteilung cingctroffen, daß der Angeklagte 1 •Hoher verhindert sei, an den Verhandlungen teilzunehmen. Silvio Schnell wird durch die Anwälte Ruef (Bern) und Dr. Ursprung (Zurzach) vertreten. Für die Kläger, den Schweizerischen israelitischen Gemeindebund und die Israelitische Kultusgcmeinde Bern, waren die Herren M. Bloch und E. Bernheim erschienen. Anwälte der Kläger sind Prof. Dr. H. M a 11 i und Georges Brunschvig. Zu Beginn der Verhandlung teilte Gerichtspräsident W. Meyer mit, daß der Untersuchungsrichter der vom Anwalt Ruef cingereichten Strafanzeige wegen falscher Zeugenaussage gegen Dr. Wci/mann, Exminister Miljukoff, Prof. Swafikoff, Oberrabbiner Ehrenpreis u. a. in bezug auf neun von /elm der Zeugen keine Folge ge* geben habe, lieber die Anzeige gegen den zehnten Zeugen der Oktoberve! handlimgcn, B u r z e I f, wird der Untersuchungsrichter später die Fntseheidung treffen. Für diese Verhandlung sei im [!invernehmen mit der Staatsanwaltschaft die Strafanzeige aufgehoben. Ein Antrag des Anwalts Ruef, das Prozeßverfahren bis zur Erledigung aller Strafanklagen cinzustcllen, führt zu einer längeren Diskussion zwischen den Anwälten, dem Gutachter Fleischhauer und dem Vorsitzenden und wird schließlich abgelehnt. Es folgt eine Aussprache über die B c t ä t i g 11 n g d e s tl u t a e!11 e r s Fleischhauer in der antisemitischen Bewegung. Die Aussprache wird mit der Fc-f-teihing des Vorsitzenden, daß ein Ab- Ichming-antrag gegen den Gutachter Fleischhauer nicht vorliege, abgeschlossen. Gutachten Prof. Baumgartens Nach einer kurzen Pause nahm sodann der von der Klägcrseite benannte Sachverständige, der Professor der Rechtswissenschaft an der Universität Base! Dr. A. Baumgarten, das Wort. Er führte ungefähr aus: Den ersten Eindruck, den man heim Lesen der ״Protokolle“ gewinnt, ist, daß es sich um ein phantastisches G e b i I d e handelt, über das die Geschichte nichts zu herichten weiß. Die ,,Protokolle'* sind nichts als eine Fätschung. Diese Fälschung bezweckt, die Juden in den wüstesten Farben zu schildern. Die ״Protokolle“ erschienen zuerst in dem Blatt der berüchtigten russischen Reaktionäre, die man als ״Die Schwarzen Hundert“ be/eiehnete, in der ״Snama“. Prof. Baiimgarten beschäftigte sich sodann mit den Ausgaben der ״Protokolle“ von Nilus und Butmi und schilderte die Persönlichkeit des Nilus, der halb geistesgestört war. Nilus selbst habe absolut nicht an die Echtheit der ״Protokolle“ geglaubt arid erklärt, Gott könne auch durch den Mund eines Fälschers die Wahrheit sprechen. Eine bedeutende Rolle in der Geschichte der ״Protokolle“ habe der notorische Fälscher Ratschkowsky, der über• dies ein großer Judenfeind war, gespielt. Sein Hauptmitarbeiter war der Fälscher Golowinsky. Beide seien hervorragende Agenten der russischen Geheimpolizei des Zarenreiches gewesen, denen für ihre Zwecke jedes Mittel recht war. Die gefälschten ״Protokolle“ standen Ratschkowsky schon in den 9<)er Jahren zur Verfügung. Die russische Regierung schenkte ihnen jedoch vorerst keim■ Beachtung und cs war auch nicht leicht, dem großen Publikum die Fälschung als echte Protokolle hinzustcllen. Die ״Protokolle“ wurden sodann Nilus in die Hände gespielt, der mit ihrer Hilfe am Hof Einfluß zu gewinnen und insbesondere den mit vielen hochstehenden Persönlichkeiten, u, a. auch Ratschkowsky, verfeindeten Günstling des Zaren Nikolaus 11., den französischen Magnetiseur Phillip, zu verdrängen suchte. Da Phillip Martinist war, ,11 o einem mit dem Freimaurertum in Beziehung stehenden Orden angeliürte, mochten die ״Protokolle“ als geeigne'e Waffe gegen ihn geben. Die Intrige mißlang jedoch und Nilus konnte sieh am Hofe nicht halten. Rcdeitfüiie'svoller als die Vorgeschichte erscheint dem Begutachter die Ihrige nach den literarischen Q u e 1 - Jen der ״Protokolle•‘. Er zitierte die berühmten 1921 in der ״Times“ er cfiiemmen Artikel, die den Beweis erbrachten, daß es sich bei den sogenannten ״Protokollen“ um das Plagiat eines Pamphlets gegen Napoleon III. handle. Die ,,Protokolle“ sind zu erheblichen Teilen fast wörtlich aus dem Buch ״I )ialogues;»!>; I hifers ent re Macchiavel et Montesquieu“ abgesebrieben. Der Verfasser dieses 1805 erschienenen Buches ist der nicht jüdische Advokat Maurice Joly. Die Fab,eher und Plagiatoren des Pamphlets von Joly wollten bewegen, daß I iheralisinus, Demokratie und Humanitat judb-che1 ׳ in: iclituiigeii sein sollten Der Gutachter schloß den ersten teil des 1 xposes, indem er betonte, daß noch nie ein f;11׳•. htmg'bew eis so viele unumstößliche Indizien einer I äBchiing te-tge-tollt habe, wie der vorliegende zur Fntliiilluiig der Enthebung der ״Protokolle'*. Der Fälsehungsbeweis müsse als restlos gelungen angesehen werden. Fleischhauers Gutachten Atn Dienstag trat Oherhleutnant a. D. Fleischhauer aus Erfurt als Sachverständiger auf. Auf Befragen hatte Fleischhauer am Vortag bestätigt, daß er Inhaber eines Vertags in Erfurt sei, in dem antisemitische Schriften erscheinen. Außerdem sei er mit Theodor Fritsch befreundet gewesen, der eine Ausgabe der ״Protokolle“ publiziert hat. Wie die ״Frankfurter Zeitung“ mitteilt, betonte der Gutachter ausdrücklich, daß er nicht Mitglied der NSDAP wäre. Fleischhauer widersprach der Auffassung Baumgartens, derrufolgc die Protokolle die Ursache zahlreicher Pogrome gebildet hätten. Durch Gegenüberstellung verschiedener Ueber* Setzungen charakterisierte er die IFenkart des Talmud und kritisierte die Uebersetzung, welche dem Gutachten Baumgartens zugrunde liegt, als einseitig ״jüdisch-apologetisch“. Bel der Beurteilung des Talmud dürfe man sich nicht durch das wenige Gute, das darin zu finden sei, blenden lassen und die große Linie darüber aus den Augen verlieren. Auch der Jude Disraeli habe erklärt, die Regierungen hätten nicht mir gegen fremde Fürsten und Minister zu kämpfen, sondern auch gegen die Geheim geselischaften. Aber auch aus der jüngsten Zeit lägen Beweise des jüdischen Einflusses auf die Weltpolitik vor. In der Warschauer jiddischen Zeitung ״Mo* ment“, die dem Gericht im Urtext vorgelegt wird, stehe ein Artikel, aus dem hervorgehe, daß die englisch-französisehen Abkommen, insbesondere der Luftpakt, von einem jüdischen Journalisten namei» Poljakoff verlaßt wurden Auch der Kellogg-Pakt entstamme einem jüdischem Gehirn. Im selben Blatt werde auf andere Fälle hingewiesen, wo Juden entscheidend auf die Weltpolitik eingewirkt hätten. Wenn das jüdische Volk sein Eigenleben habe und nicht unser Eigenleben zerstöre, würde man es in Ruhe lassen. Wenn die Juden den ehrlichen Willen hätten, hätten sie sich schon längst auf irgendeiner Insel, z. B. Madagaskar, Migesiedelt. Ueber die nötigen Mittel dazu verfügten sie sicher. Im übriger! wünsche er nicht den Prozeß zu einem religionsgeschichtlichen Kongreß werden zu lassen. In den Verbandhmgen vom Oktober 1934 seien die Zionisten als unbe* mittette arme Leute hingesteift worden. Im Gegensatz zu dieser Behauptung stehe aber die Tatsache der von jüdischer Seite vorgtmommenen Bestechungen einflußreicher Persönlichkeiten. Diesem Zwecken habe in erster Linie die jüdische Kolonialbank gedient, deren Statuten nach Ansicht des Gutachters in Artikel 7 ausdrücklich diese Korruptionsabsichten verfolgten. Der Sachverständige wandte sich darauf der Persönlichkeit von Maurice Jolys, des Verfassers der bekannten Broschüre ״Dialogue aux enfers entre Macchiavclle et Montesquieu“, zu. Diese Broschüre (die 1865 als Pamphlet gegen Napoleon III. gerichtet wurde), ist nach Auffassung des Sachverständigen Prof. Baumgartens vom Verfasser der sogenannten zionistischen ״Protokolle“ plagiiert worden. Fleischhauer ist der Ansicht, daß Jolys ein Jude gewesen sei. Mit dem von der Gegenpartei als Gegenbeweis beigebrachten Gcburts* Zeugnis habe es nicht seine richtige Bewandtnis. Der Sachverständige verweist zur Begründung seiner Ansicht auf ein vorhandenes Bild von Jolys, das eine starke Aehnlichkeit mit dem Juden Karl Marx aufweise. Auch wenn Jolys tatsächlieh Christ gewesen sei, könne es sich doch einfach um einen Taufjuden handeln, und ein Taufjude werde nicht von einem Tag auf den anderen ein Arier. Jolys habe seinen ״Dialogue“ im Auftrag freimauerischer Freunde geschrieben. Der Sachverständige zieht dann einen Vergleich zwischen den ״Protokollen“ und dem Programm des jüdischen Weltbundes. Beide Schriften zeigten nach seiner Ansicht starke Ärmlichkeiten. Das Dogma der jüdischen Weltherrschaft sei das politische System der Juden, an dem sich seit dem Tage der Gesetzgebung auf dem Berge Sinai bis heute nichts geändert habe. Der ״Dialoguc“ enthalte die tatsächlichen Grundzüge der jüdischen Politik, und weil dies der Verfasser der ״Protokolle“ wohl wußte, habe er die Broschüre Jolys’ seinen Vorträgen auf dem Zionistenkongreß zugründe gelegt. Jolys habe seinerzeit aus einer ganz alten Schrift geschöpft, die der Sachverständige in einem späteren Zeifpimkt nennen werde. Um einer eventuellen Aufdeckung der Quelle der ״Protokolle“ durch dritte Personen zuvorzukomnien, hätten die Juden zu Gegenmaßnahmen gegriffen und die Herkunft der ״Protokolle“ angegeben in der Annahme, daß man die semitische Abstammung Jolys’ nie erraten würde, ln der deutschen Uebersetzung von Herz seien gerade die Schlüsselstellen, welche die Doppelstellung Jolys’ offenbarten, gestrichen oder gefälscht. Von den Juden werde behauptet, das Buch Jolys’ sei in die Hände der russischen Antisemiten gekommen, die gewisse Stellen strichen und andere neu hinzuschriebcn und dieses Elaborat als ״Protokolle“ heratisgaben. Von einer F ä 1 - Gauleiter Groh& über die Judenfrage Wie der ״Westdeutsche Beobachter“ mitteilt, behandelte Gauleiter Grohd auf einer Führertagung der NSDAP, in einer Ansprache die Judenfrage. Er sagte u. a. folgendes: ״Wenn wir nicht wollen, daß unser Volk in zukünftiges neues Elend gestürzt wird, kann der Trennungsstrich zwischen Deutschtum und Judentum nicht schart genug gezogen werden. Genau so wenig aber wie die Partei duldet, daß sich das Judentum neuen Einfluß anrnsißt, und so sehr wir gewillt sind, diesen Todfeind deutschen Volksiums auch in der Wirtschaft immer weiter zuriiekzudrängen, so sehr wendet sich die Bewegung gegen Elemente, die glauben, unter dem Deckmantel des Antisemitismus die Ordnung unseres Staates stören zu können. Die Welt hat. sich davon überzeugen müssen, daß alle die erfundenen Grcuelmärc.hen unwahr sind und daß in Deutschland die Ruhe des Aufhaus herrscht. Wenn daher die Schandtaten einzelner Juden heute die Bevölkerung in berechtigte Empörung versetzen, dann müssen und werden Dienststellen unseres Staates gegen die Schuldigen einschreitcn. Es kann jedoch nicht geduldet werden, daß die Volksjustiz die des Staates ersetzt! Nlchtarier an den höheren Schulen Im Amtsblatt des Reichs- und preußischen Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung wird eine statistische U ebersicht veröffentlicht, die die Anzahl der Schüler und Schülerinnen auf den öffentlichen und privaten höheren Knaben- und Mädchenschulen in Preußen nach dem Religionsbekenntnis, der Reichs- und Rassezugehörigkeit bekannt gibt. Maßgebend ist der Stand vorn 1. Mai 1934. Die Nichtarier wurden aufgeteilt in Niclitarier mit arischem Einschlag (Halbarier), Kinder von Frontkämpfern und sonstige. Von den Nichtariern mit arischem Einschlag waren aut den öffentlichen höheren Schulen in Preußen 1359 Knaben, 1037 Mädchen, zusammen 2396. Auf den privaten Lehranstalten waren 14 Knaben Niclitarier mit arischem Einschlag und 208 Mädchen Nichtarier mit arischem Einschlag, zusammen 222. Insgesamt waren aut den öffentlichen und privaten Lehranstalten im Lande Preußen 1373 Knaben Nichtarier mit arischem Einschlag, 1281 Mädchen Nichtarier mit arischem Einschlag, zusammen 2654. Nichfarier als Kinder von Frontkämpfern wurden fezählt: Knaben auf den öffentlichen höheren Lehranstalten 487, Mädchen 2009, zusammen 4496, auf den privaten höheren Lehranstalten Knaben 145, Mädchen 446, zusammen 59i. Insgesamt wurden auf den öffentlichen und privaten höheren Lehranstalten in Preußen Nichtarier als Kinder von Frontkämpfern gezählt Knaben 2632, Mädchen 2455, zusammen 5087. Unter ״sonstige Nichtarier״ wurden gezählt auf den öffentlichen höheren Lehranstalten Knaben 1563, Mädchen 1125, zusammen 2688. Auf den privaten höheren Lehranstalten wurden als ״sonstige Nichtarier“ gezählt 132 Knaben und 284 Mädchen, zusammen 416. Insgesamt wurden als ״sonstige Nichtarier“ auf den öffentlichen und privaten höheren Lehranstalten gezählt 1695 Knaben und 1409 Mädchen, zusammen 3104. Gegenüber den 382 145 reichsdeutsehen arischen Knaben und Mädchen stehen also 10 845 Nichtarier aus den drei genannten Gruppen. Dazu kommt noch, daß sich unter den 3193 Ausländern, die die höheren Schulen in Preußen besuchen, noch eine größere Anzahl von nichtarischen Knaben und Mädchen befindet. Das Hauptkontingent an nichtarischen Knaben und Mädchen stellt Berlin. Hier wurden bei 63 505 arischen Knaben und Mädchen, die die höheren Lehranstalten s c h u n g könne aber nicht gesprochen werden. Die Judo! hätten auf alle mögliche Art versucht, die Drucklegung zu verhindern. Als es trotzdem veröffentlicht wurde, hätten sie versucht, die Öffentlichkeit vom Inhalt der ״Protokolle“ dadurch abzulenken, daß ihre Echtheit bestritten wurde. Die Echtheit der ״Protokolle“ sei aber auch durch die letzten Ereignisse, insbesondere durch den Weltkrieg, eindeutig bewiesen worden, und die Prophezeiungen der ״Protokolle“ seien in den letzten Jahren eingetroffen. w In dem Bericht des ״Volk. Beobachters“ über das Gutachten Fleischhauers wird gesagt, Fleischhauer habe dargclegt, es könne sich bei den ״Protokollen“ weder um eine antisemitische noch um eine russische Fälschung handeln. Es heißt dann weiter: ״Nachdem auf diese Weise Oberstleutnant Fleischhauer negativ Susgetührt hatte, von wem die Protokolle nicht stammen könnten, ging er zu der Fragt über, wer sie wirklich verfaßt haben könne. Mangels eindeutiger und positiver Beweismittel begnügte er sich in diesem Zusammenhang mit Mutmaßungen, zeigte dann, unter Ver• Wertung der Argumentation der Frau F'ry, daß der jüdische Schrift, steiler Ach ad llaum (Acher-Ginzberg) sehr gut der Verfasser gewesen sein könne und daß er die Protokolle vielleicht unter Zugnindclegitng der ״I löllendialoge“ Jolys mit entsprechenden Er. gänzungen als Unterlage für seine Seminarvurträge entworfen habe. Ferner legte Fleischhauer dar, daß auch der ,Vater des Zionismus‘, Herz!, sehr gut der Verfasser der l’rutokolie gewesen sein könne •— was er persönlich allerdings nicht glaube —, zu welchem Zwecke er zahlreiche Zitate aus Schriften llcrzls vorbrachte. Jedenfalls belegte er durch zahlreiche Unterlagen aus jüdischer Quelle über Achad Ilaam und Jlerzl, daß die Protokolle bestimmt als den» jüdischen Gedankengut entsprechend betrachtet werden müssen.“ Der ״V. B.“ berichtet dann weiter: ״Als Fleischhauer seine eindrucksvollen Ausführungen für heute beendet hatte, verlas der Präsident noch einige Stellen aus einem ,Brief aus der Schweiz‘, der in der heute morgen erschienenen Nummer des Freiburger ,Alemannen* abgedruckt worden ist und der erstaunlicherwelse bereits in mehreren PNcmplaren 'm Gcrichtssaa! vorhanden war. Die fraglichen Stellen dieses Briefes aus der Schweiz enthalten neben Angriffen auf den Präs-, den ten unzutreffende Ausführungen über den Berner Prozeß. Nach Verlesung dieser Steilen erklärte der Präsident: ,Wenn das arischer Geist ist, dann bedanke ich mich dafür. Arier zu sein*. Oberstleutnant Fleischhauer setzt sich sofort von dieser unverantwortlichen Ver. öflentlichuiig ab, worauf der Prä-,ident zu begütigen versuchte, indem er bemerkte, daß er — Fleischhauer — gewiß nicht daran schuld sei, um dann die Verhandlungen für geschlossen zu erklären.“ Hierzu bemerkt der ״Volk. Beobachter“: ״Auch wir sind der Meinung, daß mit Auslassungen, wie sie der ,Ale manne‘ veröffentlicht hat, der arischen Sache in keiner Weise gedient ist. Eine solche Handlungsweise einer deutschen Zeitung kamt nur bedauert werden.“ (Was in jenem Artikel des ״Alemannen“ enthalten war, ist uns bisher nicht bekannt. — Red. ״J. R.“) Im übrigen haben wir es in den Kampfjahren oft genug erlebt, daß Kommunisten und andere Gegner in jüdischem Auftrag jüdisches Eigentum zerstörten, um damit in der Oeffentlichkeit Sympathien für die angeblich ״verfolgten“ Juden zu erwecken, die sich im Fäustchen lachten, wenn ihnen hernach die Verst<-hcrungsgesclischa׳Vn die angeschlagene Fensterscheibe I«zahlen mußten. Diese Versuche werden im neuen Staat durch engste Zusammenarbeit von Partei uni Staatsorganen im Keime erstickt werden!“ » In einer Betrachtung zu dem neuen Auslese-Erlaß ver• weist der Referent im Reichserziehungsministerium Dr. Frercks auf das Wort des Reichsministers Rust, daß die allererste Aufgabe sein müsse, neue Menschen zu schaffen. Der Schule sei die Aufgabe gestellt, die Erziehung von nun an auf den Werten der Rasse aufzubauen. Rassefremde jüdische Schüler, die in einem deutsch* bewußten Unterricht nur als Fremdkörper und infolge ihrer Frühreife oft zersetzend wirkten, hätten auf einer deutschen höheren Schule keine Bevorzugung zu erhalten. Ihre völlige Aussonderung sei deshalb zu er« stre ben. besuchen, 641 Knaben und 586 Mädchen als Nichtarier mit arischem Einschlag gezählt. Nichtarier als Kinder von Front■ kämpfern waren 839 Knaben lind 783 Mädchen. Als ״sonst^e Nichtarier“ wurden gezählt 646 Knaben und 509 Mädchen, Gegenüber den 63 505 arischen Knaben und Mädchen stehen stehen also hier 4004 Nichtarier. Dazu kommt, daß in Berlin auch der Hundertsatz der Ausländer, unter dem sich eine Reihe von Nichtariern befindet, besonders groß ist. In Berlin wurden 1502 ausländische Knaben und Mädchen auf den höheren Schulen gezählt. Die zweitgrößte Beteiligung von nichtarischen Knaben und Mädchen auf den höheren Schulen weist Hessen-Nassau auf. sodann die Rheinprovinz. (Unter ״sonstigen Nichtariern“ versteht man offenbar jüdische Kinder, deren Vater nicht Frontkämpfer war. — A. d. R.) _ Namensänderung des Kulturbundes Der Kulturbund teilt mit: Aut Anordnung des Polizeipräsidiums wurde der Name ״Kulturbund Deutscher Juden“ umgewandelt in den Namen ״Jüdischer Kulturbund Berlin“. Diese Namens- Snderung wurde von einer Mitgliederversammlung> die 8m Freitag, dem 26. April, im Berliner Theater tagte und die aut Grund des § 9 Abs. 2 der Satzungen ordnungsgemäß durch Inserat Im Reichsanzeiger eingeladcn war, einstimmig beschlossen. Zur Frage der Armenanwälte. Zu der in Nr. 26 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 29. März veröffentlichten Notiz ״Keine Jüdischen Armcitanwalte“, worin ein Artikci der ״Juristischen Wochenschrift“ wicdcrgegcbcn war, wird uns aus Anwaltskreisen geschrieben, es sei an manchen Stellen die irrtümliche Auffassung entstanden, daß es künftig nicht mehr möglich ist, für nichtarische Parteien die Beiordnung nichtarischcr Anwälte zu erlangen. Dies ent« spricht nicht der Sachlage. Das Recht niclitarischer Parteien, nichtarische Anwälte als Armenanwälte beigeordnet zu erhalten, ist nirgends bestritten worden. Am Eingang des Chemnitzer Industrievorortes Schöna® ist ein Schild mit nachstehendem Text angebracht: ״luden sind in diesem Ort unerwünscht“. Trennung zwischen Deutschen und Jaden