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Jüdische Rundschau · 1935-05-03 · Heft 36 (3.5.1935) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 36 (3.5.1935)
Date
1935-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Söffe 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 36, 3. V. 1935 Schöpfer der Zionistischen Organisation Im Zionismus so erschreckend groß wie heute. Vielleicht Hegt aber gerade darin die Erklärung: der Kampf der Oruppen und Fraktionen um die Führung der Organisation mit allen, vielfach auch den ungeistigsten Mitteln läßt für geistige Kämpfe und Auseinandersetzungen keinen Raum. Um so dringender wird gerade deshalb die Erneuerung der Ideenkämpfe, die früher für die zionistische Bewegung kennzeichnend waren und die ihr damals ihr eigenartiges Gepräge und ihren idealen Schwung gegeben hatten. Als ein Beitrag zu diesem Ziele mag die folgende Untersuchung gewertet werden, die au dem großen Beispiel des Begründers der modernen zionistischen Bewegung die Zulänglichkeit oder Unzulänglich* keit der verschiedenen zionistischen Theorien der heutigen und der kommenden Wirklichkeit gegenüber mißt, und in einem zweiten Aufsatz die Praxis dieser Theorien, wie sie sich in den verschiedenen zionistischen Partei eil ausdrückt, zu prüfen unternimmt. Der unbekannte zionistische Denker Nehmen wir das Ergebnis dieser Untersuchung Vorweg dadurch, daß wir es, statt an den Schluß, an ihren Anfang stellen! Dem entspricht die Paradoxie, die in der Formulierung liegt: Herz! als zionistischer Denker ist unbekann t, a u c!1 innerhalb des Z i o n i s m u s. Wie wäre es sonst möglich, daß es bis heute an einer wirklich systematisehen Zusammenfassung der Herzischen Konzeption des Zionisuuis fehlt, und noch nicht ein einziges Mai der Versuch einer Auseinandersetzung des Hcrzlschen Zionismus mit dem der anderen zionistischen Denker gemacht worden ist — eine Auseinandersetzung, die heute auf lange Zeit hinaus endgültigen Charakter hätte? Um diese Frage durch ein besonders charakteristisches Beispiel zu verdeutlichen: warum ist in den letzten zwei Jahren noch niemand darauf verfallen, Wort für Wort, Satz für Satz den Beweis dafür zu erbringen, daß nicht der Mininial-Zioiiisnnrs Ach ad Haams, der sogenannte K u 1111 r z i ס n i s m 11 s, mit seiner Lehre vom geisti■ gen Zentrum und seiner Unterscheidung zwischen Judentum und Judenhcit, Recht behalten hat, sondern der Maximal-Zionismus Her/ls? (Woraus der weitere Schluß gezogen wer* den kann, daß nicht nur Her/Js, sondern auch Achad Haams üedankeiigänge im Zionismus unbekannt sind.) System and Epigramm Herz! war kein solch systematischer Denker wie Achad Haam (von dem es übrigens auch keine einheitliche Zu* sammenfassung seiner Anschauungen in einem geschlossenen Werke gibt), sondern ein epigrammatischer: entsprechend seiner Herkunft vom Feuilletonismus, den ihm unsere ״tiefen“ Geister ja nie verzeihen konnten — die Ahnungslosen, die nicht sehen wollen, daß es auch ein Versinken im Geiste gibt, aus dem kein Aufstieg zur Wirklichkeit und zur Tat mehr möglich ist! Damit ist aber nicht der erstaunliche Mange! einer umfassenden Darstellung der zionistischen Lehre Herzls von anderer Seite entschuldigt*). Auch die Ausdrucksfortn Friedrich Nietzsches, um nur ein neueres Beispiel zu nennen, war der Aphorismus, die philosophische Skizze und der lyrische Dithyrambus. Auch Nietzsche ist tjarum der Verachtung der zünftigen SchriftgeleUrten und der routinierten Architekten der großen philosophischen Lehrgebäude anheimgefallen; ebenso wie vor lange{»,^pt der Roman als ״unechte“ Literafurgattung Und vor kurzem noch das Feuilleton abgelehnt worden sind. Trotzdem fehlt es aber nicht an einer hinreichenden Zahl von späteren Darstellungen der Philosophie Nietzsches, die allen Schulcrfordernissen eines geschlossenen Systems vollauf entsprechen. — Wahrscheinlich wird es hingegen die meisten Zionisten (oder Palästina-lnteressenten) sehr überraschen zu hören, daß es überhaupt eine von Her/1 stammende umfassende Ideologie des Zionismus gibt, während sie Ihn bisher nur als Schöpfer eines politischen Programms und (neben ״Judenstaat“ und ״Altneuland“) als Verfasser propagandistischer und polemischer Aufsätze kannten. 111 ein anderes Extrem verfallen diejenigen, die diesen klarsten Staatsdenker und größten Staatsmann (״Politiker״ ist hierfür die gebräuchlichere Bezeichnung) der jüdischen Diaspora als eine Art neuzeitlichen Propheten Israels ausgeben, weil seine Voraussagen mit oft wirklich unheiinlieber Präzision und bereits nach erstaunlich kurzer Zeit eingetroffen sind ). Herz! hatte aber auch innerlich nicht jenen Habitus, den man als ״piophetisch“ ansprecheii könnte: ihm fehlten das im stisehe Ethos, die blinde Ausschließlichkeit des religiösen Glaubens und die dämonische Gcfühlspathetik der Propheten. Er hatte statt dessen einen bis zur Seibstverzehrung angespannten, übermenschlichen Willen (״Die Welt ist mir nicht mehr Vorstellung, sondern Wille“. — ״Wer Großes w 1 i I, ist in meinen Augen eia großer Mensch, nicht wer Großes erreicht.“ — ״Ich lasse nicht locker, bis ich einmal alle vier von mir strecke“ ... lauten Stellen aus seinen Tagebüchern). Er besaß die geradezu übersinnliche Klarheit der großen und einfachen Denker, durch die sie zu Entdeckern der großen und einfachen Natur- und Lebensgesetze wurden. Er hatte darüber hinaus, was einmalig und ohne Beispiel ist, auch die bildhafte, die nachtwandlerisch sichere Phantasie, die auf die von ihm richtig gestellte Frage die richtige Antwort gibt und den Weg ihrer Verwirklichung sieht. Die Dreiheit: Denker, Dichter und Tatmensch ist in Herzl zur Einheit geworden. Dar ״Prophet“ Mit welcher Bewußtheit Herzl seine Wirkung auf Men* <chen durchschaut und wie sehr er sich selbst diese Wirkung dcsillusioniert hat, statt der naheliegenden Verführung zu erliegen, sich in eine ihm von anderen angedichtete Rolle hineinzusteigern, dafür gibt eine interessante Stelle seines Tagebuchs Aufschluß"): ״Ich hatte auf dem Podium der Ar* heiterbühne eigentümliche Stimmungen. Ich sah und hörte zu, wie meine Legende entstand. Das Volk ist sentimental, die Massen sehen nicht klar. Ich glaube, sie haben schon jetzt keine klare Vorstellung mehr von mir. Es beginnt ein leichter Dunst utn mich herum aufzuwallen, der vielleicht zur Wolke werden wird, in der ich schreite. — Wenn sie auch meine Züge nicht mehr deutlich sehen, so erraten sie #ch, daß ich cs sehr gut mit ihnen meine. Und daß ick der Mann der armen Leute bin. — Freilich brächten sie wahrscheinlich auch einem geschickten Verführer und Betrüger dieselbe Liebe entgegen «de mir, in dem sie sich nicht täuschen. — Es ist vielleicht das Interessanteste, was Ich in diesen Büchern verzeichne: wie meine Legende entsteht.“ An zahlreichen anderen Stellen der Tagebücher spottet Übrigens Herzl selbst über die Rolle des ״Propheten“, die Theodor Herzl war nicht der erste, der die Judenfrage In ihren Gründen und Erscheinungsformen erkannte und einen Weg der Abhilfe wies. Aber er war der Mann, der diese Frage im Bewußtsein der Juden und vor den Augen der Welt deutlich werden ließ und sie so zu einer Angelegenheit des öffentlichen Lebens machte. Vielleicht hatten andere vor ihm und zugleich mit ihm tiefere Einsichten in die Be- Sonderheit der jüdischen Not, weil sie mit dem geistigen Wesen des Judentums stärker verbunden waren. Aber niemand außer Herzl hat das erlösende Wort gefunden, das aus der Sackgasse der Philantropie herausführte und das jüdisehe Volk fähig machte, sein Schicksal in eigene Hände zu nehmen. Die Kraft der Utopie, die Fähigkeit der visionären Schau sind es, die den dem Judentum innerlich entfremdeten, in der Welt der westeuropäischen Literatur lebenden Schriftsteller befähigten, in die Zukunft zu schauen. Wenn wir heute lesen, was Herzl über die Juden seiner Zeit, ihr Verhaltnis zu den Völkern und zu sich selbst gesagt und geschrieben hat, so empfinden wir uns persönlich angesprochcn; in jenen Tagen, in denen cs der Mehrzahl der westliehen Juden gut ging, deckte Theodor Herzl ihre verhörgenen Sorgen auf, die sie sich selbst nicht einzugestehen wagten, und er entlarvte Ihr gesichertes Dasein als Selbstbetrug, der nur allzu schnell vor ihren Augen in ein Nichts zerfließen mußte! ln der Tat: nur eine Generation später ist dieser Zusammenbruch erfolgt. Herzl wußte, daß es nicht genügt, zu enthüllen und die Zusammenhänge aufzudecken, sondern daß es die Aufgabe seiner Zeit, seine persönliche Aufgabe war, den Weg in die Zukunft zu weisen. So wurde aus dem Schriftsteller, dem Analytiker der Judenfragc der P o I i t i k e r und Staatsmann, der die zionistische Bewegung in ihrer heutigen Form geschaffen hat und ihre ersten Schritte in der grollen Welt behütete. Er gab dem jüdischen Volke die Instrumente, die in einer Zeit, wie sie das ausgehende 19. Jahrhundert darstcllte, notwendig waren, um sich Gehör zu verschaffen und zugleich den Weg der eigenen Konsolidierung und der Selbsterziehung zu beschreiten. Wohl bestanden auch vor Herzls Tat zionistische Organisationen, die sich mit Palästinaarbeit beschäftigten, aber sie waren ohne rechten Zusammenhang, ohne große Perspektiven und ohne ein konkretes Programm der Verwirklichung ihrer Ziele. Herzl hat all dies dem jüdischen Volke gegeben, und mochte in seiner Zeit der Kampf um Formulierung und Durchsetzung der zionistischen Idee auch noch so heftig toben — wir haben heute erkannt, daß Herzls Gedanken im Prinzip die richtigen waren. Die in seinem Oeist auch von seinen Nachfolgern geführte Politik hat letzten Endes zu dem heutigen Status Palästinas geführt. Die Organisation, Herzls Werk, erscheint vielleicht heute manchen nicht besonders wichtig. In der Tat ist der Aufbau Palästinas nicht mehr eine Sache, für die man Propaganda zu machen braucht, sondern Menschen und Mittel strömen ihm zu, weil die Judenfrage in aller Welt sie ihm die schwärmerische Masse zuwies. Eine davon sei hier noch zitiert8), weil sich darin auch eine Beurteilung seines literarischen Brofberufs findet, den ihm neben unseren ״tiefen“ Geistern auch unsere ״wirklichen“ Dichter so übel genommen haben: ״Um Korn auf die Mühle zu bekommen, habe ich jetzt sogar meinen alten Schwank ״Muttersöhnchen“ umgearbeitet und für den Komiker Girardi eine Rolle geschrieben. Es gibt nichts, was mir literarisch ekelhafter wäre. Man wird mir wohl auch Vorwürfe machen, wenn es bekannt wird, daß ich als ״Prophet“ solche hasse besogne mache. Aber was soll ich tun?“ Mag es nun eine divinatorische, also irgendwie prophetische Gabe Herzls gewesen sein oder, wie ich dies annehme, nur die Klar- und Weitsicht des großen Denkers, manche Uebcreinstimmung von Herzls Worten mit einer späteren Wirklichkeit, aber (und hier beginnt das Unbegreifliehe) auch das Zusammenfällen von historisch bedeutsamen Daten vor und nach Herzls Tode ist wirklich erstaunlich, oft geradezu unheimlich. Anfang Nov. 1897, zwanzig Jahre vor der Balfour -Deklaration, schrieb Herzl z. B. den folgenden Satz nieder, der im Rahmen seines Artikels ״Der ewige Jude“10) am 12. November 1897 im Londoner ״Daily Chronicle“ erschien: ״Ob es ein Tory oder ein Whig sein wird, der mit der Judenfrage auch ein Stück der Orientfrage zu lösen unternimmt, er wird das Werk eines Staatsmannes im großen Stile tun und er kann sicher sein, daß die Welt, soweit sie zivilisiert ist, seinen Worten und Taten mit Teilnähme, vielleicht mit Bewunderung folgen wird.“ Und am 2. November 1898, auf den Tag genau neunzehn Jahre vor der Balfour-Deklaration, hielt Herzl in Jeru• salem die Ansprache an den Deutschen Kaiser, in der es *) Vorrede zum ״Judenstaat“ (Band I der Gesamtausgabe, Seite 20). *) Vorrede zum ״Judenstaat“ (Band t der Gesamtausgabe, Seite 25). י) Einleitung zum ״Judenstaat“ (Band I der Gesamtausgäbe, S. 31). *) Einleitung zum ״Judenstaat“ (Band I der Gesamtausgäbe, Seite 31). b) Gesamtausgabe, Band I, Seite 364. *) Vielleicht die einzige Ausnahme macht hierbei Adolf Böhms ״Zionistische Bewegung“, besonders in ihrer jetzt in Vorbereitung befindlichen völlig neuen Gestalt. Doch müssen die betreffenden Kapitel auch dieses Werkes sich in der Haupt- Sache auf das rein Historische und Politische beschränken, w'ährend das Geistes geschichtliche und die weiteren Zusammenhänge schon infolge der Begrenzung des Themas, das sich Böhm gestellt hat, nicht ausführlich genug behandelt werden können. — Die verschiedenen Herzl - Biographien sind naturgemäß in erster Linie Lebensbilder, nicht üarstcl- IUngen fter Theorie. ’) Eine Zusammenstellung solcher Zitate brachte die ״Jüdische Rundschau" in ihrer Nummer 20 v. 9. 3. 1934 unter dem Titel ״Theodor Herd, der Seher“. *) Zweiter Band der Gesamtausgabe, Seite 485 (London, 13. Juli 1896). *) Vgl. Band III der Gesamtausgabe, Seite 369 (Wien, 8. November 1899). J#) Vgl. Band 1 der Gesamtausgabe, Seite 237. ״) Vgl. Band I der Gesamtausgabe, Seite 325/26. «) Zitiert nach der 2. Auflage, Köln 1912. ״) Vgl. Band J der Gesamtausgabe, Seite 125. “) Vgl. Band 111 der Gesamtausgabe, Seite 335. dorthin treibt. Aber verkennen wir nicht, daß der fetzig® Zustand Palästinas niemals erreicht worden wäre, wenn nicht die organisierten Kräfte des jüdischen Volkes im Lande und für das Land gearbeitet hatten, wenn nicht die Zionistisch® Organisation mit ihren verschiedenen Institutionen und Fonds Pionierdienste geleistet hätte. LJnd auch heute und in Zukunft ist ihre Rolle nicht ausgespielt. Es werden Tage kommen, ia denen der Ruf um ihre Hilfe wieder laut werden wird! So wirkt Herzls Werk der Schaffung organisatorischer Grundlagen des Zionismus Tag um Tag fort. Gewiß ist manches reformbedürftig, was in einer anderen Zeit und für andere Größcnverhältuisse geschaffen worden ist. An dieser Stelle ist oft genug z. B. auf die Frage der Reform des Kongresses hingewiesen worden, die eine der vordring. Hellsten organisatorischen Probleme ist. Mag inan aber auch im einzelnen Kritik üben, die Bedeutung des Kongresses als Tribüne des auf Palästina gerichteten jüdischen Volkswillens besteht fort. Wenn die letzten Kongresse auch nicht mehr jenen Glanz aufzuweisen hatten, den sie in ihrer heroischen Periode, in der Zeit Herzls besaßen, so stellen sie für uns doch ein nicht fortzudenkendes Element auf dem Wege der jüdi-' sehen Renaissance dar. Noch einen weiteren wichtigen Baustein hat Theodor Herz! in den organisatorischen Bau des Zionismus eingeführt: den Gedanken des Schekels. Wie alles, was Herzl sagte und tat, ist er eine einfache und dadurch jedem Juden verständliche Sache. Der alte jüdische Staat verlangte nach biblischeu Berichten von jedem seiner Bürger eine einmalige Abgäbe irn Jahre, den Schekel. Dieses Bürgerrecht gilt es, in der zionistischen Bewegung zu erwerben, und zwar wiederum durch den einfachen Akt der Zahlung eines bestimmten Geldbetrages und gleichzeitige Anerkennung des ״Basler Programms“. Wer dies tut, ist Zionist, mag er im übrigen Auffassungen vom Judentum und von der Gestaltung des Palästinaaufbaus haben, wie er nur will. Die ״Schekel• Aktion“ war in der Zeit Herzls selbst eine der wichtigsten Maßnahmen der Bewegung, da von ihr nicht nur ihre Finanz• kraft abhing, sondern weil sie einen Maßstab der Stärke des Zionismus abgab. Heute sind diese Gesichtspunkte etwas zu• rückgetreten, aber auch jetzt noch besteht die Symbolkraft des Schekels, die Einfügung des einzelnen Juden in die zio* nistischen Reihen, das Bekenntnis zu den zionistischen For* derungen, die heute zugleich die Anlegung eines idealen Maßstabcs an die Entwicklung Palästinas bedeuten. Der Zionisten-Kongrcß steht in einigen Monaten bevor. Auch das deutsche J udentum wird aufgerufen, den Schekel zu erwerben und sich damit zu Herzls Idee zu bekennen. Heute ist diese Sache nicht mehr eine Angelegenheit der Parteienscheidung und der Theorie, sondern ein Teil des realen jüdischen Lebens. Wir wissen, daß die Beteiligung der deutschen Juden an der Schekelzahlung ihrer Verbundenheit mit Palästina und dem Werke der jüdischen Erneuerung, das in unseren Tagen vor sich geht, entsprechen wird. —....1, I•- —..Titel.— heißt: ״Da ist das Land unserer Väter, das rieh für eine Kolonisierung und Kultivierung eignet ... Es schreit nach Menschen, die es behauen sollen. Und wir haben unter unseren Brüdern ein schreckliches Proletariat. Diese Menschen schreien nach einem Lande, das sie bebauen wollen. Nun möchten wir aus den zwei Notständen — des Landes und des Volkes — durch die planvolle Verbindung beider — eine neue Wohlfahrt schaffen.“11) — Solcher Beispiele gibt es in den Schriften Herzls viele. Sie könne» hier nicht alle aufgezählt werden. Nicht der phantasicvolle Träumer, der ״Prophet“ Herzl, sondem der große Denker schrieb 1895 jenen Satz, dessen über* zeugende Stärke, die damals nur innere Gewißheit war, heute durch die Tatsachen gerechtfertigt ist: ״Ich bin im tiefsten davon überzeugt, daß ich recht habe — ich weiß nicht, ob ich in der Zeit meines Lebens recht behalte! werde.“ Grundlegendes aus Herzls zionistischer Ideologi« Die Hauptpunkte der zionistischen Lehre Herzls können hier nicht einmal andeutungsweise dargestellt werden. Eine der reizvollsten Aufgaben einer solchen Untersuchung w׳äre es, von der Herzischen Annahme der Unmöglichkeit der Assimilation ausgehend, die seitherigen Wandlungen der zionistischen Ideologie aufzudecken, die seit Herzls Tode geradezu entgegengesetzt argumentierte: mit der Gefahr der Assimilation, die den Untergang des Judentums herbei* führen müsse. (Man vergleiche hierzu z. B. Arthur Ruppi«8 ״Die Juden der Gegenwart“18). Dort heißt es am Schluß: ״Der Zionismus ist nicht eine nationale oder chauvinistische Marotte, sondern der Verzweiflungskampf der Juden gegen die sie bedrohende Vernichtung. Greift der Prozeß der Ent* nationalisierung, der in Westeuropa überall bereits die jüdische Eigcnkultur zermalmt hat, auf Osteuropa hinüber — und die Anfänge dazu zeigen sich schon — so ist es mit der Existenz und der jüdischen Kultur in alle Ewigkeit vorbei. Heute müßte diese Argumentation wieder zu ihrem Ausgangspunkt, zu Herzl, zurückkehren, der dafür vor vierzig Jahren die lapidare Formel gefunden hat: ״Die Volkspersön* lichkcit der Juden kann, will und muß nicht untergehen. Sie kann nicht, weil äußere Feinde sie Zusammenhalten. Sie will nicht, das hat sie in zwei Jahrtausenden unter ungeheuren Leiden bewiesen. Sie muß nicht, das versuche ich in dieser Schrift ... darzutun.“!») Nebenbei wäre hier auf die von anderen zionistischen Denkern so bekämpft« Definition Herzls: ״Wir sind eine historische Gruppe von Menschen, die erkennbar zusamrnengehört und einen gemeinsamen Feind hat“ näher rinzugehen und sie gegen die neueste Parallele zu ihr, die Freuud-Feind-Auffassung der Politik durch Carl Schmitts, abzugrenzen. Bei diesen wenigen Andeutungen muß es hier bleiben. Und es muß auch genügen, auf einen Satz hinzuweisen, der das Thema und der Ausgangspunkt einer anderen umfangreichen Einzeluntersuchung zu bilden HaupUchriftlciter: Dr. Robert Weltsch, Berlin-Chark>ttenburg *■ Stellvertreter und vc:a:,!wortlich: Kurt Loewenstein, Berlin W1S. Anieigcnleiterin und verantwortlich für den Inhalt der Anzeige®• Rut Posener, Berlin W 30. Gültig: Anieigenpreiiliste 2 v. 1• J*n• Jj9 Verlag und Anzeigcnverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin ״ יי■ Meinekestr. 10. D.-A. April 34 014 — Druck: Siegfried Scholen», Berlin-Schöneberg.

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