Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 35 (30.4.1935)
- Date
- 1935-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seil• 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 3530 ״. IV. 1935 Die politisch - ideologische Ent- Wicklung der Araber Palästinas Von Michael Ass a f, Tel-Awiw (Für die Juhilüums-Numnicr bestimmter Rückblick) Gegen Ciukdes vorigen Jahrhunderts rangen zwei polifisch-ideologische Strömungen um die Herrschaft unter den Arabern Palästinas: Die p a n - i s I a m i s c 11 e und die arab i s c h - n <11 i ס n a I c Idee. Die erste hatte, der Form nach, ihre Wurzeln in alter Tradition und traf in Palästina auf fruchtbaren Boden. In anderen islamischen Ländern, selbst im Libanon, war der Kampf zwischen Islam und Christentum alleiniger oder mindestens wichtigster Gegenstand der äußeren Politik. Jedes der Länder stand als selbständige islamische Einheit dem anstürmenden Christentum gegenüber, das seine Grenzen attackierte. In Palästina dagegen vollzog sieb der Kampf zwischen Islam und Christentum lange Zeit hindurch im Innern des Landes selbst. Denn Palästina war nur eine verhältnismäßig kurze Zeit rein islamisch. Das Christentum, das, als Krcu/rittertum, itn dreizehnten Jahrhundert eine Niederlage erlitten hatte, erneuertc seinen Angriff auf das Land, als sich im 18. Jahrhundert die ersten Zeichen der Schwäche des türkischen Reiches bemerkbar machten. Im IQ, Jahrhundert war der Kampf sowohl im Innern des Landes, als auch außerhalb seiner Grenzen wieder voll im Gange. Daher waren hier die Herzen der Gläubigen reif für den Pan-Islam-Gedanken, der in seinem innersten Kern eine negative Lehre darstellt: den Widerstand gegen die E r o b e r u n g s g e I ü s t e des C h r 1 s t e 111 u m s. Der Islam Ihre ganze hiM()ri-che Entwicklung prädestinierte überdies die Araber für diese Bewegung: die geringe Zahl der Araber, der Schopter des Islam, hatte zur Folge, daß in relativ kurzer Zeit nach Errichtung des arabisch-islamischen Imperiums (im 7, Jahrhundert) das arabische Element von den nichtarabischen Moslems, die ihm an Zahl und Qualitat überlegen waren, aufgesogen wurde. Der Staat wurde rem nn»!e1n!sch und entwickelte in den infolge ihrer Minderheit unterlegenen Arabern das Gefühl einer Art ״mosleniisclifr Staatsbürgerschaft". Das Arabertum wurde in die V. uste und in die der Wüste benachbarten Gebiete gedrangt und ״Araber•‘ blieh als eine Bezeichnung des Beduinen. Die städtischen Araber und die Fellachen (die Bauern) betrachteten sich selbst — bis vor kurzer Zeit — vor allein als Moslems. Wie sehr die Araber zu Moslems geworden waren, heweist ihre Haltung gegenüber der Wahabiten-Bewcgung, die am finde des 18. Jahrhunderts auftauchte und zu Beginn des IQ. Jahrhunderts große Erfolge auf ihren Eroberung*- Zügen verzeichnen konnte. (Die ganze arabische Halbinsel, ein Teil des Irak und ein Teil von Transjordanien wurde von ihr unterworfen.) Dies war, nach einer Unterbrechung von nahezu 1000 Jahren, das erste Zeichen der sieh wieder regenden politischen Siegeskraft der Araber. Freilich hielten sich die Araber außerhalb der Wüste dieser Bewegung fern unu freuten sich über ihre Niederlage. Der ihnen rassefremde ottomanischc Sultan stand ihnen näher als die arabischeu Wahahiten, obwohl diese nicht nur das religiöse Ketzertum der Ottomanen betonten, sondern auch ihr eigenes Arabertum gegen das Tiirkentum ausspielten. Ls ist daher kein Wunder, daß in einer solchen Situation der arabisch-nationale Gedanke, der aus dem sich national!• sierenden Westen kam, es schwer hatte, ins Volk cinzudringen. Offenbar aber fand er dennoch unter den Arabern eine fewis.se Bereitschaft vor: Abgesehen von dem Gefühl der u g c 11 <"> r i g k e i t zu e i n e m in o s I e m i s c h e n Staat, haben sich die Araber nicht an die verschiedenen Völker ihres Glaubens, von denen sie unterworfen wurden, assimiliert. Die religiösen Werte der moslemischen Gemeinschaft — Mohammad, der Koran, die arabische Sprache, die Erinnc-mng an die Glanzzeit des arabischen Imperiums, die religiös-arabische Literatur, die Religion des Islam überhatipt — all dies erhielt den Arabern im Unterbewuütsein ein starkes nationales 1 ebensgcfuhl. Das Arabertum war nicht erloschen, es glimmte weiter, bereit, jeden Moment als!׳'lamme hoch Zuschläge״. Aber das Bewußtsein der Zugehörig keit zu einem moslemischen Staat, da* seinen Aus• druck fand in der Turne zum Sultan-Kalifen, der zugleich ihr weltliches und geistliches Oberhaupt darstellte, bildete einen starken Schulzwall gegen den arabisch-nationa len ( iedauken. Seme Anerkennung bedeutete vor allem Abfall von dem Sultan-Kalifen, also Ketzerei, eine für den Glau Ligen erschreckende Vorstellung. Anfänge der nationalen Bewegung *יק *ר •bp Schließlich ging jedoch in diesem Kampfe zwischen dem .staikeil Pan-Islaniisimis und der im Anfang schwachen, arabisc I:-nationalen Idee die letztere als Siegerin hervor. Fine politische Idee, die hauptsächlich in einem religiösen Gefiihi wurzelt, war schon zu Ende des IQ. und zu Anfang des :1 )׳. jahrhimdeits ein Anachronismus. Der (jeist der Zeit, erfüllt von Rasscn-Natioualismus, und die eifrige Tätigkeil zur Wiederbelebung der arabischen Kultur während eines lialben Jahrhunderts, schließlich die Arbeit der Missiona re in Beirut!!, die das Ideal der Freiheit predigten, blieben niebt ohne Wirkung. Andererseits verband sich der Pan- Lslarnisiniis immer mehr dem Schicksal des ottomanischen Staates; er wurde sozusagen das Mittel zur Errettung des wankenden Reiches, aber das Mittel erwies sich als zu schwach und war der Größe der Aufgabe nicht gewachsen. Und politische Agenten aus Europa — in allen möglichen Verkleidungen — umscliwärtnten die Araber wie die Bienen und summten ihnen ohne Unterlaß in die Ohren von ihrer Große in der Vergangenheit, von ihrer Renaissance in der Gegen!wart und von ihrer Selbständigkeit in der Zukunft. Aus einem halh-beduiinsehen abgelegenen Lande wurde Palästina am Ende des vorigen, und zu Beginn dieses Jahrhunderts zu einem Brennpunkt politischer Intrigen. Rußland, Deutschland, England, Frankreich und der Vatikan sprengten die Kruste der politischen Erstarrung des Landes. Die hier gegebene Darstellung trifft in vielen Zügen auch auf Serien und auf den Irak zu. Eines aber machte die Araber Palästinas zu einem Sonderfall, nämlich der Zion is tu us. Der Zionismus erscheint in Palästina als politisch-aktiver Faktor fast gleichzeitig mit der pan- Islamischen Bewegung. Der Zionismus war für die Araber das deutlichste Beispiel für den modernen westlichen Natiolialismus mit seinen aktiven und konkreten Werten, Die sinnfällige Anstrengung des Zionismus traf wie ein Hammer- *ch lag das Ha1.pt der Araber, die dem praktischen Leben phlegmatisch gegenüberstanden, Die Resultate wurden nicht sofort sichtbar, vor allem entgingen sie dem oberflächlichen Beschauer. (Achad Jiaam sah sie bereits: ״Wahrheit aus Erez Israel“ 1891!) Bei den Angriffen der christlichen Völker aut das Land wurde das nationale, politisch-territoriale Moment durch den religiösen Faktor überdeckt. Dies verzögerte die Emanzipation der Araber von ihrer moslemischen Welt und insbesondere ihre Loslösung aus dem Rahmen des ottomanischen Imperiums (als der konkreten Erscheinungsform des Islam). Aber die Juden erschienen im Lande all ein weltliches Volk. Sie begannen nicht damit, daß sie Ansprüche auf die ,,Klagemauer“ erhoben, sondern sie gründeten Kolonlen, kauften Böden, entwickelten die Landwirtschaft Und sammelten *Ich gerade au nicht-heiligen Orten. Die Mittel, deren sie sich bedienten, waren durchweg modern, profan, und keineswegs religiöser Art, Die Araber lernten sofort, zwischen Juden und zwischen ״Zionisten“ zu unterscheiden. Für ״Juden“ hielten sie die Angehörigen des alten Jischuw und die traditionstreue Judenhelt. die hellte ebenso wie vor Jahrhunderten aus religiösen Gründen an Palästina hängt. Die ״Syhjonijun“ (Zionisten) dagegen, das waren die Mitglieder der aktiven jüdischen Nation. Die Jungtürken Die entscheidende Niederlage erlitt der Fan-Islamismus jedoch durch die ״Jung-Türken“. Der Panislamismus, an dessen Spitze der Sultan Abdul Hamid stand, galt ihnen als das größte Unglück für die Türkei, weil er die innere soziale Erneuerung der Türkei verhinderte. Der Pan-lslamismus diente ihrer Ansicht nach dem Reaktionär und Autokraten Abdul Hamid als Deckmantel. Sie glaubten, die Ursache der Krankheit der politisch in den letzten Zügen liegenden Türkei läge in der moslemischen Staatsverfassung. Die innere Revolution müsse dem Befreiungskrieg gegen das Joch der Fremden (Christen) vorangehen. Sie waren Anbänger de* Hassen-Nationalismus und sahen Im Pan-Islamis■ mus eine Verwässerung ihrer nationalen Ideale. Pan-Islamismus, das war ein türkiscli-arabisch-kurdisch-persisches Oemenge. Sie aber wollten die Herrschaft der türkischrassischen Nation. Die Revolution der Jung-Türken im Jahre 1908 traf die Araber mitten in dem Kampfe der beiden Ideologien. Das unter Abdul Hamid unterdrückte Freiheitsstreben trieb die Araber in die Arme der Jnng-Türkcn, und so gelangte der arabisch-nationale Gedanke zur Reife und zur Vorherrschaft. Die Araber waren bereit, sich mit ihrer persönlichen Freiheit zu begnügen und wollten gemeinsam mit den Türken einen ottomanischen Staat auf der Grundlage national-kulturellerGleichberechtigung schaffen. Mit großer Begeisterung warfen sie sich den ,Jung-Türken in die Arme, merkten aber sofort, daß sie Gefahr liefen, in deren Umarmung zu ersticken. Das Ideal der Jung-Türken: der Staat auf rassisch-nationaler Grundlage — duldete nicht die Mitarbeit anderer. Die Türken forderten von den Arabern die Anerkennung der Ueberlegenheit der Türken und Assimilierung an sie. ule Reaktion darauf war bei den Arabern die Entwicklung ihres eigenen national-rassischen Gedankenst Aber sie waren zu schwach und vermochten es nicht, oder richtiger: sie wagten es nicht, um ihre politische Selbständigkeit zu kämpfen. Nur einzelne träumten diesen Traum, nach außen hin forderten sie nur: Etwas Autonomie. Stellung im Kriege Der Weltkrieg änderte die politische Haltung der Araber von Grund auf. Sie besaßen weder ein Heer, noch Geld, noch einen Einfluß auf die große Welt und wurden dennoch plötzlich zu einem entscheidenden Faktor an der türkischen Front. England mußte das ottomanischc Kalifat sprengen, um die Türkei zu vernichten. Aber England wollte dies nicht selbst, mit eigenen — christlichen — Händen unternehmen. Die Situation Großbritanniens innerhalb des moslemischen Welt, besonders in Indien, gebot Vorsicht. Daher mußte ein moslemisches Werkzeug zur Durchführung dieser Sprengung gefunden werden, und es fand sich ein ausgezeichnetes: Die Araber, der Sheriff Hussein von Mekka und seine Söhne. Die Araber, schwer enttäuscht von der Herrschaft der Jung-Türken, kamen den Engländern gern entgegen, forderten aber als Preis: ein arabisches Reich aut den Trümmern des ottomanischen Imperiums. Die Araber Palästinas nahmen mit Leib und Seele an dem allgemeinen Aufstand der arabischen Welt teil. Der Gedanke der Erneuerung der alten Pracht des Kalifats von Omar und von Harun ar-Raschid erfüllte sie mit großer Begeisterung. Tausend Jahre alte Ideale erlebten ihre Wiedergebürt. Die Idee erschien ihnen einfach, klar und natürlich. Eifrige politische Agenten gossen Oel auf das Feuer dieser Phantasien. Die Nachricht von der Balfotir-Deklaration berührte zwar schmerzhaft und ließ Zweifel aufkommen, aber das glänzende politische Ideal der Wiedererstehung eines arabischen Reiches war so stark und überzeugend, daß die Zweifel schnell verschwanden. Innerarabiscbe Auseinandersetzungen Der Krieg war zu Ende. Immer geringer wurde die Rolle der politischen Agenten. Die Zeit der Versprechungen, Erklärungen und der Geheimverträge wurde abgelöst durch die Zeit der Verwirklichung und der Einlösung der Versprechungen. Es begann das Ringen zwischen den kühnen Idealen und der grauen Wirklichkeit. Von einem arabischen Reich konnte keine Rede mehr *ein, denn — abgesehen von äußeren Faktoren — fehlte auch die große Herrscherpersönlichkeit, und die arabische Welt w׳ar zersplittert. Die aktiven arabischen Politiker Palästinas verfolgten die Idee eines syrischen Staates, der auch Palästina als ״Südsyrien“ umlassen sollte. Aber dieser Gedanke war von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn Palästina gehörte England, und Syrien fiel an Frankreich. Die Vertreibung des Königs Fcisal aus Damaskus (Juli 1920) bereitete dem syrischen Staat ein Ende. Damals begann die grundsätzliehe Auseinandersetzung unter den Arabern Palästinas, die auch heute noch andauert. Der eine Teil will die heutigen Grenzen des Landes und seine Staatsform nicht anerkennen und sieht den gegenwärtigen Zustand als nur vorübergehend an. Die anderen fordern eine Beschränkung der pari-arabischen Idee und die Anerkennung der tatsächlichen Grenzen. Der erste Teil fordert infolgedessen als wichtigsten Grundsatz den nicht lokal begrenzten politischen Kampf, während die andere Gruppe den gegenwärtigen Zustand als «inen dauernden ansieht, sich ihm unterwirft und eine lokal begrenzte politische Aktion fordert, mit dem Zjel, aus den neuen, durch das Mandat* bedingten administrativen und wirtschaftlichen Verhältnissen die größtmöglichen Vorteile zu ziehen. Der erste Teil zerfiel in den Jahren 1930/31 In zwei Strömungen: a) die pan-isiamische, b) die pan-arabische. Die pan-isiamische Sirömttng (mit dem Mufti von Jerusalem an der Spitze) glaubt, daß sie in der Lage sei, den alten Gedanken mit neuer Kraft zu erfüllen. Dies war die Auf* gäbe der moslemischen Konferenz in Jerusalem Ende 1931. Aber dieser Gedanke erlitt Schiffbruch, denn die moslemische Welt kann keinen Krieg gegen England führen, auf dessen Hilfe sic angewiesen ist (die Moslems In Indien, im Irak und in Aegypten) und überdies ist diese Welt in sich gespalten. Demgegenüber erstrebte die panarabische Strömung, die in der Partei ״Istiklal“ (Selbständigkeit) ihr Organ hat, die Vereinigung der arabischen Völker und, praktisch gesprochen, die Föderation der Linder Palästina, Syrien, Irak und möglichst auch Arabiens. Diese Richtung lehnt die pan-isiamische Bewegung als Propagandamittel gegen den Zionismus und als politisches und finanzielles Hilfsunfernehmen nicht ab, sie hält sie aber praktisch-politisch für wert!«. Die pan-isiamische Bewegung erscheint den Istiklal-Anliängern als ein abstraktes Progranim, das auch mancherlei Gefahren in sich birgt: Spaltung, Intrigen usw. Die politische Selbständigkeit «1er Ara. ber Palästinas wird, so glauben sie, nur durch gemeinsame Anstrengung innerhalb der pan-arabischen Bewegung oder der Bewegung der arabischen Föderation erzielt. Ferner teilen sie nicht die Anschauung, daß, da jetzt nicht die Möglichkeit bestehe (und auch nicht der Wille, da der Mufti englischer Beamter ist), gegen die Herrschaft der Engländer zu kämpfen, der Kampf nur gegen den Zionismus gerichtet sein müsse. Die Istiklal-Anbänger halten den Zionismus in dieser Periode seiner Verwirklichung nur für einen Zweig am Stamme des britischen Imperialismus, und verlangen daher eine Konzentrierung der Angriffe auf eben diesen Stamm und nicht auf den Zweig. Gleichzeitig verzichten sie nicht auf die Bekämpfung des Zionismus, um zu verhindern, daß er zu starke Wurzeln schlage. Die gegenwärtige Situation Die letzte Entwicklung beider gegeneinander stehenden Teile zeigt eine gewisse Angieichung der Ziele, wenn auch im organisatorischen Sinne die Spaltung sich von Tag zu Tag vergrößert. (Die ״Arabische Exekutive“, eine beiden gemeinsame Institution, hat beinahe aufgehört zu existieren und wurde von einem System politischer Parteien abgelöst.) Ursache dafür ist die fortschreitende Verwlrklichung des Zionismus und die britische Politik, die mehr als früher diese Verwirklichung fördert. Die Angst, aus einer Mehrheit eine Minderheit im Lande zu werden, bestimmt zur Zeit die politische Oeisteshaltung der arabischen Politiker, obwohl der große Niedergang der arabischen Bewegung heweist, daß die Masse der Araber sich immer mehr mit dem gegenwärtigen Zustand im Lande abfindet. Das Charakteristische an der arabischen Bewegung in Palästina jetzt ist, daß der extreme Flügel zu zwei neuen Mitteln im Kampfe gegen den Zionismus greift: den Schwur auf den Koran (gegen den Verkauf von Böden) und die Entfaltung einer gemeinnützigen ökonomischen Tätigkeit. Unter den arabischen Politikern wird immer mehr eingesehen, daß der Zionismus in erster Reihe — in Beziehung auf die palästinensische Wirtschaft — als ein wirtschaftlicher Faktor zu werten ist, und daß er daher auf ökonomischem Wege bekämpft werden muß. Die arabische Bank, die vor einigen Jahren gegründet wurde, wird aktiv durch alle extremistischen arabischen Kreise un• terstützt und entwickelt eine überaus aktive Tätigkeit, im letzten Jahr gründete sie eine landwirtschaftliche Tochtergesellschaft und geht jetzt an die Gründung einer Investitlonsgesellschaft, deren Absicht es ist, ägyptische Kapita• Hen nach Palästina zu ziehen. In den letzten Wochen wurde eine landwirtschaftliche Gesellschaft gegründet, die für den Ankauf der Böden um das neu von den Juden erworbene Hule-Gebiet verwendet werden soll. Man sieht in dieser! neuen Maßnahmen der arabischen Führerschaft den Ein• fluß der zionistischen Bewegung, die sie nicht nur zur Geg. nerschaft, sondern auch zu aktiver ökonomischer Tätigkeit anspornt. Kleine Nachrichten Die Kreisleitung der NSDAP in Schwerin teilt dem ״Niederdeutschen Beobachter“, Schwerin, mit, «faß bei den Listen, die dort über Juden, JudenstämmUnge und jüdisch versippte Geschäfte in Umlauf gesetzt worden sind, nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet wurde. Infolgedessen sollen alle bisher erschienenen derartigen Listen unverzüglich eingezogen und vernichtet werden. Die Kreisleitung der NSDAP wird eine einwandfreie, von der Polizei beglaubigte Liste in allernächster Zeit herausgeben. Wie das ״Frankfurter Volksblatt“, Frankfurt am Main, vom 23. April meldet, ist die Schrift: ״Eine Antwort auf die Greuel- und Boykotthetze der Juden im Ausland“, in 2. Auflage erschienen und enthält ein um mehrere Namen bereichertes Verzeichnis jüdischer Gewerbetreibender in Frankfurt am Main. Die Rheinische Landeszeitung ״Volksparole“ in Düsseldorf meldet, daß ein in Urdenbach ansässiger polnischer Staatsangehöriger sich unter Vorlage gefälschter Papiere Arbeit verschafft habe. Es wurde festgestellt, ■daß sämtliche Papiere gefälscht waren und der Mann nichtarischer Abstammung ist. Er wurde wegen Urkundenfälschung in Haft genommen. Mit dem 1. Mai wird die allgemeine gerichtliche Vereidigung von Sachverständigen und ihre besondere Ke®■ Zeichnung als solche unwirksam. Die Sachverständigen sM durch die Reichsfachschaft für das Sach verständigenwesen d« Deutschen Rechtsfront angegliedert worden. Die Reichsfachschaft bietet, wie DNB. meldet, durch eine strenge Auslese in charakterlicher und fachlicher, ganz besonders aber in rassischer Beziehung die Gewähr dafür,!)58 die von ihr benannten Sachverständigen den Voraussetzungen entsprechen, die von dem Sachverständigen als Rechtswahr« zu!ordern sind. In Köln wurde ein jüdischer Geflügelhändler wegen betäubungslosen Schächten* von Hühnern zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Nach dem ״Westdeutschen Beobachter“ soll auch gegen seine Abnehmer vorgegangen werden. Zum 60. Geburtstag Leon Kornitzers Am 4. Mai begeht Leon Körnitz er, Kantor der Hamburger Tempelgemeinde, den 60. Geburt-־ tag. Ihm Ist es gelungen, die gottesdienstliche Tradition seiner Gemeinde zu ändern, und zwar zum Guten. Man weiß, daß die Hamburger Tempelgemeinde sich von der überlieferten Art des Gottesdienstes abgewandt und einen Stil ge״ funden hatte, der fast nichts Jüdisches aufwies. Trotz größten Widerständen gestaltete Kornitzer den Gottesdienst derart, daß er — nach einem Ausspruch Idebohns — viele orthodoxe Gottesdienste an jüdischem Gepräge tibertrifft. Ein ganz besonderes Verdienst Kornitzers ist es, daß er die lugen״ in die tiefere Erkenntnis des Wesens der jüdischen KuftmusiK einführt. So wirken Jünglinge und Knaben an Wochentagen als gründlich von ihm geschulte Vorbeter im Hamburger Tempel. Auch als Komponist hat Kornitzer Bedeutendes geschaffen. Ein Teil davon ist zusammengefaßt in dem Werke ״Rom ׳mos El“ (1928 bei Kauffma nn in Frankfurt a. Merschienen). Leon Kornitzer ist seit Jahren zionistisch tätig Als erster Vorsitzender des ״Allgemeinen Deutschen Kan• torenverbandes“ wie als Gründer und Leiter des seit Jv־l erscheinenden Fachblattes ״Der jüdische Kantor“ arbeitet er unermüdlich im Interesse des Kantorenstandes. Dr. Leo Fantl, Relchenberg Dar Vater Martin Bubert gestorben. In Lernberg י vor einigen Tagen in hohem Alter Karl Buber, Sohn des berühmten Midrasch-Forschers und langjährig Vorsitzenden der Lemberg er Jüdischen Gemeinde, Salomo Buber, und Vater Martin Bubers, gestorben. Wir spreen Martin Buber und seinen Angehörige! unser herzliches ס leid aus,