Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 35 (30.4.1935)
- Date
- 1935-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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׳״.f״ "י""" י"^.׳ י. IV.1935 Nr. 35, 30. IV. 1935 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 3 len on verlassen Die Tat• tswunsch in g war und Grund ihres A a ssen in 1 Revisionis• jugendliche( Organ!- »en Ziorurteilen sehen Kräfte )litische Pro-!!eher Schritt antwort-;benso über״ ill geführten : sich geistig;paltung der .*ine g r u n d- Zionistische tigen Grund״ 1 Trennungsn und morasernerri-it arschau rbände der die Juden-;n Organier Gruppe t allein eine arbeitenden gen, die die en primitiv-!eit entfernt ttel unseres diesem Gcerzu kommt, les Jischuw iner orie n• alve rf as- Sektor einäischen Be- . Die Kin« Palästina -- sehen Krei״ epunkte ge- Leben der le sich auch n ihr Wohltig er ihnen tens in Pabunden, daS n Grundn wir wohl, Bedingungen n angenom• dem in den;sene gestie• alästina-Ei.1• ns im Lande ach: so fern Zauberwort sen, daß der eit verlangt, leute in den r Bewohner in der auch war es ein hältnismäßig s i n n v 011 Kolonisation acken vierteln ts Landes in n grausames der zionisti- Mahnung an n verbunden les Aufbaus, hen aus den!de verbannt •auszureißen' großer Teil en ist, daß der Apparat aphstum des im gleichen ig sein. Aber js Land lebt!ste, Erfolge, äußeres Gecht ans Ohr 1 Organ bc- . Meisten in chäftigt, daß s der Sinn der EingüC' isen verloren ß sehr schön [ t garantiert Wir meinen, daß diese Zukunft, die wirkliche Regeneration des jüdischen Volkslebens in Palästina dann bestehen wird, wenn menschliche Verbundenheit wieder pi einer Selbstverständlichkeit im Lande und in unserer Bewegung geworden sein wird. Das gilt nicht zuletzt auch für unsere Beziehung nach außen. Wer mit offenen Augen durch das Land reist, erlebt mindestens so stark wie den jüdischen Aufbau einen lebendigen’Orient. Das arabische Leben ist gewiß nicht so rege wie das jüdische, aber auch in ihm sind Kräfte wach, die überall nach außen sichtbar in Erscheinung treten. Es wird gebaut, Institutionen werden geschaffen, die Landwirtschaft nimmt in gewissen Teilen des arabischen Gebietes einen starken Aufschwung und vieles andere mehr. Und der Jischuw? Zehntausende bemerken diese arabische Umwelt kaum. Besonders der Tel-Awiwer, der in einem geschlossenen jüdischen Bezirk lebt, ist geneigt, von der Existenz einer solchen Umgebung keinerlei Kenntnis zu nehmen. Und viele andere, die diese Kenntnis besitzen, verwerten sic auf eine Weise, die schädlicher ist als gar nichts. Das gilt ganz besonders für einen großen Teil der Lehrer und Erzieher und damit der Jugend. Man fühlt sich dem arabischen Nachbarn gegenüber in der Position einer Ueberlegenheit, die nicht allein zivilisatorisch begründet ist, sondern wie ein m e n s c h - licher Qualitätsunterschied empfunden wird, ln der Behandlung, die man bei Begegnungen auf dem Markt, auf der Straße dem Araber zuteil werden läßt, zeigt sich dies mit erschreckender Deutlichkeit; die Stimme der menschlichen Gemeinsamkeit, das Gefühl für Verbundenheit auch mit einer Welt, die von der eigenen entfernt ist, sind nur in wenigen Herzen vorhanden. Wir wissen wohl, daß das Moralische nicht durch Predigten und Ermahnungen in einer Generation erweckt werden kann. Es scheint auch, daß die Schwere des Erlebens, das über die Mehrzahl der Einwanderer in ihren Heimatländern gekommen ist, nicht dazu beiträgt, ihre Herzen zu erweichen und in ihnen den Trieb zu erwecken, selbst an der Gestaltung einer besseren Gegenwart mitzuwirken; der Druck, dem das jüdische Volk ausgesetzt ist, hat wohl seine Energien wachgerufen, um sein Leben politisch und ökonomisch zu sichern, aber er scheint so stark geworden zu sein, daß i er die feineren, edleren Triebkräfte unseres Wesens zu [zerstören begonnen hat. Und in dieser Zeit wollen wir fin Palästina wieder zu einem Volke werden! Zu einem Volke, das nicht nur irgendeine Sprache spricht, sei es auch hebräisch, dessen Worte aber barbarisch bleihen — nicht eine Masse, ungeformt und gestaltlos, sondem zu einem Volke verbundener Menschen, die einen gemeinsamen Weg in die Zukunft gehen. Darum ist es nicht Sache der Aesthetik, wenn in diesem Prozeß bessere Lebensformen, reinere Beziehungen verlangt werden. Nicht weil die Baracken unschön sind, wünschen [wir dem Jischuw in seiner Gesamtheit Häuser, nicht 'weil das Bild der Bodenspekulanten auf der offenen Straße Tel-Awiws unser Auge beleidigt und uns an trübe Zeiten der jüngsten europäischen Geschichte erinnert, sind wir für die Verfemung dieser Kreise im öffentlichen Leben des Landes, sondern weil es sich in der Ueberwindung solcher Erscheinungen zeigen wird, ob unsere Vorstellung von Renaissance des Volkes Wirklichkeit werden kann. Denn täuschen wir uns nicht: Ein Volk wieder zu werden mit der Kraft, in den kommenden Stürmen der Weltgeschichte zu bestehen, die auch über Palästina hinweggehen werden, ist nicht ein mechanischer Vorgang, kein Transportunternehmen, sondern es ist ein Prozeß der Selektion, der Auswahl der besten Kräfte, deren Wille und Wesen sich im Lande durchsetzen wird — oder nicht. Darum sind es — und das ist vielleicht die stärkste kehre, die man als Reisender heute in Palästina empfängt — die einfachen menschlichen Werte von Anständigkeit und Verantwortung für den Nächsten, die Kern und Prüfstein des Zionismus sind. Feste und Freudenfeuer lassen sich vortrefflich veranstalten und anzünden, wenn man nur etwas Phantasie und Organisationstalent besitzt. Das verstehen immer ein paar Mensehen für die anderen zu machen, die als Publikum mit wenig Hemmungen und Sorgen ihnen zuschauen. Aber ein stilles Wirken für die echten Güter der Nation, die z.ugleich immer die Güter der Menschheit sind — das ist eine Sache, die im täglichen Leben schwer ist, die wenig äußere ״Ehre“ bringt und vielleicht heute nur von wenigen getan werden kann. Es wird in den Kreisen der westjüdi sehen Ein- "anderer in Palästina — und auch im Zionismus in Deutschland und anderswo — so oft und viel darüber gesprochen, welches wohl die ״Aufgabe“ unserer Menschen ist, die ihnen speziell zugewiesen sei, damit sie ein wertvolles Glied in Palästina würden. Der eine sieht sie in der Entwicklung irgendwelcher Wirtschafts- ™eige, der andere auf technischem Gebiete usw. Das mag alles seine Richtigkeit haben. Es trifft aber nicht V°H zu. Wir haben etwas voraus, was uns vor ßen Massen des jüdischen Volkes auszeichnet, und das ist - trotz allen Erlebnissen der letzten zwei Jahre — unsere persönliche Entfernung von dem Schicksal der *urehtbaren materiellen Not, die auf dem jüdischen Volke '8stet. Wir kommen daher ins Land mit einem gewissen Reichtum an materiellen Möglichkeiten und auch an '1rojekten und Ideengängen. Es scheint, als ob aus dieser Tatsache eine neue Kraft für den Bau unseres Werkes in Palästina erwachsen könnte, wenn eine Zahl \’°n Menschen sich findet, die ihre eigentliche Aufgabe '1’kennen. Berufliche Umschichtung, Verbindung mit Art>eit und Boden, Chaluziuth um des Landes willen Slnd heute eine Selbstverständlichkeit, über die man Amerika wird nachdenklich h Archi* Adolph S. Ochs Die ״Generation Ochs11 Von unserem Berichterstatter Ernst Kahn New York, den 9. April 1935 Die heutigen Morgenblätter bringen spaltenlange Nachrufe für den soeben verstorbenen Adolph S. Ochs, den Bcsitzer und Gestalter der ״New York Times“, wohl des besten Nachrichtenblattes der Welt. Ochs, der wenig an die Oeffcntlichkeit trat, war eben durch die Note, die er seinem Blatt gab, unbestreitbar eine der geachtetsten Persönlichkeiten in den Vereinigten Staaten. Im Lande der Sensation schuf er eine unsensationelle Presse, und zwar mit beispiellosem Erfolg. Als Jude, als amerikanischer Jude, ist er das Symbol einer verschwindenden Zeit. Er repräsentiert eine besondere Spielart des amerikanisehen Juden; er war das, was man hier einen ״ü erma n J e w“ (״Deutscher Jude") nennt. Das sind in der Regel nicht etwa in Deutschland Geborene, sondern Abkömmlinge in der zweiten bis fünften Generation von aus Deutschland Eingewanderten. Diese Gruppe ist recht stolz auf ihr Herkommen. Sie fühlten sich als so eine Art Adelsscliicht im Vergleich zu den von ihnen als zweitklassig angesehenen Ostjuden. Die Stellung von Ochs zur Judenfrage war bezeichnend für die Meisten dieser Gruppe. Stets hat er mit Stolz seine Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft betont, außerordentliehe Summen für Kultzwecke gezeichnet — jiidisch-nationalen Gedanken aber, besonders dem Zionismus, stand er, wie die Nachrufe betonen, strikt ablehnend gegenüber. ״Denn“, so schreibt heute seine ״Times“, ״er sah keinerlei Notwendigkeit für eine nationale Betätigung der hiesigen Juden außerhalb der amerikanischen Nation.“ Diese Auffassung, die wir ja nur zu gut aus dem Deutschland vor 1932 kennen und die uns die Palästina-Auf bauarbeit leider so unendlich erschwerte, ist heute auch hier ein Vorrecht der Generation Ochs. Amerika ist nachdenklich geworden. Das gilt für die Gesamtheit der Nation und das gilt namentlich für die Juden. Die nicht endenwollende wirtschaftliche Depression hat an allen Ecken und Enden zu einer Umwertung der Werte geführt. Man glaubt nicht mehr an die Vortrefflichkeit des Individualismus; die Vorzüge des Kapitalismus werden nicht nur unten, sondern auch in den Salons bezweifelt. Und vom Kommunismus hört man erstaunlich viel. Geschickte und wortgewandte Demagogen wie der Diktator von Louisiana, Long, oder der Rundfunkapostel Coughlin (ein katholischer Geistlicher), versprechen dem enttäuschten Volke goldene Berge. Die Juden haben doppelt Anlaß, nachdenklich zu werden. Die Meldungen aus Europa haben sie hellhörig gemacht und man prüft kritischer als bisher die Stellung im eigenen Land. Plötzlich hört man in jüdischen KreiWn vom wachsenden Antisemitismus sprechen und eine äußerst ernste Stimmung herrscht namentlich in jenen Kreisen, die davon früher wenig wußten oder wissen wollten. Vielleicht ist es ein Wagnis, in diesen Dingen ein sicheres Urteil auszusprechen. Denn der Einzelne übersieht ja immer nur ein beschränktes Gesichtsfeld, selbst wenn er das Land schon lange kennt und seine Eindrücke in den verschiedensten Volksschichten und Landesteilcn gesammelt hat. Immerhin: meine persönlichen Beobachtungen decken sich nicht mit jenen Betrachtungen. Vieles, wenn nicht das meiste, was jetzt so eifrig registriert wird, ist nichts Neues. Mindestens seit der starken Masseneinwanderung von armen Juden aus dem Osten, also seit Jahrzehnten, sperrte sicti die alteingesessene Bevölkerung gegen die Juden gesellschaftlich ab, w׳ie sie sich übrigens auch g e g c n andere Fremde ablehnend verhält. Der ״hundertprozentige Amerikaner“ will weder vom Italiener, noch vom Deutsehen oder Polen oder Juden etwas wissen. Die oft geschilderte Ablehnung jüdischer Gäste in gewissen Hotels, die Ablehnung jüdischer Mitglieder in Klubs, namentlich Universitätsklubs usw., sind alten Datums. Und der (inoffizielle) Numerus clausus an manchen Universitäten und Kliniken wird heute nur deshalb deutlicher fühlbar als früher, weil die Neigung zu Medizin und Juristerei auch unter den amerikanisehen Juden trotz der deutschen Erfahrungen sich an»cheinend nur schwer zügeln läßt. Selbstverständlich macht sich in unruhigen Zeiten der Antisemitismus immer stärker geltend. Das spüren namentlich die Stellungssuchenden: die alte Tendenz vieler Betriebe, keine oder nur wenige Juden anzustellen, fällt in der Hochkonjunktur weniger auf. Der entscheidende Unterschied gegenüber früher scheint mir*m ehr subjektiv als objektiv zu sein. Während man früher den notorisch vorhandenen Antisemitismus ein¬ Louis D. Brandeis Archi* eigentlich nicht mehr zu reden braucht. Aber sie sind nur eine Selbstverständlichkeit, hinter der erst die eigentlichen Aufgaben beginnen. Diese sind mit einem Worte zu umschreiben: Die Not des Volkes erkennen, die auch in Palästina besteht, den Weg zum Volke finden und die echte menschliche Gemeinschaft des Volkes mit bauen helfen! Das ist — letzten Endes — wohl wieder keine spezifische Aufgabe der Menschen aus unserem Kreise; aber viele von uns sollten im Lande und in ihrer Vorbereitung für das Land sich durch diese Erkenntnis leiten lassen und so dazu beitragen, daß der Zustand der Wirrnis, in dem wir heute stehen, beendet wird. Dies ist auch eine Lehre, die man in Palästina empfangen kann. K. L. fach nicht scheu wollte, weil er sich mit dem Grundsatz des ״keep smiling“ und gewissen demokratischen Theorien einfach nicht vertrug, ist die Reaktion im Zeitalter des Nachdenkens um so stärker. Wie dem auch sei — die Nervosität ist vorhanden; sie äußert sich in recht verschiedener Weise. Gewisse ältere, namentlich die eingangs erw'ähnten, ursprünglich aus Deutschland stammenden Kreise lassen den Kopf hängen, fürchten tun ihre Stellung, die in diesen z. T. äußerst reaktionären Kreisen nicht seiten mit der Höhe des Bankkontos identisch ist. Der aus dem alten Deutschland bekannte Ausweg, sich aus der jüdischen Gemeinschaft loszulösen, wird seltener gesucht — teilweise, weil diese Menschen innerlich mehr mit dein Judentum verbunden sind, teilweise auch, weil die Berührungspunkte mit der Außenwelt wesentlich loser sind. Die Juden bilden, namentlich in den Städten, derartig ansehnliche und ziemlich abgeschlossene Kolonien, daß eine Absonderung erhebliche Schwierigkeiten bereiten würde. Wieder andere Kreise, namentlich aus dem Lager der Intellektuellen, reagieren auf die Zeit durch eine Neigung zu radikalen Lösungen. Ls ist erstaunlich, wie viele jüdische und nichtjiidische Akademiker, Studenten und Lehrer heute etwa mit Rußland sympathisieren. Das gilt für die ältesten Universitäten — etwa ftir Harvard, wo es nicht auf die Juden zuriiekzufüliren sein kann; denn deren Zahl ist dort äußerst gering. Die eindrucksvollste und erfreulichste Wirkung dieser Krisenstimmung unter den Juden macht sieh in einem außerordentlichen Interesse für Palästina geltend. Die amerikanischcn Juden hatten das Glück, daß einige bedeutende Köpfe frühzeitig die zionistischen Ideen erfaßten und sich energisch fur sie einsetzten. Hier muß vor allem Justice Brandeis genannt werden. Seine Bedeutung, sein Ansehen stützt sieh nicht etwa allein auf sein hohes Amt, auf seinen Sitz ini Suprenie Court (Obersten Gerichtshof), wo er unter den neun Obcrriclitern eine ganz besondere Rolle spielt; dem! er führt dort den fortschrittlichen Flügel. (Vgl. den Bericht ״Die mächtigsten Richter der Welt“, ״Jüd. Rundschau“ vom 3. Februar d. J.) Brandeis ist mehr als der hohe Richter. Lr gilt als der große Staatsraa 11 11; cs ist bezeichnend, daß immer wieder auf seine äußerliche Aclinlichkcit mit dem Nationalheros Abraham Lincoln hingewiesen wird. Wenn heute die ganze Welt mit Entsetzen die furchtbaren Sünden des V c r - s a i 11 c r Friedens erkennt, so wissen Eingeweihte, daß vielleicht die Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn Wilson dem Rate der Besten im Lande gefolgt wäre und Brand eis mit seiner Menschenkenntnis und seinem Weitblick als amerikanischen Vertreter nach Paris geschickt hätte. Wilson hat damals Unheilvollen Einflüsterungen Gehör geschenkt und ist leider selbst nach Europa gefahren. Und so beschränkten sich die Europareisen von Brandeis auf die Behandlung j ü d i s e 11 e r Probleme; es ist nicht unbekannt, daß schon variier sein Einfluß auf die Balfour-Erkiärung nicht gering war. Heute ist der jetzt 79jährige Brandeis offiziell nicht mehr mit der Zionistischen Organisation verbunden, wie er sich überhaupt von allen offiziellen Veranstaltungen bewußt zurückhält. Man sieht ihn niemals in Gesellschaft; er geht früh zu Bett, um jahraus jahrein!,unkt (> Uhr an seinem Schreibtisch in seiner bescheidenen Wohnung mit der Arbeit beginnen zu können. Ls wird aber kaum einer der verantwortuiigsbewiißten jüdischen Führer Entscheidendes beginnen, ohne vorher den ״great old man" zu befragen. Und in derartigen Unterredungen gibt Brandeis seine Auffassung von der Zukunft und der Aufgabe der Juden. Sein Seherblick sieht im N a 11 e 11 Orient weit über das heutige Palästina große Aufgaben für die Juden . und er ist überzeugt, daß ihnen dort mehr Glück und Harmonie winkt als in manchen Ländern, wo sie zwar materielle Erfolge errangen, aber gar manches andere verloren halten. Diese Konzeption erinnert unwillkürlich an die einer anderen großen Persönlichkeit aus der amerikanischen Judenheit, an Miß S zo Id. Sie hat vor w enigen 'Lagen in Jcrusalein eine Parallele gezogen /wischen ihrem heutigen Wirken in Erez. Jisrael und ihrer Sozialarbeit in Amerika vor 50 Jahren (s. ״Jiid. Rundschau" Nr. 27 d. Damals lebten in Amerika genau so viele Juden wie heute in Palästina, nämlich 300 000; heute sind es hier etwa 40׳ Millionen. Ihre Vision sieiit eine ähnliche Entwicklung in Altueulaml. Diese Vision von einem großen und hoffentlich glückliehen Palästina kehrt hier immer wieder. Sie kam besonders lebhaft zum Ausdruck in der Festrede eines anderen der unbestrittenen jüdischen Führer anläßlich des zehnjährigen Jubiläums der U n i v e r s i t ä t J e r 11 s a I e in. Felix M. W a r b u r g, eben von Palästina zurückgekehrt, schilderte die großen Eindrücke seines Besuches; er war erfüllt von der Leistung namentlich der jüngeren Neua n k ö m tu I i 11 g e aus Deutschland. Diese Beurteilung der deutschen Alijab wird von allen Palästiiiakeunern sowohl in Amerika wie 111 England geteilt - auch von Zionisten, die in dieser Richtung ursprünglich etwas skeptisch waren. Warburg, nach Beruf, Herkommen und sozialer Stellung grundverschieden von Bramlcis, ist als Vorkämpfer für Pa• läsfina nicht minder wichtig als dieser, (ierade als mibe• stritten er Führer des bürgerlichen, eingangs charakterisierten Judentums ist das offene Bekenntnis zu Palästina dieses uner* rmidlichen und taktvollen Mannes von unschätzbarem Wert Die Cicistcsströiuungen, die heute Amerika durchziehen, werden das amerikanische Judentum stark aktivieren — auch in den sogenannten bürgerlichen Schichten, die damit nur der Arbeiterschaft folgen, die heute ein leidenschaftliches Interesse an allen jüdisch-nationalen Fragen nimmt und wohl auf dem nächsten Zionistenkongreß sehr stattlich vertreten sein wird. Die amerikanische Judcrsvhaft ist nachdenklicher goworden, sie besinnt sich auf sich selbst