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Jüdische Rundschau · 1935-04-26 · Heft 33-34 (26.4.1935) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 33-34 (26.4.1935)
Date
1935-04-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33/34, 26. IV. 1935 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Ein bewegtes Leben Shmarya Levin’s Selbstbiographie, 3. Band Es gibt Menschenleben, in denen eine Epoche sich verkörpert hat. In den Tagen, da wir den vierzigjährigen Bestand der ״Jüdischen Rundschau“ feiern, ist es überaus anziehend, ein Buch zur Hand zu nehmen, das uns ins jüdische Leben vor 40 Jahren mitten hineinstellt und die Kraftquellen aufdeckt, aus denen die jüdische Renaissance gespeist wurde. Von Shmarya Lev ins großer Selbstbiographie, von der auch in deutscher Sprache zwei Bände erschienen sind, liegt der dritte Band in englischer Sprache vor. (״The Arena“, Verlag George Routledge IV Sons, London.) Geschrieben wurde das Buch vor etwa fünf bis sechs Jahren. Haben die ersten beiden Bände zahlreichen \\e-tjudcn zum iistcn Male einen Einblick in die wirkliche gelebte Welt des Ostjudentums, mit ihrem Alltag, ihrem Lernen, ihrer Gemütstiefe und Sehnsucht, diese bunte, an Kräften und Werten so reiche Welt erschlossen, so führt uns der dritte Band an die Schwelle des politischen Erwachens und damit in eine Welt, die uns heute wieder mehr interessiert, obwohl sich sehr viel geändert hat. Das zaristische Rußland der Vorkriegszeit existiert nicht mehr; um die Wende des 19. Jahrhunderts erschien es den meisten Menschen als eine rückständige Welt, und die Judenfrage in Rußland wurde von den Westjuden mehr als ein russisches, denn als ein jüdisches Problem betrachtet. Heute denken vir darüber anders, weil wir die Eigentümlichkeiten der Judenfrage immer mehr erkennen und das historische Geschehen, ob wir wollen oder nicht, uns darüber belehrt hat, daß die Judenfrage zu allen Zeiten und an allen Orten auftreten kann. Shmarya Levin hatte schon in seinen Lehr- und Wander- Jahren Berührung mit der westlichen Welt, vor allem mit Deutschland, wo er studierte. Im zweiten Band hat er darüber berichtet, und der dritte Band beginnt mit dem Abschied von Deutschland. Es war zu Beginn der neunziger Jahre. ״Fünf Jahre“ — so schreibt er — ״hatten genügt, um in mir eine tiefe Anhänglichkeit an die deutsehe Umwelt zu entwickeln. Ich bewunderte die Ordnung, ich war hingerissen von dem deutschen Streben zur Wissenschaft. Pie deutsche Sprache und Literatur wurden mir lieber als die russische. Hinzu kam noch, daß ich im protestantischcn Deutschland bei christlichen Professoren die Bibel studiert hatte und die Leidenschaft und den tiefen Ernst beobachtete, den diese auf die Erforschung unserer alten Literatur verwandten. Ich besuchte ihre Kirchen und war verwundert, mit welcher Ehrfurcht sie von unseren Helden und Propheten sprachen. Trotzdem fühlte ich mich nattirlieh als ein Fremder, ohne Anteil an dem großen Erbe! dieses Volkes. Aber war ich nicht auch in Rußland ein I Fremder? ich fühlte mich humaner behandelt in dem Land, in das ich gekommen war, als in dem Land meiner Geburt. Lebte ich doch unter einem Volk, das keine Pogrome machte, ich hatte auch Freunde und Beziehungen genug in Deutschland. Der Dekan der Philosophischen Fakultät in Königsberg drang in mich, ich möge bleiben, und versprach mir moralische Unterstützung. Aber etwas zog mich zurück nach Rußland: nicht das Land, aber mein Volk. Dazu kam, daß ich mich wohl mit der echten deutschen Welt gut hätte vertragen können, aber die Welt der deutschen Juden mit ihrem nachgeahmten Teutouentum fand ich unerträglich. So_ sehnte ich mich wieder nach meinem Volk, nach den Millionen, die in Unterdrückung tmd Bedürftigkeit lebten, aber ihre Seelen nicht verkauft hatten.“ Shmarya Levin kehrt nach Rußland zurück, erst nach Warschau, dann in verschiedene andere Städte, bis er schließlieh die nicht beneidenswerte Rolle eines ״Kronrabbiners“ in Grodno, später in Jekaterinoslav übernahm, ln einer Zeit des entscheidenden Gestaltwandels des russischen Judentums, zu Beginn der nationalen Bewegung wird er nun mit aller Macht ins jüdische Leben hineinge/ogen, erfüllt von glühender Liebe zum Volk. Rückschauend schildert er uns heute jene Epoche, wo das jüdische Leben noch ganz im Zeichen der Notabdiiwirtschaft stand, während das Volk noch stumm war. In jener Zeit entwickelt sich in Rußland und Oesterreich die Theorie der ״N a t i o n a 1 i t ä t“, die in den national homogenen Ländern, England, Frankreich und Deutschland, unbekannt war. Diese nationale Ideologie fand ihre Abspiegelung iin jüdischen Leben, Levin sieht einen Parallelismus zwischen Figuren des russischen Judentums mit führenden nichtjüdischen Denkern der Zeit, z. B. zwischen Dr. Chaim Schitlowsky und Karl Renner, dem Theoretiker der nationalen Autonomie, oder zwischen Simon Dubnow un3 Masaryk, oder Achad Haam und dem russi- :eben Philosophen Soknvjoff. In ihren Ideen findet er ge- ״!einsame Elemente. Das jüdische Volk wird in den Strom der allgemeinen Ideen der Zeit hineingezogen. Wir lernen nun unter Levins Führung ein Stikk Vorkriegsrußland und vor allem jüdisches Leben kennen. F.s ist der Kreis, der die zionistische Bewegung geschaffen hat. Viele bekannte Figuren tauchen in Levins Memoiren auf. Als Jüngling steht er in der Chowewe-Zion-Bewegmig, in der sich gegen die Verflachung der Idee eine Opposition unter der Führung Achad Haaitts organisiert; in dessen Orden ..Btie Mosche“ findet auch Levin Aufnahme. Es ist ein feierliches Gefühl für ihn, zu dieser Avantgarde des nationslen Gedankens, die auf eine moralische und kulturelle Umformung des Judentums und des Zionismus hinarbeitet, zu gehören. Sein großer Meister und Lehrer ist und bleibt such später Achad Haam. Aus den Schätzen des _ eigenen jüdischen Cicistesgutes, so weiß damals schon Levin, muß die Erneuerung des jüdischen Volkes kommen, aber diese Kräfte müssen aus ihrer Erstarrung gelost werden. Das prakädert Levin in seiner Rolle als Kronrabbiner, und so wird er selbst zuin Lehrer, za einem begnadeten, die Seelen ertchütternden und mit jüdischem Elan bereichernden Wecker. Der Gegensatz, den mau zwischen Chowcwc-Zion _ und modernen politischen Zionismus Herzls konstruieren wollte, ist Levin unverständlich. Er sieht eine einheitliche Linie; der Unterschied liegt im wesentlichen darin, daß die Träger der Chihbath Zion die kulturell noch stärker ans Judentum gebundenen Ostjuden waren. So wird von ihm mit Selbstverständlichkeit die Synthese hergesteilt. Inzwischen wir« die russische Judenheit dauernd von Krisen geschüttelt, nnd auch der internen Differenzen gibt es genug. Litauische, ukrainische, polnische Juden bildeten jeder einen Typ für 'ich und betrachteten einander mit Mißtrauen. Die pqlni- *cheri Juden «׳ehrten sich auch gegen den in den neunziger Jahren infolge der Vertreibung aus Moskau einsetzenden Zuzug russischer Juden, während diese meinten, als Träger einer höheren Kultur zu kommen. Merkwürdiges jüdisches Schicksal: Die Juden, die damals nur halb oder dreiviertel ruiniert waren, suchten fn Polen neue ökonomische Möglichkeiten; diejenigen, die vollständig ruiniert waren, wanderten nach Amerika aus. Das Ganze zeigt wieder einmal, wie schwer cs ist, die Konsequenzen einer Entscheidung zu überschauen: ״Vor vierzig Jahren beneideten natiirlieh die vollständig ruinierten Juden ihre weniger imglückliehen Brüder, die noch genug hatten, um sich iri W'arschau neu zu etablieren. Und beute, wie viele von den Kindern der damals mir Halbruimerten beneiden die Kinder der danials Ganzruinierten! Wenn vor vierzig fahren ihre Väter glücklich genug gewesen wären, alles zu verlieren, dann würden ihre Kinder heute in New York oder Chicago sitzen und könnten ihre armen Verwandten in Polen upterstützen.“ Auch diese Bemerkung ist vielleicht für die deutschen Juden von einer eigentümlichen Aktualität. — — Es gibt kaum einen bedeutenden russischen Juden seiner Zeit, mit dem Levin nicht in Verbindung stellt. In Warschau ist ein reges literarisches Leben, die hebräische und jiddische Literatur beginnen gerade sich mächtig zu entfalten. Der ganze literarische Kreis versammelte sich im Hause von Sokolow, der schon damals als die ״Synthese des Europäertums“ betrachtet wurde, da er die Bildung aller Völker und ihre Sprachen beherrschte. Mit Perez, Frischmann und anderen ist Levin eng verbunden. Damals erscheint auch Bialik auf der Bildfläche, mit dem Levin eine enge Freundschaft verbunden hat. Eine besonders rührende Episode ist der Besuch bei dem Asketen Dr. Chazanowitsch, dem Schöpfer der Nationalhihliothek. Das Erscheinen Herzls und die ersten inneren Kämpfe im Zionismus hat Levin in der vordersten Front mitgemacht. So gibt das Buch Impressionen eines langen Kapitels 7 ionistischer Geschichte. Bald aber zeigen sich Stürme. Der Pogrom von Kisclüncw erschüttert die ganze jüdische Welt. Es folgen der russisch-japanische Krieg und die russische Revolution. Als Kronrabbiner ist Levin jüdischer Kandidat für die Duma, und durch eine eigentümliche Konstellation wird er gewählt, weil die Polen sich an den Wahlen nicht beteiligten und die Litauer mit den Juden zusammengingen. Das י Abschlußkapitel des Buches zeigt dann noch den vergeblichen Kampf innerhalb der Duma, bis zu deren Auflösung. Es ist unmöglich, ein erschöpfendes Bild dieses Buches zu geben, aus dem der ganze Reichtum des Lebens sprudelt. Eine Fülle von fesselnden Einzelheiten macht seinen Reiz aus, und der Kenner der zionistischen Bewegung wird vielen bekannten Figuren begegnen. Shmarya Levin hat nicht nur einen ungeheuren Umfang der Erinnerung, er ist auch ein flän/ender und pointcnrciclicr Erzähler, er charakterisiert feilschen und Verhältnisse mit wenigen Strichen, so daß auch für Menschen, die jene Welt niemals gesehen haben, ein fesselndes und hinreißendes Bild entsteht, zum Verständuis des Judentums und unserer jüngsten jüdischen Geschichte geradezu unentbehrlich. Denn wir besitzen außer Levins Memoiren kein Buch, das uns in so intimer und zugleich gründlicher Weise in die Lebensverhältnisse der russischen Juden und in die Anfänge der jüdischen Renaissancebewegung einfiihren würde. Diese Bewegung erscheint vielen heutigen Juden, die bisher ganz außerhalb der jüdischen Sphäre gelebt haben, als etwas ganz Neues. Sie ist aber wirklich verständlich nur denen, die ihre Voraussetzungen kennen. Nur durch solche Annäherung können auch die Ncuhinzukommenden in den einheitlichen Strom geleitet werden, der zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes führen soll. Seine Quellen haben der Bewegung ihre Eigenart gegeben. Darum besteht heute, wo viel mehr deutschsprachigen Juden diese Quellen enthüllt werden müssen, mehr als je ein Bedürfnis gerade nach einer deutschen Ausgäbe von Levins Buch. Vielen kann es nützen, alle aber werden nicht nur das Buch lieben, sondern auch den Manu, der es geschrieben hat und der diese Liebe wirklich verdient. R. W. Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands hielt am 9. April eine Mitgliederversammlung im Logenhaus in Berlin ab, die der SOOjährigen Gedächtnisfeier des Geburtstages des Maimonidcs gewidmet war. Nach Bcgrüßung durch den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin, Direktor Stahl, sowie den Vertreter der jüdischen Rcformgcnieindc, Amtsgerichtsrat Michaelis, und den Vorsitzenden der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern, erstattete Rabbiner Dr. Seiigmaiin als Vorsitzender den Geschäftsbericht und gedachte der heimgegangenen Mitglieder Goldmann-!.eip/ig, Lehmann-Berlin. Lcvy-Bonn und I.ewit-Alzey. I)r. Seligmaiin erinnerte an die letzte Tagung am 15. November 1932, die der 109jährigen Erinnerung des Amtsantritts Abraham Geigers in Wiesbaden gewidmet war. So stehe im Mittelpunkt der heutigen Tagung die für das liberale Judentum vor allem bedeutungsvolle Persönlichkeit des Maimonidcs, der ein Kämpfer gegen seine Zeit gewesen sei, jedenfalls als solcher empfunden wurde. Es folgten die Vorträge von Wiener- Berlin über ״Prophetische, rabbinische und rcligionsphilosophische Religiosität im Judentum“; und von Lcwkowitz - Berlin über ״Maimonidcs als Religionspliilosoph“. An der darauffolgenden Aussprache beteiligten sich insbesondere Samuel, Hahn, Fuchs, Dienemann und der Vorsitzende. Hierauf referierte Diene mann über die letzte Hauptversammlung der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum sowie über die aktuelle Frage der Blutentziehung bei Schlachttieren durch Halssclinitt nach vorheriger elektrischer Betäubung. Eine interessante Aussprache gab cs über die Eventualität der Einführung der neuhebräischen Aussprache. Der Vorsitzende regte an, der Universität Jen!- salem zu ihrem 10jährigen Bestehen zu gratulieren, was durch ein hebräisches Schreiben geschehen soll. Auf Antrag der Wahlkommission wurde durch Akklamation der bisherige Vorstand wiedergewählt. Fritz. M. Kaufmann, ״Die schönsten Lieder der Ostjuden“. Im Jüdischen Verlag, Berlin, erschien eine Neuausgabe dieser vor 15 Jahren von Fritz Mordeehai Kaufmann, dem bekannten Vorkämpfer des ostjüdischen Liedes, lierausgcgebenen Samnilung. Sie enthält 17 der schönsten jiddischen Lieder. Das Liederbuch, im gleichen Format wie das Makkabi-Lied erblich und eine im Jüdischen Verlag in Vorbereitung befindliche Sammlung hebräischer Lieder aus Pa- 1 ä s t i n a, enthält außer Noten auch noch den jiddischen Text mit deutscher Transkription. Nach Erscheinen des obenerwähnten Buches ״Schirim mi’ Erez Israel“, herausgegeben von Dr. Jakob Schönberg, wird es zusammen mit diesem und der zweiten Auflage des Makkabi-Liedcrbuches auch in einer Kassette vereinigt abgegeben. Dr. Karl Schwarz zum 50. Geburtstag Dr. Karl Sch w a r z, dem wir heute zum 59. Geburtstag gratulieren, hat gerade eine neue große Lebensaufgabe begönnen. Seine Arbeit und seine Bemühungen um die Erforschitng und Anerkennung jüdischer Kunst jedoch haben bereits ihre verdiente Anerkennung gefunden. Als Dr. Schwarz im Jahre 1927 die Leitung der damaligen Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin übernahm und daran ging, die bescheidenc Sammlung zu einem umfassenden Museum jüdischer Kunst und Kultur aus/ubaucn, waren es nicht so sehr Scliwie- ^Türkisch 8 cl rigkeiten finanzieller Art als vielmehr die völlige Interesselosigkeit und der Mangel an Verständnis, die in jenen Jahren allgemein vorherrschend waren. Nur die völlige Durchdrungenheit von der Richtigkeit seiner Ueber/eugung, die ihm abgesellen von seiner kunstliistorisclien Arbeit, aus seiner jahrelangen zionistischen Gesinnung erwuchs — Dr. Schwarz gehört seit seiner Studienzeit der zionistischen Bewegung an und war auch eine Zcitlang für den Keren Hajcssod tätig —, konnte seinen Bestrebungen den gewünschten Erfolg, die Schaffung des Berliner Jüdischen Museums, bringen. Von der allgemeinen Kunstgeschichte herkommend, hat Dr. Schwarz sich schon sehr bald fast ausschließlich jüdischer Kunst /!!gewandt. Abgesehen von den Monographien der meisten lebenden jüdischen Künstler, die seiner Feder entstammen, hat er sich als Herausgeber der im Verlage Fritz Gurlitt (Verlag für jüdische Kiin-i und Kultur) erschienenen ״Jüdischen Bücherei" großes Verdienst um die Puhli/ierimg jüdisch-künstlerischer, literarischer und kulturhistorischer Dokumente (darunter die Gedichte des jetzt so häufig zitierten Siißkind von Trimberg, die Bilder zur Prager, Mantuaner und Amsterdamer I lagadnh) erworben. Mit seinem Buch ״'Die Juden in der Kunst״ das nach gänzlicher Neubcarbeitung demnächst in drei Sprachen herauskommen wird —, unternahm Dr. Schwarz den ersten Versuch einer zusammenhängenden (ie-chichte der jüdischen Kunstieistung aller Zeiten. Ferner seien seine zahlreichen kmisthistoi'isclim Beiträge in Zeitschriften, 1111 lüdi-uhrn Lexikon und in der Encykii. pädia Judnica erwähnt und aus der allgemeinen Kunstgeschichte sein umfassender Katalog des graphischen Werkes von Bovis Corintli. Ms I >r. Schwarz vor zwei Jahren seinen Berliner Wirkungskreis verließ, wenige Monate nach Eröffnung des von ihm geschaffenen Indischen Museums lind der Berufung zum Direktor des Museums in T e 1 - A w i w folgte, tat er es in dem freudigen Bewußtsein, eine große und wichtige kulturelle Aufgabe erfüllen zu können. Sicherlieh ist kein anderer wie Dr. Schwarz dazu berufen und dazu fällig — mul seine bisherige Arbeit in 1 el-Awiw beweist es erneut —, die ebenfalls nicht geringen Schwierigkeiten, die dem Ausbau der Tci-Awiwer Sammlung zu einem allgemeinen Kunstmuseum entgegenstehen, zu überwinden. Aber da ihm die Arbeit und der Dienst an der Kunst nie reine Gelehrtenarbeit, sondern wirkliche Herzensangelegenheit sind, so sind wir von dem Gelingen seiner Arbeit und seiner Plaue überzeugt. Und das ist wohl zugleich der beste Geburtstagswünsch. _ Erna Stein Alte Synagogen Von unserem Berichterstatter F. O., Paris Hier wurde kürzlich eine außerordentlich interessante Ausstellung gezeigt: die Bilder von (ieorge K. Louk o m s k i, die er in jahrelanger Arbeit von den alten S v 11 - a g o g c n in Holz und Stein in Polen, der Tschechoslowakei, Spanien, Deutschland und Frankreich gemacht hat. Es sind im ganzen 55 Gemälde, von denen 39 auf Polen entfallen, 7 auf die Tschechoslowakei, 3 auf Deutschland, 1 auf Spanien und 2 auf Frankreich. Besonders intere-sant ist naturgemäß die Abteilung Polen, bei der es 19 Svnagogen aus Stein und 20 aus Holz, zu betrachten gibt. IN gibt keinen einheitlichen Stil, sondern je nach der Wohlhabenheit der (icmeinde und der arcliitektonischen Phantasie des Baumeisters kann man die verschiedenartigsten Strukturen bewundern. Bald finden wir Anklänge an aitehinesisehe Pagoden, bald glaubt man eine Verkleinerung der Notie Dame in Paris vor sieh zu sehen; oder man sieht, wie das allmähliche Anwachsen einer Genieindc im Laufe der Jahrhunderte den eigentlichen Mittelbau mit zahlreichen Anhängseln versehen hat. Das Acußere ist fast stets bi/arr, eigenartig in der Liiiieiifulirung und in der Anordnung der Bauteile. Im Innern d,!gegen ist alles nach alter Tradition von einer diirvhgebiklcteii Harmonie im Aufbau und in der Konstruktion. Interessaiue Parallelen ergeben sich aus den Synagogenhaiiten von Bel/ und Z o I k i e w, die aus dem IS. b/w. 10. Jahrhundert stammen, aber in ihren Fassaden große Aelmlichkeit aufweisen, gleichsam als hätte ein Nachkomme des Meisters von Zolkiew die Synagoge in Beiz errichtet. Die Fassade der Synagoge von (iwo/diez erinnert fast an eine chinesische Pagode; die einzelnen Lnchdacher sind in leiser Schwingung ubemnaudcrgestulpt. Besonders ergreifend ist das Bild von dem Innern der Synagoge in Sniadowo, an dem man erkennt, mit welcher Liebe und Innigkeit die Gemeinde und ihre Mitglieder um den Schmuck ihres Tempels bemüht waren. Eindrucksvoll sind auch die alten spanischen Synagogen in Toledo und Cordoba, die nach der Vcrtreibillig der Juden, 1192, in Kirchen umgewanddl wurden, und die *inan heute — wie beispielsweise die Svnagoge in Cordoba — wieder rekonstruiert hat, so daß man die unerhörte Schönheit des alten Baus erhalten hat. _ Ganz ähnlich bieten sich uns die französischen Sv•!- agogen von Carpentras und Cavajon dar, die im 17. Jahrhundert errichtet - ganz den Stil der spanischen Synagogen aufweisen, und heute natürlich viel zu mächtig für die kleinen Gemeinden sind, die aber doch in ihrer wundervollen Erhaltung vorbildliche Beispiele alter syuagogalcr Baukunst darstellcn. Die Bilder der alten Synagoge in Worms, die Loukomski ebenfalls mit liebevollem Verständnis erfaßt hat, sind zu oft besprochen worden, als daß man auf ihre besonderen Schönheiten hiiizinveisen brauchte. Die Altistin Eugenia H e i I b r u n n - L o p e z hat im Anschluß an ihren Erfolg bei dem Roskinschcn Konzert in der Philharmonie einen Ruf nach Mailand und London bekommen. £4U DE cOV°GWf***gfSAU

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