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Jüdische Rundschau · 1935-04-26 · Heft 33-34 (26.4.1935) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
40 (1935)
Issue
Heft 33-34 (26.4.1935)
Date
1935-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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mm Kr. 33,^4, 26. tV. 1935 JIDISCHE RUNDSCHAU Vierzig Jahre Seite 5 Die Revolutionierung des Judentums Dies* 40 Jahre 1895 bis 1935 bedeuten eine vollständige Revo/1 utionierung des Judentums. Schwerlich hat sich in früheren Zeitläuften, seit wir unsere Wanderung begonnen haben, im Laufe selbst vieler Generationen, ein so gründlicher Umschwung des jüdischen Seins vollzogen wie in dieser einen Generation. Was hieß 1880 oder 1890 jüdisches „öffentliches leben", besonders im Westen? (Im Osten beginnt der Umschwung etwa 20 Jahre früher und hat dort, trotz entscheidender Züge, die verwandt sind, doch im Grunde einen anderen Charakter). Man wird sich am leichtesten von dem überzeugen, was damals jüdische Öffentlichkeit hieß, wenn man irgend eine der deutsch geschriebenen jüdischen Zeitschriften jener Zeit aufschlägt. Das jüdische Leben, soweit eines vorhanden war, zentrierte in der „Khillc": es diente als Folie für kleine Ehrgeize solcher, die meist nicht stark genug waren, um die Befriedigung ihres Ehrgeizes in der großen Welt zu kämpfen. Die jüdische Presse ist erfüllt von Lobhudelei diesen „Vorstehern" gegenüber, die sozusagen dem Judentum eine Ehre erwiesen, wenn sie sich mit seinen öffentlichen Angelegenheiten befaßten. Da gibt es viel Wohltätigkeit und Wohltätigkeitsvereine, viel Barmherzigkeit oder besser „Rachmones", sehr viel Salbung und hohe Worte, sehr viel Pietät, und je stärker der eben beginnende Antisemitismus an den Türen rüttelt, desto mehr Apologetik. Das Judentum ist eine Sache der Alt e n. Eine Jugend gibt es nicht. Die stürmt hinaus in das neue Leben, das sich den Juden eröffnet hat, und schafft sich dort Stellung und Einfluß. In diese muffige und grenzenlos selbstzufriedene und saturierte Welt bricht das nationale Judentum ein. Es ist, als ob Türen und Fenster aufgerissen worden wären und nun endlich frische Luft hereinzöge. In das Judentum brach die Jugend ein. Der Prozeß, der sich im westeuropäischen Judentum um 1890 abspielte, ist kausal schwerlich befriedigend erklärbar. Es war ja doch noch die Zeit der großen Möglichkeiten außerhalb des Judentums. Die jüdische begabte Jugend konnte noch mit vollen Segein in das große Meer der deutschen Kultur hinauslaufen. Herzl hätte sich mit dem Ruhm, der in der deutschen Journalistik und Dichtung für ihn zu holen war, begnügen können, wie sehr viele andere seiner Generation. Was bewog ihn und die vielen, die mit ihm kamen, zur Heimkehr, zur „Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland"? Ich gestehe, daß mir die Erklärung einer providentiellen Fügung noch immer die befriedigendste scheint. Diese Menschen waren Werkzeuge, sie ahnten die Stürme, die kommen sollten und deren Kommen eigentlich damals trotz der Dreyfus-Affäre noch sehr unwahrscheinlich war und bauten vor. „Euch trägt die Ahnung über Zeit und Raum" — sang damals Feiwel in seinem Gedicht „Die Ersten". Dies war nun das entscheidend Neue, das um 1895 (18% erschien Herzls „Judenstaat"!) geschah: das westliche Judentum bekam eine Jugend. An die Stelle der Pietät zum Gestern trat der Wille zum Morgen. Man hat vielfach die jüdische Renaissance dieser Jahre mit der nationalen Auferstehung anderer Völker verglichen und im Zionismus nur eine neue, verspätete Welle der nationalen Renaissancen erblickt, wie sie die Italiener, die Tschechen, die Polen und andere Völker früher erlebt harten. Aber der Vergleich stimmt doch nur zum Teil, die jüdische Nationalbewegung hatte Probleme, weiche die andern nicht in dieser Weise kannten. Palästina spielte in der Ideologie der Bewegung im Westen eine sehr kleine Rolle. Es war mehr Fahne und Symbol. Symbol für ein ganzes jüdisches Leben. Die Studenten, die damals sangen: „Dort wo die Zeder schlank die Wolke küßt", wußten nicht, daß es in Palästina keine Zedern gibt. Sic ahmten Symbole ihrer nichtjüdischen Umgebung nach — um damit eine Sehnsucht zu bezeichnen, die zunächst romantisch und blutleer war. Sie erhielt ihre Wirklichkeit durch die einstige Berührung mit dem Ostjudentum, die sich im Gefolge des Zionismus um 1900 vollzog, damals, als Buber und Feiwel den Jüdischen Verlag inspirierten, als Feiwel die Gedichte von Morris Rosenfeld ins Deutsche übersetzte und damit dem westlichen Judentum eine neue Welt erschloß. Es war kein Zufall, daß es ein proletarischer Dichter war, der hier das Westjudentum erregte (nicht nur das westliche Judentum, auch Christen. Man denke an die Aufsätze des tschechischen Dichters Vrchlicky über Rosenfeld und sein« Uebersetzung der Gedichte ins Tschechische). Nicht die dichterischen Qualitäten waren hier entscheidend, die nicht sehr hoch waren, sondern die aus diesen Gedichten den Westjuden entsprinpetide Erkenntnis, daß es so etwas gibt wie jüdische Masse, jüdische Arbeiter und deren Bewegung. Das blutleere jüdische Schemen wollte einen Körper. Es fc'ar der umgekehrte G o I e m - M y t h u s. Die Seele sehnte sich nach einem Körper. Das Judentum in der ganzen Welt entdeckte damals seinen Leib. Nordaus Wort vom Muskeljudentum, Berdytschcwskis Kritik der geistigen Grundlagen dts Ghettos gingen in dieselbe Richtung: der Wille zum Diesseits. Die Chaluzbewegung unserer Tage ist nur die Erbin. Damit aber hing ein weiteres zusammen: die Politik als bewußte jüdische Sclbstkundgebung. Was vorher in den letzten Generationen die Stelle der Politik im jüdischen Leben vertaten hatte, war die Fürsprache einzelner Juden bei nichtjüdischen Stellen gewesen. Das Hebräische hat hierfür den unübersetzbaren Ausdruck Schtadlanuth. Nun traten an dere.i Stelle Wahlen, Parteiprogramme, Kongresse und deren Organe. Die jüdische „Politik" wurde in die Massen -hineingetragen und gab dem jüdischen Leben eine breite Basis. Selbstverständlich hatte die Entwicklung der Technik hierbei eine wichtige Rolle. In der Zeit des immer mehr gesteigerten und erleichterten Verkehres konnte die Zerstreuung der Juden m gewisser Weise paralysiert werden. Das jüdische Volk in allen Teilen seiner Zerstreuung harte wieder gemeinsame grolle Erlebnisse. Die russischen Pogrome waren solche Erlebnisse, aber auch ein Mythos wie der der Gestalt Herzls oder der Balfour-Deklaration. Eine ungeahnt in die Höhe geschossene jüdische Presse in allen Sprachen der Welt trug die Botschaft vom gemeinsamen Leben und Hoffen in die jüdischen Massen aller Länder. Dies alles waren auf jüdischem Boden völlig neue und unbekannte Ereignisse. Sie alle fanden ihren Niederschlag in dem Kampfe um die Sprache. Wir müssen die Wiederbelebung des Hebräischen aus dieser völligen Verschiebung der Grundlagen des jüdischen Lebens verstehen. Alles Gesagte drängte sich da zusammen: die neue Hoffnung auf ein Morgen, die Sehnsucht nach Verwirklichung und Verleiblichung. In dein Kampfe des Hebräischen gegen das Jiddische spielt vielfach — worauf Rachel Rubaschow hingewiesen hat ■- das Moment mit, daß das Hebräische einen radikalen Bruch mit der letzten Vergangenheit bedeutete, dal! es frei war von der Sentimentalität und der Gebundenheit an das Gestern, die so vielfach die Romantik der jiddischen Dichtung kennzeichneten. So vereinigten sich im Kampf ums Hebräische alle Motive der Wiederbelebung. Spielte sich auch dieser Kampf im Ostjudentum ab und gelangte nach dem Westen nur ein schwaches Echo dieser Entwicklung, so erfaßte der Prozeß schließlich in den Ereignissen d«r letzten Jahre auch das westliche Judentum. Dieser Kampf um das gesprochene Hebräisch war in der Geschichte der Diaspora eine völlig neue Erscheinung. Das Judentum hatte das Hebräische als heilige Sprache ebenso leidenschaftlich gehütet, als es bereit war, in der Sprache des Alltags sich jeder Umgebung anzupassen. Daß jetzt ein Kampf um diese Sprache des Alltags entbrannte, zeigte das Neue der Entwicklung in der letzten Generation. Das Judentum kämpft um den Alltag, wie es um den Körper und um den Boden kämpft. Es hat sich säkularisiert. Der hebräische Dichter Tschcrnichowski hat vor zwei Jahren ein großes Gedicht veröffentlicht, wo er die Eroberung des Emck durch die zionistische Kolonisation als einen Sieg Baals über den Judeiigott darstellte und — pries. Der Gott der Sinne, der Fruchtbarkeit, des Diesseits siegt über den geistigen Gott. Zweifellos hat der Dichter damit eine richtige Vision gehabt, wenn auch nicht jeder das positive Vorzeichen billigen wird, das er ihr gibt. Die Säkularisierung des Judentums hat ihre ungeheueren Gefahren, vor denen wir nicht die Augen schließen dürfen. Der neuzeitliche europäische Mensch hat seit den großen Entdeckungen der Naturwissenschaften im 16. Jahrhundert sich die Erde Untertan gemacht, er konnte aber die Materie nur beherrschen, indem er sich abwendete von den geistigen Welten, für welche der mittelalterliche Mensch noch die Organe besaß. Ein Prozeß diesem ähnlich geht mit dem Judentum vor sich. Wenn ein ganzes Volk sich in Bewegung setzt, um gewissermaßen auf die Erde hinabzusteigen, die es seit Jahrhunderten nicht bewohnt hat, ist es unvermeidlich, daß zunächst die geistigen Organe geschwächt werden. Die religiösen Energien verwandeln sich in Energien des Schaffens, Bauens, Siedeins, der Politik. Es ist ein notwendiger Prozeß der Kompensation und des Kräfte-Ausgleichs, aber es ist zugleich die große Gefahr dieser Stunde. Ich will von kleinen Uebeln, vom Streit der Parteien und ähnlichen Erscheinungen schweigen. Entscheidend ist die Frage: Geht die Säkularisierung des Judentums auf Kosten seiner geistigen Substanz? Oder ist es nur ein Uebergang? Wir sehen zunächst die negativen Seiten deutlich vor uns: der neue Jude versteht den alten 'Juden niclrt mehr. Man erzählt, daß die Kinder in den Kwtizoth ihren Großeltern, die in den letzten Jahren zu ihren Kindern aus Polen oder Rußland kamen, völlig verständnislos gegenüberstehen. Man weiß, daß ein Mann wie Ben Jchuda, der die größten Verdienste um das gesprochene Hebräisch hat, ohne Verständnis war gegenüber einer religiösen Auffassung der Sprache oder ihrer literarischen Dokumente. Die palästinensische Jugend hat eine starke Beziehung zur Bibel, aber die Bif>e! ist ihr ein weltliches Geschichtsbuch. Der Schabbat ist ihr nicht der Ruhetag des Schöpfers, sondern ein Tag physischer Erholung. Erfordert es die dringende Arbeit im Dorfe, so wird am Schabbat gearbeitet, so wie der Bauer in Europa am Sonntag arbeitet, wenn es die Feldbestellung verlangt. Es wäre sinnlos, Ober all das zu klagen. Man muß es begreifen. Das Pendel der jüdischen Geschichte ist in die entgegengesetzte Richtung ausgeschlagen. Werden sich These und Antithese, geistiges-.und säkularisiertes Judentum zu einer höheren Synthese vereinigen? In solchen entscheidenden Bezirken läßt sich schwerlich etwas „tun". Sic sind dem bewußten Zugriff des Menschen enthoben. Eine Lösung des Problems wird wohl dieser Generation und vielleicht noch mancher folgenden versagt sein. Was der Einzelne tun kann, ist, die Notwendigkeit und Gewalt des Prozesses einzusehen, der über das Judentum hinüberbraust, These und Antithese in seine Seele aufzunehmen und selbst für sich und den kleinen Kreis, auf den er wirken mag, eine noch so unvollständige, noch so hruchstückhafie Synthese zu schaffen zwischen unserem geistigen Erbgut und der irdischen Welt, die wir uns neu zu erobern im Begriffe stehen. Jerusalem Hugo Bergmann Dichtungen einer Chaluzah. Aus Wien wird uns geschrieben: Rachel G riinberg, eine junge Chaluzah, die durch ihre mehrjährige zionistische Tätigkeit schon manchen Kreisen der jüdischen Bewegung in Oesterreich bekannt ist, bringt demnächst im Saturn-Verlag in Wien, I. Teinfaltstraße ö, einen Gedichtsband „Schweigen zwischen den Toren" (Gedichte und mythische Spiele in die Zeit) heraus. Ein junger Mensch unserer Bewegung formt hier die ganze eigenartige seelische Verfassung, die ihn und seine Gefährten bewegt, zu starkem, dichterischem Ausdruck. Das Buch kann nur erscheinen, wenn eine genügende Anzahl Exemplare (zum Preis von 3 öst. Seh.) vorher beim Verlag subskribiert werden. Die Beiträge unserer Mitarbeiter zu der Jubiläums - Nummer anläßlich des vierzigjährigen Bestandes der „Jüdischen Rundschau" konnten aus Raummangel nicht alle abgedruckt werden. Die meisten dieser Beiträge enthalten einen Rückblick auf die Entwicklung der letzten 30-40 Jahre und stellen ein Material zusammen, das unseren Lesern sicherlich auch außerhalb des speziellen Anlasses willkommen sein wird. Wir bringen in der heutigen Nummer noch einige dieser ursprünglich für die Jubiläums- Nummer bestimmten Artikel zum Abdruck. Mehrere Beiträge, die eine zusammenfassende Darstellung gewisser Gebiete des palästinensichen Lebens geben, werden wir sukzessive in den nächsten Nummern bringen. Das erste deutsche Organ des Zionismus Leon S c h e i n h a ti s, Mensel •40jährigen Jubiläums der „Jüdischen Rund« Von Anläßlich des schau" ist es von Interesse, die Enniu-rung an das erste zionistische Organ in der deutsch-jüdischen Journalistik wach, zurufen. Man muß sich die Situation vor 50 Jahren vergegenwärtigen, um den Mut von vier armen jungen Idealisten: Willy Bambus, Albert Kai/, Isaac Turoff und Ferdinand Wolf-Hamburg einzuschätzen, die es wagten, inmitten des jüdischen Liberalismus in der deutschen Metropole eine wenn auch bescheidene zionistische 1 nhüue ins Leben zu rufen. Es ist die Monatsschrift ,,S e r n b a b c 1", die im September lSSd in Berlin in dcutsihcr Sprache zu erscheinen begann. Die vier I IcrausgelxT bestimmten den Reinertrag dieser Zeitung zugunsten der Kolonisation Palästinas. Der Reinertrag wurde allerdings nicht sehr groii gewe-.cn sein, denn aus Mangel an Mitteln und fehlendem Intcres-e der deutschen Juden mußte diese Monatsschrift nach 11 .- Jahren ihr Erscheinen einstellen. Iis war aber doch ein bedeutender Beginn; die Abonnenten und Mitarbeiter sind auf die Wochenschrift „Jüdische Presse" übergegangen, welche damals allein unter allen jüdischen Organen den Gedanken der Kolonisation Palästinas zu fordern suchte. Die Monatsschrift „Serubabe!" führte an der Spitze jeder Nummer die bekannte Devise Sv< hat ja •»,(»: „Nicht durch Macht und nicht durch Starke, sondern durch meinen Geist". In deren Programm heilit es unter andetem: „Des Serubabel fernere Aufgabe ist, den Indifferentisnitis unserer Stammesgenossen dem Erbe unserer Vater gegenüber zu bekämpfen, sie von der Existenz eines Volkes Israel zu überzeugen, sie für die ihnen seitens ihrer verirrten geistigen Leiter und Eührcr geraubten Hoffnungen zu begeistern und endlich in ihren Herzen das heilige Feuer der Liehe zu unserem ehemaligen, von allen Nationen der Welt heilig gesprochenen Lande von neuem anzufachen". Die Einfuhrung des Blattes schließt mit den Worten: „Die Hände Serubabels haben das Haus Israel von neuem gründen helfen." In den vergilbten Blättern der Zeitschrift mutet uns beute manches aktuell an, wenn für „jüdische Schulen, für hebräischen Unterricht, für Stärkung des jüdischen Stammesbewußtseins" usw. eingetreten wird. Dabei finden sich in jeder Nummer interessante Berichte über die damals begründeten Kolonien Palästinas und das Leben der Ansiedler. Auch sachliche Erwiderungen auf Angriffe bekannter deutschjüdischer Zeitgenossen fehlen nicht, besonders gegen Rabbiner der in seiner „Israelitischen Kolonisationswerk in Palästina Dr. M. Rahmer-Magdeburg Wochenschrift" das judische oft angegriffen hat. Erwähnenswert ist noch, Dr. Gustav K a r p e 1 c s, den dal! Albert K'atz seinen Freund H-kannten deutschen Literarhistoriker und Heineforscher, dafür gewonnen hatte, einen schönen, hochinteressanten Beitrag „Der P a I ä s t i n a -Gedanke in der jüdischen Poesie" in fünf Fortsetzungen im „Serubabel" zu veröffentlichen. Schon (ruber, am 26. Januar 1SSI, hat eine Art Zeitschrift „Esra, Sammelbüchse für Palästina" in Berlin den im Krühjahr desselben Jahres begründeten „Ver<in Esra zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien" vorbereitet. Erst im Juni und Juli lSSü erfolgte die Begründung der Berliner und Hamburger l.okaikomitees innerhalb der „Esra". In Hamburg hielt am 2'). Juli ISSo Albert Katz ans Berlin vor einem zahlreichen lloierkreis einen Vortrag: „lieber die Zukunft Israels". Vor allein sollte dieser Vortrag dazu dienen, den Bestrebungen des Vereins „Esra", welcher die Kolonisation und Wiedererw e! biing Palästinas durch die Juden verfolgte, auch in weiterem Kreise Beachtung zu verschaffen. Der mit grobem Reifall aufgenommene Vortrag führte zur Gründung eines Lokalkomitees di> „E-ra". Die liberalen „Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum" (Dr. Adolf Brüll, Frankfurt a. M.), die über den Vortrag berichteten, bemerkten dagegen: (Oktober-Heft ISS0) „Diese Tatsache ist recht bezeichnend für gewisse Kreise innerhalb des Judentums in Deutschland, und es wird an der Zeit sein, solchen Bestrebungen, wenn sie nicht auf die indifferente .Wenge geisfesverwirrend wirken sollen, ernstlich entgegenzutreten." Willy Bambus war eifriger Verfechter der jüdischen Kolonisafion in Palästina und arbeitete im Zentralkomitee des Vereins „Esra" bis zu seinem l'Wli erfolgten Ableben. Albert Katz, der Schriftleiter des Blattes, hat schon seit ISS3 in Wort und Schrift, hebräisch und deutsch, den Zionsgcdanken propagiert, und selbst in seiner 30jährigen redaktionellen Wirksamkeit unter den Auspizien der Liberalen Gustav Karpeles und Ludwig Geiger hat er seiner Jugendliebe Haskala irnd Zionismus Treue gehalten. Die Aufsätze von A. K. lieben einen nachhaltigen Einschlag jüdisch-nationalen Denkens nicht verkennen. _ Juden im ungarischen Parlament. Im neugewählten ungarischen Parlament werden zwei jüdische Abgeordnete weniger Platz finden, als im vorherigen. Der der Regierungspartei angehörte Geza Desi kandidierte nicht, der oppositionelle bekannte Kriminalist Eugen I* ä I blieb in der Minderheit. Dagegen wurden wiedergewählt der 7")jährige Paul S a n d o r, der seit 14 Jahren die Budapestcr Leopoldstadt vertritt, Adalbert Fabian, Ernst Brödy und der junge Johann Vazsonyi. 92 525.- ftH&Ütti SCHIRWAN ca. 90 170 Verka < M^kSpan Pu Verkauf nur Berlin ü Spandauer Straße32 tsth

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