Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 33-34 (26.4.1935)
- Date
- 1935-04-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE RUND5CHA0 Nr. 33/34, 26. IV. 1935 Vcrtngc knnei: bck -utile internationale Juristen wie dcl-.tam und Polttis zu der l t berzcugung. dali die beste 1 o-ung des Piohluns in einem >)-tcm bestehen wurde, das dm allgemeinen, auf alle Staaten anwendbaren Grundsatz der intern l'iotnlcn Atn rkctimme der Menschenrechte ohne Unterscheidung /wischen Mehrheit und Minderheiten nrxh /\u~!ici >-iitMngch">ii.,'tn und Ausbildern zu enthalten lutte 1 m solches S\stcm wurde dui kunstluhen und etwas vwükurht h. n pulif-dim Schutz tiun.lt uiien objektiven und völlig unparteiischen Schutz ersetzen: den reinen Rechtsschutz. J«dem Individuum wäre dann — in bestimmten Fallen /war und unter Beobachtung gewisser Formalitäten wie etwa d(r vor ingt g mgi neu \nrufung der staatlichen Ipsta'i'cn - der Zug mg zur internationalen Rechtsprechung für die Ginntie der ihm zut tk mutm Rechte /u emffnen. Die Wahlen in C. S. R. Mir teilt dal hur adlinig f ntwicklung dir Theorie st ittgcfunden Int, deren f rgebnis aber, 0,1 es völlig im Sinne technisch-iunstischen, jedes pr.ht'selan Inh dts entklud.Hn IHnk.ns gewonnen ist, angesichts dei hinsehenden st lat-ru htla tu n Anschauungen und <icr iiationahtatenpohtt.-clieti Realität heute kaum als fruchtbar reehtspohti che Idee bewertet Wettlvii kann. Wahrend <hisc ( 11 Hauken« elt, auf det heute noch das Rechts >-twu dts mtcituti.milui Mmduln itensehut/ehejunt, vom ^staate^ und stinr-i um formal quantitativ m \UhrmcIi dcmgeL'enubir eine Ansilutiuniz entwickelt, "d.e eias „ei g 1 11 s 1 a nd 1 t e \olk, wie h M II B 0 e h m bezeichnet hat, zum Ausgangspunkt nimmt, Gegenüber der auf tiner vv erttrcteri, „reinen" Rechtslehre beruhenden mdividualististmn Ut taltunidts Miticicilicitenrechts entwickelte •sieh du auf dtr Wrbutiduihtit alles Rechts mit dem \\ c 1 t b e g r n 1 el e s \ o I k s t u 1,1 s fuljende politische Auflas uV \L„, Kc,ilt det f.LmdiMtionakn Volksgruppe. Hiernu.t it Mt 1' , hi ,'t nrc lit iK politische Recht" an/tlmIhi c-e' n 1.1 l'ur k im \rch,v Sir otftntliches Recht 1934 s 1'■') 11 di 'i si,, ,|,|, ts di, Rieht der rmht zum Mi>t- IL i" )< t idt 11 \ < '• i] [u 11 m einem Staate auf ,1 In 's 'ii 1 , i 1 <ih,r vi 1 im \\ 1 in der nationalen V' d i|u t in] r | t, ur \ itli 111 r /n bringen, um - > ■ I . < , ,< „ ,i- I niti buh 1/ 1, ihm. Also die 11 fs f.l ,u' |'!t ituhtu'-u' 'du 'v-dhun f Aslmiih- 4 1 1 1 i < - i , , , t ,1 11 1 Hu oi ituhrung sie I i'" . r' l,.ni'tu di "l u iVu'stdl'r^'a'r Meli" 1-t ti-n',- 'l k'tni'i ' zürn \ii~tt'ii<k ^'linrH ' J s er- ( > ' i ■ < 1 t ,.i1ir ,1 ,1', i , s, t, pi, , d rs(S schu1/- 't > * M .Iin di In 1, in Sui"he guusser stalten une \' tsse Mii i iu hm n /1 st h inen, di<" sieh dem allgem.i.i' n <h t im 1 ,s ehr n iMm pV<'ii,ibi' für immer als iruid 1h*ih i'ui somiun im (itgt-mii, dati sie für ehe uii/tlnen B.s'i.kui d, s ' v\issL das Mutut reehththen Schi t'es »hui, di 11,ist m le ist, du AJittmg \or der Unverlet/hchkeit der IVr-on 111 jeder Hmsieht zu sichern und allmählich che /ur Herstellung der vollständigen nationalen Linkt t notu t idi H"i Huhn utuui vorzubereiten" Die Minderheiten selbst wuui aber andeier Meinimg. Nach einem Beschluß dts ersten Nationalitatuikongresses vom 10. i'ktobtr Wii „soll jeder Staat, in dessen Grenzen auch dndue nationale \0Iksgruppu1 leben, gehalten »ein, ilifsen als Ci e m t 111 s c h a f t e n die freie kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung und ihren Angehörigen den freien und ungekürzten Uciuiß aller ihrer staatsbürgerlichen Rechte zu gewährleisten.... In den Staaten Europas, in deren (ireri'ui auch amhre n ition de \olksgruppen leben, soll jede n.rion de \olksguir pe buethtut sein, in eigenen offentiieh- Techththen korpt -sJn'ten, p null den b< sonderen Verhaltnissui tiiM'oiiil odtr p r <mell or-r inisiert, iht Volkstum ,u ptligui und /u ent m kt'n" Iiitst- (irundsat/e bildeten dum aii'h für ein gt'in'e tt nue IntwieKhmg die (irundlige der all Iii i,i; uiul 1 «,rd< rtuig ihrer nationalen (iinniii v' nt gi 1 V tu,' lltmiuhhMi d< r Mmtlcrhuten in dui v< l hui Mm-ui. v >r allem 11 Form der hulturaa'iu" i>' 1 1 t' 1 ' 11/1 •, vi i'hr r tlis mternatto- ,üi eh 1 \ t 1 1 1 ' i 11 Ii '11 1 1t* Pi 111/ip halt" n. I 'I t 1 t . < K ,«H niitiuiinir hit seine \\i,r,<l \ti' n i-.i uui 'Hst mu h Ni ht mr in d<T Verf 1 ,1,11 hl 1 1 u vir« 'ni iu ui I iitw nl'-n tur une Natio im ' 1 tt h! n sondern 11 11 in d-r \ ervvaltiinrcNpravi1! ii 11 iiin \1tiHKU1i', vor ll'un auf dem (icbiete ui' 1 i r, \ i' ■ , 't mt .1 r 1 mtn nmg in I * < 11 1 u ,tr < n M.m des! m/t Inen — Ii * 'nie I ..1 n' - imthvln's Ri htii'stt llungsv m n > * i ,t ' 1 i!!" \ u > .lü-ig eist in den Artui , t , , s , ' m 1 1 tait'i 'n t\\i'ftt1'rli duincht bil- 111 -i \ 1 , v> - ti \, 1 «,„ 1 a ,1,11 Lntv kklung in t. r l , ■ Im r 1 u.utr mehr \utcnerte Met''<«1 1 r i ,1 ,,iu i r 1 \ t rtittiin.' aller 1 eile dM\unss',* s, nitiv!. du« nune Prm/ip des Pro jtrhiniii1 di 1 ht il 1 in 1 1 I 111 cr< I»irteigruppieruiigen die Vutiitung im l'i'hi 111t ithut, m die Melle dts lediglich du si|u,iing du \uttiM'ig mtioiuler Minilerheitsgruripen thuiui.iui \\ ihlk„»uter tivttu. Mit der Ausbildung des Selbstlnstiin nuned mkt is mulite elann m ben tili se individuelle Stlbsthutii imun, auch die kollektive Selbstbestimmutig tittui Ihis fuhrte m elen landein die am weitesten in flu Ri i 1 1 un d - Mimluhutuiieihts gingen, zur geser/|ich(ii I i'itiilmitig der l> ulturautonouue ftir die Minderheiten. Bekannt ist das als vorbildlich gerühmte estlanuisehe kiiltiitaiit'Mioiiuigestt/ von BI25, von dessen Mt gilt hkt tteii die itt.itsihe und die jüdische Minderheit (icbiauth ('taiailit h,.ben Ms alur in dtr l ntwicklung der letzten Jahre In immer stirki un Make an Sttlie dts tlemokratistheu Staats der autoritär« uif lotditit gen Mite Staat trat, mulite <ui<h une Ve, itidutitig dtr staitsiei htlichen Stellung der m'ionalui M'ndeiheilen vor suh gt Ben Nun kann hier keineswegs von einer einheitlichen Entwicklung die Rede sun W ihiend etwa Ital.en tlas Vothantluisuii nationaler Mmduhutim tutadi Uu Miete und enu ndikale Assimilattonspoht k iMiuh, als,, k.meihi MuKkthuttmecht kennt, hat un St 1 it wh l t 111 ■> n tl /wir du! mit dun (irundgedanken dts ai'ori! i>ui -st utt s schwer /u vereinbar« mlen Autonotniepidinkui uif . >i hui, hat aber immerhin das besondere Mit d< riiutsHlnlv t s,n, wenn auch jetzt mit staatlicher Spitze, bestehen hsstn Chi nie jetzt wurde vor dem Haager S t a -i tt 1 sr r 11 I 111 t «nationalen (1 « r 1 c h t s h o t cm Streit zwisdien (inti'i nl uid und Albanien entsihieden, in ti< tu «.uiechcii! „ni ueu dlbdiiistln.ii bUdt eititr Verleuuna Zwei lüdischnationale Abgeordnete wahrscheinlich Von unserem Korrespondoiten h l. Prag,'21. April Am 11 d M trat in Mahr.-Ostrau der /eiitrakiusschuft der Indischen Partei zusammen, um über das Vorgehen bei den ParlamePtswahlcn, die am 10. Mal stattfinden weiden, zu beraten. Dureli «lic Veischarfung des VA ahlgeset/cs ist es, wie wir bereits 111 Nr. J'> dei „J. R." bc-iuhtet haben, der jüdischen Partti unmöglich gemaclit worden, selbständig bei den kommenden W ahlen zu kandidieren. I.s bestand nun die Alternative: entweder ganz auf eine jndiseh-nationale Vertretung in den gesetzgebenden Korperschalten der 1 sc!ie\:hoslr>vvakei zu ver/untn - ein selbst injigcs Vorgcuen bei dem Wahlen hatte zu dun gleichen Resultate geführt - oder ein Wahlbündnis mit einer anderen Partei abzuschließen. Es wurden V e r h a n d 111111; e n mit der tschechischen A r b ci - terpartii anehre (iriippin kamen wegen ihres antiscmitistben C lurakters nicht 111 I rage getuhrt, die zu einem gunstigen Resultate führten. Die tschechische Arbeiterpartei erklärte sieh bereit, zwei Jüdisch- Nationale auf ihren I isfen an s i ( h e r e r S t e I 1 c i n s A b g e ordnet e n h a u s zu kandidieren und im Falle eines fur sie gunstigen U ih'uisfalles thr Jüdischen Partei am h eine Senatorensteile zur Verfügung zu stellen (Im Senat, der zweiten gesetzgebenden Kammer, gib es bisher noch keinen jüdischnationalen Vertreter) In dem W ahlpaktr hentt es ausdrücklich, d.di diese beiden jüdisch-nationalen Abgeordneten im Parlamente eine eigene d nippe bilden und selbständig vorgehen können. Hie tschechische Arbeiterpartei versprach auch, sieh im künftigen Parlamente dafür ein/lisit/ui, dali dureh eine Abindcrung des Wahlgisetzis den kleinen Minoritäten, 711 duirn die Juden gihören, ein selbständiges Vorgehen bei spateren Wahlen ermöglicht werden soll. Nach längeren Beratungen faßte der Zcntralatia. Schuß der Jüdischen Partei mit einer überwältigen, den Majorität den HeschluK, den Wahlpakt gut zu he,, ben. Eine oppositionelle Stellung nahm dazu l>r 1 mil M,ir. gu Ii es ein, der A\ar erklärte, dali der Wahlpakt das Maximum des für die jüdisch-nationale Landespolltik Erreichbaren darstelle, aber dali er aus ideologischen Gründen dagegen sei. Einen anderen Weg konnte er allerdings nicht w-tsen Nach der Abstimmung erklarte Dr. Margulies, dali er den Vorsitz 1.1 der Jüdischen Partei 11 i. ,1 c r. lege. An seiner Stelle wurde Ing. Ernst Ens eher (,Mihr. Otrau) zum Voisit/enden der Jiulisihen Partei in tit.r Tschechoslowakei gewählt. Dr. Margulies hat bereits \m einigen Monaten aus bisher unbekannten Gründen seine St, als Vizcvorsit/ender des zionistischen Landesverbandes nieder! §elegt. Die Revisionisten haben für die Parlaincntswahh-n ereits mit der (ansonsten ziemlich antisemitischen; Partei der tschechischen Gewerbetreibenden Verhandlungen gepflogen, Oie Judische Partti wird den bisherigen Abgeordneten!>r! Angelo üo Idstein und Dr. (.haim Kugel, Direktor tlcj hebräischen Gvmnasiums in Munkatsch, kandidieren. Bei den Wahlen in die L a n d e s \ e r t r e t u n g t n, die atn 20. Mai stattfinden, wird die Judische Parte« selbständig auftreten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie in der Slowakei den bisherigen Abgeordneten Dr. Juh„s Reiß und in Karpathorußland Dr. Wilhelm Sternbach katn|> dicren. Das alfe Parlament wurde am 20. d. M. aufgelöst. An gleiihen Tage veröffentlichten die fünf Parteien der bisherig a Regierungskoahtion einen gemeinsamen Aufruf, in dem m anstandiger Wahlkampf gefordert und angekündigt wird, (B'i die bisherige R c g i e r u n g s k o a 1111 o n auch nach den Wahlen aufrechterhalten bleibt. Es ist dies ein in der Geschichte der tschechoslowakischen Republik ciivsr dastehender Eal', der einen groben Eindruck 111 der Oeffntlichkeit hervorgerufen hat. Es ist also anzunehmen, dali der bisherige Regierungskurs in der Tschechoslowakei auch weiter, hin eingehalten werden wird. seiner internationalen Minderlieiteiischutz.vcrpflichtimgen durch die Verstaatlichung des Schulwesens, auch des der griechischen Minderheit, beschuldigt; der Gerichtshof hat in einer prinzipiell sehr wichtigen Entscheidung dem griechischen Standpunkt recht gegeben. Oesterreich hat in die von der neuen Verfassung geschaffenen Körperschaften auch Vertreter der jüdischen Minderheit aufgenommen. Andererseits hat der nationalsozialistische deutsche Staat durch die Nichtariergesetzgebung in hier nicht näher darzulegenden Umfange die Grenzen nach dem objektive rii dem Willen des Einzelnen entzogenen Grundsatz der Rassezugehörigkeit gezogen, ohne jedoch den lediglich negativen Abgrenzungen bisher ein auch die positiven Berechtigungen enthaltendes Minderheitenrecht für die jüdische Minderheit an die Seite zu stellen. Wie man sieht, befinden sich die Dinge überall noch im FluH, so daß eine einheitliche Richtung der Entwicklung noch nicht festgestellt werden kann. Die zunehmende Stärkung und Intensivierung des Staatsgedankens und das bisher wenig befriedigende Funktionieren des internationalen Minderheitenschutzes hat immer mehr erkennen lassen, wie berechtigt die Forderung der Nationalitätenkongresse ist, die von der Grundlage vollster Loyalität ausgehend, dafür eintreten, in erster Reihe Sicherung und Erhaltung der Minderheitenrechte im Rahmen des Staates zu suchen und erst, wenn hier keine Möglichkeiten gefunden werden, die internationalen Instanzen anzurufen. Betrachtet man die Entwicklung des Minderheitenrechts in der letzten Zeit, so wird man sagen müssen, daß die besonderen Verhältnisse in den einzelnen Ländern allerdings gerade jetzt in so besonderem Maße berücksichtigt w-erden müssen, wie dies in der Tat am geeignetsten intra muros geschieht. Der so oft mit Ueberzeugung verkündete Grundsatz der nationalen Toleranz sollte aber denn auch dazu führen, den „Minderheiten der Rasse, Religion und Sprache" die materielle Existenz ihrer Gemeinschaft und die Pflege ihrer kulturellen Gemeinschaftsvverte durch Rechtssatzung und Vcrwaltungspraxis zu sichern. Dann wird es nicht nötig sein, die Staaten an ihre Verpflichtungen zur Toleranz gegenüber fremdem Volkstum, die ihnen im Rahmen der Völkerrechtsgemeinschaft obliegen, zu erinnern. Bis dahin aber werden die Minderheiten den mangelhaften internationalen Schutz der völligen Schutzlosigkeit vorziehen müssen. Die neuen Zertifikate Die Erteilung von 8000 Einwanderungs-Zcrtifikaten für das laufende Halbjahr bildet die Höchstzahl, die bisher auf einmal bewilligt wurde. Die Zahl ist um 500 größer als die des vorausgehenden Halbjahrs. Von den 8000 werden 7600 Zertifikate durch die Agency verteilt, während 400 als Regierungsreserve zwecks unmittelbarer Verteilung zurückbehalten werden. (Bei der vorigen Verteilung hatte die Agency 7050, während 450 von der Regierung zurückbehalten wurden.) Die Regierung teilte der Agency mit, daß sie die Aufnahmefähigkeit des Landes für das Halbjahr April bis Oktober 1935 auf 10 800 jüdische Arbeiter schätze. Davon werden 2800 abgerechnet für den Fall, daß Touristen ohne Erlaubnis sich ansietteln sollten, sowie für illegale Einwanderer, Auslandsstudenten usw. Falls die Anzahl der unautorisierten Ansiedler weniger beträgt als die geschätzte, erhält die Agency die entsprechende Anzahl von Zertifikaten zurück. Bei Zugrundelegung dieser Einwänderungstchitzung der Regierung für mittellose Arbeitereinwanderer wird man bei Berücksichtigung der anderen Einwanderungskategorien die voraussichtliche Gesamtzahl der Einwanderung Im Jahre 1935 mit 50 000 bis 60 000 ansetzen müssen. Die Ritoalmordlügc Kaunas, 22. April. (JTA.) Die seit einiger Zeit insbesondere im Kreis Tauroggen getriebene Ritualmordhetze hat die Rabinner der dortigen Städtchen veranlaßt, den Rabbinerverband in Kaunas um Einschreiten bei den Behörden zu ersuchen. In einer ausführlichen Denkschrift hat der Kaimaser Oberrabbirter Scliaj>iro dem Innenministerium die Lage im Gebiet von Taurogget» dargelegt. Der Innenminister hat da rauf Ii in an die lokalen Behörden im Kreise Tauroggen Instrufdionen erlassen, in denen strenge Maßnahmen zur Aufrechter h alt ung von Ruhe und Ordnung befohlen werden. Insbesondere wird angeordnet, daß der Verbreitung aufreizender Flugblätter sofort Einhalt geböte» werde. IN ALLER KURZE Im Alter von 88 Jahren ist der Oberrabbiner von Mailand, Dr. A I es sandr o Da Fano, gestorben. Da Fano stand an der Spitze des italienischen Rabbinerrats. Seitdem Jahre 1892 war er mit dem gegenwärtigen Papst Pius XI. eng befreundet, den er in der hebräischen Sprache unterrichtete. Der Oberrabbiner der Jütlischen Gemeinde von Adrlj< nopel, Nissim Papo, einer der bedeutendsten Rabbiner dei Orientjudentums, ist nach längerer Krankheit gestorben. Im Alter von 61 Jahren ist in Moskau der Leiter der staatlichen jüdischen Kolonisation in Sowjetrufiland, Peter Smidowitsch, plötzlich gestorben. Smidowifsch w?r seit 1917 Mitglied des Präsidiums des Zentralcxekutivkomitecs der Sowjets und seit August 1924 Vorsitzender der Regierungskommission für die Ansiedlung von Juden (KOMZEIj. Der neue griechische Innenminister Periclra Rhallis, der als vormaliger Generalgouverneur von Mazedonien in Saloniki Gelegenheit hatte, sich eingehend mit Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung zu befassen, empfing in Athen Vertreter der jüdischen Presse und erklärte, die grieri.:- Sehen Juden haben Anspruch auf drei Vertreter im Pariarn rat. Der Vorstand der Wiener Kultusgemcinde hat an die Stelle des vor kurzem verstorbenen Direktors der (iemcindebibiifc fhek. Dr. Bernhard Wach stein, den Verfasser des Hebräisch-Lehrbuches „Sfath Amenu", Professor Moses Rath, berufen. Der Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat beschlossen, in Wien eine jüdische Volksschule mit achtstündigen Hebräisch-unterricht pro Woche zu errichten. Das tschechoslowakische Scluilmiiiisterium hat die Moses- Statue von F. Bilek der Prager Stadtgemeind« zur Verfügung gestellt. Es wurde beschlossen, die Aufstellung* gegenüber der Alt-Neu-Schul in der Pariser Strafk zu empfehlen. In mehreren Museirmsgebäuden der Stadt Frankfurt findet zur Zeit eine große Bibeiausstelhmg statt. Neben zahlreichen bedeutenden ßibelaiisgaben sind auch die drei altesten hebräischen Bibeln, das Alte Testament *» den Jahren 1488, 1492 und 1494 ausgestellt, die außer der Frankfurter Stadtbibliothek nur noch das Britische Museum besitzt Die Polnische Telegraphen-Agentur berichtet über ein« antisemitischen Exzeß, der sich in der Ortschaft Hrubieszow im Kreise Lublin zugetragen hat. Der Exzeß wurde durch einen betrunkenen Bauern hervorgerufen. Die englischen Truppenabteilun gen In P*- ISstina sollen in diesem Jahre bis auf i960 Mann verstärkt werden, die Angehörigen der Luftstreitkräfte nicht inbegriffen. Der Reichssender München hat bekanntgegeben) daß er in Zukunft außer den Hörern, die einen Geburtstag über 90 Jahre oder die diamantene Hochzeit feiern, auch solchen gratulieren werde, in deren Ehe ein zehntes Kind geboren wird. Voraussetzung hierfür ist arische Abstammung der zu Beglückwünschenden. Die „Zentralstelle für internationales Recht", Gau „Al|V Iand" des NS-Juristenbundes legt, wie die „NSK" mitteilt, gegenwärtig eine Weltkartei aller arischen Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte und Wirtschaftsrechtlcr an, um in der ganzen Welt im nationalsozialistischen Sinne geeignete Rechtswahrcr beneiden zu können. Bei der französisch-palästinensischen Handelskammer m Paris, 5 rue Boudreau, wurde ein Initiativkomitee geschaffen, das die Aufgabe hat, die wirtschaftlichen und geistigen Beziehungen zwischen Frankreich und Palästina inniger zu gestalten. Ehrenpra-ident ist Senator Clementel, Präsident Justin Godart In den 57 Jahren des Bestehens des unabhängigen bi*" garischen Staates durfte an den jüdischen SchuIen,.die an Schabbattagen geschlossen sind, am Sonntag vormittag Unterricht erteilt werden. Auf Verlangen der ortluxh»;™ Kirchenbehörden hat nun die Regierung den Sonnfagsuni"" rieht an den jüdischen Schulen verboten. Der kanadische Finanzministcr teilte im Parlament mit, daß auf die Einfuhr von Palästina-Orangen nach Kanada künftig kein Zoll erhoben werden wird. Hauptechriftkiter: Dr. Robert Weltsch, Berlin-Olmrlnttrnbur* «• Stellvertreter und «rantwortlk-h: Kurt Loewcnslcin, «filin V 1J; Anfceigenleitmrt und verantwortlich für den Inhalt tkr An/eie"'^- RutPosener. Berlin W30. Gültig: Anxelgciiprcidi«ie 2 ». 1- Ja»- \'3* Verlag ond AnreigenverwalmnR: Jüdisrhc Rundschau, Krtlin V> Mcinckbtl. ia D.-A, Mär* 33 944. — Druck: Siegfried Sclwlem. Bcrlia-Schöoebcrg.