Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 31-32 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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^mnmmmm Hr. 31/32, 17. IV. 1935 40 JAHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 41 Um das Reichstheatergesetz Die Juden in Frankfurt am Main Prager jüdisches Musikleben In d«r Monatsschrift für das Geistesleben der Gegenwart Stimmen der Zeit" vom April 1935 kommt Dr. Paul Westtioff im Rahmen einer Abhandlung „Die kulturpolitische Bedeutung des Reichstheatergesetzes" auch auf die rassischen Erfordernisse bei der Leitung des Theaters zu sprechen. Das Rcichsthcatergcset« wie das Reichskulturkammergesetz enthielten keine ausdrücklichen Bestimmungen über die Behandlung der Nächtarierfrage. Der Reichspropagandaministcr habe jedoch in einem Erlaß vom 5. 3. 1934 festgestellt, das Auftreten auf deutschen Bühnen sei von der Zugehörigkeit zur R e i c h s t h e a t e r k a m m e r abhängig, Nichtariern werde aber die Aufnahme in diese Kammer regelmäßig verweigert. In dem erwähnten Artikel wird darauf hingewiesen, daß der Geschäftsführer der Reichstheaterkammer, Aßmann, in seinem Kommentar „Das Theatergesetz" (C. Heymanns Verlag, Berlin 1935) bemerkt, es seien zunächst die Bestimmungen des Gesetzes vom 7. April 1933 zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und seiner Durchführungsverordnungen entsprechend anzuwenden, es bestehe aber durchaus die Möglichkeit, über diese Bestimmungen hinauszugehen. In dein sodann zitierten Kommentar S. 46 heißt es hierzu: „Denn tinmal beziehen sich die genannten Gesetze nur auf die erste Phase der nationalen Erhöhung und stillten eine Entfernung aller aus rassischen und sonstigen Gründen ungeeigneten Klenientc aus dem öffentlichen. Leben herbeilühren. Außerdem schließen diese Gesetze natürlich in keiner Weise eine künftige andersartige Behandlung auch solcher Theaterschaffenden aus, die vielleicht an sich der Rerhtswohltaten der Ariergesetze teilhaftig werden könnten. Ferner ist zu beachten, daS das Theatergesetz als später ergangenes und vor allem als das Sondergesetz für das Theaterwesen unter allen Umständen früheren Gesetzen vorgeht, soweit sie im Widerspruch zu ihm stehen, bzw. durch das Theatergesetz hinsichtlich der von ihm erfaßten Personen ergänzt werden sollten." Das ist wohl so zu verstehen, daß auch solche Nichtarier, die nach dem Berufsbeamtengesetz zugelassen wären (z, B. Frontkämpfer), ausgeschlossen werden können. Im Gemeindeblatt der Frankfurter Israelitischen Gemeinde werden die Ziffern über die Bevölkerungsbewegung unter den Juden in Frankfurt a. M. im VerTaufe des Jahres 1934 veröffentlicht. Die Zahlen geben interessante Aufschlüsse über die Veränderungen, die das vergangene Jahr innerhalb der jüdischen Bevölkerung einer üroßgemehide, die bei der Volkszählung i. J. 1933 26 158 Personen zählte, hervorgerufen hat. Im Jahre 1934 sind bei der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. insgesamt nur 67 Geburten gemeldet worden; im Jahre 1933 waren es noch 107. Der geringen Zahl der Geburten stehen 314 Todesfälle gegenüber (i. J. 1933 : 233). Als Todesursache ist in 14 Fällen Selbstmord angegeben. Die Zahl der Ehescliließun gen betrugen i. J. 1933 178, i. J. 1934: 136 (davon 22 Mischehen). Die Zahl den Austritte aus dem Judentum bzw. aus der Gemeinde betrug i. J. 1933: 175, i. J. 1931: 153; Wiedereintritte in das Judentum bzw. in die Gemeinde 1933: 45 Personen, 1931: 21 Personen. Die W a n d e r u n g s b e vv e g 11 n g: 1934 zogen 1703 Juden nach Frankfurt a. M.; i. J. 1933: 1521. 1934 sind rund 1709 Personen fortgezogen; davon nach anderen Orten Deutschlands 675 Personen, nach dem Ausland 803 Personen. 1933 betrug die Zahl der abgewanderten Juden 3179, von denen innerhalb Deutschlands 1078, nach dem Ausland 2134 zogen. Der Kopfindex. Anläßlich des 70. Geburtstages von Professor Kruse, dem bekannten emeritierten Leipziger Ordinarius, macht uns ein Leser auf eine der letzten Arbeiten Professor Kruses aufmerksam, die in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" vom 16. November 1934 veröffentlicht wurden. Die Arbeit handelt vom Kopfindex, der für die Rasseforschuiig besonders wichtig ist. Professor Kruse ist auf Grund vielfältiger, auch eigener Forschungen zu dem Resultat gekommen, daß die Plastizität des Schädels vor, aber auch nach der Geburt unbczwcifelbar sei, daß „mindestens in diesem Alter von Rasseneigentümlichkeiten der Schädeltorm nicht die Rede sein kann'1. Erst nach dem 21. Lebensjahr bekomme der Kopf seine dauernde Form. Bei Säuglingen sei festgestellt, wie vornehmlich die „Umwelt", z. B. „die Lagerung höchstwahrscheinlich nicht nur die Kopf-, sondern auch die Gesichtsform beeinflußt". Aber auch bei den Untersuchungen von Auswanderern sei der F-influß festgestellt, „den einerseits der Ort ihrer eigenen Geburt, andererseits der neue Geburtsort ihrer Nachkommen auf deren Kopfform ausübt. Dabei zeigte sich unwiderleglich, daß der letztere Einfluß bei weitem überwiegt, mit anderen Worten, die „Umwelt" an der Bildung des Kopfes viel mehr (70—90 %) beteiligt ist als die „Vererbung" ... Von den Juden weiß man, so sehr sie sich sonst ähneln, daß sie einen sehr verschiedenen Kopfindex haben. Der Vergleich mit ihren Wirtsvölkern lehrt, daß sie sich in dieser Beziehung durchaus ihnen angepaßt haben. Fritz. Kortncr als Abdul Hamid. Aus Prag wird uns berichtet: In verschiedenen europäischen Hauptstädten ist dieser Tage ein Film angelaufen, der sich zu einonv triumphalen Erfolg für Fritz Kortner gestaltet hat. Als dieser sehr intensive, von eigenen Stück- und Regie-Ideen stets erfüllte Darsteller noch in Berlin war, halte er sich schon einmal um die Möglichkeit bemüht, die Figur Abdul Hamids filmisch zu gestalten. Er war damals mit seinen Plänen gescheitert. Jetzt hat er sie in England erfüllen können. „Der rote Sultan" ist ein faszinierendes Schauspiel geworden, das hundertprozentig echter Film ist. Handfest, im Bau des Drehbuchs außerordentlich geschickt und bei aller Betonung des Abenteuerlichen durchaus von Niveau — dies alles eint sich mit einer blendenden Kameratechnik, artistischen Gags für Auge und Ohr und mit einem Aufwand, der aus dem Vollen schöpft. Kortner gibt den letzten Sultan der Türkei, dieses Ueberbleibscl einer Dynastie, deren Häupter durch die Jahrhunderte geköpft, gehängt, stranguliert und vergiftet wurden. Wir kennen Abdul Hamids Bild vor allem sehr eindrucksvoll aus Herzls Beschreibung. Wie entlarvte sich ihm beim Besuch im Palast dieser „König der Könige" als ein kleines, bläßliches, rotbärtiges Männchen, das verkrümmt durch die Wunderhallen aus Marmorfiligran irrte, bis es das siegreiche Trompetengeschmetter der jungtürkischen Rebellen hinausblies. Kortner gibt dies Gespenst auf dem Thron, das sich vor Angst verzehrt, mit flackernden Augen, dem schiebenden, schleichenden Gang einer schiefen Seele, jähzornig, brünstig, raffiniert-verschlagen und zugleich unendlich einsam. Seine Leistung erinnert an seinen Zaren im „Patrioten". Nur ist alles konzentrierter un<i innerlicher geworden. Er ist nicht der einzige Jude dieses Films, der in wenigen Wochen ein Welterfolg wurde. Das Drehbuch schrieb Robert Neumann, die Regie führte Karl Grüne, an dessen Regieleistung „Die Straße" sich viele Filmfreunde noch erinnern werden. In einer kleinen Rolle begegnet man als Debütanten irrt englischen Film Walter Rilla. m. g. Abgesehen von den namhaften jüdischen Dirigenten und Virtuosen, die auf ihren Tourneen auch in Prag konzertierten, gab es in diesem Musikwinter mancherlei von jüdischem Interesse. Zu den stärksten Erlebnissen gehört die Aufführung der zweiten M a h 1 e r - Sinfonie unter Zemlinskys Leitung und die Interpretation des dritten Streichquartetts" (op. 30) von Arnold Schönberg durch das K o I i s c h - Quartett. Das so schwierige Werk wurde von ihnen (in verschiedenen Programmen) an zwei Tagen hintereinander gebracht und so meisterhaft überlegen musiziert, daß die Schönheiten dieses Meisterwerks auch denjenigen bewußt wurden, die sonst keinen Zugang zu dieser Musik haben. Wundervoll waren die Kolischs auch in einein Beethoven-Abend, dessen Höhepunkt eine wohl unübertreffliche Wiedergabe des „großen"Cis-moll- Quartetts bildete. (In Neftis „Jüd. Musiker und Spielleute" wird die Vermutung wiedergegeben, daß der Anfang des 6. Satzes an das „Kol nidre" anklinge; wer dies behauptet, kann aber das Quartett nie gehört, sondern nur „gelesen" haben.) Ein Sc Ii ö n b er g-Abend wurde veranstaltet von dein modernen „Pritoniuost" mit einleitenden Worten von Aloys Haba; gespielt wurden das Bläserquintett op. 26, die Kariimersinfonie E-dur, die Klaviersuite op. 21 (von Karl Reiner überzeugend gestaltet), Lieder aus op. 15. Prokofieffs Ouvertüre über hebräische Melodien dirigierte Malko. Hebräische Lieder sangen Vittorio Weinberg und "Lilly de üarmo. Ein nicht alltägliches Programm sangulie junge Beatrice Waghalter (am Flügel von ihrem Vater begleitet). Auf dem Programm standen sogenannte „klassische" Lieder (nicht ihre Stärke), Songs und Chansons in mehreren Sprachen und schließlich — als Höhepunkt — jiddische und hebräische Lieder, deren reifer Vortrag berechtigte BccTistertmg hervorrief. Erez Israel war mit einem Chaluzlied und einem hebräischen zarten Wiegenlied vertreten. Der jüdische Sängerbund unter I eifung Erich Wachtels brachte in einem großen Konzert nach Mendelssohns Ouvertüre „Ruy Blas" einen Psalm von Rossi und eine eindrucke starke Kantate von Milhaud, ehe allerdings nicht ganz bewältigt wurde. Das Hauptwerk des Abends war Ernst Blochs „Avodath Ha-kodesch", über das anläßlich der Berliner Aufführung hinlänglich berichtet wurde. Der Eindruck, den es hinterläßt, geht weniger vom musikalischen Gehalt als vom Wollen, der Ethik seines Sehopfers aus. Den Kantor sang wann und überragend Vittorio W e i n b er ff, V e t e r ü r a d e n w i t z Oscar Wassermann. Auf der jüngst alvrclialtencn Generalversammlung der Deutschen Bank und Diseonto-t iesellschaft widmete Dr. Oscar Schiitter, der jetzige Vorsitzende des Aufsichtsrates, dem verstorbenen Direktor des Institute, Oscar Wassermann, folgenden Nachruf: „Wir gedenken des im vergangenen Jahr verstorbenen Herrn Oscar Wassermann in größter Dankbarkeit, der über zwei Jahrzehnte, und zwar von 1912 bis 1933, dem Vorstand der Bank angehört hat. Sie haben ihn hier oft an diesem Tisch gesehen und von hier aus sprechen hören. Ein Mann vornehmster Gesinnung und von tiefem sozialen Empfinden hat Herr Oscar Wassermann seine hervorragenden Kenntnisse und reichen Erfahrungen allezeit mit größter Hingabe in Bank gestellt und ihre Interessen mit fördert. Allen, die ihn näher kannten, schönster Erinnerung, und sein Andenken wird ständig hier fortleben. Denn ihn kennen und hochschätzen, war ein und dasselbe." den Dienst unserer besten Kräften gebleibt sein Bild in r PAPIER LOWENSTEIN & KOPPEL PAPIERGROSSHAND LUN6 BERLIN SW68 / ALTE JACOBSTR. 133 /TELEFON: SAMMEL-NR. A7 0638 Papiere aller Art / : Durchschlag- und Abzugspapier Verkauf nur an Wiederverkäufer, Druckereien usw. Packpapier und seidenpapier wasserdichte PacKstoiie liefert seit 27 Jahren Landsberger «Bazar S016, Kdpenicker Str. 109a Ruf Jannowltz 0381 Kartonnagen-Fabrik Rosenstock 6 Co. G.m.b.H. BERLIN N 65 Friedrlch-Kraiise-Ufer 24 2S Kartons jeder Art, Faltschachteln, Tragekartons, moderne Massenpackungcn. Kücken- und Eier- Versandkartons. Eigene Druckerei. Telefon; C 1 Sfeinplafz 5433 Nanl Schreibmaschinen Gebr.! Eigene Reparaturwerkstatt Preiswerte Reinigung ing. Friedrich Rolhiioiz CHARLOTTENBURG 4. Wielandsir. 18 Mitglied des jüd. H. V. EUA\ laewentnal \ Bielefelder Bali- und Tischwäsche \ES* \ Tsa.ch. 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