Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 40 (1935)
- Issue
- Heft 31-32 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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Wr. 31/32, 17. IV. 1935 40 MHRE JÜDISCHE RUNDSCHAU Sefte 37 Jüdische! Lexikon Die Rache des unterworfenen Juda an den römischen Unterdrücker sieht er darin, daß Juda Rom einen Gott gab. Schncur ist von genialischer Produktivität. Leidenschaft, Phantasie und Begabung halten sich bei ihm die Waage. Sein sprachlicher Ausdruck ist kühn, nach Höchstem strebend. Wenn man Bialik als Künstler der Sch war/-Weiß-Zeichnung bezeichnen konnte, bei dem das Naturbild sich im Spiel des oszillierenden Lichts aut den Körpern auflöst, so könnte man Schncur den Dichter der satten, ausgesprochenen Farbe nennen, der das Malerisch-Statische in der Natur festhält. Von der Diclitart deutscher Klassiker beeinflußt ist Jakob K a h a n (geb. 1881), ein zarter Lyriker, der sich auch im Dramatischen versucht. Sein geistiger Kampf richtet sich hauptsächlich gegen die Lebensform der Gallith, in der er die Quelle alles Hebels und aller jüdischen Unzulänglichkeit sieht. Er ist ein vorzüglicher Uebcrsetzer und Interpret der deutschen Klassiker. Einen formalen, auf Sprache und Land gestellten Nationalismus vertritt der auch sonst, insbesondere in philosophicis verdienstvolle Jakob Klatskin. Künder der Arbeit Von Berditschewsky und seiner Schule her kommt auch Josef Chajim Brenner (1881 bis 1921). Brenners Romane sind großartige, zumeist autobiographische Dokumente einer leidenden jüdischen Generation um die Wende des 19. Jahrhunderts. Die Jugendzeit dieses Geschlechtes steckt noch tiet in der Kampfwclt der Haskala. Später gleitet die Generntion hinüber zu den Ideen Tolstois, Schopenhauers, Nietzsches und führt dann rasch ins breite Flußbett antibürgerlicher, sozial-revolutionärer, marxistischer Ideen. Brenner, diesem Strome folgend, weiß sich zwar gegenüber dem internationalen I * m!'-//'. Sozialismus ideologisch abzugrenzen, unterliegt aber kulturell vollkommen der antijudaistischen Säkularisationstendenz. Brenners Darstellung des neuen Palästinas ist in vielem von der folgenden Entwicklung überholt und widerlegt worden. Trotzdem ist die geistige Entwicklung des palästinensischen Lehens im großen und ganzen bis jetzt seinen Fußspuren gefolgt. Er proklamiert das Recht freier Wahl und Entscheidung in weltanschaulichen Fragen. Er verläßt sich dabei auf den gesunden Instinkt und die naturgegebene Reaktion des Blutes. Der tief pessimistische Zug in den Schriften Brenners ist eine Art eigenen Todesurteils. Er kann auch nicht durch seine aktive Teilnahme an den Fragen des Lebens und der Literatur verwischt werden. In seiner Verzweiflung vertagt er die Lösung des jüdischen Lebenskonflikts auf die Zeit eines heranwachsenden, stärkeren und mit sich einigeren Geschlechts. Jüdiichea Leiikon Die Jüngsten Eine Art üegenbild des sich selbst verzehrenden Brenner und dieser ganzen Literatur- und Lebensströmung repräsentiert der große Epiker der jüdischen Gegenwart Schmuel Josef A g n o n. Von dem tiefen Jüducho« Uuio" Konflikt und Selbst/crw ürfnis des „modernen" Juden ist er völlig frei. Sein Bild der jüdischen Welt Osteuropas und Palästinas ruht in sich selbst, ist harmonisch und organisch aus sich selbst gewachsen. Er lebt mit seinen Gestalten in Frieden und wirft sich nicht zu ihrem Richter auf. Seine Sprache ist von edler, hoher Einfachheit, sein Stil parasitenlos. Die palästinensische Landschaft erobert David Schimon o w i t z (geb. 1SS6) in seinen Idyllen, die zum Innigsten und Gemütstiefsten gehören, was die neuhebräische Poesie hervorgebracht hat. Sie entrollen ein verklärtes Bild des neuen palästinensischen Arbeitslcbens. Aus ihnen spricht Volkstümlichkeit und olfener Sinn für Frohmut, Humor und Geistesblitz. Zum poetischen Verklärer der zionistischen Chaluzbewegung wird Jizchak Lamdan in seiner packenden lyrischen Dichtung „Massada" (1927 erschienen). Revisionistische Staatsideen legt Uri Zwi (irinberg, ein junger hochbegabter Lyriker, seinen Dichtungen zugrunde. Das Hohelied der neuen palästinensischen Heimat singt Rachel (Bluwstcin, 1890 1931), die Lieblingsdichterin der palästinensischen Jugend. Palästinensisches Arbeitsleben schildern Ewer H a d a n i und letztens Awigdor 11 a m c I r i, ein auch in seinen Skizzen aus dem Weltkrieg und seinen lyrischen Dichtungen höchst beachtenswertes Talent. Orientalisch-palästinensische Volkstypen schildert mit großer Lebendigkeit in spannenden Milieu-Romanen und -Erzählungen Jehuda Burla. Esoterische Lyriker beachtlichen Formates hat die Gegenwart in Jakob Stcinberg und Jakob Koplewitz. Ein Lyriker von Lebensgewalt und emotioneller Leidenschaft ist Abraham Schlonski. Er und a. S t e i n m a n n sehen die Gefahr einer Stagnation im geistigen Leben in einer allzu großen Befangenheit im traditionell Anerkannten. Aesthetische Üterarkritik hat ihren Haiiptvertretcr in Jakob Fichmann, einen feinsinnigen Lyriker und Stilisten, dessen gesammelte Werke eben ediert werden und dessen Bedeutung für die Literaturentwicklung Palästinas noch besonders gewürdigt werden muß. Meister des modernen Er/ähhmgsstils sind A. A. Kabak, Dow K i m c Ii i, Ascher Ba rasch, Dwora Baron uiki der auch dun h seine wohlgelungcne Uebersetzung der Werke Schalom .Mecherns ins Hebräische verdiente j. D. Berkowitz. Von besonderer stofflicher und sprachlicher Eigenart ist der tiefe und psychologisch weit ausholende Ch. 11 a s a s. In eleu letzten Jahren treten neue lyrische Talente hervor, Linen hingen und schweren Weg hat die neuhebräische Literatur in diesen ,-\\ eiinimlt. rt Jahren ihrer Entwicklung zurückgelegt. Sie ist, InupNäi hlieh nach dem Weltkrieg, in ihre alt-neue Heimat /iirmkgekehrt um! beginnt hier ein neues, bodenverwur/cltcs Leben. Nicht leicht fällt es ihr, sich in den „engen Verhältnissen1' der I leirnat zurechtzufinden. Diese Heimat will er-t wieder neu entdeckt werden. Das erste Geschlecht des kniilever/ehrcmlen Auf Haas ist ihr nicht hold. Sie hat um ihre Existenz und Anerkennung hart zu ringen. Ihre Hoffnung ist auf eine Zeit gelichtet, die der Frage unserer geistigen Evisten/. als Juden wieder größere Aufmerksamkeit zuwenden kann. Gin «offif«*er jüfrtföer ftomrni «* * »¥ 0 ) " 5 pon Start ßmil 5 r o n} o i, bem Jtünber jübiftfitn £e£>en$ unb jübiffffer Stuftur. Oer „pojaj", heute im bellen unb ebclfjen ©inne affueff, liegt im 25. Xaufenb t>or, ift 486 (Selten ffarf und fofUf gebunbett ftlöl 4,-. ßr Ift in ben jübifcfjen 23ud)hanblungen crtj3(t(id) ober, »o 3u<f)fjanblurtgen nidji erreichbar flnb, burdj Gbmunb Weyer, Äerfin TS 50, 2«mberger ©trage 61, ju bejiefjen. „©eflem unb 6e»ff, t^Z^TZt Aufgabe, fn friftfjer, anregenber Jorm auf aften (Gebieten bes 3ubentuma STennfniffe ju Dermirfctn. 25änbe liferarifdjen, fulfureflen, religi5fcn, bio« grapf)ifcf)en 3nfjatt< »erben in furjen SfbfWnben folgen, ifnabfjängig t>on 3eif unb ©trömung toirb bie ©ammlung bat* 2Dertt>ofle oon „«Seffern'' beleben, bei Gtote t>on „fjeufe* }6rbern. 3&>ei 2ä'nbe liegen in föjfliajer Sfudflattung t>er: ,!D!e fdjbnffen £egenben au« bem lalmub* unb „Äabbi £ad?, ein Stutturbofument in SJnefbofen". — „öerjf« »riefe" unb eine trefffieffe ^ooefle t»on ff. <S. Sranjoc* folgen in aTier Rürje. 3eber Eanb in £einen gebunben JGH 1,50. — ©ur<f) bie jübifchen 25utr)fjanb(ungen ober (Jbmunb Wetter, Berlin 2B 50, Samberger ©fr. 61.!Öte jättföe 0efd,i$<e t>on 3oa«tm 1% ju lefen tric ein fpannenber Vornan, bai fragifche, toechfel» fJlHlfi/ pof(c jüjjififje (prfjirffal mcifferlid) gcffalfenb, Tonnte bereite in 12 Sfuflagen crfcbcincn. 'Die ©ornfalf cer triirbigen Sfu^ffaffung, bie jabjreiefyen 25ilb<afcln, ber mäfiigc preiö fori TOJl 5,S0 für bat gebunbene Somplar machen biefc ein.ugarfige jübifrfje ©cfrhicfjte gleich toertBofl alt» Sefif) unb ©efdjcnf. ©ic ift in jeber jübifchen Suchbanbtung oorrdtig unb, too eine folefie nicf)t Dorbanben, burdj (Sbmunb IJlesjer, Serlin 3B 50, Samberger ©trape 61, ju bejiehen. Jüdische Künstler Sie JUde de* l^-^u^ft^n^H Paula Lindberg / Andrea» Wei&gerber [ Kulturbund- Orchester, Leitung: Gen.-Mui.-Dir. Joseph Fosenstock Madrigal-Chor, Leitung : Dr. Ludwig Misch Marion Koegel / Dora Gerson / Ferrit Gondosch Tant-Orcheater „Sld Kay'« Fellows", Lt?.: Petruschka Lukraphon-Orchester u. a. m, „LIHRA , Berlin §W68 Frtcmidisfraftc 208 / A 2 Nora 4932 I Buchhandlung und Leihbücherei ■ ____ Ch»rlott»nborg, Susrezstr. 5 LWIIKaIm ElBnlA» Wilttivradf., Rüdeibeicner Str. 9 wiineimriamer Ttlefon C4 wiih.im i»s« _ Tele*. B**t. w. prompt tutyeföhH. J Ffasien-Art vielfach patent. exportiert Kerl, deutsche Erzeugerin prompt n*ch dem Aus) und Kompcnsat. An^.von nnr f«riöirn Inlerewent. wiltlc. Nah. unter Lskt.070, Bln. WM erofte Palästina Wandkarle Rfl 18.- m beiiehea von der Verla*** anielinn« der LV.I.D. Berlin W15 NetHckettr.io JAHRE 1860-1935 Hebraica/Judaica/Schulbücher Musikalien / Kultgegenstände W issenschaftliches Antiquariat M. 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